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Fragen über Fragen :)

edited November 27 in Vorstellungsrunde
Hallo zusammen, ich bin Verena, 26 Jahre alt und lese schon seit einiger Zeit hier mit. Dieses Forum hat mir schon jetzt viel geholfen, denn ich habe gemerkt, dass es andere Menschen wie mich gibt. Nun traue ich mich auch einmal, mich vorzustellen, denn mir brennen einige Fragen und Ideen auf der Seele, über die ich mich gerne mit Gleichgesinnten austauschen würde.

Schon seit meiner Kindheit ist mir bewusst, dass ich irgendwie anders bin, als die meisten. Wenn andere Menschen ihren ersten Eindruck von mir schildern, komme ich arrogant, schüchtern, ernst, traurig, abweisend ... rüber. In meiner grüblerischen Art überlege ich immer wieder, wie ich in diesen Situationen anders hätte agieren können, damit ich cooler, selbstsicherer oder einfach "normaler" rüber komme. Wenn ich in Gruppen bin, höre ich regelmäßig Fragen wie, "Ist alles okay?", "Was ist denn los? Du bist so still..". Am liebsten würde ich schreien und sagen, mit mir ist nichts los. Das bin einfach nur ich, so wie ich bin. Ich finde diese oberflächlichen Gespräche einfach uninteressant. Aber ich nutze immer nur irgendeine Ausrede, wie, dass ich müde wäre. Diese Momente geben mir oft das Gefühl, nicht auszureichen, langweilig und irgendwie auch unehrlich zu sein.

Ich frage mich immer mehr, ob wir überhaupt (viele) Freunde brauchen, oder ob das Werte sind, die uns durch eine (extrovertierte) Gesellschaft vorgegeben werden? Muss ich mich überwinden, zu Treffen zu gehen, damit ich nicht einsam werde? Vielleicht klingt das komisch, aber mit den meisten Menschen geht es mir so, dass sie mir gar nicht wirklich am Herzen liegen. Ich verabrede mich, weil man das eben so macht, aber danach fühle ich mich ausgelaugt und leer. Ich habe oft das Gefühl, der Sozialkontakt auf der Arbeit und meine Familie reichen für mich völlig aus, um zufrieden zu sein. Wie geht ihr damit um? Zwingt ihr euch zu Sozialkontakten?

Ich komme immer mehr zu dem Schluss, das das größte Problem von uns Introvertierten in der Gesellschaft liegt. Heutzutage wird Extrovertiertheit gelobt, uns wird vorgegeben, dass wir viele Freunde brauchen, das wir alles aus dem Leben heraus holen sollten und so viel wie möglich erleben müssen. Ich habe dadurch immer wieder Angst, die Erwartungen nicht zu erfüllen. Kennt ihr das? Traut ihr euch, euch von den gesellschaftlichen Konventionen zu lösen und einfach ihr selbst zu sein? Und wie macht ihr das im Berufsleben, wo möglicherweise der Job davon abhängt, ob ihr die Anforderungen an Netzwerken, soziale Interaktionen und Integration erfüllt?

Ich habe noch so viele Fragen, aber möchte euch nicht direkt zu Beginn erschlagen. Ich freue mich auf eure Antworten und bin gespannt, euch kennen zu lernen.

Viele Grüße,
Verena

Kommentare

  • Es gibt sogar sehr viele wie dich ;) fühl dich willkommen.

    Zwinge ich mich zu Sozialkontakten? Puh, jein.
    Es ist, wie mit so vielem im Leben, ein Gleichgewicht, dass man finden muss. Wenn ich innerlich schon mit hoch erhobenem Mittelfinger durch die Gegend renne, gehe ich Verabredungen aus dem Weg, "die man eben so hat". Wenn es mir aber richtig gut geht, lasse ich mich auch mal auf ein Treffen mit Leuten ein, die sehr extrovertiert sind.

    ~In meiner grüblerischen Art überlege ich immer wieder, wie ich in diesen Situationen anders hätte agieren können, damit ich cooler, selbstsicherer oder einfach "normaler" rüber komme.~

    Ja, ich kenne das. Völlig normal und nachvollziehbar aber am Ende des Tages Quatsch. Menschen, die dich für diese Art nicht mögen oder denken, dass du langweilig oder sogar falsch bist, werden eher nicht hinter diese oberflächliche Meinung sehen. Man denkt oft: Wenn sie mich nur kennen würden... aber das wollen sie leider überhaupt nicht.

    Frag dich einfach mal, was du von deinem Leben erwartest. Bist du zufrieden? Fehlt dir etwas? Nervt dich etwas? Daran kann man arbeiten aber bitte nicht an der Erwartungshaltung von Anderen :)

    Versteh mich nicht falsch, ich bin da kein Vorzeigebeispiel. Mal läufts ganz gut damit, dann stellt man wieder alles infrage. Aber am Ende des Tages ist es mein Leben und es muss mich einen S*** (sorry) interessieren, was Andere davon halten.
    Im Beruf beschränke ich mich tatsächlich auf das Wesentliche. Mein Beruf gibt das auch her, ich habe keinen Kundenkontakt, wenige Kollegen und muss keine Veranstaltungen besuchen. Also sehr intro-freundlich.

    Ich hoffe, das konnte dir ein bisschen weiterhelfen.

    LG
  • Hallo Verena :-)

    Schön, dass du hierher gefunden hast.

    "Ich verabrede mich, weil man das eben so macht, aber danach fühle ich mich ausgelaugt und leer."

    Ich fühle mich nach diversen Verabredungen auch ausgelaugt und leer. Zum einen passiert das dann, wenn die Gruppe in der ich mich befinde, zu groß ist. Dann sitze ich nur etwas verloren da und würde, selbst wenn ich etwas sagen wollte, gar nicht erst zu Wort kommen.
    Zum anderen liegt es auch daran, dass die anderen Leute eine andere Wellenlänge haben. Wenn die Wellenlänge passt, dann bin auch gleich nicht so ausgelaugt. Leider sind die sozialen Kontakte mit gleicher Wellenlänge rar.

    "Zwingt ihr euch zu Sozialkontakten?"

    Manchmal zwinge ich mich schon zu Sozialkontakten, auch wenn ich vorher schon weiß, dass ich da eigentlich deplatziert bin. Aber ich machs dann halt unter anderem meiner Familie zuliebe. Generell versuche ich aber ich selbst zu sein. Die Zeit, in der ich versucht habe, mich der extrovertierten Gesellschaft anzupassen, habe ich zum Glück hinter mir. Mit dieser Schiene bin ich zufriedener, was aber auf keinen Fall heißt, dass ich immer zufrieden bin.

    Viele Grüße
  • "Ich frage mich immer mehr, ob wir überhaupt (viele) Freunde brauchen, oder ob das Werte sind, die uns durch eine (extrovertierte) Gesellschaft vorgegeben werden?"

    Das ist absolut gesellschaftliche vorgegeben. Und wir tendieren gerne dazu, Dinge, die als normal gelten auch als gegeben zu verstehen. Daher ist "der Mensch gesellig" und nur das ist richtig. Falsch. Die Tausenden neuen Kontakte, die wir täglich haben oder haben könnten haben überhaupt nichts Natürliches an sich. Im Gegenteil. Für lange Zeit hat der Mensch in kleinen und übersichtlichen Gruppen gelebt. Dieser stressige und laute Alltag sollte eigentlich für niemanden angenehm sein.

    Daher mein Ansatz (und der vieler anderer Introvertierter): Qualität vor Quantität. Nicht dazu zwingen oft rauszugehen, sondern bewusst soziale Kontakte haben. Klar, manchmal muss man sich auch zwingen. Aber man sollte versuchen, so oft wie möglich Menschen zu treffen, die gleiche Interessen haben und die einen verstehen. Es gibt doch in fast jeder Gruppe jemanden, der etwas ruhiger ist - so lange deine Freunde das akzeptieren, nimm die Rolle ruhig an.

    Falls andere das nicht akzeptieren, dann versuch ruhig, es ihnen zu erklären. Dann kommen nämlich auch diese lästigen Fragen nicht mehr (oder seltener). Und falls das nicht klappt, ist es auch nicht falsch, sich nur mit einer Person zu treffen oder online Kontakte zu pflegen.

    PS: Manchmal wird man auch überrascht, wenn man jemandem, den man schon lange kennt, erklärt, dass man introvertiert ist. Man trifft auf großes Verständnis oder jemand gibt selbst zu, mit dem Trubel nicht klar zu kommen. Versuchen macht klug :)

    Liebe Grüße
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