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mündliche Note

Hallo,

ich bin introvertiert und hatte früher in der Schule auch immer das Problem, dass meine Gesamtnoten durch die mündlichen Noten verschlechtert wurden. Bei einer 4 war dann aber auch Schluss. 5en habe ich deswegen nie bekommen.
Nun ist mein Sohn auch sehr still und zurückhaltend und war deshalb im letzten Schuljahr schon versetzungsgefährdet, weil er in einigen Fächern mündlich 5 oder 4- stand und die mündliche Note in den Nebenfächern schon 70% zählt. Ich finde das ziemlich ungerecht, da er dem Unterrichtsstoff gut folgen kann, sich aber wenig bis gar nicht meldet.
Hat jemand Ähnliches erlebt und kann mir Tipps für Gespräche mit den Lehrern geben ?

Kommentare

  • Hallo, ich habe auch immer schlechtere Noten Aufgrund von mangelnder mündlicher Mitarbeit bekommen.
    In den Sprechstunden hieß es immer: „Ihre Tochter arbeitet nicht mit, träumt immer - fragt man ihre Tochter was, dann weiß sie es.
    Sie sollte wirklich mehr mitarbeiten und aufzeigen“ ...
    Ich fand das damals schon unfair. Den Charakter oder diese Charaktereigenschaft zu beurteilen und als negativ zu werten ist auch unfair. Zuhause bekam man dann nochmal eine auf dem Deckel von den Eltern... Man wird nicht nur nicht akzeptiert sondern auch irgendwie dafür bestraft das man so ist.
    Finde dieses Schulbenotungssystem schlichtweg altbacken.
    Heute weiß man doch schon so viel mehr über die Psyche eines Menschen, da muss man doch diese neuen Erkenntnisse in das Schulsystem miteinfliessen lassen können.

    Genau so pädagogisch sinnlos ist es die Schüler selbst Mannschaften bilden zu lassen.
    2 Schüler rufen abwechselnd die restlichen Schüler in ihre Mannschaft und übrig bleiben die Außenseiter wieder einmal.

    Ich hätte mir damals gewünscht, man hätte den Lehrpersonen auch mal erklärt, dass es auch Menschen gibt die nicht schreien: Hier bin ich! Ich will in den Mittelpunkt!
    Es hat doch nur Vorteile für den Lehrer wenn der Schüler ruhig und lernwillig ist und nicht den Unterricht stört weil er Aufmerksamkeit braucht.

    Ich hoffe der Lehrer zeigt Verständnis und lässt die 5 auch mal grade sein.
  • edited Januar 2019
    .
  • Vielen Dank für eure Rückmeldungen. Ich werde versuchen, dies dem Lehrer so zu vermitteln. "Er arbeitet mit, aber im Stillen" trifft den Kern der Sache gut. Leider scheinen viele Lehrer von introvertierten Kindern noch nie etwas gehört zu sagen. Uns wurde gesagt, dass eine Behandlung beim Psychologen dringend erforderlich sei.
  • Zunächst mal finde ich es total toll, dass du so hinter deinem Sohn stehst und die Benotung als ungerecht empfindest.

    Mein Problem in der Schule war auch immer die mündliche Beteiligung. Da hat der Lehrer auch schon mal vor der ganzen Klasse gesagt: "Herbstbube meldet sich mal wieder wie verrückt". Oder es wurde bei der Besprechung der mündlichen Noten auch vor allen kundgetan, dass es ja Hand und Fuß hat, wenn ich mal was sage, aber es darf schon etwas häufiger sein. Oder ich wurde einfach aufgerufen ohne mich gemeldet zu haben, das war immer mein Alptraum. Bei den Elternsprechtagen war dann auch immer meine geringe mündliche Beteiligung das Hauptthema. Und von meinen Eltern gab es dann dafür auch noch Ärger obendrein. Nur wusste ich damals noch nichts von Introversion und dachte auch selbst, dass mit mir was nicht stimmt und ich mich ändern muss. Ich bekam es ja auch von allen Seiten so vermittelt.

    Gerade in der heutigen Zeit, wo klar sein sollte, dass es viele verschiedene Charaktere und nicht nur den einen Mustercharakter gibt und wo die psychologische Forschung schon viel weiter ist, finde ich es erschreckend, dass es immer noch dieses altmodische und ausgeleierte Benotungssystem gibt, das introvertierte Schüler eher demotiviert und als Außenseiter dastehen lässt anstatt ihre Stärken zu fördern und sie damit zu motivieren. Welcher psychische Schaden damit angerichtet werden kann …

    Dass dir auch noch gesagt wird, dass eine psychologische Behandlung "dringend erforderlich" sei, ist eine absolute Unverschämtheit und zeugt von Inkompetenz. Lehrer sollten Grundkenntnisse in Psychologie haben, das gehört sogar mit zum Studium.

    Ich kann dich nur ermutigen, mit den Lehrern zu sprechen und ihnen von Introversion zu erzählen. Empfehle ihnen gerne auch Fachliteratur zu dem Thema. Wenn die dir schon auftragen wollen, deinen Sohn psychologisch behandeln zu lassen, kannst du ihnen auch auftragen, sich mal psychologische Kompetenzen anzueignen.

    Vielleicht gibt es an der Schule ja auch einen Schulsozialarbeiter, an den du dich wenden kannst. Der sollte sich besser damit auskennen und das nötige Feingefühl haben.

    Viel Erfolg!
  • Ohne euch zu kennen, ärgert mich der Rat des Lehrers zu einer psychologischen Beratung. In der Grundschule hatte ich auch einmal eine Lehrerin, die meine Introversion zu einem enormen Problem aufbauschte und damit alles nur verschlimmerte. Dadurch, dass sie mich ständig kritisierte, wurde ich nur unsicherer und schüchterner. Sie legte meinen Eltern nahe, eine Beratungsstelle aufzusuchen. Nach einem längeren Gespräch mit meinem Vater ließ sie mich einigermaßen in Ruhe. Obwohl er selbst eher ruhig und introvertiert ist, kann er sehr überzeugend sein.

    Vielleicht kannst du den Lehrern vermitteln, dass es dir in der Schule ähnlich ging wie deinem Sohn. Erkläre ihnen, dass er introvertiert ist, und erläutere ihnen die Stärken, die er dadurch hat. Du könntest auch anmerken, dass aus dir trotz oder sogar wegen deiner Introversion auch etwas geworden ist, anstatt dass du in irgendeine Problemspirale geraten wärst.

    Am Gymnasium hatte ich auch einen Lehrer, für den nur die Qualität der Beiträge zählte, während die Quantität eine sehr untergeordnete Rolle spielte. Ich erklärte einmal eine originelle Lösung zu einem mathematischen Problem und bekam dafür eine 1 im Mündlichen.

    Ich lernte übrigens über die Jahre, mich aktiv am Unterricht zu beteiligen. Es liegt nicht in meiner Natur, aber irgendwann fiel es mir nicht mehr besonders schwer, und in meinen letzten Schuljahren bekam ich sogar immer eine 1 in Mitarbeit.
  • Das Schulsystem wird sich wohl nie ändern. Meine Lehrerin meinte mal zu mir, dass ich mal mehr Kontakt zur Klasse suchen soll und wie es dann später in Praktika werden soll. Die Praktika verliefen ganz gut. Mit den Mitschülern red ich manchmal aber hab schon Lästern gehört . Naja gehört wohl für Viele dazu über Außenseiter zu reden. Ich Versuch einfach mit jedem klar zu kommen oder ihm mit Respekt zu begegnen. Auch wenn ich manchmal gerne meine Meinung sagen würde zu bestimmten Leuten. Erstens wären dann da andere Mitläufer und ich alleine und Zweitens, bin ich dann lieber Einzelgänger. Ich suche in der Klasse keine Freunde fürs Leben und hab auch nicht viel gemeinsam mit irgendwem. Auch Introvertierte sind wichtig für die Gesellschaft und Niemand käme zu Wort, wenn Alle stark extrovertiert wären. Wobei ich schon klar sagen kann, wenn Was gar nicht ok ist . Bin in ner Ausbildung und naja so introvertiert sind mit mir in der Klasse zusammen 3. Aber mit denen Red ich auch nicht Viel . Ich möchte eigentlich nur nen Job den ich mag und von leben kann und bisschen mehr und nicht so Leute die mit ihrem Extrovertiert-Ismus .. immer mit der Tür ins Haus fallen. Das nervt mich. Ich merk auch in der Verwandtschaft , dass Familie oft komisch zu mir ist und vorsichtig . Als müsse man sich erklären . Ich leb mein Leben und solang es Keinem schadet mach ich so weiter . Wenn ich Leute mag und mit ihnen bspw einzeln bin im Praktika Red ich auch gerne aber nicht zu viel , aber zu viele Leute u bei bestimmten Leuten bin ich verklemmt . Bei mir in der Ausbildung zählt mündliche Leistung auch viel .. bin da aktuell besser als schriftlich. Obwohl ich nicht soo viel sag aber schon bedachte Sachen.

    Hoffe du findest mit deinem Sohn eine Lösung . Find ich richtig unnötig zu meinen , dass ne Therapie evtl gut wäre . Nur wegen introvertiert sein.
  • @tome: Ich würde ja sehr gerne wissen, wie es denn nun beim Gespräch mit dem Lehrer gelaufen ist. Vielleicht kannst du nochmal was darüber erzählen, wenn du nochmal hier sein solltest.

    Mich hat diese mündliche Note auch immer wahnsinnig unter Druck gesetzt. Ich war in Schulstunden meistens einfach nur damit beschäftigt, dem Inhalt zu folgen und ihn intensiv zu durchdenken. Und immer wenn dann eine Frage in Richtung der Schüler kam, wusste ich dass ich jetzt eigentlich schnell etwas vorzeigbares ausformuliert bekommen müsste um eben irgendwie auf wenigsten eine Meldung pro Stunde zu kommen. Diese Drucksituation hat mich dann total aus meinen Gedanken gerissen und blockiert. So bin ich wohl eher auf eine Meldung pro Woche gekommen^^
    Und wenn erstmal ein anderer Schüler etwas zur Frage gesagt hat, war es bei mir sowieso vorbei, denn dann musste ich ja erstmal den neuen Kommentar durchdenken und gucken, wie der mit meinen vorherigen Gedankengängen zusammenpasst. Das hat natürlich so lange gedauert, dass schon der nächste einen neuen Kommentar gemacht hat oder es eine neue Frage gab.
    Ich bin froh, dass meine Schulzeit schon lange vorbei ist. Aber sehr schade, dass sich diese mündliche Mitarbeit so lange halten kann. Ich meine Lehrer sind dafür da, Wissen zu vermitteln und die geistige Entwicklung zu fördern. Wenn sie aber nicht wissen, wie ihre Schüler "ticken" und wie diese ihre Umwelt aufnehmen und verarbeiten, ist für viele Schüler das übliche Schulsystem einfach nicht zu gebrauchen. Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte: Ein Lehrer, der jeden seiner Schüler nicht als einzigartiges Individuum mit besonderen Eigenheiten und Fähigkeiten ansieht, hat seinen Beruf verfehlt. Dass es in der Folge wegen großer Klassen und vielleicht auch ein paar aufmerksamkeitsraubenden Schülern nicht immer möglich ist, seine Art zu lehren anzupassen und jeden Schüler immer passgenau zu fördern, ist natürlich ein anderes Problem.
    Aber wie ein Lehrer mit dem Thema der mündlichen Mitarbeit umgeht, kann er für sich "frei" entscheiden. Und wenn er zu den Lehrern gehört, die ihren Beruf nicht verfehlt haben, dann wird er Schüler nicht wegen ihrer introvertierten Art mit einer schlechten mündlichen Note bestrafen.
  • Hallo

    Meine Tochter ist auch sehr schüchtern.
    Sie geht in der 5. Klasse in Gymnasium in Niedersachsen.

    Zuletzt hat Sie mündliche Note 6 in Deutsch.

    Ich komme ursprünglich aus Asien und kann die mündliche Bewertung überhaupt nicht verstehen. Die Bewertungssystem in Deutschland ist einfach ungerecht und subjektiv. Kann sein, dass manche nicht schriftlich gut kann. Dann warum nicht, die Gewichtung 50/50. Und wenn ein Schüler das Wissen, was vermittelt ist, beherrscht (das soll ja der "gute" Lehrer/in merken, am Beispiel hier gute schriftliche Note), dann passt es schon mal nicht, dass schriften Note und mündliche Note so weit aus einander sind. Wenn es der Fall ist, dann frage ich, ist der Schüler nun gut oder schlecht in dem Fach????

    Die Werte (z.B. Bescheidenheit, Respekt, Höflichkeit, etc.), die in meinem Heimat hoch geschätzt sind, sind in Deutschland ( deutsches Schulsystem) "ziemlich" bedeutungslos. Die Art "Züchtungsanstalt", die die meistens Schule in Deutschland betreibt, spiegelt sich in der Gesellschaft/Arbeitsplatz wieder. Wer laut schreit, bekommt was er will.

    Bei der mündliche Benoteung wurde auch Charakter beurteilt. Man sagt, es ist schön, dass die Menschen unterschiedlich sind. Wir reden in Deutschland über Toleranz . Ist das Toleranz, wenn man ein 10 jähriges Kind be(ver)urteilt, weil es anders ist?

    Zu dem Fall meiner Tochter habe ich mit dem Schulleitung und der Lehrerin gesprochen. Ich habe die Kulturministerium geschrieben.
    Das Ergebnis: Es ist so wie es ist.

    Das System kann man nicht ändern. Man muss zu sehen, wie man damit (über)leben.

    Festgestellt habe ich aber auch, dass es auf den Lehrer kommt. Es gibt Lehrer, der mit schüchternen Kinder umgehen (motivieren) kann und manche, die sie als Last sehen ( Berufideoligie, -moral??? Hier kommt die Subjektivität bei der mündliche Bewertung im Spiel)

    Ermutigung statt Entmutigung
    Akzeptanz statt Ignorant
    Motivieren statt Abstempeln
    Zeit geben und nehmen dafür

    Dieses Grundsatzt wurde wahrscheinlich vergessen, in der Lehramtstudium beizubringen.

    Ich zahle Steuer. Die Staat bezahlt die Schule/Lehrer und
    Mein Kind wurde bestraft, weil es nach diesem Norm entspricht.

    Es gibt keine Hilfe. Das geht hier um die Mehrheit und das System.
    Oder verändern wir uns, passen wir uns an ohne nachzufragen, weshalb.

    Meine Tochter wechsele jetzt die Schule. Wir wissen nicht, wie es weiter geht. Aber für Sie ist es eine Chance.

    PS: mir wurde auch empfohlen, meine Tochter Kinderpsychologe zu besuchen.
  • @Jommy das tut mir wirklich leid. Ich kann dich und deine Tochter perfekt verstehen, weil ich zwar aus Brasilien komme, aber japanischen Ursprung habe. In beiden Länder muss der Schüler andere Werte beweisen. Wer zu viel spricht, wird dann nicht gut beurteilt - dieser stört die Klasse und den Lehrer. Ich bin seit zwei Jahren in Deutschland und mache eine Ausbildung zur Steuerfachangestellte. Ich weiß nicht, ob du meinen Beitrag gelesen hast, aber vor einigen Wochen wurde ich quasi von den Lehrern und vorher von einer Kollegin gemobbt. Obwohl ich schon 25 Jahre alt bin, bin ich immer noch traurig und habe keine Lust mehr zu lernen (weder Schulsachen noch Sprachen, die mein Hobby sind oder waren). Wäre ich ein Kind, würde ich das nicht ertragen können. Ich überlege, ob ich hier weiterleben möchte. Irgendwann werde ich Kinder haben und wenn sie auch Probleme damit haben, werde ich ganz doll mitleiden. Ich gehe auch davon, dass ich auch mit den zukünftigen Arbeitstellen Probleme haben werde.

    Dass du deine Tochter unterstützt, freut mich. Meine Mutter hat immer gemeint, dass ich einfach zu arrogant bin und ich nicht sein sollte, wie ich bin. Mein Mann (ein extravertierter Deutscher) sagt mir, ich soll mich dann öfter melden, mehr sprechen und offener sein.

    Ich wünsche deiner Tochter alles Gute für die Zukunft. Lass nicht zu, dass die Menschen sie demotivieren, bis sie keine Lust mehr auf Lernen hat und depressiv wird.

  • @Cynthia

    Ich danke dir.

    Ich werde noch deinen Beitrag nachlesen. Ich möchte dir aber erst schnell antworten.

    Gib nicht auf und bleib wie du bist.
    Ziehe es mit dem Ausbildung durch. ( irgendwie braucht man ja ein Schein für die weitere)

    Ich bin sicher, bei der Arbeit später wird es anders. Dann hast du Zeit und muss nichts machen, was du nicht möchtest, also bei der Arbeit hast du die Wahl.

    Ich liebe meine Tochter wie sie ist und ich bin sehr sehr stolz auf sie.
    Ich weiss, wie schwere für sie ist.
    Ich gebe meine Tochter nicht auf (wie manche Lehrer/innen in der Schule sie aufgeben haben)

    Du wirst dich auch bitte nicht aufgeben.
    Du kannst richtig stolz auf dich sein.

    Das ist die innere Stärke, was die Schüchterner besitz, die merke ich auch bei meiner Tochter und wenn man die besitzt, muss man nicht die ganze Welt beweisen oder präsentieren.
  • Ich war auch ein unauffälliger Kerl in der Schule, an manchen Tagen gelegentlich mitgearbeitet, an anderen Tagen komplett in Tagträumerei versunken.

    Manche Lehrer wussten meine Art zu schätzen und waren kulant, andere haben mir eiskalt schlechte Noten reingedrückt.

    Egal wie man es macht, man kann es einfach nicht allen Recht machen..
  • edited Februar 1
    Es macht mich richtig traurig, das alles hier zu lesen. Unser Schulsystem muss dringend reformiert werden. Ich habe das schon vor 30 Jahren gesagt, als ich mein Lehramtsstudium abgebrochen habe. Ich konnte mich einfach nicht damit anfreunden, dass ich 25-30 Schüler einer Klasse anhand von Noten zu bewerten hatte, ohne sie wirklich zu kennen und ihre Gründe, warum sie zB die Vokabeln nicht lernen, den Unterricht stören, sich verweigern etc.
    Dass die mündliche Note so einen hohen Stellenwert hat, hat mich auch schon immer gestört. Das zeigt, wo wir als Gesellschaft stehen. Blabla wird belohnt, egal, wie inhaltsleer es ist, das habe ich oft so erlebt. Wenn das Wissen und die analytischen Fähigkeiten gut sind, dann hat ein "Gut" auf dem Zeugnis zu stehen und nichts anderes. Außerdem hat ein stilles Kind das verdammte Recht, still zu sein. Warum wird das negativ beurteilt? Ich wünschte mir bei so manchem Erwachsenen, dass er auch mal still sein und zuhören kann, das können nicht viele und das ist bedenklich, finde ich.
    Abgesehen davon müssen nach meiner Meinung dringend die Noten abgeschafft werden. Das erzeugt Konkurrenz und ist kontraproduktiv für eine humane und friedliche Gesellschaft, wenn ich schon in der Schule lerne, dass meine Mitschüler meine Konkurrenten sind.
    Das sind sie nicht. Es ist gut, dass alle Menschen sehr individuell sind, so kann eine Gemeinschaft alle Anforderungen gut meistern. Da gibt es keinen Werteunterschied zwischen dem Lehrer, dem Arzt, Krankenpfleger und dem Müllwagenfahrer.
    Vielmehr sollte eine Beschreibung in Textform vorgenommen werden, wo genau die Stärken und Schwächen dieses Menschen eben individuell aufgeführt werden. Anhand dessen kann dann jeder sehen, für welche Aufgaben dieser Mensch besonders geeignet sein könnte. Und natürlich sollte es dabei nicht nur um aufgenommenes und wieder ausgekotztes sogenanntes Wissen gehen ( es ist ja immer nur so lange Wissen, bis ein Wissenschaftler kommt und das Gegenteil beweist).
    Ach, ich könnte Romane schreiben, das Thema ist traurig........
  • @Nanno



    Deinen wundervollen Zeilen und der Aussage dahinter möchte ich mich uneingeschränkt anschließen.

    Und obwohl meine Schulzeit schon die Hälfte meines Lebens hinter mir liegt, kommen die Erfahrungen von damals immer wieder an die Oberfläche.

    Im Nachhinein kommt es mir wie Fabriklernen vor. Kann das überhaupt Spaß machen?

    Man hätte sich den Spaß wohl einfach selbst machen müssen, dazu war man damals fürchte ich selten bereit. Für mich bedeutete meine freie Zeit Spaß, Schule und lernen war Pflicht. Notwendiges Übel. Und das ist schade, denn lernen macht ja eigentlich Spaß!
  • @enjoythesilence
    Deinen Namen finde ich ganz toll:)
    Ja, als Fabriklernen sehe ich das auch an und ist ja auch so beabsichtigt. Unser Wirtschaftssystem braucht stets verfügbare, willige Angestellte, die sich ohne zu hinterfragen an alle Regeln halten und sich als Arbeitskraft ( böse formuliert: Menschenmaterial) zur Verfügung stellen. Nur so können so viele Konsumgüter produziert werden, deren Gewinn aber in nur wenige Hände fließt.
    Würden unsere Kinder in der Schule so unterrichtet werden, dass sie Kinder sein dürfen, die noch mit dem Leben mitgehen und Kontakt zu ihrer Lebendigkeit haben, von Natur aus neugierig und kreativ sind, würden sie vieles nicht mitmachen, was in unserer Gesellschaft schief läuft. Das ist aber im Neoliberalismus nicht gewünscht.
    Ich finde nicht, dass du dir den Spaß selbst hättest machen können, wenn das ganze Schulsystem nicht auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen ausgerichtet ist. Diese sind ja relativ machtlos. Das fängt schon damit an, dass die Kinder gezwungen werden, den ganzen Vormittag im Unterricht still zu sitzen, nicht essen und oft auch nicht zur Toilette dürfen. Sie lernen so, dass die eigenen natürlichen körperlichen Bedürfnisse keinen Wert haben und unterdrückt werden müssen. Ganz zu schweigen von emotionalen und kognitiven Bedürfnissen.
    Ein anderes Beispiel: Man weiß schon sehr lange, dass der Biorhythmus von größeren Kindern und Jugendlichen so gebaut ist, dass sie erst am späten Vormittag von selbst wach werden würden und dann erst ihre Hochphase haben, dafür abends länger wach sind. In unseren Schulen sitzen aber Jugendliche, die früh geweckt wurden und viel zu müde sind.
    Und so wachsen sie zu "Erwachsenen" heran, die nie gelernt haben, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten und die volle Verantwortung für sich zu übernehmen. Mit wirklichen Erwachsenen könnte man vieles nicht machen. Wenn die Menschen wirklich erwachsen wären, würden sie viel mehr kritisch hinterfragen und das wäre ja kontraproduktiv für unser politisches und Witschafts- system.
    Gerald Hüther , Richard David Precht und viele andere haben gute Konzepte, die hoffentlich bald umgesetzt werden........auch der Ansatz von Rudolf Steiner war ja viel früher schon sehr überzeugend, wurde aber nur in wenigen Waldorfschulen und da vielleicht auch nur unzulänglich umgesetzt.
    Sorry, schon wieder ein Roman geworden......
  • @Nanno
    "Und so wachsen sie zu "Erwachsenen" heran, die nie gelernt haben, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten und die volle Verantwortung für sich zu übernehmen. Mit wirklichen Erwachsenen könnte man vieles nicht machen. Wenn die Menschen wirklich erwachsen wären, würden sie viel mehr kritisch hinterfragen und das wäre ja kontraproduktiv für unser politisches und Witschafts- system."
    Vielen Dank für diesen Gedankengang!
  • Bei diesem Thema scheine ich eine Ausnahme zu bilden. Zwar teile ich alle zuvor beschriebenen Erfahrungen in irgendeinem Maß, jedoch kam (und komme) ich mit mehr Erfolg und weniger Leid durch das Schulsystem. Mein stärkstes Tief hatte ich wahrscheinlich zwischen der siebten und achten Klasse. Meine Noten waren zwar weitgehend noch gut, dennoch habe ich (insbesondere durch Elternabende) sehr viel Kritik erfahren. Ich sei ja zu "gelangweilt" und "desinteressiert" am Unterricht. Außerdem hätte man mit einer unmotivierten Einstellung, wie ich sie hätte, auch keine bessere Note verdient. Dieser Eindruck war meinem überwiegenden Verhalten geschuldet:
    Ich war oft ziemlich still und hatte als "neutralen"/nachdenklichen einen eher genervt oder desinteressiert wirkenden Blick. Zwar habe ich nahezu jede Sekunde intensivst mitgedacht, das spielt nur bei der Bewertung leider keine Rolle. Wenn ich mich mal gemeldet habe, war die Qualität zwar meist "unübertrefflich", da die Quantität aber nicht zufriedenstellend war, litten meine Noten dementsprechend darunter. Während andere Schüler/-innen, die in keinster Weise produktive Beiträge zum Unterricht machten und lediglich zuvor getätigte Aussagen von Schülern umformulierten und Wiederholten, ständig gelobt wurden. Dabei konnte ich auch schon in dem Alter nur den Kopf schütteln.
    Eine "Gewohnheit", die mir unfassbar oft das Genick gebrochen hat, war bei Vorträgen oder Meldungen sehr monoton zu sprechen. Das war meiner Angst und Nervosität geschuldet und in keinster Weise beabsichtigt, wurde dennoch um ein Vielfaches mehr in die Bewertung einbezogen, als der tatsächliche Inhalt.
    Nun aber genug von meinem Leiden, dieser Kommentar soll auch einen Mehrwert bringen.
    Irgendwann habe ich geschafft das Ganze zu durchbrechen und glänze mittlerweile mit 13-15 Punkten mündlich in fast jedem Fach (das entspricht einer 1- bis 1+). Am wichtigsten war dabei, dass ich schon sehr früh angefangen habe über Introversion zu lesen und es zu verstehen. Zwar kam von Außen nach wie vor hauptsächlich Ablehnung und Kritik, dennoch hat es mir geholfen Selbstbewusstsein zu schaffen. Dadurch könnte ich sowohl deutlich selbstsicherer an meinen "Schwächen" arbeiten und weitaus bewusster meine Stärken nutzen und gelegentlich auch mal präsentieren. Bis heute stehe ich noch ungern im Mittelpunkt und tendiere dazu deutlich stiller zu sein. Auch merkt man extreme Unterschiede in meiner Beteiligung in Abhängigkeit von der Größe der Kurse (z.B. ein LK mit 12 Schülern im Vergleich zum anderen LK mit ca. 25 Schülern). Je mehr ich über mein eigenes Wesen lerne, desto selbstbewusster werde ich. Auch Austausch im familiären Austausch habe ich angeregt, um die Sichtweise anderer Leute diesbezüglich besser zu verstehen.
    Ein weiterer wichtiger Aspekt für mich war das Schreiben. Schon sehr früh habe ich meine Leidenschaft dafür entdeckt, diese ist auch meiner Deutschlehrerin in meiner noch deutlich stilleren Zeit aufgefallen. Darauf erhielt ich von ihr eine Empfehlung für ein Literaturcamp/Workshop zum Thema "kreatives Schreiben". Das habe ich über die Ferien besucht und es war ein fantastisches Erlebnis. Erstmalig bin ich dort auf viele Gleichgesinnte getroffen, ich habe gelernt bewusster vorzutragen sowie zu sprechen (meine Monotonität loszuwerden) und einige bis heute währende Freundschaften geschlossen. Zwei Jahre später habe ich den Workshop erneut besucht und ähnliche, teilweise noch bessere, Erfahrungen gemacht (glücklicherweise wurde das von meinen Eltern auch unterstüzt, die eigentlich nicht so viel von dem Thema Introversion etc. halten).
    Diese Erfahrungen haben mir geholfen in der Schule besser aufzutreten und meine Gedanken auch mal schneller sowie präziser in Worte umzuwandeln. Dadurch fällt es mir um ein Vielfaches leichter mich and Diskussionen zu beteiligen, meine eigene Meinung zu vertreten und meine Gesamtnote aufzubessern.
    Ja, ich finde das System auch total bescheuert. Leider lässt sich da, auch durch Aufregen, so leicht nichts dran rütteln und man muss sich zunächst etwas anpassen um erfolgreich zu sein (auch auf persönlicher Ebene). Diese Anpassung muss aber nicht so qualvoll ablaufen, wie es für viele der Fall war. Also empfehle ich (insbesondere für Eltern) das Thema Introversion vielleicht auch dem Kind gegenüber schon anzusprechen. Dabei muss natürlich sehr vorsichtig vorgegangen werden, aber so fühlt sich das Kind nicht so alleine und unverstanden (bzw. es lernt auch sich selbst zu verstehen). Das ist aber von Mensch zu Mensch unterschiedlich, deshalb finde ich es schwierig dabei allgemeine Ratschläge zu geben.

    Verzeiht mir die Länge und das Ausschweifen meines Kommentars, das kam nur so aus mir herausgeströmt. Ich hoffe es waren ein paar nützliche Informationen dabei.

    Mit besten Grüßen
    Blake
  • @BlakeRazer Die letzte Beteiligung in diesem Thread ist schon eine Weile her, ich habs aber jetzt erst gelesen und will gerne ein Fazit aus der Kombination deines und @Nanno s Beitrags ziehen. Du schreibst, dass die Lehrer dich anhand falscher Einschätzungen, die auf sehr subjektiver, oberflächlicher Beobachtung ihrerseits beruhten, negativ bewertet haben. Alleine das ist schon eine Schweinerei und erinnert mich sehr an meine Englisch LK Lehrerin, die grundsätzlich jeden besser benotete, der ein Auslandsjahr gemacht hatte und die meine Freundin und mich auch dann noch nicht besser mündlich benotete, nachdem wir wirklich deutlich merkbar angefangen hatten, uns den Arsch aufzureissen (eine Mitschülerin stand auf und rügte die Lehrerin leidenschaftlich, dass wir viel zu ungerecht benotet worden wären, wir hätten uns in letzter Zeit sehr oft gemeldet. Ich danke der Mitschülerin heute noch dafür. Selber "kann" man in so einer Situation ja nichts sagen. Natürlich hält man sich für besser, da steht es 1 gegen 1. Aber eine dritte Partei kann den Umschwung bedeuten. In diesem Fall von 5 auf 4. Danke, du F*tze [entschuldigung. Ich bin normalerweise friedfertig aber diese Lehrerin ist für selbstgefälliger, menschlicher Abschaum, die ihre Macht missbraucht])

    Du schriebst weiter, dass du es mit Arbeit und Reflektion hinbekommen hast, gegen das System anzukämpfen, was ich super finde! Tatsächlich hab ich das in den letzten zwei Jahren der Ausbildung auch in einem Fach geschafft, berufsschulenglisch. Die einzige 1, die ich mein gesamtes Leben lang auf einem Zeugnis hatte.
    Eigentlich hab ich eher angefangen, mich zu melden, weil meine Lehrerin mir so leid tat, weil von den Leuten niemand besonders gut Englisch sprach und niemand sich je meldete.
    Das Problem hier ist aber - nicht jeder schafft das und schon gar nicht rechtzeitig. Weil, wie Nanno ganz richtig bemerkte, wir nicht dazu erzogen werden, stark und wir selber zu sein und für uns selber zu denken. Wir werden dazu erzogen, in eine generische Box zu passen, die überquellenden Ränder abzuschneiden und in die Lücken zu stopfen und keine Fragen zu stellen, warum das eigentlich wehtut, sich da reinzuzwängen.
    Das sehe ich als das große Hauptptoblem an.

    Um zu besagter Lehrerin zurückzukehren. Diese sagte einmal "wer im LK schlechter als 3 steht, hat darin nichts verloren", nachdem ich durch den Lehrerwechsel von ihrer Vorgängerin mit 3 benotet und von ihr mit 5 benotet wurde.
    Diese Frau erwartete ernsthaft von jungen Menschen, denen die Flügel systematisch gestutzt wurden, dass sie in ihren jungen Jahren auf mirakulöse Weise (definitiv ohne ihr Zutun) eigenständig fliegen gelernt haben sollten. Noch mal, du F++++ [entschuldigung] die Schule ist zum Lernen da, nicht zum Können. Wenn deine Schüler im LK schlechter als 3 stehen, hast DU da nichts verloren!!!
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