Hey Fremder!

Sieht so aus als wenn du neu hier bist. Wenn du mitmachen willst, drücke einen dieser Buttons!

Aufgrund der Datenschutzgrundverordnung ist es wichtig, auf das Impressum sowie die Informationen zum Datenschutz hinzuweisen. Hier sind die entsprechenden Seiten: Impressum – Datenschutzerklärung. Außerdem möchte ich auf die Hausordnung des Forums verweisen.

Bin auch neu dabei und hoffe Menschen auf der gleichen Wellenlänge zu finden!

Es freut mich, dass es dieses Forum gibt, auch wenn ich noch nicht weiß, was sich daraus entwickelt. Irgendwie kam mir die Anmeldung so vor, als würde ich mir damit meine Schwäche eingestehen, kein Leben wie viele meiner Mitmenschen führen zu können. Introvertierheit bedeutet für mich, anders sein und ein Leben mit Scham zu führen.
Das ist eine sehr negative Sichtweise, aber das liegt daran, dass ich nicht gerade glücklich bin als Introvertierte, da dies für mein Leben soziale Ängste und Einsamkeit bedeutet bzw. sich mein Leben in diese Richtung entwickelt hat. Gleichzeitig habe ich noch immer damit zu kämpfen, zu mir selbst zu stehen und meinen Weg zu finden. Denn meist ertappe ich mich dabei, wie ich anderen vorspiele ein Leben zu führen, dass viele Freundschaften und soziale Ineraktionen beinhaltet. In Wirklichkeit bin ich allein.
Ich möchte das gerne ändern. Allerdings möchte ich dieses Mal einen anderen Weg dazu wählen. Ich möchte mich nicht länger an Menschen anpassen, die extrovertiert sind und keine Probleme in ihrem Sozialleben haben. Ich habe aktuell keine Freunde und brauche viel Zeit für mich allein. Ich suche Menschen, denen das nichts ausmacht. Es sollte nur zählen, ob man auf einer Wellenlänge ist und sich wohl im gemeinsamen Austausch fühlt. Sympathie kann man nicht erzwingen und sollte auch nicht am Coolness-faktor gemessen werden.
Ich wirke auf andere Menschen wohl anders, als ich hier schreibe, weshalb ich bisher so gut wie keine Einzelgänger oder Menschen mit Problemen im Sozialen kennengelernt habe oder sie haben es verheimlicht. Immer wenn ich einen Kontakt abbrach, dann weil ich nicht länger mit einem erfundenen Leben klarkam und es als zu anstrengend empfand, mich ständig anzupassen und meinen wahren Charakter zu verbergen. Jedenfalls möchte ich nicht länger allein bzw. einsam sein. Gleichzeitig möchte ich nur Kontakte zu Menschen aufbauen, wo ein gegenseitiges Wohlbefinden und ein Austausch ohne Scheinidentität möglich ist.
Ach so, ich bin 30 Jahre alt, falls das eine Rolle spielt. :)

Mich würde interessieren, ob ihr auch mit Einsamkeit zu kämpfen habt oder sozial gut integriert seid. Falls ihr sozial gut eingebettet seid, wie habt ihr das geschafft? Geht ihr offen mit eurer Introvertiertheit um oder setzt ihr vor anderen eine Maske auf?

Ich freue mich auf eure Reaktionen!

Kommentare

  • Willkommen @Sommergewitter

    Schöner Nick, by the way.

    Es tut mir sehr Leid zu lesen, dass du nicht glücklich bist im Moment. Zu leugnen wer man ist, geht auf die Dauer nicht gut aber ich verstehe dein Dilemma und natürlich habe ich mich schon verstellt oder verschwiegen, wie allein und/oder einsam ich teilweise bin.

    Bei mir ist das oft ein auf und ab mit der sozialen Integration. Ich habe viel Vereinssport gemacht und da kam das quasi von selbst. Eine Zeit lang war mir das zu viel aber dann ging ich wieder regelmäßig hin. Früher hatte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich nicht überwinden konnte aber heute mache ich mich davon nicht mehr abhängig. Leute, die mir das vorwerfen, kennen mich nicht wirklich und den Kontakt schenke ich mir dann auch.

    Also das Wort introvertiert benutze ich eher selten, da viele damit nichts anfangen können oder damit etwas völlig anderes verbinden. Aber mein Bedürfnis nach Ruhe und meine Freude am allein sein teile ich schon mit, wenn man mich danach fragt.

    Viel Spaß bei uns!
  • Hi, danke für deine Antwort. Viele Menschen erschreckt man mit der Wahrheit. Wenn man erzählt, man sei einsam und habe keine Freunde, fühlt sich das Gegenüber schnell unwohl. Es macht sich eine Überforderung breit, weil man ja eine schöne Zeit erleben möchte und nicht in die Rolle des Sozialarbeiters gedrängt werden will. Ein Mensch ohne Freunde wirkt nicht wie ein charismatischer angenehmer Mensch mit dem man eine tolle Zeit haben kann, sondern wie ein Sozialprojekt für dessen Existenz man sich schämt, wenn man es mitträgt.
    Neben meinem sozialen Problem empfinde ich mich aber weder als schwach noch uninteressant.
    Dasselbe passiert, wenn man von einer schwierigen Kindheit o.ä. erzählt. Die Menschen fragen, können aber mit der Wahrheit oft nicht umgehen. Da es sie selbst peinlich berührt, so wenig tolerant bei der Auswahl von Freunden zu sein, sagt aber niemand offen, dass er empört ist und es peinlich oder unangenehm findet, sondern macht sich ganz leise aus dem Staub.
    Ja, ehrlich zu sein und zu sich zu stehen ist wahnsinnig schwer und trotzdem glaube ich, dass man sich nur mit der Wahrheit ein passendes Umfeld aufbauen kann.

    Ein Sportverein ist sicher eine tolle Sache, wenn einem das als Introvertierter nicht zu viel abverlangt. Freut mich, dass du trotz der Freude am Alleinsein einen guten Weg gehst auch im Sozialen erfüllt zu sein.

    Schöne Grüße :)
  • Willkommen bei uns im Forum Sommergewitter!

    Menschen auf deiner Wellenlänge wirst du hier sicherlich ziemlich schnell finden :)
    Was du beschreibst, kenne ich durchaus auch von mir.

    Ich kämpfe derzeit mit der Einsamkeit, ja. Hätte nicht gedacht, dass ich das mal schreibe, doch in letzter Zeit hätte ich mir tatsächlich etwas mehr Geselligkeit gewünscht.

    Jedoch habe ich für mich auch festgestellt, dass es mir sehr viel leichter fällt, unter Gleichgesinnten einfach ich sein zu können

    im Gegensatz zur Situation im Berufsleben, wo ich inzwischen glaube so ziemlich alles durch habe von zurückhaltend bis einbringend, mein wahres Gesicht zeigen oder Maske tragen.

    Es strengt mich an, eine Maske zu tragen, aber im Umgang mit manchen Mitmenschen scheint mir dies leider unverzichtbar, wenn man nicht komplett untergehen will.

    Fühl dich wohl und verstanden hier

    Enjoythesilence
  • Danke für die lieben Worte!
    Finde den Gedanken traurig, dass es wohl viele gibt, die unter Einsamkeit leiden. Schade, dass man Menschen nicht ansieht, ob sie ähnlich gestrickt sind. Gerade als Introvertierte ist es für mich leichter, wenn mein Gegenüber den ersten Schritt macht. In meiner Erinnerung waren das aber selten introvertierte Menschen und in kurzen Gesprächen fühlte ich mich bereits schnell unterlegen wegen mangelnder Kontakte oder einer weniger forschen und offenen Art.
    Viele erzählen gerne von Freunden und sozialen Ereignissen und erwarten im Grunde, dass man ein ähnliches Leben führt, wenn sie einen für "normal" halten. Ich werde z.B. selten gefragt, ob ich Freunde habe oder viel allein bin. Meist wird immer nur gefragt, was machen deine Freunde so? Sind deine Freunde verheiratet usw.? Das gibt mir wenig Mut ehrlich zu sein, da solche Fragen bereits implizieren, dass man nicht mal mit dem Gedanken spielt, dass wir Menschen alle anders sind und es auch völlig normale Menschen gibt, die einsam sind und Probleme haben im Sozialen. Es würde mich da eine riesen Überwindung kosten, einem Menschen meine Situation zu erklären. Die Kluft ist quasi schon von Anfang an zu groß.Auch scheint es für viele Menschen unvorstellbar, dass einige Menschen sehr mit sozialen Anlässen zu kämpfen haben.
    Ein Introvertierter würde das verstehen, aber irgendwie sind die Intros da draußen alle gut versteckt... Es ist auch schwer sich Signale zu geben, weil jeder irgendwie sein Gesicht wahren möchte. Irgendwie steige ich nicht dahinter, wie ich in den Austausch mit anderen Intros kommen kann, außer hier im Internet.

    Zu deiner Aussage, dass es Situationen gibt, wo es unverzichtbar ist eine Maske zu tragen, kann ich das ganz klar bestätigen. Im Beruf würde ich nicht über meine Situation sprechen. Es wäre fast schon eine Sünde zu sagen, Corona ist zwar schlimm, aber ich bin es eigtl. gewohnt auch bei schönem Wetter alleine Zeit zu verbringen und nicht mit Freunden im Park zu grillen.
    Auch grault es mir immer vor Geburtstagen, da will gefühlt jeder Kollege im Unternehmen wissen, wie ich meinen Geburtstag feiere und wenn ich sage, ich mag nicht feiern, dann kommt schnell Mitleid auf. Das zieht mich selbst immer total runter.

    Naja, alles nicht so einfach, aber ich freue mich trotzdem über den Austausch, auch wenn es nur online ist.

    Schöne Grüße!
  • Hallo Sommergewitter,

    Du schreibst: "Viele Menschen erschreckt man mit der Wahrheit. Wenn man erzählt, man sei einsam und habe keine Freunde, fühlt sich das Gegenüber schnell unwohl. Es macht sich eine Überforderung breit, weil man ja eine schöne Zeit erleben möchte und nicht in die Rolle des Sozialarbeiters gedrängt werden will. Ein Mensch ohne Freunde wirkt nicht wie ein charismatischer angenehmer Mensch mit dem man eine tolle Zeit haben kann, sondern wie ein Sozialprojekt für dessen Existenz man sich schämt, wenn man es mitträgt."

    Also ich fühle mich spontan auch unwohl, wenn ich jemanden kennenlerne, der mir erzählt, er habe keine Freunde.
    Ich frage mich dann nämlich sofort warum.
    Es kann ein Alarmsignal sein, wenn jemand keine Freunde hat.
    Ich finde es daher ganz gesund, da erst einmal vorsichtig zu sein.


  • Danke für deine Nachricht und deine ehrlichen Worte.
    Was denkst du, soll denn passieren, wenn jemand sagt, er habe keine Freunde? Also das man nachfragt, warum das so ist, ist völlig normal. Deine Aussage klingt jedoch fast so, als müsste man Angst haben vor der Person oder dessen Verhalten. Weswegen genau wärst du vorsichtig oder was sind deine Befürchtungen?
    Gesund ist es absolut nicht, keine Freunde zu haben. Es fühlt sich für mich auch nicht so an. Wär da kein Leidensdruck, wär ich wohl auch nicht hier. Da gehe ich also total mit.
    Wie ich bereits schrieb, habe ich neben der Introvertiertheit soziale Ängste entwickelt. Die Angst vor Ablehnung ist riesig bei mir, weshalb ich Menschen meist überhaupt nicht mehr so nah an mich heran lasse, dass es zu einer Ablehnung kommen kann. Ein großer Punkt dabei ist, dass ich weiß, dass es die Menschen abschreckt, wenn man keine Freunde hat, also erzähle ich das für gewöhnlich nicht mehr. Aber irgendwann kommt die Frage und es fällt auf, wenn man nie jemanden anderen mitbringt oder von Erlebnissen mit anderen Freunden erzählt. Spätestens, wenn erneut Nachfragen kamen, ging ich auf Distanz. Ohne Freunde ist es fast unmöglich neue Freundschaften aufzubauen, selbst wenn da eine Sympathie vorhanden ist. In meiner Vergangenheit habe ich es oft erlebt, dass sich "Freunde" darüber lustig machten, dass ich so wenige Kontakte habe, wenn ich etwa nie angerufen wurde bei einem gemeinsamen Treffen, während meine Freundinnen von ihren anderen Freunden scheinbar ständig Anrufe bekamen. Das tat natürlich weh und hinterließ seine Spuren.
    Als Kind war ich eher schüchtern und hatte auch nur eine Handvoll Freunde und wenn man dann irgendwann die Erfahrung macht, dass man zu Geburtstagen eingeladen wird und hingeht und am eigenen Geburtstag keiner der vermeintlichen " Freunde" auftaucht, kann das viel kaputtmachen. Auch hatte ich Freundinnen, die meine Auszeiten oder das Bedürfnis auf Ruhe nicht akzeptieren wollten. Da kamen ständig Anrufe oder es wurde bereits in der Schule geplant mich zu besuchen, obwohl ich klar sagte, dass ich das nicht will. Ich bin ein Mensch, der nicht jede Woche ein Treffen mit Freunden braucht.
    Ich würde heute trotz meiner Situation auch absolut nicht mehr blind jede Freundschaft eingehen wollen. Was Frauen anbelangt, habe ich das Präsentieren gegenüber der Männerwelt satt, genauso wie ein Konkurrenzgehabe. Naja, alles schon erlebt und auch das ist eine Sache, die ich so nicht mehr möchte.
    So hat sich das einfach entwickelt, dass ich Angst hatte Menschen in mein Leben zu lassen und mich unwohl fühlte, wenn jemand zu viel von mir erfahren wollte. Irgendwann habe ich versucht nur oberflächliche Kontakte fürs Feiern etc. aufrechtzuerhalten. Aber auch das geht nicht ewig gut.

    Schöne Grüße
  • Du fragst, was meine Befürchtungen sind.

    Nun, auf unseren Dialog hier bezogen z.B. das, was hier grade passiert:
    Ich fühle aufgrund Deiner Erzählungen eine gewisse Verantwortung vorsichtig und sensibel sein zu müssen, aber auch ehrlich.
    Aber wenn ich ehrlich bin, war das, was Du geschrieben hast, too much persönliche Information für mich nach nur 4 relativ unpersönlichen Sätzen von mir. Ich fühle mich fôrmlich überrollt.
    Gleichzeitig weiß ich, dass meine Ehrlichkeit möglicherweise Deine Angst vor Ablehnung bestätigt. Bin ich aber nicht ehrlich, bestätige ich vielleicht eine Annahme, dass Menschen nicht die Wahrheit sagen. Sage ich nichts, bestätige ich Deine Erfahrung, dass Menschen sich "leise aus dem Staub machen".
    Du hast oben geschrieben: "Es macht sich eine Überforderung breit".
    Ganz genau das ist es: Ich fühle mich schon jetzt überfordert.

    Und ganz allgemein, unabhängig von unserem Dialog hier, halte ich eine gewisse Vorsicht für gesund, da es Gründe hat, warum Menschen keine Freunde haben, manche davon sind eher harmlos, andere aber nicht.
    Problematisch kann es zum Beispiel dann werden, wenn Menschen dysfunktionale Verhaltensweisen an den Tag legen, besonders wenn sie diese nicht ausreichend reflektieren (können).
    Das kommt meiner Erfahrung nach nicht selten bei Menschen mit einer sogenannten "schwierigen Kindheit" vor. Aber natürlich nicht nur bei diesen.
  • Finde ich schön, dass du mir antwortest, obwohl ich dich gerade mit meinen Aussagen "überrollt" habe. Ein ehrliches Feedback gerade hier im "geschützen" Rahmen ist hilfreich.
    Glaube es ist einfach mein Schamgefühl, weshalb ich denke alles intensiv erklären zu müssen. Die Frage ist, wenn ich das nicht tue und trotzdem sage, ich fühl mich einsam, weil ich keine Freunde habe, wie soll mein Gegenüber da nicht abgeschreckt von mir sein? Irgendwas muss ich dazu sagen, weil du ja selber meintest, wenn jemand dir offen von solchen sozialen Problemen erzählt, fragst du dich nach dem warum.
    Also habe ich keine Ahnung, wie ich das verpacken soll. Zu viel erklären ist schlecht und zu wenig oder gar nicht, lässt evtl. zu viele Fragen offen. Die Entscheidung darüber, was ich erzählen sollte und wie viel ist deshalb schwierig für mich. Es haben ja viele Faktoren zu meiner Situation geführt und nicht ein Schlüsselmoment.
  • Hallo Sommergewitter,

    zunächst erst einmal herzlich willkommen im Forum und einen Austausch der Dich weiterbringt !

    Vielleicht solltest Du nicht leichtfertig annehmen dass Du Dich als Mensch mit vielen Freundschaften darstellen musst. Es gibt auch unter den stilleren Menschen durchaus einige die Verständnis für seelische Sorgen aufbringen und das auch wollen.

    weshalb ich bisher so gut wie keine Einzelgänger oder Menschen mit Problemen im Sozialen kennengelernt habe oder sie haben es verheimlicht
    Du könntest auf Menschen getroffen sein die Einsamkeit und soziale Kontaktschwierigkeiten aus früheren Lebensphasen kannten und ihren Weg heraus gefunden haben oder leichter damit umgehen können. Vielleicht kommt es darauf an ob der Austausch mit Ihnen Dir Anregungen bringt und Dich ermutigt weil sie Dich trotzdem akzeptieren und sich um ernsthaftes Verständnis bemühen.

    Immer wenn ich einen Kontakt abbrach, dann weil ich nicht länger mit einem erfundenen Leben klarkam und es als zu anstrengend empfand, mich ständig anzupassen und meinen wahren Charakter zu verbergen.
    Wenn Du selbst Deine Introvertiertheit als eine besondere Stärke ansiehst und wenigstens 1-2 Menschen in Deinem Umfeld diese Sicht teilen dann musst Du Anderen nichts vorspielen. Die Introversion ist keine Stufe die man insgesamt verheimlichen muss, sie ist für alle sichtbar. Vielleicht solltest Du nur Wenigen mehr über Dich erzählen bei denen Du ein Grundverständnis und Verbundenheit erkennen kannst.

    Wenn man erzählt, man sei einsam und habe keine Freunde, fühlt sich das Gegenüber schnell unwohl. Es macht sich eine Überforderung breit, weil man ja eine schöne Zeit erleben möchte und nicht in die Rolle des Sozialarbeiters gedrängt werden will
    Möglicherweise deutest Du die Reaktion eines Gesprächsteilnehmers manchmal nur als Erschrecken oder Überforderung, weil der Andere Deine Sensibilität spürt und bedacht seine Worte wählen will. Ich glaube auch nicht dass empfindsame Menschen mit einem gewachsenen Maß an Zurückhaltung es als Belastung empfinden in die wirklichen Sorgen des Anderen eingeweiht zu werden, es ist sogar ein Vertrauensbeweis. Ich glaube sogar dass ein Gesprächspartner sich wertgeschätzt fühlt wenn er Dich ermutigen konnte und (unter auch weniger geeigneten Gedanken) ab und zu einen
    für Dich wirklich hilfreichen Tipp geben kann.

    sondern wie ein Sozialprojekt für dessen Existenz man sich schämt, wenn man es mitträgt
    Diese negative Sicht aus Mangel der Kenntnis der Gedanken des Anderen solltest Du schnell ablegen. Verständnisvolle Menschen unterstützen gern und sind innerlich dankbar dafür wenn ihre Wirkung nachhaltig den Anderen stärkt.

    Gerade als Introvertierte ist es für mich leichter, wenn mein Gegenüber den ersten Schritt macht.
    Das ist ein Grund weshalb Introvertierte schwer zueinander finden. In sozialen Netzwerken ist das einfacher. Im realen Leben müssen sie es sich gegenseitig erleichtern indem sie wiederholt an Orten sind an denen sie auf die gleichen Menschen treffen um füreinander die Einstiegsworte finden zu lassen. Außerdem sollte die Wahl des Ortes (Ausstellung, Situation) oder zugelassene sichtbare Merkmale Anknüpfungspunkte für den Anderen bieten.

    irgendwie sind die Intros da draußen alle gut versteckt... Es ist auch schwer sich Signale zu geben, weil jeder irgendwie sein Gesicht wahren möchte.
    Vielleicht haben Manche einen Weg gefunden Signale zu senden, doch man hat sie noch nicht so gedeutet ?

    Die Angst vor Ablehnung ist riesig bei mir, weshalb ich Menschen meist überhaupt nicht mehr so nah an mich heran lasse, dass es zu einer Ablehnung kommen kann.
    Stell Dir vor wenn es Menschen gäbe die Dich nicht ablehnen, jedoch nicht versehentlich Deine Ablehnung provozieren wollen. Menschen die sich durchaus gern mit Dir austauschen würden. Menschen können einander aufrichten wenn sie Verständnis aufbringen und einander achten.

    Ich bin deutlich älter. Vielleicht braucht es auch eine gewisse Reife und eigene Erfahrungen um mit anderen stillen Menschen umzugehen. So können sich auch in Deinem Bekanntenkreis durchaus Freundschaften festigen auch wenn allen Seiten klar ist dass Du für Dich selbst jemanden in Deiner Altersgruppe suchst und brauchst.

    Du solltest Menschen ohne Probleme in ihrem Sozialleben nicht völlig ausschließen, denn sie können Dich auch mit anderen stillen Seelen in Kontakt bringen. Wichtig ist dass sie ein Grundverständnis für Zurückgezogenheit besitzen und sensibel mit Menschen wie Dir umgehen können, auch wenn Du sie nur als Brücke zu Anderen empfinden kannst.

    Geht ihr offen mit eurer Introvertiertheit um oder setzt ihr vor anderen eine Maske auf?
    Ich selbst bin verheiratet und wir haben einen kleinen Freundeskreis mit denen wir bisher jeweils 2-5 mal im Jahr direkten Kontakt haben.
    Vor Menschen meines Umfeldes muss ich meine Stille nicht verbergen, die ist sichtbar. Aber öffnen würde ich mich nur Menschen denen der Kontakt zu mir auch etwas gibt, egal ob direkt oder online.

    Ich wünsche Dir guten Austausch hier im Forum und umsetzbare Tipps für Deinen realen Alltag !
  • Vergiss das mit den Collness-Faktor.Den gibt es gar nicht.Habe aber früher auch so gedacht.Früher das war in den 90er, da war ich so 20-29.Meine Leute mit den ich immer on Tour war,hatten tolle Frauen, schicke Autos und wie du meinen würdest und ich damals dachte colle Sprüche drauf.Letztes Jahr sprach ich mit meinen Psychologen über diese Zeit und das ich das ziemlich komisch fand das ich "mit durfte" ,weil ich doch wenig erzählte wegen meiner introvertiertheit.Daraufhin sagte mein Psychologe den passenden Satz:Wenn du so scheisse gewesen wärst damals,also Coolneslos,dann hätten Sie dich damals NIE mitgenommen. Aber in den 30ern ändert sich das sowieso.Man wird etwas gesetzter.Und viele leute die früher collere sprüche rausliesen werden auch etwas ruhiger.Was ich damals verkehrt gemacht habe das war das ich immer Kontakt zu sehr extrovertierten gesucht habe.Die ticken aber anders.Vielleicht lernst du ja hier tolle Leute kennen,wie mich ;-) . Nein Spass beiseite,lerne "Hier" leute kennen die so sind wie du,oder fast so.Treffe dich,nach der Coronazeit (wird eh noch dauern) mit dennen.Den einigeln hilft auf dauer nicht.
  • Sommergewitter, ich habe leider nicht die geringste Ahnung, was ich Dir sagen könnte, wie Du das anders regeln könntest (ich bin mir noch nicht mal sicher, ob Du zwingend was anders machen müsstest), denn erstens finde ich die Situation gar nicht mal so einfach zu regeln, zweitens versuche ich es mir abzugewöhnen Leuten zu sagen was sie tun sollen, weil mich das immer so nervt, wenn ich es bei anderen lese (Seitenhieb Nightworker, und ja ich weiß das ist nicht nett) und drittens habe nur ich mich überrollt gefühlt, für andere Menschen ist das anders, es darf Dir also egal sein, wie ich das sehe.
  • @Nightworker

    Du schreibst: "Diese negative Sicht aus Mangel der Kenntnis der Gedanken des Anderen solltest Du schnell ablegen. Verständnisvolle Menschen unterstützen gern und sind innerlich dankbar dafür wenn ihre Wirkung nachhaltig den Anderen stärkt."

    Erscheint mir paradox.
  • @Nightworker

    Erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, meinen gesamten Text hier zu lesen und mich bezüglich meiner Schwächen nicht anprangerst, sondern mir aufzeigst, dass ich in manchen Bereichen auch an meiner Sichtweise arbeiten kann und sollte. Das empfand ich als sehr feinfühlig. Vor allem, weil ich weiß, dass es nicht unbedingt einfach ist, respektvoll auf jemanden einzugehen, der sein Leid klagt oder sogar ein bisschen jammert.

    Ich bin in jedem Fall sehr daran interessiert, von Introvertien, die es geschafft haben sich aus der Einsamkeit zu befreien und sich ein soziales Umfeld aufzubauen, zu erfahren, wie sie das geschafft haben. Diesen Wunsch habe ich auch und mir ist klar, dass zu Hause allein darüber zu grübeln mich nicht weiterbringt. Deshalb bin ich für jeden Ratschlag dankbar.

    Ich glaube auch, dass ich mehr zu meiner Introvertiertheit stehen könnte oder auch zu wenigen aber dafür guten Freundschaften, wenn sich ein passendes Umfeld entwickelt hat. An sich empfinde ich Introversion als sehr angenehm und nichts wofür man sich schämen muss. Es ist eher die Angst für sozial inkompetent gehalten zu werden, weil ich im Moment ziemlich allein dastehe.

    Ob jemand mit so viel Wahrheit meinerseits umgehen kann, ist wohl wirklich eine Typfrage. Ich habe jedoch Angst im realen Leben das Risiko einzugehen, an den Falschen zu geraten, vor allem wenn es ein Mensch ist, dem ich weiterhin regelmäßig begegnen müsste. Das wäre mir wohl sehr unangenehm.
    Hm, womöglich rede ich mir gern ein jeder würde negativ auf die Wahrheit reagieren, damit ich mich erst gar nicht öffnen brauche. Ist wohl eine festgefahrene Vermeidungsstrategie, die ich mal überdenken sollte.

    Außerdem sollte die Wahl des Ortes (Ausstellung, Situation) oder zugelassene sichtbare Merkmale Anknüpfungspunkte für den Anderen bieten.
    Hast du ein Beispiel für diesen Punkt? So richtig ist mir nicht klar, wie dies gemeint bzw. real umsetzbar ist.

    Wenn du einen Tipp hast, welche Signale auf einen Intro hinweisen, gerne her damit. :) Vllt meintest du auch nur, dass ich das selber rausfinden muss und aufmerksamer sein sollte.

    Generell geben mir deine Worte viel Kraft. Womöglich gibt es noch Hoffnung für mich. Ein kleines soziales Umfeld, bei dem ich auch wirklich ich selbst sein kann, wäre toll. Mein Glück ist wohl, dass sich das viele Menschen wünschen. Ich tue mich nur bei der Suche nach wie vor schwer. Vllt sollte ich gedanklich weniger resigniert sein und Möglichkeiten mit mehr Hoffnung begegnen.

    Es freut mich, dass du deinen Weg gefunden hast und es klingt für mich sehr angenehm, dass dein Freundeskreis es scheinbar völlig in Ordnung findet deine Frau und dich nur so selten zu treffen. Wenn man Menschen mit solch einer Akzeptanz gefunden hat, ist das viel wert! Darf ich fragen, wie du diese Menschen gefunden hast bzw. wie sich diese Freundschaften entwickelt haben? Nur wenn dies nicht zu privat ist.

    Schöne Grüße
  • @chris71

    Danke für die aufbauenden Worte und den offenen Umgang mit deinen persönlichen Erfahrungen. Wahrscheinlich lässt sich das nur schwer aus meinem Text herauslesen, aber ich meinte es ein wenig anders mit dem Coolness-Faktor. Ich gehöre zu den Intros, die ein wenig lauter sind und dabei gerne auch ein bisschen Humor reinbringen. Das mache ich häufig, wenn ich mich unsicher fühle, so fällt es mir leichter der Situation nicht ausgeliefert zu sein. Dieses Verhalten zeigte ich auch oft, wenn ich auf Feiern eingeladen war. Angriff ist ja bekanntlich die beste Verteidigung und da ich in meiner Kindheit häufig zu hören bekam, ich sei zu still und ernst, habe ich das zum Großteil abgelegt. Meine "offene" Art wurde gern angenommen, weshalb ich auch häufig zu Feiern etc. eingeladen wurde.
    Mich hat mal eine damalige Freundin zu sich eingeladen, irgendwann wurde es still. Ihre Freunde saßen da und starrten mich an, ich war auch still. Da sagte sie, du bist doch sonst immer so lustig, jetzt erzähl doch mal was Witziges. Das hat mich total verletzt. Hatte nicht das Gefühl in meinem Wesen gesehen zu werden, sondern nur gut als Partyclown zu sein.
    Sicherlich habe ich auch selbst dazu beigetragen, blöd fand ich es trotzdem. Deshalb freue ich mich über Menschen, die nicht jemanden suchen, der sie gut unterhalten kann, sondern einen Menschen, der evtl. auch gerne mal schweigt und nicht allein verantwortlich für die Gesprächsführung ist.

    Schöne Grüße
  • @Friends_wanted

    Obwohl ich mich über deine offenen Worte gefreut habe, finde ich es schade, in welche Richtung deine Beiträge jetzt steuern.
    Aus welchem Grund hast du mir anfangs geschrieben? Wolltest du mich wachrütteln oder wolltest du einfach nur deine negative Kritik äußern?
    Ich habe verstanden, dass du Schwierigkeiten hast mit meiner Situation und dass dir mein Auftreten hier im Forum, vor allem auf deine Aussagen hin ebenfalls nicht gefällt.
    Mehr kommt da aber nicht an bei mir. Kann es sein, dass du gar kein Interesse an einem Austausch mit mir hast, sondern einfach deinem Unbehagen Luft machen wolltest?
    Du musst mir auch nicht so deutlich erklären, dass mir deine Sichtweise egal sein kann. Ich fand es einfach interessant die Meinung und weiterführenden Gedanken eines anderen Menschen zu lesen. Darum geht es doch in einem Forum oder?
    Mir liegt zudem viel an Toleranz, weshalb ich es schade finde, dass du die Meinung anderer Forenmitglieder unter meinem Thread als nervig beschreibst und in Frage stellst, nur weil sie nicht deiner eigenen Meinung oder Handlungsweise entsprechen. So ein Verhalten löst zum Beispiel bei mir Unwohlsein aus.
  • @Sommergewitter

    Tja lass mal überlegen.
    Mein Eingangspost an Dich war einfach nur: Ich fühl mich auch unwohl, wenn jemand sagt, er habe keine Freunde, weil ich nicht weiß, was der Grund ist und es könnte unangenehme Gründe haben.
    Mehr wollte ich nicht sagen.
    Ganz bewusst keine Höflichkeitsfloskeln oder irgendetwas, dass falsche Signale senden könnte.

    Du hast ausführlich geantwortet.
    Ich habe darauf hin gesagt, das ist mir zu viel, ich bin überfordert.
    Mehr wollte ich auch hier nicht sagen.

    Du hast mich gefragt, was Du machen sollst.
    Ich habe geschrieben, das weiss ich nicht, ich mags auch nicht anderen Leuten zu sagen, was sie machen sollen, weil mich das nervt, wenn andere das machen, aber da das nur meine Meinung ist, darf es Dir egal sein, was ich denke.
    Das war eigentlich alles.

    Wenn Dir viel an Toleranz liegt, wundere ich mich, dass ich nicht sagen soll, was mich nervt oder was ich anders sehe oder in Frage stelle.

    Ja ich stelle es in Frage, wenn Nightworker Dir sagt, Du solltest Deine negative Sicht auf andere aus Mangel der Kenntnis der Gedanken des anderen schnell ablegen, während er gleichzeitig als gesichert, aber ebenfalls ohne Kenntnis der Gedanken anderer, annimmt verständnisvolle Menschen unterstützen gern und sind innerlich dankbar.
    Sieht für mich so aus als würde er dasselbe machen wie Du, aber er sagt Dir, Du sollst das lassen.
    Das fand ich paradox.

    So, und das alles darfst Du doof finden. Denn nein, ich wollte keinen längeren Austausch, das war nichts für mich, denn es hat für mich nicht gepasst.
    Ich kann Dein Unwohlsein gut nachvollziehen, und Du liegst völlig richtig damit.





  • edited Mai 3
    @Friends_wanted

    Danke für deine ausführliche Antwort. Ich habe dich nicht gefragt, was ich machen soll bzw. das ist wirklich stark aus dem Zusammenhang gerissen. Du schriebst mir im ersten Beitrag, wenn du jemanden mit meiner Situation kennenlernen würdest, stellst du dir die Frage nach dem Warum. Du hast also offen kommuniziert, dass du an den Hintergründen interessiert bist. Da habe ich versucht das Warum durch meine weiteren Aussagen zu klären und dann hast du geschrieben, dass du dich überrollt fühlst. Das ist für mich paradox und hat mich verwirrt. Deshalb wäre ich gern mit dir in den Austausch gegangen, um zu klären, wie dieser Widerspruch in deinen Augen zu lösen ist.
    Für mich gibt es diesen Widerspruch so nämlich gar nicht. Ich bin der Meinung, dass ein Mensch, der sich nach dem Warum fragt, auch an einer Antwort interessiert ist, selbst wenn diese länger dauert. Wenn ein Mensch sich von meiner Situation abgeschreckt fühlt und keine Lust auf persönliche Infos hat, geht er einfach auf Distanz und hat überhaupt kein Interesse an dem Warum.

    Du hast dich zwar nie direkt auf mich bezogen, sondern ganz unspezifisch "jemand" geschrieben, aber wenn das genau unter meinem Beitrag steht, kann man sich ja schon mal angesprochen fühlen.
  • edited Mai 3
    @Friends_wanted

    Um das Ganze vllt noch abzuschließen, ich kann gut damit leben, wenn ich deine Aussagen nicht ganz nachvollziehen kann. Ein weiterer Dialog bringt für mich an dieser Stelle nichts mehr. Deshalb danke für deine Zeit!
  • @Sommergewitter
    Außerdem sollte die Wahl des Ortes (Ausstellung, Situation) oder zugelassene sichtbare Merkmale Anknüpfungspunkte für den Anderen bieten.
    Hast du ein Beispiel für diesen Punkt?


    Vielleicht hast Du Ausstellungen (in Galerien oder Museen) besucht die irgendwas mit Kommunikation, Stille, Rückzug, Landschaften, Wahrnehmung, Freundschaft, Einsamkeit zu tun hatten,
    Vielleicht bist Du öfters in einer Bibliothek oder Buchhandlung Deiner Wahl und durchforstest immer wieder in den gleichen Regalen sehr genau ausgewählte Themengebiete,
    Vielleicht warst Du in einem Programmkino weil dort ein besonderer Film lief dessen Thema Dich interessiert hat (Thema Reisen oder Bewältigung schwieriger Situationen)
    Vielleicht hast Du bei Messeveranstaltungen zur Gesundheit oder Weiterbildung oder Buchlesungen Vorträge zu bestimmten Themen angehört,
    Vielleicht besuchst Du regelmäßig eine Mensa oder ein Café in denen Leute Deiner Altersgruppe speisen und sich treffen, liest die Aushänge, die Veranstaltungsangebote oder setzt Dich mit einem Buch zum Lesen hin,
    Vielleicht hast Du Dir Karten für ein Konzert einer Band besorgt deren Fan Du bist.
    Du könntest auf Menschen achten die Du bei mehreren dieser Anlässe ebenso getroffen hast und Du und derjenige haben somit vielleicht ähnliche Interessen. Umgekehrt liefert es dem anderen Gesprächspartner einen Einstieg. Ob Gemeinsamkeiten in Werten und Sensibilität vorhanden sind zeigt sich dann erst allmählich im Austausch.

    Unsere Bekannten stammen eigentlich alle aus der Zeit des Studiums oder früherer Berufsphasen. Vor Jahren nahm ich mehrmals an Treffen aus einem sozialen Netzwerk unserer Stadt teil aus dem aber eher oberflächliche Bekanntschaften resultierten. Da spielt es sicher auch eine Rolle inwieweit sich Interessen überschneiden und wieweit nach der Arbeit noch Zeit und Engagement zu regelmäßigeren Begegnungen bleibt. Trotzdem halte ich den Austausch über soziale Netzwerke mit Leuten aus der Region für einen guten vorbereitenden Einstieg.
    Von den Gelegenheiten möglichen neuen Freunden zu begegnen und über Gemeinsamkeiten ins Gespräch kommen zu können bis zum Ansprechen dieser Menschen ist es da auch noch ein größerer Schritt. Ich weiß dass ich diesbezüglich auch kein Vorbild bin. Da ich auch eher nicht auf jemanden zugehe und es in mehreren Anläufen kaum gelungen ist habe ich mich wohl damit abgefunden, spüre aber momentan auch kein Defizit an Sozialkontakten.

    Ich habe jedoch Angst im realen Leben das Risiko einzugehen, an den Falschen zu geraten, vor allem wenn es ein Mensch ist, dem ich weiterhin regelmäßig begegnen müsste
    Das ist nur zu verständlich. Einen möglichen Freund der vermeintliche verborgene Schwächen kennt möchte man aus dem Weg gehen können falls er einer Freundschaft nicht würdig ist. Das bleibt eine Hürde wenn das Vertrauen fehlt. Andererseits kann eine Freundschaft um die Ecke auch helfen Dich wieder aufzurichten wenn man sich beginnt innerlich zurückzuziehen. Manchmal ist es dann richtig nachzuhaken und manchmal wird es als störend empfunden.
    Ich glaube auch, dass ich mehr zu meiner Introvertiertheit stehen könnte oder auch zu wenigen aber dafür guten Freundschaften, wenn sich ein passendes Umfeld entwickelt hat.
    Der Weg besteht wahrscheinlich darin wie Du schon andeutest allmählich mehrere unabhängige Freundschaften wachsen zu lassen und sie ganz allmählich an eigenen Gedanken und Sorgen teilhaben zu lassen. So können die anderen Freundschaften auffangen wenn eine Freundschaft doch unerwartet unangenehm werden sollte. Wobei ich betonen möchte dass es nicht falsch sein muss wenn jemand wiederholt nachfragt wenn er Nöte und Rückzug erkennt.
    Es ist wohl diese Furcht enttäuscht zu werden oder auch die Angst jemanden einzuweihen der dann doch kein Verständnis aufbringen kann. Letztendlich ist hier der Punkt an dem man für sich selbst arbeiten könnte.

    Ein anderer Weg könnte darin bestehen entstandene Barrieren zu Schulkameradinnen oder Bekannten aus früheren Berufen abzubauen. Vielleicht kannst Du erahnen was Dich von ihnen entfremdet hat und versuchen sie anzurufen oder außerhalb von Klassentreffen zu erreichen. Nicht von heute auf morgen, aber doch allmählich. Auch sie haben sich weiterentwickelt und hatten Probleme im eigenen Umfeld zu bewältigen. Vielleicht triffst Du bei einem anderen Klassenkameraden auf ein Verständnis an den Du nicht gedacht hättest. Eventuell erinnerst Du Dich auch was Dich damals an dem Menschen begeistert hat.

    Wichtig scheint mir wie Du Deine früheren Bekannten sehen kannst und möglicherweise jeder Seite einen Anteil am Misslingen früherer Freundschaften zugestehen könntest. Vielleicht wäre das eines der wichtigsten Themen mit ehemaligen Mitschülern. Unabhängig davon brauchen schwierige Situationen keine Aufrechnung von Fehlern, es kommt auf das Verständnis füreinander an und wie man Wege herausfindet.

    Ich hoffe dass Dich diese Gedanken trotzdem ein Stück weiterbringen.

    Vielleicht findest Du eigene Ideen woran man im Alltag erkennen kann wofür Du Dich interessierst.
  • @Nightworker

    Danke nochmal für deine Antwort.

    Eigtl. ist es total naheliegend sich ein Kulturangebot zu suchen, welches zum eigenen Charakter passt und damit auch zur Introvertiertheit. Da sehe ich für mich nur zwei Probleme. Mir würde es wohl sehr schwer fallen, den Mut aufzubringen völlig allein eine Verantsaltung, Ausstellung etc. zu besuchen. Wenn ich mich dazu doch überwinden könnte, wäre es dann wohl noch ein Stufe schwerer einen anderen Menschen anzusprechen. Aber ich sehe auch, dass das eher innere und vor allem imaginäre Barrieren sind und keine, die in der Außenwelt und damit real existieren. Das Schlüsselwort ist hier wahrscheinlich "Überwindung". Zu verlieren habe ich wenig, da mir die Menschen an solchen Orten fremd sind und ich sie nicht wiedersehen muss. Da werde ich mir mal ausführlich Gedanken zu machen. Bisher habe ich tatsächlich wenige Veranstaltungen wahrgenommen, an den auch andere Introvertierte Interesse haben könnten, zumindest nicht vordergründig. Das ist ein guter Hinweis!

    Ich sehe tatsächlich den Fehler, warum es mit damaligen Freunden nicht bis heute angedauert, nicht nur bei den anderen oder nur bei mir. Ich weiß gar nicht, ob da das Wort Fehler überhaupt angebracht ist. Ich habe mir für mich einfach ganz klar vorgenommen mich künftig wohlzufühlen in der Gegenwart von Freunden und das wird mir am besten gelingen, wenn ich ganz ohne Scham meine Persönlichkeit zeigen kann. Da ich mich vor damaligen Freunden oft verstellt und verschlossen habe, habe ich Angst, bei einer erneuten Kontaktaufnahme in alte Muster zu fallen. Ich glaube es gehört viel Mut dazu, Menschen, die sich bereits ein Bild von einem gemacht haben, eine ganz neue (bisher verborgene) und sehr dominante Seite der eigenen Persönlichkeit zu offenbaren und diese dann auch zu leben. Evtl. bin ich irgendwann dazu bereit. Im Moment würde ich mich wohl leichter damit tun, einer neuen Bekanntschaft gleich von Anfang an diesen wichtigen Teil meines Wesens zu zeigen, Akzeptanz und Liebe zu finden und dadurch zu wachsen.

    Insgesamt weiß ich, dass mein Vorhaben, mich sozial zu integrieren und dies auch zuzulassen, ein sehr schwieriges und an vielen Stellen bestimmt auch unangenehmes Vorhaben ist, aber ich möchte es unbedingt. Ich habe es satt unglücklich zu sein und mich in gewisser Weise darauf auszuruhen.

    Ich kann nur erneut betonen, dass es mir sehr viel Kraft gibt, hier im Forum diesen Zuspruch bzw. das Gefühl des Angenommenseins vermittelt zu bekommen. Gleichzeitig ist es toll zu erfahren, wie Menschen mit ähnlichen Charakterzügen ihr Leben gut im Griff haben glücklich sind. Es hilft mir auch dabei, weiter in meine Wunschrichtung zu denken und reale Schritte dahingehend zu unternehmen.

    Herzlichen Dank und einen schönen Sonntag!
  • zum Thema Ehrlichkeit / Wahrheit eine Anmerkung von mir, die sich nicht auf den Diskussionsablauf hier bezieht, welche ich allerdings trotzdem angebracht haben möchte, im Sinne einer grundsätzlichen Einstellung:
    Ich schätze Ehrlichkeit insofern sehr, als sie mit Feingefühl und individueller Note gestaltet wird. Damit meine ich, dass versucht werden soll, darauf zu achten, wieviel davon gerade bei einem jeweiligen "Du" angebracht ist.
    Ich kenne Personen, die sich ständig damit rühmen, absolut ehrlich zu sein, aber nicht darauf achten, dass man mit einer distanzlosen Ehrlichkeit auch verletzen kann.

    Eine Art von - für mich - sonderbarer Ehrlichkeit, die darauf abzielt, andere Leute ständig zu vernadern, weil man etwas über sie weiß, ist mir persönlich überhaupt nicht willkommen: Hier wird der Begriff der Ehrlichkeit missbraucht, denn sowas fällt unter "Tratsch".

    Für den Diskussionsverlauf hier wünsche ich noch alles Gute ...
  • @Seelenbilder

    Das ist ein interessanter Hinweis und ein neuer Gedanke. Hast du dafür ein Beispiel? Du hast es ja sehr allgemein gehalten , aber genau dadurch fällt es mir gerade ein bisschen schwer zu verstehen, was genau du meinst.

    Schöne Grüße
  • Hallo Sommergewitter,
    lieben Dank für Deine Frage.

    In meinem Denken geht es immer darum, mir vor Augen zu halten, dass jeder Mensch wahrlich ein Individuum ist, welches sich tatsächlich nicht nur über seinen einzigartigen Fingerprint definiert. Daher hat jeder Mensch seine eigenen Grenzen, mit wieviel Ehrlichkeit seines Gegenübers er behelligt werden möchte. Auch, wenn viele nicht gerne darüber reden, so finden durch distanzlose Ehrlichkeiten zahlreiche Verletzungen statt. Diese zu äußern, erfordert mitunter definitiv Mut, weil man schnell als "Mimose" abgestempelt wird. Ich nehme an, dass sich viele Menschen diesem Ruf gar nicht erst aussetzen wollen und daher keine Grenzen ziehen - und somit weiterhin viel Kränkendes einfach schlucken.
    Mir fällt auch auf, dass es genug Menschen gibt, die recht "ehrlich" austeilen, im Gegenzug aber sehr schnell einen beleidigten Rückzug starten, sobald sie einem ehrlichen Gegenüber begegnen!

    "Distanzlose Ehrlichkeiten" finden sehr häufig auf der persönlichen Ebene statt, beispielsweise wenn es um Äußerungen zu "Äußerlichkeiten eines Menschen" geht. Ein - wie mir scheint - einfaches Beispiel: Es will eben nicht jeder Mensch hören, wenn er nach seinem Urlaub ein paar Kilos mehr auf den Rippen hat. Man darf davon ausgehen, dass er es selbst weiß (und sich vielleicht schon mit Gedanken quält, wie er dieses Übergewicht wieder wegbekommt)!
    Ich bemerke, dass sich viele Menschen zur oft unaufgeforderten Ehrlichkeit "verpflichtet" sehen, wenn sie meinen, einem Menschen sooft zu begegnen, dass er diese Ehrlichkeit "verdient", z.B. eine Person kommentiert ständig und natürlich unaufgefordert äußere Veränderungen an anderen. Umgekehrt kann diese Person aber nicht mal gerechtfertigte und sachliche Hinweise zu weit weniger persönlichen Themen annehmen.

    Mit dem Begriff der Wahrheit verhält es sich noch einmal komplizierter: Was ist denn "die Wahrheit"? Vielfach verfügen wir über subjektive Wahrheiten. Daraus resultierend, dass wir unsere subjektive Wahrheit für eine allgemeingültige halten, ist auch schon viel Unglückliches in diese Welt transportiert worden. Hinter sogenannte Wahrheiten müssen wir viel mehr blicken, als es uns oft überhaupt bewusst ist. Man sieht es ja auch gerade in der gegenwärtigen Covid-19-Pandemie - was da alles an recht widersprüchlichen persönlichen Einschätzungen, die allerdings als allgemeingültige Wahrheiten aufbereitet werden, verkauft wird, z.B. in Hinblick auf medizinische Hintergründe.

    Im so vieles umfassenden Bereich der Kommunikation spielt der feinsinnige Einsatz unserer Rhetorik eine große Rolle. Durch den Einsatz von Sprache verändern wir unsere Welt - der Geist und die Haltung, die hinter unseren Worten stecken, sind für menschliche Begegnungen von größter Bedeutung. Sie formen nämlich nicht nur einzelne Menschen, sondern eine ganze Gesellschaft ...
  • @seelenbilder

    Danke für die Antwort mit einem einfachen und wirklich gut verständlichen Beispiel. Könntest du noch erklären, weshalb du dieses Thema gerade hier in diesem Thread angebracht hast? Also was deine Intention war oder ab wann für dich der Gedanken entstand, du musst jetzt hier diese Zeilen tippen. Natürlich nur, wenn du magst.

    Im ersten Augenblick, habe ich gedacht, hey cool, was für ein gut durchdachter Beitrag. Ich finde es toll, feinfühlig mit dem Thema Wahrheit umzugehen und hier nicht nur den Empfänger einer "Wahrheit" zu sehen, sondern auch den Erzählenden mal näher zu betrachten.
    Was ich als sehr schwierig empfinde, ist aber die Beschreibung und Annahme, dass es "distanzlose" Wahrheiten gibt, die "grenzverletzend" sind. Ich frage mich gerade, was das sein soll. Weil dies impliziert, es gäbe bei diesem Ablauf, des Grenzen Überschreitens durch eine Wahrheit, einen Verusacher, der eine "falsche" Handlung begeht. Denn was bedeutet z.B. distanzlos - das ist ja eine Pathologisierung des Kontaktverhaltens einer Person. Wenn etwas als krankhaft bezeichnet wird, ist das aber lediglich eine von Menschen ausgedachte Beschreibung eines Zustandes. Diese ausgedachte Beschreibung stützt sich dabei auf eine breite Masse an Menschen, die dieses Verhalten nicht zeigt, der Norm. Aber nur weil es eine Mehrheit von etwas gibt, ist es dann gerechtfertigt zu sagen, dass die Mehrheit auch die Gesundheit definiert und die Minderheit die Krankeit? Liegt eine Mehrheit damit immer richtig und ist die Mehrheit dann besser im Sinne von Gut und nicht schädigend für andere? Ist die Minderheit damit schlecht und hat Schuld oder ist automatisch Verursacher einer schlechten Situation? Ich finde, dass Feingefühl auch hier bedeutet, sich damit auseinandersetzten.

    Denn ich behaupte, es gibt keine distanzlose Wahrheit in der freien Natur, um es mal blöd auszudrücken. Sie ist nur von Menschen gemacht und entsteht auch nur im Austausch zwischen mindestens zwei Menschen. Hierbei geht es in meinen Augen lediglich darum, welche Bedürfnisse mehr zählen, sollte ein unterschiedliches Verständnis von Offenheit, der Menge an gesagten Wörten oder auch von unterschiedlichen Wahrheiten zwischen zwei Menschen herrschen. Sehr kompliziert beschrieben, deshalb nenne ich auch das Beispiel.

    Der Mensch, der einem anderen sagt, "hey, du hast zugenommen", hat das Bedürfnis, diese Wahrheit auszusprechen. Warum er dieses Bedürfnis hat, ist unklar. Vllt hat er das Gefühl, den anderen nur durch bewusste Ansprache wachrütteln zu können, damit dieser sich wieder um seine Figur kümmert, weil er den Menschen so sehr mag, dass er ihm ein Wohlempfinden im eigenen Körper wünscht und dies nach seiner Definition nur durch Schlanksein erfüllbar ist.
    Vllt fühlt er sich gerade aber auch selber unwohl in seiner Haut und kann dieses Unwohlsein ein wenig abmildern, indem es die offensichtliche Schwäche eines anderen laut ausspricht und sich damit ein wenig über den anderen Menschen erhebt. Das bereitet ihm womöglich ein Glücksgefühl. Das ist jetzt erstmal nur die Bedürfnisbefriedigung des einen Menschen.

    Der Gegenüber könnte diese Aussage jetzt unterschiedlich auffassen, z.B. könnte er große Dankbarkeit empfinden, weil er das Gefühl hat, die eigene Gesundheit ist dem Gegenüber gerade so wichtig, dass er die offensichtlichen Kilos "zu viel" anspricht.
    Eine andere Möglichkeit, die wahrscheinlich die Norm zumindest hier in Deutschland präferieren würde, ist zu denken, dass der mit der Wahrheit konfrontierte Menschen sich unwohl fühlt mit dieser Wahrheit, weil er es als Beleidigung empfindet, auf eine vermeintliche Schwäche hin angesprochen zu werden, die zudem noch offensichtlich ist und damit nicht erwähnenswert.

    In einem anderen Land oder einer bestimmten anderen Kulturgruppe könnte Dicksein aber auch ein Statussymbol darstellen und die Aussage, "du hast zugenommen", als ein riesen Kompliment für Offensichtliches sein. Da wird sofort wieder deutlich, es gibt keine naturgegeben richtigen Verhaltensweisen und Aussagen von Menschen.

    Ob eine Wahrheit deshalb als unangenehm empfunden werden kann, ist nur vom Empfänger abhängig. Das, was als unangenehm empfunden wird, ist zudem sehr individuell. Wenn man glaubt, man spricht jemanden besser nicht aufs Dicksein an, weil das der Norm wohl nicht gefallen würde, ist das noch lange nicht der richtige und gesunde Weg in meinen Augen, und kann deshalb genauso gut als krankhaft oder falsch beschrieben werden. Ich denke außerdem, dass man vorher überlegen soll, warum man welche Wahrheit in welcher Intensität preisgibt.

    Hat man zum Beispiel das Bedürfnis einen Menschen mit einer ähnlichen Sichtweise kennenzulernen, empfinde ich es wichtig, seinem Bedürfnis, bestimmte Wahrheiten in der selbstgewählten Intensität auszusprechen, nachzugehen. Weil man nur so die Chance hat, Menschen, die dieses Bedürfnis teilen oder denen es angenehm ist, zu finden. Womöglich hat man dadurch einen Freund gewonnen.
    Es gibt aber auch Situationen, da ist es halt wichtiger, nicht sein Bedürfnis nach Wahrheit auszuleben, weil man zum Beispiel gerade mehr Wert auf das Bedürfnis legt, freundlich zu wirken und oberflächlich zu bleiben. Zum Beispiel, wenn man im Gespräch mit dem Chef ist und dessen Krawatte schrecklich findet.


    Damit ist für mich das Aussprechen von Wahrheiten mit der damit verbundenen Intensität eine reine Bedürfnisbefriedigung, die sehr stark von dem individuellen Charakter sowie der Kultur eines Menschen abhängt. Auch die Beziehung zwischen zwei Menschen ist hierbei wichtig und die Wahrheit kann an unterschiedliche Kontexte angepasst werden kann.
    Wie diese Wahrheit ankommt, ist vom individuellen Gegenüber, dessen Kultur, dessen Beziehung sowie dem Kontext etc. abhängig.

    Welchen Weg man nun gehen will, muss in meinen Augen jeder selbst entscheiden. Man sollte sich nur bewusst darüber sein, dass jedes Handeln eine Konsequenz in der Außenwelt nach sich zieht und diese Konsequenz kann dann das eigene Bedürfnis Wahrheiten auszutauschen auch verändern oder bestärken. Es gibt für mich demnach keine Menschen mit einem "distanzlosen" und damit falschen oder schlechten Wahrheitsaustausch. Auch ist für mich die Erklärung, es mangelt den Menschen an Feingefühl, hier zu kurz gegriffen.
    Wobei ich nicht behaupten kann über den Dingen zu stehen und diese Gedanken in der Realität ständig in meinem Bewusstsein zu tragen. Auch ich bilde mir oft ein, es gäbe ein naturgemäßes Gesetz für den richtigen Austausch an Wahrheiten im sozialen Kontext, gegen das andere verstoßen. Ohne zu kapieren, dass das Verhalten nur nicht mein eigenes Bedürfnis widerspiegelt und ich deshalb annehme, es sei falsch, übergriffig oder distanzlos laut einer allgemeingültigen Definition.

    Schöne Grüße
  • Hallo! Eine weitere Erklärung scheint mir hier deswegen nicht ganz einfach, weil wir von sehr unterschiedlichen Einstellungen ausgehen: Ich möchte erst mal Distanzlosigkeit nicht automatisch mit einer Pathologisierung gleich setzen. Es sind meine persönlichen Erfahrungen, Beobachtungen und Sichtweisen, die ich hier geschildert habe.

    Ich sehe das Thema "Ehrlichkeit" als Verantwortung und nenne noch ein ganz einfaches Beispiel: Ich glaube, dass die meisten von uns in der Kindheit schon Dinge gehört haben, die man sich ganz lange gemerkt hat, weil sie so grenzverletzend waren. Oft nur von einem Erwachsenen oder von mehreren Erwachsenen so nebenbei dahinbemerkt, lösen sie bei einem heranwachsenden Menschen eben mehr aus, weil er möglicherweise schon darüber nachdenkt. Gerade bei Kindern, die sehr schüchtern sind, kann man einfach nicht mit jeder Wahrheit, nur weil man glaubt, sich dadurch treu zu bleiben, daherkommen. Das erlebe ich sehr oft, wenn ich höre, wie Eltern mit ihren Kindern sprechen. Sie erwarten von einem Kind Respekt und behandeln es selbst respektlos, indem sie "ihre Ehrlichkeit" fragwürdig anbringen, dies am besten noch gemischt mit viel Ärger und ohne zu hinterfragen, wieso ein Kind gehandelt hat, wie es gehandelt hat. Mir fehlt ganz allgemein oft das Hinterfragen von Handlungen im sozialen Miteinander - so erlebe ich häufig auch ein Gegeneinander.

    Es gibt wohl bei den meisten Menschen Themen, die er nicht allerorts und mit jedem erörtern möchte. Es ist auch eine Beobachtung, dass so viel hinter Menschen angeblich "ehrlich" gesprochen wird, wo es aber bei genauerem Hinhören nichts anderes als ein Verbreiten von einseitigen Meinungen, Vorurteilen, Halbwahrheiten, usw., ist.

    Ich bin nicht der Meinung, dass wir im sozialen Miteinander immer nur auf unsere eigenen Bedürfnisse achten sollten - unter Rücksicht fällt für mich auch, dass ich eben einem anderen Menschen gegenüber nicht immer gleich äußern muss, was ich beobachte, denke, glaube, etc., nur, weil es mir ein impulsives Bedürfnis ist.

    Ich glaube, wir haben unterschiedliche Herangehensweisen an dieses Thema, das ergibt sich wohl aus einer Summe von Erziehung, Lebenserfahrung, Haltung, Beobachtung, eigenen Themen, usw. Das ist auch okay so und wir werden mit unserer jeweiligen Art und Weise natürlich auch völlig unterschiedliche Reaktionen erfahren. Damit muss man dann auch leben können.

    Ich denke, ich gehe auf eine ehrliche und aufrichtige Art und Weise durchs Leben - ganz sicher beobachte ich vieles, habe aber nicht immer das Bedürfnis, meine Gedanken gleich mitzuteilen. Ich denke über vieles nach, aber gerne auch ganz leise.

    Du hast nach einem Auslöser gefragt, warum ich meinen Beitrag geschrieben habe - ich fühlte mich einfach von den Worten "Ehrlichkeit" und "Wahrheit" in gewissem Sinne eingeladen, meine Sichtweise zu schildern.
  • @seelenbilder

    Da habe ich mich in der letzten Nachricht wohl zu undeutlich ausgedrückt, denn du hast mich falsch verstanden.
    Ich denke jeder Mensch möchte mithilfe seiner Kommunikation bestimmte Bedürfnisse befriedigen. Das eigene Handeln ist ja niemals fremdgesteuert, sondern geschieht aus einer eigenen Motivation heraus.
    Ich habe aber nie gesagt, dass man den eigenen Bedürfnissen immer blind den Vorrang geben sollte und das macht wohl auch keiner. Schon gar nicht, wenn man damit wissentlich jemand anderem Schaden zufügt. Sollte dies dennoch passieren, kann man nicht immer davon ausgehen, dass dies mit Absicht geschieht. Einige Mensche haben auch Schwierigkeiten sich in andere hineinzuversetzen. Zudem ist es eine Sache, an einen bestimmten Verhaltenskodex zu glauben und eine völlig andere, tatsächlich immer danach zu handeln. Trotzdem gibt es natürlich auch Menschen, die es in Kauf nehmen, anderen zu Schaden. Das ist in meinen Augen nicht der richtige Weg. Gerade im Umgang mit Kindern sollte man viel Feingefühl zeigen.

    Beim Wort Distanzlosigkeit habe ich einfach sofort an eine Verallgemeinerung gedacht, aber du hast ja nochmal klargestellt, dass sich deine Aussagen auf dich und dein Empfinden beziehen. Das kann ich insgesamt natürlich sehr gut nachvollziehen. Ich lasse das jetzt auch so stehen, da es dir nicht um einen allgemeinen Austausch zu diesem Thema ging.

    Schöne Grüße

  • edited Mai 21
    Guten Abend in die Runde!

    Ich nutze mein erstes öffentliches Erscheinen hier, kurz auf Worte von Sommergewitter einzugehen.

    "(....) Viele Menschen erschreckt man mit der Wahrheit. Wenn man erzählt, man sei einsam und habe keine Freunde, fühlt sich das Gegenüber schnell unwohl. Es macht sich eine Überforderung breit, weil man ja eine schöne Zeit erleben möchte und nicht in die Rolle des Sozialarbeiters gedrängt werden will. Ein Mensch ohne Freunde wirkt nicht wie ein charismatischer angenehmer Mensch mit dem man eine tolle Zeit haben kann, sondern wie ein Sozialprojekt für dessen Existenz man sich schämt, wenn man es mitträgt. (....) "
    (Zitat/Sommergewitter)

    Mein eigenes Empfinden ist, wenn ich seltener Weise (Schreibweise ist Absicht) Kommunikation mit jemandem mitohne ;) Freunde bekomme, ich das eher positiv empfinde. "Keine Freunde" - welch Rarität in einem Land, in dem Viele sich ueberbieten, im Wettbewerb wer die meisten "Freunde" habe.
Sign In or Register to comment.