Hey Fremder!

Sieht so aus als wenn du neu hier bist. Wenn du mitmachen willst, drücke einen dieser Buttons!

Aufgrund der Datenschutzgrundverordnung ist es wichtig, auf das Impressum sowie die Informationen zum Datenschutz hinzuweisen. Hier sind die entsprechenden Seiten: Impressum – Datenschutzerklärung. Außerdem möchte ich auf die Hausordnung des Forums verweisen.

Die Einsamkeit, mein Freund und Feind zugleich

Hallo zusammen,

ich weiß nicht ob ich richtig bin hier.
Um ehrlich zu sein stehe ich gerade ziemlich mitten im Nirgendwo.
Vllt. sollte ich erst einmal etwas zu meiner Person / Vergangenheit sagen.
Ich bin 30, habe einen guten Job, eine Familie und Freunde die an meiner Seite stehen und bin um es kurz und knapp zu halten eher der Typ Mensch der alles mit einem realistischen Auge betrachtet.
Und trotz alle dem, also Job , Freunde & Familie etc fühle ich mich zunehmend einsam.

Meine Eltern ließen sich scheiden als ich 6 war. Seitdem lebte ich zwischen 2 Welten / Fronten.
An dieser Stelle möchte ich schonmal erwähnen dass es sein könnte dass ich sehr durcheinander schreibe. Von A nach R und wieder nach B und dann nach F ....
Naja, auf jedenfall war es nach der Scheidung so, dass ich immer hin und her geschoben wurde. Unter der Woche bei meiner Mutter, am Wochenende bei meinem Vater.
Die Familie väterlicher seits war stets belebt und voller Lebensfreude.
Als ich Sonntags zu meiner Mom kam, betrat ich eine Wohnung mit gedämmtem Licht, Mutter und ältere Schwester sitzen auf dem Sofa und schauen fern. Diese Ruhe und extreme Kontrast führte nicht selten dazu, dass ich mich damals aus unerklärlichen Gründen in den Schlaf geweint habe.
Ich wollte nie jemandem zur Last fallen. Am liebsten unsichtbar sein...

Knapp 20 jahre später bin an einem Punkt angelangt an dem mir klar wurde, dass damals einiges schief gelaufen ist.
Zu Schulzeiten kam ich nach Hause um war alleine... Mutter auf Arbeit und Schwester auch.
So ziehte sich das Jahre lang hinweg bis meine Mutter, als ich 15 war, ausgewandert ist und ich mit meiner Schwester zurück blieb.
Zu meinem Vater wollte ich nicht da er in einer anderen Stadt lebte und ich meine Schwester nicht alleine lassen wollte.

Ich beendete meine Ausbildung und zog aus. Damit auch meine Schwester ihr leben auf die nächsten Stufen bringen kann, denn bis dahin war sie für mich da und lebte ihr Leben nicht so wie sie es hätte tun können. ( heiraten, Kinder kriegen etc. ..)
Zu diesem Zeitpunkt war ich 20.

Heute wird mir immer klarer dass mit mir etwas nicht stimmt. irgendwann ist irgendetwas passiert das in mir ein riesen Locht hinterlassen hat.
Ich habe schon einige Beziehungen gehabt und es wäre gelogen wenn ich behaupten würde ich hätte nichts erlebt.
Aber egal was war, komme ich nach Hause in meine Wohnung fehlt mir etwas.
Ob in einer Beziehung oder Single.
Ich bin seit ich denken kann in gewissermaßen auf mich alleine gestellt und so sehr ich mich auch an die Schmerzen und das Leid des "Alleinseins" gewöhne, komme ich damit nicht klar.
An den Schmerz habe ich mich gewöhnt, aber nicht an das alleine sein.
Ich stelle mir immer mehr Fragen und erhalte immer weniger Antworten.

Klar sagen Freunde und Familie " Hey, wir sind für dich da ;) " ... aber im Grunde genommen hilft mir das nicht. Denn ich weiß dass mir keiner die Last nehmen kann. Jeder hat sein eigenes Leben und sie sagen es weil sie es auch irgendwo sagen müssen.

Welch ein Glück dass man in Foren nicht erkannt wird... Wie ich diese Zeilen schreibe kullern mir doch wieder die einen oder anderen Tränen die Wangen herunter. Aber hier muss ich mich nicht schämen.
ich weiß auch nicht was ich mir daraus erhoffe Zeilen meines tiefsten Inneren mit Menschen zu teilen die ich nicht kenne. Aber probieren kann man es ja...

Da wären wir nun, die Einsamkeit die zu meinem Lebensgefährten/ Begleiter wurde und zum selben Zeitpunkt auch mein größter Feind ist.
Ich kriege diesen Parasiten nicht aus mir heraus.
Hinzu kommt die Tatsache dass ich dazu neige ausgerechnet die Menschen zu enttäuschen die mir am wichtigsten sind.
Das wiederum stärkt das Gefühl oder besser gesagt den Wunschgedanken mich am liebsten aus ihren Gedächtnissen zu löschen. Denn wer mich nicht kennt kann auch keine Erwartungen an mich setzen

Ich hoffe dass da draußen irgendjemand ist, der so ähnlich fühlt oder gefühlt hat. Irgendjemand der mir in irgendeiner Hinsicht helfen kann...
Gehe ich auf die Arbeit setze ich meine Maske auf, denn dort bin ich der Lustige der das Team zusammen hält und immer nen super Spruch auf Lager hat. Insgeheim bin ich so dermaßen klein mit Hut..

Sorry falls ich jemanden damit gelangweilt habe.
ich leide bestimmt nicht an Aufmerksamkeitsdefizit, aber wenn ich lese wie vielen Menschen hier geholfen wird, bin ich vllt einer der glücklichen denen geholfen wird...

Vielen Dank an diejenigen die sich die kostbare Zeit genommen haben bis hierher zu lesen...


Freundliche Grüße...

Kommentare

  • Hi @Sarkasto!

    Ich kenne dieses Loch, dieses Vermissen von Irgendwas nur zu gut. Bei mir ist es auch egal gewesen, in welcher Lebenssituation ich war. Besonders schlimm zu bzw. nach Familienfesten oder Feiertagen, die rein gesellschaftlich im Kreis der Liebsten verbracht werden sollten.
    Meine Eltern ließen sich scheiden, als ich 13 war. Auch ich lebte abwechselnd bei Mutter und Vater. Und mit 16 stellte ich mich für ein Freiwilliges Jahr auf eigene Füße.
    Ich enttäuschte sehr gerne meine Lieben und erfüllte definitiv keine Erwartungen. Und ich stellte keine Anforderungen.
    Und genau dort liegt mein persönlicher Knackpunkt!

    Denn tatsächlich hatte ich nur das Gefühl, zu enttäuschen. Hatte das Gefühl, Erwartungen nicht zu erfüllen. Dachte, ich würde helfen, wenn ich keine Anforderungen stellte.
    Ich war einsam mit mir selbst. Weil ich nicht war, wer ich bin. Ich lebte für irgendwen, aber nicht für mich. Das machte mich unendlich traurig und einsam. Hatl bissl gedauert, bis ich das erkannt hatte. Und länger gedauert, bis ich das geändert hatte.

    Seitdem ist dieses Vermissen von Irgendwas weg. Denn ich bin ja jetzt da.

    Vielleicht hilft dir dieser Gedankengang weiter.

    Herzliche Grüße
  • Hi @NomaDie ,

    vielen Dank für deine helfenden Worte.
    Du hast in der Tat ein paar Aspekte angesprochen die sehr zutreffend sind.
    Jetzt wo du es so erwähnst lebe auch ich für alle anderen, aber nicht für mich.
    Ich ziehe mich dadurch immer mehr zurück und habe mittlerweile kaum Kontakt zu Freunden oder Familie.
    Das ist mittlerweile auch aufgefallen, denn ich werde immer öfters darauf angesprochen, warum ich mich so zurück ziehe und ob alles ok sei.
    Ich merke wie ich innerlich immer müder werde... müde mich zu rechtfertigen, müde zu erklären wie es mir geht und vor allem auch müde mir diese ständigen Floskeln anzuhören die als guter Rat gemeint sind.

    Auf jedenfall hast du mir mit deinen Zeilen geholfen und dafür möchte ich mich bei dir bedanken.

    Liebe Grüße
  • Hallo ihr zwei,
    ich reihe mich mal in die Reihe der Scheidungskinder ein. Ich versuche, mich in euer Geschriebenes hineinzuversetzen. Aber im Gegensatz zu euch hab ich die Scheidung nicht mitbekommen, weil ich zu jung war. Für mich gab es diese "heile Familie" nie, die euch dann genommen wurde und was euch - so vermute ich - komplett entwurzelt hat.
    Ich selber würde mich auch nicht als den super verwurzelten Menschen bezeichnen, vllt passiert sowas einfach, wenn es nicht dieses EINE Zuhause gibt, das unumstößlich DER Ort, DAS Zuhause ist.
    Aber im Gegensatz zu euch scheine ich nicht so sehr darunter zu leiden. Im Gegenteil.. manchmal fällt mir auf, dass ich in dieser fremden Stadt seit der Trennung von meinem Ex ganz allein bin. Und ich empfinde dann immer ein aufgeregtes Kribbeln, wie wenn ich mitten in einem Abenteuer wär.
    Ich vermute, das geht nur, weil ich nun schon seit 10 Jahren hier wohne und ich in dieser Stadt Zuhause bin. Wäre ich gerade erst hier her gezogen und hätte dann die Trennung verarbeiten müssen, wäre ich sicher bis auf die Knochen verängstigt.

    Nun frage ich mich, was unterscheidet uns da genau? Warum fühlt ihr euch in Gesellschaft von Lieben und Freunden einsam und entwurzelt?
    Ihr habt beide erwähnt, dass ihr Leute enttäuscht. Ich habe mich gefragt, weil ich nicht verstehe, was damit gemeint ist, ob ihr für mich konkrete Beispiele habt, inwiefern ihr Leute enttäuscht?

    Ich finde @NomaDies Worte super, dass sie sich selber gefunden hat. Und ich denke, das ist auch der Weg, den du, @Sarkasto, versuchen könntest. Wenn es keinen Anker im Außen gibt, muss man selber versuchen, der Anker zu werden.
  • @San "Aber im Gegensatz zu euch hab ich die Scheidung nicht mitbekommen, weil ich zu jung war. Für mich gab es diese "heile Familie" nie, die euch dann genommen wurde und was euch - so vermute ich - komplett entwurzelt hat."

    Zumindest für mich gilt, dass meine Familie alles andere als heil war - die Trennung hätte wesentlich früher vollzogen werden sollen. Ich habe während meiner Kindheit den Hass mit vielen seiner Gesichter kennengelernt. Und doch war ich wohlbehütet und sicher. Hass, der sich zwischen meinen Eltern aufgebaut hat. Und Hass, der aus Angst vor Unbekanntem, von außen einwirkt. Ich habe sehr früh verstanden, wieso Diktaturen sich etablieren konnten und können, wie es abläuft, wenn Menschen entmenschlicht und zu Opfer von Verfolgung werden. Ich schätze, dies war der Grund für meine Wurzellosigkeit. In solchem Umfeld wurzelt man besser nicht, wenn man sich nicht anpassen will.
    Versteh mich nicht falsch, ich habe keine körperliche Gewalt erlitten oder erlebt. Ich habe aber gesehen, was es braucht, um sie entstehen zu lassen. Es gab Mobbing im Dorf und ungeschriebene Regeln, gegen die man besser nicht verstieß, wenn man die Solidarität der Gemeinschaft nicht verlieren wollte.

    Und damit komme ich zu einem Beispiel, weshalb ich gefühltermaßen meine Lieben enttäuschte. Ich habe zwar versucht, mich dieser Gemeinschaft anzupassen, damit glücklich zu sein. Doch das misslang mir völlig. Hatte ich doch die Fratzen gesehen, die hinter dem Lächeln verborgen lagen. Hörte ich doch die Facette heraus, dass jemand unsere Familie zerstört hatte und ich dieser Person auch noch ähnelte.

    Tja. Aber meine restliche Familie fühlte sich ganz wohl in diesem Umfeld und konnte meine Auflehnung nicht verstehen. Also erneute Anpassungsversuche, die scheiterten. Erst später habe ich begriffen, dass ich der Spiegel war. Während ich erwachsen wurde, lösten sich auch meine Lieben aus dem Druck dieser Altgemeinschaft heraus. Mit einem Generationswechsel ist das Dorf inzwischen um Längen offener und unkomplizierter geworden.

    Doch nun hatte ich ein Problem mit dem Ort, der meine Heimat war. Also versuchte ich Ausgleich zu schaffen. Anders Anerkennung zu erhalten. Doch irgendwie wollte nichts davon klappen, da ich für mich eigentlich ganz anderes wollte. Stattdessen zog ich mich zurück, stellte keine Ansprüche, um zumindest auf diese Weise so wenig Ärger wie möglich zu machen.
    Hat natürlich auch nicht funktioniert, hihi.
  • @Sarkasto Nichts zu danken. Ich hoffe, du kannst dieses Loch stopfen.
    Wenn du kannst, brich eine Zeit lang aus und mach dein Ding. Reise alleine oder was auch immer. Irgendwas für dein Ich.
  • @NomaDie Oh mein Gott :O Das klingt ja schrecklich! Dorf-Gemeinschaften können die schlimmsten sein..
    Wenn ich höre, wie die Leute dort drauf waren, hattest du keine Wahl, als sie zu enttäuschen. Und das sehe ich wahrlich als etwas Gutes an! Ich muss gerade an meine Familie denken, von der ich mich immer mehr entfremde. Die enttäusche ich wohl auch. Aber wenn die Alternative wäre, dass ich so würde wie sie, dann enttäusche ich liebend gerne! Es ist hart, bei Familienfesten dann die einzige zu sein, die anders is und damit dann mit Sprüchen konfrontiert zu werden, aber es bekräftigt mich tatsächlich in der Einstellung, so nicht sein zu wollen.

    Also ich denke, du klingst einfach wie ein Mensch, der etwas Anderes wollte als ihm geboten wurde und in die Welt zog, um nicht zu erkranken und zu sterben wie eine unterernährte Topfpflanze. Und ich finde das super. Klar wärs schöner, wenn man sich mit dem Ort wirklich identifizieren könnte, wo man herkommt... Ich frag mich gerade, wie viele Leute ihre Verwandtschaft wirklich und aufrichtig gern haben...
  • @San Danke für deine Worte!
    Schlussendlich - und das war/ist sehr wichtig für mich - habe ich niemanden enttäuscht. Nur geglaubt, es getan zu haben.
    Bei dir wird es ähnlich sein. Wobei ich gar nicht herauslesen, dass du dir bisher Gedanken darüber gemacht hast, ob du deine Familie enttäuscht.

    Gemeinschaften - ob Familie, das Dorf, das Team in der Arbeit oder der Freundeskreis - sind wichtig. Wenn man aber unglücklich darin ist, wird es Zeit auszuziehen und sein Glück zu suchen. Mitnehmen lassen sich meist die Menschen, die Wert haben und dich werschätzen, auch wenn der Kontakt seltener wird. Manchmal kann man zurück kehren. Meist schafft man sich eine neue Gemeinschaft. Keine ist von Dauer, wenn sich die Menschen darin nicht fortentwickeln und voneinander lernen. So habe ich das zumindest erfahren.
  • @NomaDie Hm, gute Frage, die ich mir noch nie gestellt habe. Ich glaube eigentlich nicht mal wirklich, dass ich irgendwen in meiner Familie enttäusche. Dafür müssten sie bestimmte Vorstellungen von dem (gehabt) haben, wie ich sein/werden sollte.
    Ich denke nicht, dass die jemand mich bezüglich hat/te.

    Aber ich denke schon, dass ich viele Leute verwirre und vor den Kopf stoße, weil ich nicht so bin wie sie oder wie man allgemein sein sollte.
    Ich vermute eher, dass ich wie ein exotisches, komisches Tier betrachtet werde und wenn ich mich bei Partys nich richtig "zu benehmen weiß", indem ich mir eben nicht bis 4 Uhr nachts die Kante gebe, dann reagiert man schon mal mit Irritation, aber ich denke das ist der Unsicherheit des Menschen geschuldet, wenn einer sich nicht so verhält, wie es ins eigene Weltbild passt. Diese Unsicherheit sorgt dann oft dafür, dass diese Menschen das alternative Verhalten als direkten Angriff gegen das eigene Verhalten werten (was nicht so ist. Kann doch jeder saufen wie er will!).

    Deinen letzten Absatz unterschreib ich komplett. In anderen Gruppen aber auch in der Gruppe meiner Familie.
  • edited Dezember 4
    Der Nutzer und alle zugehörigen Inhalte wurden gelöscht.
  • @Happygeorge Naja nee, Introvertiertheit ist ja nur, "wo" man seine Energie her bezieht. Ich hab in den Jahren hier im Forum und aus eigener Erfahrung den Eindruck gewonnen, dass viele Intros durch ihre Art der Energiegewinnung mehr Einblick in ihr eigenes Innenleben haben und dadurch mental ein wenig beschäftigter, deshalb im Außen ruhiger sind und einfach sensibler darauf reagieren und sich mehr zu Herzen nehmen, wenn sie dann jemand darauf anspricht. Viele von uns haben einfach den Eindruck gewonnen, dass wir nicht okay so sind, wie wir sind, weil unser Gegenüber uns oft nicht verstanden hat.
    Abwärtsspirale mit schlechtem Selbstwertgefühl und boom entwickeln sich Charakterzüge, die die Meisten heutzutage mit der Definition von Introversion verbinden.

    Ich denke, die Tatsache, dass du hier eher über Probleme liest als über freudige Dinge ist, dass viele Intros erst dann sprechen, wenn sie einen expliziten Grund dafür haben. Die Wenigsten hier würden "ich hab nen tollen Tag und will das teilen" als Grund ansehen, in diesem Forum zu posten. Natürlich ist das schade, denn es führt zu einseitiger, negativer Berichterstattung. Ich persönlich würde mich fühlen wie ein Angeber und mich fragen, wen zur Hölle das interessieren sollte, wenn ich hier schriebe "Ich hab nen geilen Tag Leute, wie geht's euch so?"
    Anders wiederum ist es, wenn man ein konkretes Problem hat und weiß, im Forum sind Leute, die mich verstehen, die kann ich mal fragen. Wenn ich meine Familie frage, kommen ja doch wieder nur Sprüche über meine Sensibilität.
Sign In or Register to comment.