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Was und wie viel braucht man wirklich?

Hallo zusammen,

ich frage mich gerade, jetzt, wo ich mit einem fahrenden Funkloch quer durch Deutschland unterwegs bin und trotzdem einigermaßen das ICE-W-LAN nutzen kann, was es eigentlich wirklich braucht, um glücklich zu leben.

Diese zugegeben sehr philosophische Frage erscheint mir in letzter Zeit häufiger. Nun bin ich von Haus aus einerseits ein sehr genügsamer Mensch, der andererseits aber ebenso Gutes zu schätzen weiß. So gibt mir Musik in allen Farben und Formen sehr viel. Dennoch genieße ich sie am liebsten möglichst Hochwertig und habe ein halbes Vermögen für meine Lautsprecher ausgegeben. So lässt sich dann das hektische Berlin sehr nachhaltig durch etwas entspannende Musik ausblenden, die bei guten Aufnahmen durchaus glaubwürdig vermittelt, dass ein Konzertflügel in meinem Wohnzimmer steht.

So gibt es aber ebenfalls in letzter Zeit immer wieder Tage und Wochen, in denen ich nicht zu Hause bin. In denen ich mit sehr wenigen Menschen Kontakt pflege, die ich mir dafür um so genauer aussuche und Momente, in denen ich dann keinen Plan für den Tag habe, einfach nur genau das tue, worauf ich Lust habe. Dann gelingt es mir sogar, Verpflichtungen jeder Art auszublenden und einfach den Moment in ruhiger Natur zu genießen.

Diese Momente lassen mich fragen, warum es nicht immer so sein kann. Was wäre, wenn man durch das, was man ohnehin gern macht und in seiner Freizeit genießt in der einen oder anderen Art und Weise den Lebensunterhalt bestreiten könnte? Was, wenn die begeisterte Hobbygärtnerin ihr Wissen und im wahrsten Sinne des Wortes, die Früchte ihrer Arbeit teils als Selbstversorgung, teils als Ertrag nutzen könnte? Was, wenn der Hobbymusiker sich das Instrument der Wahl schnappt, und an passender Stelle für dezente musikalische Untermalung sorgt und dabei zumindest so viel abfallen würde, dass ein bescheidenes Leben möglich wäre?

Da kann ja jeder, der mag, seinerseits gedanklich mal einiges einsetzen. Worum es mir geht ist, dass ich zunehmend das Gefühl habe, dass so viel sinnloses auf der Welt getan wird, so viel absolut unnötiges irgendwelche Arbeitsplätze sichert, weil das wichtiger ist als die Erfüllung dessen, was man innerlich eigentlich machen möchte. So oft höre ich von scheiß Tagen in einem Job, den man nicht machen will. Von Kunden, die meinen, sie hätten ein angeborenes Recht, sich aufzuführen, wie aggressive Kleinkinder und Pflichten, die nur mehr Arbeit machen, damit irgend eine dämliche Statistik für Menschen, denen es nicht egaler sein könnte, geschönt wird.

Warum nicht wirklich etwas tun, das einen selbst erfüllt und im Idealfall die unmittelbare Umgebung ein Stückchen besser macht?

Was hat das mit Introversion zu tun? Ganz einfach: Durchstöbert mal irgendwelche Stellenanzeigen. Dort steht immer, wie wichtig Kommunikation sei und schaut man sich wirklich an, was die verschiedenen Berufsbilder machen schiebt sich förmlich die Frage in den Vordergrund, wie viel eigentlich falsch läuft und wie beherrscht von Extroversion wir letztlich doch alle sind statt dem Innersten zu folgen.

Vielleicht ist das aber auch nur eine extrem kapitalismuskritische Denkweise, während ich dank Krankschreibung den Luxus genießen kann, Zeit für mich und mit mir zu haben, um so etwas zu ergründen.

Was bleibt ist die Frage nach dem wirklich Wichtigem im Leben und dem, was einem wirklich gut tut. Gerade introvertiert würde ich mal vermuten, dass man genügsamer unterwegs sein kann als Jemand, der immer im Mittelpunkt stehen muss und um dem herum alles immer laut und in Bewegung sein muss. Könnte natürlich auch ein Trugschluss sein. Ich vermag es nicht abschießend zu sagen, bin aber auf eine Diskussion mit euch gespannt.

Kommentare

  • Hallo @MindSneaker,

    mit deinem Beitrag hast du genau das getroffen, worüber ich auch oft und eine ganze Weile schon nachdenke. Dein Beitrag hätte inhaltlich genauso auch von mir sein können.

    Ich habe vor einiger Zeit begonnen, minimalistischer zu leben und mich nicht mehr so sehr am Job zu orientieren, sondern an dem, was ich wirklich möchte. So ganz klappt es noch nicht, weil ich mich einige Schritte noch nicht wirklich traue. Aber ich bin auf jeden Fall in einem Veränderungsprozess. Und dazu gehört auch, mir Gedanken darüber zu machen, was ich wirklich brauche.

    Ich finde es gut und richtig, sich auch mal was zu gönnen. Wenn du gerne Musik mit einem guten Sound genießt und das zu einem guten Lebensgefühl beiträgt, ist es auch gut und richtig, Geld in ein gutes Soundsystem zu investieren. Ich bin da auch so. Vor ein paar Monaten habe ich mir z.B. einen höherwertigen Kopfhörer gekauft, um Musik in einem guten Klang genießen zu können. Denn auch bei mir trägt das zu einem guten Wohlbefinden bei und bedeutet für mich Lebensqualität. Aber das sind ja keine laufenden Kosten. Also man schafft sich eben so ein Gerät an und hat dann erst mal eine ganze Weile etwas davon. Aber nur, weil du dir mal vereinzelt so etwas gönnst, heißt das ja nicht gleich, dass du ständig Geld für Dinge ausgibst, die du eigentlich nicht brauchst.

    Bis vor einem Jahr habe ich noch relativ gut verdient, was dazu geführt hat, dass ich mir tatsächlich hin und wieder Dinge gekauft habe, von denen ich dachte, dass es nützlich sein kann, sie im Haus zu haben, die ich aber eigentlich gar nicht gebraucht hätte. Ich habe mir darüber nicht allzu viele Gedanken gemacht, denn das Geld war da. Dann habe ich den Job gewechselt und verdiene nun seit einem Jahr einiges weniger als vorher … und siehe da, ich komme finanziell immer noch gut zurecht, denn ich kaufe nicht mehr jeden Plunder, den ich niemals brauchen werde, sondern denke viel mehr darüber nach, bevor ich eine Anschaffung tätige. Dennoch gönne ich mir auch mal etwas wie z.B. den erwähnten Kopfhörer oder jetzt aktuell ein neues Fahrrad, weil mein altes Fahrrad schon so runtergekommen ist, dass sich eine Reparatur nicht mehr lohnt und es mir kein Fahrvergnügen mehr bereitet hat. Nun habe ich ein neues gekauft und habe wieder richtig Spaß am Fahrradfahren. Das sind Dinge, die ich so gesehen zwar nicht zwingend hätte anschaffen müssen, die aber meine Lebensqualität steigern, so dass sich diese Anschaffungen für mich gelohnt haben, zumal ich sie mir finanziell leisten konnte.

    Deinen Ansatz, mit dem, was man gerne macht, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, finde ich toll. Ich habe tatsächlich auch schon öfter darüber nachgedacht, ob es nicht eine Möglichkeit gibt, mit meinen Interessen Geld verdienen zu können. Wahrscheinlich gibt es die sogar, wenn ich mich intensiver damit befassen würde, aber dem gegenüber stehen mein Bedürfnis nach Sicherheit und die Bequemlichkeit, die ein Angestelltenverhältnis mit sich bringt. Ich träume tatsächlich vom sog. „Downshifting“ und bin da auch in einem Prozess, allerdings wird es noch eine ganze Weile dauern, bis ich da größere Schritte verzeichnen kann. In den letzten 12 Monaten habe ich gemerkt, dass ich auch mit etwas weniger Gehalt als zuvor gut auskomme. Nun strebe ich einen erneuten Jobwechsel an, der mit noch weniger Gehalt, aber damit (hoffentlich) mit einer höheren Lebensqualität verbunden ist. Denn mein derzeitiger Job bestimmt mir zu sehr mein Leben. Es wird erwartet, dass ich ständig erreichbar und einsatzbereit bin und sofort einspringen kann, wenn ein Dienst ausfällt. Da wird auch gar nicht gefragt, sondern es wird einfach bestimmt. Mal davon abgesehen, dass ich auch nicht mehr wirklich Spaß an dem Arbeitsfeld habe. Und nun habe ich etwas „Artfremdes“ (als Quereinsteiger) in Aussicht, bei dem das laut Bewerbungsgespräch sehr viel lockerer zuzugehen scheint. Und die Arbeitszeiten sind so, dass ich auch noch etwas vom Tag habe, was bei meinem derzeitigen Job eher nicht der Fall ist. Dieser Jobwechsel (sofern er denn klappt, das steht noch nicht fest) wäre für mich mit weiteren finanziellen Einbußen verbunden, aber ich bin gerne bereit, diesen Preis für die insgesamt besseren Bedingungen zu zahlen. Denn ich habe in den letzten 12 Monaten gelernt, mit deutlich weniger Geld auszukommen als zuvor und trotzdem gut über die Runden zu kommen, also wird es auch mit noch etwas weniger funktionieren. Der Vorteil dabei ist, dass ich vermehrt darüber nachdenke, was ich wirklich brauche und möchte und worauf ich verzichten kann. Ich gebe mein Geld viel überlegter aus.
  • Eine sehr interessante Frage, die du stellst @Mindsneaker

    Ich habe nun einige Zeit darüber nachgedacht und komme bisher zu folgender Erkenntnis für mich

    das wichtigste für mich ist eine gute Gesundheit und ein paar Reserven für schlechte Zeiten. Bin ich bezüglich der Reserven altmodisch eingestellt?

    Ich halte mich generell für recht genügsam, habe weder Auto noch Führerschein und auch sonst keinen größeren Besitz, mache keine regelmäßigen weiten Urlaubsreisen und bewältige die täglichen Wege möglichst zu Fuß, mit dem Rad oder mit Bus/Bahn.

    Das halte ich zunächst für recht bescheiden, aber für mich sehr gut machbar.

    Worauf ich allerdings nicht verzichten wollte, wäre eine gute Ausrüstung.
    Natürlich fährt auch ein Rad mit 3 Gängen, auf dem meine Vorfahren bereits gefahren sind, aber mit einem neueren Model ist es doch bei Weitem komfortabler :)

    Auch würde ich ungern an der Qualität meines täglichen Essens sparen.

    Und da ich meine Wohnung als Rückzugsort verstehe, hätte ich vermutlich ein Problem damit, aus Kostengründen in einer WG zu leben - mit Menschen, deren Lebensvorstellungen stark von meinen abweichen.

    Aber ja, man muß seine Bude nicht mit so viel Zeugs belasten, wie ich dies all die Jahre getan habe. Weniger ist oft mehr, weshalb ich mich schweren herzens entschlossen habe, alles, woran mein Herz nicht hängt, zu verschenken.

    Und wenn ein wenig Platz gewonnen ist, fühlt man sich vermutlich auch wieder wohler, weil nicht mehr so viel Zeit mit auf - und rumräumen vergeudet wird.

    Grundsätzlich arbeite ich, um gut leben zu können.

    Ich bräuchte den 5 tägigen Gang pro Woche zur Arbeit nicht, um glücklich zu sein, aber die Früchte meiner Arbeit = die Kohle am Monatsende ermöglichen mir ein einigermaßen sorgloses Leben und vorankommen :)

    Bin gespannt, was weitere postings noch für Erkenntnisse hervorzaubern werden
  • edited Juni 27
    @Herbstbube Ich denke es schadet nicht, sich ab und an was zu gönnen. Meinerseits bin ich da immer noch ein wenig am ausloten, wo eigentlich die Prioritäten liegen. Viele Anschaffungen waren und sind es teilweise immer noch welche, die dem Selbstzweck der Anschaffung dienen. Da muss es, wenn man es neutral und mit etwas Abstand betrachtet nicht zwingend die Anschaffung XY sein und trotzdem meint man, sie unbedingt haben zu müssen. Andererseits gibt es Dinge, die das Leben ein stück weit lebenswerter machen, auf die man nicht verzichten sollte.

    Mir geht es im Übrigen ähnlich. Vermutlich würde ich mich nicht trauen, alles auf eine Karte zu setzen und mit irgendeiner selbstständigen Tätigkeit den Lebensunterhalt verdienen zu müssen oder von der Hand in den Mund mit der Musik leben zu wollen. Mal abgesehen davon, dass ich mich bei beidem nicht in der Lage sehe, das erfolgreich umzusetzen.

    @enjoythesilence Ich glaube nicht, dass weniger Besitz zwangsläufig glücklicher oder zufriedener macht. Ich würde die Frage beim Ausmisten voranstellen, ob du den Platz, der frei wird für irgendetwas nutzen kannst oder willst und ob das "Stichwort Raumakustik" nicht vielleicht dazu führt, dass der Rückzugsort weniger angenehm wird.

    Man sagt ja, dass man doppelt kauft, wenn man günstig kauft. Ich glaube, dass da etwas dran ist.

    Vielleicht hilft es, sich von Zeit zu Zeit mal bewusst mit Zufriedenheit zu beschäftigen.
  • SanSan
    edited Juni 28
    Also ich vermute, dass an der Ausmisten-Theorie schon was dran is. Marie Kondo (#ihgittwortdesjahres) und tausende begeisterte Nachahmer des Minimalismus KÖNNEN nicht irren. *hust*
    Ich frag mich aber gerade, ob das ein typisches Frauen-Phänomen ist, denn bisher hab ich fast nur Frauen vom Minimalismus und Entrümpeln sprechen hören.
    Nein, ich denke es geht wie immer um einen Mittelweg. Ist die Wohnung zu vollgestopft, raubt sie einem Energie. Ist sie zu leer, fühlen wir uns auch nicht wohl.
    Meine Wohnung ist auch eher zu voll und ich bin im Grunde permanent dabei, etwas an ihr zu optimieren. Möglicherweise ist es eine Flucht vor mir selber oder vor der Tatsache, dass die Bude seit der Erbauung in den 70ern nicht richtig gepflegt wurde und das aus jeder Pore zu verströmen scheint. Rettungsversuche, wenn man so will.
    Möglicherweise bin ich auch einfach nur überkreativ oder chronisch unzufrieden. Es macht mir ja auch Spaß, das Optimieren. (Nur manchmal wär ich froh, wenn ich dann auch froh wär, anstatt über Optimierungen weiter drüber zu optimieren *murmel*)
    Also meine Wohnung ist mir schon extrem wichtig. Aber der Kram darin hat in der letzten Zeit auch ein wenig Neubewertung erfahren. Ich will gerne auch nachhaltige Alternativen umsteigen wie Dauerbackpapier und Rasierhobel statt pinkem Plastik-Systemrasierer. Ich will gern die Dinge, die ich besitze, länger verwenden. Inklusive Abnutzung, die ich dann liebhaben möchte. Ich möchte mich nicht jede Woche an ein neues funkelndes Etwas aus Plastik schmiegen sondern gerne über Jahre hinweg ein gebrauchtes Etwas aus Holz oder Metall liebhaben und weiter zerbeulen.
    Manchmal bin ich da nicht gut drin, denn ich krieg schon auch Glänzen in den Augen, wenn ich dann online das Funkeln des schönen neuen Etwas sehe. Ich versuche inzwischen, den ersten Kaufimpuls abzuwarten und dann noch mal zu schauen.

    Letztendlich hab ich in dem Moment, in dem mein kindlich-jugendliches Gehirn irgendwann raffte, dass die Menschheit auf "mehr!" ausgerichtet ist, gefragt: "Warum? Warum muss es immer 'mehr!' sein? Warum kann nicht das reichen, was da ist?"
    Dummerweise bin ich selber in die Maschinerie reingerutscht und kann das auch nicht immer reflektieren. In Momenten in denen ich's kann, bemühe ich mich um Dankbarkeit für das, was ich habe und versuche, es dabei zu belassen.

    Oh Edit: Ich bin schon sehr luxusvernarrt und hab mich auch lange dafür geschämt, kein Studi zu sein, der quasi mit Luft und Liebe alleine leben kann. Irgendwie hab ich das immer bei Freunden gesehen, die in WGs glücklicher schienen als alleine in einer Wohnung mit einem gesonderten Wohnzimmer ("Nur für mich allein?! Was soll ich damit?"), die lieber in Hostels abstiegen als in schicken Hotels, die lieber Shabby-Chic-Flohmarktmöbel besitzen, von denen kein Stück zum anderen passt, anstatt wie ich alles in weiß zu haben, weil weiß sich mit allem gut kombinieren lässt. Die lieber in einem Irish Pub Fremde kennenlernen als mit guten Freunden schick essen zu gehen.
    Ich knabber auch heut manchmal noch an dem Gefühl, oberflächlich und verwöhnt zu sein, wenn ich mich auf ein 4-Sterne-Hotel mit Spa freue und schöne aber nutzlose Deko in meiner Wohnung aufstelle. Im Grunde bin ich noch im Lernprozess, diese Seite von mir anzunehmen.
  • @san das ist interessant. Beißt sich das, ich nenne es mal altmodisch "ausmisten" mit der Freude an passender Dekoration und luxoriöser Behandlung.

    Ich finde bei aller Überlegung auf das Wesentliche darf man nicht vergessen, was einem zusagt. Gegen Luxus spricht ja nichts. Die Frage, wie so oft ist, was gefällt.
    Sich ausschließlich an idealistischen Maßstäben zu messen muss ja zwangsläufig dazu führen, dass man sich unwohl fühlt.
  • @MindSneaker Also es beißt sich insofern manchmal, als dass mein Jetzt-Ich sich gar nicht vorstellen kann, dass Zukunfts-Ich die Dinge anders sieht. Es sieht sie, wie es sie sieht und hält die herauspurzelnden Lösungen für die best möglichen.
    Erzähler: "Die herauspurzelnden Lösungen waren NICHT die best möglichen."

    Soll heißen, ich bekomme gefühlt öfter und schneller den Bedarf, auszumisten als viele andere Personen, die ich so kenne. Alleine aus einem inneren Antrieb heraus, es schön haben zu wollen und bei der Definition von "schön" durchaus anspruchsvoll zu sein (beispielsweise käme es mir nicht in den Sinn, nach einem Umzug wochenlang, geschweige denn monatelang noch unausgepackte Kisten herumstehen zu haben, was ich aber bei sehr vielen anderen Leuten bisher schon beobachten konnte). Aber natürlich auch deswegen, weil bei mir immer eine neue Phase und mit einer neuen Phase ein neuer Optik-Wunsch daherkommt.
    Manchmal krame ich im Keller alte Klamotten heraus, die ich dann DOCH wieder in den Schrank aufnehme, obwohl ich vor Monaten noch der Meinung war, dieses Stück nicht mehr zu wollen.

    Im Grunde wäre die perfekte Wohnung für mich eine mit drehbaren Wänden wie die Geheimtüren in Filmen. Nur sind beide Seiten der Wand unterschiedlich dekoriert, sodass ich bei satt-gesehen-haben einfach zu einem Dekor wechsele, das ich momentan nicht gewohnt bin und das mich nun also mit frischen "Ah, neu ist schön!" Impulsen versorgen kann, obwohl nichts daran neu ist. Könnte mir vorstellen, dass diese Mechanik inklusive Quadratmeterkosten mein Einkommen deutlich übersteigt. Mist :D (Nicht zu reden von den Kosten für all die Deko, da ich jeden Raum ja redundant dekorieren darf/muss.)
  • Was für eine schöne Idee mit den drehbaren Wänden @San ! :)

    Und wie beruhigend, daß es dir mit deinen Klamotten ähnlich zu gehen scheint wie mir.

    Hast du mal diese Vakkuumbeutel ausprobiert, aus denen man mit einem handelsüblichen Staubsauger die Luft rauslassen kann? ;)

    Damit bekommt man eine Menge im Schrank unter..
  • @san ich glaube, dass es ganz normal ist, dass man im Moment eher selten in die Zukunft sehen kann. Sollte es dir dennoch irgendwann gelingen, darfst du mir gern die Lottozahlen oder wahlweise die Entwicklung an der Börse voraussagen ;)

    Bei mehrfach erreichten 40 Grad in den letzten Wochen fängt man allerdings auch an, Klimaanlagen in einem ganz neuen Licht zu sehen. Aber auch das im Grunde eine Anschaffung, die purer Luxus ist. Da kann man sich auch die Frage stellen, ob der eine oder andere Trip ans Wasser nicht einen ähnlichen Effekt hat.

    Was ich generell hinterfragen würde ist, ob es wirklich immer mehr und immer etwas Neues sein muss. Die Antwort sollte eigentlich "nein" lauten und doch kann ich mich selbst definitiv nicht davon freisprechen. Da muss nur mal die richtige Gitarre zur rechten Zeit mit meinem Kontostand kompatibel sein und ich könnte versucht sein, den Rest des Monats mal auszuprobieren, wie es sich so von Luft und Liebe lebt...

    Zumindest bei meiner Kleidung bin ich minimalistisch unterwegs. Passt fast alles in einen relativ kompakten Rucksack und das ganz ohne die Luft absaugen zu müssen ;)
  • @MindSneaker Whaaaaat?! Und ich dachte immer, Zukunfthellsichtigkeit und Gedankenlesen wären ganz normale Job-Anforderungen, die ausschliesslich ICH nicht hinbekomme, die dennoch grundsätzlich von mir erwartet werden! Huh.
    Ich wollte grade schon Kompexe darüber entwickeln, aber jetzt fühl ich mich deutlich besser, dass ich bisher noch jeden meiner Chefs damit enttäusch habe, nicht über diese Fähigkeiten zu verfügen.

    Ich probiere jetzt den Trip INS Wasser. Soll heißen ich habe endlich meinen Widerwillen überwunden, einen Ventilator anzuschaffen. Aber nun so richtig. Mitte des Monats kommt, vermutlich sehr ökobilanztechnisch wertvoll aus China, ein Ventilator mit Wassertanks an. Gefühlt wird man mit dem mit kühler Feuchtigkeit angereichtertem Kuftstrom runtergekühlt, wobei böse Zungen auf Amazon behaupten, man würde sich damit nur künstlich Dschungel-Feeling Zuhause schaffen und in Regenwaldklima herumschimmeln.
    (Ich schlucke bitterböse Witze über die Erhaltung von Regenwaldbeständen in deutschen Wohnzimmern hinunter und schäme mich auf angemessene Weise, nun doch wieder bei Amazon und am anderen Ende der Welt bestellt zu haben, was ich eigentlich reduzieren wollte)

    Was die Frage angeht, ob es immer etwas Neues sein muss... ich komme gerade aus einem Kurzurlaub, habe mich gut entspannt, viel Luxus genossen und durchaus auch Dinge geshoppt, die mir wohl von außen (vom Laden) angetragen wurden, dass ich sie unbedingt brauche, die aber kein inneres Bedürfnis waren, das dazu geführt hat, mich überhaupt erst nach derlei benötigten Gebrauchsgütern umzusehen.
    Und jetzt bin ich nach 6 Tagen das erste Mal wieder Zuhause und schaue auf meinen Kontostand und denke mir... joa, es *geht* sogar. Ein wenig gewütet hab ich ja schon, aber Waldbrand sieht anders aus...
    und ich wüsste spontan gar nicht, was ich kaufen wollen/sollen würde.
    Was mich - ohne Scheiß - sehr erleichtert.
    Da scheint die Regel wohl doch aufzugehen, dass glückliche Leute das Loch in ihrem Herzen nicht mit materiellen Dingen stopfen müssen. Ich bin nämlich (noch *klopf auf Holzkopf*) sehr entspannt von den letzten Tagen und fühle mich ziemlich wohl. Auch wenn sich bei mir immer die Angst manifestiert, Zuhause den Schlüssel umzudrehen, von einer Flutwelle an Rohrbruchwasser überschwemmt zu werden, der Kronleuchter wird von der sich öffnenden Tür aus der Decke gerissen, in der ganzen Wohnung flattert eine freundliche Großfamilie von Lebensmittelmotten und Trauermücken und aus der Küche robbt mir ein stinkendes Stück Lebensmittel entgegen, das mir vor dem Urlaub unbemerkt unter die Küchenschränke fiel und inzwischen ein Eigenleben entwickelt hat. Die Realtät sah bisher glücklicherweise harmloser aus als das Kopfkino aber man weiß ja nie.
    Möglicherweise geh ich dann nachher doch noch direkt online, shoppen.
  • Na dann verbuche ich das mal als mein ganz persönlicher Dienst an der Menschheit, dass ich dir diese absolut unmenschliche Anforderung von den Schultern nehmen konnte @san.

    Möglicherweise bin ich beim Lesen deines Beitrags ein kleines bisschen vor Lachen unter den Tisch geglitten und sollte mich, weil schlechte Aussucht, mal wieder in eine halbwegs menschliche Position begeben... Obwohl, Yoga soll ja gut sein ;)

    Ich bin jedenfalls gespannt, ob die Dschungelhaltung artgerecht ist und damit zu noch mehr Humor führt oder ob man dich umsiedeln muss ;)
  • @MindSneaker, ja schreib dir das ruhig gerne in dein Karma-Buch rein! Wenn einer fragt, schickste den zu mir :)

    Möglicherweise bekommt ihr ein Update übers Palmen-WLAN, wie es sich so im Regenwald lebt! Möglicherweise wird das dann aber von den Affen geschrieben, die dann, vermutlich ohne sich an der Miete zu beteiligen, meine Mitbewohner werden.

    Oh wie schön, Yoga! Wie gesund für dich! :)
  • edited Juli 9
    "Was braucht es, um glücklich zu leben?"

    Die Frage ist sehr schwer zu beantworten und ich denke auch, dass jegliche Antwortmöglichkeit, auf die jeweilige Person und dessen Leben bezogen, sehr unterschiedlich ausfallen kann.

    Ich für meinen Teil kann sagen, dass viel weniger Dinge ausreichen können und dennoch wird immer etwas fehlen, weil die Lebensumstände sich oftmals ändern. So sind selbstverständlich Familie, Freundschaft und Partnerschaft ganz weit oben, gefolgt von den ebenfalls wichtigsten Dingen, wie den gemütlichen vier Wänden für Privatsphäre und Erholung, einem Einkommen aus einer Erwerbstätigkeit, die man gerne ausübt und natürlich den Hobbies, die ohne materielle Dinge meist nicht ausgeübt werden können. Bei mir sind es z.B. das Radfahren (mehrere Fahrräder + Ausrüstung), Wandern (ebenfalls Ausrüstung), Gitarre spielen (Western- und Konzertgitarre) sowie zeichnen (geht nicht ohne Papier und Stifte). ;-)
    Hier ist schon zu erkennen, dass ich so einige Dinge im Haushalt habe.

    Sich auf zwei Koffer zu reduzieren, um fast nichts mehr zu besitzen und frei(er) zu sein, wie es manche Leute tun, kann ich für meinen Teil nicht vorstellen, weil eben das, was ich gerne mache und mir sehr viel Freude bereitet, mein Lebensglück ist bzw. mein Leben erfüllt. Von allem ein bisschen, wird zum Ganzen, auch wenn hier und da eine Veränderung immer wieder auftritt, wegen wenig Zeit für etwas oder vorübergehend nicht vorhandener Partnerschaft, so als Beispiel.

    Für mich ist Minimalismus, worüber ihr hier auch schon diskutiert habt - interessante Beiträge, ebenfalls ein Thema und schon wenige Jahre ein Bestandteil meines Lebens und Alltags. Seit knapp zwei Jahren habe ich kein Auto und habe mich auch sonst von so einigen Dingen getrennt - das war auch am Umsatz bei E-Bay oder oftmaligen Klingeln an der Tür zu erkennen. ;) Jetzt kann ich in meinen vier Wänden alles schnell zusammenzählen, mich sogar in jedem Augenblick an alle Dinge erinnern bzw. vorstellen und all das ist auch das, was ich benötige. Alle paar Wochen nutze eine große Aufräumaktion als Möglichkeit und schaue, was sonst so weg kann bzw. angesammelt hat. ;-) Und natürlich achte ich im Alltag darauf, nicht noch mehr Dinge zu kaufen bzw. nur das was ich wirklich benötige. Es ist nicht immer einfach aber möglich und deshalb ein schönes Gefühl, wenn man die Kontrolle darüber hat. Für mich ist es ein Gewinn und kein Verlust, wenn ich etwas nicht besitze, was vielen Menschen wiederum wichtig ist. Es ist mein Leben und ich weiß in der Regel besser, was ich benötige.

    Komme mich besuchen und schaue, Du würdest nicht erkennen, dass ich minimalistisch lebe, denn ich möchte weiterhin meinen schönen Holztisch haben, und weitere Sachen, die bleiben dürfen. :-)


    Es gibt natürlich auch Minimalisten, die in einem fast leeren Zimmer wohnen, wirklich fast nichts mehr haben und glücklich sind. Nun denn, wenn es ausreicht und glücklich macht, warum nicht. ;-)


    LG, Eagle
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