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Wie sagt ihr, dass ihr mehr eigene Zeit braucht?

Hallo. Seit einiger Zeit habe ich eine neue Freundin. Das ist toll. :) Da wir beide weit auseinander wohnen, sie eigene Kinder hat und ich keine und in manchen Dingen sehr unterschiedlich sind, wollten wir es einfach versuchen und schauen, wo es uns hinbringt. Wir hatten auch schon den ersten gemeinsamen Urlaub hinter uns und es lief sogar besser als erwartet, auch wenn sich unsere unterschiedlichen Interessen und Hobbys bemerkbar machten.

Es fällt mir manchmal auf, dass es ihr nicht so leicht fällt, wenn ich meine Zeit zum Auftanken brauche. Es ist nie so, dass sie das offen sagt. Heute zum Beispiel habe ich den letzten freien Tag innerhalb meines Urlaubs. Ich wollte die Zeit allein für mich nutzen. Am Nachmittag chattete ich kurz mit meiner Freundin und sie fragte dann, ob wir telefonieren könnten. Das machten wir, schließlich unterhalte ich mich schon gerne mit ihr. Nach knapp einer Stunde wollte ich langsam das Gespräch beenden. Ich sagte ihr das, auch das ich den letzten freien Tag für mich brauche. Es kommen dann Kommentare von ihr wie "ach, Du möchtest jetzt lieber alleine sein" oder "ich will nicht weiter stören". Mir ist nicht klar, ob sie mein Bedürfnis nach Auftanken und mal alleine sein wirklich versteht, oder sie einfach enttäuscht ist, dass wir nicht weiter telefonieren. Sie war am Strand mit den Kindern und ich hatte den Eindruck, sie würde am liebsten den ganzen Nachtmittag mit mir reden. Aber so was strengt mich ziemlich an und entwickle dann Abwehrmechanismen. Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich ein introvertierter Mann bin und was das im Einzelnen bedeutet.

Wie macht ihr das (z.B. am Telefon), wenn ihr ein Gespräch langsam beenden wollt, aber die andere Seite nicht darauf eingeht? Ich sage das schon, wenn ich andere Dinge machen möchte, dann fängt sie oft mit völlig neuen Geschichten an zu erzählen, die zudem sehr langatmig sind. Ich frage mich dann, merkt sie nicht, dass sie mich damit anfängt zu langweilen?

Die erste Frage, die einem bei dieser Geschichte einfällt ist wohl, ob sie auch introvertiert ist. So seltsam das klingt, genau weiß ich das nicht. Ich selbst schätze sie eigentlich extrovertiert ein, sie ist gerne unter Menschen, eloquent, ausdauernd in Gesprächen. Und sie braucht oft andere Menschen, um sich zu bestimmten Aktivitäten durchzuringen. Aber selbst sagt sie, dass sie eher introvertiert ist und eigentlich große Menschenmengen nicht mag. Mir ist zumindest nicht klar, ob sie meine Bedürfnisse wirklich versteht und nicht als reine Distanzierung ansieht.

Kommentare

  • mmmh, ja der Begriff introvertiert wird durchaus sehr undifferenziert verwendet. Nur weil jemand keine Menschenmengen mag, heißt das nicht er sei introvertiert. Oder nur weil jemand Tagebuch schreibt oder mal alleine nen Buch liest oder abends in melancholischen Momenten mal meint, sehr nachdenklich zu sein, heißt das auch nicht das er introvertiert ist. Meiner Auffassung nach ist wahre "Introversion" tatsächlich eine sehr fundamentale Gesinnung der Persönlichkeit, die schon tiefer in einem Menschen veranlagt ist.

    Zu deinem Problem: das kenne ich auch. In meiner eigenen Beziehung handhabe ich es so, dass ich ehrlich darüber spreche wenn mir etwas nicht passt und dann auch versuche zu erklären warum das so ist. Wenn es nicht ankommt, egal. Aber man muss schon auf sich aufmerksam machen und kann nicht vom Gegenüber erwarten das es einem die Gedanken liest. Ebenfalls falsch wäre es Ausreden zu erfinden, denn diese ändern an dem eigentlichen Problem rein gar nichts, werden den Druck von Außen auf kurz oder lang eher sogar noch vergrößern.

    Ansonsten versuche für dich auszuloten was du mit ihr für gemeinsame Tätigkeiten hast; und wann du dir deine eigene Zeit nimmst. Versuche halt sone Art Mittelweg zu finden, der beide Seiten zulässt aber nichts ausgrenzt. Ansonsten kann man son Telefonat auch auf ne Zeit schieben, die einem besser passt oder einfach mal das Handy/den Chat für ein paar Stunden unberührt lassen. Solang du nicht erreichbar bist, kann dir auch niemand "auf die Nerven gehen". Und wenns die eigene Freundin ist.
    Solang du sie nicht gezielt über längere Zeiträume ignorierst, sehe ich da kein Problem. Jeder braucht mal Zeit für sich oder nen passenden Moment für etwas ;)
  • Moin moin,

    wenn ich das richtig verstanden habe, dann bedeutet der Begriff "Introversion" ja eigentlich nur eine einzige Sache: Dein Gehirn ist neuronal anders vernetzt, sodass du deine Energie aus deinem Inneren oder dem Inneren von anderen Personen/Dingen beziehst (Intro), wohingehen ein Extrovertierter seine Energie von anderen, vom Außen (extro) bezieht.
    All die Dinge, die wir deshalb machen und die fast alle oder viele introvertierte Menschen auszeichnen sind ja nur Begleiterscheinungen dieses Umstandes.

    So wie du deine Freundin schilderst, kommt sie mir nicht introvertiert vor, wie Dr Bob sagt ist der Begriff oft missverstanden und nur weil man Menschen(mengen) nicht mag, sagt das noch nicht über die Art der Energiezufuhr aus. Und dass sie trotz deiner Signale einfach weiterschwatzt finde ich äußerst rücksichtslos und irgendwie egoistisch. Ich will nicht sagen, dass Intros sensible Umgangsformen für sich gepachtet haben, aber ich würde allein von dieser geschilderten Situation erstmal zuerst auf extro trippen.

    Deine Freundin klingt mir stark danach, als würde sie dich anzapfen. Für zwei extros mag das ja auch sinnvoll und schön sein, wenn man sich gegenseitig mit Energie versorgen kann, aber wenn ein intro dabei ist, kann das schnell zu nem starken Energiegefälle führen, weil du ihr alle Energie gibst und sie dir alles nimmt.

    Da komm ich wieder mit meinem schlauen(dämlichen) Spruch: Givers need to set the limit, because takers rarely do.

    Wenn du ihr wirklich was bedeutest, muss sie einfach einsehen, dass das zu dir dazugehört, dass du dir ab und zu deie Zeit nehmen musst. Diese Zeit ihr zuliebe nicht zu nehmen halte ich für fatal. Erstens spielt sich eure Beziehung dann so ein und sie erwartet, dass es immer so sein wird. Und zweitens tust du dir selber damit keinen Gefallen, weil du immer ausgebrannter werden wirst.
  • Ina
    edited August 2016
    Hallo Raj,

    ich teile die Meinung meiner Vorschreiber.

    Grundsätzlich liegt der Unterschied zwischen introvertierten und extrovertierten Menschen darin, woher sie ihre Energie beziehen. @San hat das schon sehr gut beschrieben: Wir introvertierte Menschen bekommen unsere Energie eher aus uns selbst. Extrovertierte hingegen benötigen andere Menschen und die Außenwelt wie die Luft zum atmen.

    Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass wir Intros gute (!) Gespräche nicht durchaus auch sehr genießen können bzw. sie uns sogar auch Energie geben können. Wir brauchen nur anschließend etwas Zeit, um das Erlebte zu verarbeiten und um wieder zur Ruhe zu kommen.

    Auch extrovertierte Menschen haben ihre stillen Momente. Allerdings wohl eher, wenn es ihnen nicht so gut geht, sie traurig sind oder gerade einen melancholischen Moment haben. Deshalb kennen auch höchstwahrscheinlich alle Intros die Frage "Alles in Ordnung? Du sagst ja gar nichts...". ;-)

    Ich finde die Aussagen Deiner Freundin deshalb nicht so nett. Wenn Deine Freundin beispielsweise sagt, dass sie "nicht weiter stören will", dann macht das auf mich den Eindruck, als wollte sie Dir ein schlechtes Gewissen machen. So nach dem Motto: "Ich würde mich ja so gerne noch weiter mit Dir unterhalten, aber DU möchtest ja das Gespräch beenden." Das finde ich ehrlicherweise nicht besonders fair und partnerschaftlich. Jeder hat in seinem Alltag gewisse Dinge zu regeln und zu erledigen. Manchmal möchte man einfach nicht stundenlang am Telefon hängen, nur weil der andere so gerne quatscht oder gerade Langeweile hat. Vor allem uns Intros fallen häufig tausend andere Dinge ein, die man während dieser Zeit noch erledigen könnte. :-)

    Mir kommt es anhand Deiner Beschreibungen auch so vor, als ob sie während dieser Telefonate den Hauptanteil am Gespräch hat. Täuscht das oder ist das auch tatsächlich so? Ist es mehr ein wirkliches Gespräch (also im Sinne einer Unterhaltung) oder doch eher der typische Monolog einer extrovertierten Person? Stellt sie Dir Fragen? Hat sie Interesse an Dir und Deiner Tagesplanung?

    Nur weil jemand keine Menschenmengen mag, ist er noch lange nicht introvertiert. Das kann auch ganz andere Gründe haben wie Schüchternheit oder schlechte Erfahrungen beispielsweise.

    Ich habe übrigens die Erfahrung gemacht, dass es gegenüber Extrovertierten häufig besser ist, wenn man nicht unbedingt sagt, dass man alleine sein möchte bzw. Zeit für sich braucht (die können dieses Bedürfnis einfach nicht so gut nachvollziehen wie eine andere introvertierte Person), sondern seinen Wunsch einfach in eine oder mehrere Tätigkeiten "verpackt".

    Um bei Deinem Beispiel mit dem letzten freien Tag zu bleiben: "Du, ich muss jetzt langsam mal das Telefonat beenden. Morgen geht die Arbeit wieder los und ich habe noch Berge an Wäsche zu waschen." Oder so ähnlich. ;-)



  • Liebe Leute, vielen Dank für Eure Rückmeldungen und Ansichten. Es fällt mir nicht leicht, eine klare Haltung zu bewahren. Mal denke ich, so schlimm ist es gar nicht und dann stört es mich doch sehr. Sie ist eigentlich schon ein lieber Mensch und ich denke, Sie würde mich nicht böswillig schaden wollen. Es geht einfach um den Ausgleich unserer Bedürfnisse und Wünsche.

    Wenn ich am Telefon merke, dass ich müde bin, dann sage ich das rechtzeitig. Sie sagt dann manchmal, dass sie auch sehr müde ist und es nicht schlimm ist, wenn wir dann nicht so lange telefonieren. Aber dann gewinnt sie noch mal Kraft und wird munterer, während ich zusehend müder werde und eine Pause brauche. Vielleicht auch ein Anzeichen, dass Sie ihre Kraft aus den Gesprächen bekommt und ich eher aus der Ruhe. Wenn ich nicht müde bin, dann kann ich ohne Probleme eine halbe bis ganze Stunde ein Gespräch auf gleicher Höhe führen, aber danach wird es anstrengend.

    Ich mag es eigentlich nicht, irgendwelche Gründe vorzuschieben, also zu sagen, heute muss ich ganz viel erledigen, wenn das nicht stimmt. Da möchte ich schon ehrlich sein. Aber es kann für den Anderen schon schmerzhaft sein zu hören, dass man in dem Moment lieber alleine ist, statt sich zu unterhalten. Es ist nicht einfach, aber ich lerne dazu.
  • San hat wie üblich nen dummen Spruch dazu: The problem with being introverted is that there is no polite way to say "I love you, but I'm tired of being with you right now."
  • Ich weiß ja nicht wie oft ihr euch seht, aber in abetracht deiner Äußerungen, dass sie Kinder hat und weiter weg wohnt, wohl seltener.
    Ich bin jedenfalls kein Smalltalk Gespräche Master, so wie die meisten Introvertierten die ich kenne auch. Deswegen finde ich es persönlich auch blöd, Stunden zu telefonieren. Mir geht es dann meistens so, dass ich irgendwann nix mehr zu bereden habe und mich son Telefonat dann irgendwie anstrengt. Ähnlich wie ich es bei dir rauslese.
    Mir ist daher der persönliche Kontakt und gemeinsame Erlebnisse lieber als stundenlange Telefonate am Abend. Vllt kannst du es ja irgendwie in die Wege leiten, dass ihr mehr unternehmt; und dafür auch mal nen Abend Pause voneinander habt. Dann habt ihr beim nächsten Mal mehr zu bequatschen und meiner Meinung nach schweißen persönliche Erlebnisse auf kurz oder lang eh mehr zusammen als Telefonate.
  • Hallo, nochmal danke für die bisherigen Antworten. In der Zwischenzeit hat sich unsere Partnerschaft weiterentwickelt, damit auch unsere Konflikte. ;) Ich möchte es aber trotzdem mit ihr versuchen und sie eigentlich auch.

    Ich merke, dass sie eine recht extrovertierte Person ist. Jetzt nicht in dem Sinne, ob jemand große Menschenansammlungen mag oder nicht, sondern dass sie in Gesprächen und Zusammensein mit anderen Menschen ihre Energien auftankt. Das ist auch völlig in Ordnung und es gibt viele funktionierende Beziehungen zwischen Extros und Intros.

    Es gibt Situationen, da gehen wir unterschiedlich heran. Das stellt noch keinen Konflikt dar und oft können wir das mit Humor nehmen. Aber ich merke, dass mein Verhalten von einem Extro völlig anders gedeutet werden kann und das führt zu sehr klassischen Missverständnissen.

    Ein Beispiel, es kam das Thema Besuch bei ihren Eltern hoch. Ich möchte sie wirklich kennenlernen, aber der Vorschlag hat mich sehr abgeschreckt. Sie meinte, ich sollte zu einer reinen Familienfeier dort mitkommen. Dabei sind sie, ihre drei Kinder, ihre Eltern, ihre Schwester, dessen Partner und noch weiterer Anhang dabei. Es sind also 9-10 aus der Familie da, außer meiner Freundin kenne ich eher flüchtig ihre Kinder, aber ansonsten niemanden. Hinzu kommt, ihre Kinder wissen noch nicht, dass wir zusammen sind, ihre Eltern schon. Mich überfordert die Vorstellung, innerhalb einer Familie reinzuplatzen, nur beobachten zu können, ein Fremdling vor vielen Fremden zu sein, die sich innerhalb bestens kennen. Ich habe das meiner Freundin gesagt, dass diese Konstellation für mich sehr ungünstig ist. Quasi alle auf einen Haufen. Ich lehnte das Angebot ab. Ich hab vorgeschlagen, dass wir einfach mal alleine zu ihren Eltern fahren könnten, aber sie meinte, die ganze Familie gebe es nur zusammen, weil die Schwester und Partner im selben Haus wohnen.

    Okay, so weit, so gut. In einem anderen Zusammenhang kam dann von ihr der Vorwurf, ich wolle ja ihre Eltern nicht kennenlernen. Daraus folgerte sie, ich wolle die Beziehung mit ihr nicht. Ich fand das einfach gemein. Ich fühle mich da unverstanden, wenn sie nicht wahrnimmt, dass so eine stundenlange Familienfeier mit vielen fremden Menschen ohne Ausweichmöglichkeiten mit meiner Veranlagung äußerst suboptimal ist. Ich habe es versucht ihr zu erklären. Habe aber das Gefühl, dass mein introvertiertes Verhalten gerade gegenüber anderen Menschen als Desinteresse insbesondere an der Beziehung gewertet wird.

    Wie seht ihr das? Ist euch das in ähnlicher Form auch passiert? Wie geht ihr damit um, wenn eure Veranlagung selbst von engsten Personen als abweisend und distanziert verstanden wird? Ich bin gerade etwas ratlos.
  • Hey Raj,

    Mal ne doofe Frage, die nach Wortklauberei klingen könnte, aber benutzt du Worte wie "suboptimal" und "ungünstig" auch, wenn du versuchst, es ihr zu erklären?
    Meine Erfahrung ist, dass die richtigen Worte extrem nuanchiert Sachverhalte darstellen können und die "falschen" eben einen anderen Sachverhalt darstellen oder schlichtweg nicht genug sind.

    Wenn ich mir vorstelle, dass ich die Familie von meinem Freund noch mal komplett auf einen Haufen kennenlernen müsste, fallen mir Worte wie "erdrückend", "kräftezehrend", "überfordernd", "einschüchternd" ein. Während ungünstig und suboptimal für mich irgendwie Gefühle wie Ausweichen und "joa.. einfach nicht so gut" anklingen, was beides tatsächlich als "keine Lust" interpretiert werden könnte.
    Ich finds schon mal super, dass du es ihr überhaupt sagen kannst (ich tu mich mit sowas immer schwer) aber vielleicht reicht es noch nicht, ihr zu signalisieren, WIE schlimm sich das für dich anfühlt.

    Ich weiß nich ob das vielleicht völlig übertrieben von mir ist, mit Worten bin ich n bisschen extrem unterwegs und das muss ja deswegen nicht auf andere zutreffen. Aber vielleicht ist es ja wie du sagst und sie missversteht einfach deine Worte.

    Zu dem Vorwurf, du würdest ihre Eltern nicht kennenlernen wollen: kannst du ihr nicht vorschlagen, zusammen mit ihren Eltern mal Essen zu gehen? Auf die Weise läufst du nicht Gefahr, gleich zusätzlich noch Schwester und Schwager kennenlernen zu müssen.
  • edited September 2016
    Jap, ich bin zwar noch nicht in dem Alter wo es um Kinder und Schwiegereltern geht, aber die Tatsache das Äußerungen nicht bzw. falsch verstanden werden kenne ich nur zu gut.
    Den Tipp den San gegeben hat, finde ich aber extrem gut. Ich rede mich selber nämlich manchmal auch um Kopf und Kragen, wobei mir einfach die richtigen Worte fehlen. Einem Intro müsste man halt vieles gar nicht erst erklären; und so kommt es zu Stande, dass man manchmal haargenau aufpassen muss was man sagt, wenn man mit nem Extro über gewisse Themen kommuniziert. Sonst läuft man Gefahr völlig falsch verstanden zu werden.

    Entscheide für dich was du tust. Ich würde auf jeden Fall nochmal mit neuen Worten probieren mit ihr zu reden. Wenn es wirklich keine vernünftige Alternative gibt, die Eltern kennenzulernen, musst du dich halt entscheiden. Entweder du stellst dich der Aufgabe und sammelst somit eventuell große Pluspunkte oder du hörst auf dein inneres und verzichtest.
  • Boah das habe ich auch erlebt mit Frauen die vorallem "gern viel zeit mit mir verbringen wollten." Das war aber dann auch eher der Fordernde Typ (Thema: love knows no demands!). Keine Ahnung ob das bei dir auch so ist, ich hatte dann teilweise Sprüche wie "ich habe das Gefühl du hörst mir garnicht zu/unterstützt mich nicht",.. ja klar, wenn man drei tage und Nächte aneinander pickt ohne freie Minute für sich, und das alles nach anstrengenden Arbeitstagen mit fließendem Übergang..da ist man gleich der Miesepeter.

    Was ich für mich gemerkt habe: ob man dem anderen ohne "beleidigt zu sein" seinen freien Raum lässt oder nicht, ist für mich ein Reifemerkmal, weil man schließlich in dem Moment loslassen und die Bedürfnisse des anderen - wie auch immer sie sein mögen! - Wertschätzt und respektiert. Geht das nicht, ist das ein langfristiges no-go von beiden Seiten. Außerdem stellt man in dem Moment das was "ich will" vor das "was er/sie braucht (Personal space)".. klar könnte man das auch andersrum deuten, etwa das du deinen freien Raum "willst" und sie Gemeinsamkeit "braucht" (was aber irgendwie auch doof ist/bedenklich mMn, aber alles Auslegungssache und grad der Intensität/motivation)..

    Wie lange kennt ihr euch denn schon, das Familie so ein großes Thema ist, bzw. mal mit den eltern wo essen zu gehen so problematisch?

    Also wenn mich sowas erwarten würde ohne Ausweg, würd ich mich davor schön auftanken, superfood essen, meditieren, etwas sport machen, dann kann ich kurzzeitig auch die Plaudertasche raushängen lassen, mich verabschieden und nicht auf ein "nächste Woche wieder, Schatz?" hoffen :-P Vor Vorstellungsgesprächen mach ich das auch immer.. da bin ich dann der super präsent-proaktive supergau der sich von nichts einschüchtern lässt und die Augen hoch leben lässt ^^ muss auch geübt sein

    Ansonsten klingt scheisse, aber immer ein Open mind haben, wer weiß wie die Leute dort sind, vl versteht ihr euch ja gut, der vater hat nen irre tollen Humor, Mutter kocht wie die Oma usw usf.. kann ja alles passieren, man muss sich ja im voraus kein "so wird's sein" Szenario ausmalen.

    Und bzgl solchen Szenarien --> soviele Menschen integriere ich am besten, wenn ich zentriert bleibe und mich immer nur auf einen konzentriere (kann ja auch schnell wechselnd sein). Aber versuchen so "alles auf einmal zu integrieren, mit jedem zu interagieren" oder so ein wisch überfordert mich und stößt mich deshalb in die beobachtende Rolle. Also ich bleib fokussiert bei mir und richte den rest meiner Aufmerksamkeit auf eine Person. Da mögen zwar alle da sitzen, aber wenn Mama mit mir redet red ich mit Mama. Wenn der Papa was sagt red ich mit ihm.. ich muss mich ja da nicht auf alle beziehen.. alles oberhalb von dreiergesprächen ist wissenschaftlich erwiesen (oder so^^) sehr ineffizient :-P und selbst beim dreier fokussieren sich zwei immer auf einen (pun intented).

    Notfalls absagen und auf ein Essen im Restaurant bestehen und mit den Konsequenzen ihrer reaktion darauf leben, oder ins kalte Wasser springen und mit den Konsequenzen derselbigen Leben. In beiden Fällen wirst du .. 'leben' :-P zwar mit Konsequenzen. Aber alive! :-D
  • Hi Raj, vielleicht kann ich als Ambivertierte etwas dazu beitragen... ;-)
    Ich habe hier vor kurzem Rat gesucht und er dem Thread "Ambivertierte braucht Euren Rat" (Zwischenmenschliches)
    Gerade heute ist mir so einiges klar geworden, vielleicht hilft dir sich Sicht des Gegenübers ebenfalls weiter.
    Was zuerst ganz wichtig ist, wir können nicht in Euch reinschauen, nach Außen wirkt ihr ganz anders, und es sich oftmals nicht ersichtlich, wieviel Kraft Euch manche Situationen kosten.
    Was ist oft erlebt habe ist, dass ich von einem introvertierten Menschen gesagt bekommen habe, er hat überhaupt keine Zeit etwas zu unternehmen. In einem ausführlichen Gespräch habe ich ihm die Wirkung versucht zu erklären. Man fühlt sich, als hätte der andere für alles Zeit, nur nicht für mich...das ist nicht gut.
    Ich möchte dir raten, sei wie du bist, erkläre ihr, was dir wieviel Zeit raubt, sei bitte ehrlich, alles andere spürt sie, dass das nicht wahr ist.
    Die Zeit allein ist für Euch extrem wichtig, essentiell, lebensnotwendig, und die einzige Möglichkeit, um Kraft zu tanken. So wie ich es verstanden habe, kostest auch Zweisamkeit mit einem geliebten Menschen Kraft. Das ist ganz entscheidend zu verstehen, somit geht ihr etwas anders mit Euren Kraftreserven um, da dies ja auch noch für alle anderen "Verpflichtungen" reichen muss.
    Bei Ambivertierten/Extrovertierten ist das etwas anders. Ich kann für mich sprechen, ich bin auch gerne alleine, genieße die Zeit, aber ich ziehe genau so viel Energie aus einer gemeinsamen Zeit, mit einem Menschen, den ich mag. Und genau da beginnen die Probleme. Meinem Freund könnte ich ohne Probleme viel Zweisamkeit geben und auf meine Alleinzeit verzichten, weil es für mich gleichwertig ist. Bei dir oder bei introvertierten Menschen ist dies anders. Die Alleinzeit braucht einen festen Platz, und ist auch durch nichts zu ersetzen.
    Ich möchte dir raten, ehrlich zu sein, deiner Freundin genau zu erklären, was du gerne machst, was dir Kraft bringt, ggf. auch ab und zu zweit. Sie muss die Hintergründe verstehen. Mir hat das Buch "Kopfsache" sehr geholfen, um einiges zu verstehen.
    Seine Freundin weiß wahrscheinlich nicht, wie viel Kraft es kostet, wenn ihr Euch "nach Außen" wendet, und welche Umstände es dir leichter machen.
    Ich glaube, du solltest sehr deutlich deine Gefühle darstellen und ihr vielleicht auch sagen, wie sie dir ihre Liebe zeigen kann, dann findet sie den richtigen Weg.
    Sie wirkt fordernd, aber letzten Endes genießt sie Eure gemeinsame Zeit genauso wie du deine Alleinzeit, und wer könnte nicht verstehen, dass man davon nicht genug bekommen kann? Ich hoffe, ihr findet einen Kompromiss, der richtige Weg ist, ganz deutlich zu sagen, was geht und was nicht geht.
    Ich drücke ihr ganz fest die Daumen.
  • edited August 20
    Bin gerade über diesen Thread "gestolpert", weil mich aktuell diese Frage beschäftigt:

    Wie erkläre ich es einem nahestehenden Menschen (Partner*in/Freund*in etc.), dass die Allein-Zeit essentiell wichtig ist? Und NICHT bedeutet, dass ich den nahestehenden Menschen NICHT mag...

    So wie @Ambi es passend geschrieben hat (Die Zeit allein ist für Euch extrem wichtig, essentiell, lebensnotwendig, und die einzige Möglichkeit, um Kraft zu tanken. )

    Ja, ich als Intro brauche es einfach, Zeit und Ruhe für mich. Wenn dann eben noch dieser blöde Umstand kommt, mal wieder Überstunden für den Job machen zu müssen, sind die Akkus schnell leer...

    Aber die nahestehende Person geht ja dann auch "leer" aus: Zeit, die durch die Überstunden geklaut wird und Zeit für mich. In Summe also weniger bis im schlimmsten Fall für ein paar Tage gar keine Zeit...

    Was also tun, wenn es dieser nahestehende Mensch nicht verstehen kann?
    Was tun, wenn dieser Mensch mit dieser Situation nicht umgehen kann?
    Sich zurückgewiesen fühlt...

    Da kommen dann so Sätze wie "aber ICH kann Dir doch Kraft geben..."

    Kennt Ihr das?

    Ich fühl mich dann schnell so etwas wie "beziehungs/freundschaftsunfähig"...

    Andererseits frage ich mich, ob bei diesem nahestehenden Menschen so etwas wie eine "Abhängigkeit" besteht? Mich, meine Zeit, meine Energie, meine Anwesenheit zu "brauchen"?
    Oder ist das "nur" die unterschiedliche Perspektive Intro vs. Extro?

    Fragen über Fragen... ;-)

    Lieben Dank für Eure Sichtweisen!
  • edited August 21
    All das, was Dich, @wind_und_wellen, beschäftigt, war definitiv bei mir auch lange ein Thema, das bei meinem Partner Unsicherheit verbreitet hat. In meiner Beziehung hat es Zeit gebraucht, dass er begriffen hat, dass dies keine Ausreden sind, dass er mir auch sehr wichtig und sehr teuer ist, wenn ich mir meinen Spielraum schaffe, aber dass ich meine Zeit für mich oder auch für intensiven Schlaf brauche. Er merkt das auch, wenn er bei mir ist. Wenn's denn dann zuviel Zeit wird, die ich aus seiner Sicht mit meinen mir wichtigen Angelegenheiten verbringe, dann macht er darüber eine Bemerkung. Diese holt mich dann definitiv zurück auf den Boden - und ich kann mich wieder unserer Zweisamkeit widmen.
    So ähnlich hat es mein Freund auch des öfteren formuliert, dass er mich unterstützen könne. Mittlerweile weiß er, dass dies nur bedingt möglich ist. Dass ich Kraft aus weiteren Quellen beziehe, nämlich auch in mir selbst finden möchte, in meinen Beschäftigungen.
    Ich kann Dein Hinterfragen, "beziehungs/freundschaftsunfähig" zu sein, sehr gut nachvollziehen, diese Gefühle sind bei mir auch immer wieder aufgetaucht - und haben mich umso mehr verwirrt, als ich mich vor 20, 30 Jahren überhaupt niemals so empfunden habe. Da war ich, so scheint's, ein anderer Mensch ...
  • Lieben Dank für Deine achtsamen Worte @seelenbilder :-)

    Die Kraft in sich selbst finden - ja, das kenne ich nur zu gut.
    Und Du ja auch :-)
    Und wie schön zu lesen, dass Ihr beide da einen Weg gefunden habt :-)

    Ich komme mir da häufig vor, als spreche ich eine fremde Sprache. Die Worte lassen sich übersetzen, aber ein wirkliches Verstehen entsteht nicht.

    Kommt mir so vor wie damals. Anderen Menschen versuchen zu beschreiben, wie sich eine akute Neurodermitis-Haut anfühlt...
    Zwei Mal habe ich Verständnis erlebt. Mit vielen Jahren Verspätung... als die beiden Personen (Mutter und Tante) selbst eine Phase von nicht heilbarer Hautaffektion durchleben "durften".
    Ihr Kommentar: "JETZT weiß ich, was Du meinst!"

    Hmmm... also weiter standhaft und sich selbst treu bleiben.
    Merke aber, dass ich es langsam leid werde, mich immer und immer wieder zu erklären... :-/
  • Hallo @wind_und_wellen,
    ich glaube, ich muss noch erwähnen, dass ich auf verschiedenen Kanälen "gesprochen" habe, um mich verständlich zu machen: Ich war auch auf dem Weg, es leid zu sein, mich oft zu wiederholen, noch dazu, wo wir in ganz vielen Punkten gleich oder sehr ähnlich "ticken".
    Manchmal, wenn mir das Reden zuviel war / ist, dann griff / greife ich zu Zettel und Papier und schreibe ein Brieflein. Keine Vorwürfe, einfach nur, wie ich die Welt empfinde und fühle. Oder ich schreibe eine Mail! Tatsächlich kann sowas in mir selbst etwas bewirken - und auch bei meinem Partner. Mir selbst hilft das Schreiben, zu sortieren, er kann öfter lesen und versuchen, zu verstehen. Bislang hat das immer geklappt, allerdings kann ich nich ausschließen, dass ich doch auf das eine oder andere noch einmal hinweisen muss.

    Ich verstehe, was Du meinst, in Hinsicht auf "Verständnis". Ja, leider ist es definitiv so, dass viele Menschen ihr DU erst dann verstehen, wenn sie Gleiches / Ähnliches erleben.
    Geht uns das nicht manchmal selbst so, auch, wenn wir noch so empathisch sind? Ich darf mich da hin und wieder dabei ertappen ...
  • Mit dem Verständnis ist das so eine Sache. Wir alle brauchen das Verständnis des anderen. Aber wie viele Dinge kann ich auch nicht verstehen.

    Für mich heißt es dann: Auch wenn Du es nicht verstehen kannst, dann solltest Du es trotzdem akzeptieren. Dann ist schon viel gewonnen.
  • Lieben Dank an @Nethi und @seelenbilder

    Ja, es wird immer wieder mal etwas geben, was auch wir nicht verstehen können.
    Selbst, wenn ich schon sehr viel erlebt habe - habe ich doch noch nicht "alles" erlebt.

    Für mich ist es dann wichtig, so wie @Nethi es schrieb, es "wenigstens" zu akzeptieren. Also zu wissen und es zu respektieren.
    Nach dem Motto: Wie Du mir, so ich Dir und andersrum ;-)
  • Ich denke Kommunikation ist das A und O....
    Erlebe es grade selbst. Ich Extro, habe Interesse an einer Intro Frau und seit 2 Wochen, haben wir, viel hin und her geschrieben, über private Dinge. Alles auch mit zeitlichen und respektvollen Abständen meinerseits, so wie es ihr eben gepasst hat. (Habe einiges gegoogelt und gelesen, was den Umgang mit Introvertierten angeht)

    Jetzt bekomme ich jedoch seit 3 Tagen keine Antwort mehr, trotz Nachfrage...

    Sowas ist blöd für mich und ich weiß nicht, wie ich mich verhalten soll. Würde man einfach sagen, ich muss ne Woche Batterien laden, würde meine eigene Gedankenwelt viel ruhiger sein.
  • @Herzmensch

    Ja, das ist sehr wichtig: miteinander reden.
    Und das ist sicherlich auch sehr ungünstig, wenn jetzt von der Dame Deines Herzens keine Antwort kommt.

    Keine Ahnung, was die Ursache ist, warum sie sich nicht meldet?

    Ich kann das auch nachvollziehen, dass es für Dich einfacher wäre, wenn Du wüsstest, woran Du bist. Vielleicht ist das der Dame gar nicht klar?

    Ich drück Dir die Daumen, dass sie sich noch bei Dir meldet und dass Ihr beide da eine Ebene der klaren Kommunikation findet :-)
  • Aus gegebenem Anlass: Kommt es vor, dass ihr eifersüchtig seid, wenn eure extrovertierten Partner*innen ihre Energie aus dem für sie bereichernden Austausch mit anderen Personen ziehen?
  • Das ist eine interessante Frage!

    Da würde ich einmal antworten: es kommt drauf an :)
    Darauf, wer die anderen Personen sind. Die junge, gut aussehende Arbeitskollegin, die es mit der Treue zum eigenen Partner nicht ganz so genau nimmt
    Oder der Freund aus Schultagen, mit dem man(n) sich auch nach all den Jahren noch einmal im Monat auf ein Bier in der Stammkneipe ums Eck trifft.

    Nur mal so als Beispiel.

    Grundsätzlich ist es mir inzwischen lieber, mein extrovertiertes Umfeld powert sich gesellschaftlich mit anderen aus, als dass man mich überall hin mitschleifen möchte.
    Und da ich im Gegenzug gern meine Ruhe genieße, sollte ich vielleicht entsprechend freigiebig sein, wenn andere auf Trubel aus sind.

    Das mal als meine Gedanken zu dem Thema.
  • edited September 22
    Danke dir schon einmal @enjoythesilence für die Antwort!
    In die Runde: Ich freue mich darüber, mehr Beispiele zu lesen :)

    Vorab: In so gut wie jedem Kontext bin ich in größeren Runden (ab 3 Personen :P) nicht gerade gesprächig, kann aber dem Lauschen von Gesprächen gewiss einiges abgewinnen und finde es klasse, wenn ich in dieser Rolle verweilen und aufmerksam zuhören darf.
    Na gut, es soll vorkommen, dass auch ich mal mitgerissen werde und wenn das passiert, freue ich mich natürlich riesig ;)

    So oder so, ich habe das Bedürfnis, das für mich interessante Gehörte, Gelernte und Erlebte mit meinem Partner zu teilen, ihm davon zu erzählen.
    Er scheint das sehr unangenehm zu finden, damit nicht umgehen zu können, ganz egal, welches Gefühl da mitschwingt, es kann etwas Lustiges sein, etwas Fröhliches, Bewegendes... Ich habe schon oft den Eindruck gewonnen, dass er eigentlich davon gar nichts wissen möchte und auch eifersüchtig werden kann. Da schwingt dann auch eine Ablehnung meiner Erzählungen mit. Für mich fühlt es sich falsch an und irgendwie stumpf, wenn ich solche Situationen weglasse oder wenn ich versuche, sie "neutral" wiederzugeben. Ich bin es nicht gewöhnt, meinem Partner gegenüber filtern zu müssen. Das schafft eine merkwürdige Distanz. Alles fühlt sich so unecht und konstruiert an.
  • @byen_221,
    es liest sich sehr, sehr eigenartig, wie sich der Mann an Deiner Seite verhält.
    Es wirkt, als wäre er von seiner Gefühlswelt recht abgeschnitten. War er immer so, seit Du ihn kennst, bzw. womit kann er Dich erfreuen? Welche Qualitäten siehst Du in ihm?
    Liebe Grüße, Seelenbilder
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