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Besser spät als nie

Hallo zusammen,

ich lese schon seit ein paar Wochen leise mit und wollte jetzt auch mal ein kleines Hallo da lassen!
Ich arbeite als Lehrer, bin in den frühen 30ern und - so habe ich das zumindest in Patricks Blog verstanden - irgendwo auf dem Introvertiertheits-Spektrum zu finden.
Die Suche nach Hilfe/ Auswegen/ Verständnis läuft bei mir schon länger, typischerweise lief sie aber etwas zu lange nur in meinem Kopf ab. Dass es so etwas wie "klinische" Introversion, als medizinischen Seins-Zustand gibt, war mir sehr sehr sehr lange nicht klar. Meistens nannte man mich eher "verschlossen", "distanziert", "unumgänglich", oder halt "schüchtern", wobei letzteres mittlerweile leider auch stimmt.
Meine Leidensgeschichte: U.a. durch diese Fremdzuschreibungen, mangelnden Antrieb und natürlich Angst vor Verletzungen habe ich mich selber reichlich isoliert, bzw. niemals richtig Anschluss gefunden. In der Schule war ich Außenseiter, hatte aber wenigstens meine paar Kumpels aus anderen Stufen/ Klassen und von anderen Schulen, die meist auch älter waren als ich.
Mit dem Wegziehen und Studieren hatte sich das leider erledigt. Man trifft sich noch - 1-2 mal im Jahr, wie es halt so ist, wenn man 100km auseinander lebt.
Im Studium hab ich keinen Anschluss gefunden, da ist mir die immer stärker werdende Schüchternheit leider in den Karren gefahren. Konnte mich nie aufraffen Leute anzuquatschen und Parties... naja das kennen wir ja. Sport machte ich bis vor kurzem geradezu aus Prinzip nicht, auch wenn sich das zumindest gerade ändert (bin aber nicht dick oder so, hab einen gesunden Stoffwechsel ;)). Meistens geriet ich im Studium an diese "Machst du ein Referat mit mir? Also du die Arbeit und ich bekomme die gute Note?"-Klientel, was mich meistens noch mehr geärgert hat.
Kurzum: Ich bin reichlich einsam, habe zwar eine Freundin, seit 15 Jahren, aus Schulzeiten eben. Allerdings ist die Beziehung auch eher ambivalent und wackelig - und das schon immer. Wobei sich gerade jetzt diese Ambivalenz extrem bemerkbar macht, schließlich wird Mann nicht jünger, aber so richtig funktioniert alles eben auch nicht.
Was meine akuten Selbstzweifel auf Overdrive geschaltet hat, ist wohl die Tatsache, dass ich an einer neuen Schule angefangen habe und mich dort nach einem 3/4 Jahr total isoliert fühle, während die fünf anderen, die mit mir angefangen habe, super eingebunden sind und sich dort schon dicke anfreunden. Da die meisten dort knallharte Extros (und auch zu 80% Damen) sind, werde ich gefühlt auch häufig plattgefahren, aus Gesprächen gedrängt, beiseite geschoben, ignoriert und/oder schief angeguckt bzw. generell nicht wahrgenommen. Ich fühle mich da mittlerweile wie das Mädchen mit den Streichhölzern, dass durch das Fenster dem warmen Treiben im Innern zusieht und weiß so recht nicht, wie ich reinkommen soll, ohne blöd zu wirken - möchte es aber!

Naja ich denke das reicht erst mal. Ich freue mich drauf, euch kennen zu lernen.
Viele Grüße

Kommentare

  • Hey Ashrok,
    herzlich willkommen erstmal!
    Das Mädchen mit den Schwefelhölzern mocht ich tatsächlich immer schon gerne, aber ich hab immer irgendwie Frieden empfunden in der ruhigen Stadt, niemand auf den Straßen, der Schnee dämpft Geräusche und Gedanken. Dann plötzlich der Einblick in warme Wohnzimmer, goldener Lichterschein, ein Weihnachtsbaum. Essensduft liegt in der Luft. Und dann plötzlich wieder Kälte, dunkelblauer Himmel mit weißen Flocken...
    Mir ist schon bewusst, dass das Märchen eigentlich traurig ist, aber so wie ich Regen mag, den sonst viele Leute kacke finden, finde ich in dieser Geschichte eben irgendwie tiefen Frieden, obwohl die meisten vermutlich eher Trauer und Leid empfinden.
    Vielleicht kann ich auch nur Frieden empfinden, weil ich die Geschichte aus einem Blickwinkel des warmen Luxus betrachte. Ich steckte nie wirklich in der Situation des Mädchens, kein Zuhause zu haben und auf den Tod zu warten.

    Vielleicht kann man das tatsächlich auf auf den Rest deines Textes anwenden. Mir persönlich kommt die Introversion nicht so schlimm vor, aber ich gerate auch nicht mehr an Menschen, die mich ausnutzen und ich bin nicht schüchtern, wobei ich mir inzwischen schon so langsam die Zurückgezogenheit meines Vaters ("Du bist wie dein Vater!" hängt seitdem ich ein Baby bin wie ein Damoklesschwert über mir) angewöhne, die ich früher nie verstanden habe und dachte, er wär einsam und ein eremitischer Trauerkloß.

    Ich hab es früher gehasst, wenn mir das gesagt wurde oder ich es irgendwo las, aber ich muss es jetzt wohl an dich weitergeben, denn ich denke: Dir fehlt Selbstbewusstsein. (So nennt es die Gesellschaft, ich nenne es Selbstliebe) Sonst nichts. Du musst dich nich für die anderen ändern oder anpassen oder irgendwem hinterher hechten und dir gefallen lassen, wie man dich behandelt. Du bist okay, wie du bist. Nur deine Einstellung zu dir selber könnte eine Aufmöbelung gebrauchen.
    Ich weiß, das Klischee von dem erst-sich-selber-lieben-bevor-man-andere-lieben-kann und das das-Innere-nach-außen-ausstrahlen sind irgendwie sehr ausgelutscht und tausend Mal gesagt worden. Aber das liegt daran, dass es (meiner Meinung nach) stimmt und die Grundlage für ein glückliches Leben bildet.
    Als ich vor 10 Jahren 600km weit weg von Zuhause zog, hat es an die 4 Jahre gedauert, bis ich hier endlich Freunde gefunden hatte. Hatte in dieser Zeit auch nur meinen Partner. Das nur um dir zu zeigen, dass ich das Gefühl kenne, dass alle außer mir schon lange angekommen sind. Diese Zweifel gehören zu dir, wie die nackten Füße zum Mädchen mit den Schwefelhölzchen. Dir ist einfach zu oft und zu lange eingeredet worden, dass du schlecht in diesen Dingen bist und du hast es internalisiert. Das ist okay. Wenn ich irgendwo neu anfange zu arbeiten, gehts mir auch ungefähr ein halbes bis ganzes Jahr ziemlich beschissen. Das ist die einzige Zeit, in der ich mal Heimweh hab, weil ich mich so entwurzelt fühle.
    Ich kann dir nich sagen, ob das, was mir dann hilft, für dich auch zutrifft. Bei mir hilft, es zu ertragen, bis es besser wird. Und in der Zwischenzeit gut für mich sorgen. Mich selber fragen, was MIR denn eigentlich gut tun würde und das dann tun. Privat oder beruflich. Wenn dir Sport gut tut, obwohl du einen guten Metabolismus hast, do it. Wenn es dir gut tut, deine Pause bei der Arbeit ohne die Kollegen zu nehmen, die dir eh über den Mund fahren, setz dich unter einen schönen, blühenden Baum und genieß die Ruhe. (Und vielleicht die Blicke, die du eh bekommst, aber jetzt eben mit Absicht)
    Wenn es dir gut tut, einfach mal ohne deine ambivalente Partnerin rauszukommen, dann ab in die Stadt mit dir oder aufs Land, oder wozu du auch immer Lust hast.
    Tu so, als wärst du ein süßes kleines Hündchen, das vom Vorbesitzer geprügelt wurde und das du nun bis zum Platzen verwöhnen und liebhaben willst, um das alles wieder gut zu machen und dem du keinen Wunsch abschlagen kannst.
    Sei gut zu dir. Der Rest kommt automatisch hinterher (meine Meinung/Erfahrung).
  • Auch von mir willkommen im Forum für Introvertierte Ashrok

    schön, daß du hergefunden hast und gute Erkenntnisse hier bei uns.

    Es grüßt enjoythesilence
  • Hallo Ashrok,
    von mir auch ein herzliches Willkommen im Forum.

    Viel Spaß hier und vielleicht liest man sich ja noch öfter :)
    Jano
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