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"Die lieben Kollegen und die Kunst der Unsichtbarkeit" / Begrüßungen

edited September 17 in Beruf & Studium
Hallo,

ich habe lange Zeit überlegt, ob ich überhaupt einen Thread hier eröffnen soll deswegen, zumal es hier ja bestimmt schon zig Themen über Kollegen gibt, doch es gibt eine Angelegenheit, die mich in letzter Zeit gedanklich ein wenig beschäftigt. Zum einen denke ich nämlich, dass es vermutlich eher eine Kleinigkeit ist, zum anderen interessiert es mich jedoch trotzdem, wie da eure Erfahrungen sind – und zwar:

Ich arbeite in einem Großraumbüro, in dem ca. 70-80 Personen sitzen und für die meisten bin ich grundlegend unsichtbar, womit ich mich eigentlich auch schon abgefunden habe. Klar, dafür bin ich auch irgendwo selbst verantwortlich, da ich kaum auf Menschen zugehe und in den kurzen Momenten, die ich in der Teeküche verbringe, um mir geschwind meine Wasserkaraffe zu befüllen, fange ich in der Regel auch keinen Smalltalk an, sollte sich noch jemand im Raum befinden. Über ein kurzes „Hallo!“ oder „Mahlzeit!“ reicht es meistens nicht hinaus. Aber ich denke, ich brauche euch da gar nicht zu viel erzählen, denn viele von euch kennen das ja vielleicht von sich selbst auch!

Doch nun würde mich interessieren, ob ihr auch die Erfahrung gemacht habt, dass ihr teilweise sogar gar nicht mehr gegrüßt werdet? Einfach so, als wärt ihr gar nicht da … oder eben unsichtbar?

Ergänzend muss ich sagen, dass ich immer schon sehr früh im Büro bin – so zwischen 06:00 Uhr und 06:30 Uhr, bevor der Großteil der anderen da ist, denn da ist es noch halbwegs ruhig und ich hab nach dem Heimgehen noch was vom Nachmittag. Das Büro ist länglich angelegt – durch die Mitte verläuft der einzige Weg durchs Büro, links und rechts sind die Tischgruppen aufgestellt und man kann deshalb eigentlich kaum jemanden übersehen, da es dadurch räumlich recht überschaubar ist. Morgens bin ich auf meiner Tischgruppe meistens länger alleine anwesend, weil die restlichen 5 Kollegen später kommen oder gar nicht, da Außendienst.
Nun sitze ich also MO-FR hier und mir fällt schon seit langem auf, dass mich viele KollegInnen bei ihrem morgendlichen Begrüßungsritual, wenn sie ins Büro kommen, scheinbar beabsichtigt auslassen?!
Beispiel: eine ganz bestimmte Kollegin ist offenbar ganz auf Höflichkeit bedacht, denn sie grüßt jedes Mal in aller Früh in Richtung jeder Tischgruppe beim ersten Gang durchs Büro auf dem Weg zu ihrem Platz – nur bei mir nicht … wirklich JEDES Mal. Komisch, denn die Gruppe hinter mir und vor mir grüßt sie dann nämlich schon ganz freundlich … man fühlt sich so irgendwie vera*scht. Selbst ganz neue KollegInnen, die sonst nicht mundfaul zu sein scheinen, neigen dazu meine Anwesenheit zu ignorieren, ganz so als ob man ihnen schon am ersten Tag als Grundregel einbläuen würde, dass man „die Ruhige dort drüben“ eh nicht beachten und auch nicht grüßen brauche. Verzeiht mir bitte meine zynische Schreibweise ...

Wie gesagt, ich bin mir unsicher, ob diese Sache überhaupt eines eigenen Threads würdig ist und für gewöhnlich lasse ich solche Ärgernisse ganz gut an mir abprallen, so nach dem Motto „ist mir jetzt eigentlich voll wurscht“. Funktioniert in letzter Zeit aber nicht so gut und an manchen Tagen macht es mich sogar ziemlich grantig, wenn ich darüber nachdenke.

Habt ihr es auch schon mal erlebt, dass ihr für alle derart unsichtbar seid? Glaubt ihr, dass daran nur die zurückhaltende und ruhige Art schuld ist? Wirkt man als Intro auf andere wirklich so unsympathisch, ja vielleicht sogar arrogant? Gibt es von euch jemanden, der auch in einem Großraumbüro arbeitet und wenn ja, wie ist da der Umgang mit den KollegInnen?

LG
Persephonia

Kommentare

  • Guten Morgen liebe Persephonia,

    oh doch, ich finde sehr wohl, daß die Sache, die du uns da schilderst, eines eigenen threads würdig ist!

    Deshalb möchte ich dir auch direkt antworten.

    Ich kenne das, was du beschreibst, von beiden Seiten.

    Verglichen mit deinem Großraumbüro ist das Büro, in dem ich mit 5 Kollegen zusammenarbeite, dieser Bezeichnung wohl nicht würdig, dennoch:

    arbeiten in einem Raum mit mehr als 2 Kollegen fördert bei uns Intros glaube den Rückzug.

    Und wie man am besten mit der Zurückgezogenheit seiner Kollegen umgeht, da stehe ich selbst als Intro manchmal vor einem Rätsel.

    Verständlich, daß du dich bei der Begrüßung übergangen fühlst, ist die Ausnahme, die da bei dir gemacht wird, schon sehr deutlich.

    Nun kann es sein, daß dein Umfeld bemerkt hat, daß du viel Zeit für dich benötigst und bei der Arbeit nicht gestört werden möchtest und das Ignorieren nicht böse gemeint ist.
    Davon würde ich sogar ausgehen.

    Wie ist denn deine Reaktion, wenn die Kollegin, die wirklich alle außer dir grüßt, den Raum betritt? Schaust du zu ihr hin und lächelst sie an?

    Ich hatte einmal eine Kollegin, die war oftmals sehr in ihre Arbeit vertieft, sehr zurückhaltend und leise. Da ich oftmals den Eindruck gewann, sie zu stören, ließ ich sie dann auch irgendwann in Ruhe. Nicht, weil ich sie nicht mochte - im Gegenteil. Es war meine Art, ihr mein Verständnis zu zeigen. Ob das gut ankam und richtig war, kann ich nicht sagen.

    Jedoch hatte ich oftmals signalisiert, daß sie auch gern auf mich zukommen dürfte, wenn ihr danach ist. Da von ihr sehr wenig Eigeninitiative kam, verloren sich meine Bemühungen dann auch im Sande.

    Generell finde ich den Kontakt zu Arbeitskollegen noch schwieriger, als zu anderen Personen, wird man doch u.U. mit Menschen zusammengewürfelt, mit denen man im Normalfall nichts zu tun hätte.

    Manchmal kann man Glück haben und auf Kollegen treffen, mit denen die Chemie auf Anhieb stimmt, oder sich mit der Zeit eine gute Gemeinschaft entwickelt.

    Ich möchte es für's erste bei diesen Zeilen belassen und erst einmal deine Antwort abwarten.
  • Einen schönen Vormittag @persephonia und @enjoythesilence :-)

    Ich finde das Thema auch ganz außerordentlich unbedingt einen Thread wert - erstens weil das Thema sehr interessant ist, zweitens: Allein schon aus dem Grund, weil es dich beschäftigt, ist es das auf jeden Fall wert.

    Ich kenne das mit der Großraumbüro-Situation so nicht, zum Glück, weil ich so nicht arbeiten könnte.
    Was ich aber aus eigener Erfahrung kenne: Wenn ich meine sehr in mich gekehrten bis eher sehr unglücklichen Stunden/Zeiten/Tage habe, machen Menschen einen Bogen um mich. Z.B. im Stall, wenn sie neu dazukommen und ich schon dasteh, mein Pferd am Putzplatz angebunden, gehen sie an mir vorbei, ihr Pferd holen und "vergessen" dann, mich zu grüßen.
    An Tagen, an denen ich "ich bin" und "strahle", schreien mir dieselben Menschen schon von Weitem ein "Hallo" herüber.

    Ich nehme an, ich lade selber ein oder aus. Und meine Körpersprache muss extrem leicht lesbar bzw. abartig unterschiedlich aussehen, je nach Stimmung.

    Und ich denke, den Leuten ist es gar nicht bewusst, was sie da tun oder nicht, sie scheinen einfach auf mich zu reagieren, ohne was Böses im Sinne. Ich sende wohl einfach sehr kraftvoll ;-)

    Wenn du unter der Situation leidest, vielleicht magst du einfach mal diese eine Kollegin, die wild vor und hinter dir herumgrüßt, bewusst ansehen, mit einem großen Lächeln, wenn sie sich da an dir vorbeibewegt und mit einem freundlichen "Hallo" selber grüßen?
    Ich denke, sie lässt dir einfach die Ruhe, die du mit deiner "Sendung" erbittest.
  • edited September 17
    Hi @enjoythesilence und @zwischen_den_Stühlen,

    lieben Dank für eure verständnisvollen Rückmeldungen auf meinen Post.

    Der Spruch "Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus" stimmt ja wohl schon irgendwo und ich kann mir gut vorstellen, dass Menschen häufig unterbewusst reagieren und handeln. Somit könnt ich mir auch denken, dass es mit meiner Ausstrahlung zu tun hat, denn mein Selbstbewusstsein ist nicht gerade das stärkste und mir ist bewusst, dass ich nach außen hin und vor allem auf nicht nahestehende Personen bestimmt voll kalt und nicht gerade emotionsreich wirke.

    Betreffend der besagten Kollegin und meiner Reaktion, wenn sie den Raum betritt, würde ich sagen, dass keine vorhanden ist. Das hat aber auch mitunter den Grund, dass das Büro echt groß ist. Ich schätze es auf eine Länge von etwa 50 Metern und die Kollegin ist wohl ca. 40m weit weg, wenn sie den Raum betritt. Ich sitze dann auch noch mit dem Rücken in ihre Gehrichtung. Und sobald sie bei mir vorbeikommt, schaut sie auch nicht nach links zu mir. Ich habe mir ja eh auch schon öfter ausgemalt, wie ich dann extra laut bei solchen Leuten "MORGEN!" rufe, aber nun ja, das bin halt auch nicht ich - wenn ihr versteht, was ich meine.

    Schwierig speziell in meinem Büro ist, dass ich persönlich mit den wenigsten arbeitstechnisch regelmäßig zu tun habe. So kommt man nicht mal wegen der Arbeit mit vielen Leuten in Berührung. Ich glaube, es ist ohnehin immer ein bisschen einfacher Anschluss an Menschen zu finden, wenn man auch arbeitstechnisch dasselbe macht oder natürlich gleiche Interessen hat. Ich habe mal eine Ausbildung im Buchhandel gemacht ... da hab ich mich mit den meisten sehr gut verstanden, aber das sind halt ganz andere Arbeitsbedingungen gewesen.
    Meine jetzige Bürogruppe, bestehend aus 6 Personen, wird jedoch ohnehin irgendwann aufgrund einer neuen Firmenstruktur auch räumlich in ein anderes Büro versetzt. Ich lege all meine Hoffnung darin, dass ich es dort nicht so verbocke mit den Leuten.
  • heeeee @persephonia, nicht doch, du hast es doch nicht "verbockt"!!!
    Ich denke, man darf auch nicht vergessen, dass so ein Riesen-Büro mit soooo arg vielen Leuten einfach "davon lebt", dass bestmöglich Ruhe herrscht und wenig gesprochen wird, weil sonst reihenweise die MitarbeiterInnen wegen der Lautstärke ausbrennen...

    Und du hast es ja in der Hand, es zu ändern, sofern dir wirklich dran gelegen ist.
    Ich bin fest der Meinung, die Kollegen wollen dir nix Böses, sondern entweder reagieren einfach auf dich oder versuchen, auf dein "Ruhebedürfnis" Rücksicht zu nehmen.

    Wenn die eine quasi "auf deinen Rücken aufläuft", hat sie es ja ncohmal schwerer, vielleicht komm ihr mal eintgegen - Drehstuhl, Schwung, zack - lächeln?
  • Hallo, erstmal, nein ich arbeite noch nicht, ich studiere noch, aber eigentlich ist es in so einer Art von Firma, in der ich später tätig werden möchte (sorry für mein Deutsch, komme nicht aus Deutschland, und trotzdem begebe ich mich immer in deutschen Foren). Ich finde es eine gute Sache, dass du dieses Thread eröffnet hast.


    An deine Frage, ob andere dich so unsympatisch finden können oder arrogant, ist die Antwort ja. Aber du bist du, du kannst nicht jedem gefallen und du wirst jetzt schlecht komplett aus deiner Komfortzone herausgehen, nur weil andere dich nicht begrüssen. Aber tu könntest dich möglicherweise ein klein wenig mehr mit dieser "bestimmten Kollegin" austauschen.


    Möglicherweise ist es für die andere Person penibel dich die ganze Zeit begrüssen zu müssen und zu wissen, dass ihr sowieso sonst nichts miteinander zu tun habt, wieso also sich die ganze Zeit begrüssen. Ich wollte jetzt nicht hart klingen und wäre ich in deiner Haut würde ich mich auch ausgeschlossen fühlen.


  • edited September 17
    Ein sehr interessantes Thema, das man auf vielfältige Weise betrachten kann.

    @Persephonia Jetzt hast du so einen langen Text darüber geschrieben wie die Situation aussieht und was wir davon halten, aber die Frage die sich mir direkt stellt, ist, was erwartest du? Soll sich was ändern? und wenn ja was?

    Das mit der Resonanz kam ja schon auf und es wurden ja schon vielfältige Möglichkeiten genannt warum besagte Kollegin dich möglicherweise ignoriert.

    Willst du denn von der Kollegin gegrüßt werden oder von anderen Kollegen und suchst nach Möglichkeiten besseren Anklang zu finden? oder schätzt du lieber deine Ruhe.

    Oder fühlst du dich Aufgrund der scheinbaren Ignoranz / Unsichtbarkeit ausgegrenzt, verletzt oder sonst wie schlecht behandelt und wünscht dir einen Denkanstoß wie du damit besser umgehen kannst?

    Oder befindest du dich sogar in dem Paradigma gefangen, das du eigentlich gar nicht gegrüßt werden willst, aber dich trotzdem Angegriffen fühlst das du nicht gegrüßt wirst?

    um erst ein mal ein paar Allgemeine Fragen zu beantworten: ich habe zwar nicht direkt in einem Großraumbüro gearbeitet, aber durchaus schon an Orten mit vielen Kollegen und teils auch Kunden auf relativ engem Raum.
    Die einen Menschen empfinden es als Anstrengend jeden grüßen zu müssen (bzw. sich dazu genötigt zu fühlen). Andere Menschen sind gleich beleidigt wenn sie mal nicht gegrüßt werden. Beide Menschen stehen letztlich genauso im recht, wie im unrecht. Fakt ist man kann es nicht jedem Recht machen. Man kann einzelne Beziehungen stärken oder Personen meiden und man kann versuchen seinen Umgang mit Situationen, sowie seinen Betrachtungswinkel zu ändern.
    Ich persönlich grüße NICHT jeden Kollegen. Halte aber durchaus auch mal Smalltalk in der "Kaffeeküche", finde das gehört einfach dazu wenn man nicht zum Außenseiter (Menschlich wie Dienstlich) werden will und letztlich lernt man ja so seine Kollegen kennen und evtl. entsteht sogar eine Freundschaft daraus.
  • Guten Tag in die Runde,

    weil ich mich in einer ähnlichen Situation befinde wie Persephonia möchte ich an dieser Stelle auch meine Bedenken loswerden.

    Selbstverständlich kann es wie von @zwischen_den_stühlen vermutet der Fall sein, dass hier aus respektvoller Distanz das Ruhebedürfnis berücksichtigt wird. Ebenso gut können es aber auch Gründe böswilliger Art sein. Beides habe ich erlebt, letzteres eher selten. Wenn klar erkennbar nichts konträres signalisiert wird, erscheint es mir wenig kollegial, einen Abstand zu demonstrieren, wenn nicht ausdrücklich um Abstand gebeten wurde, ganz gleich, ob in akustisch vernehmbarer Form oder nonverbal. Dass es die Andersveranlagten nicht auf Anhieb begreifen, sei ihnen verziehen, nach mehrmaligem, nicht zu übersehenden Winken mit Zaunpfählen sollten sie aber allmählich dahinter kommen können. Die Wirkung eines regelmäßig unterlassenen "Guten Morgen" auf das Umfeld sollte auch nicht unterschätzt werden. Umgangsweisen färben ab, werden schnell übernommen, und haben sich diese erst im komplexen Gefüge der Extrokultur verfestigt, wird man sie nur noch mit der Brechstange los.

    Ich halte derartige Verhaltenmuster, wenn sie diabolischer Natur sind, keineswegs für Lappalien. In einer zivilisierten Gesellschaft sollte ein schlichtes "Guten Morgen", zumindest aber ein Zunicken, kurzer Blickkontakt oder eine sonstige Geste, die deutlich macht, dass vom Gegenüber Notiz genommen wurde, nicht zu viel verlangt sein.

    Ohne Argwohn und Unterstellungen fördern zu wollen: Ich würde mich furchtbar schwertun mit einem derartigen Betragen. Wohlwollen und Gutmütigkeit, die in einem Großraumbüro unabdingbar sind, kann ich darin sehr schwer erkennen. Mein nächster logischer Schritt wäre also an Deiner statt, die Beweggründe zu erkennen versuchen. Und die könnten sehr vielfältig ausfallen. Eventuell strahlst Du eine mysteriöse Autorität aus, die der besagten Persönlichkeit nicht ganz geheuer ist? Man sagt, dies kann bei uns Introvertierten schon mal vorkommen...

    Alles Gute @Persephonia
  • "In einer zivilisierten Gesellschaft sollte ein schlichtes "Guten Morgen", zumindest aber ein Zunicken, kurzer Blickkontakt oder eine sonstige Geste, die deutlich macht, dass vom Gegenüber Notiz genommen wurde, nicht zu viel verlangt sein."

    Das sehe ich ganz genau so @Extrophob

    Dennoch kann man in Eile auch mal jemanden übersehen, ist in Gedanken, hört und sieht schlecht, möchte nicht stören.

    Alles situationsbedingt.

    Wenn mir jemand den Rücken zudreht, bin ich persönlich nicht der Typ, der sich dann lautstark bemerkbar macht. Nicht, weil ich eine böswillige Absicht verfolge, sondern weil ich schlicht niemanden erschrecken oder stören möchte.

    Noch dazu: jemanden grüßen ist eine Sache. Bereit zu sein, gegrüßt zu werden, die andere.

    Ein Geben und Nehmen könnte man auch sagen :)
  • Ich seh das ein bisschen wie @enjoythesilence... Wenn ich durch den Flur an den Büros meiner Kollegen vorbeigehe, rufe ich nicht in jedes Büro, in dem einer sitzt, ungefragt "Guten Morgen!" rein. Ich grüße nur, wenn die Leute mich im Vorbeigehen anschauen. Falls sie es nicht tun, gehe ich davon aus, dass sie gerade in irgendetwas vertieft sind und will nicht stören. Wenn ich grade in Gedanken auf meinen Monitor schaue und jemand läuft vorbei und ich höre noch seine Stimme, während ich die Person schon gar nicht mehr sehen kann, dann stört mich mehr, rausgerissen worden zu sein, als dass es mich freut, gegrüßt worden zu sein.
  • edited September 18
    Hui, danke für eure zahlreichen Gedanken und Anregungen! Sehr interessant zu lesen, was ihr dazu denkt!

    Ich möchte auch noch kurz festhalten, wie ich selbst eigentlich zum Grüßen stehe:
    Ich bin keine, die jeder einzelnen Person einen Gruß aufs Auge drücken möchte. Vor allem morgens - ich bin zugegeben ein Morgenmuffel und habe dann auch gar nicht den Elan dazu. Wer weiß, wahrscheinlich bemerken die Leute das zusätzlich neben meinem Eigenbrötlerdasein.

    Einer Person, die regelmäßig durchs Büro geht und dabei kaum oder niemals überhaupt irgendjemanden grüßt, mache ich auch gar keine Vorwürfe. Das fällt nämlich gar nicht so sehr auf und kommt in diesem Großraumbüro unter 70-80 Personen auch oft genug vor. Wenn jedoch jemand, wie die bereits erwähnte Kollegin, jeden Tag alle unüberhörbar grüßt, nur ausgerechnet mich nicht, dann fällt mir das nun mal auf und das wurmt mich, da ich mich frage, woran es liegen könnte. Nur um klarzustellen - ehrlich gesagt liegt mir an dieser Kollegin persönlich nichts. Ich hab ja noch nie ein Wort mit ihr gewechselt und arbeitstechnisch habe ich mit ihr gar nichts zu tun. Die Erwähnung dieser bestimmten Kollegin diente auch nur als Veranschaulichung der Situation. Es gibt noch eine Hand voll anderer KollegInnen, die ähnlich agieren. Mich quälte im Grunde lediglich diese Frage nach dem "Warum?", warum ich da bei manchen so gezielt außen vor gelassen werde und ob es vielleicht anderen Intros schon mal ähnlich erging?

    Da hier ja bereits erwähnt wurde, dass manche Leute schnell beleidigt sind, wenn sie mal nicht gegrüßt werden, ist mir noch in den Sinn gekommen, dass die Möglichkeit besteht, dass ich vielleicht mal wen unbeabsichtigt nicht zurückgegrüßt habe, während ich auf meinem Platz gesessen bin, weil ich es aufgrund der Arbeit nicht so mitbekommen habe. Das tut mir dann natürlich leid. Aber es könnte womöglich sein, dass man dadurch für immer und ewig als nicht grüßenswert abgestempelt wird, hmm.

    Um noch auf die Frage einzugehen, was ich eigentlich durch das Eröffnen dieses Threads erwarte: gar nicht viel. Ich erwarte auch keine fixe Lösung des Problems. Wie gesagt, mich hat interessiert, wie es anderen da so ergeht und ob es dahingehend denn ähnliche Erfahrungen gibt.
  • Faszinierendes Thema!

    Meine Erfahrungen dazu:

    Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf - da hat jeder jeden gegrüßt.

    Hier in Berlin grüßt man sich eigentlich nicht... nur die, die man auf der Straße kennt. Ok... is ja auch ne riesige Stadt und der personifizierte Ort der Anonymität...

    Aber - ich finde, am Arbeitsplatz kann und sollte man sich durchaus grüßen. Ein kurzes "Hallo" oder "Guten Morgen" reicht - vielleicht noch mit einem Lächeln garniert ;-)

    Was erlebe ich aber ganz häufig, wenn ich im Krankenhaus unterwegs bin - und das war ich die letzten beiden Jahre beruflich jeden Tag: eiserne Minen, Blick geradeaus... grüßen? (Könnte ja ansteckend sein? ;-))

    Traurig...

    je größer das Haus, umso anonymer...

    Traurig...

    Zu den Missverständnisse mit Introvertierten: Jepp, das passiert, glaube ich, ganz häufig, dass introvertierte Menschen als arrogant bewertet werden. Das zurückhaltende Verhalten wird von vielen falsch interpretiert...

    Ich persönlich hab mir daher antrainiert: Blickkontakt suchen und anbieten, lächeln und grüßen - wenn was zurück kommt, isses schön. Falls nicht, war es wenigstens ein Versuch wert!
  • @wind_und_wellen Das mit der Anonymität in Berlin ist logischerweise ja echt so. Ich als in Berlin Geborene und Aufgewachsene schätze Anonymität extrem, weil ich es nicht anders kenne. Und ich erinner mich noch verdammt gut, dass uns in der Ausbildung BEIGEBRACHT wurde (werden musste), dass man auch die Leute auf dem Flur grüßt, die man nicht kennt oder mit denen man nicht zusammen arbeitet.
    Ich schätze, jede Stadt zieht unterschiedliche Leute auf. In Heidelberg werden Leute aufgezogen, die Andere nicht aus der Bahn aussteigen lassen. In Berlin macht das kaum einer, da stehen die leute auch nich bescheuert VOR den Türen sondern DANEBEN, damit die Leute eben nich nur aussteigen, sondern auch weggehen können und man selber dann auch einsteigen kann.
    Es fällt mir hier jetzt jeden Tag ein bisschen mehr auf die Nerven, dass die Leute sich, sobald sie eine Lücke entdecken, an einem vorbei in die Bahn drängen, obwohl noch viele Leute aussteigen wollen. Und wenn man aussteigen will, bleiben sie selber vor der Tür stehen, sodass man sich fragt "Ja, und du meinst auch, dass ich mich in feuchte Luft auflösen und an dir vorbeischweben kann, oder?!"
  • Nach allem, was ich herauslesen konnte, geht es es hier nicht primär um das bloße Grüßen/Nicht-Grüßen, sondern eher um Ignorieren und ein zur Schau-Stellen auch und gerade vor Anderen von Überlegenheit und Hierarchie-Wunschdenken. Unterschwelliger Unmut über solch despektierliches Verhalten kenne ich nur zu gut, auch die damit verbundene Problematik, das Thema im Kollegenkreis/Freundeskreis zu thematisieren, oder auch anders zu signalisieren, dass man nicht wie Luft behandelt werden möchte, da es gegensätzlich zur landläufigen Vorstellung von 'Charakterstärke' aufgefasst wird. Ein schwer einzuordnendes, diffuses Gefühl vermengt mit Unverständnis an dem eigenem Selbst, weshalb einem 'Kleinigkeiten' dieser Art Nerven und Energie rauben, bleibt, was auch der Ungewissheit der Stellung der Kollegen zu einem geschuldet sein kann. Je länger diese undefiniert und unsortiert bleiben, desto schwieriger wird das Abfinden dieses wenig erfreulichen Zustandes: Ein perfekter Nährboden für Auseinandersetzungen und Ärger wird erzeugt.

    Und ja, Hut ab vor denen, die rücksichtsvoll und empathisch unterwegs sind, vorsichtig sind und nicht unnötig stören wollen. Aber auch in Gedanken Versunkene oder schlicht noch nicht ganz wach Gewordene sehe ich ganz gelassen: Wenn das der Grund für ein harmloses Nicht-Grüßen ist, gibt es kein wirkliches Problem, eventuell ein Mangel an Sensibilität und Selbstreflektion, das bei Extrovertierten ja nicht selten ist; hier geht es aber um mehr. (@Persephonia Korrigier mich bitte, wenn ich falsch liege).

    Entwertungen sind ernst zu nehmen. Ich weiß, wovon ich schreibe, wobei ich wünschte, ich müsste es nicht wissen.
  • Das mit Bus und Bahn und nicht vernünftig aussteigen können, weil eine Menschentraube vor der Tür steht und "bestenfalls" schon reindrückt, kenne ich auch und ich hasse es! Waren die noch nie in Britannien im Urlaub? Denn dort hätten sie es mit Sicherheit gelernt, wie es weit optimaler geht :)

    Die Grußgewohnheiten in Städten kann man vielleicht mit denen in einer großen Firma oder eben in einem sehr weitläufigen Großraumbüro vergleichen. Wenn da jeder jeden grüßen würde, wäre man ja den ganzen Tag mit grüßen beschäftigt..

    Nichtdestotrotz: wenn man Kollegen grüßt, dann bestenfalls alle, damit sich niemand vernachlässigt fühlen muß.

    Ich kenne das Phänomen, was Persephonia beschreibt gut und verstehe das Gefühl, daß es einen wurmt, übergangen zu werden.

    Da würde auch ich mich nach dem "Warum?" fragen. Vor allem, wenn es nicht bei einem Einzelfall bleibt.

    Wie erwähnt kenne ich die Schwierigkeit, wann wie am besten grüßen von beiden Seiten.

    Erst heute Morgen ist es mir passiert, daß 1 der Kollegen nachträglich das Büro betrat, sich jedoch grade im Gespräch befand, als ich selbst zurückkehrte. Ich sagte trotzdem kurz einen Gruß im entfernten vorbeigehen (3-4 Meter Luftlinie), war mir jedoch nicht sicher, ob der Gruß ankam. Klären konnte ich die Sache dann etwas später, als der Kollege im selben Abstand an meinem Schreibtisch vorbeiging, kurz zu mir schaute und ich winkte freundlich und grüßte erneut. Da vergebe ich mir nichts und falls der erste Gruß tatsächlich nicht angekommen ist, so ist es der zweite Gruß in jedem Fall. Ich bekam ein freundliches Lächeln zurück.

    Es gibt jedoch auch Tage, da geht so ein entspanntes Verhalten im allgemeinen Trubel unter.

    Eine andere Situation:
    ich grüßte über Monate einen entfernten Kollegen, den ich vom Sehen her kannte, aber bis dahin nie ein Wort mit ihm gewechselt hatte. Ich dachte nur, wir arbeiten schließlich in der selben Firma, "kennen" uns vom Sehen und laufen uns ab und zu über den Weg - was also ist dabei?

    Bis heute weiß ich nicht, ob er mich gesehen hat und ignorierte (weil er vielleicht zu schüchtern war, zurückzugrüßen) oder mich tatsächlich nicht registriert hat.

    Ich unterließ "das alberne Grüßen" irgendwann und hielt ihn für mega arrogant, nicht zurückzugrüßen. Ich fing sogar an, ihm aus dem Weg zu gehen.

    Vermutlich, weil ich mit dieser Unsicherheit schlecht umgehen konnte.
    Dabei vergibt man sich mit einem freundlichen Gruß ja nun wirklich gar nichts.
  • edited September 19
    @San du hast mich da grad noch auf eine weiteren Denkanstoß gebracht.

    Ich bin wie wind_und_wellen auch auf dem Dorf aufgewachsen und auch da war es üblich die Leute zu grüßen denen man begegnet, da es auf dem Dorf aber auch mal lauter war (Bauernhöfe, Werkstätten, Kreissägen, Traktoren, etc...) war es zuweilen auch mal üblich sich einfach durch "zunicken" oder einem kurzen Wink zu grüßen.
    Für manche ist auch ein freundliches Lächeln schon Ausdruck eines vollwertigen Grußes, was ich damit sagen will, nicht jeder Gruß muss Verbal kommuniziert werden.

    Noch eine Annekdote fällt mir dazu ein. An einem Arbeitsort haben die Leute Mittags in der Kantine anstatt Mahlzeit oder guten Mittag sich teilweise nur noch mit "zeit" gegrüßt. Achja, grüßen kann regional soooo unterschiedlich ausfallen.

    Letztlich hat das Grüßen oder nicht gegrüßt werden wie Enjoy so schön sagte mit Unsicherheit zu tun.

    @Persephonia Früher in der Schule hatte ich auch mal ein vergleichbares Erlebnis wie du es beschrieben hast. Eine "Freundin" mit der ich mich eigentlich ziemlich gut verstanden habe, hat mich immer dann nicht gegrüßt wenn sie mit Ihrer Clique unterwegs war. Da hatte ich mich auch oft gefragt ob sie mich nicht wahrgenommen oder einfach ignoriert hat. Letztlich habe ich dann herausgefunden das ihre Clique (die sich für die tollsten hielten) mich "uncool" fand und es ihr unangenehm war mich im Beisein ihrer Freunde zu grüßen.

    Die Gründe warum man von einem Menschen nicht gegrüßt wird können sehr vielfältig sein in den meisten Fällen steckt jedoch keine böse Absicht dahinter, in manche steckt Unsicherheit oder Scham.

    Letztlich fällt mir dann noch das Beispiel aus der Serie "the middle" ein. Sue ist permanent "unsichtbar" für die meisten Menschen und wird von anderen kaum wahr genommen. Manche wenige Menschen sind tatsächlich so "unscheinbar" das sie kaum wahrgenommen werden.
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