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Kleinkind wird missverstanden

Hallo zusammen,

ich bin ganz neu in dieser Runde (sollte ich mich noch in die Rubrik Vorstellungsrunde begeben?) und mir brennt ein Thema unter den Fingern.
Ich selbst zähle zur Kategorie der Intros, habe allerdings keinerlei Probleme (mehr) damit - weder privat, noch beruflich. Um meinen Sohn jedoch mache ich mir Gedanken.

Er wird erst demnächst 2 Jahre alt und stößt mit seinem Verhalten auf mehr und mehr Unverständnis im erweiterten Familienkreis. Schon als er noch ein Baby von wenigen Wochen war, habe ich bemerkt, dass er vielleicht auch eher der introvertierte Typ ist. Viele Menschen haben ihn schnell ermüdet, was in Weinen und Schreien endete, konnte ich nicht rechtzeitig für Rückzug sorgen. Von Arm zu Arm innerhalb der Verwandtschaft? Nö. (Nur selbst Erwählte. Völlig in Ordnung aus der Sicht meines Partners und mir.) Wir waren viel draußen, auch immer noch, in der Natur. Das gefiel ihm immer. Auch Menschen fand er immer spannend, von unsrem Arm aus, bis er einzelne näher kennenlernen wollte... manchmal.
Nun ist er ein putzmuntereres, energiegeladenes Kleinkind mit einem Kopf voller Ideen und Neugierde auf die Welt. Er benötigt seine Zeit, um neue Situationen zu begutachten. Oder neue Menschen. Oder auch bekannte Situationen, in denen sich kleine Details verändern. Hat jemand z. B. schlechte Laune oder eine neue Frisur, wurden Möbel umgestellt, oder gibt es Diskussionsbedarf etc. Wenn er dann alles in sich aufgesaugt hat, legt er selbst los und beginnt zu erforschen, Aufmerksamkeit zu fordern, Fragen zu stellen, zu spielen... Sind ältere Kinder da, wird aufmerksam beobachtet und später selbst probiert, ob er dies und jenes ebenfalls hinkriegt.

Dies als grobe Beschreibung. Alles gut.
Allerdings gibt es Verwandte, die einfach nicht wahrhaben wollen, dass Sohnemann nicht einfach an der Haustür mit Fragen, Forderungen, Keksen, schnell aus der Jacke gezogen werden überfallen werden mag. Kurz begrüßen und ihn wahrnehmen lassen, was ihn interessiert... läuft leider gar nicht. Jedes einzelne Mal muss ich intervenieren und einschreiten. Jedes Mal wird sein skeptischer Blick, das angebliche Fremdeln bemängelt bzw. besprochen. Und Söhnchen kriegt schlechte Laune, er versteht ja durchaus, worum es geht. Ergo, er fühlt sich unwohl, will bei mir oder seinem Vater bleiben und lässt sich auf keine Interaktion ein. Bis es eben wieder entspannter zugeht. Jenes Verhalten wird übrigens auch gerne mit Schuhverkäuferinnen o.ä. im Flüsterton besprochen. Komplett Fremde also, die den Fratz meist auch gar nicht als auffällig wahrnehmen und sich entsprechend äußern. Therapie für die Verwandtschaft sozusagen.
Wenn die Hemmschwelle auf allen Seiten dann überwunden ist, gehts aber weiter. Er wird eine Rutsche hinaufgehoben und soll dann gefälligst Spaß beim Runterrutschen haben. Soll aber nicht selbst hochklettern, obwohl er es kann. Wird genötigt einen Keks zu essen, obwohl er keinen Hunger hat. Soll reden, obwohl er zugetextet wird. Soll mit aus dem Fenster sehen, obwohl er grade mit etwas spielt. Soll dies und jenes, darf aber selbstverständliche Dinge nicht, die er seit langem selbstständig durchführen kann. Meist wird er still und folgt allen Anweisungen, weil er sie mag und zufrieden stellen will. Mag dann aber nicht mehr hin, weil es anstrengend ist.

Wie kann ich endlich, endlich klarmachen, dass Sohnemann weder ängstlich, noch verwöhnt ist? Wie kann ich klarmachen, dass dieses Verhalten ihm ggü. kontraproduktiv für die Bindung ist?

Hat da jemand Erfahrungen und Tipps?

Danke fürs Lesen,
viele Grüße
NomaDie

Kommentare

  • Hallo NomaDie,

    es gibt leider Verwandte die sind absolut resistent gegen alles was man ihnen sagt. Das gleiche Problem haben wir mit unseren Kindern auch. Zum Glück nicht bei der gesamten Verwandtschaft, aber bei einem Teil. Sie wissen einfach alles besser und halten einen (nur weil sie älter sind als man selber) für unfähig, seine Kinder zu erziehen.

    Viele Grüße
  • Hallo @NomaDie, was hältst du davon, diese Verwandschaft mehr in homöopathischer Dosis zu dir (euch) zu nehmen? Eventuelle Bindungen mit entsprechenden Ritualen und festen Vorstellungen zu lockern, nicht nur für deinen Sohn sondern auch für dich?

    "Wie kann ich klarmachen, dass dieses Verhalten ihm ggü. kontraproduktiv für die Bindung ist?" ...wie meinst du das mit der Bindung? Bindungen entstehen durch Übereinstimmung, da muss man sich gar keine Gedanken machen. Ich weiss gar nicht, ob man das dann noch Bindung nennen kann, wenn man sich auf Jemanden freut.

    Du klingst stark genug, unwissenden und gutgemeinten Zuwendungen klar und unmissverständlich zu begegnen, auf sanfte oder krasse Art Aufklärung zu betreiben:
    Ein Kind ist kein Kuscheltier! Trau dich resoluter zu sein, wenn's angebracht ist.
    Du kannst es!

    Es ist sehr schön zu hören, dass dieses Kind bei verständnisvollen Eltern gelandet ist.
    Liebevoller Umgang ist die beste 'Medizin' für alle.
    Gruß von Fanny
  • Hallo NomaDie,

    Verwandte können echt anstrengend sein, aber hast du die Möglichkeit dich bzw. deinen Sohn von diesen Verwandten zu distanzieren? Ähnlich wie bei uns Erwachsenen, wir versuchen ja auch die Menschen, die uns nicht gut tun, aus unserem Leben zu halten. Nicht immer ist dies möglich, aber auf ein Minimum zu reduzieren...

    "Er wird eine Rutsche hinaufgehoben und soll dann gefälligst Spaß beim Runterrutschen haben. Soll aber nicht selbst hochklettern, obwohl er es kann. Wird genötigt einen Keks zu essen, obwohl er keinen Hunger hat. Soll reden, obwohl er zugetextet wird. Soll mit aus dem Fenster sehen, obwohl er grade mit etwas spielt. Soll dies und jenes, darf aber selbstverständliche Dinge nicht, die er seit langem selbstständig durchführen kann. Meist wird er still und folgt allen Anweisungen, weil er sie mag und zufrieden stellen will. Mag dann aber nicht mehr hin, weil es anstrengend ist." ...versuche doch nach Möglichkeit deinen Sohn zu stärken, indem du ihm beibringst sich zu äußern, wenn er etwas nicht möchte. Wenn er noch nicht redet, dann mit Handzeichen oder ähnlichem. Dieses Zeichen solltest du aber auch deinen Verwandten verständlich machen, damit diese dann darauf reagieren können, wenn er eben etwas nicht möchte.
    Du setzt dich viel für dein Kind ein, das finde ich klasse, aber bei den meisten Verwandten kommt das häufig so rüber, als wolltest du keinen an dein Kind lassen etc.

    Bleibe weiter auf diesem Weg und lass dich nicht von Außenstehenden beirren!

    Liebe Grüße
  • edited Mai 18
    Lieben Dank für eure Kommentare! Das stärkt doch gleich, zu merken, dass es in anderen Familien ähnlich ist. Schön auch eure Bestärkung, auf dem richtigen Wege zu sein. Und viel Hilfreiches ist auch dabei.

    Zur Bindung @Fanny: Jene Verwandten "arbeiten" sozusagen akribisch daran, eine tiefere Bindung zum Fratz aufzubauen, weil sie gerne etwas mit ihm unternehmen möchten (auch um uns Eltern mehr Freiraum zu verschaffen). Vielleicht ist Verbindung das bessere Wort.

    Allerdings ist ihre Vorstellung recht einseitig, wie ein Kind sich zu verhalten hat. Im Prinzip hat es sich zu freuen wie ein Schneekönig, wenn sie auftauchen. Wenn es das nicht tut, werden alle Register gezogen und Sohnemann zieht sich zurück, bis der Ansturm abgeflaut ist. Und genau dieses Verhalten wollen sie abtrainieren, weil es anscheinend nicht in unsre Gesellschaft passt. Tja. Söhnchen hat nen starken Willen zum Glück, wir unterstützen ihn dabei. Und so gibt es nicht die tiefe, freudige Verbindung, die andere eben doch zu ihm geschaffen haben. Sie wollen zu sehr, zu verkrampft. Ich würde es ihnen so gerne gönnen, doch irgendwie fehlt Geduld und Verständnis. Doch Liebe ist da.

    Den Kontakt weiter zu minimieren, ist keine Option. Familie ist uns sehr wichtig, auch wenn sie mit Kind häufiger nervt. Wir sehen uns etwa alle 14 Tage. Und da versuchen wir nun meist, eine entspannte Situation zu schaffen, draußen zu sein. (Da kann Sohnemann auch besser sich selbst entziehen.)

    @Eispfötchen Die Idee mit dem Signal bzw. Safe-Wort ist prima. Werden uns etwas überlegen und ausprobieren.
  • Eure Verwandten arbeiten daran, eine tiefere Bindung zu eurem Kleinen aufzubauen..

    und warum können sie dann nicht einfach auf die Bedürfnisse von ihm eingehen?

    Da möchte ich ehrlich schreiend davonlaufen, bei solch einer plumpen wie egoistischen Vorgehensweise.

    Der Vorschlag von Eispfötchen gefällt mir da sehr gut.
    Stärkt euren Sohn darin, deutlich zum Ausdruck zu bringen, was er möchte und was nicht.

    Und bittet die Verwandtschaft, darauf Rücksicht zu nehmen :)
  • Hallöchen NomaDie,

    zuallererst finde ich es toll, dass ihr die Bedürfnisse eures Sohnes erkannt habt. Es gibt bestimmt Eltern, die dies nicht tun oder glauben, dass die Kinder sich gefälligst do verhalten sollen, wie man selber ist. Von daher hat euer Sohn die Chance, von euch geschützt zu werden.

    Was soll ich euch raten? Neben "immer wieder für euren Sohn einschreiten", "immer wieder versuchen, es euren Verwandten zu erklären" und "Distanz zu den Verwandten suchen" (also seltener oder kürzer hingehen) fällt mir da leider auch nix ein.

    Ich finde es aber unabhängig davon ganz wichtig, eurem Sohn immer wieder zu erklären und das Gefühl zu geben, dass er ok ist wie er ist. Es reicht schon, wenn er bei euren Verwandten schon das Gefühl hat, nicht zu genügen. Wahrscheinlich wird er dann später auch kaum noch Kontakt zu den Verwandten suchen und ein tolles, vertrautes Verhältnis zu euch haben, weil ihr ihn so nehmt, wie er ist. Aber das ist nur eine Vermutung.

    Ich wünsche euch viel Kraft und Erfolg. Ihr macht das toll!!!
  • Danke für euer Feedback und die Bestärkung, schöne Worte hab ich hier gelesen. Das gibt mir so ein bisschen Kraft auf den Weg. Da kam mir grad ein lustiger Gedanke: Eigentlich erziehe ich nicht mein Kind, sondern Erwachsene. Und das ist viel anstrengender, als dem Knirps etwas zu vermitteln. Denn er ist offen.
  • @NomaDie
    Dein Kind ist völlig normal. Deine Beschreibung deutet mir nicht zwingend auf Introvertiertheit hin. Jedes Kind braucht Zeit alleine, um neue Eindrücke zu verarbeiten. Überleg mal, was so ein Kinderköpfchen in den ersten 3 Lebensjahren alles lernt, und das ja ununterbrochen.
  • edited Mai 26
    Selbstverständlich ist er normal @Veilchen
  • @NomaDie Damit meinte ich, daß das Kind nicht in jedem Fall introvertiert sein muß. Das sieht man erst später, vielleicht im Kindergarten oder auch erst in der Schule.
  • Kurzes Update: Sohnemann hat sein eigenes Safe-Wort gefunden - ein sehr nachdrückliches NEEEIN! oder WEG DAAAA! Damit einher ging ein Schub in Sachen Selbstbewusstsein, d.h. er bleibt bei dieser Meinung und schiebt sogar den Bestechungskeks weg. Und damit ist mein Mutterherz aktuell sehr beruhigt.
  • Weil es gerade hier Thema war und immer wieder ist:

    Die Mutterrolle ist eine der brisantesten, da die Identifizierung mit ihr eine leicht zu übersehende Falle ist. Jede/r von uns hat damit seine/ihre Geschichte und Prägung für's Leben in unterschiedlichster Intensität abbekommen.

    Auf ganz natürliche Reaktionen eines Kindes (hier Sohnemann) reagiert ein 'mein Mutterherz' (und die ganze Verwandschaft).
    Es gibt Eltern, die bringen dem Kleinkind das Laufen bei (!!!), setzen es hin für Fotos etc... (das nur als Beispiel für das Rollen-Verständnis, 'ich als Mutter').

    Das Kind spielt keine 'Kind-Rolle', es IST einfach, unbelastet und verwundert über die Reaktionen seiner Mitmenschen. Es weitgehend in Ruhe zu lassen bei seiner Entfaltung - das führt zu einem guten Fundament für's Leben.

    Meine Sichtweise für @Nomadie
    Gruß von Fanny
  • Ja, genau @Fanny. Und diese freie Entfaltung fordert er nun ganz eigenständig und klar ein, wenn er bedrängt wird. Das ist sehr gut.
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