Hey Fremder!

Sieht so aus als wenn du neu hier bist. Wenn du mitmachen willst, drücke einen dieser Buttons!

Aufgrund der Datenschutzgrundverordnung ist es wichtig, auf das Impressum sowie die Informationen zum Datenschutz hinzuweisen. Hier sind die entsprechenden Seiten: Impressum – Datenschutzerklärung. Außerdem möchte ich auf die Hausordnung des Forums verweisen.

Methoden für das freie Sprechen

Hallo zusammen,

hoffentlich setze ich diesen meinen ersten Beitrag in das richtige Unterforum...

Ich bin neu hier und ebenfalls introvertiert. Mehr und mehr beginne ich mich damit abzufinden und dank der Seite introvertiert.org durfte ich etwas darüber lernen, warum ich so funktioniere, wie ich es eben tue. Jedoch bereiten mir meine Defizite bei allem, was mit Sprechen zu tun hat, große Probleme. Wenn ich spontan zu irgendeinem Thema etwas sagen soll, zu dem ich eigentlich etwas weiß, dann bekomme ich die Dinge nicht so schnell sortiert und ich fühle mich dann richtig dumm und es haben sich Hemmungen und Ängste aufgebaut mit der Zeit. Dabei bin ich doch gar nicht dumm, habe ich doch immerhin ein anspruchsvolles Studium hinter mir. Ich bewundere die Menschen die viel zu einem Thema einfach so und locker flockig erzählen können. Soll ich etwas sagen, dann bin ich nach zwei bis drei Sätzen fertig. Dann habe ich, so denke ich, den Kern vermittelt. Mehr kann ich auch gar nicht sagen, selbst wenn ich es wollte. Irgendwie geht das nicht.
In der Englischen Sprache habe ich dasselbe Problem, nur das es da noch stärker ausgeprägt ist. Beim Sprechen fallen mir oftmals die richtigen Worte nicht ein.

Wie viele von euch Intros haben mit demselben Problem zu kämpfen? Habt ihr Techniken um mit diesem Defizit besser umgehen zu können?

Danke und beste Grüße,
philos

Kommentare

  • Hallo @philos,

    kannst du die Situationen näher beschreiben, in denen du dieses Problem hast? Geht es um eine Arbeitsumgebung, private Runden, öffentliche Reden? Wirst du spontan nach inhaltlich anspruchsvollen Beiträgen gefragt? Sind es Dialoge oder eher Gruppensituationen? Gibt es die Möglichkeit, Gegenfragen zu stellen nach dem, was dein Gegenüber genau hören möchte?

  • Hallo Philos,
    ich verstehe, was Du meinst. Mir geht es genauso. Ich hasse es, aber leider kann ich es nicht ändern oder weiß zumindest nicht wie. Es betrifft eigentlich alle Bereiche: Arbeit, Privat und ganz schlimm - wenn ich auf Partys mich mit Fremden unterhalten soll - das funktioinert am schlechtesten. Ich ärgere mich jedes Mal darüber. Nur mit ganz engen Freunden habe ich das nicht. Ich bin ITler, das ist ja eh ein komisches Völkchen, hört man immer wieder. Das hilft Dir zwar nicht weiter, aber wenigstens weißt Du dass Du nicht allein bist mit dem Problem :)
    VG
    Emily
  • Geht mir genauso. Allerdings bekomme ich noch nicht mal den üblichen Small Talk auf die Reihe. Und jedesmal wenn ich es doch versuche komme ich mir selbst wie eine Fremde vor. Ich empfinde mich selbst als total seltsam^^
  • Hallo @philos,

    ich bin auch neu hier im Forum und verstehe sehr gut, was du meinst. Mit einer Person kann ich mich noch gut unterhalten. Da bekomme ich sogar einigermaßen guten Smalltalk hin - sogar, wenn mir die Person fremd ist. Bei drei Personen wird's schon schwierig, vor allem wenn ein Extro dabei ist. Dann verkrampfe ich. Längere Redephasen bekomme ich dann nicht hin und habe regelrechte "Wortfindungsschwierigkeiten" und tue mich schwer, Sätze vernünftig zu formulieren. Ich bekomme die Gedanken in meinen Kopf nicht so schnell sortiert. Je mehr mir das bewusst wird, umso verkrampfter werde ich und wenn ich dann was sage, bewerte ich im Kopf schon das Gesagte und bin meistens damit unzufrieden.
    In der Gruppe ist dann ganz Feierabend. Da kann ich nur kurze Sätze zu Gesprächen hinzufügen. Entweder nur ein zustimmender Satz, oder bestenfalls eine witzige Bemerkung. In einer großen Runde eine Story zum besten zu geben, geht überhaupt nicht. Höchstens mal in einem sehr vertrauten Kreis, möglichst ohne Extros. Das verunsichert mich dann wieder. Ich denke dann immer, dass der Extro jetzt den Schweiger wieder beurteilt.
    Ich bin froh, dass ich mit diesem Problem nicht alleine bin und es für introvertierte Menschen ein normales Verhalten ist. Nur die Außenwirkung, die ich in Gruppen dann abgebe, ist mir immer noch unangenehm. Ich hoffe, dass ich noch den Zustand erreiche, dass es mir egal ist. Es reicht aber schon die Bemerkung, "du bist aber heute ruhig" und schon ärgere ich mich wieder darüber.

    Liebe Grüße
    nowhereman
  • edited Januar 2018
    Hallo @philos

    Mir ging es schon in meiner Jugend so dass ich bei Gesprächen in kleineren Gruppen selbst bei einem möglichen Beitrag zu lange mit dem Vorformulieren von Sätzen gebraucht habe dass das Thema schon wieder ein Neues war ehe ich fertig war.
    Am ehesten gelingt mir das wenn ich mit jemandem ein Stück gehe weil dann Beide einander zuhören und das Gehen die Entstehung passender Formulierungen unterstützt. Auch können beim Gehen in abwechslungsreicher Umgebung auch Kunstpausen entstehen die den Zuhörer kurz ablenken während man gedanklich formuliert.

    Wenn jemand Dich nach etwas fragt weil es etwas ist was Du am ehesten wissen kannst dann könnte sich der Andere auch daran gewöhnen eben ein paar Minuten zu warten oder aber allmählich wissen dass Du nach wenigen bruchstückhaften Anmerkungen erst allmählich in Redefluss kommst.

    Bei Themen die mir immer wieder durch den Kopf gehen gelingt mir das flüssige Sprechen leichter. Wenn ich jedoch weiß dass ich eine Stunde später etwas mit jemandem abstimmen muss dann notiere ich mir schon stichpunktartig meine Fragen und Zusammenhänge und auch Gründe weshalb dies Frage relevant ist. Mein Chef hat sich daran gewöhnt dass ich mit Notizen aufkreuze.

    Für andere mir wichtige und absehbare Situationen habe ich zumindest eine kleinen Zettel dabei auf den ich abschließend schaue was ich vergessen habe aus dem Kopf vorzubringen und mir trotzdem wichtig genug war es zu notieren. Ich bin auch schon einmal mit einer leeren Kaffeetasse und einem Notizzettel darin verborgen zu jemandem gegangen wo das Gespräch wichtig war. Der Zettel war von außen nicht sichtbar.
    Ich hatte an anderer Stelle schon einmal erwähnt dass ich Methoden für "Spickzettel" (wie bei Schülern in der Klassenarbeit) auch als Ansatz erwogen hatte unauffällig wichtige Gesprächsfetzen vorzubereiten.
  • Herzlichen Dank an alle für die Antworten! Ich habe mich in vielen Dingen wiedererkannt und es waren ein paar gute Hinweise dabei. Es ist schön zu wissen, dass es vielen anderen auch so geht wie mir.
  • Hallo philos,

    kenne dein Problem leider nur viel zu gut. Mir geht es genau so wie dir, dass ich das was ich sagen will in wenigen Sätzen herübergebracht habe. Eine Strategie, die gelegentlich vorgeschlagen wird, ist sich die Worte zurechtzulegen, die man sagen will. Das klappt aber nur, wenn man vorher weiß, das man in eine Redesituation kommt und die Gelegenheit zum Sprechen eingeräumt bekommt, während es in spontanen Situationen natürlich kaum hilft.

    In freien Gesprächen dagegen kommt es vor, dass ich nach wenigen Sätzen unterbrochen werde. Ich finde es dann sehr schwierig selbst wieder zu Wort zu kommen, vor allem wenn man Gegenüber minutenlang ohne Punkt und Komma redet - ich hasse es :@. Inzwischen habe ich mir angewöhnt diese Wartezeit als Denkpause zu nutzen um dort anzuknüpfen, wo ich aufgehört habe. Deswegen rede ich in Gesprächen viel lieber, wenn wenige Personen anwesend sind, da ich bei großen Runden sonst gar nicht zum Zuge komme.

    Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass unsere Charaktereigenschaft nicht notwendigerweise in jeder Situation aus negativ wahrgenommen wird. Wir überlegen uns nämlich vorher besser, was wir sagen. Mein Chef hat mal zu mir gesagt, dass er meine ruhige und verlässliche Art schätzt, von den "anderen" gibt es ja mehr als genug. Viel öfter als wir denken haben Menschen den Wunsch einfach nur eine kurze und prägnante Antwort zu bekommen, ohne sich das Ohr abquatschen lassen zu müssen. :))
  • edited Februar 2018
    Hallo philos,
    ich weiß, was du meinst. Vor allem in der englischen Sprache kenne ich das. Ich kann fließend Englisch schreiben, aber das Sprechen kommt für mich nicht in Frage, obwohl ich kein Problem mit der Aussprache an sich habe, sondern eher damit, unvorbereitet Sätze formulieren zu müssen. So geht es mir auch im Deutschen. Ich liebe es, Geschichten zu schreiben, aber Sätze mündlich zu formulieren oder gar eine längere Unterhaltung zu führen, ist unmöglich für mich.

    Der Beitrag ist zwar erst ein paar Monate her, aber vielleicht hast du ja bereits eine Lösung gefunden und kannst sie mit uns teilen.
  • Hallo @HappyFeet,
    man kann sicher nicht vorhersehen wann man die Gelegenheit für einen eigenen Redebeitrag erhält so dass es mit dem vorher zurechtlegen schwierig ist, doch bei wichtigen Themen zu denen man sich immer schon einmal äußern wollte sind ein paar Teilsätze dann schon angestaut vorhanden und man muss es dann nur schaffen die Interaktionsblockade zu überwinden durch die man am Gedankenfluss meist gehemmt wird.
    Das sind dann auch Situationen bei denen dann einmal mehr Text von mir herüberkommt und ich hoffe meine Gesprächspartner verzeihen mir den ungewohnten Redefluss.

    Eigentlich mag ich ausufernde mündliche Antworten auch nicht so sehr, habe aber festgestellt dass zu kurze Antworten häufig auch Spielraum für Zweifel und Fehlinterpretationen lassen. Das wäre unproblematisch wenn man mit dem Anderen immer wieder ins Gespräch kommen kann, während ich nichts "falsches" sagen möchte wenn ich befürchten muss dass eine Fehlinterpretaion des Gesagten den Gesprächspartner zum Rückzug bringt und damit dessen Rückfragen zur Richtigstellung ausbleiben würden, wobei anzunehmen wäre dass es ihn belastet.
    Aber live ist so etwas sehr schwierig, dann eher bei schriftlichem Austausch.
    Bei einem eher stillen Gesprächspartner wären mir aber spontane Antworten lieber als unnötige Perfektion.

    Ich glaube dass auch ein Missverständnis entstehen kann wenn man sich bei jemandem entschuldigt oder um eine Antwort bittet und der Andere nicht darauf reagiert. Innerlich gehe ich dann davon aus dass meine Worte nicht überzeugend waren oder der Andere zweifelt und setze deswegen mit Sprechen fort. Eigentlich sollte ich mir viel öfter die Frage stellen ob der Andere Zeit zum Sammeln braucht um die Antwort vorzubringen.
    Würde mein Gesprächspartner mir ein Zeichen geben "Heh, ich will auch mal etwas sagen", z.B. kurz die Hand erheben, würde ich wohl innehalten.
    Das alles wird bei Foren umgangen weil man dort in Ruhe und nacheinander antworten kann.
    Was könntest Du Dir als Zeichen vorstellen um den Redefluss eines Anderen für eine eigene Antwortgelegenheit zu unterbrechen ?
  • Hallo @Nightworker,

    sicherlich sind ein paar zurechtgelegte Sätze eine Hilfe, um einen besseren Redeeinstieg zu haben. Das kann ich auch aus eigener Erfahrung bestätigen. Aber spätestens nach ein paar Sätzen ist dann Schluss, sofern ich keine längere Rede vorbereitet habe. Danach brauche ich wieder kurz Zeit, um nachzudenken wie es weitergehen könnte. An dieser Stelle schreitet meist der Gesprächspartner ein und greift hoffentlich mein Thema auf, so dass ein kohärentes Gespräch entsteht. Das Gegenteil davon wären häufige Themenwechsel, die nicht nur anstrengend sind, sondern mir das Gefühl geben, dass das von mir Gesagte nicht angekommen ist.

    Seit einiger Zeit bin ich dazu übergegangen es den anderen Leuten gleich zu tun und selber zu unterbrechen, auch wenn es keine schöne Verhaltensweise ist.

    Inzwischen versuche ich es damit mir anzugewöhnen ein optisches Signal zu geben, wenn ich auch etwas zu Wort geben bzw. ausreden möchte. Die von dir erwähnte klassiche Methode mit der Hand heben funktioniert auch ganz gut. Verstärken kann man das ganze noch, wenn man während des Sprechens Augenkontakt mit dem Gesprächspartner hält, denn meine Beobachtung ist, dass wenn dieser fehlt oder unterbrochen wird scheinen die meisten Leute das als Aufforderung zu sehen selbst das Wort zu ergreifen.

    VG
  • Ich selbst kann mich meistens besser konzentrieren um meine Worte zu sammeln wenn ich zum formulieren immer mal meinen Blick abwende.

    Um spontaner Gesprächsstoff zu entwickeln kam mir auch schon einmal der Gedanke die unmittelbare Umgebung mit Bildern, Stichworten oder Symbolen auszustatten, so dass ein Blick darauf die passenden Assoziationen für Themen entstehen lässt. Aber ausprobiert habe ich es doch nicht (außer an der Wand hinter meinem Computer daheim). Vermutlich wirkt dann aber noch eine gedankliche Hemmung mit weil man in einer Gesprächspause zwischen anderen Teilnehmern doch einen Textformulierungsdruck aufbaut der nicht zum Schweifen der Gedanken passt.

    Dass es in der heutigen Zeit der Apps noch keine Souffleur-App für Gesprächsthemen gibt.
  • mir fiel es auch eine lange zeit sehr schwer eine Rede zu halten oder gar vor jemanden zu sprechen.. Aufgrunddessen habe ich dann ein Rhetorik Aufbauseminar bei https://www.deutsche-rednerschule.de/ gemacht und seitdem klappt alles viel besser und ich trete viel selbstbewusster auf
  • Mir fällt das freie rede auch sehr schwer auf der arbeit habe ich für mich ein mittel gefunden - meist auf dee heimfahrt in den betrieb schonmal ein paar sätzte zurecht zulegen zusammen fassend was heute erledigt wurde was noch erledigt werden muss etwaige Zwischenfälle und ob morgen nochmal arbeit ansteht das hat mir sehr geholfe da ich sonst einfach leicht nervös war und teilweise einen haufen unsinn erzählt habe

    Das funktioniert sehr gut auf der arbeit leider im privaten er weniger dort benutzte ich meist floskeln wie : na wie war der tag, was geht irgendwas hauptsache mein gegenüber starte ein thema oder überhaupt das reden wen ich mir ein thema aussuchen müsste herrscht im kopf gänende leere
  • Mich nerven diese Floskeln tierisch "was geht" "was läuft's" *AARGH!!*. Nichts für ungut.

    Aber schön zu wissen woher das (bei manchen) kommt und warum viele nichts "besseres" fragen. Der Gedanke ist mir so noch nicht gekommen, von dem her ist das Forum mal wieder ein metaphorischer Augen Öffner.

    Wobei mich das auch oft Leute Fragen die eigentlich ohne Unterlass Labern, warum die solche Floskeln nutzen ist mir weiterhin ein Rätsel, wird aber beim nächsten mal einfach so frech sein und Fragen!

    Ich steh mehr auf so Konkrete und neutrale oder positive Begrüßungen in die Richtung, "schön dich zu sehen, hast du einen schönen Tag gehabt?" "Wie lief es mit Projekt X" "Wie war es neulich im Tierpark" "kommst du mit... Voran?"

    Wobei ich auch hier sagen muss. Viele Menschen haben wohl Schwierigkeiten damit Komplimente anzunehmen "ein schön dich zu sehen" scheint in manchen Menschen eine Art.. Komplex.. auszulösen. Wie auch immer, ich verwende es trotzdem gern, zumindest bei Menschen wo ich es auch so meine.

    Achja zum Thema freies Sprechen. Wie Dubbs das schon so schön sagt, Vorbereitung hilft viel, auch im privaten. Sich einfach mal Abends hinsetzen und sich Gedanken über sein Umfeld machen...wer hat mir was erzählt, warum bzw. mit welcher Intention hat derjenige das wohl gefragt/geäußert.

    Das "gähnende Leere im Kopf"-Syndrom kenn ich nur zu gut. Wenn ich allein zu Hause bin könnte ich oft STUNDENLANGE Vorträge über Gott und die Welt halten. Bin ich irgendwo unterwegs hallt oft eine unbeschreibliche Leere durch meinen Kopf die mir meist keiner glaubt. "Woran denkst du grad" "an nichts" "wie an nichts, du kannst doch nicht an nichts denken" "doch" "jetzt sags mir schon" "ich denke wirklich grad an NICHTS". Mittlerweile antworte ich meist mit "Ich denke an Meeresrauschen" oder ich dreh den Spieß um "witzig das du fragst, tatsächlich frag ich mich grad was sich in deinem Kopf abspielt" zack ball zurück gespielt.

    Allerdings hab ich auch schon Vorträge vor großem Publikum gehalten und würde es wieder tun!
Sign In or Register to comment.