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Hallo zusammen

edited November 2017 in Vorstellungsrunde
Ich will mich auch mal kurz vorstellen, wie sich das gehört ;)

Ich bin m, 40. Mein ganzes Leben begleitet mich schon die Introvertiertheit, und hat mir schon so einige Situationen im Leben beschert, auf die man auch gerne verzichtet hätte. Angefangen in der Schulzeit, mit dem ständigen Leben als Außenseiter der Klasse, sich in 13 Schuljahren so gut wie keine einziges Mal gemeldet, nur 2-3 Freunden in der Kindheit, eher das Leben als Stubenhocker anstatt als wildes Kind draußen usw. Natürlich keine Freundin bzw. überhaupt irgendwelche Kontakte zum weiblichen Geschlecht weit über das 20. Lebensjahr hinaus, natürlich keine Disco und Parties, müßig das zu erwähnen - fortgesetzt mit einer Ausbildung in einer Behörde, wo ich von meinen Eltern reingedrängt worden bin, die das reinste Spießrutenlaufen war, weil ich mich natürlich an den üblichen Smalltalk-Runden nicht beteiligt habe. Mittlerweile will ich auch nicht ausschließen, dass sogar selektiver Mutismus bei mir vorlag, was aber nur auf meinen Vermutungen beruht und nie untersucht wurde damals. Ich erkenne mich in den Symptomen jedenfalls 1:1 wieder.

Erst mit dem Ende der Ausbildung und einem anschließenden Studium habe ich mir so langsam den Weg aus diesen Situationen geschaffen - diese neue Freiheit, die Selbstbestimmtheit, das eigenständige Leben in einer eigenen Wohnung, dazu auch die mittlerweile vorhandene geistige Reife, haben einiges erleichtert. Die Erkenntnis, dass man eben anders ist als der Durchschnitt, und dass man diese Defizite bearbeiten kann, z.B. erlernte Techniken, um Smalltalk zu führen, und diesen zumindest einige Minuten aufrecht zu erhalten, und ihn darüber hinaus "echt" aussehen zu lassen (obwohl es einei unglaubliche kognitive Anstrengung ist)... natürlich half auch das immer wieder Kofrontieren mit Situationen wie Referate und Vorträge im Studium und auch immer wieder nötige Gespräche mit Dozenten und auch Organisatorisches rund um das eigene Leben, um zu merken, dass man da gut durchkommen kann.

Letztlich, und wohl auch als größte Überwindung, kam auch der Weg ins Onlinedating (im wahren Leben hätte ich sicherlich niemals eine Frau angesprochen) und einfach mal aus dem Bauch heraus das ein oder andere Date vereinbart - bei denen man vorher fast gestorben wäre vor Aufregung, man letztlich aber im Lauf der Zeit gemerkt hat, dass viele der Frauen ebenso nervös waren und es eigentlich gar nicht schlimm war. Mittlerweile bin ich mit meiner Partnerin jetzt 8 Jahre schon zusammen und seit ein paar Monaten verheiratet. Auch das ist etwas, wo ich vor 20 Jahren NIE dran geglaubt hätte. Auch im Beruf hab ich mittlerweile so halbwegs die Integration ins neue Team hinbekommen (was ebensfalls mit großen psychischen Anstrengungen verbunden war, kenne ja sicher einige hier aus eigenen Erfahrungen), insofern bin ich mit dem Leben soweit ganz zufrieden. Meine Defizite kenn ich, ich gehe nicht aus, mache keine Party, meide provate Feiern und auch sonst Situationen, wo ich im Mittelpunkt stehe - und komme damit gut durchs Leben.

Ich dachte, ich melde mich einfach mal hier an, vielleicht kann man sich ja hilfreich über das ein oder andere austauschen und gegenseitig nützliche Tipps für Situationen geben, wo es dann doch ab und an noch Probleme gibt. Hab ja nun doch schon das ein oder andere hingebogen bekommen und gebe gern auch aus eigener Erfahrung weiter, was mir geholfen hat

Kommentare

  • Hallo Fuchs,
    willkommen im Forum!

    Deine Geschichte liest sich so, als ob du heute sehr viel mehr im Reinen mit dir selbst bist als vor 20 Jahren.

    Vielen Dank fürs teilen - es hat mich gefreut, deine Veränderungsgeschichte zu lesen, weil sie Mut macht ohne die schwierigen Stellen auszulassen!

    Ich erkenne auch einige Parallelen zu meinem Werdegang vor allem das Referate-Halten an der Uni und die proaktive, holprige Partnerinnensuche :D

    Viel Spaß beim stöbern und austauschen!

    Liebe Grüße, Alex
  • @Fuchs - auch ich habe gerade deinen Vorstellungs-Beitrag mit Interesse gelesen.
    Für mich hört es sich an, als hättest du die 'Talsohle' durchschritten was das hier sein in der Welt betrifft. Das ist sicher für den einen oder anderen sehr hilfreich, zu sehen, dass dieses 'Durchschreiten des Tiefsten' möglich ist. Ich begrüße es sehr, dass du dachtest "...ich melde mich einfach mal hier an, vielleicht kann man sich ja hilfreich über das ein oder andere austauschen und gegenseitig nützliche Tipps für Situationen geben, wo es dann doch ab und an noch Probleme gibt".
    Herzlich Willkommen also in dieser Runde! Tatsächlich haben genau genommen immer beide Seiten viel davon - das ist meine Erfahrung.
    Grüße von Fanny
  • Hallo @Fuchs,

    auch ich habe deine Vorstellung gerne gelesen.

    Es klingt sehr danach, dass du mit dir und deinem Leben (inzwischen) absolut im Reinen bist. Das freut mich sehr.

    Herzlich willkommen hier bei uns Intros!

    Ich denke, dass du dich hier recht schnell wohlfühlen wirst.

    Viele Grüße,
    Ina
  • Danke für die freundliche Begrüßung :)

    Ob man wirklich irgendwann mit sich im Reinen ist, ist sicherlich schwer zu beantworten... zumindest habe ich einen Status erreicht, der sich am Besten mit Zufriedenheit beschreiben lässt.

    Letztlich ist es meiner Meinung nach eine Mischung aus drei Aspekten, die diese Zufriedenheit bedingen:
    1. Wissen - womit hat man Probleme, was fällt einem schwer und was wird man unter Umständen nie richtig beherrschen, so wie das "normale" Menschen tun?
    2. Akzeptieren - man hat gewisse Schwächen, das ist Fakt! Man kann nun ewig mit sich hadern und fragen "warum, du böse Welt, muss das ausgerechnet mir so gehen?", oder diese Dinge so akzeptieren, wie sie sind. Sicherlich kann man dafür in vielen anderen Bereichen Dinge besser als viele Extrovertierte.
    3. Arrangieren - wenn man seine Schwächen so akzeptiert, kann man sein Leben entsprechend einrichten, um mit ihnen zu leben. Sei es, dass man sich Techniken aneignet, um gewisse Situationen (kurzer Smalltalk, Gesprächseröffnungen, Vorträge halten) zu bewältigen, oder dass man eben Situationen so weit möglich meidet, von denen man weiß, dass sie einem Unbehagen bereiten. Muss ich zu einer Party, weil alle anderen hingehen, obwohl mir das absolut keinen Spaß macht? NEIN, muss ich nicht. Wenn die anderen dann drüber lästern, dass man nie irgendwo hingeht, dann muss man das halt in Kauf nehmen. Im Endeffekt stört mich das weniger, als stundenlang auf einer für mich anstrengenden Party rumzulungern.

    HEUTE sehe ich das so... deshalb denke ich schon, dass es ab einem gewissen Alter einfacher ist. Als ausgegrenzter Teenager, der nicht weiß, warum allen anderen so vieles leichter fällt, versucht man wohl noch eher, der Norm zu entsprechen und Dinge zu tun, die einem gar nicht gefallen, nur um irgendwo dazu zu gehören. Heute mit 40 bin ich aus diesem Gedankenmuster raus, kenne meine Schwächen, weiß warum ich so bin, und richte mir mein Leben entsprechend ein. Natürlich gibt es Situationen, wo es kein Entkommen gibt, wie die regelmäßigen Familienfeiern meiner Frau, wo ich halt dabei sein muss - dort leider ich immer gefühlt Höllenqualen, wenn da 15 Leute an einem Tisch sitzen und sich gegenseitig anbrüllen (sie nennen es glaube ich "sich angeregt unterhalten"). Diese Reizüberflutung werd ich nie bewältigen können, und dort auch nie aus diesen Schweigemuster ausbrechen können - aber das ist der Unterschied zu früher: es ist mir relativ egal. Die anderen halten einen sowieso für etwas sonderbar, und dies zu ändern würde eine für mich nicht machbare Anstrengung bedeuten. Also nehme ich es, wie es ist...

  • Moin @Fuchs,

    toller Name übrigens!
    Ich finds total cool und beeindruckend, wie du damit umgehst. Gerade auch, dass du jemand bist, der ein Problem erkennt, die Ärmel hochkrempelt und sich darum kümmert, auch wenns weh tut.
    Absolutes Vorbild! ich hoffe, dass ich auch mal dahin komme, wo du geistig inzwischen bist!

    LG
    San
  • Danke San :)

    hatte es eben woanders auch geschrieben - ich gehe sehr pragmatisch mit diesen ganzen Dingen um. Sie belasten mich seelisch nicht (mehr). Ich weiß, was ich nicht kann und wo es klemmt, und versuche dementsprechend, irgendwelche Lösungen zu finden, wie ich damit am besten umgehen kann (manche würden das sicher auch beschreiben als "durchs Leben schummeln"). Techniken, Abläufe in Gesprächen, Themen die man immer im Hinterkopf hat, damit keine Gesprächspausen entstehen. Sowas halt.

    Aber auch hier ist es sicher wie bei vielen Dingen, dass sich das nicht pauschalisieren lässt. Andere "Intros" nehmen sich das sicher mehr zu Herzen und hinterfragen sich mehr, und sind deshalb vielleicht auch unglücklich, weil die Lösung scheinbar immer weiter entfernt ist. Dementsprechend kann man schlecht sagen, so wie ich das mache, können das alle hinbekommen und wären damit glücklich. Ich denke mir heute auch manchmal, wäre natürlich schön, wenn ich auf diesen Familienfeiern auch mal was lustiges zu den Gesprächen beitragen würde - allerdings wo ich mir das dann aus diesem "pragmatischen" Grund denke, dass ich dann meine Ruhe hätte und nicht dauernd doofe Fragen beantworten müsste bzw. "lustige" Kommentare über mich ergehen lassen müsste, denkt sich das ein anderer vielleicht aus dem Grund, weil er sich ausgegrenzt fühlt und Angst hat, den sozialen Anschluss an diese Menschen zu verlieren. Es ist also (auch wenn das ausgelutscht klingt) eine völlig individuelle Sache des einzelnen und vom Charakter abhängig.
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