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Berufsfindung

Halli Hallo. Wenn ihr euch heute noch einmal nen Tipp geben könntet bezüglich: Wie finde ich den Beruf, der zu mir passt als introvertierter Mensch? Was wäre der EINE super Tipp, der euch weitergebracht hat?

Kommentare

  • edited Juni 2020
    Hi Dominic_Sch,

    kaum habe ich mich auf dieser Plattform registriert,
    schon melde ich mich zu Wort.

    Ich stehe zwar erst am Anfang meiner beruflichen Karriere dennoch will ich hierzu was sagen . Ich habe in den vergangenen Wochen und Monate mich selbst sehr stark analysiert und beobachtet was ich kann und was ich möchte bzw. nicht möchte.

    Ich selbst bin technisch interessiert. Habe meine Ausbildung im Januar 2019 mit 1,3 abgeschlossen. Ich war schon in der Ausbildung immer eher an der Theorie interessiert, dennoch konnte ich mich auch im Praktischen immer behaupten und war daher der Meinung, dass ich in den Service gehen muss, um eine Mischung aus analytischem Denken und handwerklicher Arbeit zu haben und um als "eigener Herr unterwegs zu sein und ggf. meine Ruhe vor Kollegen zu haben, die einen ständig mit belanglosem Zeug volllabern.

    Im Service wurde ich bisher jedoch nicht glücklich. Die Theorie, die jeweils hinter der Technik steckte interessierte mich stets sehr, jedoch bei den praktischen Aufgaben wurde es mir immer zu stupide und ich begann mich zu langweilen. Das Problem sah ich dann immer im Aufgabengebiet und argumentierte beim Wechsel immer damit, dass mir die Tätigkeit passender zu meinen Vorstellungen "verkauft" wurde als sie es tatsächlich war.

    Ich bin jetzt bei meinem dritten Arbeitgeber (wie gesagt meine Ausbildung endete im Januar 2019) weshalb ich nach kürzester Zeit einen wechselreichen Lebenslauf habe. Ich habe erkannt, dass etwas nicht passt und habe mich stark mit mir auseinander gesetzt und eine Antwort auf die Frage was los ist gefunden und stehe nun vor dem ersten Schritt zur Besserung.

    Ich stehe kurz vor dem Beginn zur Weiterbildung zum staatlich geprüften Techniker in Medizintechnik. Ich habe für mich erkannt, dass ich als introvertierter Mensch lieber denke als handle und das obwohl ich keine zwei linke Hände habe.

    Wichtig dabei ist, dass ich mich für die Fachrichtung Medizintechnik entschieden habe, weil sie mich wirklich interessiert. Ich hätte mich auch für Elektrotechnik entschieden können, aber ich bin überzeugt davon, dass ich Probleme bekommen hätte, da es mich persönlich nich sehr interessiert und ich somit keine Motivation gehabt hätte.

    Lange Rede kurzer Sinn:
    Gerade für Intros ist es denke ich unerlässlich, das man sich beruflich mit etwas beschäftigt was einen auch wirklich interessiert. Alles andere wäre Energieverschwendung. Das heißt im Umkehrschluss, dass man sich mit sich selbst auseinandersetzen muss und wissen sollte was man möchte und was nicht, was einen interessiert und was nicht und ganz wichtig worin man einen Sinn sieht, denn Intros gehen tief...

    Ich hoffe es hilft dir weiter!

    LG Dettinger
  • Ach, wie toll! Ich wünsche dir grandiosen Erfolg! Viele scheuen den Aufwand, sich tiefgehend rein zu fuchsen - was sie wirklich WIRKLICH wollen.

    Sich stetig auch mutig dem zu stellen, was einen langweilt oder überfordert oder warum-auch-immer nicht glücklich macht: Wow.

    Herzlichen Dank für deine Ausführung!
  • Hallo Dominic, und willkommen im Forum, @Dettinger!
    Ich hab es gerade von einer lieben Freundin gesagt bekommen und noch blöde gefragt, was genau sie damit meint und jetzt prasseln die passenden Momente zu besagtem Thema nur so hinein:
    Authentisch sein.
    Ich denke, das war der Schlüssel für mich. Wissen, wer ich bin, was mir gut tut und was nicht... und dann mit jedem Arbeitsplatz ein paar faule Kompromisse weniger machen. Ich bin dann nach und nach einfach dahin gekommen, wo ich nun bin und könnte eigentlich keine bessere Aufgabenmischung (vor allem: ohne Kundenkontakt!) haben. Ich denke, wer sich selber kennenlernt und dann den Leuten offen und ehrlich zeigt, wer er ist, der hat am ehesten Erfolg.
    Nur als Beispiel.. ich war neu im Unternehmen und mein Kollege fragte mich, ob ich Schulungen bei seinem Kunden mit ihm machen würde. Ich hatte tatsächlich keine Ahnung, ob das zu meinem Aufgabenbereich gehörte (es stellte sich heraus: nein) und da ich neu war, wollte ich natürlich nicht Nein sagen. Der Kollege wollte nur jemanden, der die 6 Termine irgendwann für ihn übernehmen würde.
    Es blieb dabei, dass ich für diesen einen Kunden Schulungen durchführte, explizit auf Kundenwunsch, als besagter Kollege die Firma verließ und sein Nachfolger mit dem Kunden im Gespräch war. Ich mache das tatsächlich alle Jubeljahre mal, um aus meiner eigenen Komfortzone rauszukommen. Ein anderer Kollege/Chef bekam meine Schulungen bei dem Kunden spitz und fragte mich, ob man mich jetzt für Schulungen heranziehen könne. (Natürlich will die keiner halten *augenroll*)
    Ich sagte zu ihm, dass mir das ehrlich gesagt zu viel wäre, dass es nicht so mein Ding sei und ich nur diesen einen Kunden schulen würde.
    Der Kollege/Chef akzeptierte dies und ich wurde nie wieder gefragt, andere Schulungen zu absolvieren.
    Dieses eine Beispiel auf tausend andere kleine Momente übertragen, bekommen die Leute einfach ein Bild davon, wer ich bin und können damit umgehen. Wenn ich immerzu Ja sage und mich verstelle, Ärger, Bedürfnisse und Bedenken herunterschlucke, dann können die Leute auch nicht so auf mich reagieren, wie mir das gut tun würde.
    Deshalb: authentisch sein.
  • You made my day! Gar nicht so ohne, das auch durchzuziehen nicht wahr?
    Das Wörtchen "nein" zu benutzen. Wir tun so viele Dinge. Weil wir denken, wir müssten? Mit jedem Mal authentischer werden fühlt sich magisch an.
  • Nee, das ist echt nicht leicht, besonders anfangs. Deshalb meinte ich ja auch, jedes Mal ein paar faule Kompromisse weniger...
  • Berufsfindung ist für Menschen mit vielen Stärken, mit Tiefgang, mit Überlegtheit nicht einfach - unsere Außenwelt steht zu sehr auf Menschen, die mehr Schein verbreiten als zu sein. Man wünscht sich als Unternehmer noch viel zu oft bequeme Herdentiere als unbequeme Querdenker, selbst, wenn dieses Querdenken auch viele Vorteile für ein Unternehmen bringen würde. Da passt es oft nicht, wenn quer über die Zeilen geschrieben wird.
    Viele tun lieber rasch, als vorher über Auswirkungen nachzudenken. Zeit ist schließlich Geld! Also nicht die besten Voraussetzungen für Tiefschürfer, sie nehmen sich gerne Zeit!

    Ich habe auch einen langen Lebenslauf - viele Interessen, einige Ortswechsel, manchmal unbequem. Und auch auf Chefitäten gestoßen, die keine hinterfragenden Mitarbeiter schätzen. Time to say goodbye! In jüngeren Jahren jedenfalls.

    Inzwischen wissend, wofür das Herz schlägt, doch aufgrund des fortgeschrittenen Alters prüfender! Vielleicht sind die Sterne noch nicht reif genug ...

    Kompliment an Dich, Dettinger, spitze beschrieben, was hilfreich ist: die wahrhaftige Auseinandersetzung mit sich selbst!
  • Schöne Aussagen. Mit der Zeit ist man es sich selbst wert sozusagen. Sodass man sich auch mal zutraut, gegen den Strom zu denken und zu handeln.
    In vielen Hochschulen wird mittlerweile Führung gelehrt, die transparenter und kooperativer ist. Es gibt viele tolle Ansätze. Für potenziell wahnsinnig tolle Führungskräfte.
  • Bei mir benutze ich immer Linkedin oder Stepstone. Ich werde auch auf die Homepage der Firmen gehen, die ich mich interessiere.
    Du könntest auch die Website hier reinschauen. Da gibt's ein paar Tipps dafür und prinzipiell Jobcenter kann die Bewerbungskosten übernehmen, wenn man das vorher beantragt. :D
    https://www.hartz4.de/jobsuche/#Suche-Arbeit-Wie-finde-ich-einen-Job
  • Die richtige Tätigkeit zu finden ist elementar, besonders für Intros.

    Ein paar Fragen die dabei helfen können:

    -Was hast du als Kind gerne getan?
    -Was würdest du tun wenn du kein geld dafür erhältst?
    -Wie verbringst du deine Freizeit, welche Hobbies hast du?
    -Was kannst du über einen langen Zeitraum tun ohne das dir langweilig wird?
  • Hallo @ChrisJahnke, Fragen ähnlicher Art sind mir vor Jahren in einem Seminar begegnet - meine Visionen waren so "rund", dass ich tatsächlich einige Monate später meine neuen beruflichen Wege fand.
    Doch schon seit längerem spüre ich, dass es das noch nicht gewesen sein kann und genau die Fragen, die Du stellst, spielen in meinen Gedanken eine Rolle. Es gibt zwei Berufsfelder, die in meinen Gedanken beheimatet sind und die ich umsetzen möchte! Auch ein starkes freudvolles inneres Bild davon kann hilfreich sein, um diese Herzensvisionen in die Realität zu bringen :-)
  • Hallo,

    ich war durch meine aktuelle Arbeit sozusagen gezwungen herauszufinden, was für mich (nicht) funktioniert. Das Kritische sind eindeutig die Rahmenbedingungen, weniger die Inhalte. Inhaltlich habe ich viele Interessen, habe zwar Psychologie studiert, finde aber moderne Softwareentwicklung richtig toll. Dabei geht es mir eher um das große Ganze, und wie man die passenden Technologien zusammenfügen kann um bestimmte Ziele oder Bedürfnisse zu erfüllen (Architektur). Daten zu strukturieren gehört auch dazu. Dadurch kann man sich immer wieder mit anderen Themen auseinandersetzen. Natürlich programmiere ich auch, aber ich versinke nicht immer mehr in den Details einer bestimmten Technologie, sondern komme immer wieder zu diesem Architekturblick zurück. Wenn ich nicht blind wäre, würde mich vielleicht auch richtige Architektur mehr reizen. Man kann sich also bei der Berufsfindung vielleicht auch die Frage stellen, ob man eher am großen Ganzen oder an Details interessiert ist. Reine Details ohne Zusammenhang ermüden mich schnell, ich versuche immer, induktiv Ordnung hineinzubringen. Deshalb dachte ich auch, dass mein aktuelles Arbeitsgebiet (Forschungsdatenmanagement) trotz des fürchterlichen Namens gut zu mir passen könnte.

    Wenn schneller Chaos nachkommt als ich sortieren kann, werde ich wahnsinnig. Das ist eine Rahmenbedingung, die darüber entscheiden kann, ob man im selben Beruf sein Plätzchen findet oder eingeht. Ich möchte eine Aufgabe eigentlich sehr gründlich erledigen und mich gut in ein Thema einlesen, mein Arbeitsumfeld (Verwaltungs- und Beratungsumfeld an einer Uni) ist aber auf Effizienz ausgerichtet (80:20-Prinzip). Es fällt mir sehr schwer, ein Ergebnis zu „verkaufen“, wenn ich nicht auch davon überzeugt bin. Ich kann überhaupt nicht gut zwischen Themen und Aufgaben switchen, bei uns wird aber ein Projektplanungstool verwendet, wo die Aufgaben zu Tickets werden und wenn ich zu lange für ein Ticket brauche, wird es oft einfach von jemand anderem erledigt. Schon wenn ich die Worte „Schlagzahl“ oder „abliefern“ höre, könnte ich die Krise kriegen. All das drückt meine intrinsische Motivation gegen 0, aber die Inhalte sind nicht schuld daran. Ich kann prima über längere Zeit an einem Projekt feilen, aber dieses Tempo und zu viele Themen gleichzeitig verhindern, dass ich mich richtig darauf einlassen kann. Ich wurde schon dazu angehalten, das Ticketsystem doch mehr zu nutzen und zu dokumentieren, was ich getan habe. Natürlich dokumentiere ich die Ergebnisse meiner Arbeit, so dass andere schnell nachlesen können, wie sie die Software richtig nutzen können. Im Planungstool durchmischen sich aber Inhalte und Organisatorisches. Das ist eh so ein dämlicher Manager-Fehlschluss zu glauben, alle Beteiligten müssten alles voneinander mitbekommen und wissen. Oft will ich überhaupt nicht wissen, wer was wann gemacht hat, wer wen wie lange kennt und wer alles ins finanzielle Boot geholt werden muss, sondern brauche hauptsächlich die für meine Arbeit relevanten Infos. Das wäre von oben z.B., was mit dem zu entwickelnden Tool gemacht werden soll, welche Ressourcen zur Verfügung stehen etc. Im Grunde führt alles zur nicht vorhandenen informationellen Abgrenzung hin.

    Naja, das hat mir sehr deutlich gemacht, dass es weniger an den Inhalten hängt, sondern an den Rahmenbedingungen und gelebten Werten. Das Themengebiet ist zur Zeit politisch gewollt, das kann man einfach schön laufen lassen, weils läuft. So was wie eine Vision oder klare Vorstellung wurde vor ca drei Jahren mal als Ticket erledigt und wieder vergessen. Ich muss mich zur Zeit sehr dazu zwingen, mein Berufsleben passender zu gestalten und nicht zu resignieren. Mittlerweile weiß ich ganz gut, was ich gut kann und was mir gut tut, aber aktiv zu werden ist so verdammt anstrengend, weil ich von der Informationsverarbeitung her überfordert bin.
  • edited Januar 4
    Zu Deinem letzten Eintrag, tamaracha:
    Ich glaube, dass wir nicht die einzigen sind, die grundsätzlich in ihrem Berufsleben Aufgaben nachgehen, die Freude oder Sinn bereiten. Ich bemerke allerdings, dass es auch bei mir gewisse Rahmenbedingungen sind, die einfach nicht passen. Auch die Teamkonstellation ist schwierig, dies aus diversen Gründen. Es liegt unter anderem an persönlichen Verhaltensweisen Einzelner, an Überforderungen Einzelner, an persönlicher Haltung, an mangelnder Professionalität, an Ausbildungen, die fehlen, etc.
    Ich vermisse ebenso eine gewisse Wertekultur und faire Kommunikationswege.

    Ich brauche auch meine Ruhe, um diversen Aufgaben gut nachkommen zu können.
    Auch mag ich überhaupt kein Chaos, weder kann ich einen überfüllten Arbeitstisch leiden, noch unzählige Kaffeehäferl neben Arbeitsmaterialien oder unsortierte Ablagen, Schlampereien in Schränken, usw.

    Du hast in Deiner persönlichen Vorstellung von Vernetzung im Arbeitsleben geschrieben. Mir ist aufgefallen, dass ich früher ganz gut vernetzt war, während ich diesen konstruierten Kontakten, die mir vielleicht irgendwann in einer Sache dienlich sein könnten, heute überhaupt nichts mehr abgewinnen kann. Ich lasse das bereits seit vielen Jahren sein. Ein Nachteil besteht aus meiner Sicht allerdings ganz klar darin, dass mir bei der Arbeitsplatzsuche eben auch gewisse Kontakte zu Personen fehlen, die mich unterstützen könnten. Ich möchte solche Seilschaften einfach nicht mehr haben, es kommt mir zu zweckorientiert vor und ich habe auch keine Freude an regelmäßigen Treffen.

    Liebe Grüße von Seelenbilder
  • @seelenbilder, mit uns beiden würde es bestimmt gut funktionieren, wobei du mit der Ordnung vielleicht noch extremer bist als ich. ;-) Du nennst aber genau die Art von Rahmenbedingungen, mit der ich mich auch zur Zeit herumschlage.

    Wahrscheinlich wollte ich darauf hinaus, dass sich aus sehr vielen Themengebieten Sinn und Freude gewinnen lässt, die Rahmenbedingungen und Aufgaben aber den kompletten Ausschlag geben können, ob es für einen persönlich passt. Meistens erfährt man leider von außen oder im Bewerbungsgespräch nicht genug darüber, in welche Konstellation und Rahmenbedingungen man hineingerät. Aus den Stellenausschreibungen lässt sich das auch oft nur schwer ableiten. Diese empathischen Extravertierten Führungskräfte, die ständig am Netzwerken sind, die richtigen Leute zusammenbringen und einem passende Aufgaben zuweisen, das ist unglaublich angenehm. So jemand hat bei Bedarf nämlich auch mal einen interessanten Kontakt parat, ohne dass man selbst ein großes Netzwerk aufbauen muss. Es kann wirklich schwierig sein, via Mundpropaganda an Infos zu Arbeitsplätzen oder Wohnungen etc. zu kommen. Wenn man ein paar gut befreundete Extravertierte hat, kann man die manchmal für solche Zwecke mit einspannen, ohne dass es sich zu zweckmäßig anfühlt.

    Ich würde nicht behaupten, dass keine Wertekultur gelebt wird, aber sie passt nicht gut zu meinen Werten. Tratsch statt direkter Kommunikation und Diskretion würde mich auch stören, auch wenn man nur sozusagen angetratscht wird. Das Problem habe ich zum Glück weniger, die Leute haben genug anspruchsvolle Aufgaben. Trotzdem besteht mir zu wenig professionelle Distanz und zu viel ungezielter Informationsaustausch. Für mich ist jede Beziehung ein eigener Kontext, in dem ich entscheide, wie viele Details ich dem Gegenüber mitteile und auf welchem Niveau ich mit dem Gegenüber reden muss. In den häufigen Meetings mit mehreren Ebenen ist das leider unmöglich. Jeder erfährt von jedem alle Einzelheiten, im Ticketsystem mischen sich Inhalte und Organisatorisches, und die Kollegen denken auch, dass sie alles wissen müssten um richtig arbeiten zu können. Das wirklich Wichtige erfährt man dann irgendwann zufällig. Bei zu wenig Distanz spielen zunehmend unausgesprochene Erwartungen mit hinein und man kann eigentlich nicht mehr direkt und offen reden, ohne dass es persönlich aufgefasst werden kann. Als Werte werden schon so etwas wie Zusammenhalt, Pflichtbewusstsein und Loyalität gelebt, aber das für sich genommen sind nicht unbedingt meine Werte und ich empfinde es schon eher als Gruppenzwang. Kombiniert mit (Dienst)leistungsorientierung wird es schnell langweilig für mich, weil man sich nicht mehr inhaltlich reiben und herausfordern kann. Qualifikation wird unwichtiger, Hauptsache, alle haben sich lieb. Nur reicht mir liebhaben nicht aus. All das kann einem wahrscheinlich in vielen Berufen mit Teamarbeit begegnen.
  • @tamaracha,
    womit ich ein Problem habe, ist das offiziell angesagte "sich liebhaben". Man muss nicht einmal eine beste Gehörleistung vollbringen können, um allerdings zu registrieren, dass es im Hintergrund total anders zugeht. Wehe, man bringt einer Gruppenbespaßung keine persönliche Teilnahme entgegen - wer den Hintern bei der Tür raushält, wird zum Opfer von Informationsaustausch unter Kollegen. Nur, dass man selbst das noch nicht über sich selbst wusste, was dann sozusagen ausgetauscht wird.

    Ja, Teamarbeit ist ein ganz eigenes Kapitel. Ein Kapitel, das sehr gut gelingen kann, wenn der Kopf etwas von seiner Führungsarbeit versteht. Wenn nicht, kann unglaublich viel unmenschlich-menschliche Reibung entstehen, die allerdings mit produktiver und inhaltlicher Reibung nicht im geringsten zu tun hat ...
  • @seelenbilder
    Eigentlich total traurig, wie Du Teamarbeit beschreibst. Wird von mir aber genauso unterschrieben. Es geht wirklich nur darum, wer der Tollste und auch der Beliebteste beim jeweiligen Vorgesetzten ist.

    Oh, was ich dieses hinterm Rücken Gequatsche hasse. Und es gibt auch wirklich Leute, die von Zimmer zu Zimmer ziehen, um ihre „Nettigkeiten“ verbreiten.

    Wenn die Leute doch wenigstens demjenigen zeigen würden, dass Antipathie herrscht…. Nein, es wird sich vornherum gedrückt und geherzelt, und hintenrum geschimpft.

    Da ich anderer Natur bin und auch niemandem mehr vertraue, haben andere auch Ihre Probleme mit mir.


  • Da reihe ich mich leider direkt ein..

    Dieses hinterherhecheln um die Gunst des Vorgesetzten, das aufgesetzte Getue Mancher und das Reden übereinander anstatt miteinander.

    Doch wie kann man sich da am besten verhalten? Steht ja wohl zu befürchten, dass es an einer anderen Arbeitstselle nicht besser abläuft..
  • @seelenbilder, keine Frage, Solidarität und Rücksicht auf andere sind für mich selbstverständlich, aber sich selbst treu zu bleiben ist eben auch wichtig. Schließlich ist man ja die ganze Zeit über mit sich selbst zusammen und spürt sich selbst.

    Mit dem Herumgequatsche hinter dem Rücken versuche ich konsequent umzugehen. Ich lasse mich zwar auf Zweiergespräche ein, mache aber sehr deutlich, dass ich reine Lästereien ohne Ziel nicht hören will, aber wenn das Gegenüber ein Problem hat, höre ich gern zu und helfe bei der Lösungsfindung. Dass man über andere spricht, lässt sich wahrscheinlich nicht ganz vermeiden, weil einem dabei manchmal erst richtig klar wird, was einen stört. Manche lästern aus Langeweile oder müssen Dampf ablassen, die brauchen z.B. spannendere Aufgaben oder Killerspiele. Dazu gehören auch Lästereien über Eigenschaften, die das Ziel der Lästerei gar nicht ändern kann. Die benutzen Sozialsysteme als eine Art Spielplatz.

    Manche haben keine Übung darin, jemandem direkt zu sagen, was sie an demjenigen stört oder denken durch ihre Sozialisierung, lästern wäre normal. Das wurde einfach nie hinterfragt. Ich bin sehr dörflich aufgewachsen, da war über andere zu reden ein Unterhaltungsmedium, aber meine Oma war damit überfordert, ihrer alten Freundin direkt zu sagen, dass sie deren Verhalten verletzend und manipulativ findet.

    Bei Leuten, die strategisch zwecks Manipulation lästern ist es am schwierigsten, direkt anzusetzen. Da habe ich aber auch manchmal schon andere drauf hingewiesen, die Person hat Hintergedanken, mach dir bitte selbst ein Bild. Da kann man sich eigentlich nur raushalten und abgrenzen, weil manipulative Leute einen auch nicht ernst nehmen, sondern als Instrument sehen.

    Dieses Anbiedern beim Vorgesetzten kann auch nervig sein, aber man kann da auch einer Fehleinschätzung unterliegen, was die Häufigkeit betrifft. Es reichen schon ein paar wenige, die das sehr penetrant machen, und der Rest hält die Klappe. Ich habe irgendwann damit angefangen, das gelegentlich zu parodieren oder dem Vorgesetzten inhaltlich zu wiedersprechen. Das bricht die Autorität auf, der Vorgesetzte wird weniger unantastbar. Ich habe später im Einzelgespräch manchmal schon positives Feedback aus dem stillen Rest bekommen.

    Natürlich kann ich die Welt nicht ändern, aber ich kann versuchen, gute Strategien vorzuleben.
  • @tamaracha
    Ich kann ein Vieraugengespräch, das ein menschliches Problem zum Inhalt hat, dann nachvollziehen, wenn eine Lösung tatsächlich angestrebt wird.
    Was ich nicht mag, ist, wenn von Kollegen zu Kollegen gezogen wird, um diese gegen jemand anderen zu manipulieren.

    Ich erlebe es so: Es gibt zu jederzeit ein bis zwei Feindbilder. Diese werden tatsächlich durch Negativ-Meldungen vorgegeben (dieser Eindruck ist immer wieder und bei unterschiedlichen Mitarbeitern entstanden, wird aber nicht (mehr) geäußert, weil man die Folgen allzu gut kennt), dann wird es spannend: Wie verhalten sich die anderen? Ziehen sie aktiv mit oder lassen sie den Rest quatschen, gleichsam wissend, dass Feindbilder schnell wechseln.

    Ich habe dieses Team noch nie ohne Feindbilder erlebt. Und es gab eine lange Zeit, in der ich das Feindbilddasein am eigenen Leib erlebt habe. Ich habe heute meinen Weg, wie ich damit umgehe, es weiß ein jeder, was ich von solchen Gepflogenheiten halte. Und ich weiß, dass ich nichts ändern kann. Ich habe es redlich versucht. Interessant ist, dass sogar Außenstehende vermelden, dass in unserem Unternehmen diese Art von "Zusammenspiel" scheinbar zur Unternehmenskultur gehört.
    Es könnte der Eindruck entstehen, dass die Arbeit nicht ausreicht. Ist nicht der Fall, aber es scheinen solche Machenschaften bei manchen ein Lebensinhalt zu sein. Ich bekomme es mit, wie diese ihre private Zeit mit ähnlichen Spielchen verbringen.
    Was für ein Seelenmüll in solchen Leuten zusammenkommt, das kann ich mir nur ausmalen ...
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