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"Ich bin nicht euer Pausenclown"..

Finde ich im Moment eine treffende Kopfzeile für mein derzeitiges Problem.

Ich will kurz erklären, worum es geht:

zugegeben, ich benötigte in den letzten Wochen und Monaten viel Zeit für mich. Geschuldet einer Umbruchphase, dank derer ich genug mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt bin, mir Zeit zum lesen und für mich selbst nehmen möchte, aber doch immer wieder von einem Schuldgefühl geschüttelt werde, mein Umfeld zu vernachlässigen.
Was bei Lichte betrachtet, nur bedingt stimmt. Ich bin trotz meiner eigenen Unzulänglichkeiten trotzdem für andere da.
Vielleicht nicht in dem Maße, wie es von meinem engsten Umfeld bisher gewohnt war und nach wie vor offenbar erwartet wird, daher werden sie jetzt wohl drängelig. Fast schon beleidigt, auf ein Mißverständnis folgt das nächsten, weil die Kommunikation nicht oder nur schwer funktioniert. Die entstandene Unstimmigkeiten bin ich bemüht, aus dem Weg zu räumen, was jedoch wieder kostbare Zeit in Anspruch nimmt. Ein kleiner Teufelskreis. Und dabei will ich doch einfach nur mal meine Ruhe (wie bei LORIOT in dem berühmten Sketch, wo der Mann einfach nur mal im Sessel sitzen möchte und sie aus der Küche immer Vorschläge, macht, wie er seine freie Zeit gestalten könnte *sigh*)

Ein Beispiel für die Kommunikationsschwierigkeiten: ich genieße es sehr, mich in schriftlicher Form mitteilen zu können. Die Nachricht schreibe ich, wenn mir danach ist und die Zeit dazu da ist und die andere Person bekommt die Nachricht, wenn sie Zeit dazu hat.

Was für mich genial ist, ist jedoch nicht jedermanns Sache.

"Gern" werden da mal Kernaussagen von mir überlesen, etwas gerät in den falschen Hals oder aber und das glaube ich bald, ist der Hauptgrund: manch ein Gegenüber ist gefrustet, wenn es mehr Texte als Face to Face Kontakte von mir bekommt. Manchmal habe ich den Eindruck, daß die Kommunikation per mail absichtlich erschwert wird, um mal wieder "labern" zu können. Ob live oder am Telefon. Und ich muß es euch sicher nicht erklären, wie mich hohles Gelaber momentan aufhält.

Was aber machen?

Ich weiß. Grenzen setzen. Auf die eigenen Bedürfnisse hören. Freundlich aber bestimmt Einladungen (und damit meine ich vor allem Selbsteinladungen des Gegenübers) ablehnen. Zur Not mit einer nachvollziehbaren Begründung.

Um mir dann Irritationen und "Gemecker" von meinem Gegenüber abzuholen.
Mist. Ich dachte, der Knoten wäre endlich geplatzt und ich wüßte, wie es geht. Bin jedoch offenbar in manchen Beziehungsgeflechten immer noch zu sehr verstrickt.

Da ist es wieder: dieses Bedürfnis nach Alleinzeit, das vermutlich nur ein Fellow-Intro nachvollziehen kann.

Edit: deswegen sind Erwartungen und daraus schlimmstenfalls Forderungen so giftig.
Oft fühlt sich das Gegenüber, an welches Erwartungen gestellt werden, in die Enge gedrängt oder unter Druck gesetzt.

In meinem speziellen Fall habe ich nicht den Eindruck, daß dies, was ich durchaus leiste, in irgendeiner Weise gesehen und gewürdigt würde. Das schmerzt dann doppelt, wenn man den Eindruck hat, nichts richtig zu machen..

Gelingt es euch, solche Mißstände zu ignorieren? Und wenn ja, wie?

Kommentare

  • @enjoythesilence

    “Um mir dann Irritationen und "Gemecker" von meinem Gegenüber abzuholen.”

    Sind das Leute, die du magst? Denn das klingt schon unverschämt. Wobei ich sagen muss, dass es nicht so überraschend ist, wenn du vorher mehr gegeben hast bzw. die Erwartungen und Forderungen erfüllt hast, denn es ist leider nicht unüblich, dass sich daraus eine Anspruchshaltung entwickelt. Ein Privileg zu geben ist einfach, aber versuch es wieder wegzunehmen und du wirst mit unglaublichem Widerstand rechnen müssen.

    Begründungen sind für nette und verständnisvolle Menschen gedacht, können gegenüber anderen jedoch kontraproduktiv sein. Letztlich sollte ein einfaches “Nein, danke” genügen. Wer das grundsätzlich nicht akzeptieren kann wird auch die beste Begründung nicht akzeptieren können.

    “Gelingt es euch, solche Mißstände zu ignorieren? Und wenn ja, wie?”

    Ignorieren funktioniert bei mir glaub ich gar nicht. Jedenfalls nicht innerlich, nach außen hin habe ich durchaus schon unausgesprochene Erwartungen einfach ignoriert, da ich der Meinung war, wenn derjenige etwas von mir will, soll er es mir gefälligst sagen. Oder ich reagiere genervt, das kann auch zu einer “Lösung” führen.
  • Hallo wanderingstar,

    ich danke dir sehr für die rasche Reaktion auf meine mißliche Lage. Mußte das einfach mal "zu Papier" bringen, was da in letzter Zeit so läuft.

    Genervt reagieren führt in jedem Fall zu einer Lösung :) das habe ich auch das ein oder andere Mal schon erfahren. Jedoch ist das keine Lösung, die ich anstrebe, auch wenn sie den Zweck erfüllt.

    Im Grunde suche ich nach Verständnis bei meinem Gegenüber und das offenbar nicht indem ein Streit vorangegangen ist, was ja doch meist kontraproduktiv ist, da man dann mit einem Schlag aus einem Problem zwei gemacht hat..

    Danke dir auch für deine Einschätzung, daß es unverschämt klingt. Das ist es im Grunde auch, denn meine Bedürfnisse werden zwar wahrgenommen, jedoch habe ich den Eindruck, daß dann trotzdem am nächsten oder übernächsten Tag wieder genau am selben Punkt angesetzt wird, ohne wohl etwas verstanden zu haben.

    Und ja, es sind Menschen, die mir wichtig sind, um die es hier geht.

    Ich hatte vor Urzeiten mal einen Thread gestartet mit dem Titel "Auszeit im Kloster" - vielleicht sollte ich dieses Vorhaben mal endlich verfolgen! ;)
  • Wie werden deine Bedürfnisse wahrgenommen?

    Es gibt aus Höflichkeitsgründen immer wieder vorgeschobene Begründungen, warum jemand etwas ablehnt. Manchmal wird ein Grund genannt, der auch zutrifft, aber nicht der Hauptgrund ist, manchmal ist man auch einfach nicht zu sich selbst ehrlich. Vielleicht nimmt dein Gegenüber deine Äußerungen auf diese Weise wahr und nimmt sie deshalb nicht ernst. Denn wenn jemand schon am nächsten Tag wieder dort ansetzt, dann ist das bei ihm nicht wirklich angekommen.
  • Guten Morgen @enjoythesilence und mein Mitgefühl!

    "Ich bin nicht euer Pausenclown".. will ich auch sooo oft gerne einfach sagen.

    Die Worte von wanderingstar "Ein Privileg zu geben ist einfach, aber versuch es wieder wegzunehmen und du wirst mit unglaublichem Widerstand rechnen müssen." haben sich für mich als wahr erwiesen. Du bist eine sehr herzliche, offene, kommunikative und auch engagierte Person. Wenn es dir gut geht und die die Kraft und Motivation hast.
    Die Leute sind das gewöhnt und wenn du diese Erwartung mal nicht aufrecht erhalten kannst, dann reagieren sie irritiert.
    Von außen ist dann sicherlich nicht sichtbar, warum, aber du scheinst anders.

    Ich kann dir nur raten, bleib stark und bleib starr bei deinen eigenen Interessen. Riskiere den ein oder anderen Konflikt, auch wenn es sich nicht gut anfühlt. Oder fliehe aus Situationen oder vor Menschen. So zu handeln wie die Leute dich erwarten wenn es dir grade absolut nicht in den Kram passt, hieße dich zu verbiegen. Für andere. Und du bist momentan genau auf dem gegenteiligen Weg.

    Ich sag mal so, vielleicht hilft auch schon die klare Ansage "Ich kümmer mich gerade um mich selber, bitte akzeptier das. Ich komm zu dir zurück, wenn es an der Zeit dafür ist" die Leute können schließlich keine Gedanken lesen sondern sehen nur, dass irgendwas anders ist.
    Wer das nicht akzeptieren kann, der sollte mal einer Tauglichkeitsprüfung unterzogen und gegebenenfalls ein wenig abgesägt werden (ich weiß, wir beide können das nicht gut aber wir sind ja aufm Weg, nü?)

    Generell ist mir auch noch aufgefallen, dass Menschen einem einfach super schnell weh tun können, wenn man aus der Balance ist. Du kennst ja meine letzten Threads, sie zeugen von großer Disbalance und damit einhergehender Unsicherheit.
    Wenn ich nur wackelig auf einem Bein stehe, wirft ein Mensch, der mich nur an der Schulter berührt schon schnell um, ich falle, tu mir weh und schreibe meine Schmerzen auf die Person und unsere Beziehung um, im schlimmsten Falle stelle ich Dinge, die Person oder sogar mich dadurch infrage. Wenn ich balanciert auf beiden Beinen gestanden hätte, wäre die Berührung an der Schulter sehr wahrscheinlich ein liebevoller Körperkontakt gewesen, der die Beziehung stärkt.
    Das ist mir mal aufgefallen als ich mich fragte, warum alle zu treten scheinen, wenn wir am Boden liegen und sie damit aufzuhören scheinen, wenn wir aufrecht stehen können.
    Weil zwischenmenschliche Beziehungen, Aktionen und Reaktionen stimmungsgetrübt, subjektiv und objektiv bewertet und viel schwammiger sind, als ein Beispiel mit Disbalance auf einem Bein. Niemand bohrt absichtlich in deine Wunde. Aber ein Finger, der gar nicht bohren sondern stubsen wollte, bohrt unversehens trotzdem, wenn du großflächig voller Wunden bist.
    Die Menschen wollen dir nicht weh tun. Das sie es gerade trotzdem tun, ist unverkennbar. Deshalb stärke dich umso mehr und schau, dass du deine Balance für dich selber wieder findest. Nicht für die anderen. In deinem Tempo, auf deinem Weg, auch wenn der zurückgezogen ist.
  • Gestern hatte ich den Eindruck, daß meine Bedürfnisse oftmals übergangen werden.
    Sie werden registriert, jedoch nicht verinnerlicht, schon gar nicht, wenn mein Gegenüber scheinbar dringendere Bedürfnisse (z.B. nach Hilfe und Aufmerksamkeit) verspürt.

    Umso dramatischer finde ich die ganze Sache, weil ich seit einiger Zeit versuche zu lernen, meine Erwartungshaltung runterzuschrauben und im Hier und Jetzt zu bleiben, sowie von meinem Gegenüber nichts zu fordern. Umso mehr freut es mich, wenn ich dann etwas bekomme, da es freiwillig gegeben wurde, ohne Druck oder vorangegangener negativen Stimmung.

    Mag sein, daß ich da einfach schon weiter in meiner Entwicklung bin.

    Mag auch sein, daß ein Teil meines Umfeldes kein Meister darin ist, die etwas leiseren Töne zu verstehen. Und ja, ich tu mich wohl immer noch etwas schwer mit Grenzen setzen, weil ich Vorwürfe, daß ich zu langsam arbeite oder nicht oft genug helfe, nur schwer ertragen kann.

    Es spielen auch so Dinge mit rein, daß wenn das Umfeld ein gutes Stück extrovertierter ist, das Gegenüber sich vermutlich denkt, daß wenn ich mich schon ganze 2 Tage am Wochenende nicht melde, ich doch wohl genug Zeit für mich gehabt haben müßte.

    Ja, im Prinzip stimmt das. Ich habe momentan jedoch offenbar viel Alleinbedürfnis, oftmals keine Sprechstunde und möchte mich neben meinen eigenen Schwierigkeiten und Plänen nicht auch noch mit den Unzulänglichkeiten Anderer auseinandersetzen müßen.

    Das Dumme ist wie gesagt, daß es sich bei den schwierigen Fällen um mir nahestehende Personen handelt, weshalb mir ein "Stop" oder "Nein" umso schwerer fällt.

    Aber ja, ich muß nach mir und meinen Möglichkeiten schauen und danach leben.
  • @San

    da habe ich für die Ausformulierung meiner neuesten Zeilen dann doch so lange gebraucht, daß sich unsere posts überschnitten haben :)

    Das Bild auf einem Bein zu stehen und angestupst zu werden, nehme ich noch sehr gern mit! Auch die Tatsache, daß mir die Menschen nicht wehtun wollen, ich jedoch gerade schmerzempfindlich bin. Im wahrsten Sinne sogar, mein Kiefer ist mal wieder total verspannt.. höchstes Alarmzeichen, die Bremse zu treten.

    Gehen wir unseren Weg! Auch wenn er oftmals steinig ist.
  • "wenn mein Gegenüber scheinbar dringendere Bedürfnisse (z.B. nach Hilfe und Aufmerksamkeit) verspürt." Da fällt mir sofort der Satz ein "Givers need to set the limits because takers rarely do."
    Inzwischen ist mir klar, dass es Menschen gibt, die absolut kein Problen damit haben, zu nehmen (strange, oder? ^^) und das passt total gut in die Schiene "Gestern hatte ich den Eindruck, daß meine Bedürfnisse oftmals übergangen werden." rein.
    Taker sehen wohlmöglich, dass du dich anders verhältst und auch andere Bedürfnisse zu haben scheinst als sonst, aber sie sind es gewohnt, Hilfe und/oder Aufmerksamkeit von dir zu bekommen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Aufmerksamkeit, vor allem wenn sie einem sehr gut tut oder die Person einem lieb ist, süchtig machen kann.

    Du stellst zwar ein Schild an deinen Obststand "Bin gleich wieder da!" stellst aber das Obst nicht rein. Die Leute kommen und bedienen sich einfach selber, anstatt von dir bedient zu werden.
    Ich verstehe total, dass das bei nahestehenden Personen super schwer ist. Das ist auch irgendwie ne Frage von Gewohnheit. Man ist in einer gewissen Weise miteinander eingespielt und das ruft Erwartungshaltungen auf den Plan, die schwer zu durchbrechen sind.
    Das zu ändern wird ein Prozess sein, der nicht innerhalb von ein paar Tagen oder Wochen sichtbar wird und es wird Mut und Hartnäckigkeit erfordern.
    Aber wie ich schon sagte- ich weiß, dass du da auf einem guten Weg bist.

    Ich versuch übrigens auch grade, bei ein paar alten Bekannten meine Muster zu durchbrechen. Ich versuche, aus der Clown-Rolle auszubrechen und mehr zu zeigen, wer ich darunter bin. Mit Gedanken, Zerbrechlichkeit, Intimität und Zuneigung. Alles andere als leicht!
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