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Mein Moment der Erleuchtung: Themenwechsel im YouTube-Kanal

Hallo zusammen. Ich habe nun über 40 Jahre gebraucht, bis ich auf eine Beschreibung gestoßen bin, die auch meine Eigenheiten im Umgang mit anderen Menschen erklären konnte. Klein ist die Welt ... und im Internet noch dichter. Lang lebe Serendipity und der gleichnamige Effekt, beim Abschweifen von Themen auf die interessantesten Dinge zu stoßen.

Dass ich kein ganz gewöhnlicher Junge war, merkte man schon im Kindergarten: Ich konnte früh lesen, habe mich für Naturwissenschaften interessiert, stundenlang in Lexika und Romanen verbracht. Durchaus auch oft draußen, z.B. im Fußballtor, aber eine gewisse Distanz zu anderen war schon deutlich. Ein explizites Verlangen nach Ruhe wurde mir in der Schulzeit noch nicht so bewusst, eher ein Fokus auf Interessen, denen man auch allein nachgehen konnte.

Im Kennenlernen anderer Leute war ich nicht besonders erfolgreich, was ja gern auch als Schüchternheit abgetan wird. Die war anfangs durchaus auch da, aber diese habe ich zu überwinden gelernt. Blieb dann eigentlich nur noch ein gewisses Misstrauen, dass andere mich anscheinend "gern missverstanden". Das war auch noch einigermaßen problemlos, solange man wenigstens noch Freunde hatte, die einen verstanden. An einer Schule mit verstärktem naturwissenschaftlichem Profil vielleicht nicht so verwunderlich, dort war die Konzentration Gleichgesinnter ohnehin höher.

Beruflich gab es dann einige Höhen und Tiefen. Mittlerweile bin ich recht fest angestellt. Die Balance zwischen Über- und Unterforderung ist aber heute schwer zu finden, offenbar verstehen andere kaum, unter welchen Bedingungen ich am besten arbeiten könnte. So sammelt sich oft ein Grad an Langeweile an, dass ich mehr Ablenkung suche, um meine Neugier auf für mich interessante Themen zu stillen. Neben Online-Spielen zum Feierabend zählten dazu auch YouTube-Kanäle mit wissenschaftlichen Themen unterschiedlichster Art.

Einer davon ist "DontTrustTheRabbit", in dem Trixi aus ihrer Welt erzählt, in der sie als Deutsche oft in englischer Sprache kommunizieren muss und dabei interessante Besonderheiten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Sprachen präsentiert. Das tut sie auch auf ziemlich amüsante Art, beispielsweise hat sie oft Zwiegespräche mit ihrem bösartigen Zwilling.

Aber nicht nur die Sprachen sind bei ihr Thema. Sie hat auch von ihrem Leben, ihrer Person, ihrem Beruf und anderen Details zu erzählen. So ist sie in der Spieleprogrammierung tätig und entwickelt dort Regelwerke, was einen unheimlichen Weitblick und Überblick erfordert. Auch hat sie davon berichtet, dass sie Synästhetikerin ist, also Buchstaben und Zahlen mit Farbeindrücken verknüpft. Und schließlich hat sie erklärt, dass sie introvertiert sei.



Ach so nennt man das.

Und das ist nicht das gleiche wie "schüchtern".

Tja, und ab hier habe ich mich weiter im Internet umgeschaut, weiterführende Videos entdeckt, und auch diese Domain inklusive Forum. Und nun bin ich neugierig, wie vielfältig das Leben sein kann, das man mit dieser Persönlichkeitseigenschaft bezeichnet. Eines habe ich schon bemerkt: Ich gehöre nicht zu denen, die extrem darunter leiden. Ich bin mir der Vor- und Nachteile bewusst, nehme sie aber nicht allzu schwer. Das kann unter anderem auch daran liegen, dass mir einige Quellen positiver Lebensphilosophien untergekommen sind, als ein Beispiel die Fantastischen Vier (Lass die Sonne rein).

Kommentare

  • Hallo @LigH, nach dem Video-Schauen fühle ich mich so richtig introvertiert -
    *wink* *lächel* was sag ich bloß passendes jetzt? (Introvertierte hassen das).

    "Herzlich Willkommen im Forum für Introvertierte !"

    Neuerdings ist das, was mir über'n Weg läuft, sofort meine Wirklichkeit.
    Das war wohl nie anders, wird aber jetzt erst deutlich spürbar.

    Du Glücklicher, dass du nicht zu denen gehörst die extrem unter dieser Persönlichkeitseigenschaft leiden!!!
    Verrätst du weitere dieser 'Quellen positiver Lebensphilosophien'?

    So long - Fanny
  • Hallo Ligh, herzlich willkommen im Forum.

    Das, was in dem verlinkten Video angesprochen wird, hat nicht wirklich was mit Introversion zu tun. Mal zum Vergleich: Wenn ich unterwegs bin, bin ich meistens so in meine Gedanken vertieft, daß ich Leute, die ich kenne, gar nicht wahrnehme. Wenn es doch mal dazu kommt, daß ich jemanden wahrnehme und derjenige ist weiter weg, dann winke ich.

    In dem Video geht es vielmehr um Komplexe und einige davon können sehr wohl auch bei extravertierten Menschen vorkommen. Trixie im Video erinnert mich von ihrer Art sehr an eine extravertierte Person, die ich kenne. Dieselbe Art von ratterndem Kopfkino und unterschwelliger Unruhe. Wobei ich mir bei Trixie schon vorstellen kann, daß sie sich mehr auf der introvertierten Seite befindet, eine starke introvertierte Ausprägung sehe ich jedoch nicht bei ihr.

    Extravertierte finden übrigens keineswegs immer gleich Anschluß. Das ist so eine Behauptung, die man hier im Forum immer wieder hört, die aber nicht stimmt. Dazu braucht man einfach nur mal Extravertierte fragen und sich anhören wie sie es empfinden.
  • edited Juli 2
    @Fanny: Hauptsächlich ist es Musik. Ich bin neugierig, ob Introvertierte das Emotionale in ihr besser wahrnehmen, weil sie auch grundsätzlich einen stärkeren Bezug zur Empathie haben.

    Mein Durchbruch, sozusagen, waren die Fantastischen Vier, deren Mitglieder sicherlich einiges aus dem Buddhismus und anderen altruistischen Philosophien verarbeitet haben. Sehr ähnlich auch die Beginner. Nicht so durchweg positiv in den Texten, aber dafür sehr bewegend in der musikalischen Produktion: das Rödelheim Hartreim Projekt. Das aber nur als Beispiele für deutschsprachigen Rap.

    Ansonsten gibt es sehr viele internationale Interpreten aus sehr unterschiedlichen Genres, die ich gern höre. Peter Gabriel, Sisters of Mercy, the Prodigy ... viel mehr will ich gar nicht hier in diesem Beitrag erwähnen.

    Weniger Musik, mehr Text - sicherlich, da kommt das weite Feld der Komik, des Kabarett und der (politischen) Satire gelegen. Dieter Nuhr, Torsten Sträter, Florian Schroeder, Nico Semsrott, Hagen Rether, Carolin Kebekus, Vince Ebert, Dr. Eckart von Hirschhausen... und da ich weiß, wo mein Handtuch ist, verstehe ich die Anstalt im ZDF wie das Irrenhaus von Wonko dem Verständigen: "Hier ist außen".

    Letztendlich breche ich das ganze für mich auf ein Lebensmotto herunter: "Das Leben ist kurz, deshalb wäre jeder Tag, an dem ich nicht ein wenig glücklich bin, Zeitverschwendung."
  • edited Juli 2
    Noch @wanderingstar ... klar, es gibt sicher kaum eine Definition, die auf alle gleich gut zutrifft. Einige Aspekte passen auf den Einzelnen besser, andere schlechter. Aber der grundsätzliche Kern des Wesens muss einem erst mal bewusst werden, um den Unterschied zu verstehen. Solche grundlegenden Sachen wie: Quantität vs. Qualität in der Interaktion mit anderen Personen, und die Beziehung zum "psychischen Energiehaushalt". Ein Bezug zur Empathie ergab sich für mich daraus eher geschlussfolgert.

    In einem der Videos habe ich in Bezug auf das Gefühl auf einer Party ein Gleichnis gehört von einem Stück Treibholz auf dem Wasser, während die anderen Menschen abtauchen. Das hat mir recht gut gefallen, weil es so anschaulich war - unabhängig davon, wie gut es jetzt das Gefühl Einzelner trifft. Ich konnte mir gleich die Szene vorstellen, am Rand der Menschenmenge nach weiterem "Treibgut" zu suchen ... (Na, auch intro?)

    Hier noch jemand, der ein paar Videos zu ähnlichen Themen veröffentlicht hat wie das von Trixi oben zitierte: Elliott Tender



    Oder geht einfach "Auf Klo":



    Sowohl ähnliche als auch ganz persönliche Erfahrungen. Alles trägt zu einem umfasserenden Gesamteindruck bei.
    ___

    PS: Hier noch eine Analyse unterschiedlicher Typen von Introversion: Das STAR-Modell

  • Ich fand die Trixie sehr sympatisch. Die hat in ihrer Art zu reden manchmal sehr was von meiner einen (introvertierten) Freundin ("Ahaa, mit Flügeln also..?", "Was für eine SCHÖNE Hauswand.") . Allerdings würd ich die von ihr geschilderten Situationen jetzt eher als "socially awkwardness" bezeichnen ^^ Hab mich die ganze Zeit gefragt, wann sie zum Small Talk kommt oder zum Telefonieren-müssen-mit-Fremden (auch diese Sachen sind natürlich nicht Intro-übergreifend überall vertreten. Waren nur die ersten beiden Beispiele, die mir für mich selber in den Sinn kamen)

    Ah, aber erstmal herzlich Willkommen im Forum und danke für den Link, ich schau mir die Rabbit-Frau jetzt erstmal ein wenig genauer an!
  • Ich bin nicht davon überrascht, dass einzelne Situationen verschiedenen Menschen unterschiedlich stark unangenehm sind. Ich persönlich habe beispielsweise kaum Probleme mit dem Telefonieren; dafür ist es mir umso unangenehmer, wenn ich gezwungen bin, mich den ganzen Tag lang mit Personen in meiner Nähe aufzuhalten, die mit meinen Interessen wenig gemein haben, selbst bei meinen eigenen Eltern.

    Paradoxerweise geht es bei Familienfeiern eher, da kann ich mich mit der Suche nach interessanten Themen zwischen einzelnen Personen interessiert halten. Aber wenn ich nur mit meinen Eltern allein auf Besuch in ihrer Wohnung bin, und beide tun etwas, das ich tödlich langweilig finde, während mir nicht mal ein gemütliches Plätzchen zum Abschalten bleibt, dann überlege ich manchmal sogar, die Wohnung zu verlassen, nur um diese "Langeweile von zwei Seiten" nicht länger ertragen zu müssen. Die heutige Generation würde dann vielleicht stundenlang im Smartphone blättern, aber ich habe absichtlich keins (als Diplom-Informatiker bin ich eh schon viel zu online).

    Bitte nicht missverstehen ... ansonsten sind meine Eltern tolle Menschen. Aber mein Wesen können sie sich nicht vorstellen. Und mir selbst ist es auch erst nach Jahrzehnten bewusst geworden.
  • edited Juli 8
    Noch ein Link zu einem interessanten Blickwinkel auf das Thema – eine Bilderreihe, wie ein Webcomic (allerdings mit englischen Texten):

    http://themetapicture.com/when-people-say-introverts-are-weirdos/

    Und eine weitere bebilderte Anleitung:

    Dr. Carmella’s Guide to Understanding the Introverted – https://imgur.com/gallery/aVF4E

    Original als PDF für eine kleine Spende: https://www.deviantart.com/romanjones/art/Guide-to-Understanding-the-Introverted-PDF-BOOK-471524337
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