Hey Fremder!

Sieht so aus als wenn du neu hier bist. Wenn du mitmachen willst, drücke einen dieser Buttons!

Aufgrund der Datenschutzgrundverordnung ist es wichtig, auf das Impressum sowie die Informationen zum Datenschutz hinzuweisen. Hier sind die entsprechenden Seiten: Impressum – Datenschutzerklärung. Außerdem möchte ich auf die Hausordnung des Forums verweisen.

Die Zeit der Intros

edited März 22 in Allgemeines
Hallo zusammen,

das Coronavirus und die Angst davor lähmt Deutschland und den Rest der Welt.
In diesen Tagen/Wochen/Monaten wird die Gesellschaft gezwungen innezuhalten und das übliche extrovertierte Treiben einzustellen oder auf ein vermutlich unerträgliches Minimum zu reduzieren.

Ich selbst habe mich freiwillig zu Hause eingerichtet und mache alles, was ich kann, aus dem Home-Office.
Und dabei pendele ich zwischen Angst und Zufriedenheit.
Klingt paradox, ist aber so:

Angst vor Infektion (ich gehöre leider aus medizinischen Gründen zur Risikogruppe), Angst vor dem Wirtschaftlichen Ruin meines Unternehmens, Angst vor der Ungewissheit, was die Zukunft bringen wird.

Bei all dem Schrecken dieser zugegeben noch nie dagewesenen Situation, empfinde ich aber auch eine gewisse Zufriedenheit, dass ich mit meiner Art zu sein und meinen Bedurfnissen genau das machen SOLL, was ich ohnehin gerne mache :) Für mich sein und die Zeit zu Hause geniessen. Das ist wie Urlaub, ohne den latenten Zwang, "unbedingt was tolles erleben zu müssen". Die Entschleunigung, die gerade statt findet, tut mir gut.

Was mir fehlt, ist die Bewegung an der frischen Luft und Sport. Das ist jetzt nur noch eingeschränkt möglich.



Wie geht es Euch in dieser Situation?


LG Unikum

Kommentare

  • @Unikum... ich kann nur bestätigen, was du schreibst.
    Wir in Ö sind seit 8 Tagen "verkehrsbeschränkt". Und abgesehen von 1 Sache, die sich doch schwerwiegend auf mcih auswirkt, empfinde ich keinerlei Einschränkung. Wir dürfen "spazierengehen".
    Mein Glück ist dabei auch, dass ich im öffentlichen Dienst beschäftigt bin und damit von der Jobsorge enthoben.
    Wenngleich mir doch die Auswirkungen auf die Wirtschaft und damit im Umkehrschluss auf die Beschäftigungssituation Sorge bereitet.
    Also ja... klingt komisch, ist aber so - ich seh auch Vorteile in der Tragödie :-/
  • edited März 22
    Ich finde die derzeitige Situation in mehrerlei Hinsicht beklemmend, bin aber eurer Meinung. Auch ich habe mit den ganzen Einschränkungen keine Schwierigkeiten, weil mein Lebensstil sich kaum von den Vorgaben unterscheidet.

    Momentan habe ich Urlaub, aber nicht wegen Corona, sondern schon länger so geplant. Und wie meistens hatte ich mal wieder keine Reise geplant, sondern das, was ich am liebsten mache: zu Hause bleiben und ganz entspannt von einem Tag zum anderen leben. Andere können oft nicht verstehen, dass ich im Urlaub „Nichts“ mache. Wobei ich aber jede Menge mache: Ich gehe meinen Interessen nach und habe dadurch keine einzige Minute Langeweile. Und das kann ich auch in der aktuellen Situation, ohne persönlich eingeschränkt zu sein.

    Das, womit ich ansonsten auf Unverständnis stoße, ist nun plötzlich normal. Ich fühle mich momentan nicht unter dem Druck, mich für meinen Lebens- und Urlaubsstil rechtfertigen zu müssen. Das ist durchaus ein positiver Nebeneffekt.
  • SanSan
    edited März 23
    Wenn ich ehrlich bin, dann hoffe ich, dass diese Krise noch sehr lange andauert. Ich hab größten Respekt vor dem Virus, der Krankheit, der Gefahr, der Überbelegung in Krankenhäusern, den sozialen und wirtschaftlichen Folgen.
    Ich hab allergrößten Respekt vor den Leuten, die da draußen jeden Tag weiter dafür kämpfen, dass der Rest von uns sein Leben möglichst gut weiterleben kann. Leute wie ich, die faul Zuhause auf ihrem Arsch im Home Office sitzen können und keine Repressalien fürchten müssen, weil das Unternehmen, in dem sie arbeiten, offenbar gut mit Home Office funktioniert.
    Ich bin grad am oberen Ende der Nahrungskette. Schon lange vor der Apokalypse habe ich gesagt, dass erst in der Apokalypse auffallen wird, wie wenig wichtig Manager sind und wie wichtig die Leute sind, die die kleinen Dinge für uns erledigen, die niemand sieht und niemand bezahlt. Soziale Dinge. Menschen, die uns heilen wenn es uns schlecht geht. Menschen, die unser Essen herstellen. Solche, die uns hinterherputzen. Die unsere Amazon-Pakete bringen.

    Ich hoffe, dass die Krise lang andauert. Erstens würde ein langer Verlauf vermutlich einen langsamen Verlauf bedeuten, was im Umkehrschluss heißt: Wenig Leute erkranken und immer möglichst so wenige, dass den Kranken geholfen werden kann.
    Und je länger die Krise andauert, desto mehr sind die Menschen gewzungen, ihre bisherigen Wege zu hinterfragen. Wäre das Ganze in zwei Wochen vorbei, kämen alle aus ihren Höhlen gekrochen und würden die eingestürzten Gebilde 1:1 wieder aufbauen, ihre Wunden lecken und sich zurück in das Kapitalismuis-RatRace begeben.
    Wenn die Sache hier noch länger dauert, müssen Empathie und Sozialismus mehr denn je mobilisiert werden, um so viele Menschen wie möglich unbeschadet über die Runden zu bringen. Alte Systeme, die in der Krise nicht funktionieren, müssen durch neue ersetzt werden. Möglicherweise muss auch die Schule endlich reformiert werden. Es gäbe so Vieles, was wir in dieser Krise neu gestalten können.
    Wir könnten alle einsehen, wie wenig wir eigentlich konsumieren müssen. Selbst die, die gehortet haben, könnten einsehen, dass die Hälfte davon eher Anderen zugute hätte kommen können. Wir könnten einsehen, wie gut es ist, Essen lokal zu beziehen. Wie schön es ist, sich um ältere Nachbarn kümmern zu können. Wie sinnlos das 9-5 Herumgesitze im Büro ist und dass das eigene Kind mehr zu sagen hat, als man bisher dachte.
    Ich bin hin und her gerissen zwischen "das ist eine (schreckliche) Chance, die wir Menschen die ganze Zeit gebraucht haben" und dem nihilistischen Ansatz, dass wir gierige Drecksäcke sind und bleiben werden, egal wie lange das hier dauert.
    Und ich halte mich für feige, weil ich selber nichts tue, um das System zu ändern. Ich halte mich für feige, weil ich diesen Kampf einer Einzelperson als aussichtslos ansehe und dann lieber auf meinem vom in der selbstauferlegten Quarantäne und vom Snacken immer feister werdenen Arsch im Home office sitzen bleibe.
  • Mir geht es ähnlich wie euch, in erster Linie fühle ich mich entlasted, weil nun der ruhige zurückgezogene Lebensstil für alle gilt. Aber Beklemmung und Angstgefühle sind auch da. Ich versuche mich ihnen zu stellen ohne mich darin zu verlieren.
    Aber ich habe auch Hoffnung und eigentlich sogar die Überzeugung, dass das eine Chance zur Umkehr ist, die einfach dran ist. Hier mal sehr optimistische Gedanken dazu:
    https://www.horx.com/48-die-welt-nach-corona/
  • vielen herzlichen Dank für den Link, @Nanno!!!!!!!!!
    Wunderschön zu lesen!!!
  • Sehr schön geschrieben @San
    Ich habe mich auch schon bei dem Gedanken erwischt, dass die Menschen (alls gesamte Rasse) genau sowas verdient haben, was jetzt passiert.
    Das ist traurig für jeden einzelnen Betroffenen, keine Frage. Und vielleicht wird es auch mich erwischen. Aber von aussen betrachtet, ist das eine ganz normale Entwicklung und ein Regulationswerkzeug der Natur.
  • @Unikum Ja, die Menschheit hat eine riesen Chance durch diese Tragödie, aber vor allem hat die Welt eine riesen Chance und eine wirkliche Verschnaufpause von unserem destruktiven Verhalten.
  • Lustig. So etwas wollte ich vor ein paar Tagen auch schon schreiben und damit eine Diskussion eröffnen.

    Ich persönlich sehe die Ernsthaftigkeit der Situation und ich sehe auch, dass sowohl wirtschaftliche, gesellschaftliche aber auch gesundheitliche Folgen kommen werden.

    Im gleichen Atemzug stelle ich mir aber die Frage, ob das alles zwingend negativ sein muss. Ähnlich wie @san denke ich, das das Ganze noch lange anhalten wird und ehrlich gesagt auch muss. Denn nur so gibt es überhaupt die Chance einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Neuordnung. Ich lese viele Stimmen, die diese Zustände, wie wir sie jetzt haben und die damit verbundenen Einschnitte als furchtbar ansehen. Viele leiden auch jetzt schon unter den Einschränkungen obwohl sie eigentlich gar nicht so extrem sind. Und dann fällt mir ein, dass es jetzt umgedreht ist: Jetzt leiden die Extros unter der erzwungenen Lebensführung der Intros, entwickeln teilweise psychische Probleme und wissen schlichtweg nicht, damit umzugehen.

    Für uns ist die Situation momentan nicht schlecht. Aber ich frage mich, ob wir eine Art Vorreiterrolle bekleiden können und in dieser Situation etwas Stabilität vermitteln. Und doch habe ich nicht die geringste Ahnung, wie das gehen soll.

    Und doch: Gehe ich raus, was sehr sehr selten passiert, erlebe ich, wie in fucking Berlin nicht gemeckert wird sondern sozial auf einander zugegangen wird, während man brav physischen Abstand hält. So entspannt war ich als blinder Mensch wohl noch nie in einer Millionenstadt unterwegs. Keiner, der einen jetzt unbedingt einen halben Meter vor der Treppe am Arm packt und die Situation damit erst gefährlich macht und keiner, der wegen Unachtsamkeit den Stock weg tritt.

    Wenn sich also eins gezeigt hat dann wohl, dass Menschen durchaus aufmerksamer durchs Leben gehen können. Auch die Auswirkungen auf die Umwelt sind nicht zu vernachlässigen. die Kanäle kommen mal wieder zur Ruhe und in Italiens Häfen siedeln sich Delfine an. Die Luftqualität in Industriestandorten wird erschreckend schnell besser und es wird endlich mal vernünftig über den Wert von Arbeit diskutiert. Außerdem hört keiner mehr den Schnullernazis der AfD zu. Egal mit was für Marketingstunts sie es versuchen, wieder in den Medien stattzufinden.

    Schließen möchte ich diesen Roman damit, dass ich gespannt bin, wie es weiter geht und, dass sich eine Zuversicht bei denen breit zu machen scheint, die nach vorne schauen und nicht panisch an dem festhalten, was bisher war. Ja, die Welt ist im Umbruch. Formen wir sie doch ein Stück mit.
  • edited März 23
    Ich glaube auch, dass die Situation noch andauern wird. Und ich sehe darin auch die Möglichkeiten, die @MindSneaker und @San schon sehr gut auf den Punkt gebracht haben und die auch in dem von @Nanno verlinkten Artikel genannt werden. Von daher kann ich dem Ganzen durchaus auch etwas Positives abgewinnen.

    Ich persönlich empfinde die Einschränkungen auch gar nicht als so stark, was aber daran liegt, dass ich kaum etwas anders machen muss als sonst auch. Und es ist ja immer noch sehr vieles möglich. Auch wenn die meisten Geschäfte geschlossen sind, bieten doch viele lokale Händler Lieferung oder Abholung an. Ich habe z.B. heute in der Buchhandlung telefonisch eine Bestellung aufgegeben. Wenn die Artikel angekommen sind, ruft mich die Betreiberin an und dann kann ich die dort abholen. Die einzige Einschränkung dabei ist, dass ich nicht einfach so in den Laden gehen und dort stöbern kann. Aber ich kann dort trotzdem etwas kaufen. Es ist nur eine andere Art, aber es ist möglich. Das ist für mich keine große Einschränkung.
    Das ließe sich sicher auch auf viele weitere Beispiele übertragen.

    Fatal ist es insofern, als hier eine touristische Hochburg ist und sehr viele Existenzen vom Tourismus abhängen. Die Ostersaison fällt auf jeden Fall schon mal aus, wenn nicht sogar die komplette diesjährige Hauptsaison. Wenn meine Bewerbung in der Tourismusbranche letzten Sommer Erfolg gehabt hätte, wäre ich jetzt möglicherweise schon arbeitslos. Vielleicht sollte es so sein, dass es nicht geklappt hat.

    Ehrlich gesagt bin ich ganz froh darüber, dass der Touri-Ansturm erst mal ausbleibt. Die letzten Tage habe ich es sehr genossen, bei schönstem Wetter durch die menschenleere Stadt und am Strand spazieren zu gehen. So leer war es noch nicht mal im November.

    Was ich aber eigentlich äußern wollte: Bei aller Tragik habe auch ich die Hoffnung, dass die Situation zu einem Nachdenken und Umdenken anregt und dann einiges in Bewegung kommt … weg vom Ellenbogeneinsatz und hin zu mehr Solidarität … weg von der Höher-Schneller-Weiter-Mentalität und hin zu mehr Gelassenheit … ein Nachdenken darüber, was wirklich wichtig ist und worauf verzichtet werden kann. Und wie @San bereits erwähnt hat, finde ich auch, dass sich in dieser Situation zeigt, wer die wahren Helden sind … nämlich die Menschen, die dafür sorgen, dass wir trotzdem gut versorgt sind.
  • @Unikum
    Du sprichst mir aus der Seele, Endlich DARF man Abstand halten ohne dafür für komisch gehalten zu werden. Das waren auch meine Gedanken zu dem Thema. Ich habe mir auch gedacht, dass ich froh bin, introvertiert zu sein. Ich habe keine Probleme damit stundenlang zuhause mit mir selbst zu verbringen. Für Extrovertierte muss das jetzt die Hölle auf Erden sein.
  • edited März 24
    Ein herzliches HALLO in die Runde,
    ich bin dankbar, dass dieses Thema eröffnet wurde. Vieles von dem, was auch mich bewegt, wurde bereits festgehalten.

    Ich habe ebenfalls keine persönlichen Probleme mit den in Österreich sehr engen Vorgaben, denn es sind ja auch manche "positive" Aspekte mit dieser "Situation" verbunden. (Ich möchte hier wirklich Anführungszeichen setzen, da ich mir all die positiven Aspekte VIEL LIEBER ohne diese erschreckende Pandemie gewünscht hätte! Für tausende Menschen hat diese Zeit nur mit Schrecken zu tun und endet für Tausende leider auch mit dem Tod!!! Daher bin ich mit dem Wort "positiv" sehr vorsichtig!)

    Allerdings, wenn ich schon bei den "positiven" Auswirkungen bin: Nicht nur unsere Umwelt kann sich erholen, es passieren auch wesentlich weniger Unfälle und ebenso geht die Kriminalität zurück.

    Ich finde wie Ihr, dass es jetzt sehr viele HeldInnen gibt und vor allem werden jetzt endlich auch mal jene Menschen genannt, auf die in unserer Hochleistungsgesellschaft immer vergessen wird! Was jetzt im Handel geleistet wird, ist fantastisch! Dass auch endlich einmal die Arbeit aller Reinigungskräfte wertgeschätzt wird, halte ich auch für ganz wichtig. Gerade jetzt ist nämlich Hygiene besonders wichtig!
    Natürlich auch allen ein riesiger Dank, die für die PatientInnen Tag und Nacht zur Verfügung stehen, so wie all jenen, die sich um Menschen kümmern, die Pflege brauchen, ... Und nicht zu vergessen die Menschen, die an den Telefonen sitzen und anderen Menschen ein Ohr leihen, den Einsamen und unfreiwillig Isolierten, die nicht einmal kurz an die frische Luft können, weil sie durch andere Erkrankungen an ihr Heim gefesselt sind. Es wird wohl leider auch zu einem großen Anstieg von Depressionen und Panikattacken kommen ... Wir stehen ja erst am Anfang einer Zeit von Entbehrungen (was sie für viele ja definitiv ist!) und wir müssen noch länger durchhalten!
    Alle, die in systemrelevanten Bereichen arbeiten, sind HeldInnen - ich kann sie gar nicht alle aufzählen, da vergesse ich vermutlich eine Berufsgruppe! (Das Wort "systemrelevant" wird wohl ein oder DAS Wort des Jahres 2020 werden ... neben "Pandemie"?))

    In Österreich darf man sich ruhig auch bei einer sehr effizienten und entschlossenen Bundesregierung bedanken! Ich persönlich finde, dass diese Damen und Herren Tolles leisten - und eine Tatkraft zeigen, wie sie bedauerlicherweise längst nicht in allen Ländern der Fall ist ...

    Was die nachhaltigen positiven Auswirkungen auf unsere Bussi-Bussi-Gesellschaft betrifft, bin ich mit meinem Optimismus etwas zurückhaltend! Und leider gibt's immer noch solche Leute, die noch überhaupt nicht begriffen haben, wie gefährlich ihre Verhaltensweisen sind! Auch, wenn sie meinen, diesen Virus zu überleben, falls sie ihn abbekommen - mit ihrer Egozentrik gefährden sie auch ihr Umfeld und das ist völlig unangebracht!!!
  • Hallo zusammen,

    mit den ganzen Kontaktbeschränkungen habe ich auch keine Probleme. Für mich ändert sich an meiner Lebensweise kaum etwas. Wenn man jetzt alleine rausgeht ist das sogar positiv, vorher fühlte ich mich immer etwas komisch. Zur Zeit ist es bestimmt ein Vorteil introvertiert zu sein.
    Was ich schon merke sind die leeren Regale im Supermarkt, die 2m Abstand sind dort auch nur bedingt möglich, auch wenn ich sehe, dass viele versuchen sich daran zu halten.
    Beruflich bin ich jetzt im Homeoffice tätig. Das ist etwas was ich schon seit längerem bei meinem Arbeitgeber angefragt hatte. Auf einmal ist es möglich, was vorher immer konsequent abgelehnt wurde. Bin mal gespannt was daraus wird, wenn diese Krise überstanden ist.
    Man liest auch viel darüber jetzt mal die Zeit zu nutzen und mal etwas runterzukommen aus dem hektischen Alltag. Leider kann ich davon gar nichts spüren. Ob nun Homeoffice oder nicht, die Arbeit und die Arbeitsweise bleibt die gleiche und Termine bleiben Termine. Alles muss genauso fertig werden wie vorher, nur jetzt von Zuhause aus.
    Ich habe deshalb ja nicht mehr Zeit wir vorher, es wird nur halt per Telefon oder online erledigt. Auf der anderen Seite ist mir natürlich bewusst, dass ich auch viel Glück habe von zuhause aus arbeiten zu können und jetzt nicht beim Arbeitsamt stehen muss.

    Ob das Virus eine "Rache" der Natur ist, für das was die Menschen ihr durch ihre Lebensweise und den Turbo-Kapitalismus antun: möglich ist es schon. Vielleicht ist es einfach so, dass durch die ungleiche Verteilung von Arm und Reich und deren Folge die Armen immer weniger haben und dadurch die Hygiene immer schlechter wird und das dazu führt das solche neuen Viren entstehen. In unserer vernetzten Gesellschaft können sich Viren natürlich problemlos verbreiten.

    Was mir neben dem Virus selbst schon etwas Sorgen bereitet sind die moralischen Entscheidungen, die jetzt schon in anderen Ländern getroffen werden müssen. Wenn Ärzte entscheiden müssen wer behandelt werden kann, weil er die besseren Chancen hat, ist das schon schlimm. Ich denke solche Entscheidungen werden nach der Krise, wenn sich alles beruhigt, zu psychologischen Problemen führen. Man kann nur auf die Kontaktbeschränkungen vertrauen, damit es bei uns nicht auch so dramatisch wird, aber ich denke es muss auch jedem klar sein, dass die Beschränkungen für eine auf Ökonomie ausgerichtete Gesellschaft nicht längerfristig bestehen bleiben können.
    Welche Entscheidungen dann getroffen werden (müssen) möchte ich mir nicht vorstellen.
  • Wenn wir uns die Infos zu Corona anschauen, die täglich auf uns einprasseln, so können diese widersprüchlicher kaum sein. Die einen wollen belegen, der Virus sei völlig harmlos und die anderen berichten davon, wie gefährlich dieser ist und dass die Maßnahmen nicht weit genug gehen würden. Beides garniert mit Zahlen, Daten, Fakten. Für mich schafft das keine Orientierung. Vielleicht werden wir irgendwann einmal mehr darüber wissen, vielleicht auch nie.

    Bei manchen Dingen, die aktuell geschehen, kann ich erkennen, dass sie mehr Freude bereiten. Schlange stehen war noch nie so entspannt. Bei 1,50 m Abstand gibt es kein nerviges Gedränge von hinten mehr. Bei anderen ist es zumindest so, als ob sie mir für einen Moment den Boden unter den Füßen wegreißen, auch wenn sie eigentlich banal sind. Z.B. auf dem Wochenmarkt, zu dem ich samstags in aller Frühe immer gegangen war und wo sonst nur wenig los war um die Uhrzeit, ist jetzt ziemlich viel los. Und überall rot-weiße Bänder, die die Kunden auf Abstand zu den Ständen halten und die Verkäufer mit Gummihandschuhen.

    Ich glaube, bei all dem Leid, den die Krise mit sich bringt, sei es Krankheit, Tod oder Existenzängste, dürfen wir trotzdem darauf schauen, welche positiven Auswirkungen die Krise mit sich bringen kann.

    Und ja, die Welt kommt endlich zur Ruhe. Das ist gut für die Umwelt und kann auch für uns eine Chance sein. Endlich mal innehalten.

    Auch ich habe mich nicht erst jetzt gefragt, warum ich eigentlich noch diesem für mich sinnlosen 9-5-Job nachgehe, die ganze Pendelei auf mich nehme, in einem Büro sitze, was nicht meines ist und mich als Betriebsrat mit der Geschäftsführung herumärgere. Jetzt mit Stundenabbau und anschließend Kurzarbeit ist endlich Zeit zu reflektieren, was anders werden kann. Und endlich kann ich mich auf die Dinge konzentrieren, die sinnvoller sind.

    @Nanno, der Artikel von Horx, den Du hier postest, ist großartig!
    Mein Blick zurück sagt, dass wir jetzt lernen können, bewusster zu leben. Und aufmerksamer auf unsere Bedürfnisse zu achten. Und unser Blick wird wieder mehr darauf gelenkt, wo wir etwas sinnvolles tun und wo wir vielleicht anderen helfen können. Deshalb folgende Fragen an dieser Stelle:

    Wer von Euch hat Existenzängste?
    Wer von Euch braucht Hilfe? Und hatte bei diesem Thema vielleicht die Hoffnung, hier fündig zu werden?
    Vielleicht können wir auch das lernen? Hilfe anzunehmen?
    Schreibt es doch hier rein. Was kann schon passieren? Im schlimmsten Fall gar nichts. Und im besten Fall erhaltet ihr ein paar Antworten, die Euch weiterbringen ...
  • edited April 3
    Hallo!
    Unzählige Menschen werden von Ängsten geplagt. An vielen Orten liegen die Nerven blank, kommen brüchige Systeme in Familien in Bewegung, fühlen sich Menschen unverstanden. Es kommt tiefe Verzweiflung hoch bei denen, die in beruflichen wie auch in privaten Belastungen versinken. Die ExpertInnen bei Hotlines sind gefragt wie nie ...

    Wenn ich wissen möchte, was andere bewegt, dann muss ich hinhören, sie fragen.

    Wenn Du, Mensch, vor mir stehst und ich Dich ansehe, was weiß ich von Deinem Sein?
    Ich habe Gedanken von Franz Kafka bearbeitet, sie passen so gut in diese Zeit:
    https://cml179.wixsite.com/lebenslinien/post/was-weißt-du-von-mir-und-was-weiß-ich-von-dir
  • edited April 3
    Ich wollte mich in diesem Thread nicht zu Wort melden. Weil er mich wütend macht. Ich lese eure Worte und kann auch alles nachvollziehen, teile gar einige Statements, die ich ebenfalls so empfinde. Und doch werde ich wütend, wenn ich hier hineinlese.

    Warum werde ich denn eigentlich wütend? Weil ich teilweise Egoismus sehe. Und eine Spur von "Jetzt ist UNSERE Zeit!" Unsere Zeit auferlegt von einer Naturgewalt. Das ist kein Grund sich selbst zu feiern, weil man hübsch im Homeoffice sitzt und Regularien einzuhalten sind, die für Abstand sorgen. Das ist nett, ohne Frage. Doch Angst ist der Treibstoff dafür. Nicht Verständnis oder Respekt - nein, Angst und Sorge halten den Abstand, den viele von uns gern im Alltag hätten. Das ist aber keine Grundlage für ein Beibehalten nach der Krise, wenn es sich nicht in Verständnis umwandelt. Und Verständnis ist derzeit das Letzte, was ich sehe - aktuell.

    Was ist mit jenen Intros, die in System relevanten Jobs oder Ehrenamt tätig sind? Jene profitieren wohl eher nicht, sondern sind mehr als voll gefordert. Ebenso die Extras und alle dazwischen.

    Klar sollte niemand von uns allen das Positive vergessen oder nicht mehr aussprechen dürfen. Dennoch macht mich die Grundstimmung hier ein bisschen wütend.

    Ich genieße derzeit auch einiges, andererseits mache ich mir große Sorgen um viele meiner nahen Menschen.
    Corona hat mir bereits viele Geschichten erzählt, mehr als zuhören konnte ich bisher nicht.
  • edited April 4
    Danke @NomaDie!!!
    Das, was Du ansprichst, hat mich hier auch stark irritiert. Es gibt keinen Grund, "unsere" Zeit zu feiern! Und Hoffnungen, dass dieser Zustand länger anhalten solle, verursachen auch in meinem Kopf Fragezeichen.
    Ich möchte es nicht hoffen, denn ich vernehme an allen Ecken und Enden viel Leid und auch schon wieder so altbekannte gesellschaftliche und un_menschliche Muster wie Rücksichtslosigkeit, ich vermisse vielerorts auch echte Empathie. Die Ellbogen werden ebenso schon wieder ausgefahren und es gibt genug Manager in Unternehmen, die beschlossen haben, die Situation für ihre positive Bilanz zu nutzen.
    Ich sehe und höre Ängste, die unverstanden bleiben - wenn Menschen nicht in der Lage sind, solche Ängste ernstzunehmen, dann haben viele einfach nichts aus dieser Situation gelernt.
  • edited April 4
    @NomaDie
    Vielen Dank für Deinen Beitrag.
    Als Starter fühle ich mich da jetzt persönlich angesprochen und möchte reagieren.
    Ich kann Dir versichern, dass Du die Stimmung hier falsch verstehst. Keiner hier wird das, was gerade in der Welt und bei uns passiert in irgendeiner Weise gut finden und feiern.
    Ich selbst gehöre zur Risikogruppe und habe neben meinen gesundheitlichen Sorgen auch gleichzeitig noch Angst um meine Existenz. Für mich steht sehr viel auf dem Spiel, denn ich bin nicht - wie die meisten - durch z.B. eine Arbeitslosenversicherung abgesichert. Aber jedes Ding hat 2 Seiten und neben der schrecklichen Seite, birgt diese Krise auch eine Kehrseite mit Chancen für Neues und zum Überdenken alter Muster und Strukturen. Und das ist dann wieder etwas Positives. Dies ist der Grundton meines Beitrags. Bitte nicht falsch verstehen!

    LG das Unikum
  • @Unikum
    Vielen Dank für dein Feedback. Dein Tenor war tatsächlich absolut unmissverständlich und auch kein Grund für mein Gefühl der Wut. Es tut mir leid, wenn du dich von mir angegriffen gefühlt haben solltest.
    Angst um die Gesundheit und Existenz sind hart und umso mehr freut es mich, dass du beide Seiten der Medaille angesehen hast und das Positive ebenfalls wahrnimmt. Ich wünsche dir, dass du gesund und wohlbehalten durch diese Krise kommst.

    Ich habe mir gut überlegt, ob ich meine Gefühle beim Lesen dieses Threads formulieren sollte. Ich habe mich dafür entschieden.
    Niemand soll oder muss sich verteidigen, richtig stellen oder etwas erklären.
    Mir war es nur ein Anliegen, meine Wahrnehmung mitzuteilen.

    In diesem Sinne, bleibt gesund!
    LG NomaDie

  • @ NomaDie Vorab: Ich habe die Diskussion nicht vollständig gelesen oder bisher etwas dazu geschrieben, kann also zu der ursprünglichen Diskussion nichts sagen, beziehe mich im folgenden also nur auf Deinen ersten Beitrag dazu.
    Also: Wann immer ein Mensch wütend war, weil ich Gefühle nicht hatte, die ich seiner Meinung nach haben sollte (Mitgefühl, Verständnis, Zuneigung z.B) oder welche hatte, die ich seiner Meinung nach nicht haben sollte (Gleichgültigkeit, Eigennutz, Ablehnung), hat er mit seiner Wut zwar erreicht, dass ich mich schlecht fühlte (Schuld, Scham, Wut), aber so weit ich mich erinnere nicht, dass ich die von ihm erwünschten Gefühle generiert habe.

    @ Unikum Du schreibst an NomaDie "Ich kann Dir versichern, dass Du die Stimmung hier falsch verstehst. Keiner hier wird das, was gerade in der Welt und bei uns passiert in irgendeiner Weise gut finden und feiern."
    Woher weißt Du das?

Sign In or Register to comment.