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Angst vor neuer Partnerschaft

Hallo ihr Lieben,

mich plagt heute irgendwie ein ganz doofes Ängstchen...
Kennt das jemand, dass man sich ernsthaft fragt, warum in aller Welt man eigentlich je wieder eine Partnerschaft eingehen sollte, was der "Nutzen" oder "Sinn" einer solchen ist - zumal alle bisherigen ohnehin gescheitert sind?

Und beim Gedanken, sich einem Menschen wieder ganz von vorn anzunähern, sich zu öffnen, einem schieres Grausen überkommt?

Ich wünsch mir grundsätzlich schon eine Beziehung, aber grad hab ich das Gefühl, (entschuldigung gleich vorweg liebe Herren hier...) die Männer die man so sieht, sind im Prinzip alle zu "roh", viel zu wenig an wahrer Nähe interessiert - und ich war aber zuletzt in einer Beziehung mit einem extrem sanften und einfühlsamen Mann - und nun hab ich echt Angst, nie wieder so einen zu finden, was Anderes kann ich mir aber gar nimmer vorstellen...

Mist :-(

Kommentare

  • Ja, kenne ich. Und das kennen gewiss ganz viele.

    Ich selbst bin schon sehr lange alleine, und das macht es nicht einfacher. In jungen Jahren (so bis 50 J.) dachte ich immer:"Brauche keinen Mann, kann alles alleine." Aber umso älter ich werde, desto mehr habe ich das Gefühl, nicht alleine alt werden zu wollen. Wobei ich aber auch nicht suche. Meine Einstellung war und ist: Entweder es ergibt sich etwas, oder eben nicht.

    Aber wenn sich etwas ergibt, muss es auch wirklich passen.

    Lass es einfach locker angehen, und mache dir keinen Kopf :-)
  • ok, danke @Jasmin, das beruhigt mich schonmal insofern, als ich damit nicht allein zu sein scheine, denn ich hab mich echt schon kurz gefragt, ob ich wohl noch einigermaßen sauber ticke ;-) wollen ja - aber wehe, ich "müsste" dann... jessas...

    Vielleicht, hab ich mich aufgrund dieser Angst nämlich auch grad gefragt, bin ich noch weit weg von offen und bereit sein für Neues und das legt sich von selbst. Hm...
  • So kenne ich das nicht, ich weiß in der Regel, was ich von einer Liebesbeziehung erwarte.
    Allerdings ist mir bekannt, dass man den eigenen Nutzen für den andern Menschen in Frage stellt.

    So abgedroschen der Spruch ist, dass es zu jeden Topf den passenden Deckel gibt, so sehr kann man sich dabei glaub auch ins Gedächtnis rufen, dass bei so vielen Deckeln wie es auf dieser Welt gibt, unmöglich jeder passen kann.

    Diese Torschlusspanik hätte ich jede Minute, würde ich mich durchgehend mit dem Thema befassen, ich bin was das angeht, eben auch eher vom Pech gesegnet.
    Gerade darum genieße ich aber die andern Fassetten des Lebens, oder versuch dies zumindest.
    Kann mir dann immer noch sagen, es gibt schlimmeres.
  • Guten Morgen @einNerd, danke dir!
    hm, ich bin jetzt grad mal in mich gegangen, aber mir kam es da nicht so vor, als hätte ich meinen Nutzen für jemand Anderen schon mal bewusst in Frage gestellt, also in diese Richtung kenn ich das dann wohl nicht.

    Ja, das tu ich oder versuche/lerne ich auch, das Leben zu genießen. Das scheint aber noch Schwankungen unterlegen zu sein, wo mir dann das Vertrauen ins Leben abhanden kommt und Angst die Oberhand gewinnt. Und gestern eben diese "lustige Ausprägung", die mich verblüfft hat...
  • Huhu, @zwischen_den_Stühlen! Ich kenn das auch.
    Ich bin sehr zynisch geworden, was Beziehungen und vor allem diesen Märchen-Schmu mit dem für-immer-zusammen-bleiben angeht und wenn das für mich eh nich passieren wird, wozu dann eine gemeinsame Beziehung aufbauen, wenn es eh irgendwann auseinander bricht? Geschweige denn, Kinder kriegen...
    Manchmal überkommt mich das wirklich, dieser Gedanke, wozu der Stress...das ist alles sooo anstrengend, unnötig, nervenaufreibend...

    Außerdem weiß ich wie du, was an einem Mann für mich "perfekt" ist und könnte auch niemals mehr mit einem geringeren Mann zusammen sein. Männer, die nicht "so" sind, sind irgendwie profan, "unfertig", nicht auf meiner Augenhöhe. Würde ich mich nicht mehr mit abgeben wollen.

    Meine Erfahrung ist, kommt irgendwann doch noch mal so passender Mann vorbei, dann ist es dir auch egal, wie mühsam dieses aneinander rantasten ist, oder dass die Chance, bis zum Lebensende zusammenzubleiben sehr gering ist... all das fällt weg, weil es dir so viel wichtiger ist, Zeit mit einem wunderbaren Menschen zu verbringen. Vollkommen egal, was daraus wird, wie lange es dauern wird und dass es irgendwann auch wieder vorbei sein wird. Vielleicht macht das ja den Reiz von Dingen aus. Wenn sie nicht irgendwann wieder vorbei wären, könnten wir sie nicht schätzen. So wie wir gute Zeiten nicht zu schätzen wüssten, wenn wir keine schlechten Zeiten kennen würden. Wir müssen nur lernen, im Augenblick zu bleiben und diesen zu genießen und ihn uns nicht kaputt zu machen, indem wir uns Sorgen um die Zukunft machen. (Da hab ich selber noch vieln zu lernen)

    Aber wie @Jasmin bin auch ich der Meinung, entweder es ergibt sich von alleine - oder nicht. Einen Mann, der mit dir resoniert, der für dich und dich ganz alleine "perfekt" ist (nicht weil er an sich perfekt ist sondern weil er dich so ergänzt wie du das brauchst), den findest du nicht in Zeitungsannoncen oder auf tinder. Den schustert dir das Leben von ganz alleine zu, wenn es dich dafür bereit hält.
  • Hi @San :-)
    danke dir :-)

    Also für mich ist es eher nicht ein Gefühl von zynisch oder abgeklärt oder abgebrüht oder resigniert oder oder...
    Es ist eher wie so ein sich aufrappeln und dran glauben versuchen, dass es doch bestimmt Sinn hat/haben muss und bestimmt sich lohnt, aber ich seh' grad nicht, worin das bestünde - eben weil bisherige Beziehungen mir wirklich viel abverlangt und wenig "gebracht" haben, außer kurzfristige Hochs und dann die Trennung ;-)

    Also ich als BWLerin würd ganz pragmatisch sagen:
    Bisher ist die Kosten-/Nutzen-Rechnung nicht aufgegangen, das Preis-/Leistungsverhältnis hat nicht gepasst, der Break-Even-Point wurde nicht erreicht - nur, investieren tu ich halt trotzdem immer wieder, hope dies last... ;-)
    Sprich: Bisher hab ich mich halt immer wieder auf den "Neuen" dann eingelassen, immer in der Hoffnung und im Glauben, diesmal passt das, mit diesem Menschen krieg ich das hin. Äh...nö... ;-)

    Ich weiß auch nicht, warum mich das gestern grad so eingeholt hat, prinzipiell war die Richtung grad eine völlig andere, nämlich "hin zu mir".
  • @zwischen_den_Stühlen "Hin zu mir" statt "weg von ihm". Ist die weisere Herangehensweise und du solltest sie auch wiederfinden.
    Ich versteh das (und benutz auch gerne solche Begriffe wie "die Kosten-Nutzen-Rechnung geht nicht auf" auch gerne)
    Die einfache Antwort dabei ist die: investier weniger in andere Personen. Klingt komisch, ich weiß. Man will seinem Partner (oder dem Umgarnten) ja was Gutes tun. Aber oft ist das für den Anderen schon zu viel. Er bekommt das Gefühl, etwas zurückgeben zu "müssen" und das ist kein schönes Gefühl, das automatisch auf Abstand gehen lässt, obwohl es am Anfang vielleicht harmonisch lief.
    Was ich gelernt habe, ist, anzunehmen. Nichts vom Anderen zu erwarten, aber das, was er mir gibt, freudig annehmen. Mir erlauben, es zu nehmen und ihm nichts dafür zurückgeben zu müssen.
    Denn ich weiß, mir kommt es ganz automatisch, dass ich gerne gebe und zu gegebener Stunde, wenn mir danach ist, werde ich auch etwas geben.
    Und dass ich PERMANENT gebe, habe ich mir auch abgewöhnt, oder eher erlaubt, es sein zu lassen.
    Denn wenn ich permanent gebe, mich also investiere, dann ist das irgendwo ein Zeichen dafür, dass ich das alles nicht mir gebe. Und wenn ich es nicht mir gebe, brauche ich im Austausch etwas zurück.
    Was wieder diese Erwartungshaltung im Gegegüber weckt und es weglaufen lässt. "Ich gebe dir, aber gib du mir auch, denn wenn ich alles gegeben habe, brauche ich."
    Es scheint aufzugehen, denn wenn beide einander geben, dann haben ja alle, oder?
    Im Leben läuft es nur leider so, dass man nichts erwarten sollte. Nichts und niemand hat die Lebensaufgabe, DEINE Erwartungen zu erfüllen. Und nichts und niemand kann und wird es zufriedenstellend tun. Es ist uns nur allen beigebracht worden, dass wir uns selber nicht liebhaben und uns Aufmerksamkeit schenken dürfen. Wir müssen unser ärgster Feind und Kritiker sein und dürfen nie ein gutes Haar an uns lassen, denn Eigenlob stinkt. Oder?
    Und eben weil wir uns verboten haben, gut zu uns selber zu sein, brauchen wir immer jemanden, an den wir uns klammern können, dem wir die Liebe schenken können, die er sich nicht selber gibt, der uns aber dann bitteschön auch die Liebe schenken soll, die wir uns selber nicht geben dürfen.

    Quatsch, den wir alle ablegen sollten.

    Wir SOLLTEN uns selber lieben und genau so milde mit uns und unseren Fehlern umgehen wie mit unserem besten Freund und unseren Fehlern.
    Dann bin ich versorgt und zufrieden.
    Und witzigerweise ist dann nicht etwa weniger für den Anderen da, nein, es ist sogar genau so viel für den anderen da, denn ich hab ja vorher gut für mich selber gesorgt und weil es mir gut geht, wachsen meine Ressourcen schneller und schöner als je zuvor wieder nach. Und weil es mir gut geht, brauche ich auch die Ressourcen des anderen nicht mehr und kann schneller erkennen, wenn meine "Geschenke" an ihn einfach nur genommen und verschlungen werden oder ob die Person wirkliches Interesse daran hat, eine gemeinsame Basis aufzubauen und auch gerne von sich aus gibt, ohne aber zu brauchen.
  • danke @San, das waren viele weise Worte :-)

    Hin zu mir, ja, das soll's wieder sein, vielleicht heut am Abend nach dem Tanzen, dass ich wieder "auf Kurs" bin. :-)
    Ansonsten ist es seltsam, in Zeiten des Alleinseins bin ich versorgt und zufrieden, nur Beziehungen werfen mich immer wieder zurück bzw. aus der Bahn, also die Beziehung an sich schon, die Trennung dann eher weniger, die führt mich - fast aufatmend - eher wieder zu mir zurück.

    Und natürlich hat die Sache auch mit Erwartungen zu tun, ich weiß auch, dass jede Erwartung, die man an andere, an etwas,... hat, einem eigentlich das Leben schwer macht. Dennoch frage ich mich, ob es nicht doch sein kann, dass grundlegende Erwartungen dann doch sein dürfen... Ich erwarte ja auch zu Recht für meine geleistete Arbeit am Ende des Tages mein Gehalt zu bekommen (wenn wir wieder pragmatisch denken ;-) ).
    Wenn ich gebe, dann gebe ich gern, weil mir der Andere wichtig ist und ja eine Beziehung aus Geben besteht - sonst bin ich ja wieder bei meiner Frage: Warum zum T... sollte ich eine eingehen???
    Und meine "Erwartung" an meinen Partner ist ja nicht die, dass er mir gibt, weil ich ihm gebe, oder noch schlimmer, weil ich ihm sage, dies und jenes musst du mir geben - sondern dass eben ein Partner seinem Partner gibt, weil dieser ihm wichtig ist. Die Meta-Ebene sozusagen ;-)

    Das ist auch schwer auszudrücken...
  • @San

    wie Recht du mit deiner Ausführung hast!
    Da möchte ich demnächst nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch hinkommen.

    Im folgenden Zitat wird mir nochmal richtig klar, wie verrückt das ganze Spiel doch ist, was uns all die Jahre vorgelebt und eingetrichtert wurde:

    "Und eben weil wir uns verboten haben, gut zu uns selber zu sein, brauchen wir immer jemanden, an den wir uns klammern können, dem wir die Liebe schenken können, die er sich nicht selber gibt, der uns aber dann bitteschön auch die Liebe schenken soll, die wir uns selber nicht geben dürfen."

    Das kann ja gar nicht funktionieren!

    Was du über Geben und Nehmen schreibst, finde ich ebenfalls sehr interessant.
    Ja, wir sollten tatsächlich lernen, auch einmal etwas anzunehmen, ohne gleich mit einer Gegenleitsung aufzuwarten. Die Zeit wird kommen, sich zu revanchieren.

    Oder auch nicht.

    Und dann ist ja auch die Frage, was eine solche Gegenleistung ist.
    Wenn ich jemandem ein Getränk bezahle und wir ein spannendes Gespräch führen, habe ich die Gegenleistung ja direkt erhalten: nämlich das schöne Gespräch.

    Es bleibt noch viel zu erkennen, zu lernen und umzusetzen.

  • ich bin jetzt grad, im Auto am Weg zur Arbeit, draufgekommen:
    Ich hab von mir selbst tief drin nichtmal ein Bild von mir als "Beschenkter / Annehmender" - aber wohl eines als "Gebende"

    hm...
  • @zwischen_den_Stühlen Das ist interessant! Ich will hier nich wie Freud Jr. klingen aber.. kann es sein, dass dieses Selbstbild aus deiner Kindheit herrührt? Bist du damit groß geworden, dass du dich viel um andere gekümmert, selber aber wenig Zuneigung oder "Belohnung" erhalten hast und wurde das so auch für selbstverständlich genommen? Also funktionierte dein Familiensystem nur so, dass du ein nährender, mütterlicher Part warst?
    Ich denke, eine große aber wichtige Aufgabe wäre für dich, diese durch Zeit und Gewohnheit einzementierten Grenzen deines Selbstbildes aufzuweichen, aktiv zu Üben, anzunehmen und auch aktiv zu üben, nicht zu geben (und das wird dich jucken wie tausend Ameisen, das weiß ich aus Erfahrung).
    Du bist nicht gleich ein schlechter Mensch, weil du geben KÖNNTEST, dich aber aktiv dazu entscheidest, es nicht zu tun. Denn genau wie die Welt deine Erwartungshaltung nicht erfüllen muss, musst du ihre nicht erfüllen. Der einzige Mensch, dem du Rechenschaft schuldest, bist du ganz alleine.

    Ich seh das immer gern wie das Beispiel im Flugzeug mit den Sauerstoffmasken. Da wird immer durchgesagt, man solle auf keinen Fall anderen zuerst helfen, die Sauerstoffmaske anzulegen, sondern sie zuerst sich anlegen, dann Bedürftigen und Kindern helfen. Im ersten Moment undenkbar. Ein Kind soll auf lebensnotwendigen Sauerstoff warten, während ich atmen kann!
    Aber wenn du keinen Sauerstoff kriegst, bist du vielleicht schneller weg, als du das Kind versorgen kannst. Und dann habt ihr beide gelitten.
    Genau so funktionierts mit dieser Sache mit der Eigenliebe und der Zuneigung für sich selber. Sei erst gut zu dir selber, dann hast du die nötige Kraft, um anderen zu geben.
  • @San...
    Es muss wahrscheinlich von daher kommen, ich hab auch grad versucht, das bissl zu sortieren.

    Mir ist jetzt das mit dem mütterlichen Part in der Kindheit nicht so bekannt, aber eher Richtung Leistung bringen = Lob erhalten. Also von den Eltern gelobt, geliebt, für gut befunden werden, meine ich, dass bei mir mit "braves Mädchen", gute Noten und liebsein verbunden war. Meine Bindung war jedenfalls eine ambivalente.

    An eine Szene ca. Anfang/Mitte der Hauptschulzeit kann ich mich auch grad plötzlich in dem Zusammenhang noch erinnern, wir waren auf Schullandwoche, ich hatte mit 1 Freundin gestritten, die beiden anderen haben sich mehr oder weniger klar auf ihre Seite gestellt (ohne den Streit überhaupt mitbekommen zu haben) und ich war mit all den 3 Mädels im selben 4-Bett-Zimmer. Ich erinnere mich, dass das für mich so unerträglich war, dass ich der einen meinen letzten Schokoriegel gegeben habe, so quasi, damit sie "wieder gut mit mir ist". Boah, tut das grad weh :-(

    Also anscheinend hab ich ein Lebensmodell von "wenn ich lieb bin, werde ich gemocht" und mir wird grad total übel dabei und mir bleibt fast die Luft weg :-(

    Wieder andererseits sehe ich es aber dennoch als Weltbild, "gut zueinander" zu sein, sich als Menschen, auch Fremde, zu unterstützen, Hilfe anzubieten ohne erst drum gebeten zu werden, einfach weil man sieht, der andere braucht grad was. Und ich bin, darüberhinaus, sehr gern so ein Mensch.

    Und das ist es auch, was ich so unglaublich sehr an meinem "Seelenpartner" schätze, dieses Geben, so irgendwie aus nennen wir es mal christlicher Gesinnung heraus, oder halt einfach, weil er es kann, als Arzt. Andererseits geht wohl genau das, dass er gibt, auch über seine Grenzen hinaus, so mit mir in Resonanz...

    Verdammt... wie kommt man da raus?
  • Moin, @zwischen_den_Stühlen,

    wow, das hat ja jetzt einiges aufgewühlt bei dir. Ich hoffe, du fühlst dich heut wieder ein bisschen besser... Dass deine damaligen Freundinnen sich direkt gegen dich gestellt haben ohne zu wissen, wobei es bei dem Streit ging, tut weh. Glaub, viele von uns hatten auch schon mal eine Situation, in der sie von scheinbar guten Freunden verraten oder hintergangen wurden. In solchen Situationen sieht man immer, aus welchem Holz man selber und aus welchem die anderen wirklich geschnitzt sind.
    Und du hast ja erkannt, dass du die Botschaft erhalten und verinnerlicht hast, "sei lieb, dann wirst du akzeptiert". Meiner Meinung nach ist es unsere Aufgabe als Erwachsener und Mensch, diese individuellen Botschaften unserer Kindheit zu identifizieren und aufzulösen. Bei mir war es beispielsweise das große Bedürfnis, unsichtbar zu sein. Nicht aufzufallen, denn wer nicht auffällt, kann auch nicht negativ auffallen und keinen Ärger bekommen. Ich bin immer noch verwirrt, wenn mir als Erwachsene Menschen zeigen, dass sie mich bemerkt haben. In meinem Kopf bin ich immer noch unsichtbar, aber mein Verhalten sagt inzwischen etwas ganz Anderes.

    Versteh mich nicht falsch. Ich finde, es ist eine wunderbare Eigenschaft an dir, dass du ein Geber bist. Bitte leg das nicht ab. Die Welt braucht Menschen wie dich. Menschen, denen es ein tiefen Grundbedürfnis ist, nett zu Anderen zu sein. Zu helfen. Altruisten.
    Aber wie in dem Spruch, den ich für mich mal als sehr wahr erachten musste "Givers need to set the limits because takers rarely do.", musst du selber einen Weg für dich finden, wie du geben kannst, oder dich zu verausgaben (und da steckt ja auch das Wort "gabe" drin). Die Leute, die dich nehmen, werden niemals damit aufhören, zu nehmen und zu nehmen, wenn du nicht irgendwann aufhörst, zu geben. Sie sind ein bodenloses Loch, das nie gefüllt werden kann. Deine Ressourcen sind aber endlich.

    Ich glaube, der Schmerz, all diese prägenden Momente noch mal wiederzuerleben, war notwendig, wenn auch nicht schön. Jemand Weises sagte neulich mal zu mir "Wenns weh tut, das ist wenn wir lernen, oder?"

    Nun, wie man da rauskommen kann? Ich denke, sinnvoll ist es auf jeden Fall, sich mit den Wurzeln auseinander zu setzen, auch wenns schmerzhaft ist, und im Hier und Jetzt kleine Schritte zu unternehmen, reflektiert die Situationen darauf abzuklopfen, ob du dieses dir schadende Verhalten gerade wieder an den Tag legst. Und falls du feststellst, dass du es tust, die Handbremse ziehen und einen Schritt zurückmachen und die andere Person mal kommen lassen. Sie auch mal geben lassen. Und wenn sie nicht kommt, sie gehen lassen, denn dann warst du nur dafür da, ihr bodenloses Loch zu füllen, und sie hatten die die Absicht (oder die Fähigkeit), dir auch mal was zurückzugeben.

    Du sagtest zwar, als die Beschenkte siehst du dich in deinem Kopf nicht, aber du erzähltest auch von deinem "Seelenpartner", der genau wie du von sich aus gab.
    Und es ist kein Vebrechen, sich zu wünschen, dass andere Menschen einem auch etwas geben. Es ist eine ganz feine Linie zwischen der Erwartungshaltung Vieler, dass etwa ein Partner sie glücklich zu machen oder zu erfüllen (mit seinem Geben) hätte, und dem erwartungsfreien Wunsch, jemanden zu treffen, der genau wie man selber gerne gibt, ohne dafür zurückzuwollen. Ich weiß nich, ob ich den Unterschied gut beschrieben habe. Den muss jedermann in sich selber finden, denn ich glaube, er sieht in jedem Menschen anders aus. Bei mir sieht er aus wie pure Lebensfreue, die bei mir anfängt, mich erfüllt und mich übersprudeln lässt. Was übersprudelt, können die Anderen sehr gerne haben, ich schenke es gerne her. Aber der Hauptquell bin ich selber. Und wenn ich mal versiege, weil es mir nicht gut geht, bleibt auch nichts für die Anderen übrig, was ich geben könnte, denn es sprudelt nichts über und das kleine Rinnsal in mir brauche ich in solchen Zeiten selber.

    Wenn du allmählich besser wirst, die Fallstricke schneller erkennst und dir diese Selbstfürsorge irgendwann in Fleisch und Blut übergeht, wirst du zuerst unbemerkt, dann aber immer deutlicher, einen anderen Schlag Mensch anziehen. Und eines Tages wird das - nicht dein "Seelenpartner" sein, denn dieser Mann ist Teil deiner Vergangenheit, die so nie wieder auferstehen kann - jemanden finden, der im Hier und Jetzt so gut zu dir passt, wie dein "Seelenpartner" es früher schon mal getan hat.
  • @San...
    Du bist großartig, ich danke dir von ganzem Herzen - nicht nur, dass du dir die Zeit und Gedanken für so einen langen Text nimmst, du hast drüberhinaus absolut ins Schwarze getroffen und "mich genau erfühlt". Das hilft so!

    Und du hast auch den Teil mit Beschenken vs. Erwartungshaltung genau so interpretiert, wie ich es sehe / verstehe / mir vorstelle, und das Sprudeln kenne ich gut :-)
  • @zwischen_den_Stühlen Das freut mich wirklich sehr! :) Und auch danke für deine Feedback, ich hab immer ein wenig Angst, dass ich mit zu langen Texten so schwadronierend und rechthaberisch rüberkomme oder so.

    Ich drücke dich virtuell und wünsche dir ganz viel Erfolg auf deiner Reise :D
  • nein, das empfind ich gar nicht so, im Gegenteil, du schreibst ja wertschätzend und "anregend", nicht mit erhobenem Zeigefinger oder "man muss...", also ich schätze das, was du "von dir gibst", sehr

    dankeschön :-) drück zurück ;-)
  • ouffhhh... grad hat mich aus ganz anderer und für mich total unerwartet, weil völlig "fremder" Ecke was schockiert... und das bringt jetzt sozusagen mein Weltbild bzw. "Beziehungswunsch" nochmal ins Wanken...

    Es gibt tatsächlich noch Menschen, die ein Problem damit hätten, ihrem Partner sein Hobby zu gönnen... weil da jemand vom anderen Geschlecht und somit potenzielle Beziehungsbedrohung dabei ist...

    Das ist mir dermaßen fremd, dass ich grad völlig verblüfft bin... und mich wohl, wenn das echt mehr Leute so sehen, zum totalen Rückzug vom Beziehungswunsch veranlasst, weil ich denke, bitte, ich strebe doch nicht nach Erfüllung in meinem Leben, nur dass ich dann einen Partner hab, der nicht aushält, dass ich Zeit "aushäusig" und in Gesellschaft anderer Männer verbringe, da auch noch Spaß habe, Lebensfreude tanke und "ich selbst" sein kann? Ouffhhh....
  • edited September 11
    Als quasi frisches Mitglied im Club der Singles, hab ich mir in letzter Zeit auch so den einen oder anderen Gedanken gemacht, der hier schon genannt wurde.

    Klar geht es auch alleine und ich denke, für eine gesunde Beziehung sollte man davor auch mit sich im Reinen sein. Sich alleine mit sich wohl fühlen und nicht Bestätigung von anderen brauchen, um sich wertvoll oder gemocht zu fühlen.

    Ungesunde Beziehungen entstehen ja oft aus einem Defizit, ich brauche etwas und der andere gibt mir genau das. Da scheint der Gau vorprogrammiert.

    Ich will aus meiner gescheiterten Beziehung etwas lernen, es beim nächsten Mal besser machen. Das bedeutet aber auch, bei der Partnerwahl umzudenken, nicht wieder in sein altes Muster zu fallen sondern aktiv den "Kreis" zu durchbrechen.

    @zwischen_den_stühlen
    Ich verstehe deine Angst sehr gut, dich einem neuen Partner wieder öffnen zu müssen, bei Null anzufangen. Das ist schwierig, braucht Mut, Geduld und kann natürlich auch mal umsonst sein. Aber wie @San schon so schön sagte: Wenn es weh tut, fängt der Heilungsprozess an. Ohne den Mut, auch Mal einen Schlag wegstecken zu müssen, werden wir den Kampf nicht gewinnen.

    Und glaub mir, während ich das schreibe, weiß ich wie schwer das ist und wie schwer mir das fällt.

    Zum Thema "dem Partner sein Hobby gönnen" kann ich nur sagen (sorry) Bullshit! Man wird doch in einer Beziehung nicht zum siamesischen Zwilling. Jeder Mensch braucht seinen Freiraum und gerade WENN man jemanden liebt, gönnt man ihm/ihr den auch und zwar ohne Eifersucht, Drama und schlechtem Gewissen.
  • du hast mit allem recht @soultattooed, danke!
    Genau, auch meine Sichtweise - den Partner sein Leben leben lassen... drum, ich war grad echt schockiert, als ich das aus dem Munde einer Freundin hörte, dass sie dies und jenes etcpp nicht haben würde wollen...
  • und es ist sehr schön, hier so auf Verständnis, Unterstützung, gute Ratschläge und auch Geduld zu treffen... das muss echt mal gesagt werden!!!!
  • Ich wüsste noch nicht mal , wie ich jemanden neues kennenlernen könnte , bin schrecklich isoliert gerade , obwohl ich im Job bin .
  • edited Oktober 16
    Einen wunderschönen guten Morgen :-)
    Hier sollte ich jetzt mal einen kurzen Nachtrag zum Update einfließen lassen...

    Mir ist da nämlich grad ...*hüstel*..."was passiert" ;-)
    Ich hab vor ein paar Tagen einen Mann kennengelernt... Total einfühlsam, sanft und auch extrem herzlich, es war überhaupt kein Thema, mich da öffnen zu können oder so.

    Jetzt schau ich mal, wie sich das entwickelt..
  • Ich kenne das auch. Für mich waren bisher alle Beziehungen mehr Stress als irgendeine Unterstützung oder Hilfe. Eine Beziehung will ich irgendwie gar nicht mehr und selbst etwas lockereres klappt bei mir nicht. Ich lebe auch schon längere Zeit allein und habe es immer genossen. Mit meinem letzten Partner habe ich ein paar Monate zusammen gewohnt und nein danke, ich bin so froh wieder meine eigenen vier Wände zu haben und mir reicht auch so meine "Regenerationszeit" kaum aus. Was mir schon etwas fehlt ist ehrlich gesagt das körperliche: kuscheln und auch Sex, aber auch damit habe ich nicht so gute Erfahrungen gemacht, deswegen will ich widerum trotzdem keinen Mann dafür. Was mir wirklich fehlt, ist jemand seelenverwandtes, da wäre es mir aber auch egal, ob als Partner oder Freund/in, nur sehe ich auch da die Zukunft eher pessimistisch und versuche zu lernen so gut es geht möglichst alleine klar zu kommen. Zugleich bemühe ich mich aber auch, mich ein wenig mehr aus der Wohnung zu zwingen.
  • genau @TschayTschay, Stress und Anstregung, das ist, was übrigblieb bisher... und eine verwirrte, halb aufgelöste Identität...
    Ich frag mich ehrlich, wie es anderen Menschen gelingt, erfüllende Partnerschaft zu leben
  • @ zwischen_den_Stühlen
    Ja, das frage ich mich auch ständig, auch wenn ich immer mitbekomme, wie sie über etwas diskutieren. Ich arbeite zum Beispiel gerade im Möbelverkauf und wenn dann ein Pärchen immer kommt, um sich (mehr oder weniger) gemeinsam etwas auszusuchen, frage ich mich das schon öfter: ob es diese ewigen diskussionen und kompromisse wert sind. Oder manchmal ist es ja nicht einmal ein Kompromiss, sondern einer entscheidet dann einfach über den Kopf des anderen und dieser gibt halt nach. Ich bin dann jedes Mal froh, dass ich meine künftigen Möbel ganz alleine aussuchen kann und meine Wohnung ganz so einrichten kann, wie sie MIR gefällt.
  • Ich komme inzwischen für mich immer mehr zu der Erkenntnis: Partnerschaft "ja gerne!" aber sehr gern in getrennten Wohnungen. Oder in einem groß genügenden Haus, wo jeder seinen Bereich haben kann.
  • Also ich würde schon gern auch "eng" mein Leben mit einem Partner teilen, eine gemeinsame Wohnung haben - sicher, mit Extrazimmer für genug Raum - aber mich bringen ja auch schon Beziehungen, in denen man noch nicht zusammenlebt an die Grenzen.

    Übrigens, am meisten "aufgelöst" hat mich im Grunde meine letzte Beziehung - die, in der so viel mehr Harmonie herrschte, als in allen anderen zuvor, in der solche Diskussionen, wie @TschayTschay sie aus dem Beruf kennt, nie stattgefunden haben. Weil sie so arg tief ging, wie ich es zuvor noch nie erleben durfte :-(
  • hm... seit gestern schein ich irgendwie ohnehin von fieser Torschlusspanik befallen zu sein, sprich: Ich fürchte, dass ich weniger ein Problem mit Angst vor was Neuem habe, sondern vielmehr, Angst überhaupt jemals wieder wen zu finden.
    Das ist furchtbar grad, ich hatte eigentlich schon geglaubt, DIESE Angst losgeworden zu sein, nun isse wieder da :-(
  • @ zwischen_den_Stühlen

    Ich bewundere ein wenig, dass du überhaupt so eine harmonische Beziehung führen konntest. Ich habe inzwischen irgendwie jegliche Hoffnung fahren lassen, jemand passenden für mich zu finden, auch wenn es natürlich schön wäre, damit meine ich aber nicht nur einen Partner, sondern auch vielleicht eine Freundschaft, aber ich denke immer, dass ich dafür einfach viel zu kompliziert gestrickt bin. :/ Dass du auch wieder diese Angst hast nach dieser Partnerschaft ist verständlich, ich hoffe dir geht es bald wieder besser.
  • danke dir @TschayTschay, das ist lieb von dir... Es wird mir bestimmt auch bald wieder besser gehen, das sind halt so Hänger, die immer mal auftauchen. Und je älter ich werde, desto mehr gerate ich in den Zwiespalt zwischen einerseits Hoffnung und andererseits Hoffnungslosigkeit. Ich kann mich schon immer wieder draus befreien, zum Glück. Die Frage ist halt, was ist Wunschdenken und was ist realistisch ;-)

    Naja, diese harmonische Beziehung, das war irgendwie ein Geschenk und eine Aufgabe zugleich :-) Wir haben beide viel lernen dürfen, in dieser Zeit. Aber auch viel "Federn gelassen" ;-)
  • Hallo liebe zwischen_den_Stühlen

    ich hatte eine weile das Gefühl nichts zu diesem Thema beitragen zu können, da ich aktuell in keiner Vergleichbaren Situation bin. Bis mir heute folgender Gedanken kam.
    Viele Menschen haben den Gedanken, das eine Beziehung umso wertvoller ist, je länger sie hält. Doch ich glaube mit diesem Gedanken beschränkt man sich und den Wert einer Beziehung.

    Tatsächlich glaube ich, dass jede Beziehung ihren Sinn hat. Manche Beziehung halten auch nur so lange bis sie einen bestimmten Zweck erfüllt haben. Das man Beispielsweise etwas bestimmtes gelernt oder eine bestimmte Erfahrung gemacht hat oder auch einfach nur gemerkt hat, was man nicht will. Manchmal hat auch der Partner sein, meist unterbewusstes, "ziel" für die Beziehung erreicht und beendet die Beziehung bevor man seines erreichen konnte. Dies ist natürlich unbefriedigend und kann von einer unerfüllenden Beziehung in die nächste führen, so lange bis man seine Erfahrung gemacht oder seine Lektion gelernt hat.

    Manchmal hat man aber auch einfache eine "schöne gemeinsame Zeit" und sollte diese als genau solche dankbar in Erinnerung behalten und sich auf die nächsten schöne Begegnung freuen.

    Vor einiger Zeit habe ich folgenden schönen Spruch gehört "Das Leben hat noch etwas besseres mit dir vor"
  • Hallo lieber @Stefan,
    danke dir für den netten und aufmunternden Beitrag!!!
    Ich kann deine Sichtweise(n) da eh sehr gut nachvollziehen, bzw. bin ich irgendwie auch bei diesen "Erklärungsmodellen" gelandet im Versuch, zu begreifen, was da in meinem Leben so hm... ja, "sonderbar" verläuft.

    Mein Exfreund und ich haben öfter den Gedanken/die Sorge geäußert, dass wir vielleicht nur für einen bestimmten Zeitraum, Lernzeit sozusagen, füreinander da sein würden (was natürlich im Laufe einer sehr harmonischen, innigen Beziehung ein doch auch betrüblicher Gedanke ist). Und nun, Soll erfüllt, Partnerschaft mit ihm obsolet.
    In diesem, letzten, Fall glaube ich das wirklich.
    Bei den eher nicht so sehr innigen Beziehungen davor... da weiß ich es wirklich nicht, was mir das Leben sagen will oder wollte ;-) Aber vielleicht sollte ich nur herangeführt werden, den deutlichen Kontrast zu erkennen, ich weiß nicht.

    Dass das Leben noch Besseres mit mir vorhat, daran versuch ich mich.. naja... nicht "festzuhalten"... es schwingt irgendwie in meiner Hoffnung genau dieses Gefühl mit, wenngleich ich manchmal denke, naja, echt jetzt...? Und falls ja: WANN endlich?? ;-)
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