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"So tun als ob": Erfahrungen mit dem Spielen einer extrovertierten Rolle

Hi,

was für Erfahrungen habt ihr gemacht, wenn ihr mal ganz bewusst in eine extrovertierte Rolle geschlüpft seid, bzw. versucht habt, euch zu verstellen?

Ich habe einige Male in meinem Leben probiert in so eine Rolle zu schlüpfen, war dann aber relativ schnell erschöpft und habe es daher fast ganz sein lassen. Ziemlich schnell hatte ich dabei das schlechte Gefühl, mir selbst gegenüber untreu zu sein, was für mein Selbstwertgefühl nicht gut war.

Heute ist es so, dass ich nur noch im beruflichen Kontext gelegentlich versuche mehr aus mir herauszugehen, damit ich von den Kollegen nicht total geschnitten werde, denn schließlich bin ich in gewisser Weise von Kollegen abhängig.

Einerseits merke ich, dass ich energiemäßig immer weniger in der Lage bin, "Theater" zu spielen, was im Beruf nicht von Vorteil ist. Andererseits tut es mir gut, mir selbst treu zu sein.
Blöder Zwiespalt.

Kommentare

  • Hallo,
    was ich nicht verstehe ist, was damit gemeint ist in eine extrovertierte Rolle zu schlüpfen?
    Für mich bedeutet es nicht als introvertierter ruhig in der hintersten ecke zu sitzen oder jeglicher Kommunikation aus dem weg zu gehen. Ich muss für mich herausfinden wie bzw. wann der Zeitpunkt gekommen ist, dass ich mich etwas zurück nehme um meine Akkus wieder aufzuladen. Natürlich ist es auch eine frage, wie bringe ich mich in ein Gespräch ein. Ich könnte zum Beispiel nicht anfangen und ein Gespräch moderieren.. ok das wäre ein Beispiel für eine extrovertierte Rolle. Ich bin halt eher jemand der Einwände/Ideen/Fragen in ein Gespräch einfließen lässt. Das ist so eine Rolle mit der ich mich ganz gut einbringen kann und bei der ich mich auch sehr wohl fühle.
    Wir Frühstücken jeden Freitag morgen im Büro zusammen. Ich empfinde das als sehr angenehm, aber ich wüsste auch nicht ob ich das so toll fände wenn ich nicht so einen guten Draht zu meinen Arbeitskollegen hätte.

    Ich habe ein Talent dafür in Fettnäpfchen zu treten oder etwas zu sagen wo ich auf einmal sehr viel Aufmerksamkeit erhalte, ich hab dann immer das Gefühl, dass die Erwartungshaltung der anderen mir gegenüber sehr hoch ist, womit ich nicht ganz so gut umgehen kann. Das sind so Momente wo ich mir denke - hättest du doch lieber mal den Mund gehalten - weil ich mich dann unwohl fühle.
  • edited August 2019
    Ich kann mir schon etwas darunter vorstellen, was es heißt, in eine extrovertierte Rolle zu schlüpfen. Ich kenne das noch aus der Zeit, als ich selbst noch dachte, dass mit mir etwas nicht stimmt und versucht habe, extrovertiert zu sein, weil man ja so sein muss. Also habe ich gerade auf Partys einen Menschen vorgespielt, der ich nie war. Ich habe generell nach außen hin viele Extro-Sichtweisen vertreten, obwohl ich innerlich anderer Meinung war, weil ich mich für das Anderssein geschämt habe und nicht wollte, dass jemand merkt, dass ich anders bin. Das hat mir z.B. in Bezug auf Partys viel Anerkennung eingebracht, ich habe einfach dazugehört. Innerlich war mir aber klar, dass ich diese Anerkennung nur bekommen habe, weil ich eine Rolle gespielt und mich „normal“ verhalten habe.

    Je reifer und erwachsener ich wurde, desto weniger wollte ich eine Rolle spielen, sondern authentisch sein. Ich habe dann irgendwann angefangen, immer mehr zu mir und meinen Bedürfnissen und auch dazu, was ich nicht möchte, zu stehen. Heute stehe ich dazu, dass ich Partys nicht mag und keinen Sinn darin sehe, mich bis ins Delirium zu betrinken.

    Da ich ein Freund von konkreten Beispielen bin, hierzu auch mal ein Beispiel: Als ich noch in Hamburg gewohnt habe, hat mich dort ein Freund, der weiter weg wohnte, gelegentlich für ein Wochenende besucht. Für ihn war es dann selbstverständlich, dass wir auf die Reeperbahn gehen. Das wurde auch gar nicht hinterfragt, weil das für ihn zu einem Besuch in Hamburg einfach dazugehörte. Ich habe das einige Male über mich ergehen lassen und so getan, als ob ich auch so viel Spaß dabei hätte wie er. Außerdem hatte das für mich etwas mit Gastfreundlichkeit zu tun. Die Wahrheit ist aber: Ich habe mich auf der Reeperbahn noch nie wohl gefühlt. Dort laufen riesige Menschenmassen rum (die meisten stockbesoffen) und es herrscht eine aggressive Grundstimmung. Ich mag das dort einfach nicht. Irgendwann habe ich dies meinem Freund tatsächlich mal eröffnet. Als er mich dann mal wieder besucht hat, wollte er wieder mit mir dorthin gehen, aber ich habe ihm ganz klar gesagt, dass ich nicht dorthin gehen werde und er ohne mich hingehen müsse, wenn er unbedingt hin möchte. Er meinte zwar erst, ich sei spießig, weil ich am Wochenende nicht mal ein bisschen Spaß haben wolle, aber er hat auch einfach nicht verstanden, dass die Hamburger Reeperbahn für mich absolut nichts mit Spaß zu tun hat. Letzten Endes hatten wir dann doch ohne Reeperbahn einen schönen Abend und ich bin froh und ehrlich gesagt auch stolz darauf, dass ich so deutlich meine Meinung vertreten habe.

    Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich mich früher, als ich mich noch verstellt habe, in dieser Extro-Rolle nicht wohlgefühlt habe, diese Rolle aber als notwendig erachtet habe, um Anerkennung zu erfahren und nicht als Außenseiter dazustehen. Heute stehe ich da drüber und bin so, wie ich bin. Und das fühlt sich doch sehr viel besser an. :-)
  • Es ist so wichtig, auf seine eigenen Bedürfnisse zu hören und diese nach Außen auch zu vertreten. Auch für Extros :)

    Ich freue mich zu lesen @Herbstbube wie du langsam für dich gelernt und es geschafft hast, auf deine Bedürfnisse zu hören. Und diese auch zu vertreten. Weitermachen :)
  • Über sehr viele Jahre habe ich eine Rolle gespielt, mich extrovertiert gegeben. Nicht zuletzt auch, weil ich gar nicht wusste, was mit mir war/ist und dass es solche Unterschiede gibt.
    Das ging, verbunden mit unschönen Erlebnissen, nach hinten los und ich bekam eine psychosomatische Erkrankung nach der anderen. Wenn ich so lebe, wie es mir gut tut, also meinen Bedürfnissen entsprechend, geht es mir gut. Aber wehe, ich vergesse es und falle in alte Muster zurück, dass ich mich so verhalte, wie andere es von mir erwarten, dann geht es mir schlecht und eine solche Erkrankung, meist in Form von Unverträglichkeit bzw. Allergie, kommt wieder.
  • Willkommen im Club @SanneHB

    Ich habe ebenfalls über Jahre versucht, bei den Extros mitzuspielen, was mir nach jetzigem Verständnis rückblickend für eine Weile fiese Panikattacken beschert hat.

    Ein Fisch schwimmt nunmal besser im Wasser, was für unsereins nicht heißen soll, nicht auch einmal aus der eigenen Komfortzone herauszukommen. Muß man ja, sonst funktioniert der Alltag überhaupt nicht.

    Aber gerade für uns Intros scheint mir eben auch der Rückzug wichtig, um die Akkus wieder aufladen zu können.
  • Der Rückzug ist sehr wichtig! Mir geht es nach einem langen Spaziergang in der Natur, vorzugsweise Wald oder Meer (eher die kühle Nordsee) und alleine auch sehr gut.

    Manchmal geht es mir so, dass wenn ich nach Hause komme und die Tür hinter mir schließe ein unbeschreiblich schönes Gefühl aufkommt. Endlich zu Hause, allein, durchatmen.
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