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Bedürfnis nach Rückzug

Im Thread "Soziale Allergie" klang es ja bereits ein wenig an

und ich stelle mir gerade die Frage:

Hat ein Rückzug etwas mit dem Unvermögen "Nein" zu sagen zu tun?

Denn warum zieht ein Mensch sich zurück?

Wenn die derzeitige Situation zu viel für ihn ist. Dies vom Gegenüber jedoch nicht erkannt, oder man Sorge hat, dass dieses Gefühl nicht akzeptiert wird.

Was würde passieren, wenn man sich stattdessen hinstellt und sagt:

die Situation, in der wir uns befinden, ist mir augenblicklich zu viel.

Kommentare

  • Wichtige Frage, die mir gerade einfällt:

    Rückzug - mit "Ankündigung"?

    Oder "passiver" Rückzug?
  • edited Januar 19
    @wind_und_wellen

    egal eigentlich ob passiver oder aktiver Rückzug. Ich mache in beiden Konstellationen die Erfahrung, dass mein Umfeld auf Rückzug meinerseits mit Unverständnis reagiert.

    Noch dazu mit wenig Empathie, obwohl ich die gerade in Rückzugssituationen extrem nötig hätte ;)

    Edit:
    Ich habe aber auch mindestens ein Beispiel, bei dem ich Verständnis bekam, als ich mich ohne Ankündigung länger nicht gemeldet habe.

    Die Reaktion darauf läßt eigentlich nur zwei Schlüsse zu:

    entweder, ich bin meinem Gegenüber komplett egal oder aber, ich werde verstanden.
  • "Unvermögen "Nein" zu sagen..." und "Nein, das ist mir gerade zu viel..."

    Das praktiziere ich nun seit einiger Zeit... also das "Nein" zu sagen, wenn mir etwas zu viel wird.

    Ja, nicht immer wird das verstanden und akzeptiert. Und gerade dann, wenn ich auf "Widerstand" stoße bzw. mein Rückzug nicht akzeptiert wird, könnte ich aus der Haut fahren.

    Ok, mach ich dann in penetranten Fällen auch - und dann haut es mein Gegenüber von den Socken, weil ich bis dato wohl den Eindruck eines harmlosen Schäfchens gemacht habe.

    Zum Glück ist das noch nicht oft passiert, denn selbst laut zu werden und "Zähne zeigen" ist für mich eine riesige Kranftanstrengung.

    Ich bin oft traurig darüber, wenn ein einfaches "Nein" nicht gehört wird... in dieser lauten Welt...

    Wenn ich mich nun zurück ziehe, versuche ich das in den meisten Fällen auch zu kommunizieren, so es denn mein Umfeld nicht schon aus vorherigen Situationen kennt.

    Insofern sehe ich einen aktiven Rückzug, also mit kurzer Ankündigung oder Erklärung, alles andere als ein Unvermögen, "Nein" zu sagen.

    Ehrlich: Das fiel mir anfangs schwer. Weil ich Angst hatte, dass ich nicht verstanden werde. Dass es nicht akzeptiert würde. Dass ich nicht in Ruhe gelassen werde...

    Was ja leider anfangs auch passiert ist...

    Aber mittlerweile wird es zum Glück weitestgehend akzeptiert. Ob es gut ankommt, weiß ich nicht - aber das würde mich nun in Bedrängnis bringen, wenn ich mich nur nach anderen richte... hart, aber ist leider so... :-(
  • @wind_und_wellen
    "Das praktiziere ich nun seit einiger Zeit... also das "Nein" zu sagen, wenn mir etwas zu viel wird.
    Ja, nicht immer wird das verstanden und akzeptiert. Und gerade dann, wenn ich auf "Widerstand" stoße bzw. mein Rückzug nicht akzeptiert wird, könnte ich aus der Haut fahren."

    Seit einiger Zeit gehe auch ich damit offener um, dass ich mich zurückziehe und meine Ruhe brauche. Meine Kollegen verstehen es zum größten Teil eigentlich nicht, sehen dies eher als Gefühlsschwankung vorübergehender Natur.
    Meine Freundin kennt mich seit 20 Jahren und akzeptiert das ohne Wenn und Aber. "So bist du halt und ich mag dich so", was will ich mehr?

    Meine Familie besteht nur noch aus meiner Mutter und die versteht es auch nicht, sagt dann aber nur "Du bist wie dein Vater". Was mich schon manches mal zur Antwort verleitet hat "dann habe ich es ja gut getroffen" .... Da möchte ich noch etwas zur folgenden Aussage was erzählen:

    @Unikum
    "Wenn man auf Hilfe angewiesen ist, wird es schwierig werden. Aber willst Du lieber einem Freund/Kind/Partner zur Last fallen oder einem Fremden, dessen Job es ist, Dir zu helfen?"

    Im letzten Lebensjahr meines Vaters, das er nur im Pflegebett liegend verbracht hat, haben wir eine Zeit gehabt, in der wir uns sehr viel unterhalten haben, auch über Introvertiertheit. Er sagte mir damals, dass er glaubt, dass ich ihm da sehr ähnlich bin. Zwar habe ich danach einiges darüber gelesen, wollte dies aber nicht so richtig verstehen. Warum auch immer... Ein entscheidender Satz ist mir von ihm in Erinnerung geblieben. "Deine Mutter ist so extrovertiert und sie tut ja wirklich alles für mich, pflegt mich usw. ...und trotzdem ist es, auch wenn es mir schwer fällt zu sagen, die Hölle für mich. Ich bin nie alleine, ich kann nicht mehr weggehen, bin ans Bett gefesselt und sie redet und redet und redet und hört überhaupt nicht auf, auch wenn ich sie noch so sehr darum bitte." Danach habe ich mit meiner Mutter gesprochen, dass sie ihm doch ein bisschen Zeit alleine geben solle...sie hat es nicht verstanden und wiegelte nur ab, dass er wie immer übertreibe.

    Das bringt mich immer wieder zum nachdenken, wohl genau wie bei dir? Was denn nun besser ist, eine Beziehung, in der man nicht Verständnis für die Introvertiertheit bekommt, aber man später nicht allein ist? Oder doch lieber fremde Hilfe?
  • @enjoythesilence

    -> "Ich habe aber auch mindestens ein Beispiel, bei dem ich Verständnis bekam, als ich mich ohne Ankündigung länger nicht gemeldet habe.
    Die Reaktion darauf läßt eigentlich nur zwei Schlüsse zu:
    entweder, ich bin meinem Gegenüber komplett egal oder aber, ich werde verstanden."

    Das ist doch schon mal sehr schön, wenn Du mindestens ein positives Beispiel hast :-)
    Das freut mich :-)

    Deine Schlussfolgerung - kann ich nachvollziehen. So würde ich vielleicht auch denken.
    Hast Du denn da nachgefragt?

    Je nach Tiefe der Beziehung, also wie gefestigt sie ist, müsste sie doch eigentlich auch mal einen Rückzug verkraften. Und wenn Dich Dein Gegenüber "gut" kennt oder eben auch die richtige Schlussfolgerung zieht, dann müsste das ja tragbar sein :-)
  • @SanneHB

    Ohja - mit Arbeitskollegen habe ich auch komische Erfahrungen gemacht. Für mich fast ein großes Feld an Fettnäpfchen oder Tretminen.
    Gibt es doch schließlich auch Kollegen/Kolleginnen, die auch auf der Arbeit ein sehr enges soziales Miteinander bevorzugen. Also im Sinne von: nach der Arbeit gemeinsam was unternehmen. Oder auch mal ein Wochenende. Von betrieblichen Feiern und sonstigen Bespaßungen mal abgesehen...

    Ein schwieriges Feld, weil ich auf der Arbeit eigentlich primär arbeiten möchte.

    Das dann noch mit privaten Ebenen zu vermischen... hm...

    Was ist, wenn dann die Freundschaft mal auseinander geht? Und man womöglich noch im gleichen Team ist... puuuhhhh...

    Dann lieber freundliche Arbeitsdistanz :-)


    -> Beziehung zwischen Vater und Mutter... belastet...

    Hm. Vielleicht liegts nicht nur am Wesen Deiner Mutter hinsichtlich der Extroversion - vielleicht hat sie eben auch starke Mutter-Angewohnheiten - und möchte überall präsent sein.
    Meine Mutter ist sehr introvertiert und zurückgezogen - aber innerhalb der Familie kann sie richtig "aufdrehen". Nicht immer zur Freude aller Beteiligten...
  • @wind_und_wellen
    Das enge soziale Miteinander wird seit einiger Zeit bei uns sehr gepflegt. Bei einem Treffen hatte ich mich genötigt gefühlt mitzukommen, ein Riesenfehler.

    Inzwischen gehe ich offen mit meiner Introvertiertheit um und sage dies auch. Es wird im Großen und Ganzen akzeptiert.

    Kollegen aus meinem engeren Kreis sind inzwischen freundschaftlich verbunden und treffen sich auch privat. Das sehe ich auch als sehr schwierig an. Die Grenzen vermischen sich und wer bleibt dabei dann noch objektiv? Weil man ja privat so toll miteinander ist. Wehe, das Private geht auseinander....
  • @SanneHB
    Ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Kollegen kann funktionieren, aber meiner Meinung nur, wenn man sich auf der gleichen Ebene befindet und in keiner weise im Wettbewerb steht.
    Ich hatte mal einen Kollegen, der hat versucht, mir dienstlich was zu sagen/mich zu kritisieren und wollte dann nach Feierabend was mit mir unternehmen.
    Er wollte also beruflich und privat trennen, aber beides voll auskosten...
    Geht gar nicht, das war dann auch das Ende von beidem :)) Da hatte er sich mit mir aber den Falschen ausgesucht...
  • @wind_und_wellen

    "Je nach Tiefe der Beziehung, also wie gefestigt sie ist, müsste sie doch eigentlich auch mal einen Rückzug verkraften. Und wenn Dich Dein Gegenüber "gut" kennt oder eben auch die richtige Schlussfolgerung zieht, dann müsste das ja tragbar sein"

    Und genau so tiefe Beziehungen wünsche ich mir. In denen es mir möglich ist, einfach ich selbst zu sein.

    Erstaunlicherweise benötige ich in solchen Verbindungen viel weniger Rückzug oder empfinde eine längere Zeit, die ich für mich war, nicht als solchen, denn es scheint in Ordnung zu sein, wenn ich mich nicht mindestens einmal die Woche melde. Man kann trotzdem wieder dort anknüpfen. Ohne Groll oder ein komisches Gefühl.

    Und das ist mir tatsächlich viel wert.
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