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Zu freundlich für die Arbeitswelt?

edited Januar 14 in Beruf & Studium
Hallo zusammen,

habt ihr manchmal das Gefühl, zu nett für diese Arbeitswelt zu sein?

Über einige Jahre hat sich bei mir Wut und Frust angestaut, weil ich den Eindruck habe, dass meine zurückhaltende/introvertierte Art ausgenutzt wird.

Ich bin der unauffällige Typ, der brav an seinem Arbeitsplatz bleibt und nach bestem Gewissen seine Arbeit erledigt. Mein Chef und seine Lieblinge holen sich viele Freiheiten raus und versüßen sich die Zeit gerne mit privatem Smalltalk. An sich auch kein Problem, es soll ja nicht jeder den ganzen Tag stumm im Büro sitzen, aber es sollte für alle die selben Regeln geben. Wenn die ungeliebten Angestellten mal bisschen reden gibts sofort Stress und man muss sich dafür rechtfertigen.

Es gab oft Tage, an denen ich die einkommenden Anrufe abdrücken sollte während mein Chef, also derjenige der die Entscheidungen trifft und am Ende des Monats doppelt soviel wie ich kassiert, im Nachbarbüro steht und ich ihn sogar dabei beobachten kann, wie er unnötige private Gespräche führt. Ich mach mir dann Gedanken und Sorgen das etwas nicht klappen könnte, obwohl es oft nicht in meiner Hand liegt, ob ein Projekt gut abläuft oder nicht.

Letztens habe ich ihn dabei erwischt, wie er sich im Internet Bilder von Quads und Autos angeschaut hat. Außerdem kenne ich zwei Telefonnummer bei denen ich mit Sicherheit sagen kann, wenn die anrufen, geht es auch nur um private Themen.

Er ist auch so ein typischer cholerischer Chef, der gerne betont, dass die jungen Leute auch mal was schaffen sollen. Er erlaubt sich Dinge, die er bei anderen anprangern würde, ganz nach dem Motto: 'Ich Chef, du nichts!"

Dementsprechend bekomme ich die Arbeit hingeschoben und es funktioniert auch noch, weil ich Depp mir alles gefallen lasse. Aber was soll ich auch machen? Ich brauche Geld und kann mich nicht unbeliebt machen. Solange Leute in der Abteilung sind die funktionieren können andere 'nen Gang zurückschalten und sich darauf ausruhen.

Für mich sehr frustrierend, da ich den Eindruck habe, dass die objektive Leistung zweitrangig ist und in erste Linie nur wichtig ist immer mitzudiskutieren und blabla.. hauptsache wichtig machen.

Ich könnte auch noch darüber schreiben, wie ich immer zurückstecken muss bei meinem Urlaub, oder Überstunden machen muss usw.. aber ihr werdet mein Problem verstanden haben.

Was sind eure Eindrücke von der Arbeitswelt als introvertierte Person?

Kommentare

  • Ich verstehe sehr gut was du meinst und wie es dir damit geht, denn es geht mir seit Jahren leider ähnlich.

    Mein Rat aufgrund meiner Neuesten Erfahrungen:
    schau nach dir. Arbeite du korrekt, was Andere machen, sollte dir egal sein, um nicht in einer Mißgunstspirale gefangen zu sein.

    Und das aller Wichtigste: setze Grenzen.

    Also vielleicht nicht gerade, wenn dein Chef dir eine Aufgabe zuteilt, das wäre sicherlich unklug, jedoch bin ich sicher, dass es Situationen gibt, in denen du dich durchaus selbst behaupten und abgrenzen kannst.


    was du schreibst, geht eigentlich auch so in die Richtung eines Themas, das wir hier kürzlich besprochen haben

    "Gesehen werden"
    https://introvertiert.org/forum/discussion/comment/19932/#Comment_19932

    Und da scheint es mir tatsächlich eine Frage, ob das Gegenüber einen sehen will, oder nicht.

    Ist das Gegenüber nicht gewillt deine Leistung zu sehen und sogar anzuereknenen, bleibt dir vermutlich nichts anderes übrig, als dir selbst auf die Schulter zu klopfen. So lange du weißt, was du kannst und leistest, sollte alles in Ordnung sein.

  • Hey Toby, mir persönlich hilft es enorm, wenn ich in solchen Situationen weiß, dass ich Alternativen habe. Du schreibst ja, dass du den Job brauchst - da liegt aber schon mal ein enormer Stressfaktor. Wer sich alternativlos fühlt, der steht auch unter Stress.

    Du musst gar nicht zwangsläufig den Job wechseln, ich gehe davon aus, dass das auch nicht so einfach wäre. Aber schau dich doch mal auf dem Markt um. Schreib die ein oder andere Bewerbung. Das holt dich ein bisschen aus der Passivität heraus.

    In Deutschland ist der Arbeitsplatzwechsel immer noch so negativ behaftet. Aber so wie du die Situation beschreibst, wirst du in deinem aktuellen Job ja eher nicht glücklich - gib dir selbst ein bisschen Kontrolle zurück, indem du dich nicht an diesen einen Job bzw. diese eine Arbeitsumgebung kettest.

    Liebe Grüße
  • Hallo enjoythesilence,

    hast du gut zusammengefasst. Ich möchte auch in keiner Mißgunstspirale gefangen sein, es fällt mir aber schwer positiv durch meinen aktuellen Arbeitsalltag zu kommen.

    Mir selbst auf die Schulter zu klopfen reicht mir auf Dauer nicht. Ich verlange nicht, für jede Kleinigkeit gelobt zu werden, aber wenn ein größeres Projekt erfolgreich ist, kann man doch zumindest mal ne kurze E-Mail schreiben mit "Danke an alle Beteiligten, der Kunde ist zufrieden".
    Hier gibt es keinerlei Wertschätzung. Dadurch macht man halt 8 Stunden Dienst nach Vorschrift und hat innerlich gekündigt.


    Hallo Wanderlust,

    über einen Jobwechsel habe ich mir schon öfters Gedanken gemacht, aber da stehe ich mir selbst im Weg. Ich seh das ganze realistisch, in sogut wie jeder größeren Firma wird es ähnliche Konflikte geben.
    Außerdem ist mein größtes Problem: ich weiß selbst nicht was ich genau will, etwas orientierungslos..

    Bin aber noch ein junger Kerl, ich halte die Augen offen :)
  • Moin again,

    das mit der Orientierungslosigkeit kenne ich ganz gut :D

    Und klar wird es immer Konflikte im Beruf geben. Aber es gibt durchaus Jobs, in denen das nicht so ist. Mein früherer Chef hatte beispielsweise die negative Eigenschaft, immer Tausend Sachen auf einmal machen zu müssen und daher oftmals nicht konzentriert zu sein - was nervig sein konnte. Auf der anderen Seite hat er eben für den Job gelebt und wollte immer was machen, da gab es dann kein unnötiges Geschnatter oder bevorzugte Behandlung von Mitarbeitern.

    Genau wie man nicht den erstbesten Partner heiraten sollte (ja, ich weiß, einige heiraten auch ihre Jugendliebe, aber das ist eher die Ausnahme), sollte man sich auch erlauben, sich im Berufsleben auszuprobieren :)

    Liebe Grüße
  • Seit gegrüßt

    Kenne ich aus meiner Ausbildung und aus beobachtungen. ich war damals noch im ersten lehrjahr und daher noch recht weit unter dem Radar. Mein chef der ganz "Große" Boss ist ab und an mit seinen Untergebenen durch die halle und hat sich über alles mögliche aufgeregt. es war dennoch immer witzig wenn er durch die halle gekommen ist. der Boss gefühlt ein abgebrochener Zwerg und seine Untergebenen alle über 1.90 bis 2 meter Groß. der Chef hat sich immer auf die Zehenspitzen gestellt wenn er sich aufgeregt hat. musste mich immer zusammenreißen nicht los zu lachen. ich hatte damals auch leicht reden, erstes Lehrjahr hat ja auch einen gewissen welpenschutz.

    Aber jetzt zu deinem Problem, ich kann mir genau vorstellen wie du dich fühlst. Ich bekomme die arbeit und gefühlt sogar mehr als ich eigentlich muss. die anderen stehen in der Gunst des Chefs. Das lässt sich leider nie ganz vermeiden und es ist auch doof wenn man sieht hier gibt es ein zweierlei maß mit dem gemessen wird. Aber wenn du immer den kürzeren ziehst oder besser dir wird der Kürzere gegeben und du musst mehr arbeiten als andere oder als es im vertrag steht. Könnest du auch mal falls es einen gibt, zum Betriebsrat gehen und falls es keinen gibt, ist vielleicht ein Absteher zur Gewerkschaft eine option denn Gewerkschaften sind ja genau deshalb da, um für die recht der Arbeitnehmer einzutreten.

    Meine persönlichen Erfahrung sind auch etwas anders. ich habe gelernt das für mich introvertiertheit sogar im gewissen Rahmen ein Vorteil war, weil mich die Leute meistens übersehen haben. Aber ich habe auch genug jobs gehabt die ich zum Kotzen fand. wo ich am ersten tag wusste, "hier musst du raus, hier wirst du zugrunde Gehen." und nach vielen Jobs bin ich jetzt in studium gelandet und für mich hat das eine deutliche Erhöhung der Lebensqualität gegeben. Nach jedem job wusste ich was ich nicht wollte und es hat meine Sicht weiter auf Sachen gelenkt von denen ich nicht mal erwartet hätte das ich da mal lande.

    Mit grüßen
    Battlehut
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