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mündliche Note

Hallo,

ich bin introvertiert und hatte früher in der Schule auch immer das Problem, dass meine Gesamtnoten durch die mündlichen Noten verschlechtert wurden. Bei einer 4 war dann aber auch Schluss. 5en habe ich deswegen nie bekommen.
Nun ist mein Sohn auch sehr still und zurückhaltend und war deshalb im letzten Schuljahr schon versetzungsgefährdet, weil er in einigen Fächern mündlich 5 oder 4- stand und die mündliche Note in den Nebenfächern schon 70% zählt. Ich finde das ziemlich ungerecht, da er dem Unterrichtsstoff gut folgen kann, sich aber wenig bis gar nicht meldet.
Hat jemand Ähnliches erlebt und kann mir Tipps für Gespräche mit den Lehrern geben ?

Kommentare

  • Hallo, ich habe auch immer schlechtere Noten Aufgrund von mangelnder mündlicher Mitarbeit bekommen.
    In den Sprechstunden hieß es immer: „Ihre Tochter arbeitet nicht mit, träumt immer - fragt man ihre Tochter was, dann weiß sie es.
    Sie sollte wirklich mehr mitarbeiten und aufzeigen“ ...
    Ich fand das damals schon unfair. Den Charakter oder diese Charaktereigenschaft zu beurteilen und als negativ zu werten ist auch unfair. Zuhause bekam man dann nochmal eine auf dem Deckel von den Eltern... Man wird nicht nur nicht akzeptiert sondern auch irgendwie dafür bestraft das man so ist.
    Finde dieses Schulbenotungssystem schlichtweg altbacken.
    Heute weiß man doch schon so viel mehr über die Psyche eines Menschen, da muss man doch diese neuen Erkenntnisse in das Schulsystem miteinfliessen lassen können.

    Genau so pädagogisch sinnlos ist es die Schüler selbst Mannschaften bilden zu lassen.
    2 Schüler rufen abwechselnd die restlichen Schüler in ihre Mannschaft und übrig bleiben die Außenseiter wieder einmal.

    Ich hätte mir damals gewünscht, man hätte den Lehrpersonen auch mal erklärt, dass es auch Menschen gibt die nicht schreien: Hier bin ich! Ich will in den Mittelpunkt!
    Es hat doch nur Vorteile für den Lehrer wenn der Schüler ruhig und lernwillig ist und nicht den Unterricht stört weil er Aufmerksamkeit braucht.

    Ich hoffe der Lehrer zeigt Verständnis und lässt die 5 auch mal grade sein.
  • edited Januar 16
    .
  • Vielen Dank für eure Rückmeldungen. Ich werde versuchen, dies dem Lehrer so zu vermitteln. "Er arbeitet mit, aber im Stillen" trifft den Kern der Sache gut. Leider scheinen viele Lehrer von introvertierten Kindern noch nie etwas gehört zu sagen. Uns wurde gesagt, dass eine Behandlung beim Psychologen dringend erforderlich sei.
  • Zunächst mal finde ich es total toll, dass du so hinter deinem Sohn stehst und die Benotung als ungerecht empfindest.

    Mein Problem in der Schule war auch immer die mündliche Beteiligung. Da hat der Lehrer auch schon mal vor der ganzen Klasse gesagt: "Herbstbube meldet sich mal wieder wie verrückt". Oder es wurde bei der Besprechung der mündlichen Noten auch vor allen kundgetan, dass es ja Hand und Fuß hat, wenn ich mal was sage, aber es darf schon etwas häufiger sein. Oder ich wurde einfach aufgerufen ohne mich gemeldet zu haben, das war immer mein Alptraum. Bei den Elternsprechtagen war dann auch immer meine geringe mündliche Beteiligung das Hauptthema. Und von meinen Eltern gab es dann dafür auch noch Ärger obendrein. Nur wusste ich damals noch nichts von Introversion und dachte auch selbst, dass mit mir was nicht stimmt und ich mich ändern muss. Ich bekam es ja auch von allen Seiten so vermittelt.

    Gerade in der heutigen Zeit, wo klar sein sollte, dass es viele verschiedene Charaktere und nicht nur den einen Mustercharakter gibt und wo die psychologische Forschung schon viel weiter ist, finde ich es erschreckend, dass es immer noch dieses altmodische und ausgeleierte Benotungssystem gibt, das introvertierte Schüler eher demotiviert und als Außenseiter dastehen lässt anstatt ihre Stärken zu fördern und sie damit zu motivieren. Welcher psychische Schaden damit angerichtet werden kann …

    Dass dir auch noch gesagt wird, dass eine psychologische Behandlung "dringend erforderlich" sei, ist eine absolute Unverschämtheit und zeugt von Inkompetenz. Lehrer sollten Grundkenntnisse in Psychologie haben, das gehört sogar mit zum Studium.

    Ich kann dich nur ermutigen, mit den Lehrern zu sprechen und ihnen von Introversion zu erzählen. Empfehle ihnen gerne auch Fachliteratur zu dem Thema. Wenn die dir schon auftragen wollen, deinen Sohn psychologisch behandeln zu lassen, kannst du ihnen auch auftragen, sich mal psychologische Kompetenzen anzueignen.

    Vielleicht gibt es an der Schule ja auch einen Schulsozialarbeiter, an den du dich wenden kannst. Der sollte sich besser damit auskennen und das nötige Feingefühl haben.

    Viel Erfolg!
  • Ohne euch zu kennen, ärgert mich der Rat des Lehrers zu einer psychologischen Beratung. In der Grundschule hatte ich auch einmal eine Lehrerin, die meine Introversion zu einem enormen Problem aufbauschte und damit alles nur verschlimmerte. Dadurch, dass sie mich ständig kritisierte, wurde ich nur unsicherer und schüchterner. Sie legte meinen Eltern nahe, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Nach einem längeren Gespräch mit meinem Vater ließ sie mich einigermaßen in Ruhe. Obwohl er selbst eher ruhig und introvertiert ist, kann er sehr überzeugend sein.

    Vielleicht kannst du den Lehrern vermitteln, dass es dir in der Schule ähnlich ging wie deinem Sohn. Erkläre ihnen, dass er introvertiert ist, und erläutere ihnen die Stärken, die er dadurch hat. Du könntest auch anmerken, dass aus dir trotz oder sogar wegen deiner Introversion auch etwas geworden ist, anstatt dass du in irgendeine Problemspirale geraten wärst.

    Am Gymnasium hatte ich auch einen Lehrer, für den nur die Qualität der Beiträge zählte, während die Quantität eine sehr untergeordnete Rolle spielte. Ich erklärte einmal eine originelle Lösung zu einem mathematischen Problem und bekam dafür eine 1 im Mündlichen.

    Ich lernte übrigens über die Jahre, mich aktiv am Unterricht zu beteiligen. Es liegt nicht in meiner Natur, aber irgendwann fiel es mir nicht mehr besonders schwer, und in meinen letzten Schuljahren bekam ich sogar immer eine 1 in Mitarbeit.
  • Das Schulsystem wird sich wohl nie ändern. Meine Lehrerin meinte mal zu mir, dass ich mal mehr Kontakt zur Klasse suchen soll und wie es dann später in Praktika werden soll. Die Praktika verliefen ganz gut. Mit den Mitschülern red ich manchmal aber hab schon Lästern gehört . Naja gehört wohl für Viele dazu über Außenseiter zu reden. Ich Versuch einfach mit jedem klar zu kommen oder ihm mit Respekt zu begegnen. Auch wenn ich manchmal gerne meine Meinung sagen würde zu bestimmten Leuten. Erstens wären dann da andere Mitläufer und ich alleine und Zweitens, bin ich dann lieber Einzelgänger. Ich suche in der Klasse keine Freunde fürs Leben und hab auch nicht viel gemeinsam mit irgendwem. Auch Introvertierte sind wichtig für die Gesellschaft und Niemand käme zu Wort, wenn Alle stark extrovertiert wären. Wobei ich schon klar sagen kann, wenn Was gar nicht ok ist . Bin in ner Ausbildung und naja so introvertiert sind mit mir in der Klasse zusammen 3. Aber mit denen Red ich auch nicht Viel . Ich möchte eigentlich nur nen Job den ich mag und von leben kann und bisschen mehr und nicht so Leute die mit ihrem Extrovertiert-Ismus .. immer mit der Tür ins Haus fallen. Das nervt mich. Ich merk auch in der Verwandtschaft , dass Familie oft komisch zu mir ist und vorsichtig . Als müsse man sich erklären . Ich leb mein Leben und solang es Keinem schadet mach ich so weiter . Wenn ich Leute mag und mit ihnen bspw einzeln bin im Praktika Red ich auch gerne aber nicht zu viel , aber zu viele Leute u bei bestimmten Leuten bin ich verklemmt . Bei mir in der Ausbildung zählt mündliche Leistung auch viel .. bin da aktuell besser als schriftlich. Obwohl ich nicht soo viel sag aber schon bedachte Sachen.

    Hoffe du findest mit deinem Sohn eine Lösung . Find ich richtig unnötig zu meinen , dass ne Therapie evtl gut wäre . Nur wegen introvertiert sein.
  • @tome: Ich würde ja sehr gerne wissen, wie es denn nun beim Gespräch mit dem Lehrer gelaufen ist. Vielleicht kannst du nochmal was darüber erzählen, wenn du nochmal hier sein solltest.

    Mich hat diese mündliche Note auch immer wahnsinnig unter Druck gesetzt. Ich war in Schulstunden meistens einfach nur damit beschäftigt, dem Inhalt zu folgen und ihn intensiv zu durchdenken. Und immer wenn dann eine Frage in Richtung der Schüler kam, wusste ich dass ich jetzt eigentlich schnell etwas vorzeigbares ausformuliert bekommen müsste um eben irgendwie auf wenigsten eine Meldung pro Stunde zu kommen. Diese Drucksituation hat mich dann total aus meinen Gedanken gerissen und blockiert. So bin ich wohl eher auf eine Meldung pro Woche gekommen^^
    Und wenn erstmal ein anderer Schüler etwas zur Frage gesagt hat, war es bei mir sowieso vorbei, denn dann musste ich ja erstmal den neuen Kommentar durchdenken und gucken, wie der mit meinen vorherigen Gedankengängen zusammenpasst. Das hat natürlich so lange gedauert, dass schon der nächste einen neuen Kommentar gemacht hat oder es eine neue Frage gab.
    Ich bin froh, dass meine Schulzeit schon lange vorbei ist. Aber sehr schade, dass sich diese mündliche Mitarbeit so lange halten kann. Ich meine Lehrer sind dafür da, Wissen zu vermitteln und die geistige Entwicklung zu fördern. Wenn sie aber nicht wissen, wie ihre Schüler "ticken" und wie diese ihre Umwelt aufnehmen und verarbeiten, ist für viele Schüler das übliche Schulsystem einfach nicht zu gebrauchen. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte: Ein Lehrer, der jeden seiner Schüler nicht als einzigartiges Individuum mit besonderen Eigenheiten und Fähigkeiten ansieht, hat seinen Beruf verfehlt. Dass es in der Folge wegen großer Klassen und vielleicht auch ein paar aufmerksamkeitsraubenden Schülern nicht immer möglich ist, seine Art zu lehren anzupassen und jeden Schüler immer passgenau zu fördern, ist natürlich ein anderes Problem.
    Aber wie ein Lehrer mit dem Thema der mündlichen Mitarbeit umgeht, kann er für sich "frei" entscheiden. Und wenn er zu den Lehrern gehört, die ihren Beruf nicht verfehlt haben, dann wird er Schüler nicht wegen ihrer introvertierten Art mit einer schlechten mündlichen Note bestrafen.
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