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Vorstellung: Geständnisse eines introvertierten Schwimmers & Arbeiters

Hallo! Den Blog hier kenne und schätze ich schon seit Jahren, doch habe ich bisher nicht den Weg in dieses Forum gefunden. Heute ist genau das passiert und fühle mich wie ein Reisender, der angekommen ist. Da es hier so üblich ist, möchte ich mich kurz vorstellen, auch wenn mir das nie so leicht aus den Fingern fließt... doch viele eurer Geschichten, die ich hier lese, sind meiner ganz ähnlich. Diese zu lesen, ist für mich wie ein Wunder. So geht also meine story bisher:

Ich bin in meinen 30ern, verheiratet und zweifacher Vater. Ich wuchs zu 100% introvertiert auf. Meine jugendliche Freizeit verbrachte ich meist alleine mit meinem Hund im Wald, barfuß, verwildert und innerlich ausgeglichen. Dann fing ich an zu arbeiten und es packte mich der Ehrgeiz. Ich lernte schnell, dass man sich im Beruf besser extrovertiert verhält, wenn man vorankommen will. Ich passte mich schnell an, zog meinen Anzug an und ahmte zunächst recht gut den Stereotyp eines idealen Socializers und Bullshit Managers nach. Im Rückblick ist das eine verlorene Zeit. So viele Jahre. Jeden Abend fühlte ich mich leer und wie erschlagen, ohne zu wissen, warum. So viel Gerede um Nichts in so vielen Meetings und Emails. Ich gab aber einfach mehr Gas und nach ein paar Jahren war ich soweit, dass ich das Spiel nicht mehr mitspielen konnte. Ich hatte Burnout und war für lange Zeit krank und mein ganzes Leben brach in sich zusammen. Auch meine Ausflüge als Fake-Extrovertierter danach in die Selbständigkeit waren... sagen wir mal... eher das Gegenteil von erfolgreich.

Das gute an meinem Zusammenbruch war, dass ich mich mit mir selbst auseinandersetzte und so endlich meine Introversion kennen und auch wertschätzen lernte. Zu dieser Zeit fing ich auch mit meiner Morgenroutine an. Ich begann, jeden Morgen im Ammersee zu schwimmen. Erst im Sommer, dann im Herbst und auch im Winter. Das tägliche Ritual gibt mir Kraft. Ich mache auch oft ein Foto: https://www.instagram.com/ammersee.daily - so etwas kann ich jedem Introvertierten nur ans Herz legen. Jeden Morgen alleine sein in der Natur. Alle schlafen noch. Niemand stört. Kein Gerede, nur Wasser. Auch sonst fing ich an, meinem Wesen treu zu werden. Ich machte im Beruf weiter, aber diesmal im Kreativen Bereich. Ich ignorierte Emails und Meetings größtenteils (das war schwer) und konzentrierte mich auf sehr wenige Projekte, die mir auch lagen. Ich kam so relativ weit in der Berufswelt - als Vollblut-Introvertierter. Der Höhepunkt war für mich eine Auszeichnung meines Projektes mit einem deutschen Marketing Preis. Doch auch so - als bewusster Introvertierter erreichte ich mein Limit. Es ist eben nicht so einfach als Introvertierter in der heutigen Arbeitswelt. Nicht alle meetings und sozialen Interaktionen kann man absagen, oder aus dem Weg gehen. Mich schlauchte aber genau das extrem. Ich musste praktisch nach jedem Meeting kurz schlafen, um zu Kräften zu kommen und wurde schließlich körperlich krank davon.

Ich hatte es also als Extrovertierter versucht und war gescheitert. Ich hatte es als mein Introvertiertes Ich versucht und kam auch so an meine Grenzen. Blieb also nur noch das Hybrid Modell. In der darauffolgenden Zeit vertiefte ich mich in die Entwicklung meiner Persönlichkeit und habe es geschafft, in manchen für meinen Beruf kritischen Bereichen extrovertierter zu werden, ohne dass es mich fertig macht. Danach half ich zwei ebenfalls introvertierten Freunden dabei, dasselbe zu tun. Jetzt kommt mein Werbeslogan, also achtung, Spam: Zur Zeit helfe ich introvertierten Männern dabei, Burnout zu vermeiden und die nächste Stufe im Beruf zu erreichen. Es fällt mir schwer, dass hier öffentlich reinnzuschreiben, aber es ist nun mal das, was ich tue und gehört zu mir dazu. Ich bin aber nicht hier im Forum, um für Coaching zu werben. Ich bin hier, weil ich selbst noch so viel zu lernen habe. Ich bin selbst ein Inrovertierter, der Zuflucht sucht in einer lauten Welt.

Stay strong.
Ammersee Daily

Kommentare

  • Hallo @Ammersee_Daily,

    es ist gerade total toll für mich, von deinen Erfahrungen als Intro im Beruf zu lesen. Du bestätigst mir nämlich genau das, was ich auch in den letzten Wochen verstanden habe.
    Ich finde es bemerkenswert, dass du so lange als Fake-Extro arbeiten konntest, bzw. dass du überhaupt einen Fake-Extro darstellen kannst. Ich komme nämlich kaum aus meiner Intro-Haut raus und mache damit schon seit 9 Monaten einen eher Extro-Job, mit vielen Meetings, vielen Telefonaten, vielen kurzen Aufgaben, die spontan reinkommen. Und mittlerweile ist mir auch klar, wenn ich so weitermache führt das zur totalen Erschöpfung und vielleicht einem Burnout.
    Dein Tipp mit dem "rituellen" Rausgehen in die (einsame) Natur finde ich toll, ich habe das für mich so umgesetzt, dass ich nun mit dem Rad zur Arbeit fahre. Abseits größerer Straßen bin ich dabei auch fast allein und kann das richtig genießen.

    Schön dass du (wenn auch vielleicht schmerzhaft), herausgefunden hast was für dich nicht funktioniert, und was geht. Dein Hybrid-Modell klingt sinnvoll, ich stelle mir die Umsetzung allerdings schwierig vor. Könntest du mir ein Beispiel nennen, wann du in den Extro-Modus wechselst? Und wie kommt dieser Wechsel bei Kollegen an? Wenn sie beide Seiten kennen, finden sie die Intro-Seite nicht manchmal sonderbar?

    Wünsche dir noch viele neue Erkenntnisse und alles Gute!
    Möge dein Hybridmodell ein Erfolgsmodell sein^^

    VG
    Die_Hannah
  • Hallo @Die_Hannah,
    den Fake-Extro zu mimen ist eigentlich ganz einfach: Man spielt einfach eine Rolle, das heißt, einfach das Verhalten nachahmen, ohne dass es sich richtig anfühlt im Inneren. Wenn man einmal damit anfängt, diese Maske zu tragen, ist es eigentlich gar nicht so schwer. Allerdings kann ich das auf keinen Fall empfehlen, da es eine Spirale nach unten ist. Es würde auch eher mäßig funktionieren, wenn du dir bereits bewusst bist, dass du introvertiert veranlagt bist. Ich dachte damals noch, ich sei schüchtern und müsse diese Schüchternheit überwinden.

    Das Hybrid-Modell hingegen eignet sich für alle, die es Leid sind, im Beruf als Introvertierter das Nachsehen zu haben. Denn es ist nicht für alle von uns eine Option, sich selbständig zu machen, und so selbst über unser Arbeitsumfeld zu bestimmen. Leider geht es aber vielen Introvertierten in unserer extrovertierten Arbeitswelt, wie es mir vor dem Hybridmodell ging.
    Das Hybridmodell ist nicht unbedingt einfach umzusetzen. Aber wenn man das auf die Beine gestellt hat, läuft es auf einmal sehr einfach, man ist im Flow als Introvertierter und auch die nächste Beförderung ist nicht mehr weit. So funktioniert es:

    A) Dem Introvertierten in dir treu bleiben, also:
    1. Dein Umfeld erziehen und verändern:
    - Immer wieder klar kommunizieren, dass du introvertiert bist und was das bedeutet. Die Vorgesetzten und auch die Kollegen aufklären über die Stärken und Schwächen. Hier könnnen folgende Ressourcen helfen: der Artikel von @Patrick https://www.introvertiert.org/92-eigenschaften-von-introvertierten , das Buch von @Patrick https://www.introvertiert.org/kopfsache , ein Persönlichkeitstest, für den Beginn z.B. https://www.16personalities.com/de
    - Im Großraumbüro demonstrativ Kopfhörer oder Gehörschutz tragen
    - Kommunizieren, dass du zwar Teamwork wertschätzt, aber dass dieses an deinen Stärken vorbei geht. Du benötigst ein Problem/ Projekt, in das du dich alleine vertiefen kannst, um dann eine Lösung zu entwickeln
    - Den Umgang mit extrovertierte Kollegen auf ein für dich gesundes Minimum beschränken. Da muss jeder für sich selbst herausfinden, welches dieses ist. Das bedeutet also: Meetings auch mal absagen, Kaffeeküche nicht zu Stoßzeiten benutzen, abgelegenes Treppenhaus anstatt voller Fahrstuhl, mit dem Laptop ein ruhiges Plätzchen suchen, oder noch besser: Home Office
    - Emails so gut es geht ignorieren. Maximal 1mal am Tag die Inbox öffnen und nur für eine beschränkte Zeit, die meisten Emails unbeantwortet lassen. Telefon ausstecken, oder den immerwährenden AB anschalten. Das wird definitiv anecken und Konflikte hervorrufen. Aber die Menschen werden es lernen und auch schneller akzeptieren, als man es sich vorstellen kann. Ich musste folgendes lernen: Wenn man nicht lernt, dass es OK ist, die kleinen und scheinbar so wichtigen Sachen gegen die Wand donnern zu lassen, wird man niemals die großen, sehr wichtige Sachen schaffen.
    - Socializing Events und Networking Events mit introvertierten Strategien angehen
    - Fast alle Apps auf Smartphone, Desktop, usw. löschen

    2. Dem Teufelskreis entkommen und konzentriert an 1er Sache arbeiten:
    Das alles ist auch ein gradueller Prozess, den du dir immer mehr erkämpfen musst. Durch die so gewonnene Zeit, die du in wenige, gute Projekte stecken kannst, erntest du Erfolge und gewinnst das nötige Selbstvertrauen, die unter 1. beschriebenen Punkte umzusetzen. Es entsteht eine positive Feedback-Spirale. Hierzu kann ich die Bücher "Deep Work" von Cal Newport und "The ONE Thing" von Gary Keller empfehlen.

    3. Neue introvertierte Gewohnheiten schaffen, die dir Kraft geben.
    - Hier ist das erwähnte tägliche Alleine sein in der Natur eine absolute Empfehlung
    - Außerdem an den (frühen!) Gewohnheiten von beruflich sehr erfolgreichen Introvertierten, wie Bill Gates, Warren Buffett, Jeff Bezos, Mark Zuckerberg und Elon Musk orientieren (ich kann hier auf die Schnelle nur mit diesen Beispielen dienen, da ich auf Coaching von Männern spezialisiert bin)

    B) Deine Persönlichkeit in manchen Teilen befreien und um typische Extro-Stärken erweitern:
    Das heißt: deine Persönlichkeit in für dich und deinen Beruf kritischen Teilen weiter entwickeln. Diese sind für Jeden anders. Für mich persönlich waren das folgende Punkte:
    - Vorträge halten, also frei vor Menschen reden zu können. Früher mein absoluter Horror, jetzt meine Leidenschaft.
    - In entscheidenden Meetings voll aus mir herausgehen und die Führung übernehmen. Das fiel mir vor allem in größeren Runden schwer. Mittlerweile mache ich das eigtl. in jedem Meeting.
    - am Telefon beraten und auch verkaufen, wenn es denn passen sollte. Das war für mich ein No-Go. Jetzt liebe ich es. Auch wenn ich hier anmerken muss, dass ich das nur mit Introvertierten mache.

    Wie B) geht? Das ist aus meiner Sicht die große Kunst. Denn hier geht es eben nicht darum, den Fake Extro zu mimen, sondern dich wirklich weiter zu entwickeln. Es geht hier nicht darum, eine Schwäche auszumerzen, oder eine Schwäche zu verbessern, wie man das vielerorts liest. Es geht darum, sich selbst neu zu erfinden und wirklich zu wachsen. Viele Experten sagen, dass dies nicht möglich ist, ich weiß aber, dass es funktioniert. Ich selbst habe meine Persönlichkeit eigentlich ganz neu erschaffen.

    Das ist alles recht lang geworden, ist aber auch ein komplexere Sache. Für mich ist es die spannendste Sache der Welt und ich könnte mich beliebig lange darüber unterhalten. Ich habe auch ein halbstündiges Trainings-Video dazu, es fühlt sich für mich jedoch falsch an, das hier zu verlinken. Der Grat zwischen Supporten und Eigenwerbung ist hier für mich doch schmaler als ich dachte. Falls mir jemand aber eine private Nachricht schreibt, schicke ich es gerne zu.

    Stay strong.
    Ammersee Daily
  • Willkommen im Forum Ammersee_Daily!

    So ein Ritual zu haben, finde ich eine super Idee. Gerade der Ammersee ist ja wunderschön.

    Ich wünsche gute Erkenntnisse und denke, jeder kann viel von dir lernen ;)

    LG
  • @soultattooed
    dankeschön!
    Ja, ein morgendliches Ritual ist für jeden Intro Gold wert. Da lohnt es sich auch auf Schlaf zu verzichten, wenn man dafür einen tollen Start in den Tag hat.
  • Hallo @Ammersee_Daily,

    mir fällt gerade auf, dass ich deinen Vorstellungstread für eine tiefer gehende Diskussion missbraucht habe. Aber egal, ich versuche sowieso gerade mich nicht für jeden kleinen Mist zu entschuldigen und von daher, es ist ja auch kein Weltuntergang wenn hier mehr als ein "Willkommen" in den Kommentaren steht.

    Deine "Anleitung" ist wirklich super, vielen Dank dafür.
    An A1 (Umfeld erziehen) kann ich teilweise wirklich noch dran arbeiten. Allerdings macht mir das aber auch wieder klar, dass ich mir einen in der Hinsicht passenderen Job suchen muss, der deine Tipps auch zulässt. Denn zum einen muss ich teilweise schnell auf Mails/Telefonate reagieren (ich arbeite im Logistikbereich, da muss einiges einfach schnell gehen), und zum anderen sind meine Aufgaben größtenteils "kleine/kurze" Tätigkeiten, die meistens auch noch die Mitarbeit von anderen Kollegen benötigt. So besteht mein Tag i.d.R. aus 20 kleinen, abwechlungsreichen Arbeitspaketen. Tag geht so zwar schnell rum, plättet mich aber auch total.
    Wie du es auch schon angedeutest hast: "Du benötigst ein Problem/ Projekt, in das du dich alleine vertiefen kannst, um dann eine Lösung zu entwickeln". Oh ja, das wäre toll!!! Das muss mein nächster Job defintiv hergeben.
    A2: Danke für die Buchtipps, die treffen bei mir voll ins Schwarze!

    Ich verstehe sofort, was du mit B) und der Erweiterung der Persönlichkeit meinst und ich kenne genau die Punkte, die ich gerne weiterentwickeln möchte. Da finde ich den Grat zwischen "es lässt sich ändern" und "man muss seine Pesönlichkeit akzeptieren" schwierig. Diese Erweiterung ist wirklich die große Kunst. Aber ich glaube du hast recht, das kann funktionieren. Es passiert mir immer wieder mal, dass ich mich in Situationen überraschend "Extro" verhalte und dabei gut und auch authentisch fühle. Es ist für mich nur schwierig, das bewusst zu steuern und mich dabei eben weiterhin echt zu fühlen, eben nicht wie ein Fake-Extro.

    Vielen Dank für deine tollen Anregungen, ich freue mich schon darauf, das ein oder andere vielleicht gleich morgen auszuprobieren, und mich im Laufe der Zukunft weiterzuentdecken. Zumindest weiß ich nun, was es zu entdecken gibt, mal gucken ob ich was finde.

    Die_Hannah
  • Hallo @Die_Hannah,
    Es freut mich, dass du was damit anfangen kannst. Ich drücke die Daumen, dass dein Umfeld immer mehr so verändern kannst, dass es zu dir passt.
    Zu B) Wenn du das in manchen Situationen schon erlebt hast, hast du da schon einen Vorteil. Nun geht es darum, das bewusster zu steuern. Wer einmal begreift, dass er sich verändern kann, dem stehen einfach mehr Türen offen. Das ist wie gesagt ein weites Feld, und das hier eigtl. ein Vorsellungsthread (was herzlich egal ist). Am Anfang steht aber die Frage: Wie müsste deine Persönlichkeit sein, dass sie deine Ziele mit Leichtigkeit erreicht? Wenn du das als Ziel vor Augen hast, kannst du täglich in entsprechenden Situationen daran arbeiten.
    Leise Grüße
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