Hey Fremder!

Sieht so aus als wenn du neu hier bist. Wenn du mitmachen willst, drücke einen dieser Buttons!

Aufgrund der Datenschutzgrundverordnung ist es wichtig, auf das Impressum sowie die Informationen zum Datenschutz hinzuweisen. Hier sind die entsprechenden Seiten: Impressum – Datenschutzerklärung. Außerdem möchte ich auf die Hausordnung des Forums verweisen.

Zuhören können

Hallo an alle, mich treibt seit einiger Zeit ein Thema um. Wir Introvertierte gelten ja als gute Zuhörer. Und ja, ich selber sehe mich auch als sehr guter Zuhörer. Ich mag es, wenn Leute mir aus ihrem Leben erzählen, nehme alles auf und kann mir auch vieles dann bildlich vorstellen.

Aber in letzter Zeit erwische ich mich immer häufiger, dass ich nicht mehr zuhören möchte. Ich wurde in den letzten Jahren - gerade auch, weil ich immer zuhörte - viel ausgenutzt. Mir wurden die ganzen Lebensgeschichten erzählt, mit allem drum und dran. Es folgten ellenlange Monologe über Krankheiten.

Und ich mag nicht mehr. Ich möchte keine Lebensgeschichten mehr hören. Ich mag es auch nicht, wenn mir nicht so vertraute Menschen ihre Leiden und auch Fehltritte im Leben darstellen. Ich bin irgendwie des Zuhörens müde. Es läuft auch immer irgendwie aufs gleiche raus. Monologe, die nicht enden wollen, Getratsche und dann ewige Jammereien.

Ich bin mittlerweile so glücklich, wenn ich alleine bin. Ich bin sehr viel in der Natur und mache auch ganz viele Unternehmungen alleine. Einfach aus dem Grund, dass ich nicht zugetextet werde. Gespräche sind für mich irgendwie Plappereien über Nichtigkeiten, die so hohl sind. Irgendwie gibt mir das alles nichts.

Wie sieht das bei Euch aus? Hat sich Eure Bereitschaft zum Zuhören vielleicht auch mal im Laufe des Lebens geändert? Oder habt Ihr immer ein offenes Ohr für andere Leute?
Bitte nicht falsch verstehen, ich war und bin ein sehr guter Zuhörer, aber im Moment will ich das alles nicht hören.
Ich bin auf Eure Gedanken gespannt.

Kommentare

  • Hallo Nethi,

    tatsächlich kann ich die Wandlung, die du durchgemacht hast, gut verstehen.

    Irgendwann hat es wohl auch der geduldigste Zuhörer satt, der seelische Mülleimer für andere zu sein. Weshalb ich inzwischen stark auswähle, wem ich geduldig zuhöre und bei wem ich mich, wenn ich merke, es fühlt sich nicht gut an, möglichst schnell höflich verabschiede.

    Nahe Freunde werden bei mir immer ein offenes Ohr finden. Das würde ich nicht einmal davon abhängig machen, ob sie mir im Gegenzug ebenso aufmerksam zuhören.

    Bei lockeren Bekanntschaften sieht es schon anders aus.

    Ich hatte kürzlich einen Fall, traf eine sehr entfernte Bekannte auf dem Flur und machte den fatalen Fehler, freundlich zu grüßen und danach stehen zu bleiben.

    Da habe ich deutlich gespürt, wie ihr Monolog, darüber, wie schlecht es ihr doch geht, ein ungutes Gefühl bei mir hinterlassen hat.

    Im Prinzip war ich zu geduldig, hätte mich schon eher verabschieden sollen, jedoch war es tatsächlich schwer, überhaupt zu Wort zu kommen.

    Ich fand dann doch eine Lücke und zog mich freundlich zurück. Sollte ich die betreffende Person in nächster Zeit noch einmal treffen, winke ich freundlich aus der Ferne :)
  • Hallo Nethi,

    ich höre grundsätzlich schon sehr gerne anderen zu.

    Was ich allerdings überhaupt nich leiden kann sind Monologe, bei denen ich nicht die geringste Möglichkeit habe, auch mal zu Wort zu kommen. Villeicht möchte ich ja auch mal etwas dazu sagen oder habe eine Meinung dazu. Aber wenn einfach ohne Luft zu holen geredet und geredet wird, dann möchte ich der Situation nur noch entfliehen.

    Es gibt auch Leute, die mir schon mindestens zum fünften mal die gleiche Geschichte erzählt haben. Wenn ich diese Leute sehe, dann versuche ich mich möglichst unsichtbar zu machen.
  • Hallo und danke für Eure Rückmeldungen.

    @ enjoythesilence: ja, das trifft es ganz genau. Seelischer Mülleimer. Und ich bin einfach nicht in der Lage, hier mich abzugrenzen. Ich bin da einfach zu gutmütig und höre mir sowas echt immerzu an, nur weil ich mein Gegenüber nicht vor den Kopf stoßen möchte. Wie blöd eigentlich. Es ist schon so, dass ich einen großen Bogen um einige Leute mache oder schnell weitergehe nach dem Grüßen. Weil ich genau weiß, wie das endet. Aber den Eindruck, den ich dann hinterlasse, ist ja auch nicht der Beste.

    @Igel 82: ja, Bei Monologen fühle ich mich echt in die Ecke gedrängt. Da nutze ich dann schon mal meine Körpersprache, ich schaue weg oder ins Leere, gucke auf die Uhr, beweg mich weg vom Gesprächspartner. Das schlimme ist, mein Gegenüber merkt das überhaupt nicht oder es ist demjenigen total egal.

    Leider habe ich auch das Problem, sofern es ein Problem ist, dass ich mir alles merke, was man mir erzählt. Und dann wird mir alles nochmal erzählt. Oder derjenige erzählt das dann anders, so dass ich mich schon frage, ob das Gegenüber sich nicht mehr erinnert.

    Vielleicht sollte ich Gespräche einfach nicht mehr so ernst nehmen. Nur leider nehme ich immer alles sehr ernst im Leben, mach mir über alles meine Gedanken.

    Liebe Grüße

  • Meine Bereitschaft zuzuhören hat nachgelassen, da ich mich nicht als Mülleinmer missbrauchen lassen möchte. Denn dann leidet mein Selbstwertgefühl. Außerdem kostet es mich viel Energie, mich mit fremden Problemen zu beschäftigen.

    Meistens bin ich außerdem innerlich im Kontakt aufgewühlt und nervös, da ich keinen schlechten Eindruck machen möchte, d. h., ich bin so sehr mit mir selbst beschäftigt und auf meine Außenwirkung, dass ich nicht gut zuhöre.
    Es gibt zum Glück aber auch Tage, wenn ich mich selbstsicherer fühle und dann mich weniger selbstbeobachte, an denen ich besser zuhöre.
    Doch wenn es dann darum geht, fremde Probleme anzuhören, mache ich sehr schnell die Schotten dicht: Selbstschutz.
  • Hallo Nethi,

    ich frage mich gerade, wie dieses „ausgenutzt werden“ sich äußert. Ich kenne es von der Familie, dass es ohne Übertreibung stundenlange Monologe über Krankheiten und die Ungerechtigkeit der Welt gibt.

    Relativ früh habe ich dann auf Durchzug geschaltet. Als es mich dann trotzdem nervte, weil die selben Geschichten wieder und wieder kamen, habe ich sie irgendwann beendet. Schließlich wusste ich ja, was kommen würde. Das ist zwar höchst unhöflich, gibt einem aber die Möglichkeit direkt zu sagen, dass man keine Lust darauf hat, sich die selben Geschichten wieder und wieder anzuhören.

    Grundsätzlich höre ich gerne zu, freue mich zu helfen, wo ich kann aber es gibt einfach klare Grenzen, die man selbst definieren und durchsetzen muss. Anderenfalls wird man überrannt. Das mag jetzt sehr hart anmuten aber es ist ja niemandem geholfen, wenn man sich von allen Menschen zurück zieht, obwohl es nur einige sind, die diese Gutmütigkeit ausnutzen.
  • Hallo Nethi,
    Bei Spaziergängen mit Freunden und Familie war ich immer ein recht guter Zuhörer, außer in einer Phase wo mich selbst etwas sehr stark belastet hatte und ich ständig gedanklich auf der Suche nach Antworten und Auswegen war. Ich kann mir auch vorstellen dass man durch fremde Schilderungen an eigene Sorgen erinnert wird für die man keine Lösungen hat die das innere Gleichgewicht wahren und den eigenen inneren Werten gegenüber den Mitmenschen gerecht wird.

    Möglicherweise beschäftigen Dich selbst nun sehr viele Dinge die Dich ins Grübeln bringen so dass Du jemanden bräuchtest der Dir zuhört und den Du als Zuhörer akzeptieren kannst.

    Manchmal hat es den Anschein dass Menschen über ihre Lebensgeschichte oder Hemmnisse erzählen um Dir ihre Beweggründe für ihr etwas oder mißdeutbares Verhalten erklären möchten. Sobald sie Verständnis und Akzeptanz spüren genügen von da an wieder viel weniger Worte.

    Du schreibst dass Du einen großen Bogen machst um manche Leute oder Dich zügig wieder entfernst, ahnend wie sie sich Dir gegenüber verhalten würden. Ich könnte mir gut vorstellen dass Du durch dieses wiederholte Ausweichen in ihnen den Versöhnungswunsch Dir gegenüber ständig erneuerst weil sich auch diese Menschen dadurch gekränkt und nicht akzeptiert fühlen.
    Während Du glaubst zu ahnen dass ein normaler Kontakt zu Problemen führen würde glaube ich dass diese Menschen, ein wenig Mitgefühl und Verständnis vorausgesetzt, sehr froh wären wieder einen gegenseitig respektvollen Umgang mit Dir zu haben und diesen nach längerer Zeit der Distanzierung auch achtungsvoll bewahren möchten.
    Das kann sich durch einfache Begrüßung spontan normalisieren ohne überflüssige Wortwechsel weil beide Seiten den normalen respektvollen Umgang beibehalten wollen.

    Wenn Du Anderen zeigst dass Du Dich gemeinsam mit den bislang Übergangenen um ein normales Miteinander bemühst wirst Du Dich erleichtert fühlen und auch Achtung von Dritten zurückgewinnen.

    Wenn Dir jemand wie Du schreibst etwas mit anderen Worten nochmal erzählt könnte es durchaus sein dass er Dich von Verhaltensgrundsätzen oder Beweggründen überzeugen will weil ihm Dein Verständnis dafür wichtig ist und er noch nicht den Eindruck hatte dass Du ihm glaubst. Aber dass ist ein nur ein möglicher Grund und muss für Deine Situation gar nicht zutreffen.

    Wenn Du Menschen bisher zuhörtest solltest Du ihnen vielleicht sagen dass Dich gerade selbst viele Themen beschäftigen die Deine Aufmerksamkeit erfordern und über die Du nicht sprechen möchtest, lass sie wissen dass Du nicht sie ablehnst sondern die Konzentration für Deine eigenen Anliegen und Wohlbefinden brauchst. Sie werden dafür sicher Verständnis haben. Sie werden dann nicht ständig grübeln was sie Dir gegenüber falsch machen und es korrigieren wollen.
    Ab einer Reifestufe des Umgangs mit Menschen respektieren diese die Wünsche des Anderen so dass Du ihnen direkt mitteilen kannst wie man mit Dir umgehen soll.

    Sorry dass es etwas mehr Text geworden ist und ich hoffe dass Dir diese Gedanken weiterhelfen.
  • Danke für Eure Antworten! Ich bin immer wieder daran interessiert, wie andere Sichtweisen so sind. Das führt auch dazu, die eigene Sicht der Dinge mal zu hinterfragen und auch mal zu korrigieren.

    Danke @ nightwalker für Deine Tips. Darüber lohnt es sich auf jeden Fall nachzudenken. Ich weiß, dass ich mal wieder mehr aus dem Schneckenhaus herauskommen sollte.

    Beste Grüße


  • Bei mir ist das abhängig von meinem eigenen Gemüt und meiner eigenen Laune, aber auch von meinem Gegenüber.

    Wenn ich bereits weiß, dass mir gegenüber eine Person sitzt, welche eher in Monologe abschweift, nur einen Mülleimer sucht und mir vor allem nicht die nötige emotionale Intelligenz gegenüber bringen kann, um auch meine Gedanken zu den besprochenen Themen nachvollziehen zu können, schalte ich bereits im Voraus ab.

    Umgekehrt bin ich daher auch oft zum kommunizieren zu faul, weil ich im Kopf bereits mit einem vorgefertigten Bild mir ausmale, wie die Unterhaltung ungefähr abläuft, aufgrund meiner Menschenkenntnis.

    Es ist schwer gute Kommunikationspartner zu finden, umso fröhlicher bin ich jedoch, dass sich dieses Verhältnis bei mir zur Zeit eine gute Waage hält.
    Manchmal ists dann nämlich doch ganz schön, so zwischendurch einen hohlen Smalltalk zu haben, oder nur zuzuhören, der bringt mich dann doch nochmal auf andere Gedanken bzw. bringt mich bei meinen eigenen weiter, weil dann die Fäden in der Birne etwas gelockert wurden.
  • Uff ja ich reihe mich auch in die Leute ein, die sagen "Been there, done that."
    Speziell erinner ich mich an eine damalige Freundin, für die ich der Mülleimer war und deren Müll mir seelisch so sehr wehgetan hat, dass ich in Alträumen das Verhalten ihres leicht-missbrauchenden Freundes auf meinen eigenen Freund projiziert habe. Da habe ich die Reißleine gezogen und den Kontakt abgebrochen.
    Ich war damals allerdings auch in Therapie, hatte also auch seelische Unterstützung. Abgrenzung war und ist immer noch ein großes Lernthema für mich, obwohl es deutlich besser geworden ist.

    Ich denke ein großes Problem, wenn dir das momentan bei vielen Menschen so geht, dass sie dich als Mülleimer benutzen, ist die Gewöhnung. Die Leute sind gewöhnt, sich bei dir abladen zu können und du bist es gewöhnt, dass sie das tun. Dieser Teufelskreis muss erstmal durchbrochen werden. Bestehende Beziehungen können so entschärft werden, sodass sie dich nicht auslaugen. Dadurch wächst du, bekommst eine andere Ausstrahlung und ziehst in Zukunft Leute an, die das gar nicht erst versuchen.
    Das ist (meiner Meinung nach, Alle Angaben ohne Gewähr) mit Allem im Leben so. Was du ausstrahlst, ziehst du an.
    Momentan strahlst du aus "ich bin ein Mülleimer" aber du versteckst dich. Die Leute merken "hey, hier is irgendwo ein Mülleimer" und suchen dich, weil sie dich nicht auf Anhieb sehen. Bzw. sie erinnern sich auch an dich.. "hey wo ist eigentlich mein Mülleimer hin?" Natürlich wird das SO aktiv nicht gedacht. Aber Menschen, die etwas von dir bekommen, nehmen dich generell positiv wahr und können oft nicht reflektieren, dass dieser positive Eindruck NICHT auf Gegenseitigeit beruht. Für sie ist es oft eine ausgeglichene Beziehung, weil SIE sich darin wohlfühlen. An dich denkt dabei nicht wirklich einer (jemand, der dich gern hat natürlich schon. Aber Bekannte oder Kollegen eher nicht)
    Deshalb große Faustregel: Givers need to set the limits, because Takers rarely do.
    Willkommen, gleichgesinnter Giver. Ging mir auch immer schon so.

    Also: Du musst selber aus deinem Teufelskreis ausbrechen aber ich denke, das weißt du schon. Ich habe in deinem Text keine Erwartungshaltung an Andere herausgelesen und damit kämst du auch nicht besonders weit.

    Das Problem ist: du erwartest (und das Anfangs vielleicht zurecht), dass Leute sich vor den Kopf gestoßen fühlen und dich nicht mehr mögen, wenn du sie dich nicht mehr zumüllen lässt.
    Allerdings: warum müssen diese Leute, auf die du keinen besonderen Wert legst, dich mögen? Wenn der einzige Grund dich zu mögen darin besteht, dass du ihren Müll annimst, dann sind sie es absolut nicht wert. Hier ist wieder ein Knackpunkt: Um sich selber abgrenzen zu können, muss man ein bisschen Selbstbewusstsein oder eher Selbstliebe zusammenkratzen und sagen können "ich bin MEHR wert, als ein Mülleimer zu sein!" und das dann auch am Anfang gegen die Leute verteidigen, die aus Gewohnheit zum Müll-Dumping vorbeikommen.
    Und da muss man in den sauren Apfel beißen und klar sagen: Hey, ich hab gerade keine Zeit, dieses Projekt hier muss fertig werden. (Ich nehme an, du arbeitest? Oder bist du in der Schule?)
    Gar keine großen Ausreden, keine Rechtfertigungen, nicht unfreundlich werden. Einfach klarmachen, es geht gerade nicht. Und wenn man das 20 Mal sagen muss. Irgendwann entwöhnt es die Leute, dich wegen Müll-Dumping aufzusuchen. Sie vergessen, dass du ihr Mülleimer warst.
    Und damit setzt du den Kreislauf für bessere Kontakte in Gang. Denn damit strahlst du nicht mehr aus "Hey hallo, Müll bitte hier einwerfen!"
Sign In or Register to comment.