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Ich (M/19) und mein Kommentar

Hey, mein Name ist Thomas. Folgendes wollte ich eigentlich nur spontan als Kommentar unter dem Thema ("7 Sprüche, die jeder Introvertierte kennt (und leid ist)") setzen, kam aber in einen Rausch und dachte das passt eher hier rein.

Ich kopier einfach mal den ganzen Kommentar hier rein:


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Ich weiß nicht wo, ich werd's einfach hier tun;

Ich bin so froh diese Seite entdeckt zu haben, sie hat mir direkt ein gutes Gefühl vermittelt. Ich habe nie etwas von "introvertiert" gehört und dachte ich bin einfach anders als die anderen.
Habe hier ein wenig rumgestöbert und kann mich mit fast allem identifizieren, habe auch schon das Buch bestellt weil ich denke, dass es mich weiterbringen kann.

Ich wurde immer gefragt wieso ich so bin wie ich bin (geile Frage). Von Lehrern, Klassenkameraden, Familie und Freunden - und ich wusste es selbst nie. Und ich wundere mich, wieso die Lehrer nicht wussten was in mir vorgeht, denn das hätte mir einiges ersparen können..

Seit der ersten Klasse wurde mir gesagt ich beteilige mich nicht am Unterricht. Hatte eine Empfehlung für die Hauptschule (nur wegen der mündlichen Mitarbeit, schriftlich hatte ich in keinem Fach irgendwelche Schwierigkeiten und musste bis heute nicht für die Schule lernen), meine Mutter schickte mich dennoch auf die Realschule. Es ging alles weiter wie gewohnt, schlechte mündliche Leistung, durfte die 6te Klasse wiederholen.

In der 6ten Klasse fragte meine Klassenlehrerin mich wieso ich ihr beim Sprechen nie in die Augen sehe oder wieso ich denn nicht mündlich mitarbeite, die Stunde würde dann doch viel schneller vorrüber gehen - das war auch die Zeit in der ich anfing immer häufiger die Schule zu schwänzen, was alles härter gemacht hat. Ich blieb viel lieber alleine Zuhause am PC und hab Dinge gemacht, die ich gern alleine mach(t)e.
In der 11ten Klasse auf dem Weg zum Abitur musste ich mir Sätze wie "als Kind auf den Kopf gefallen" anhören, sowohl von Klassenkameraden als auch von gewissen !Lehrern!, obwohl ich schriftlich teilweise als Klassenbester durch's Jahr ging.

Ich war in der frühen Realschulzeit ein optimales Opfer für Mobbing und Unterdrückung. Ich konnte mich nie durchsetzen, hab immer nachgegeben, wollte niemandem was Böses und hab nicht verstanden wie Menschen so sein können. Es dauerte nicht lang bis Gewalt zum Mobbing kam. Auch das ließ ich mir gefallen (ich kann körperliche Schläge gut ab, habe selbst auch sehr viel Kraft für meine eher kleine Größe - spüre aber psychischen Schmerz verdammt stark und denke viel zu lange drüber nach wieso jemand was gemacht hat).
Irgendwann hab ich zurückgeschlagen, dann hat's auch etwas aufgehört mit dem Mobbing.
All das (und noch mehr) führte dazu dass ich dachte dass mit mir etwas nicht stimmt und ich das ändern !muss! (wurde stark durchs Umfeld vermittelt). Ich versuchte den Fehler in mir zu finden.

Ich hatte immer das Gefühl dass alle in meinem Umfeld dachten ich sei komplett geistig zurückgeblieben und strohdumm.. und ich konnte nie wirklich das Gegenteil beweisen.
Wenn mich jemand spontan mit etwas anspricht kann ich nie direkt eine Antwort geben, zumindest keine "coole", denn ich denke jedes Mal unendlich lange nach bevor ich was von mir gebe (und hinterfrage 1000x ob ich jetzt wirklich was von mir geben sollte) - und das wirkt auf andere echt komisch, das wusste ich lange.

Ich hatte nur eine Beziehung. Etwa von Ende 14. bis zum 16-17. Lebensjahr. Am Ende ist es denk ich daran gescheitert dass ich mich nicht öffnen konnte. Ich brauchte Wochen - wenn nicht Monate - bis ich überhaupt ein paar Worte mit ihr wechseln konnte. Der erste Kuss kam nach etwa 8 Monaten! Bin verdammt treu gewesen und hab alles verziehen.

Hatte immer das Gefühl dass es an fehlendem Selbstbewusstsein liegt. Hab die Gründe auch immer in meiner Vergangenheit gesucht und deshalb vorallem nach der 11ten Klasse stark über mich selbst nachgedacht (wo es anfing dass selbst Lehrer abf***ten).
Ich dachte ich war einfach ein viel zu naiver (oder sogar dummer) Mensch, der einfach keine Meinung und für die Gesellschaft 0 Wert hat. Ich dachte auch immer, dass jeder Mensch so tief in seinen Gedanken lebt und wollte wissen wie die dann so offen leben können. Ich habe mich nicht nach Erfolg gesehnt und besonders in der Schulzeit (also wenn grad nicht Ferien waren) ging es mir einfach darum den Tag hinter mich zu bringen damit ich endlich nach Hause kann.

Irgendwann fing ich dann an an mir zu arbeiten, hab versucht offener zu werden. Habe auch geschafft dass ich jetzt anderen beim Sprechen ganz gut in die Augen schauen kann oder im Mittelpunkt vor (auch fremden) Leuten etwas erzählen und erklären kann (was mir dennoch ziemlich unangenehm ist).
Aber trotz allem hab ich gemerkt dass ich noch der Alte bin und ich mich nicht wirklich ändern kann.
Ich habe nie mit anderen über meine Probleme gesprochen und sie immer selbst gelöst.

Für Leute aus meinem näheren Umfeld wirk ich einfach als hätte ich keinerlei Sorgen und lebe einfach in den Tag, doch für mich ist jeder Tag eine riesige Herausforderung.


- Ich hasse es mit Fremden zu telefonieren (gehe nie nie nie ans Telefon, nur Handy wenn ich weiß wer anruft)
- Ich hasse Gruppenarbeiten in der Schule
- Ich empfinde es unangenehm von Fremden umarmt zu werden
- Ich hasse Small-Talk
- Ich kann es oft nicht ab, wenn "extrovertierte" - vorallem unter Einfluss von Alkohol - so ernst über Sachen reden/diskutieren/streiten, die für mich überhaupt keinen Sinn machen
- Ich hasse Streit
- Oft verstehe ich die Denkweise anderer überhaupt nicht!
- Ich bin gerne für mich alleine
- Kann anderen Lebewesen kein Leid zuführen
- Tauche mit meinen Gedanken gerne in die Vergangenheit (habe Serien/Spiele/Erfahrungen/etc. aus Kindheit tief in meinem Herzen und beziehe die gerne in meine täglichen Gedankengänge ein)
- Ich hasse es wenn ich was sagen will (also als Antwort), der andere aber schon wieder weiterredet bevor ich überhaupt das erste Wort gesprochen habe
- Ich unterbreche nie andere beim Sprechen
- Ich hasse es mich zu rechtfertigen
- Ich kann überhaupt nicht arbeiten wenn mir über die Schulter geschaut wird
- Ich hasse es wenn ich etwas mache, dann aber jemand kommt der denkt ich kann das nicht weil ich ein wenig länger nachdenke und dann versucht mir zu zeigen wie es geht obwohl ich nur versuche den Besten Weg dafür zu finden - und wenn man da dann sagen würde was man denkt kommt man wahrscheinlich schnell arrogant oder wie ein Klugscheißer rüber oder so (weiß nicht wie ich das richtig ausdrücken kann) und deshalb sagt man lieber gar nichts, hört sich den Mist an, grinst einfach oder so und man kommt rüber wie ein Dummkopf
- Ich hasse es bewertet zu werden
- Ich bin sehr vorsichtig und prüfe alles mehrmals
[...]


Ich hoffe, dass ich in der nächsten Zeit noch mehr über mich selbst erfahren kann, denn Lebensglück ist so ziemlich das Wichtigste für mich und ich denke dass Lebensglück stark damit zusammenhängt, wie gut man sich selbst kennt.
Ich will kein Leben leben, das mir vorgelebt wird, ich will alles selber erfahren und einschätzen.
Was mir aber schon länger klar geworden ist; dass ich nicht das brauche, was andere brauchen, um mit mir selbst zufrieden und glücklich im Leben zu sein. Denn auch wenn vieles aus den Fugen gerät, ich denke ich bin ein verdammt glücklicher und optimistischer Mensch, wenn auch nur für mich alleine.
Was ich mich jetzt aber frage ist wie es sein kann dass kein Lehrer mir helfen konnte. Das Problem betrifft ja scheinbar mehrere Menschen, da fehlt irgendwie die Aufklärung. Es wird einfach gesagt so wie du es machst ist nicht gut mach es so und so und alles ist besser. Der Meinung war jede Lehrkraft. Nur wie soll das einem Kind helfen, das so tief in sich selbst lebt.


(ich gebe hier nicht alles über mein Leben preis, es gibt noch weitere Dinge)
Das ist das erste Mal dass ich mich so öffne, liegt bestimmt an dem Gefühl hier auf Verständnis zu stoßen. Ich wünsche, dass jeder seinen Weg und sich selbst im Leben findet. Lasst euch nicht zu sehr von anderen blenden..
Ich bin heute 19 Jahre alt.

DANKE FUER DIESE WEBSITE - WIRKLICH! Bin verdammt gespannt auf das Buch..
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Danke!

Kommentare

  • Hey Thomas, herzlich Willkommen! Schön, dass du da bist.

    "Ich hoffe, dass ich in der nächsten Zeit noch mehr über mich selbst erfahren kann, denn Lebensglück ist so ziemlich das Wichtigste für mich und ich denke dass Lebensglück stark damit zusammenhängt, wie gut man sich selbst kennt. "
    Seh ich genau so wie du und mach ich auch genau so wie du. Hat ne Weile gedauert, bis ich den Arsch hochbekommen hab und manchmal find ich auch meinen Weg nicht, aber ich hab das Gefühl, es wird mit der Zeit immer leichter und immer besser.

    Die Frage, warum keiner deiner Lehrer dir Verständnis entgegen gebracht hat, kann ich jetzt nur aus meinem 30-Jahre alten Blickwinkel (oh gott gegen deine 19 fühl ich mich grad mega alt ^^) beantworten.
    Ich glaube, das 1) der Großteil der Menschen nie darüber nachdenkt, ob andere Leute anders ticken könnten als sie. Es liegt in der Natur des Menschen, in jedem Fall von sich auf andere zu schließen. Da die meisten Menschen nun mal extrovertiert sind und die Extros ZUSÄTZLICH eher Probleme haben, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, wurde vermutlich schlichtweg angenommen, du bist so wie alle anderen. Dein Verhalten und dein Wesen eckten nun aber stark an dieser These an, was im Allgemeinen in dieser Welt nicht zu Verständnis (klare Schlussfolgerung= aha, er verhält sich anders, vielleicht IST er einfach anders, und vielleicht ist das auch kein problem so) sondern zu Irritation führt (wieso verhält er sich nicht so, wie wir es von ihm erwarten? wir verhalten uns doch auch alle so!).
    Darüber könnt ich noch stundenlang philosophieren, das ist eins der Dinge, die ich bei anderen Menschen oft, gerne und viel (mit Kopfschütteln, aber was willste dagegen machen) beobachte.

    2) Sind Lehrer stinknormale Menschen. Für mich hatten Lehrer immer eine ähnliche Funktion inne wie Eltern. Die Alleswisser, die über einem stehen und für jede Frage die Antwort haben. Wenn man älter wird, merkt man nur leider, dass es kein Geheimrezept fürs Leben gibt, das einem mit dem Erwachsenwerden ausgehändigt wird.
    Das Leben ist pures Chaos und wir alle tun nur so, als wenn wir verstehen würden, was eigentlich abgeht. Wir alle raten doch auch nur, wie es weitergehen kann, wie man eine Riesterrente abschließt, ob man das überhaupt tun sollte..., genau wie unsere Eltern und eben auch unsere Lehrer. Absolut niemand hat einen Plan. (Deshalb entsteht auch der Gedanke aus Punkt 1) im Sinne von "Mir müssen alle gleich sein und uns gleich verhalten." Kein Plan haben macht mega Angst, wenn man mal drüber nachdenkt. Deshalb denken die meisten leute instinktiv nicht drüber nach sondern folgen der breiten Masse und passen sich an, denn irgendwo setzt sich der Gedanke durch, wenn es so viele so handhaben, wird es schon seine Richtigkeit haben. Irgendwer von denen wird schon nen Plan haben.)

    Deshalb gab es auch in meiner schulischen Laufbahn nicht einen einzigen "übergestellten Menschen", der sich schützend vor mich gestellt und gesagt hätte "Lasst sie in Ruhe, sie ist introvertiert und das ist auch gut so!"
  • Danke @San
    Habe mich noch nie so verstanden gefühlt wie heute - es fühlt sich echt toll an =)

    Ich hatte früher immer das Gefühl dass ich einfach noch nicht so reif bin und deshalb eher nur für mich lebe. Ich hab gehofft dass es in meinem Kopf irgendwann einfach "knackt" - das mein ich so ernst - damit ich einfach besser reinpasse..
    Ich hab es gehasst dass ich Parties nicht wirklich mag, dass ich nicht so frei reden kann wie so ziemlich jeder in meinem Umfeld, dass ich mit anderen seltener so viel Spaß hatte wie mit mir selbst, und gedacht und dass ich sozial nichts tauge.
    Ich habe euch (und den Begriff) erst vor wenigen Stunden entdeckt und merke schon, dass es mich mit mir selbst weiterbringen wird, ich bin grad so glücklich (sogar mehr als sonst).

    Ich wünschte es würden mehr Menschen wissen, dass manche eben anders denken (ich mein ich wusste davon ja nicht mal wirklich was). Man fühlt sich nur selten nicht missverstanden - mündliche Noten waren/sind für mich echt die einzige Peinigung in der Schule. Und für alle Lehrer deutet dies (zumindest bei mir) leider auf Faulheit hin - zack mündlich 5.
    Daraus schließt man bei sich selbst dann manchmal auf fehlende Kompetenz als funktionierender Mensch. Und das sollte eigentlich kein Mensch von sich denken müssen..

    Aber ich seh ja dass sich hier bereits was tut und finde es echt super was hier geschieht =)
  • @TTHHXX Moin Thomas, da bist du hier wirklich in bester Gesellschaft.
    Auf allen meinen Zeugnissen (sogar für Religionsunterricht) stand drauf, ich müsse mich mehr im Unterricht beteiligen (das Wort "müssen" ist eh mein erklärter Feind. Einen Scheiß muss ich. Sterben muss ich irgendwann, alles andere ist optional).
    Meine eigene Mutter bot mir Geld dafür an, dass es EINMAL nicht auf dem Zeugnis stehen solle.
    Ich hab mich bemüht, ich hab es wirklich. Wie du glauben wohl viele Intros, dass SIE es sind, der nicht okay ist. Und wie du wurde auch ich von den Lehrern als faul und im besten Falle als zurückhaltend angesehen. Dann wiederum verstanden sie die andere Person nicht, zu der ich in der Pause innerhalb meiner Freunde wurde. Das muss für Lehrer unverständlich sein, obwohl ich mich echt frage: Hat wirklich noch nie einer der Lehrer gerafft, worum es bei diesen "Zweigesichtigen Schülern" geht, die seltsamerweise fast immer eine gute Antwort haben, wenn man sie aufruft und oft sehr phantasievoll und kreativ sind? Kommt wirklich kein einziger Lehrer während seiner nicht kurzen Laufbahn als Mentor dahiner? Oder ist es ihnen schlichtweg irgendwann egal?

    Ich kenne eine introvertiere Lehrerin. Die hat auch ordentlich damit zu kämpfen, dass sie auf einer Eliteschule unterrichtet. Menschen, die sich als Elite ansehen, sind oft sehr unangenehme Zeitgenossen. Sie selber hat natürlich als Introvertiere einen anderen Blick für Schüler, die vermutlich auch introvertiert sind. Es müsste sich aber am völlig antiquierten Schulsystem selber etwas tun.

    Von daher, du bist ja 19, damit hast du nicht mehr allzuviel Schule vor dir (gottseidank!). Ich verspreche dir, dass es eines Tages besser wird. Die Leute werden nie aufhören, dich zu kategorisieren und in Schubladen zu stecken, aber du wirst fernab von roten 5en und Korrekturrändern deine Nische finden, in der der Rest von dir zählt, der nicht in die 6 Zeilen eines Zeugnistextes passt.
  • Hallo,
    ich setze das mal altersmäßig fort und will Dir aus der Sicht der Ü40-jährigen Mut machen. Habe mich hier auch erst vor wenigen Tagen angemeldet, um aus den Erfahrungen anderer Intro's schöpfen zu können. Auch wenn ich seit meiner Kindheit Wahrnehmungen hatte, irgendwie "anders" zu sein, hat man ja als junger Mensch meist gar nicht die Lust, sich mit den Eigenheiten der menschlichen Psyche intensiv zu beschäftigen - jedenfalls hatte ICH das nicht! Ich habe mich einfach versucht, anzupassen und bin damit natürlich meist kläglich gescheitert und war unglücklich. Mein Glück war wohl aber, das bei mir das gesamte Elternhaus introvertiert ist und ich zumindest daheim nie Probleme hatte, sondern meine Eltern wohl eher glücklich waren, dass ich ganz gut mit mir allein klar kam. Irgendwann in der Schule habe ich wohl mal versucht, auszubrechen, als ich (noch zu DDR-Zeiten kurz vor der Wende) beschloss, aus einem Amt in der damaligen Jugendorganisation abrupt aus- und in die Kirche einzutreten...was ja in der DDR einer völligen Kehrtwende gleich kam. Allerdings trieb mich natürlich nicht ein plötzlicher Glaube an Gott in die Kirche, sondern dass man dort so "frei" sein konnte, kein Gruppenzwang und man konnte auch so herrlich "mit sich allein" sein. Ich kann Dir aber nur bestätigen, dass weder in der Schule, noch in der Kirche und noch weniger nach der Wende in Ausbildung und Job irgendwen interessiert hätte oder irgendwer wahrgenommen hätte, dass man introvertiert ist und daran auch nicht so wahnsinnig viel ändern kann. Ich wage sogar zu behaupten, dass mein Mann in den vielen Jahren unseres gemeinsamen Lebens (ich hatte ihn bereits mit 18 kennengelernt), nie so richtig verstanden und sich auch nie freiwillig damit beschäftigt hat, warum ich durchaus gern allein bin, diese Zeit auch dringend benötige, um meinen Tank in dieser extrovertierten Welt immer wieder zu füllen. Letztlich musste ich irgendwann aus dieser Blase ausbrechen, weil ich die ganzen Jahre versucht habe, in einem Umfeld zu leben, dass nicht meins war, Menschen zu mögen, die ich nicht mochte, und daran echt fast kaputtgegangen wäre. Es ist aber nun einmal UNSERE Stärke, mehr Empathie für andere Menschen entwickeln, Gefühle stärker wahrnehmen zu können. Und die überwiegend extrovertierte Welt ist viel zu sehr auf das "außen" konzentriert, dass sie das "Innen" anderer Menschen interessieren könnte. Ich kann Dir trotzdem nur den Rat geben, mit Deiner "Besonderheit" offensiv umzugehen, denn nur so gibt es überhaupt eine Chance, so auch akzeptiert zu werden. Wenn Du das möchtest! Ich für meine Person bin zwar jetzt glücklich mit mir, möchte aber auch tatsächlich weiterhin daran arbeiten, bei den anderen mehr Verständnis zu entwickeln für Menschen, die zwar vielleicht manchmal zu ruhig, zu unentschlossen, zu defensiv agieren, dafür aber Stärken haben, wie z.B. sehr gründlich, sehr empfindsam, sehr kreativ und sehr beständig zu sein. Seinen Platz im Leben muss natürlich jeder selbst finden, aber wenn irgendwann diese Besonderheit mehr Akzeptanz bekommt, werden wir auch mehr Chancen bekommen, z. B. in der Arbeit dort eingesetzt zu werden, wo solche Stärken gefragt sind. Und man selbst wird nicht mehr versuchen, sich den anderen anzupassen und vielleicht zu lange in Freundschaften und Beziehungen zu verharren, die einen unglücklich machen, sondern sich von vornherein anders zu orientieren und glücklich zu werden. Ich habe z.B. letztes Jahr nach meinem "Coming out" erstmal ein langes Gespräch mit meiner Chefin gehabt, die zwar in 15 Jahren gemeinsamer Arbeit sicher schon manchmal gemerkt hat, dass ich bestimmte Sachen weniger gern, andere besonders engagiert angehe, mich nun aber viel besser dort einsetzen kann, wo meine Stärken gefragt sind.
    Oje, das ist jetzt doch wieder ein Sermon geworden, aber wir wollen ja Erfahrungen austauschen und das geht nun mal schlecht in Kurzsätzen. Ich wünsche Dir auf jeden Fall, dass Du den richtigen Weg für Dich findest, mit dieser Besonderheit zu leben. Ich glaube, ich hätte mich auch gern schon früher so wahrgenommen und möchte jetzt manchmal wissen, wie mein Leben dann verlaufen wäre.
  • Hallo Thomas,

    auch ein herzliches Willkommen von mir.
    Als ich deine Vorstellungsrunde durchgelesen habe sind mir so unglaublich viele parallelen aufgefallen. Der Werdegang von uns beiden ist gar nicht so verschieden, abgesehen von der körperlichen Gewalt, dass war bei mir nicht der Fall. Aber auch Ich wurde eher in die "Loserecke" gedrückt weil ich nicht den neuesten Modehype mitgemacht habe, nicht so viele Leute kannte, nicht oft auf Parties war oder eingeladen wurde ... all diese Sachen eben.
    Es hat bei mir auch Ewigkeiten gedauert bis ich realisiert habe was überhaupt bei mir los ist. Ich bin jetzt 28 und habe erst mit 27 gemerkt das ich introvertiert veranlagt bin. Es war so ein richtig böses, dreckiges "klicken" im Kopf als ich in dem Buch von Patrick gelesen habe. Meine ganze Kindheit, all die Fragen und Handlungen die mich jahrelang beschäftigt haben, war plötzlich wie von selbst erklärt. Ich hatte nun so gut wie auf alles eine gescheite Antwort mit der ich leben kann. Richtig befreiend ... also das Buch wird dir gefallen!

    Zum Thema Lebensglück:
    Stimme ich dir voll zu. Wer sich selbst kennt und noch wichtiger, akzeptiert wie man ist, dem steht der Lebensfreude nichts mehr im Weg.
    Ich führe mein Leben nun auch nicht mehr so wie die Allgemeinheit mich möchte. Ich wohn in einer abgefrackten Wohnung ohne High-End Highteh-Anlagen, weil ich es nicht Brauche. Ich fahre ein 15 Jahre altes Auto, weil es mein Lieblingsauto ist. Ich fahre/fliege nicht alleine in den Urlaub und mache Bilder von mir auf dem Himalaya mit der Überschrift "Namaste" um der Welt zu zeigen wie unglaublich aufgeschlossen ich anderen Kulturen gegenüber bin (was ja momentan irgendwie der Hype schlecht-hin ist).

    Thema Lehrer
    Im Grunde ist deiner Frage und der Antwort von @San nichts mehr hinzuzufügen.
    Man könnte noch hinzufügen das wir in Deutschland in einer westlichen - und damit extrovertierten - Gesellschaft leben, dementsprechend werden wir unbewusst auch so erzogen. Leider wird nicht jeder nach seiner Persönlichkeit gefördert. Sicherlich gibt es auch Lehrer die das verstehen und auch so agieren, aber meine Erfahrung nach ist dass nicht bei allen so.
    Dir stehen 2 Wege offen.
    Entweder du nimmst den fröhlichen, mit vogelzwitschern begleitenden Extroweg den man dir zeigt oder du schaust um die Ecke und nimmst doch lieber den Introweg der in den bösen, dunklen Wald führt *gg*... ich bin umgekehrt und in den Wald gegangen ... is geil hier xD.
  • Heyo.
    Ich bin zwar ein extro, aber kann dich dennoch echt gut verstehen!
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