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Die Mentalität des Nicht-Antwortens

Heutzutage findet ja Kommunikation immer mehr über den digital-schriftlichen Weg statt, vor allem über WhatsApp. Kennt Ihr das auch, dass Ihr jemandem schreibt und dann passiert … einfach gar nichts - nicht mal der Hauch einer Antwort? Und ich meine dabei nicht, dass sofort eine Antwort kommen muss, sondern dass man schon ein gewisses Maß an Geduld mit einbezieht.

Leider sehe ich mich in letzter Zeit und auch aktuell immer wieder mit dieser Mentalität des Nicht-Antwortens konfrontiert. Und nun frage ich mich, ob es wirklich zu viel verlangt ist, eine Antwort zu erwarten, wenn ich Kontakt zu jemandem aufnehme. Oder ist es heute schon normal, einfach nicht zu antworten? Selbst wenn der Empfänger meiner Nachricht gerade keine Zeit oder keine Lust oder was auch immer hat, könnte er dies doch einfach kurz rückmelden, aber selbst das bleibt meistens aus.

Ich bin grundsätzlich sehr entspannt und geduldig, aber wenn ich mir so meine aktuellen Chats ansehe, zieht mich das gerade etwas runter: Bei ALLEN war ich derjenige, der zuletzt geschrieben hat und dann keine Antwort mehr bekommt. Mittlerweile traue ich mich schon fast gar nicht mehr, jemandem überhaupt eine Frage zu stellen, weil ich schon von vornherein denke, dass ich sowieso keine Antwort bekomme und mir diese Blöße nicht immer geben will.

Dieser Artikel hier beschreibt sehr gut, was ich meine: https://www.stern.de/neon/vorankommen/mobilitaet/whatsapp--facebook-und-co---warum-schreiben-menschen-nicht-zurueck--7787566.html

Ich hoffe, das macht jetzt nicht den Eindruck, als ob ich den ganzen Tag nur damit beschäftigt bin, andere Personen vollzutexten und nur am Handy hänge, denn so ist es nicht. Und ich laufe auch nicht mehr hinterher, wenn nichts mehr kommt. Aber trotzdem finde ich es schon frustrierend und auch respektlos, einfach ignoriert zu werden. Ich meine dabei nicht den Einzelfall (in dem vielleicht einfach mal vergessen wird zu antworten, das kann passieren), sondern dass es so gehäuft vorkommt. Mich lässt das gerade mal wieder wertlos und unwichtig fühlen, als ob ich es nicht wert bin, beachtet zu werden: "Ich bin noch nicht mal eine Antwort wert."

Ich lerne im Moment immer mehr, meinen Wert nicht mehr so stark von anderen Personen abhängig zu machen. Und ich kann mich auch bestens mit mir allein beschäftigen (und tue dies auch sehr gerne), ohne dass mir auch nur eine Minute langweilig ist, auch jetzt in meinem dreiwöchigen Urlaub - alles überhaupt kein Problem. Trotzdem fühle ich mich aufgrund zunehmend recht schleppend verlaufender sozialer Kontakte ziemlich einsam, auch wenn ich insgesamt immer besser damit umgehen kann, indem ich mich mit Dingen beschäftige, die mich erfüllen, statt in totale Depristimmung zu verfallen.

Wie steht Ihr zu dem Thema? Kennt Ihr das auch, auf dem digitalen Kommunikationsweg nicht beachtet zu werden? Oder antwortet Ihr auch selbst einfach nicht (und wenn ja, warum nicht)? Ich würde mich über ein paar Meinungen und eure Erfahrungen zu dem Thema freuen.

Kommentare

  • Hallo @Herbstbube,

    Ich habe mich, wie vermutlich jeder schon, auf beiden Seiten eines solchen Cahts befunden. Nicht antworten war in den seltensten Fällen ein nicht Antworten sondern eher ein „Darauf komme ich später zurück, wenn ich etwas mehr Luft habe“.

    Auf der anderen Seite, also wenn ich selbst auf Antwort warte, was sich in der Vergangenheit tatsächlich dadurch äußern konnte, dass ich im Minutentakt zum Smartphone griff, habe ich irgendwann angefangen mich zu fragen, weshalb das so ist.

    Gerade Kommkunikation afu elektronischem Weg, egal ob die gute alte E-Mail oder alles zwischen Chatnachricht oder Sprachnachricht empfinde ich bis auf sehr wenige und handgepflückte Ausnahmen als asynchrone Kommunikation. Anhören oder durchlesen gehen dabei schnell von der Hand. Das geht beim Laufen, Umsteigen, bei einer kurzen Pause bei der Arbeit etc. Antworten braucht hingegen deutlich mehr Zeit und je nach Tiefe des Gesprächs auch Konzentration.

    So kann es schonmal vorkommen, dsas ich eine Nachricht lese, mich dann einer anderen widme, diese zweite zu erst beantworte, um dann mit einem frischen Kopf und möglicherweise einem klareren Blick antworten zu können. Ich kenne aber auch Menschen, von denen tatsächlich sehr lange nichts zu lesen ist. Früher habe ich es ihnen übel genommen und irgendwann erkannt, dass das in den meisten Fällen weder böse Absicht noch ein Ausdruck von geringer Wertschätzung sein muss.

    Aktuell habe ich beispielsweise einen Chat, in dem die letzte Nachricht am 20.06.2019 übertragen wurde. Zwischenzeitig gab es nichts mitzuteilen. Dennoch wird es bei künftigen Unterhaltungen nicht so sein, als würde ich mich oberflächlich mit einem Menschen unterhalten, den ich nicht kenne sondern es geht an dem Punkt, was die Vertraulichkeit angeht, weiter.

    Vielleicht ist der Trick tatsächlich, dass man seinen Tag mit Dingen und aktivitäten füllt, die einem etwas Bedeuten ohne eine Nicht-Antwort persönlich zu nehmen. Das ist leichter gesagt als getan, im Endeffekt aber unglaublich befreiend
  • Hallo @Herbstbube,

    das Problem des "Nicht-Antwortenens" kenne ich auch, vor allem bei Whats App. Scheinbar werden meine Nachrichten lediglich zur Kenntnis genommen und dann zu den Akten gelegt. Mittlerweile bin ich schon so weit, dass ich den betreffenden Leuten gar nichts mehr schreibe, weil ich schon von vornherein davon ausgehe, dass sowieso keine Antwort kommt. Das Gefühl, dass man sich dadurch völlig wertlos vorkommt, kann ich absolut nachvollziehen. Wenn man nicht mal eine Antwort wert ist und einfach ignoriert wird finde ich auch sehr frustrierend und mich zieht das auch runter.

    Viele Grüße,
    Igel_82
  • Hallo @MindSneaker,

    ich verstehe schon, was du meinst und habe überhaupt kein Problem damit, wenn erst später geantwortet wird. Ich mache das ja selbst auch so, dass ich Nachrichten mal eben zwischendurch lese und dann erst später antworte. Es geht mir gar nicht darum, dass es SOFORT sein muss. Ich bin auch nicht rund um die Uhr am Handy und habe es z.B. auch auf lautlos, wenn ich draußen unterwegs bin und bekomme dann gar nicht mit, wenn eine Nachricht kommt, und genau so soll es dann auch sein. Ich erwarte von niemandem ständige Erreichbarkeit und leiste sie auch selbst nicht.

    Es geht mir dabei um Zuverlässigkeit, also DASS geantwortet wird. Es kommt immer häufiger vor, dass ich GAR KEINE Antwort bekomme oder dass doch eine Antwort kommt, anhand derer aber deutlich wird, dass meine Nachricht gar nicht richtig gelesen wurde. In dem Text, den ich verlinkt habe, sind sehr treffende Beispiele genannt.

    Was ich z.B. regelmäßig erlebe: Person X schreibt mich an und stellt mir ein paar Fragen, die in die Tiefe gehen. Ich freue mich über das Interesse, beantworte die Fragen zuverlässig und stelle ebenfalls Fragen. X beantwortet von meinen vier gestellten Fragen nur zwei ganz oberflächlich und geht auf die anderen beiden gar nicht ein. Ich antworte wieder darauf. Dann kommt nichts mehr.
    Das ist ein echter Klassiker, den ich immer wieder erlebe.

    Oder: Vor ein paar Monaten hat mich ein Freund angeschrieben. Er wollte mich UNBEDINGT mal wieder sehen und mich gerne mal für ein paar Tage besuchen, worüber ich mich gefreut hätte. Dafür hat er mir einen konkreten Zeitraum genannt, in dem er Urlaub hat (der mir auch passte) und wollte sich noch überlegen, an welchen Tagen innerhalb des Urlaubs es ihm am besten passen würde. Er hat geschrieben, dass er sich diesbezüglich wieder meldet. Aufgrund vielfacher Erfahrungen dachte ich mir schon, dass er mir entweder mitteilt, dass er doch nicht kommt oder dass er sich gar nicht mehr meldet. Ich habe auf letzteres getippt und genau so war es dann auch. Er hat es noch nicht mal für nötig gehalten, mir mitzuteilen, dass es doch nichts wird. Also kann es ja nicht so UNBEDINGT gewesen sein.

    Überhaupt bedeutet dieser Satz „Ich melde mich“ allgemein oft meiner Erfahrung nach, dass gar nichts mehr passiert. Und wenn ich dann nachhake (obwohl die andere Person sich melden wollte), bekomme ich keine Antwort mehr.

    Ich könnte noch viel mehr solcher Beispiele anbringen, aber das spare ich mir. Ich denke, dass deutlich wird, worum es mir geht. Es ist für mich gar kein Problem, wenn eine Antwort etwas dauert. Wie gesagt, ich selbst antworte auch nicht immer sofort, sondern wenn ich die Zeit und den Kopf dafür frei habe. Das heißt, kurze Sachen beantworte ich auch immer mal zwischendurch und längere Sachen meistens abends am PC. Und wenn es dann doch mal etwas länger dauert, gebe ich kurz Bescheid. Eine kurze Info (z.B. „Ich schaffe es gerade nicht und antworte dir in den nächsten Tagen“) dauert nur wenige Sekunden und kostet nichts.
  • Hallo @Igel_82,

    ich schreibe inzwischen auch nur noch wenig. Und ich merke, dass ich mich schon gar nicht mehr traue, überhaupt eine konkrete Frage zu stellen. Manchmal schreibe ich sogar noch dazu "Ich würde mich über eine Antwort freuen", wenn ich etwas frage. Was eigentlich total bescheuert ist, denn wenn ein Fragezeichen am Ende steht, impliziert das ja, dass ich eine Antwort möchte.

    Eigentlich halte ich WhatsApp (oder auch Facebook-Messenger oder E-Mail oder was auch immer) für gute Möglichkeiten der Kommunikation, weil man eben nicht sofort antworten muss, sondern sich das zeitlich passend legen kann und sich vorher auch inhaltlich genug Gedanken machen kann. Ich selbst habe auch kein Problem mit Telefonieren und finde das bei komplexeren Zusammenhängen auch einfacher, aber da der Alltag allgemein immer stressiger wird, ist es oft schwierig, einen passenden Zeitpunkt dafür zu finden, der beiden Beteiligten passt. Auch das ist ein Vorteil der schriftlichen Kommunikation, weil nicht beide zur selben Zeit bereit sein müssen, sondern man zeitversetzt kommunizieren kann.

    Jedenfalls ersetzt in meinem Umfeld WhatsApp immer mehr das Telefonieren. Umso enttäuschender ist es, wenn ich mich nicht darauf verlassen kann, dass ich überhaupt eine Antwort bekomme bzw. dass zuverlässig geantwortet wird. Und das ist leider der Fall.

    Tut mir leid, dass es dir auch so geht.
  • Hi @Herbstbube! Ich kenne, was du beschreibst. Allerdings gehöre ich auch oft zu der Fraktion, die nicht antwortet. Bzw. erst sehr spät - das können schon mal bis zu 3 Monate sein. Das liegt nicht am bösen Willen, sondern ist eher dem geschuldet, dass ich da tiefer gehen will und für Tiefe benötige ich Zeit für Gedanken, welche ja auch noch verständlich ausformuliert werden wollen. Tatsächlich bin ich bei Alltagskontakten, wie bei SchwieMu wesentlich schneller im Antworten, da es dabei im Wesentlichen mit Ja, Nein oder einer Terminfindung getan ist. Tiefere Fragen versuche ich inzwischen in Telefonate oder Treffen zu packen. Klappt oft nicht, da die Lebensumstände da querschießen. Wenn ich dafür Zeit habe, hat sie die andere Person nicht. Kehrt also wieder in die Kurz Nachrichten zurück, um nicht zu sterben. Dieses Dilemma zeigte sich erstmals, als mein Vater lange Zeit im KH verbrachte und ich mich um seinen Haushalt, Wäsche und Verpflichtungen kümmerte. Nun mit Kind und Job sowie einigen Krisen bin ich schlimmer als je zuvor. Kontakt benötige ich, Zeit habe ich jedoch nicht. Daher stehen Antworten aus, die Zeit verfliegt und die Alltags Chats übertünchen andere.
    Weil ich diesen Umgang mit Kontakten aber selbst nicht mag, versuche ich nun ein Langzeit Konzept. Klingt bescheuert, ist aber einen Versuch wert. Habe die betreffenden Kontakte einfach mal ins Bild gesetzt, was bei mir los ist und vereinbare Termine. So haben wir alle was von. Vielleicht ein Weg für dich, deine nichtantwortenden Kontakte persönlich zu treffen. Heute schon ein Date für Oktober finden und fixen. Eventuell schafft das dem Antwortfrust eine konstruktive Erleichterung.
  • Hallo @NomaDie,

    das ist auf jeden Fall ein guter Plan. Und was ich dabei gut finde, ist, dass du die betreffenden Personen wissen lässt, dass du sie nicht vergessen hast. Darum geht es mir halt auch … Rückmeldungen.

    Ich erwarte gar nicht, dass jemand sofort alles stehen und liegen lässt. Und mir ist auch klar, dass viele Menschen viel um die Ohren haben, während ich immer zusehe, dass mein Tag möglichst nicht so voll ist. Das ist mir völlig bewusst und dafür habe ich auch Verständnis und Geduld. Nur gar keine Antwort zu bekommen bin ich gerade total leid, weil das inzwischen leider der Normalfall ist. Und ich habe in der letzten Zeit immer mehr gelernt, anderen dann nicht mehr hinterherzulaufen. Und dabei mache ich die Erfahrung: Wenn ich anderen nicht hinterherlaufe, habe ich so gut wie keine sozialen Kontakte mehr, weil von sich aus kaum jemand auf mich zukommt. Dadurch fühle ich mich unwichtig und es zeigt mir, dass mich im Grunde niemand in seinem Leben braucht oder möchte. Klar lebe ich mein Leben für mich und nicht für andere, aber obwohl ich sehr gut mit mir allein zurecht komme, habe auch ich den Wunsch und das Bedürfnis nach freundschaftlicher Nähe.

    Feste Termine zum Telefonieren vereinbaren mache ich tatsächlich auch manchmal, wobei das dann auch gerne mal vergessen oder kurzfristig abgesagt wird.
  • Hallo @Herbstbube,

    ich bin auch ein Freund der schriftlichen Kommunikation, eben aus dem Grund, dass nicht beide Kommunikationspartner gleichzeitig verfügbar sein müssen. Ich kann auch nicht immer sofort antworten, aber ich antworte, wenn mich jemand was fragt. Ist mittlerweile allerdings eher zur Seltenheit gworden, dass jemand auf mich zukommt.
    Ich hab mich dann schon mal gefragt, ob ich selber den Kontakt vielleicht zu sehr schleifen lasse, weil sich niemand mehr meldet, war aber nicht so. Trotzdem habe ich dann einfach mal ausprobiert was passiert, wenn ich mich Melde und den Kontakt suche und dann einfach mal abwarte, ob sich bei mir auch mal wieder wer meldet. Das Warten war vergebens. Scheinbar bin ich im Leben anderer überflüssig. Deshalb bin ich es auch leid geworden, anderen hinterherzulaufen.

  • @Igel_82:

    Das ist dann ja genau so wie bei mir. Wie gehst du denn damit um? Beschäftigt dich das auch öfter oder hast du dich damit abgefunden?
  • Hallo @Herbstbube,

    richtig abgefunden hab ich mich damit nicht, es beschäftigt mich desöfteren schon sehr. Ich brauche zwar wie jeder introvertierte auch Zeit für mich alleine, die ich auch sehr genießen kann, aber ein paar Menschen (außerhalb der eigenen Familie), in derern Leben ich Platz habe, wären schon sehr schön.
  • Hallo @Herbstbube,

    Das klingt wirklich schlimm. Ich meine, ich gehöre auch manchmal zu denen, die ein bisschen auf eine Antwort warten lassen, weil ich manchmal zu viel um die Ohren habe und dann sogar oft überhaupt nicht online bin. Aber du schreibst ja selbst, dass das nicht das Problem ist. Ich finde auch, dass man zumindest eine kurze Info schicken kann, um zu zeigen, dass man, in diesem Fall dich, nicht vergessen hat. So mache ich es auch, oder ich kündige an, dass es in nächster Zeit sehr stressig wird. Ich finde eigentlich auch, dass man das schon verlangen kann und meiner Meinung nach ist es falsch, wenn du dir ein schlechtes Gewissen oder so einredest, weil du so etwas erwartest. Ein paar gute Tipps waren ja auch schon dabei. Nur wie man da drüber hinweg kommt ist so eine Sache. Bei zwei Freunden musste ich das im letzten Jahr leider auch machen. Ob ich richtig drüber hinweg bin, weiß ich nicht. Denn man fühlt sich ja wirklich so unwichtig. Aber da nur ein Gespräch zustande kam, wenn ich die Initiative ergriffen habe, hat es sich dann irgendwie auseinander gelebt. Denn man lernt ja, ohne die Gespräche und den Austausch mit der anderen Person auszukommen. Und durch dieses Auseinanderleben habe ich jetzt auch keine schlechten Gefühle der anderen Person gegenüber. Du solltest dir auf jeden Fall Zeit geben. Nur wenn es mehr oder weniger alle Kontakte betrifft, ist das wirklich blöd. Hast du die betreffenden Personen Mal direkt darauf angesprochen? Gesagt was dir wichtig ist, dass du gerne Kontakt hast aber auch, was dich derzeit so besorgt? Manche Menschen vergessen vielleicht, dass sich ihre Handlungen nicht nur auf ihr eigenes Leben auswirken.

    Liebe Grüße
  • Hallo @Igel_82,

    das kann ich total nachvollziehen und so geht es mir ja auch. Wobei es mir dabei nicht ausschließlich um mich selbst geht, sondern ich den anderen Personen auch gerne ein guter Freund sein möchte, der da ist und sich Zeit nimmt, was anderen aber nicht so wichtig zu sein scheint. Das finde ich so schade, dass heute niemand mehr wirklich Zeit hat. Ich habe den Eindruck, dass alle nur noch durch das Leben hetzen, von einem Termin zum nächsten. Und wer Zeit hat, wird komisch angeguckt, weil er keinen Stress hat und deshalb wohl ein langweiliges Leben haben muss.

    Das ist jetzt natürlich sehr pauschal und überspitzt ausgedrückt. Ich möchte nicht sagen, dass das immer so ist, aber es kommt mir oft so vor.
    Gestern z.B. habe ich abends mit einem Freund telefoniert, der mich gefragt hat, was ich in meinem Urlaub alles geplant habe. Da habe ich ihm erklärt (wie schon oft), dass ich es am liebsten mag, von einem Tag zum anderen zu leben und dann zu sehen, was der Tag bringt. Von außen betrachtet mag das für einen Extro langweilig erscheinen, aber ich selbst habe mit dieser Lebensweise keine einzige langweilige Minute (Antwort des Freundes: "Aber du musst doch irgendwas vorhaben!" - Ja, habe ich auch … Zeit haben und stressfrei leben … Intro halt). Und dadurch habe ich eben auch mehr Zeit für Kommunikation, was aber nicht heißen muss, dass andere auch Zeit haben.

    Trotzdem wage ich zu behaupten: Wenn man mit jemandem in Kontakt bleiben möchte, dann geht das auch irgendwie. Und daraus schließe ich: Wer sich gar nicht mehr meldet, braucht mich auch nicht. Was ja auch grundsätzlich okay ist, manchmal entwickelt es sich eben so. Aber im Moment ist das sehr geballt und fühlt sich deshalb nicht so toll an.

    Hast du denn die Möglichkeit, in deiner räumlichen Umgebung Menschen näher kennenzulernen, so dass du nicht so sehr auf digitale Kommunikation angewiesen bist?
  • Hallo @Henriette,

    danke für dein Verständnis.

    Ich frage mich tatsächlich, ob ich zu hohe Ansprüche habe, aber für mich ist das auch irgendwie selbstverständlich. Ich selbst bin sehr zuverlässig und verbindlich. Verabredungen halte ich ein und bin pünktlich. Wenn ich sage: „Ich melde mich heute Abend“, dann melde ich mich heute Abend. Und wenn mir jemand auf Whatsapp schreibt, dann antworte ich selbstverständlich … vielleicht nicht sofort, aber ich antworte.

    Und dann ist es einfach enttäuschend, immer wieder zu erfahren, dass Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit heute offenbar keine wichtigen Werte mehr sind. Es gab hier letztens auch schon mal ein Thema darüber. Ich finde, dass allgemein viel geredet, aber wenig gesagt wird. Es werden z.B. gerne große Reden geschwungen, dass man sich ja unbedingt mal wiedersehen sollte und was man alles mal machen könnte, und ich werde dann gerne konkret und möchte das dann auch planen, und plötzlich geht es dann doch nicht. Blablabla …
    Und da ich das immer wieder erlebe, da selbst aber anders bin (indem ich eben Verabredungen einhalte und nicht kurz vorher absage, pünktlich bin, mein Wort halte etc.), sehe ich schon, dass ich da aus dem Rahmen falle und frage mich deshalb, was ich falsch mache.

    Du hast natürlich recht, manchmal lebt es sich auseinander. Und in der Vergangenheit war ich auch oft derjenige, von dem die Initiative ausging. Das mache ich nun seit einiger Zeit nicht mehr so stark und stelle nun fest, dass die Resonanz insgesamt sehr bescheiden ausfällt. Bei mir ist es halt auch so, dass ich gar nicht viele Kontakte brauche, diese aber gerne intensiver und tiefergehender habe. Und seit ich mich zurückhalte, passiert da nicht mehr viel.

    Angesprochen habe ich das schon mal. Da kommt in der Regel eine Aufzählung, was die andere Person alles so um die Ohren hat, woraus ich schließe, dass die Person mir damit durch die Blume mitteilen möchte, dass für mich kein Platz mehr ist. Und da ich nicht so wirklich für mich einstehen kann und mich auch niemandem aufdrängen möchte, ziehe ich mich dann zurück, aber es bedrückt mich dennoch.
  • Hallo @Herbstbube,

    genau das möchte ich auch, einfach ein guter Freund sein. Aber wie du schon geschrieben hast, scheint das nicht mehr gefragt zu sein. Und dass man komisch angeguckt wird, wenn man nicht von einem Termin zum nächsten hetzt kommt mir ganz genau so vor.

    Die Frage mit den Urlaubsvorhaben kommt mich auch sehr bekannt vor. Manche Leute können es überhaupt nicht nachvollziehen, wenn man nicht jeden Urlaub wegfährt. Ich fahre durchaus gerne mal weg, aber ich bin auch gerne daheim oder mache einfach in der näheren Umgebung was schönes. Also habe ich für die meisten vermutlich auch ein stinklangweiliges Leben.

    "Wenn man mit jemandem in Kontakt bleiben möchte, dann geht das auch irgendwie" Dieser Behauptung stimme ich zu. Wenn man will, dann geht das. Bei mir betrifft das im Moment auch nicht nur einen Kontakt, sondern gleich mehrere, was ich auch nicht gerade toll finde.

    Wie ich leider immer wiederfeststellen muss, ist es nicht ganz einfach, in der näheren Umgebung nette Menschen zu finden, die man näher kennen lernen kann. Ich wäre schon über eine funktionierende digitale Kommunikation froh.

    Wie ist das bei dir in der räumlichen Umgebung?
  • Hallo @Herbstbube,

    Ich verstehe wirklich alles, was du schreibst, ich kenne es ja selber, leider. Ich würde aber erstmal sagen, dass du prinzipiell nichts falsch machst und auch nicht Schuld hast. Ich habe irgendwann gelernt, dass die Frage nach der Schuld eine ganz auswegslose ist und man lieber nicht nach der Schuld suchen sollte. Wobei ich es angenehmer finde, wenn man die Schuld bei sich sucht, als immer bei den anderen. ;) Wenn aber nun zwei Personen an etwas beteiligt sind, sind dann prinzipiell beide Schuld usw. In deinem Fall müsstest du dann sagen, dass du Schuld bist, weil du auf einen tiefgründigen Kontakt setzt und Zeit in Gespräche investierst. So sehe ich das. Weißt du, wie ich das meine? Ich verstehe dich, ich kenne es, aber ich lerne langsam, damit umzugehen. Ich habe viel über mich gelernt, als ich merkte, dass ich mich anders fühle, nicht ins Schema passe und nicht wie jeder bin. Und auch wenn man heute ach so sehr auf Individualität setzt, ist es doch nicht richtig geduldet. Du solltest dich fragen, ob du dich ändern willst, oder doch du selbst bleiben möchtest und eher an deinen Stärken arbeitest. Lange Rede, kurzer Sinn, denn wie dir das mit dem Kontakten helfen kann, ist leider nicht damit beantwortet. Vielleicht nur damit, dass du du selbst bleiben solltest. Führ dir vor Augen, was und wer dir wichtig ist. Schade, dass solche Reaktionen kommen, wenn du deine Bedenken direkt ansprichst. Denn kein Terminkalender ist so voll, dass man nicht nach spätestens einer Woche kurz schreiben kann, dass man dich nicht vergessen hat. Leider kann man niemanden ändern und man selbst will ja auch nicht permanent geändert werden. Für dich selbst, musst du daher wahrscheinlich bei dir anfangen. Wenn du jetzt direkt ein Treffen vereinbarst (vielleicht weißt du ja, dass einer deiner Kontakte Samstag Abend Zeit hat z.B.), würde das dann auch sofort zerschlagen werden?
  • @Igel_82:

    Urlaub soll ja der Erholung dienen, und wie du dich am besten erholst, weißt nur du selbst. Selbst wenn es für dich die beste Erholung ist, zwei Wochen lang im Bett zu liegen und dir die Decke über den Kopf zu ziehen, ist das völlig okay. Ich finde, es steht niemandem zu, darüber zu urteilen, wie jemand seinen Urlaub verbringt.

    Ich fahre auch nicht so oft weg, wohne aber in einer Urlaubsregion und habe somit total schöne Ausflugsziele direkt vor der Haustür. Gestern z.B. habe ich einen tollen Ausflug mit dem Fahrrad durch Felder und Wiesen und ans Meer gemacht und bin dabei insgesamt fast 40 Kilometer gefahren. Aber so was mache ich recht spontan, wenn ich Lust dazu habe. Ich kann mich am besten erholen und auftanken, wenn nicht jeder Tag schon mit Terminen und Buchungen voll ist. Mir ist auch schon mal direkt gesagt worden, dass sowas kein richtiger Urlaub sei. Ein Glück aber auch, dass ich selbst entscheiden kann, was für mich Urlaub ist.

    Ich habe auch Schwierigkeiten damit, in meiner räumlichen Umgebung Menschen näher kennenzulernen. An sich bin ich sehr umgänglich und mir wurde schon oft gesagt, dass ich sympathisch rüberkomme. Aber ich habe im Grunde eine Mauer um mich herum und es dauert ziemlich lange, bis ich jemanden da durchlasse. Bis dahin haben die anderen schon längst andere Kontakte geknüpft. Das bekomme ich online auch viel besser hin.
  • Hallo @Henriette,

    das ist wohl ein Missverständnis. Mir geht es gar nicht um Schuld, sondern ich frage mich, was ich falsch mache und anders machen kann, damit es auch mal besser klappt. Ich denke halt (subjektiv gesehen), da ich sowas immer wieder erlebe, muss es irgendwie an mir liegen, dass ich eine schreckliche Person bin oder so. Dabei wird mir öfter gesagt, dass ich sehr sympathisch sei. Und dann frage ich mich: Wenn ich angeblich so sympathisch bin, warum möchte mich dann niemand langfristig in seinem Leben haben? Wo liegt der Fehler?

    Das geht mir auch so wie dir, dass ich viel über mich gelernt habe, seit ich weiß und akzeptiere, dass ich introvertiert bin und mich genauer damit auseinandergesetzt habe. Und ich setze mich auch immer noch weiter damit auseinander, denn ich habe Interesse an psychologischen Themen, die mich selbst betreffen. Dadurch verstehe ich seit einigen Jahren immer mehr und finde mich inzwischen doch insgesamt ganz gut so wie ich bin. Und dadurch bin ich auch ich selbst. Die Maske, die ich früher mal getragen habe, gibt es schon lange nicht mehr.

    Andere Menschen ändern kann und möchte ich gar nicht. Ich kann mich und meine Einstellung nur selbst ändern und an mir arbeiten. Und das tue ich seit einiger Zeit auch, in mehrerlei Hinsicht. Gerade in den letzten zwei Jahren habe ich einige Schritte gemacht, die ich mich vorher nie getraut hätte. Und ich spüre, dass ich immer noch in einem Prozess und auch auf dem richtigen Weg bin. Ich denke schon, dass ich insgesamt stolz sein kann auf das, was ich in der letzten Zeit geschafft habe.

    Was das Thema Freundschaften und allgemein Kontakte angeht, so begleitet mich das schon mein ganzes Leben. Ich war schon so oft derjenige, der am Ende allein dasteht. Aber auch da merke ich, dass ich in einem Veränderungsprozess bin, weil ich versuche mich damit abzufinden und mir das auch immer besser gelingt. Trotzdem ist die Sehnsucht nach intensiveren zwischenmenschlichen Kontakten da und bringt mich dann zu solchen Gedanken, die mich dieses Thema eröffnen ließen.

    Jedenfalls tut es mir gut, darüber zu schreiben und auch zu merken, dass es Menschen gibt, die das nachvollziehen können.

    Zu deiner Frage: Inzwischen traue ich mich schon gar nicht mehr, überhaupt nach einem Treffen zu fragen, weil ich denke, dass sowieso wieder kurz vorher abgesagt wird. Ich weiß, dass das total blöd ist, denn dann kommt es natürlich erst recht nicht zu einer Verabredung. Es ist halt eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.
  • Hallo @Herbstbube,

    genau, jeder kann seinen Urlaub so verbringen wie er möchte. Ich habe auch das Glück, die Urlaubsregion dirket vor der Haustüre zu haben, die mir viele schöne Ausflugsziele bietet.

    Das mit der Mauer um dich herum verstehe ich total, geht mir nämlich genauso. Ich drück dir jedenfalls die Daumen, dass du vielleicht doch noch gute Kontakte in deiner Umgebung findest!
  • Hallo @Herbstbube,

    Das klingt schon alles sehr gut und ich denke auch, dass es der richtige Weg ist. Ich wollte dir auch nur mitgeben, dass es an sich richtig ist, erstmal bei sich zu gucken, dass es aber nicht heißen muss, dass du etwas falsch gemacht hast. Die Situation ist und bleibt jedoch sehr vertrackt. Das ist wirklich schwierig, zumal, wenn es dein ganzes Leben schon so läuft. Klar, dass du dann auch den Mut verlierst, in dieser Hinsicht weiter die Initiative zu ergreifen. Vielleicht hast du ja irgendwann nochmal den Mut dazu und vielleicht ist dann genau der richtige Zeitpunkt. Leider fällt mir im Moment dazu nichts Besseres ein.
  • Hallo @Igel_82,

    dankeschön, das wünsche ich dir auch.

    In den 14 Monaten, die ich hier schon lebe, habe ich durchaus schon Menschen kennengelernt, aber bisher hat sich noch nichts im Sinne einer Freundschaft (so wie ich sie verstehe, also tiefgründig) ergeben. Die Mauer sehe ich eben auch von zwei Seiten. Einerseits dient sie dem Selbstschutz, aber andererseits dauert es auch lange, bis ich jemanden durchlasse. Allerdings hat eine solche Person dann auch mein vollstes Vertrauen und meine Loyalität. Aber soweit kommt es leider sehr selten, weil die anderen bis dahin eben schon längst andere Kontakte haben.

  • Hallo @Henriette,

    wenn ich mein Leben und meine persönliche Entwicklung in der letzten Zeit betrachte, kann ich mich gar nicht großartig beschweren. Es ist in den letzten Monaten vieles gut gelaufen. Ich habe mein Leben insgesamt gut im Griff und bekomme eine ganze Menge gewuppt.

    Nur wünsche ich mir wieder mehr Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit. Ich bin kein Verfechter von "Früher war alles besser", aber das hat meiner Ansicht nach früher tatsächlich eindeutig besser geklappt. Eigentlich sollen die heutigen technischen Möglichkeiten das Leben vereinfachen, aber im Grunde wird es komplizierter, weil sich viele alle Optionen offen halten, man ist ja immer und überall online und kann dann auch mal schnell wieder absagen oder auch einfach gar nicht mehr antworten. Und dann bedenken einige auch nicht, dass das Auswirkungen bei der anderen Person haben kann, weil diese ja auch plant.

    Letztes Jahr bei meinem Umzug hat mir z.B. eine Person von sich aus (!!!) angeboten, mir beim Streichen meiner alten Wohnung zu helfen. Eine Woche lang stand die Planung, und dann kam die Absage am Abend vorher um 22 Uhr. Die Person war nicht etwa spontan erkrankt, sondern es hatte sich eine bessere Freizeitbeschäftigung ergeben. Ich dagegen war unter Zeitdruck und hatte die Person mit eingeplant. Wenn ich das früher gewusst hätte, hätte ich anders geplant. Ich selbst wäre noch nicht mal auf die Idee gekommen, eine andere Verabredung einzugehen (und auch noch so kurzfristig), wenn ich jemandem schon meine Hilfe zugesagt habe.

    Inzwischen könnte ich sicher schon ein ganzes Buch mit solchen Beispielen füllen (aber das interessiert sicher niemanden ;-P). Und das Nicht-Beantworten von digitalen Nachrichten gehört auch dazu.

    Mir wurde auch schon öfter gesagt, dass das nicht an mir liegt, dass das nicht so zuverlässig klappt. Also es gab schon Personen, die mir das mitgeteilt haben, dass es an ihnen selbst liegt. Aber weil es gerade mal wieder so gehäuft vorkommt, bilde ich mir ein, dass es an mir liegen muss. Momentan habe ich z.B. einen (derzeit leider auch etwas schleppend verlaufenden) sehr netten Kontakt über WhatsApp, bei dem die Person mich mal darauf hingewiesen hat, dass es sein kann, dass der Kontakt irgendwann mal abbricht. In diesem Fall würde es an ihr liegen und ich solle es auf keinen Fall persönlich nehmen. Das macht mich halt auch schon wieder skeptisch.

    Vielleicht habe ich auch einfach nur eine magische Anziehungskraft für solche Menschen. ;-)

    Vielen Dank jedenfalls für deinen Hinweis, dass es nicht zwingend an mir liegen muss. Das holt mich wieder etwas auf den Boden zurück. :-)
  • edited August 31
    @Herbstbube: Mit Verlaub, aber ich finde es ein bisschen vermessen, von Anderen eine Antwort zu erwarten, und sei es noch so eine kleine. Denn du weisst einfach nicht, was die Beweggründe deines Gegenübers sind, zu schweigen.

    Ich zum Beispiel habe auch schon öfters geschwiegen. Weil ich infolge meiner täglichen Verpflichtungen vollkommen ausgelaugt war. Ich war nicht imstande zu selbst einem jener kurzen Entschuldigungssätze, wie du ihn dir wünschst von Jenen, die dich anschweigen.

    Ich gebe dir und Allen, die ähnlich empfinden, einen gut gemeinten Rat: Macht euer Wohlbefinden nicht von Anderen abhängig. Erwartet nicht, dass andere eure Maßstäbe teilen, denn damit macht ihr euch unglücklich. Findet in euch Frieden, und nehmt Andere, wie sie sind.

    Und ganz besonders, bedenkt: Was ihr an euch zu ziehen versucht, das stößt ihr ab. Was ihr aber loslasst, kann aus freien Stücken den Weg zu euch finden.

    Gelassenheit findet sich im Loslassen...
  • edited August 31
    Hallo @Peloquin,

    es mag durchaus vermessen erscheinen und ich habe sicher auch eine gewisse Anspruchshaltung. Ich möchte aber nochmal herausstellen, dass es mir nicht darum geht, SOFORT eine Antwort zu bekommen, sondern ÜBERHAUPT. Natürlich hast du recht damit, dass ich die Beweggründe nicht kenne, dennoch habe ich grundsätzlich ein recht ordentliches Maß an Geduld und Verständnis, z.B. auch dafür, wenn jemand ausgelaugt ist.

    Nur GAR KEINE Antwort (also auch nicht fünf Tage später oder so, sondern eben gar nicht) finde ich nicht gerade wertschätzend. Wobei ich hier Häufungen meine und keine Einzelfälle. Es geht auch gar nicht immer alles von mir aus. Manchmal kommt es vor, dass jemand anderes einen Chat startet und dann nicht mehr antwortet, obwohl das Thema (das er ja selbst begonnen hat) noch gar nicht beendet ist.

    Ich richte mich schon nach den einzelnen Personen. Wenn ich z.B. weiß, dass jemand WhatsApp so gut wie gar nicht nutzt, erwarte ich auch nicht, dass ich dort eine Antwort bekomme und richte mich entsprechend danach.

    Ich bin über deinen Begriff "Entschuldigungssätze" gestolpert, denn ich erwarte gar keine Entschuldigung. Mag aber sein, dass es letztlich auf dasselbe rauskommt. Jedenfalls geht es mir gar nicht darum, eine Erklärung oder Entschuldigung zu bekommen, sondern ein einfaches "Melde mich später / morgen / die nächsten Tage / … (was auch immer)" reicht mir schon, wenn die andere Person absehen kann, dass eine Antwort etwas länger dauert. Ich kann dieses "etwas länger" und "nicht sofort" aber auch nicht in konkreten Zeitangaben ausdrücken. Jedenfalls brauche und möchte ich keinen roten Teppich, sondern wünsche mir einfach nur eine kurze realistische Info, wenn absehbar ist, dass es mit einer Antwort etwas dauern kann.

    Das ist meine persönliche und rein subjektive Sichtweise. Ich erhebe damit keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit und freue mich deshalb auch über gegenteilige Meinungen, weil ich dadurch auch mein Blickfeld erweitern kann.

    Im Loslassen übe ich mich gerade. Früher war das für mich äußerst schwierig, während es mir inzwischen leichter fällt und ich anders damit umgehe. Von 100 Prozent bin ich sicher noch weit entfernt (sonst würde ich mir diese ganzen Gedanken auch gar nicht machen), aber ich merke schon eine positive Entwicklung und denke und hoffe, dass ich mich da auch noch weiterentwickeln werde.

    Mir ist bewusst, dass ich für mein Leben und mein Glück selbst verantwortlich bin. Aber wie geschrieben … ich bin auf dem Weg und übe weiter. :-)
  • Ich muss in 8 Minuten zur Arbeit, deshalb nur ganz kurz: Ich kann deine Frustration nachvollziehen, aber dass Menschen dir nicht antworten, kann eine Vielzahl von Gründen haben, die nichts mit deiner Person zu tun haben müssen. Dies weiss ich aus eigener Erfahrung. Mein Rat: rechne mit Allem, aber erwarte nichts, das ist das beste, was du tun kannst.
  • Hi @Herbstbube,
    du triffst mit dem Thema bei mir voll ins "Schwarze"!!! Seitdem ich den Beitrag gelesen habe, und auch die Antworten dazu, merke ich, dass ich mit dem Problem nicht allein bin...das tut gut...
    Ich möchte dir einfach mal schreiben, zu welcher Erkenntnis ich gekommen bin und wie es mir mit dem Thema geht.
    Ich persönlich bin ein Mensch, der gerne "gute" Kontakte hat, nachhaltige, tiefgründige und ich bin sehr an dem Gegenüber interessiert. Für mich sind diese Kontakte wichtig und für mich ein Bedürfnis. Das hat nichts mit Abhängigkeit von anderen zu tun, sondern das gehört einfach zu mir.

    Vor ungefähr 1-2 Jahren habe ich gemerkt, dass sich etwas verändert hat. Langjährige Kontakte werden weniger bzw. oberflächlicher. Da ich immer zuerst die Ursache bei mir suche, ging es mir nicht gut damit. "Was habe ich falsch gemacht, wie habe ich mich verändert, warum nehmen all diese Kontakte ab? Das hat mich sehr an mir selbst zweifeln lassen....Aber mittlerweile habe ich mich intensiv mit verschiedenen Perspektiven auseinander gesetzt und versuche dies mal hier in Worte zu fassen.
    Ich habe eine Weile damit zu kämpfen gehabt, dass ich überflüssig bin...Die Menschen um mich rum schienen zufrieden, nur ich war irgendwie überflüssig, wie ein Puzzleteil aus einem anderem Puzzlespiel, das nicht gebraucht wird. Irgendwie schien es so, als hätten sich die Spielregeln fürs Zusammenleben geändert, doch ich habe die neuen Regeln nicht verstanden...weißt du, was ich damit meine?

    Generell habe ich mich dazu entschieden, WhatsApp, SMS und email für keine langen Diskussionen mehr zu nutzen. Es eignet sich max. zu einer Terminabstimmung oder zu einer kurzen Frage.

    Die Ursache für diese Problem ist aus meiner Sicht folgendes. Der Alltag bietet alle Möglichkeiten, viel Stimulation, viele Aufgaben und Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. Man kann unmöglich allem gerecht werden, aber für mich gibt es drei Varianten, wie man damit umgehen kann...

    Die erste Variante zeigt sich bei Menschen, die versuchen, immer mehr in ihr Leben zu packen, immer schneller alles zu erfüllen. Das erlebe ich besonders bei der Arbeit. Hier wird so oft gesagt: Ich melde mich! oder Ich kümmere mich darum!, doch diese Worte werden nur gesagt, sie haben keine Bedeutung. Diese Worte werden benutzt, um dem Umfeld zu zeigen, ich habe alles im Griff...doch letzten Endes stimmt das nicht. Es fällt vieles hinten runter, Dinge werden gesagt, versprochen, aber diese Worte werden inflationär benutzt. Vielleicht möchte die Person das alles schaffen, aber das ist unmöglich. Jeder hat nur eine gewisse Kapazität frei. Somit wird nur noch das gemacht, das einem augenscheinlich weiterbringt. Aber letzten Endes wird alles nur oberflächlicher...
    Worte sind "kostengünstig". Sie halten den Schein aufrecht, kosten wenig Zeit, aber die Handlung bleibt aus. Auch wenn die Person, die die Aussage getroffen hat, das eigentlich möchte, es aber aus Zeitgründen nicht schafft.
    Ich hoffe, dass das jetzt nicht allzu wirr klingt.
    Ich persönlich kann damit nicht umgehen. Ich bin verlässlich, wenn ich sage ich kümmere mich darum, dann mache ich das auch.
    Ich gehöre somit zu der zweiten Variante. Ich möchte nicht alles in mein Leben packen, sondern ich möchte an tiegründigen, detaillierten Dingen festhalten. Ich möchte Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, bei mir bedeuten Worte so viel wie Taten...
    Mit den Menschen aus der ersten Variante kann ich das nicht aufbauen, weil ich hier den Worten nicht trauen kann, bei mir kommt dann ein Gefühl des Belogenwerdens auf. Diese Menschen sind aus meiner Sicht dann auch mit oberflächlichen Kontakten zufrieden, die mich aber nicht ausfüllen. Somit sitze ich manchmal unter Freunden und merke, das ich nicht mehr dazupasse. Die Gespräche interessieren mich nicht, die Themen sind nichts für mich und wenn ich etwas dazu beisteuere, werde ich nicht verstanden. Somit lösen sich gerade viele Freundschaften und ich muss lernen diese loszulassen.
  • ...Menschen der zweiten Variante suchen tiefe Verbindung und brauchen diese auch. Es macht mich glücklich, es ergänzt mich, hat aber nichts mit Abhängigkeit zu tun. Doch wie findet man solche Menschen, die genauso denken? Ich glaube, man begegnet einfach wenigen im Alltag davon.
    Die Menschen der dritten Variante wären hier wahrscheinlich am passendsten. Es sind Menschen, die das tiefgründige, nachhaltige mögen, aber aufgrund der lauten Welt, sich nach einem anstrengenden Arbeitstag, lieber allein zurückziehen, um wieder Kraft zu tanken. Ich bin auch gerne allein, aber wie oben beschreiben, benötige ich aus den sozialen Kontakt. Somit begegnet sich Mensch 2 und Mensch 3 nur noch selten. Der Vorteil hier ist, dass diese Menschen mit dem Alleinsein besser klarkommen, bzw. diese Zeit auch für sich brauchen als Ausgleich.

    Es macht es somit schwerer den passenden Kontakt zu finden.
    Doch keiner dieser Menschen geht falsch mit der Situation um, nur eben anders. Auch ich habe mich verändert, da ich in dieser schnellen, lauten Welt mich auf die wichtigen, bedeutenden Kontakte fokussieren will. Früher war ich der Organisator/Initiator, aber auch ich habe nur noch Zeit für das, was mir wirklich am Herzen liegt. Und schon sind die Kontakte weg, die sich auf mich verlassen haben.
    Ich möchte dir damit sagen, dass es nichts damit zu tun hat, dass du nicht "gut" genug bist, für mich gehen die Menschen zur verschieden mit dem großen Angebot der "Möglichkeiten" in dieser Welt um, damit bleiben weniger Möglichkeiten auf den richtigen zu treffen.
    Ich versuche damit klar zukommen, mich gerade in einer Phase zu befinden, wo ich als Topf ohne passenden Deckel unterwegs bin. Das heißt aber nicht, dass der Topf unnötig ist. Schwierige Zeiten, aber ich hoffe ich kann dir mit meiner Sichtweise etwas weiterhelfen.
    Ich möchte hier keine Kategorien für Menschen herleiten, für mich war es die einzige Möglichkeit zu verdeutlichen, was ich ausdrücken möchte...wollte damit aber niemanden in eine Schublade stecken.
    @Herbstbube: Wünsche dir alles Gute und ich hoffe darauf, wie @Peloquin geschrieben hat, dass die Gelassenheit sich im Loslassen finden wird.

    Liebe Grüße
    Ambi
  • @Peloquin:

    "Mein Rat: rechne mit Allem, aber erwarte nichts, das ist das beste, was du tun kannst."

    Das ist meiner Meinung nach leider die traurige Entwicklung unserer Gesellschaft.
  • edited September 1
    Hallo @Ambi,

    das tut mir gerade richtig gut, so sehr verstanden zu werden. Ich kann mich mit deinem Beitrag voll und ganz identifizieren. Denn es geht mir auch um die von dir beschriebenen „guten“ Kontakte. Das ist bei mir genau so, dass ich sehr an den Menschen, die ich mag, interessiert bin, und dann kann ich mir auch ziemlich viel über sie merken. Für mich sind solche tiefgründigen und nachhaltigen Kontakte eben auch essenziell.

    Diese Veränderung, dass in den letzten Jahren alles immer oberflächlicher wird, merke ich auch, deshalb mache ich mir auch diese ganzen Gedanken. Meiner persönlichen Erfahrung nach ist diese Entwicklung noch relativ neu. Ich finde schon, dass es früher mehr Zuverlässigkeit gab. Und ich sehe das auch so, dass das mit der Reizüberflutung zu tun hat, vor allem mit der technischen Entwicklung. Wie erwähnt, jeder ist immer und überall online und erreichbar. Da ergibt sich spontan auch mal was „Besseres“, so dass die ursprüngliche Verabredung eben kurzfristig abgesagt wird.

    Ich habe das vor allem an Geburtstagen gemerkt, sowohl an meinen eigenen, als auch an denen anderer Personen. Noch vor wenigen Jahren sind die Leute, die ich eingeladen hatte und die zugesagt hatten, auch wirklich erschienen. Und dann begann vor wenigen Jahren der Trend, dass von den Leuten, die fest zugesagt hatten (bei rechtzeitiger Planung), der Großteil an dem Tag selbst kurzfristig abgesagt hat. Auch bei anderen Personen, bei denen ich selbst zum Geburtstag eingeladen war, war das so. Da wurde geplant und ein entsprechend umfangreiches Buffet angerichtet und sich damit richtig viel Mühe gegeben, und dann fällt den Leuten sehr spontan ein, dass sie doch nicht kommen wollen, obwohl sie zwei Wochen lang ihre Zusage gehalten haben. Und ich meine hier nicht eine oder zwei Absagen wegen Krankheit, sondern dass mehr als der Hälfte spontan einfällt: „Ach nee, doch nicht.“ Ich bemerke das auch in anderen Bereichen und eben auch am Kommunikationsverhalten, aber Geburtstage waren der Auslöser, an dem ich gemerkt habe, dass sich da was verändert.

    Und auf die Kommunikation trifft das auch zu. Ich schätze dieses relativ neue Verhalten auch wie du auf einen Zeitraum von ca. zwei Jahren ein. Ich finde, dass es eine echte Mentalität ist, die sich da entwickelt hat und immer noch weiter entwickelt, allgemein eine Mentalität der Unzuverlässigkeit und hier speziell auf das Thema bezogen eben eine Mentalität des Nicht-Antwortens. Und da fühle ich mich auch oft überflüssig und nicht gebraucht. Dein Beispiel mit dem Puzzle und dem Teil, das nicht da rein passt, finde ich da sehr treffend.

    Dieser inflationäre Gebrauch von Worten, den du beschreibst, nervt mich auch zunehmend. Ich nenne das „leere Worte“. Es gibt dazu auch ein passendes Sprichwort: „Die Taten einiger Menschen beweisen, dass ihre Worte nichts wert sind“ oder so ähnlich. Wobei ich hier „Taten“ sogar durch „Nicht-Taten“ ersetzen würde. Und das kann ich an bestimmten Personen festmachen, ob ich mich auf ihr Wort verlassen kann oder nicht. Nur leider werden die Personen, auf deren Wort ich mich verlassen kann, immer weniger. Ich selbst stehe zu meinem Wort und biete Zuverlässigkeit und Verbindlichkeit und finde das genau wie du selbstverständlich. Deshalb übe ich mich auch gerade darin, die Personen, auf die ich mich nicht verlassen kann und die deshalb auch nur oberflächliche Kontakte darstellen, loszulassen. Es fällt mir nicht leicht, aber es gelingt mir immer besser.

    Ich wünsche mir ebenfalls mehr Kontakte zu Menschen, mit denen ich ähnliche grundsätzliche Dinge teilen kann, wie eben Tiefgründigkeit, Nachhaltigkeit und gegenseitiges Interesse aneinander. Ich finde es auch nicht schlimm, eine Zeit lang ein „Topf ohne Deckel“ zu sein. Wie erwähnt, komme ich grundsätzlich gut durchs Leben und weiß eine ganze Menge mit mir allein anzufangen. Nur dadurch, dass ich in der letzten Zeit immer mehr loslasse und mich mit der Initiative immer mehr zurückhalte und von anderen kaum Initiative erfahre, fühle ich mich momentan wie das von dir erwähnte „falsche Puzzleteil“, eben überflüssig und nicht gebraucht. Andererseits kann aber auch gerade das neuen Platz und neue Energie für passendere Menschen schaffen. Bleibt nur noch die kleine Aufgabe, diesen zu begegnen und sich kennenzulernen.
  • SanSan
    edited September 5
    "Mein Rat: rechne mit Allem, aber erwarte nichts, das ist das beste, was du tun kannst."

    Das ist meiner Meinung nach leider die traurige Entwicklung unserer Gesellschaft.

    Ich sehe im "nichts erwarten" keine traurige Entwicklung sondern das Recht und Privileg eines jeden Menschen, zu lernen, frei von Erwartungen zu sein. Das betrifft beides, Erwartungen an Andere zu stellen oder von Anderen eine Erwartungshaltung herangetragen zu bekommen. Beides nicht zu haben, bedeutet für mich Freiheit.

    Erwartungen sind für mich etwas Schlechtes, das sich als etwas Gutes tarnt. Zumindest im allgemeinen Verständnis der Gesellschaft.

    Ich bin mental nicht auf der Höhe und kann es nicht zu genüge ausführen, als dass ich zufrieden mit meiner Antwort wäre.
    Deshalb verlinke ich hier nur einen Artikel, der das Ganze meiner Meinung nach recht gut zusammenfasst:
    https://www.honigperlen.at/2017/09/befreie-dich-von-erwartungen/

    Edit: Ich wünschte, sie wäre im Artikel mehr auf das eigentliche Thema der Erwartungen, und was sie mit einem anstellen, eingegangen. Verständnis für eine Sache führt eher dazu, dass man ein dadurch entstandenes Problem angehen kann und möchte.
    Ich bin auch gerade nich fit genug, mich durch ein dutzend Artikel zu lesen und mir denjenigen herauszusuchen, der das Thema meiner Meinung nach am besten beleuchtet. Wer weiß, ob der dich dann überhaupt anspricht. Dafür, zu raten, fehlt mir die Kraft. Deshalb mein Rat: falls du an deiner Situation etwas ändern willst, google "Erwartungen loslassen" und lies dich durch die Texte und Artikel und lasse dich darauf ein, was dort steht.
    Wir hier im Forum haben nur die Möglichkeit, dir mentale Unterstützung und die Versicherung zu geben, dass du mit deiner Enttäuschung nicht alleine bist. Das Problem, das dieser Enttäuschung zugrunde liegt, muss aber jeder von uns selber und alleine für sich angehen. Und das liegt in der Erwartung.
    In der Erwartung, dass etwas anders laufen sollte, als es gelaufen ist.
  • Hallo @San,

    danke für deinen Beitrag.

    Ich stimme mit dir überein, dass Enttäuschung das Ergebnis falscher Erwartung ist. Aber ich tue mich äußerst schwer mit dem Gedanken, gar nichts mehr zu erwarten. Inzwischen ist es schon so, dass ich im Vergleich zu früher meine Erwartungen deutlich reduziert habe. Aber das hat mit den Erfahrungen zu tun, die ich immer wieder mache. Vielleicht mache ich diese ganzen Erfahrungen aber auch immer wieder, weil ich da eben noch was lernen soll.

    Ich unterscheide zwei Arten von Erwartungen: zum einen solche, über die gar nicht gesprochen wird, die ich einfach erwarte, weil ich sie erwarte. Und dann solche, die darauf beruhen, dass mir jemand etwas zugesagt hat. Die erste Kategorie sind meiner Meinung nach „falsche“ Erwartungen, weil sie auf meinen Vorstellungen beruhen. Und mich davon zu lösen, halte ich nicht nur für gut, sondern auch für notwendig. Mit der zweiten Kategorie habe ich aber so meine Schwierigkeiten, denn ich halte es durchaus für eine traurige Entwicklung, sich nicht auf Worte verlassen zu können. Mag aber auch daran liegen, dass ich selbst nicht einfach so unbedarft eine Zusage gebe, sondern erst, wenn ich weiß, dass ich sie auch einhalten kann und möchte.

    Auch wenn ich in dieser Hinsicht gerade ziemlich stur erscheinen mag, so bin ich da nicht so starr. Ich bin durchaus daran interessiert, mich mit diesem Thema weiter auseinanderzusetzen und da noch weiter an mir zu arbeiten. Und ich denke, dass ich da auch auf dem Weg bin, denn einiges habe ich auch schon geschafft.

    Nur bin ich im Moment noch sehr weit entfernt davon, es als Freiheit anzusehen, keine Erwartungen zu haben. Ich verstehe schon, was du meinst und ich habe darüber auch schon was gelesen, aber der Gedanke ist mir im Moment doch sehr fremd. „Erwartung“ ist auch ein starker Begriff, den ich in Bezug auf mich auch hin und wieder durch „Wunsch“ ersetzen würde, bzw. sind viele Erwartungen, die ich früher hatte, heute „nur noch“ Wünsche.

    Wie bereits erwähnt, kann und möchte ich mein Leben selbst und eigenverantwortlich leben. Ich komme grundsätzlich gut zurecht. Dennoch finde ich nichts Falsches daran, auch einen starken Zusammenhalt mit anderen Menschen spüren zu möchten.

    Ich glaube, dass ich den Artikel sogar schon mal gelesen habe. Jedenfalls war ich schon mal auf der Seite und der Artikel kommt mir bekannt vor. Ich werde mich auf jeden Fall weiterhin mit dem Thema beschäftigen. Und zu wissen, dass ich doch nicht der Einzige damit bin, tut mir auf jeden Fall schon mal gut.
  • edited September 6
    Ein interessantes Thema bezüglich Kommunikation hast du da aufgegriffen.
    Nach dem, was schon gesagt wurde hier nochmal ein Blick aus einem anderen Winkel:

    Wenn man sich klarmacht, dass alles nur als Gegensatzpaar erscheinen kann, so wird alles zum Spiegelbild. Die Tatsache der Nicht-Antwort ist das Gegenstück zur zuverlässigen (fast) Sofort-Antwort. Es gehört zusammen und gehört beides zu dir. Allerdings akzeptierst du nur die eine Seite, die andere gefällt dir nicht. Könntest du dich mit ihr anfreunden, so wäre die leidvolle Einseitigkeit aufgehoben.
    Klingt vielleicht theoretisch und ist es ja auch. Es ist nur ein Hinweis.

    Kommunikation findet ja immerzu statt, ob wir es wollen oder nicht. Und es ist ein wunderbarer Aspekt des Lebens. Antworten schreiben und zu erhalten ist eins der größten Vergnügen, bereichernd und lehrreich. Manchmal wie ein match, am Ende reicht man sich die Hand. Wenn sich Übereinstimmung zeigt gibt's nichts mehr zu sagen und hört auf. Danke...

    Ich kenne in diesem Zusammenhang die Gefühle von Wertlosigkeit nur zu gut und es gab gar keine andere Möglichkeit als vorwärts zu drängen, um endlich da raus zu kommen.

    So läuft's eben, genau so, und dazu 'ja' sagen zu können ist der Schlüssel,
    und du @Herbstbube benutzt ihn ja bereits. Freu dich!
  • @Herbstbube
    Sprechen wir von Erwartungen, die nicht erfüllt werden oder eher von fehlender Verlässlichkeit oder Worte, die ihr Bedeutung verlieren, weil sie inflationär benutzt werden? Ich verliere einfach das Vertrauen in andere, weil das Gesagte keinen Inhalt mehr hat...
  • Hallo @Fanny,

    danke für deinen Beitrag.

    Ja, es gefällt mir nicht, wenn ich keine Antwort bekomme, während ich das Gegenstück, also die sofortige Antwort, akzeptiere. Und ich akzeptiere auch Nuancen dazwischen und habe auch Verständnis, wenn jemand eine schwierige Phase hat oder was auch immer. Und ich merke, dass ich zwar immer gelassener damit umgehe, keine Antwort zu bekommen, aber wirklich akzeptieren kann ich es bisher nicht.

    Einzelfälle würden mir auch gar nichts ausmachen. Nur ist es im Moment so, dass es sehr gehäuft vorkommt und ich mich genauso gehäuft zusammenreiße, nicht hinterherzulaufen. Und das sehe ich als positive Entwicklung, denn das war nicht immer so. Aber ich möchte mich einfach auch nicht mehr so klein machen wie früher. Und deshalb bin ich mir sicher, dass ich da auch noch weitergehen kann und es eines Tages (das klingt genauso bescheuert wie „irgendwann“, aber ich kann es halt auch nicht genauer bezeichnen) schaffen werde, leichter loszulassen und es auch als Freiheit anzusehen, wie San es beschrieben hat.
  • edited September 6
    Hallo @Ambi,

    für mich gehört das irgendwie alles zusammen. Ich würde das jetzt nicht alles als dasselbe bezeichnen, sehe da aber doch viele Ähnlichkeiten. Bisher habe ich da in diesem Thread keinen Unterschied gemacht und es geht sicher auch etwas drunter und drüber, weil ich von der digitalen Kommunikation ausgegangen bin und dann auch auf Zuverlässigkeit im Allgemeinen erweitert habe.

    Ich sehe Zuverlässigkeit als selbstverständlich an, deshalb erwarte ich sie auch von anderen. Und wenn ich die Erfahrung mache, dass ich mich (sehr allgemein ausgedrückt) auf die meisten Menschen in meinem Umfeld nicht verlassen kann, sind das jeweils Erwartungen, die nicht erfüllt werden. Und das bedeutet auch, dass Worte inflationär benutzt werden, weil mir z.B. immer wieder Dinge zugesagt werden, die dann doch nicht eingehalten werden. Und dann ist das auch bei mir so, dass ich das Vertrauen verliere, weil ich den Worten einfach nicht mehr glauben kann.

    Oder worauf wolltest du mit der Frage hinaus? Wo sind da für dich die Unterschiede?
  • ...wie beschreibe ich das am Besten...da muss ich überlegen....
    Eine Erwartung an jemanden anderen kann man so verstehen, dass es ein Wunsch an jemand anderen ist...
    Wenn jemand etwas sagt, ausspricht, in Worte packt, sollte man darauf vertrauen können, dass die Worte so gemeint sind....
    Für mich ist das grundlegend, dass Kommunikation funktioniert...
    Aber letzten Endes kann man das auch als eine Erwartung sehen...
    Ich glaub, ich geh nochmal überlegen :-)
  • @Ambi:

    Das sehe ich soweit auch so. Aber du hattest doch bestimmt etwas im Sinn, als du die Frage formuliert hast, denn sonst hättest du sie ja nicht gestellt. Und das interessiert mich jetzt schon. Aber nimm dir natürlich gerne die Zeit zum Überlegen.
  • Schwierig...ich finde wohl gerade nicht die passenden Worte...
    Die Entwicklung, keine Erwartungen mehr zu haben ist schein schlimm genug...
    Wenn wir aber auch nicht mehr den Worte, dem Gesagten vertrauen können u d somit keine Verlässlichkeit und kein zuverlässiges Kommunikationsmittel mehr haben, macht das jede Kommunikation unnötig...das ist für mich noch weitaus dramatischer...besser kann ich es nicht erklären...ist aber auch sehr theoretisch...;-)
  • @Ambi:

    Genau das ist der Punkt. Ich frage mich dann auch nach dem Warum.

    In Bezug auf ein paar Beispiele, die ich genannt hatte:
    - Warum schreibt mir jemand, dass er mich innerhalb eines konkreten Zeitraums besuchen möchte und sich nochmal meldet, wenn er sich dann doch nicht mehr meldet? Dann hätte er es auch ganz lassen können. -> Unnötig!
    - Warum bietet man mir von sich aus Hilfe beim Streichen an und verabredet das konkret, wenn dann doch am Abend vorher um 22 Uhr abgesagt wird? Hätte man auch ganz lassen können. -> Unnötig!
    - Warum halten mehrere Personen drei Wochen lang eine Zusage für eine Geburtstagsfeier und erwähnen auch noch, wie sehr sie sich darauf freuen, wenn sie dann doch an dem betreffenden Tag kurzfristig absagen? Kann man auch gleich lassen. -> Unnötig!
    - Warum antworte ich jemandem zuverlässig auf eine Nachricht, wenn ich darauf wiederum keine Antwort mehr bekomme? Hätte ich auch gleich lassen können. -> Unnötig!

    Und ja, ich bleibe dabei, dass ich das für eine traurige Entwicklung halte … viel Gerede, aber wenig Substanz.

    Ich finde, du hast es perfekt auf den Punkt gebracht. Wir scheinen uns da ja recht ähnlich zu sein. Tut auch einfach mal gut.

    Danke!
  • Warum das so ist? Weil Worte nix kosten, Konsequenzen auf die Freundschaft werden nicht bedacht...
    Vielleicht will der gegenüber sogar mit dir Zeit verbringen, tanzt aber auf so vielen verschiedenen "Hochzeiten", dass derjenige den Überblick verliert...das ist der Versuch einer positiven Begründung... :-)
    Ich habe meine Freundschaften dahin gehend durchleuchtet und aufgehört weiterhin den Kontakt zu suchen...und auf einmal ist es sehr ruhig um mich...das macht traurig, aber vielleicht macht es auch Platz für diejenigen, die ähnlich ticken....
  • @Ambi:

    Ja, das denke ich auch und mache es ja inzwischen auch so.

    Eine Freundin von mir hat sogar die Devise: "Immer erst mal zusagen, absagen kann man ja immer noch." Ich denke, dass das viele so machen. Wer zusagt, hat schon mal eine Aktivität sicher. Und wenn sich dann noch weitere ergeben, kann man sich mit der Devise eben was aussuchen.

    Die Konsequenzen für die Freundschaft sind eine Sache (aber auch eine langfristige). Eine andere Sache ist, dass die Person, der abgesagt wird, bereits Aufwendungen gehabt haben könnte. So z.B. bei einer Geburtstagfeier, wenn man ein Buffet für 12 Personen vorbereitet und dann nur 5 Personen erscheinen (habe ich leider schon mehrfach erlebt, sowohl aktiv als auch passiv). Das ist dann zwar eine kleine angenehme Runde, aber schmerzt halt auch, wenn man sich entsprechend Mühe gegeben hat (und Zeit, Geld und Motivation reingesteckt hat) und der Großteil das nicht zu schätzen weiß.

    Mittlerweile sehe ich das aber auch so, dass das Loslassen auch Platz schaffen kann für neue Menschen.
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