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Der Konflikt mit dem Allein-sein-wollen

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Kommentare

  • Wanderringstar schreibt " ...ein Mitspracherecht über deine Zeit .
    Welche Gegenargumente erhälst du ?

    Welche Gegenargument erhälst du ?

    Beispiele hierfür sind :

    -ist ja nur für kurze Zeit , ( es wird an mein Verständnis appelliert) davon habe ich leider viel zu viel :-(

    -bin angeblich die einzige Lösung ( mit Sicherheit bin ich die Beqemste )

    Mein Gegenüber redet nur von sich , von seinen Bedürfnissen ( ich werde nicht gefragt , wie es mir damit geht )

    Manche überrumpeln mich mit ihren Anliegen , ich fühle mich in die Enge gedrängt.


    Ich habe aus meinen Fehlern gelernt.
    Manchmal bitte um Bedenkzeit, oder ich sage erst mal Nein , umwandeln in ein Ja , geht immer noch .

    Lg Johanna



  • Hallo Sky, wer darf sich eigentlich das Recht rausnehmen, über Dein Leben zu urteilen? Sind das nicht die Unsensiblen, die keinerlei Feinfühligkeit für andere an den Tag legen? Was ist denn das Leben, was lebenswert ist? Saufpartys ? Urlaube am Ende der Welt? Ständige hohle Treffen mit Menschen? Der Masse folgen?

    Ich hab mich mal jemanden geöffnet und ihm erzählt, dass ich hochsensibel bin. Und was kam dabei raus? Es wurde zum Anlass genommen, sich darüber öfters lustig zu machen. Gibt es diese Person noch in meinem Leben? Nö! Denn dieser Mensch legte eine solche Unsensibilität auch in anderen Dingen an den Tag, dass ich bald kein Interesse an Begegnungen mehr hatte. Das alles wurde unter dem Deckmantel gelegt, dass ich keinen Spaß vertrage und immer gleich eingeschnappt bin.

    Aber daran kann man doch sehen, dass diese Leute einfach nichts verstehen. Wie sollten sie denn auch? Sicherlich habt Ihr das Phänomen schon mal beobachtet, dass alle perfekt austeilen können! Aber einstecken können sie dann leider auch nicht. Ich soll kritikfähig sein, aber andersrum?

    Vielleicht sollten wir alle auch mal aufhören, uns selber kleinzumachen. Wenn ich es liebe, im Garten Löcher in die Luft zu starren, dann ist es toll! Und das sollte dann auch so kommuniziert werden.
    Ja, ich weiß - auch eine Riesenbaustelle bei mir. Die entsprechende Kommunikation!

    @Johanna:
    Deine Antwort hätte Wort für Wort von mir sein können.

    „Warum lasse ich das alles an mich heran? Ich wünschte, das würde an mir abprallen und ich würde mich damit nicht weiter beschäftigen.“ ist auch so ein Herzenswunsch von mir. Ich kann machen, was ich will, aber die Denkfalle schnappt immer wieder zu.

    Letztendlich bin ich der gleichen Ansicht wie Du, bestimmte Wesenszüge sind vorhanden und man kann sie nicht ändern.
    So bleibt mir eigentlich nichts übrig, als mich zu akzeptieren und den Weg zu beschreiten, der für mich irgendwie passend ist. Das hält mich aber nicht davon ab, auch mal neue Wege auszuprobieren.

    Ganz liebe Grüße nochmal von Nethi

  • @Nethi so wie du dir hier das Recht herausnimmst über die “Unsensiblen” zu urteilen, nehmen die sich dann auch das Recht heraus über dich Urteile zu fällen. Wie wäre es hier mit etwas mehr Toleranz?

    Ich frage mich in diesem Forum immer mal wieder was für ein stereotypes Bild doch so einige Schreiber von Extravertierten haben, während man für sich selber mehr Verständnis für seine Wesensart erhofft. Angeblich sollen Introvertiert mehr in die Tiefe gehen und weniger oberflächlich sein, warum stellt man dies nicht mal unter Beweis?
  • Hallo Wanderingstar, klar gebe ich Dir recht, auch wir urteilen in diesem Forum. Warum tun wir das? Weil hier der Ort ist, wo sich jeder mal ausjammern kann. Wo die Betroffenen sich einfach mal verstehen.

    Dieses hier ist nur eine Seite meiner Persönlichkeit. Jeder sieht immer nur einen kleinen Teil eines anderen Menschen. Nur selber kennt man sich ganz mit allen Stärken und Schwächen.

    Das Leben besteht aus so vielen Facetten, warum darf ich die Facette Jammern nicht mal bedienen? Vielleicht bin ich einfach nur glücklich, dass es Menschen gibt, die ähnliches kennen? Denn es war ein langer Weg, dort zu sein, wo man heute ist.

    Letztendlich sprichst Du nur das aus, was ich denke. Zwischen extrovertiert und introvertiert gibt es noch ganz viele andere Charaktere. Und laut und unangenehm heißt nicht gleich extrovertiert.

    Weißt Du: Jeder redet über jeden.... Und jeder urteilt über jeden!
    Das ist so im Leben! Und wird sich nicht ändern!

    Ich grüße Dich




  • @Nethi

    Mir geht es nicht ums Jammern oder Urteilen im Allgemeinen sondern um die pauschale Abwertung von Personengruppen und die stereotypen Ansichten, die hier geäußert werden, von denen ich befürchte, dass manche tatsächlich daran glauben.
  • Hallo , ihr Lieben

    Vor längerem hab ich diese Zeilen geschrieben und gehofft mich damit abgrenzen zu können.

    Hey , ich brauche dieses Wochenende mal Zeit für mich.
    Das hat nichts mit meinen Gefühlen für euch zu tun , ich liebe euch sehr.
    Ich will mich regenerieren und meine Batterien wieder aufladen damit ich nächste Woche wieder voll da sein kann .Das kann ich am besten alleine für mich.
    Wir sehen uns dann nächste Woche Dienstag

    Naja , es entspricht nicht ganz dem Wortlaut aber so in etwa ....und es hat
    funktioniert :-)

    Jetzt sitze ich ganz entspannt auf meiner Couch und schaue Skispringen.
    Es tut mir sehr gut allein zu sein , ich bin richtig erleichtert , daß ich mich getraut habe.

    Ich glaube es kommt immer darauf an zu wem man das sagt.

    Jemand der dich gut genug kennt und selbst ab und an froh ist über ein bisschen
    freie Zeit , wird es eher verstehen.
    Wir haben ein bisschen darüber geschmunzelt , daß ich auch mal " Wochenende " haben möchte . Mein Gegenüber hat es mir aber nicht übel genommen.
    Ohje, ich muss gestehen , daß es mir wichtig ist , wie mein Gegenüber auf meine Abgrenzung reagiert ( Wahrscheinlich liegt darin das ganze Problem ) Ich liebe meine Familie und will keinem vor den Kopf stoßen und wenn ich mich abgrenze , entziehe ich mich dem anderen. Ich glaube , daß ich mir selbst oft genug im Weg stehe.

    Bis bald und bleibt alle gesund
    Johanna


  • edited Januar 31
    Ich bin der Meinung, wenn wir Menschen lieben, dann sollten wir das respektieren, was sie tun, damit es ihnen gut geht und die Energiespeicher wieder befüllt werden können. Und wenn es Zeit ist, die sie für sich brauchen, dann ist diese Zeit eben etwas davon, was gut tut.
    Vielfach kommt es sicher darauf an, wie und zu wem man diesen Wunsch äußert.

    Andererseits, ich finde es schon sehr interessant, dass man meist dann glaubt, sich rechtfertigen zu müssen, wenn man sich zurückzieht.
    Ich kenne eigentlich niemanden, der sich fürs Gegenteil rechtfertigt. "Hey Leute, ich kann einfach nicht allein sein!" So etwas habe ich noch nie gehört, aber sehr wohl bemerkt, dass es viele Menschen gibt, die überhaupt nicht bei sich sein können und ständig am Drücker sind, nur, um ja nicht zu sich, zum Nachdenken, zum Reflektieren zu kommen. Mitunter wird das durchaus so formuliert, man müsse unter Leute, damit einem die Decke nicht auf den Kopf falle ...
  • Interessant, was du da in die Runde gibst @seelenbilder

    Ich musste grade mal kurz nachdenken, und ja, ich kann mich auch nicht erinnern, dass sich Jemand für sein schlecht allein sein und mal nicht reden gerechtfertigt hätte. Nicht, dass dies nötig wäre, doch es zeigt, dass geselliges Verhalten als selbstverständlicher angesehen wird.

    Und ja, wenn ich mal so drüber nachdenke, ist es vielleicht auch einfacher, Fülle aus dem Weg zu gehen ;)
  • edited Februar 1
    Interessant auch, wenn man den Begriff Resilienz googelt, was einem da so entgegenkommt. Demgemäß gilt man u.a. als resilient, wenn man - Achtung! - "anpassungsfähig" ist. Das wird besonders jetzt, in der Corona-Situation, zum Thema gemacht. Dass es wichtig ist, sich eben der Situation, den neuen Unwelt- und Lebensbedingungen, anpassen zu können.
    Ja, kann ich nachvollziehen, dass man hier, sofern man sich den neuen Lebensbedingungen anpassen kann, Vorteile hat - aber ich hätte grundsätzlich viel mehr davon gehalten, wenn sich die Menschheit in Zeiten wie diesen so vernünftig verhalten hätte, dass es gar nicht zur Notwendigkeit dieser Szenarien kommen musste.

    Ich persönlich bin der Meinung und habe auch unzählige Erfahrungen gemacht, dass es manchmal sehr wichtig ist, eben auch oder vor allem dann psychisch kräftig zu sein, wenn man nicht ständig angepasst leben möchte, sondern - wo notwendig - auch querdenken und -handeln kann. Ich finde es bemerkenswert, dass dieses Angepasstsein so einen hohen Stellenwert in unseren Wertungen hat ... Spannend in diesem Zusammenhang auch, dass es ziemlich rasch schulmedizinische Diagnosen gibt, die eine "Anpassungsstörung" attestieren. Die Kinder und Jugendlichen - nur so ein Beispiel -, die jetzt bereits den Rahmen aller therapeutischen Betreuungsmöglichkeiten und Unterbringungen sprengen, leiden gemäß dieser Definition also an Anpassungsstörungen, die sich in Depressionen äußern. Die eigentliche Tragik dieser Gesellschaft besteht aus meiner Sicht darin, dass es so viele Leute gibt, die sich wie Geisterfahrer verhalten und einfach nicht anerkennen wollen, dass Rücksicht in der Gegenwart eben auch Verzicht bedeutet. Ich kann wirklich niemanden nachvollziehen, der sich allen Geboten der Vernunft und Vorsicht auf egoistische Weise widersetzt und damit nicht nur sich selbst, sondern auch andere gefährdet.
    Wenn Anpassungsfähigkeit allerdings dazu führen soll, dass wir konkurrenzfähig bleiben, dann lässt das bei mir wirklich alle Alarmglocken schrillen! Hier steht wieder einmal die Verwirtschaftung unseres Lebens im Vordergrund - und mit Konkurrenz hat sich in der Evolution kein großer Gewinn gezeigt, allerdings sehr wohl in Folge von Kooperationen!

    Auch gilt man in unterschiedlichen Definitionen dann als resilient, wenn man in der Lage ist, zu netzwerken. Dieses "Netzwerke-aufbauen-wollen" ist ja gerade vielen Intros ein Greuel, weil es vielen von uns so zielgerichtet erscheint, ausschließlich auf gewisse Vorteile (vor allem) im Wirtschaftsleben bedacht.

    Mir scheint, dieses durchaus große Vermögen, bei sich sein zu können, sich selbst zu erforschen (anstatt immer nur auf Ablenkungen zu setzen), hat in unserer typischen Umwelt keine Bedeutung! Ich empfinde diese Fähigkeit allerdings als große und wichtige Ressource!
  • Seelenbilder schreibt : Ich bin der Meinung, wenn wir Menschen lieben, dann sollten wir das respektieren, was sie tun, damit es ihnen gut geht ....
    Da fängt das Problem ja schon an :-)

    Solange ich das tue, was die Allgemeinheit tut , ist das O.k.

    Und wenn die Allgemeinheit frustriert ist , weil sie nicht unter Leute gehen kann , weil sie nichts unternehmen kann und Ihr buchstäblich die Decke auf den Kopf fällt ( gerade jetzt in Corona Zeiten ) hat jeder Verständnis.

    Aber wenn ich anders ticke , wenn ich offen sage : Ich kann gut allein sein , ich leide nicht wirklich unter der " Quarantäne " . Ich brauche manchmal einfach den Rückzug um meine Batterien wieder aufzuladen , ich fühle mich dann nicht allein oder einsam , im Gegenteil , ich liebe diese Ruhe , dann stoße ich auf ungläubige Gesichter.
    Die Allgemeinheit kann damit überhaupt nichts anfangen !

    Mein Anliegen wird wohl akzeptiert aber nicht wirklich verstanden :-) denn die Allgemeinheit kann sich damit überhaupt nicht identifizieren .

    Ich wünschte in meinem Umfeld gäbe es wenigstens noch ein Exemplar das so tickt wie ich:-) das würde manches einfacher machen .
  • Liebe Johanna,
    man kann heute schon relativ viel nachlesen darüber, dass es eben Menschen gibt, die ihre Tanks gerne alleine aufladen. Grundsätzlich ist es ja schon was Wert, wenn man in seiner Entscheidung akzeptiert wird. Verständnis kann man leider ohnehin nicht immer erwarten.

    Vielleicht braucht das Umfeld Tipps, wo man nachlesen kann, dass "wir" gar nicht so wenige sind - und ja, dass wir auch nicht krank sind ... und vielleicht nicht einmal so besonders "anders". Ich kenne ja ebenso einige Leute, die viel lieber manchmal für sich wären, aber sich nicht trauen, dies auch kundzutun ... Eigentlich schrecklich, wenn man sich aus Angst vor einem "schlechten Ruf" so verbiegt ...

    Alles Liebe!
  • Unikum schrieb:

    ... der innere Konflikt zwischen "Ich will allein sein, dann geht es mir gut" und "Ich will nicht einsam sein"...

    ...Es gibt hundert rationale Gründe, warum es für mich besser ist, allein zu leben...

    ...Aber gleichzeitig gibt es den latenten Wunsch tief in mir drin, nicht alleine sein zu müssen...


    Stecke gerade selbst wieder mal in diesem inneren Hamsterrad... auf der einen Seite genieße ich es, frei zu sein. Das Leben selbst zu gestalten... arbeiten, so lange es mir passt... am Wochenende so lange schlafen, wie es mir passt... usw...

    Aber immer mal wieder frage ich mich, ob es doch eine Form von Flucht ist, weil ich aufgrund meiner sensiblen und ausgeprägt introvertierten Persönlichkeit eigentlich "beziehungsinkompatibel" bin? ;-)

    Wie gehts Euch mit diesem inneren Konflikt, so ihr ihn kennt?
  • edited Juli 21
    @wind_und_wellen
    Das mit der Flucht kann gut sein, aber ich würde es eher als "Ausweichen" sehen.
    Nach dem Motto: Wenn ich schon nicht wie die anderen sein kann und ein Leben wie alle anderen (scheinbar) führen kann, dann mache ich das Beste draus und nutze meine Freiheiten.

    Auch ich arbeite zu viel (kennt hier bestimmt der eine oder andere...). Das weiss ich und ich versuche es in den Griff zu bekommen. Aber gleichzeitig stelle ich auch immer wieder fest, dass mich meine Arbeit zufrieden macht, ausfüllt, also eine Form von Befriedigung und Bestätigung ist. Und ich befürchte auch, dass ich mich - hätte ich mehr Freizeit - vielleicht langweilen könnte. Und darauf habe ich keine Lust.

    Aber das hat jetzt nichts mit dem eigentlichen eingangs beschriebenen inneren Konflikt zu tun...
  • @Unikum

    Hey, schön Dich hier wieder zu lesen :-)

    Ja, ein "Durchschnittsleben" kann und will ich nicht führen. Den eigenen Weg finden und gehen schon eher...

    Und ja, das mit den positiven Auswirkungen der Arbeit kenne ich auch.

    Manchmal denke ich: ich habe auf der Arbeit mit soooo vielen Menschen zu tun und bin in vielen Momenten auch eine "Problemlöserin"... bekomme also immer wieder die Freude und Dankbarkeit der anderen Menschen "übertragen"... das an sich ist ja wunderschön (macht aber auch wieder etwas abhängig...)... aber wo wäre (ist)da Raum für andere Menschen im Privatleben?

    Manchmal bin ich abends richtig platt von sooo vielen Eindrücken...

    Und da ich ja mein Leben lebe nach dem Motto: Ich bin für mein Glück selbst "verantwortlich" bzw. kann dieses nicht einem Partner "abverlangen"... so wird der Raum für einen Partner immer kleiner...

    Grrr... da ist es eben... dieses Hamsterrad: Ja und Nein gleichzeitig!
    Sich Nähe wünschen - aber nicht immer Nähe geben (zulassen) können...

    Mir dämmert schon, dass ich mal für einige Wochen einen kompletten Rückzug im Privatleben durchziehen sollte. Sowas wie "soziales Fasten im Privatleben"...

    Einen anderen Weg für diesen inneren Konflikt habe ich noch nicht gefunden...

    Du? Bzw. ihr?
  • @wind_und_wellen

    Ja war ne weile weg, musste dringend einige Dinge wieder "auf die Kette" bekommen...
    Aber es geht mir nun besser als noch vor einem Jahr :)

    Zu Deiner Frage: Nein, ich habe keinen Weg aus diesem Konflikt gefunden und ich denke inzwischen, es gibt auch keinen. Es ist, wie es ist. Damit zu hadern macht (mich) nur depressiv und lähmt mich irgendwie.
    Ich versuche inzwischen nichts mehr zu forcieren und nehme alles, wie es kommt. Es lebt sich so wesentlich entspannter. Das kann ich aber erst, als ich von dem Ballast getrennt wurde, der mich jahrelang belastet hat.

    Auf Arbeit habe ich zum Glück nur ein paar Kollegen und hab meine Ruhe, wenn ich sie brauche. Das würde ich gar nicht aushalten, mit so vielen Leute, wie Du Deinen Job beschreibst... Respekt, ich könnte das nicht!

    Und Du hast völlig Recht, jeder ist für sein Glück selbst verantwortlich. Viele machen aber lieber andere dafür (und vor allem für ihr Unglück) verantwortlich, das ist nämlich einfacher und bequemer :(

    Aber rauszufinden, was man eigentlich selbst will und wo man hin will und wo man in 5 oder 10 Jahre stehe will, das ist schon schwierig genug. Ich weiss es noch nicht, muss ich gestehen. Du?

    Soziales fasten wird Dir gut tun. Erst ungewohnt, dann schön... jede Wette ;)

    LG
    Unikum
  • @Unikum

    Das freut mich, dass es Dir nun besser geht und Du einiges für Dich ordnen konntest :-)

    Ja, das vermute ich auch, dass es aus diesem inneren Konflikt wohl kein "Entkommen" gibt.
    Stattdessen: Anerkennen, akzeptieren, Gegensätze "vereinen"...

    Den eigenen Weg finden und gehen - ich glaube, das ist auch so ein lebenslanges Projekt. Zwar kann man/frau im Laufe des Lebens leichter erkennen, was zu einem passt und was nicht. Aber es wandelt sich ja vieles immer wieder.

    Was also "heute" passt, kann "morgen" schon wieder "überholt" sein...

    So als grobes Raster weiß ich, was mir gut tut und was ich lieber sein lassen sollte. Beruflich habe ich mich nun so weit gewandelt, dass ich in einem Feld arbeiten kann, das ein ausgeglichenes Geben und Nehmen bietet.
    Privat habe ich mich nun auch in meinem "Nest" eingerichtet. Alleine eben.

    So ähnlich, wie Du beschrieben hast (es so nehmen, wie es kommt), lebe ich nun jeden Tag: einen Schritt nach dem anderen. Und immer wieder neu entscheiden: Will ich das oder sollte ich was verändern?

    Einen Plan, wo ich in 5 oder 10 Jahren sein will, habe ich nicht (mehr).
    Die vergangenen Konflikte im Privaten haben mich dahin geführt, dass ich mich erst mal nur auf mich verlassen will und kann.

    Tja, und wenn da wieder dieses Gefühl von Einsamkeit auftaucht... dann hilft mir "nur" der Gedanke: lieber allein, als in schlechter Gesellschaft ;-) Also ganz bewusst die Vorteile des Allein-Seins hervorholen.
    (Gelingt mir nicht immer, aber ich geb die Hoffnung nicht auf ;-))

    Hast Du sowas wie "soziales Fasten" schon mal durchgezogen?

    Liebe Grüße von wuw
  • @wind_und_wellen

    Soziales Fasten habe ich bis vor einem Jahr noch nie gemacht, wäre aber dringend mal nötig gewesen. Ich hab irgendwann begonnen mich aus reinem Selbstschutz vorückzuziehen und von allem zu distanzieren, soweit es möglich war.
    Das fürhte dann letztendlich zur Trennung und dann kam erdrutschartig alles in Bewegung und nun lebe ich wieder allein und habe dadurch nur so viel Sozialkontakt wie ich zulassen. Corona hat da natürlich auch einen Anteil zu beigetragen.
    Es ist also ein Zwangsfasten seit einem Jahr, aber es hat mir sehr gut getan. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht ein gewisses Mindestmass unterschreite, dann bewege ich mich in Richtugn Isolation und das tut mir nicht gut.

    Dass man/frau sich im eigenen "Nest"wohl fühlt, ist sehr wichtig. Gerade, wenn man allein lebt ist die Geborgenheit zu hause enorm wichtig.

    Einen Zukuftsplan hatte ich auch noch nie und werde ihn auch nicht mehr machen. Macht ab einem gewissen Alter auch keinen grossen Sinn mehr, finde ich.
    Bis jetzt kam es ganz anders, als jemals gedacht. Das Leben lässt sich nicht planen. Es ist gut zu wissen, was man will und was nicht. Ich weiss vor allem, was ich NICHT will und lerne gerade, dies auch durchzusetzen, bzw. mich zu wehern, wenn andere da anderer Meinung sind. Ist gar nicht so einfach...

    Hatt heute mal wieder einen Anlass zum Grübeln und zum Thema "innerer Konflik".
    Ich war auf einer öffentlichen Veranstaltung eines Vereins, die so 1 bis 2 mal im Jahr und nun seit langem mal wieder stattfinden. Seit längerem überlege ich, ob ich da einfach mal im Verein mitmachen/eintreten soll. Das Thema interessiert mich und als soziale Übung wäre das eben gut.
    Und jetzt, wo ich drüber nachdenke, habe ich wiedder bedenken, weil Verein vor allem Bedeutet: Menschen - viele - laut - oft
    Das schreckt mich ab. Gleichzeitig würde ich da aber gerne mitmachen, weil ich das Thema eben mag und spannend finde. Also ich will und ich will nicht. :(

    Da beneide ich wieder "normale" Menschen, die das einfach machen und keine inneren Kämpfe führen müssen...

    Ist hier jemand aktiv in einem Verein?

    LG
    unikum
  • Vereine sind meines überhaupt nicht, eben, weil eine gewisse Regelmäßigkeit damit verbunden ist ... und wohl auch Erwartungen. War nie meines, wird's vermutlich auch nicht mehr werden ... Und man findet vermutlich auch immer Leute, die ihre Ideen einfach laut durchsetzen wollen.
  • @Unikum, ich bin auch nicht in einem Verein aktiv. Habe aber auch schon öfter überlegt, einem Verein beizutreten. Einerseits ist da eine Aktivität, die einen interessiert und andererseits sind da die vielen Menschen, die man zu regelmäßigen Terminen trifft.

    Dazu kommen dann noch Feierlichkeiten die möglicheweise in einem Alkoholgelage enden und das ist schon überhaupt nicht meins. Wenn man dann nicht mitmacht ist man als Intro schon wieder außen vor. Also hab ich den Gedanken bis jetzt jedes mal verworfen.
  • Ja genau das sind auch meine Bedenken. Auf der anderen Seite sehe ich das ein wenig als Übung für mich und auch als Zwang, sich ab und zu bewusst in soziale Situationen zu begeben um nicht die Übung zu verlieren.
    Da ich das Alleinsein wirklich sehr mag und ohne Probkleme wochenlang ohne Kontakt auskommen könnte, besteht die Gefahr, dass ich mich schleichend, ohne es zu merken isoliere.

    Ich habe so eine Ahnung, dass die Tätigkeit im Verein genau so wird, wie jetzt die Befürchtungen. Ich mag es, weil das Thema interessant ist und gleichzeitig nicht, weil es zu viele Leute, zu viele Treffen oder Verpflichtungen und Erwartungen sind, die ich zu erfüllen habe.
    Und dann habe ich wieder diesen Konflik, eigentlich will ich hingehen, aber eigentlich auch nicht, weil ich genau an dem Tag keine Lust auf Leute habe...
    Und das wird dann wieder zur Belastung.

    Ich bin mit meinen Überlegungen auch noch nicht durch. Jetzt in den Ferien bekomme ich das sowieso nicht hin, weil mein Kind bei mir ist, aber dannach *könnte* ich das dann wagen, wenn ich es dann noch will... :/

  • Ich war einmal in meinem Leben in einer Sportgruppe und einmal in einem Verein.
    Für mich persönlich war das ausreichend :)

    Es ist genau diese Regelmäßigkeit und ein gewisses Gefühl des Zwangs/Verpflichtung, zu einem bestimmten Zeitpunkt gesellig sein zu sollen.

    Ich habe den Versuch für mich selbst aufgegeben, jemals wieder in einen Verein einzutreten.
    Da fände ich Volkshochschulkurse erträglicher, da sie zeitlich begrenzt sind und diese Organisationsstruktur wegfällt.

    Unfreiwillige, soziale Interaktion habe ich derzeit über meine Arbeitstselle ausreichend.

    In Konflikt mit dem „Allein sein wollen“ kam ich seit Langem mal wieder vergangenes Wochenende. Ich fühlte mich so gar nicht gesellig, Blieb zu Hause und sprach mit Niemand.

    Außer mir selbst ;)

    Und entgegen eines bestehenden Threads („mußte heute mit niemandem sprechen, bester Tag überhaupt“) war es kein Wochenende, welches als eines der besten in die Geschichte eingehen wird.

    Doch da ich weiß, es kommen auch wieder andere Zeiten, nehme ich dies einfach zur Kenntnis.

    Interessanterweise half mir das „aushungern“ gestern im Kontakt mit meinem Umfeld, den ich dadurch viel mehr genießen konnte.
  • Hallo in die Runde,
    zum Thema Verein kann ich mich anschließen. Auch ich bin kein Vereinsmensch. Ich habe 10 Jahre lang Yoga gemacht, und dann aufgehört. Dann war ich 5 Jahre zum Tanzen. Das habe ich jetzt dank Corona auch beendet. Und ich habe mir vorgenommen, nie wieder in sowas einzutreten.
    Es war immer eine Überwindung, diesen Termin wahrzunehmen, ich hatte schlichtweg keine Lust dazu. Trotzdem habe ich solange durchgehalten.

    Aber ich weiß, dass ich keine festen Termine mehr haben will in der Woche und auch nicht am Wochenende. Von dem Zwang habe ich mich jetzt nach langer Zeit befreit. Und werde damit nicht mehr anfangen.
    Vielleicht in der Rente, aber darüber denke ich nach, wenn es soweit ist.

    Wie auch von anderen erwähnt, sind zeitlich begrenzte Kurse mir angenehmer.

    Ich bin einfach kein Rudeltier.

    Ich will alleine sein….. für mich.

    Aber auch dazu gibt es leider eine negative Seite. Zuviel Alleinsein tut mir auch nicht gut, dann fange ich an, in schlechte Gedankenspiralen zu kommen. Somit muss ich also immer aufpassen, hier ein Gleichgewicht zu halten.

    Viele Grüße
  • Hallo,

    irgendwie habe ich das Bedürfnis zu dem Thema noch eine andere Sichtweise einzubringen. Mit Vereinen im Allgemeinen habe ich nicht so viele Erfahrungen. Aber ich habe schon einige Sportgruppen ausprobiert und damit sehr positive Erfahrungen gemacht. Gerade weil man auch einen regelmäßigen Termin hat, auf den man sich verlassen kann und wo man auch mal andere Menschen sieht ohne, dass man sich erst verabreden muss, was mich weniger Energie kostet, weil ich das nicht jedes Mal aufs Neue selbst organisieren muss und mich nicht jedes Mal bewusst dafür entscheiden muss.

    Sportgruppen haben auch den Vorteil, dass man zwar unter Menschen kommt, aber eben nicht so viel reden muss, weil man einfach was zusammen macht. Aber trotzdem hat man eben ein wenig sozialen Kontakt... Das heißt, ich kann auch in einer Stimmung noch hingehen, in der ich mich vielleicht eher nicht für eine Unterhaltung oder so verabreden würde und das kostet mich dann vielleicht Überwindung, aber manchmal bessert sich meine Stimmung dadurch auch sehr. Und ich habe da auch keinen Druck wahrgenommen zu kommen. Aber das hängt vielleicht auch ein wenig von der Sportart ab. Ich mache eher Individualsportarten bzw. Sportarten, wo es vielleicht noch Partnerübungen gibt und da ist jetzt eher kein Druck. Wenn man einen Sport macht wie Fußball, wo es regelmäßig Spiele und Turniere gibt, sieht das vielleicht nochmal anders aus.

    Ich bin mittlerweile aber auch eher so, dass ich sage, probieren kann man es ja mal und wenn es einem zu doof ist oder man sich zu unwohl fühlt, kann man immer noch aufhören oder wieder gehen...

    @Unikum Wie ist das denn in dem Verein, der dich interessiert? Müsstest du sofort eintreten, oder besteht nicht vielleicht die Möglichkeit, sich den Verein erstmal ein paar Wochen anzuschauen und erst dann zu entscheiden, ob du dort bleiben möchtest? Denn ich finde, es ist im Allgemeinen schwer abzuschätzen, wie etwas sein wird, bevor man es sich mal angeschaut hat. Wenn das Thema dich interessiert, würde ich zumindest mal nachfragen, ob man ein paar Wochen probeweise kommen kann... Und wenn man ein gemeinsames Thema hat, ist die Chance, dass man sich in einer Gruppe wohlfühlt, ja auch höher, weil man über dieses Thema reden kann und direkt einen Anknüpfungspunkt hat. Ich meine, was hast du zu verlieren? Wenn du einmal probeweise hingehst und es nichts war, dann hattest du vielleicht einen unangenehmen Abend. Aber wenn du feststellst, dass du gerne dort bist, hast du auch sehr viel zu gewinnen...

    Viele Grüße,

    Lichtreflex
  • Eine gut nachvollziehbare Erweiterung zum Thema von Dir, danke @Lichtreflex.
    Du differenzierst in Hinblick auf Deine Erfahrungen und Möglichkeiten!

    Ich war durchaus schon in regelmäßige Treffen zu bestimmten Themen eingebunden, habe aber letztendlich immer wieder erkennen dürfen, dass die Gruppen in meinem Fall nicht dauerhaft passend waren. Und gerade in einem kleinen Kreis, wo ich hoffen durfte, auf eine gewisse ähnliche Basis des Menschseins zu treffen, wurde diese Runde durch einzelne Personen gestört, die alle anderen niedergequasselt haben und nur über sich selbst zu reden wussten. Irgendwie konnten wir "danach" nie wieder in eine gute Harmonie zurückfinden. Dann ließ ich es auch sein ... die Runde war definitiv zerstört!
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