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Ich stelle mich mal vor

Hallo euch allen,

nachdem ich jetzt einige viele Wochen nur mitgelesen habe, möchte ich mich auch mal vorstellen. Ich bin froh ein Forum gefunden zu haben, das mich in fast allen Punkten genau trifft und wo ich mich in vielen von euch wiedererkenne.

Ich bin gerade 40 geworden und habe mich in vielen Dingen immer ausgestoßen gefühlt, weil ich irgendwie "anders" war. Der Kontakt mit Menschen fiel mir schon immer schwer, während der Schulzeit war ich daher oft alleine und endete als übergewichtiger Computer-Nerd in meinem Zimmer. Ich hab danach abgenommen, mich während meines Studiums in die Stress-Situation einer WG begeben, mich in Partys gestürzt - aber ich war immer nur ein Zuschauer dabei und habe nie verstanden, warum alle anderen außer mir so viele Bekanntschaften und Spaß hatten, ganz zu schweigen von einer Beziehung oder ähnlichem.

Ich habe versucht das beruflich zu kompensieren und habe - nachdem ich mich zunächst auch hier in Online-Jobs zurückgezogen habe - genau auf die Positionen gestürzt, die nicht zu mir passten, in der Hoffnung mein "vermeintliches" Manko zu beheben. Ich war PR- und Marketing Manager, habe Präsentationen und Pressekonferenzen gegeben und zuletzt viele Jahre auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet, weil ich dachte, dass der Zwang unter Menschen zu sein mich "repariert". Alles nur um festzustellen, dass ich trotz allem eben nicht anders geworden bin, mir das Zwischenmenschliche nicht leichter fällt und ich nach wie vor Single, introvertiert und "anders" bin.

Auch wenn ich eben nahezu jede Person sehr schnell zu intimen Gesprächen animieren kann sind Small-Talks für mich ein Graus, körperlicher Kontakt wie Umarmungen - alles darüber hinaus erst recht - braucht für mich mehr Vertrauen als bei den meisten anderen und auch die Tatsache, dass das eben viele nicht verstehen können - dass sind alles Punkte, die mich auf dieser Webseite sehr gut charakterisieren. Am schwersten zu akzeptieren und auch damit zu leben finde ich ist die Einsamkeit was Beziehungen betrifft - ich habe zum ersten Mal vor 5 Jahren eine Frau geküsst und hatte eine kurze Beziehung mit ihr, bin aber seitdem auch wieder zu introvertiert um neue Kontakte zu knüpfen.

Am Ende habe ich von allen Versuchen mich zu verändern, zu verstellen und anzupassen einen Burnout bekommen und arbeite nun zum ersten Mal daran, zu akzeptieren, wer bzw. wie ich bin und auch mit den Depressionen und Ängsten zu leben, die darauf folgen. Das ich introvertiert bin, habe ich jetzt zum ersten Mal voll akzeptiert.

Ich freue mich auf eure Kommentare, wenn oder wenn nicht euch es ähnlich geht:-)

Kommentare

  • edited Oktober 31
    Hi Florian, willkommen im Forum. Krass, dass du als Introvertierter Präsentationen und Pressekonferenzen gehalten hast, Hut ab dafür. Bei mir ist es so, dass ich in Kleingruppen nahezu kein Wort herausbringe, entweder weil ich denke mir fällt dazu nichts ein, oder die anderen sind schneller oder irgendwie fehlt mir der Antrieb und die Motivation etwas zu sagen.
    Gerade Heute hat mich meine Frau wieder zu ihren Freunden mitgeschleppt, die alle so fröhlich und heiter waren und munter gequatscht haben, während ich nur da saß und nur hin und wieder gelacht habe. Ich Frage mich ob ich introvertiert bin oder eine soziale Phobie habe. Ist das bei dir genau so, oder bringst du dich in Gesprächen auch genau so viel ein wie andere?
    Strengen dich Gespräche an? hast du Freunde, die du regelmäßig siehst? Ich weiss, viele Fragen auf einmal ( : Mit körperlichem Kontakt habe ich persönlich dafür eher keine Probleme, smalltalks hasse ich auch, wenn schon reden dann über interessante Dinge. liebe Grüsse, Marcel
  • Hi Marcel,
    Respekt dafür dass du eine Frau hast - klingt jetzt evtl. doof, aber bei mir ist das eben immer an der Introvertiertheit gescheitert, als bester Freund war ich zwar immer gut, aber mehr eben auch nicht.

    Mir geht es aber in Gruppen-Gesprächen wie dir - ich sitze in der Regel auch nur da und versuche nicht aufzufallen, es sei denn, ich kenne alle Beteiligten sehr gut oder habe was getrunken, dann quatsche ich mich auch mal um Kopf und Kragen - besser ist das aber nicht wirklich.

    Mich strengen Gespräche an, wenn sie nur oberflächlich sind - daher vermeide ich das von vorneherein. Ich kann dafür aber selbst fremde Personen dazu bringen, im Zwiegespräch innerhalb von Minuten des Kennenlernens über extrem intime Dinge mit mir zu sprechen, die sie selbst ihren besten Freunden nicht erzählen - ich weiß aber selber nicht, wie ich das mache und oft würde ich das eigentlich auch gar nicht wissen wollen;-).

    Was die Freunde angeht - ja, ich habe einige wenige Freunde, nur dass mein Job auf dem Kreuzfahrtschiff dafür gesorgt hat, dass diese quer durch die Welt verstreut sind und alte Freunde mich aufgegeben haben. Daher sehe ich sie eben nicht - wenn ich im letzten Jahr auf 20 Kontakte gekommen sein sollte, dann wäre es wohl gut. Und die wenigen Leute die ich vor Ort noch habe sind halt auch inzwischen verheiratet oder haben gerade Kinder bekommen und da bin ich dann halt auch raus;-)

    LG, Florian

    PS: Ich war mir immer sicher dass ich introvertiert bin und weiß inzwischen auch, dass eine soziale Phobie noch dazu kommt...

  • Hallo Florian, mir wurde schon immer gesagt, dass ich introvertiert bin, auch als Kind. Was das bedeutet, war mir damals nur nicht klar. Mir wurde immer gesagt, dass ich komisch bin arrogant und dass man nicht an mich rankommt. Mir wurde immer mitgeteilt, dass ich irgendwie falsch bin. Und ich habe es geglaubt und mich immer gefragt, warum ich denn nur komisch bin.

    Und im Laufe des Lebens habe ich mit Mitte 30 auch eine Depression entwickelt. Toll, das war echt das Schlimmste, was es gab. Aber heute, mittlerweile bin ich 48 Jahre alt und habe mich eingehend mit diesem Thema sowie mit vielen anderen Themen der Psyche beschäftigt, heute sage ich, die Depression war das beste, was mir passieren konnte. Ich bin aufgewacht, habe an mir gearbeitet, das hat richtig Spaß gemacht. Ich bin immer noch introvertiert.... ist ja meine Persönlichkeit, kann ich nicht ändern. Und will ich auch nicht mehr. Heute kann ich zu mir stehen. Und das ist so befreiend. Das kannst Du mir glauben. Es ist so wichtig, dass man sich selbst so akzeptieren kann, wie man ist.

    Doch, ich glaube, ich bin heute auch noch komisch :-) . Ich habe keine Lust auf Smalltalk mit meinen Nachbarn. Ich sag guten Tag und gehe weiter. Und ich kann auch mit vielen Menschen nicht warm werden. Ich merke es körperlich, ob mir jemand liegt oder eben nicht. Tja, ich denke schon, dass ich auf andere Komisch wirke.

    Ein Satz hat mich geprägt: Jeder ist so, wie er ist!

    Lieber Florian, Du hast doch auch einiges erreicht! Wenn ich da nur an Deine Vorträge oder Pressekonferenzen denke! Hut ab! Und 20 Kontakte? Hab ich nicht ....

    Denkst Du, dass einer von den lauten Menschen sich auch nur ein Fünkchen Gedanken drüber macht, was wir für Menschen im tiefen Innern sind? Ich glaube nicht mal, dass die wissen, was uns ausmacht. Aber das sind eben nicht die richtigen Leute für uns.

    Ich wünsch Dir jedenfalls, dass Du auch zu deinem Glück findest.

    Viele Grüße

  • Hi Nethi, vielen Dank für das tolle Feedback.

    Das mit den Pressekonferenzen war übrigens sehr interessant - mein Chef damals hat die meistens an mich abgeschoben, weil es ihm genauso ging - er war im Gegensatz zu mir Nichtraucher, aber wenn er mal eine selber machen musste, wollte er nachher immer eine rauchen, weil er so fertig war - manchmal täuscht das äußere Erscheinungsbild eben auch:-)

    LG
  • Hallo Florian, danke für Deine Aufklärung. Da ich mir immer alles bildlich vorstelle, konnte ich schön lachen. Da ich auch mit Pressekonferenzen zu tun habe, kenne ich das Geschäft son bissel. Ich bin aber immer die Person, die sich im Hintergrund aufhält und über die Wortgewandtheit der anderen Leute staunt.

    Natürlich weiß ich heute, dass da viele Worthülsen hinterstecken und auch viel Geschwätz, wie im richtigen Leben halt. Aber mir liegt das einfach nicht. Alles, was ich sage, muss einfach Hand und Fuß haben.

    Naja, jedenfalls bin ich mit Dir einer Meinung, dieses Forum hier ist wirklich prima. Ich lese so manche Texte und denke dann: Huch, derjenige schreibt ja über mich.... und vor allen Dingen ist der Ton viel friedlicher und das Drumherum einfach angenehmer.

    Ich hab schon mal gegoogelt, ob es in meiner Nähe so ne Art Selbsthilfegruppe für Introvertierte oder Hochsensible gibt, aber leider nicht.
    Vielleicht wäre es was für Dich, sowas ins Leben zu rufen, Du hast doch da berufliche Erfahrungen, wie man das angehen könnte. Naja, wahrscheinlich würde es daran scheitern, dass da kein Introvertierter hingeht...

    Viele Grüße

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