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"Sozial-Allergie"

Hallo zusammen,

ich mache jetzt mal hier mal das zum Thema, was ich flapsig "Sozial-Allergie" nenne.
Eigentlich hatte ich mich als "Sozial-Allergiker" bezeichnet, aber das ist natürlich nur bildlich zu verstehen.

Dennoch trifft es den Kern ganz gut und es geht nicht um Sozial-Phobie, denn das wäre zu weit gegriffen.
Was meine ich?

Ich reagiere empfindluch auf zu häufigen Sozial-Kontakt, ich kann manche Sorte Mensch nur sehr schwer ertragen, andere besser. Aber auch die Intensität und die Dauer von Treffen und Situationen rufen in mir Reaktionen hervor, um sie zu beenden.
Wenn ich z.B. mich mit einem Freund treffe und dieses Treffen für meinen Energiehaushalt zu lange dauert, dann werde ich unruhig, unkonzentriert, abwesend und signalisiere so, dass mir das nun zu lange dauert und ich es gerne schnellstmöglich beenden möchte. Klar, aus einer kleinen Gruppe kann man sich entschuldigen und gehen. Bei einem 2er Treffen geht das nicht so einfach, weil ich ja dann den Abend beende. Da verbietet mir die Höflichkeit, einfach zu sagen "ich kann nicht mehr, lass uns nach hause gehen".

Auch wenn zu viele Situationen in zu kurzer Zeit auf mich einwirken, neige ich dazu, diese Situationen zu vermeiden oder zu umgehen. Das nimmt dann fast schon phobische Züge an, so dass ich z.B. die Tür nicht öffne (es sei denn es hat sich jemand angemeldet) oder nicht ans Telefon gehe, auch wenn ich sehe, wer anruft.
Oder ich erst kurz vor Ladenschluss einkaufen gehe, um möglichst niemandem zu begegnen.

Hatte ich dann wieder genug Freiraum und Alleine-Zeit, dann erholt sich das wieder und ich kann im Rahmen meiner Normalität wieder soziale Situationen ertragen.

Kennt Ihr das auch?

LG
Unikum
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Kommentare

  • edited Januar 11
    Hi @Unikum,
    zu viele Situationen in zu kurzer Zeit - ich weiß genau was du damit meinst...und manchmal kann ich sie nicht umgehen bzw. nicht "entkommen", weil sie z.B. während meiner Arbeit geschehen. Dann merke ich, wie meine Kraft mich langsam aber sicher verlässt und dann habe ich schon die "Flucht" zum WC eingeschlagen und dort eine Weile verbracht. Nicht, weil es da so toll ist, aber ich habe für einige Zeit die Möglichkeit vor mich hinzustarren und ein wenig Kraft wiederzubekommen.


    Bei einem 2er Treffen geht das nicht wirklich und dann starre ich in meinen Becher und ich bringe keinen sinnvollen Satz zustande, mein Kopf fühlt sich leer und schwer an.

    Anrufe entgegen nehmen, SMS gleich beantworten...das geht an diesen Tagen nicht.

    Entgegen meinem Wunsch am Wochenende mal länger schlafen zu wollen, gehe ich am Samstag liebsten ganz früh morgens, wenn der Markt gerade geöffnet hat, einkaufen. Wobei große, ich meine richtig große Supermärkte mir ein Gräuel sind. Zu groß, zu viele Regale, zu viele Artikel...von den Menschen mal ganz abgesehen, die ja zuweilen an der Kasse so dicht hinter einem stehen und bei jedem Vorwärtsschritt von mir gleich nachrücken. WARUM tun sie das?
  • Sozial-Allergie... hm... dabei habe ich selbst schon eine ganze Sammlung von (echten) Allergien gegen Lebensmittel, Pollen, Chemikalien etc.

    Aber es stimmt - ich vertrag mich auch nicht mit allen Menschen oder mit allen Gesellschaften. Einige tun mir echt nicht gut.

    @SanneHB
    Du fragst, warum Menschen z.B. im Supermarkt so eng beieinander stehen und in der Warteschlange sofort eng nachrücken?
    Hm - solche Menschen haben wohl eine sehr geringe Individualdistanz :-(

    Damit habe ich auch so meine Schwierigkeiten! Ich mags gerne mit Abstand :-)
    Ich möchte gerne sehen, wer da auf mich zukommt und nicht von hinten so "ineinandergeschoben" zu werden...

    In einer Warteschlange hab ich dann schon mal den Versuch gestartet, plötzlich einen Schritt rückwärts zu treten... das Ergebnis: manche Menschen kapieren es und halten dann mehr Abstand. Manche sind aber auch so distanzlos, da hilft nix mehr...
  • @SanneHB
    Früh einkaufen bekomme ich nicht hin, aber spät sehr gerne.
    Als ich grade gelesen habe "starre nur noch vor mich hin", musste ich grinsen.
    Das ist mir auch schon aufgefallen, und wirde mir von anderen auch schon als seltsames Verhalten angekreidet (z.B. in Konfliktsituationen). Ich starre dann an einen Punkt an der Wand oder ein Teil, was irgendwo rumsteht, um überhaupt Gedanken fassen zu können.
    An diesem Punkt lanmde ich dann mit meinem Blick immer wieder. Muss ziemlich ziemlich seltsam auf andere wirken. Das hab ich aber schon als Kind gemacht, wenn ich Stress mit meinen Elter oder so hatte.

    Warum Menschen an der Kasse so nah aufrücken? Weil sie glauben, dann geht es schneller. Völlig irrational. Grosse Märkte meide ich auch. Ich habe sowieso nur 1-2 Läden, wo ich einkaufe, weil ich da weiss, wo ich was finde und nicht lange suchen muss.

    Einkaufen ist ein gutes Stichwort!
    Mir ist schon oft aufgefallen, dass ich dann da einen Tunnel-Blick bekomme und menschen nicht mehr wahrnehme. Ich erkenne dann auch niemanden und sehe sie nicht an. Nur alles zusammensuchen, bezahlen und wieder schnell raus.
  • Da geselle ich mich doch einmal direkt zu euch.

    Wie gut ich das alles verstehen kann! Und es ist tatsächlich schön zu wissen, mit diesen Gefühlen nicht allein zu sein.

    Einkaufen findet bei mir seit Längerem vorwiegend online statt. Genau aus dem Grund der vollen Supermärkte mit Beschallung aus Lautsprechern, Überangebot und Distanzlosigkeit an der Kasse.

    Nun könnte ich in einen kleinen Laden um die Ecke - wenn ich dort einmal in der Woche die Dinge für meinen täglichen Bedarf einkaufen würde, wäre mein Konto vermutlich am Monatsende überzogen.

    Kurz nach Ladenöffnung oder wenn der Supermarkt bald schließt, einkaufen zu gehen, ist eine gute Idee!

    @Unikum war es glaube, der schrieb, manchmal die Tür nicht zu öffnen oder das Telefon einfach klingeln zu lassen. Ja, das kenne ich tatsächlich auch, denn zu oft habe ich früher die Tür geöffnet und ungebetene "Gäste" standen vor der Tür.

    Und wenn es meines Wissens für Unternehmen auch nur noch bedingt zulässig ist, Menschen einfach in ihrem wohlverdienten Feierabend mit Umfragen oder neuen Internetangeboten zu belästigen, ich schätze es einfach nicht, in meinem Feierabend ohne Vorankündigung gestört zu werden.

    Das mag verschroben und eigenbrötlerisch klingen und ist es vermutlich auch ;)

    Und es ist mir inzwischen ziemlich egal.

    Für Freunde und Familie mit wirklich wichtigen Anliegen nehme ich mir selbstverständlich die Zeit und opfere auch meinen heiligen Feierabend.
  • edited Januar 12
    Des Öfteren habe ich bei mir in den letzten Jahren etwas bemerkt, dass mich sehr oft von Besuchen in der Innenstadt, Einkaufszentren und ähnlichem zurückhält...

    Zu Beginn versuche ich noch alles zu ignorieren und meinen Fokus nur auf das zu lenken, was mich interessiert bzw. wofür ich dorthin gefahren bin. Dann "kippt" das irgendwann und ich kann, wie ich es nenne, nichts mehr filtern. Alles, was ich sehe, ob Menschen oder Artikel, Schilder, Schaufenster usw. sehe und speichere ich, so dass ich, wenn ich dann zu Hause bin, alles aufzählen oder zeichnen könnte, was ich gesehen habe. Auch Kleinigkeiten fallen mir dann auf und werden gemerkt und ich brauche einige Stunden, um das wieder "loszuwerden".

    Lange habe ich geglaubt, dass ich nicht normal bin. Da es nicht immer so ist, scheint es von der Tagesform abzuhängen.

    Und noch eins hängt von meiner Tagesform ab, wobei das vielleicht sogar ein "Frauen-Ding" ist ;-). Ist diese schon zu Tagesbeginn nicht gut, was durch schlechtem Schlaf, aufwühlende Träume usw. sein kann, dann kleide ich mich am liebsten "unsichtbar", gerne schwarz oder grau. Manche Farben kann ich an mir gar nicht mehr leiden...vor allem, wenn es zu bunt ist. Als ob kräftigere Farben mich zusätzlich beeinflussen...?!
  • Gegen die aufdringlichen Personen in der Kassenschlange hilft, den Einkaufswagen hinter sich zu nehmen. Da hält man die auf Abstand. Mache ich so, wenn mir danach ist, aber nicht immer.
    Gruß axle
  • Danke für den Tipp :-). Dann werde ich in Zukunft zum Einkaufswagen greifen und nicht mehr das kleine Körbchen nehmen ;-)
  • Was hinter mir passiert, ist mir meist egal. Das sehe ich ja nicht. Da wirds nur Kritisch, wenn sich berührungen nicht mehr vermeiden lassen, weil es so voll ist. DAS geht gar nicht :-(
    Viel schlimmer vinde ich es, wenn sich Gerüche aufdrängen, weil sie so intensiv sind und ich sie nicht mehr aus der Nase bekomme. Egal, ob das Pargüm, Schweiss oder Rauch ist... furchtbar...
  • @Unikum
    Das ist mir meist auch egal, aber viele stellen sich so dicht hinter einem, dass es nur wenige Zentimeter bis zur Berührung sind.

    Oh Gerüche, das geht mir auch so. Früher hat es mir nichts ausgemacht, wenn neben mir mal geraucht wurde. Heute kann ich es nicht mehr ertragen....von anderen Gerüchen ganz zu schweigen :-/

    Auch die ständige Beschallung in Supermärkten, Einkaufszentren usw. derer man sich kaum entziehen kann. Ja, es gibt Kopfhörer, aber es gibt auch Zeiten, in denen ich nichts hören möchte. Die Crux ist, dass ich Ohrstöpsel nicht mag, das wäre ja sonst eine Möglichkeit...
  • Ich habe sogar richtig gute Kopfhörer mit Noise Canceling, also aktiv geräuschunterdrückende. Da muss man keine Musik hören, die arbeiten auch still vor sich hin und dämpfen die ins Ohr kommenden Geräusche. Nur den Kopfhörer habe ich irgendwie nie dabei, der liebt immer zu hause und wenn ich ihn bräuchte, ist es nicht da. Oder nicht aufgeladen
    Ohrstösel finde ich auch schwierig. Im Spassbad hatte ich mal welche drin, die haben das dann erträglich gemacht, aber es ist immer ein Fremdkörpergefühl im Ohr. Aber manchmal ist das leichter zu ertragen, als der Lärm.
  • Ich habe ganz sicher auch eine solche "Sozial-Allergie".

    Was Treffen angeht, geht es mir so wie den meisten hier. Wenn ich jemanden öfter sehe, reichen mir kürzere Treffen völlig aus. Aber wenn ich eine mir wichtige Person nur selten treffe, kann ich es sehr genießen, eine längere und intensive Zeit mit dieser Person zu verbringen, z.B. bei einem gemeinsamen Tagesausflug oder so.

    Grundsätzlich habe ich aber ein sehr hohes Bedürfnis nach Allein-Zeit und kann dadurch am besten abschalten und auftanken. Ich meide große Menschenmassen. Das ist nicht immer so einfach, weil ich in einer hoch frequentierten Tourismusregion wohne (habe ich mir allerdings selbst ausgesucht und lebe auch gerne hier). Aber auch da gibt es zwischendurch immer mal Phasen, in denen nicht viel los ist, so wie jetzt gerade, nachdem der Ansturm zum Jahreswechsel vorbei ist.

    Ich habe das Gefühl, dass meine "Sozial-Allergie" in den letzten Jahren immer stärker geworden ist. Dafür fallen mir drei mögliche Gründe ein:
    1. Das Bedürfnis nach Zeit für mich allein hatte ich schon immer. Aber erst durch das Wissen über Introversion ist dieses Bedürfnis für mich legitim geworden. Deshalb verdränge ich das nicht mehr, sondern lebe es bewusst aus und genieße es auch.
    2. Auch das Meiden von Menschenmassen ist durch das Wissen über Introversion für mich legitim geworden, so dass ich mir auch dieses Bedürfnis (im Gegensatz zu früher) guten Gewissens zugestehe.
    3. Ich kann mich inzwischen viel besser von Kontakten lösen, die mir nicht gut tun und auf die ich mich nicht verlassen kann. Die Zeit und Energie, die ich früher in das Hinterherlaufen investiert habe, nutze ich heute lieber für Dinge, die ich gerne mache und die mir gut tun.

    Ich denke, es ist eine Mischung aus allen drei Aspekten, die meine zunehmende "Sozial-Allergie" begünstigt. Insgesamt ziehe ich mich schon sehr aus der Öffentlichkeit zurück.

    Übrigens plane ich auch oft zeitlich, wann ich einkaufen gehe. Ich habe oft schon um 14 Uhr Feierabend. Das ist eine sehr gute Zeit zum Einkaufen, da ist meistens nicht viel los. Oder sonst auch in der letzten Stunde vor Ladenschluss. :-)
  • @Herbstbube
    Dass das Bedürfnis nach Ruhe und Alleinsein mit fortschreitendem Alter mehr und die Akzeptanz von stressigen sozialen Situationen weniger wird, habe ich bei mir auch beobachtet. Allerdings bereits, _bevor_ ich mich mit Introversion beschäftigt hatte.
    Es hat bei mir also nichts mit den neuen Erkenntnissen zu tun. Lediglich die eigene Akzeptanz und die Gewissheit, sich als Introvertierter nicht verstecken oder als sonderbar bezeichen lassen zu müssen, ist mehr geworden, seit ich mich mit dem Thema beschäftige.
    Das bringt mich jetzt zu dem Gedanken, wo das alles noch hinführen soll, wenn es jetzt in der Mitte des Lebens schon so ausgeprägt ist.
    Ich für mich weiss um die Gefahr, in eine Sozialphobie zu gleiten und die damit verbundene Isolation. Das gilt es in jedem Fall zu vermeiden. Ich bin auch bemüht ;)
  • edited Januar 14
    @Unikum:

    Das finde ich sehr treffend auf den Punkt gebracht und so ist es bei mir auch. Im Grunde habe ich mit dem Wissen über Introversion keine neuen Erkenntnisse über meine Bedürfnisse gewonnen, denn die Bedürfnisse hatte ich vorher auch schon. Aber mir kamen diese Bedürfnisse vorher falsch vor. Es wurde mir aber auch von allen Seiten vermittelt, wie ich zu sein hatte … eben gesellig, ständig auf Partys, dauern unter Menschen, im Freizeitstress und bloß keine ruhige Minute. Ich fand es früher einfach nicht normal, dass ich mich mit dieser ganzen Hektik nicht identifizieren konnte und ganz andere Bedürfnisse hatte. Aber durch die Beschäftigung mit dem Thema habe ich erfahren, dass ich doch ganz normal bin, eben nur Intro. Und dadurch gebe ich meinen Bedürfnissen nach Ruhe und Allein-Zeit nun den Raum, den sie brauchen. Wie ich oben schrieb, es ist für mich legitim geworden, so zu sein wie ich bin. Ich muss mich nicht mehr verstellen und so tun als wäre ich Extro, nur weil mir Andere einreden wollen, dass man so zu sein hat.

    Den Gedanken, wie sich das in den nächsten Jahren noch weiterentwickelt, habe ich auch. Und ich sehe da auch die Gefahr einer Sozialphobie und Isolation. So weit möchte ich es auch nicht kommen lassen.
  • @Herbstbube
    Es tut unglaublich gut, hier von anderen nahezu 100% Zustimmung zu bekommen.
    Da fühle ich ich direkt "heimisch" :-)
    Darf ich fragen, wie alt Du bist? Ich musste 44 Jahre alt werden, bevor ich erkannt habe, dass es völlig in Ordnung ist, so zu sein, wie ich bin.
    Mein Leben hätte ganz anders verlaufen können, wenn ich dies vorher erkannt hätte.
    Dass ich anders bin und scheinbar andere Dinge mag, als alle anderen, das hab ich bereits als Kind gemerkt. Aber wie bei Dir auch wurde mir immer das Gefühl vermittelt, so soll ich nicht sein, ich solle aus mir raus kommen, mich zusammenreissen, mich gehen lassen etc...
    Gezwungen wurde ich zu nichts, das geht auch nicht, dafür bin ich zu stur. Aber genötigt ist vielleicht der passendere Begriff.
    Ein Abrutschen in ein menschenscheues Verhalten habe ich bereits einmal erlebt, deswegen ist es nun meine oberste Prioritat neben der Achtsamkeit auf mich selbst, aus der Sozial-Allergie keine Sozial-Phobie werden zu lassen.
    Im letzten Jahr irgendwann war immer mal von "Quality Time"die Rede in den Medien. Üblichwerweise ist damit die Zeit bemeint, die man mit anderen und/oder Familie bewusst geniesst... Rate mal, welche Zeit ich still für mich als "Quality Time" bezeichne ;-)
  • edited Januar 15
    @Unikum
    "Mein Leben hätte ganz anders verlaufen können, wenn ich dies vorher erkannt hätte."
    Ein Gedanke, der mich seit einiger Zeit beschäftigt. Natürlich ist es nicht gut, immer nur zurückzuschauen... Aber, wenn ich vieles früher gewusst hätte und mich nicht hätte nötigen lassen (sehr gutes Wort übrigens!), vielleicht wäre so einiges anders gelaufen.

    Zurzeit geht es mir gar nicht gut, da ich mich mitten in einer Trennung befinde und immer wieder aus meiner "Komfortzone" gerissen werde und auch der Schlaf nicht wirklich erholsam ist.
    Immer wieder bleibe ich an dem Gedanken hängen, dass es mir besser geht, wenn ich allein bin und befürchte letztendlich in einer Art isoliertem Leben zu laden. Weil letztendlich auch die Summe der schlechten Erfahrungen mich zu einem Einzelgänger werden lässt? Sorry, im Moment sehe ich alles sehr düster... :-(
  • edited Januar 15
    Hallo @SanneHB
    Du hast Recht, man darf nicht zuviel in den Rückspiegel schauen, denn dann sieht man nicht mehr, was vor einem passiert.
    Was Du jetzt grade durchmachen musst, hatte ich vor ein paar Monaten und das ist nicht schön und das ist noch nicht vorbei. Von daher kann ich gut nachvollziehen, was da gerade in DIr vorgeht und was das für Zukunftsvisionen hervor ruft. Ich verzichte mal darauf, Dir ungefragt motivierende Ratschläge zu geben.
    Das, was mich grade oben hält, ist die Beobachtung, dass es trotz dem "Auf und Ab" zur Zeit in Summe aber besser wird. Das gibt mir Hoffnung.
    LG Unikum
  • "Mein Leben hätte ganz anders verlaufen können, wenn ich dies vorher erkannt hätte."
    Ein Gedanke, der mich seit einiger Zeit beschäftigt. Natürlich ist es nicht gut, immer nur zurückzuschauen... Aber, wenn ich vieles früher gewusst hätte und mich nicht hätte nötigen lassen.."

    Deswegen finde ich Patricks Blog so wichtig

    und halte unseren Austausch hier im Forum für äußerst hilfreich, um erfahren zu können, was der Begriff Introversion überhaupt mit sich bringt.

    Es hat uns damals Niemand gesagt oder beigebracht. Leider.

    In Zeiten von Internet ist es zum Glück sehr viel leichter geworden, sich zu informieren.
    Einen Begriff bei einer Suchmaschine eingegeben und schwupps. Früher hätte man dafür Fachbücher aus der Bibliothek oder für teures Geld vom Buchhändler gebraucht. Und ja, ich bin alt *zwinker*

    Auch wichtig finde ich, im wirklichen Leben für seine Art einzustehen. Zu erkennen, dass man mit dem Bedürfnis nach Alleinzeit nicht etwa unnormal wäre, sondern dass Eigenheiten, die andere an einem teils über Jahre kritisiert und abgelehnt haben, durchaus normal sind. Und man sie genießen sollte. Vor allem auch seine Quality time ;)

    Ich glaube auch nicht mehr daran, dass es weniger Intros als Extros gibt. Wir befinden uns auf einem Verlauf und ich behaupte einmal, beide Arten der Energiegewinnung halten sich dabei die Waage.

    @SanneHB
    es wird dir bald wieder besser gehen!
  • Danke für eure lieben Worte, das tut sehr gut! :-)

    Dieser Blog und das Forum sind mir eine große Hilfe. Endlich nicht mehr das Gefühl, allein oder gar "komisch" zu sein. Und das Schneckenhaus ist meine "Quality Time", in das ich mich gerne zurückziehe. Und es ist nicht so, wie von vielen meiner Mitmenschen gefordert, dass ich da dringend mal raus müsste....

    Dank des Internets bin ich überhaupt erst darauf gekommen introvertiert zu sein. Übrigens hätte ich früher auch in Bibliotheken oder zum Buchhändler gehen müssen, fürchte also ich bin auch alt ;-)
  • @Unikum:

    Ich bin jetzt 38 Jahre alt. Auf Introversion bin ich vor ca. sechs Jahren nach einer gescheiterten Beziehung gekommen. Ich hatte mit meiner damaligen Partnerin zusammen gelebt. Und im Alltag stellte sich dann mit der Zeit heraus, dass wir doch sehr verschieden waren. Sie wollte mich auch immer umkrempeln und konnte z.B. überhaupt nicht verstehen, warum ich im Gegensatz zu ihr meine Freizeit nicht mit Terminen und Verabredungen vollgepackt hatte. Da ich ihrer Ansicht nach "nichts" vor hatte, hatte sie erwartet, dass ich sie bei ihren Vorhaben immer begleite. Mit der Zeit war ich völlig ausgelaugt und hatte deutlich gespürt, dass ich Zeit für mich allein brauchte. Ich habe dann nicht mehr alles mitgemacht (ich bin übrigens auch nicht der Ansicht, dass man als Paar immer und überall im Doppelpack auftauchen muss), wofür sie aber kein Verständnis hatte und ich mich jedes Mal wieder rechtfertigen musste. Es gab jedes Mal wieder eine Diskussion, wenn ich geäußert hatte, dass ich mal alleine sein möchte. Und dabei war sie sogar so eine Art Hobby-Psychologin und hatte mal Psychologie studiert (aber abgebrochen), hatte aber trotzdem kein Verständnis.
    Nachdem die Beziehung beendet war, habe ich angefangen, mich mit psychologischen Themen zu beschäftigen, vor allem solche, die mich selbst betreffen. Ich wollte wissen, was mit mir nicht stimmte und warum ich so verkehrt war. Es war ja nicht nur diese Beziehung, sondern schon mein ganzes Leben lang wussten es immer alle besser, wie ich sein soll. Dabei bin ich auf Introversion gekommen und habe mich darin zu 100% wiedererkannt. Das war eine der wichtigsten Erkenntnisse in meinem Leben, wenn nicht sogar die wichtigste.

    "Dass ich anders bin und scheinbar andere Dinge mag, als alle anderen, das hab ich bereits als Kind gemerkt. Aber wie bei Dir auch wurde mir immer das Gefühl vermittelt, so soll ich nicht sein, ich solle aus mir raus kommen, mich zusammenreissen, mich gehen lassen etc..."
    Diese Worte von dir kann ich genauso unterschreiben. Und heute kann ich viel selbstbewusster damit umgehen und zu mir und meinen Bedürfnissen stehen.

    Sicher wäre bei mir auch einiges anders gewesen, wenn ich diese Erkenntnis schon früher gehabt hätte. Aber zum einen ist es nun mal wie es ist, ich kann die Vergangenheit nicht rückgängig machen. Und zum anderen bin ich froh darüber, dass ich diese Erkenntnis überhaupt hatte. Und das bedeutet mir sehr viel.
  • @SanneHB:

    "Weil letztendlich auch die Summe der schlechten Erfahrungen mich zu einem Einzelgänger werden lässt?"

    Diese Frage stelle ich mir auch oft. Denn im Grunde habe ich schon den Wunsch nach zwischenmenschlichen Kontakten. Ich sehe mich aber immer wieder mit Unzuverlässigkeit und Unverbindlichkeit konfrontiert, während ich selbst sehr zuverlässig und verbindlich bin. Und ich denke, dass ich mich auch deshalb immer mehr einigele, weil ich inzwischen schon von vornherein mit Enttäuschungen rechne, von denen ich mittlerweile aber auch schon genug erlebt habe. Somit ist der Rückzug bei mir zwar zu einem großen Teil das Bedürfnis danach, aber es spielt ganz sicher auch ein Vermeidungsverhalten mit rein. Positiv daran ist, dass ich mir nicht mehr alles so zu Herzen nehme. Aber ich habe auch das Gefühl, dass ich dadurch immer mehr abstumpfe, und das finde ich schon bedenklich.

    Deshalb kann ich mir schon vorstellen, dass es nicht nur das Bedürfnis an sich ist, sondern eben auch Erfahrungen mit dazu beitragen.
  • @Herbstbube
    Der Wunsch nach zwischenmenschlichen Kontakten ist da...eigentlich. Zurzeit habe ich mich sehr zurückgezogen und das Aufstehen und zur Arbeit gehen kostet Kraft und Überwindung. Ich weiß, dass das nur temporär ist, das wird bald wieder anders sein. Aber:

    Was ich merke, dass ich immer weniger jemandem vertraue und das wird nach jeder Enttäuschung mehr. Unbefangen bin ich schon länger nicht mehr, nur bei den Menschen, die ich schon Jahre kenne (und das sind sehr, sehr wenige). Darum kann ich bei mir nicht vom abstumpfen reden, eigentlich sogar im Gegenteil. Ich bin ein Stück weit verletzlicher geworden und dadurch komme ich auch immer mehr in ein Vermeidungsverhalten.

    Einzig gut ist, dass ich in meiner Arbeit weder Stress, noch Probleme mit Kollegen habe und für meine Arbeit geschätzt werde. Wenn das nicht wäre, darüber mag ich lieber nicht nachdenken.
  • Ist ein Vermeidungsverhalten nicht die logische Schlußfolgerung, wenn man feststellt, anzuecken und Konflikte hervor zubeschwören, die man gar nicht haben möchte?

    Ich frage, weil mir vor nicht allzu langer Zeit vorgeworfen wurde, ich müßte aufpassen, nicht immer kauziger zu werden. Von einer Person, die es immer wieder schafft, durch ihr - ich nenne es einmal egoistisches Verhalten - mich in Situationen zu bringen, in denen ich gar nicht sein möchte.
  • "Von einer Person, die es immer wieder schafft, durch ihr - ich nenne es einmal egoistisches Verhalten - mich in Situationen zu bringen, in denen ich gar nicht sein möchte."

    Oh ja, das mag ich auch besonders...! :-/

    Erst einen total auf die Palme bringen oder nerven oder auf andere Weise dazu bringen, dass man sich selbst vergisst, und dann anmerken, was mit einem denn wohl schon wieder nicht in Ordnung wäre. *.*

    Vor allem "schon wieder"... ;-)
  • Ich bin also nicht allein. Gut. Danke dir sehr für diese Rückmeldung @Ina
  • Nein, da bist du bestimmt nicht allein @enjoythesilence. ;-)

    Ich halte mich schon für einen recht höflichen und umgänglichen Menschen. Es gibt aber hin und wieder Menschen, die schaffen es in Sekunden, mich auf die Palme zu bringen. Und genau das ist ja auch deren Ziel! Um hinterher wieder sagen zu können, dass man unausstehlich ist. Und dass man ja sowieso IMMER so unausstehlich ist...

    Narzissten sind in der Disziplin ganz weit vorne... ;-)
  • @SanneHB:

    Ich kann das gut verstehen, denn ich kenne solche Phasen auch. Aber irgendwie kommt dann doch immer wieder auch eine bessere Phase.

    Genau, zu vertrauen fällt immer schwerer, das geht mir auch so. Bei neuen Bekanntschaften bin ich inzwischen schon voreingenommen, weil ich denke, dass es sowieso wieder nicht lange hält und ich mich bestimmt wieder nicht auf die andere Person verlassen kann. Das tut mir auch leid, weil ich damit einerseits andere Menschen stigmatisiere und andererseits mir selbst Chancen auf nette und gute Kontakte verbaue.

    Vermeidungsverhalten aufgrund höherer Verletzlichkeit … das ist durchaus ein interessanter Ansatz. Darüber werde ich mal eine Runde nachdenken. So habe ich das bisher noch nicht gesehen. Das muss ja nicht heißen, dass das auf mich auch zutrifft, aber ich finde das durchaus nachdenkenswert. Ich bin mir nämlich gar nicht so sicher, ob ich wirklich immer mehr abstumpfe, es ist nur so ein Gefühl. Kann auch sein, dass die Mauer, die ich sowieso schon um mich herum habe, in der letzten Zeit noch etwas höher geworden ist, aber meine Sensibilität immer noch dieselbe ist. Ich bin mir da nicht so sicher. Deshalb danke für diesen interessanten Gedanken. :-)
  • @enjoythesilence:

    "Ist ein Vermeidungsverhalten nicht die logische Schlußfolgerung, wenn man feststellt, anzuecken und Konflikte hervor zubeschwören, die man gar nicht haben möchte?"

    Oh ja. Vor allem, wenn man sowieso Konflikten aus dem Weg geht. Trifft bei mir auf so ziemlich viele Situationen zu.
  • Vertrauen - sich auf jemanden verlassen - Enttäuschung - Rückzug

    Alles das, was ihr schreibt, kenne ich teilweise selbst bzw. kann es uneingeschränkt nachempfinden! :-)

    Mir ist aber auch, sicherlich durch meine gesundheitlichen Querschläge der letzten Monate, bewusst geworden, dass ich mich ja nicht mal mehr selbst auf MICH verlassen kann. Ich weiß noch weniger als früher wie der nächste Tag wird... derzeit lebe ich in völliger Unsicherheit. Nix planbar... im Fokus: wieder auf die Beine kommen.

    Und das bringt mich zum Kern: für sich selbst sorgen!
    Ihr seid für Euch jeweils Fachfrau/Fachmann für Euch selbst! Ihr wisst selbst, was Euch gut tut!

    Und wenn Ihr für Euch Verständnis aufbringen könnt, dann ist das schon mal das Wichtigste.

    Mir hat es zumindest geholfen, dass ich diesen Wunsch nach Verlässlichkeit bei anderen Menschen loslassen kann - denn selbst der sensibelste und introvertierteste Mensch kann mal "ausfallen". Jeder hat ein eigenes Leben. Niemand weiß, wie der nächste Tag werden wird…

    Kontakte kann man nicht erzwingen - und soll man auch nicht.
    Auch wenn der große Teil dieser Spaßgesellschaft es so gerne hätte. Oberflächlichkeit, Unverbindlichkeit, hochprozentige kollektive Gaudi etc.

    Wie ist das bei der Hochsensibilität - angeblich sollen sogar bis zu 25% der Menschen hochsensibel sein?
    Blöd nur, wenn der Großteil der Gesellschaft sich in eine andere Richtung bewegt...

    Insofern: Wer bin ich? Was brauche ich? Was tut mir gut?
    Wissen - und danach leben. Jeden Tag ein Stückchen mehr!

    Ich finds schade, dass das in unserer Gesellschaft nicht "gelehrt" wird - wie man gut mit sich selbst umgeht.
    Alles ist auf Funktionieren ausgerichtet... Kindergarten, Schule, Ausbildung/Studium... Wo wird da gelehrt, wie Selbstfürsorge geht???

    Jepp - es hilft nur: Eigeninitiative ;-)


    Sozial-Allergie – Sozial-Phobie

    Hey, erlaubt mir mal eine ganz krasse und direkte Ansage: Das ist doch Begriffs-Kosmetik!

    Klar, unser Gesundheitssystem lebt in Diagnosen – wir selbst denken in Schubladen…
    ABER: gerade bei psychischen und psychiatrischen Diagnosen wäre ich vorsichtig!

    Zum einen: Vermeidungsverhalten, das dazu führt, die Gesellschaft nicht mehr aufzusuchen, kann eine Phobie sein. Die Begrifflichkeit „Allergie“ verschleiert das nur.
    Wo hört eine „Allergie“ auf und wo beginnt eine Phobie? ;-)

    Zum anderen: im Rahmen meiner beruflichen Ausbildung habe ich gelernt, dass eine psychische Diagnose IMMER erst mal eine temporäre Verlaufsbeschreibung ist. Da ist nichts in Stein gemeißelt. Genau genommen!
    Theorie und Praxis ;-)
    Leider werden diese Diagnosen bzw. Stempel heutzutage viel zu leichtfertig und viel zu inflationär verwendet. Und vielleicht wird damit auch Druck ausgelöst.

    Denn – ist es nicht entscheidender, gerade in diesem Feld für sich selbst einzustehen?
    Wieder dieser Bogen zu: Wer bin ich und was tut mir gut?

    Auch da hilft mir immer wieder das Wissen: Der Großteil der Menschheit ist eben so – aber ich bin ich und ich bin in vielen Aspekten ANDERS!
    Und dafür muss ich mich nicht entschuldigen und das ist auch NICHT krank!

    Krankheit ist oft auch von außen „eingetrichtert“!

    Die Sache mit Phobie ist in meinen Augen eine Gratwanderung!
    Was ist daran krankhaft, sich zurückzuziehen, wenn es einem dann besser geht? ;-)

    (Ja klar, aus der Sicht der anderen ist das "krank, weil eine funktionierende Gesellschaft zum Überleben nötig ist. Vordergründig...)

    Wie hat denn die WHO „Gesundheit“ definiert? (frei formuliert) Gesundheit ist der Zustand des physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit oder Behinderung.

    Ergo: Mir hilft es, auf meine Ressourcen zu schauen. Was kann ich gut?
    Und DAS dann leben!

    Wenn ich mich gedanklich nur in „Krankheit“ aufhalte, ist das wie ein Teufelskreis.
    Und – daher auch wieder die Frage… was ist krank? Was ist gesund?
    Bestimmt das die Gesellschaft, ein Arzt oder ich? ;-)


    Allergien – „Behandlungsmöglichkeiten“

    Liegt eine Allergie vor, gibt es folgende mir bekannte Möglichkeiten:
    - Antihistaminika
    - Cortison
    - Allergen meiden
    - Desensibilisierung

    Tja – was nun mit der „Sozial-Allergie“ machen? ;-)


    Was wollte ich eigentlich sagen…?

    So, wie hier beschrieben, ist das – von außen betrachtet! – eine Sozialphobie. Da brauchen es keine Kosmetik in Form von Abschwächung.

    ABER – ist das „Außen“ denn das Maß aller Dinge?

    Ich sage da für mich gerne: Wenn jemand vom Kölner Dom springen will, soll er es tun. Ich muss ja nicht hinterher springen ;-)

    Sensible und introvertierte Menschen werden es in unserer Gesellschaft leider immer etwas schwerer haben, da sie nicht so, wie die „laute“ Masse sind und sich da auch noch abgrenzen müssen.

    Nobody is perfect – wir haben es wohl alle schmerzhaft erkennen dürfen.
    Aber – genau diese Erkenntnis ist doch „goldwert“! Zu wissen, wie man tickt und was man braucht!

    Und – dass eben ALLE nur Menschen sind! In den unterschiedlichsten Ausprägungen :-)
  • @wind_und_wellen
    Zum Thema Achtsamkeit kann ich Dir 100% zustimmen.
    Das müssen die Menschen erst lernen und ich vermute die stillen Menschen besonders, weil diese eher Gefahr laufen, gegen ihre Natur zu leben, weil die laute Gesellschaft es ja so vormacht. Dazu kommt, dass der Mensch naturgemäss bestrebt ist, "dazu zu gehören". Also ist der erste Schritt das Mitmachen, Nachahmen und Anpassen.
    Erst, wenn man merkt, das dies nicht zum Erfolg führt oder einem nicht gut tut, beginnt man zu überlegen, was da in der Gleichung nicht stimmt...

    Den Begriff Sozial-Allergie hast Du (vermutlich) ernster und wichtiger genommmen, als ich ihn meinte. (Ist auch eine Wortschöpfung und keine Diagnose).
    Ich benutze das Wort mit einem Augenzwinkern. Es ist für mich das vermeidende Verhalten, was sich aber noch klar von der Phonbie abgrenzt.
    Eine Phobie beinhaltet, dass man vor etwas eine irrationale Angst hat, die dann auch einen gewissen Leidensdruck erzeugt. Das ist schon etwas anderes, als Dinge nur zu meiden, weil man weiss, sie tun (jetzt grade) nicht gut.
  • @Unikum

    Lieben Dank für Deine Rückmeldung :-)

    Ja, das Mitmachen oder Nachahmen ist ja auch ein Teil bzw. Methode des Lernprozesses im Allgemeinen gesehen - neben den anderen Konditionierungsformen.

    Und ja, für mich als multiple Allergikerin (gegen Pollen, Nahrungsmittel, Chemikalien etc.) fühlt sich der Begriff "Sozial-Allergie" nicht unbedingt passend an.
    Für mich wäre Sozial-Aversion oder Sozial-Antipathie passender. Oder im weitesten Sinne auch Sozial-Intoleranz...

    Hm - soziale Phobie kenn ich als "Angst vor sozialen Situationen" mit dementsprechendem Vermeidungsverhalten. Der Leidensdruck kommt meines Wissens erst dann ins Spiel, wenn die Frage gestellt wird, ob eine Phobie behandlungsbedürftig ist: immer dann, wenn man/frau selbst darunter leider und/oder das Umfeld darunter leidet.
  • @wind_und_wellen
    Ok, Deine Alternativ-Begriffe treffen es ebenfalls sehr gut ;)
    Wobei Intoleranz auch wieder falsch verstanden werden kann. Ich denke aber jeder hier, weiss jetzt, was gemeint ist.
    Eine Sozialphobie gilt ers ja zu vermeiden. Da sehe ich für mich/uns eine erhöhte Gefahr. Denn wer gern allein ist, merkt vielleicht gar nicht, dass er sich immer mehr von der Gesellschaft entfernt und das bewirkt dann eine erhöhte Unsicherheit in sozialen Situationen und das führt zu noch mehr Vermeidung. Da beginnt die Abwärtsspirale.
    Es ist dann sehr schwer, da wieder raus zu kommen. Ich denke, man sollte auf die richtige Balance zwischen sozial und allein achten. Und die ist bei jedem anders.
  • @Unikum
    Hm... in gewisser Weise kann ich Deine Gedanken nachvollziehen. Der Teufelskreis...

    Mal hypothetisch: wenn jemand gerne alleine ist, worin liegt dann die Gefahr?

    Und: woher kommt die Unsicherheit in sozialen Situationen?
    Durch den vermehrten Rückzug?
    Oder ist sie die Ursache des Rückzugs?
  • @wind_und_welllen
    Also meiner Meinung und Erfahrung nach liegt die Gefahr darin:
    Ich bin gern allein, also erlebe ich sehr wenige soziale Situationen.
    Mit der Zeit habe ich also immer weniger Übung im Umgang mit anderen Menschen und bin nur noch auf mich selbst fokussiert.
    Dies kann in Kombination mit zu wenig Selbstbewusstsein zu Unsicherheit in sozialen Begegnungen führen. Fehlen mir da dann aufgrund der Unsicherheit dann die nötigen kleinen Erfolgserlebnisse, sorgt das in Zukunft für immer mehr Vermeidung.
    Also bin ich noch mehr alleine, was mir aber nicht schwer fällt.

    Der Schlüssel ist hier - denke ich - das Selbstwertgefühl, vielleicht in Verbindung mit Schüchternheit. Ich habe das bei mir in jungen Jahren so beobachtet. Heute ist das anders. Aber da ich die Gefahr für mich kenne, kann ich aktiv gegensteuern.

    Vielleicht lässt sich die These nicht verallgemeinern, da ja doch einige Faktoren zusammenkommen müssen, die aber nicht bei jedem Introvertierten gegeben sind.
  • @Unikum

    Lieben Dank für Deine Erläuterung - nun "sehe" ich klarer :-)

    Ja, das Bewusstsein über die Zusammenhänge und die Wechselwirkungen ist auf jeden Fall wichtig und die beste Voraussetzung, um da nicht noch weiter "abzudriften".

    Stellt sich die Frage: was könnte der nächste Schritt sein?

    Die Sache mit dem Selbstbewusstsein und dem Selbstwertgefühl ist ja die eine Seite - die andere dann im Zusammenhang mit sozialen Begegnungen.
  • @wind_und_wellen
    Was meinst Du damit?
    "Stellt sich die Frage: was könnte der nächste Schritt sein?"
  • @Unikum

    Naja... ein nächster Schritt könnte sein, das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl auszubauen.

    Oder sich in sozialen Begegnungen zu "üben".

    Oder...?
  • Ja, da hast Du Recht, das ist der richtige Weg. So versuche ich das in den letzten Monaten.
  • Hm, was der richtige Weg ist, kannst nur Du für Dich bzw jeder für sich selbst entscheiden.

    So, wie Du ja bereits erwähnt hattest: viele individuelle Faktoren... :-)

    Insbesondere dann, wenn eben der Wunsch oder auch das Bedürfnis da ist, alleine zu sein, ist die Zeit für soziale Begegnungen schon reduziert.

    Das macht es nun nicht einfacher...

    Aber was ist denn wichriger?

    Eher für sich selbst zu sorgen?

    Oder eher mit anderen Menschen zusammen zu sein?

    Da wären wir wieder bei der Dosis ;-)

    Ja, da gibt es keinen pauschalen Weg - selbst für sich selbst nicht.

    Ein interessantes Thema... Lebensthema... komplex... ;-)
  • @wind_und_wellen
    Ja selbstverständlich ist die Dosierung des Sozialen für jeden individuel und an die Bedürfnisse anzupassen.
    Ich selbst bin sehr gerne allein, zu gerne. Ich habe die Befürchtung, dass das irgendwann in sozialer Isolation endet und das würde mir nicht gut tun. Ich muss also für eine minimale Dosis Soziales selbst sorgen. Die richtige Dosis versuche ich gerade auszuloten. Das ändert sich auch bestimmt immer mal wieder je nach Verfassung und Gesundheitszustand.
    Mein bester/einziger Freund sagte einmal zu mir (In Bezug auf mein einzelgängerisches Leben): "Ich beneide Dich um Deine Zufriedenheit". Das tat gut zu hören, hat mich aber auch zum Nachdenken angeregt:
    Letztendlich ist das für mich (euch auch?) das Wichtigste: Zufriedenheit.
    Glück ist nur von kurzer Dauer und kann sogar süchtig machen und den Wunsch nach immer mehr wecken. Vermutlich bin ich gar nicht in der Lage, Glück zu empfinden. Aber Zufriedenheit kann etwas weitgehend konstantes und dauerhaftes sein. Und das finde ich wirklich erstrebenswert.
  • Sollten wir uns nicht froh und glücklich schätzen, mit uns selbst zufrieden sein zu können?

    Ich kann die Sorge vor Isolation nachvollziehen, wenn man sich zu oft aus dem gesellschaftlichen Leben heraushält, besteht die Gefahr, irgendwann nicht mehr gefragt zu werden.
    Und Manche beginnen, schlecht über einen zu denken. Doch haben dann nicht diese Menschen ein Problem mit sich selbst?

    Drum wähle zumindest deine Freunde weise :)

    Ich bin der Meinung und habe die Hoffnung, dass die richtigen Menschen mit Rückzug umgehen können.

    Und die Anderen sind auf Dauer einfach zu anstrengend.
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