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Äusserlichkeiten wie Kleidung

Da ich Schneiderin bin und neu in einem Secondhand-Laden arbeite, wo ich auch Kundinnen beraten darf, beschäftige ich mich wieder stärker mit dem Thema Anziehen. Das war für mich immer ein wichtiges Thema.

Als kleines Mädchen war ich die letzte in meiner Klasse, die über den Rock eine Schürze anziehen musste. Ich durfte nie selber entscheiden was ich anziehen wollte. Ich wurde oft ausgelacht.
Als 14Jährige begann ich, die ausgetragenen Hemden und Pullover meines Vaters und die Westen und Mäntel meines Grossvaters zu tragen. Meinen Eltern gefiel das nicht, es war aber billiger als neue Kleider.
Als 17Jährige hatte ich eine romantische Phase (Blümchenkleider), gefolgt von einer Hippiephase (bemalte Jeans, Blumen im Haar, barfuss), danach war ich Punk und später einfach sonst sehr ausgefallen gekleidet.
Ich bin also immer aufgefallen mit meinem Äusseren.
Nur während meiner 20jährigen Ehe verschmolz ich sozusagen mit dem Hintergrund. Es interessierte mich nicht, wie ich aussah. Ich weigerte mich, viel Haut zu zeigen, obwohl das meinem Mann gefallen hätte und er sehr enttäuscht war, wenn ich seinen Wünschen nicht nachkam. Ich durfte allerdings auch nicht kaufen was mir gefiel. Der Kompromiss war - enge Jeans. Ich gewöhnte mich daran.
Jetzt bin ich seit 10 Jahren wieder eine, die auffällt. Neuerdings bekomme ich viele Komplimente für mein Styling, obwohl ich nicht modisch bin und manchmal recht spezielle Kombinationen trage.

Wenn ich zurückdenke, dann bin ich in meinem Leben vielen introvertierten Menschen begegnet, die sich auffällig gekleidet haben, auch ganze Gruppen, die für ihre Nachdenklichkeit bekannt waren, kleideten sich manchmal fast abschreckend, häufig schwarz: Punks, Gothic, Emos, Indies.
Kreativ gekleidete Menschen wirken oft abweisend, sie sind häufig alleine unterwegs. Sie lesen Bücher im Zug.
Die "wirklich modebewussten" Leute hingegen lege ich in die Schublade "oberflächlich", sie treten eher in Gruppen auf.
Viel Haut zeigen ist extravertiert, High Heels auch. Ich möchte da sehr gerne in die Tiefe gehen, das Thema ist interessant und beschäftigt uns jeden Tag.

Als ich herausfand dass ich eine Introvertierte bin, staunte ich zuerst über meine Art mich zu kleiden. Warum ziehe ich mich nicht einfach wie eine graue Maus an, wenn ich doch meine Ruhe haben will??
Oder habe ich so mehr Ruhe, durch die Distanz die entsteht, wenn der Blick am Äusseren abprallt?

Ich liebe es sehr, mein Äusseres zu gestalten. Ich werde das auch weiter tun!

Was sind eure Erfahrungen mit Mode, Kleidern?

Ich bin sehr gespannt auf eure Zeilen.

Liebe Grüsse


Kommentare

  • Hallo @Eva!

    Schön, dass du hier bist und ich finde es toll, dass du etwas gefunden hast, was dir Spaß macht bzw. dich traust, das zu tragen, was dir gefällt.

    Ich finde es nur immer wieder schade, dass Introvertiertheit oft mit grauer Maus oder der "Lässt mich in Ruhe"-Einstellung verbunden wird.

    Warum denkst du darüber nach, warum du dich wie kleidest? Tu es dich einfach und hab Spaß daran. (Das machst du ja eh schon. ;-)

    Darf ich fragen, wie alt du bist? Du schreibst von 20 Jahren Ehe und danach nochmal 10 Jahre. Also musst du ja mindestens 50 sein!? Das finde ich spannend. Da hast du bestimmt viel (Lebens)erfahrung und Sicherheit, die sich dann im deiner Kleidung wiederspiegelt.

    Nun zu deinem Anliegen:
    Ich bin so gar nicht an Mode interessiert. Früher in der Schule bin ich mehr nach der Mode gegangen: Schlaghosen, Plateau-Schuhe, diese Adidas-Knopfhosen, diese Halskettchen aus Plastik, die wie ein Tattoo aussehen....

    Mittlerweile trage ich auch nur, was mir gefällt und Kleidung besitze ich meistens für sehr lange. Mal légère, mal elegant, ein nettes Sommerkleidchen, kurze Hosen mit Shirt.... Aber meist unkompliziert und nix besonderes; was mir halt gerade in meinem Schrank gefällt. Schuhe sollten am liebsten bequem sein.
    Manchmal trage ich auch mal etwas extravaganteres, z.B. Oberknee-Stiefel (ich liebe Stiefel) über einer engen Jeans oder Hotpants. Allgemein trage ich gerne eher enge Klamotten.
    Ich gehe nicht gerne shoppen und am allerwenigsten (entgegen sämtlicher Frauenklischees) Schuhe. Wenn meine Schuhe kaputt sind, hätte ich am liebsten immer die selben nochmal. Leider gibt's die dann nicht mehr.

    Aber momentan bin ich in Elternzeit und da ist es mir noch egaler. Erstens habe ich gerade andere "Probleme" und zweitens habe ich manchmal gar keine Zeit, mich, außer schnell eine Jeans anzuziehen, groß umzuziehen oder mir Gedanken darüber zu machen. Mittlerweile ist das aber schon wieder etwas besser geworden. Schminken würde ich mich gerne wieder. Meistens waren es es nur Wimpern, Augenbrauen und ein bisschen Lipgloss, aber auch das macht schon viel aus.
  • Huh, genau mein Thema, liebe Eva! Und ich finds klasse, dass du einen Second-Hand Laden hast, nähst und dich ausgefallen kleidest! Bis auf das mit dem Second-hand Laden ist das bei mir auch so (aber ich liebe Second-hand Läen weil dort nichts von der Stange ist!)
    Ich hab erst spät angefangen, einen Stil zu entwickeln. War damals sehr burschikos unterwegs und hab mich mit Jeans und Schlabberpulli zufriedengegeben. Aber ich denke, dass wir da ähnlich ticken und unsere Kleidung als Ventil für unsere Individualität brauchen. Ich hab mehr so Freunde wie @Bianca sich beschreibt. Muss da an eine bestimmte Freundin denken, die eine Truhe voll mit (recht alten) Kleidungsstücken Zuhause hat und das war's. Immer wenn ich die Heimat besuchen kam und wir uns trafen, hatte ich schon shopping-Tüten in der Hand, weil ich unterwegs zum Treffpunkt durch die Läden geschlendert war. Darüber hat sie sich mal ein wenig irritiert, hm.. lustig gemacht trifft es nicht wirklich. Aber es zwickte ein kleines bisschen (das tut es manchmal immer noch). Es lässt mich mich selber infrage stellen. (Da kommen noch ganz andere Themen wie internalisierte Misogynie mit ins Spiel, dass man als Frau ja gar nicht shopping mögen "darf", weil man dann eine "uncoole" Frau ist und weil shoppen von Männern als blöd empfunden wird und was ist denn unser höchstes Ziel als Frau, wenn nicht, einen Mann abzustauben und damit zu beeindrucken, wie sehr wir uns von all den "uncoolen" Frauen abheben? [Sarkasmus] Das sind Dinge, die ich früher geglaubt habe und von denen vermutlich immer Narben in meinem Wesen bleiben werden.)

    Nein also das Ding ist: ich LIEBE ausgefallene Sachen. Und ich langweile mich ultra schnell bei Mode. Das betrifft meinen eigenen Kleiderschrank, der regelmäßig neue Stücke empfängt und alte wieder abgibt. Aber es betrifft auch Dinge, die ich noch gar nicht gekauft habe. Es kann sein, dass ich eine Hose total abgefahren finde, sie mir abspeicher und dann immer mal wieder anschaue. Und wenn ich die dann zu oft sehe, bei unterschiedlichen Anbietern, kann es schon sein, dass ich mich an ihr sattgesehen habe und sie wieder lösche. (Ah ja Hinweis hier: offline-Shopping ist bis auf basics so gut wie unmöglich für mich geworden weil ich selbst in den ausgefallensten Läden nicht mehr wirklich was finde, und das wo ich shoppen liiiebte)
    Bei mir reicht der Stil von Gothik zu Goa-Elfen-Stil über Mädchen-Rosa-Pop-Romantik-mit-Rüschen zu Endzeit-Apokalypse und alles, was man noch nich gesehen hat. Dabei zieh ich aber auch eine feine Linie. Bei allen Richtungen gibt es auch für mich ein "zu viel". Ich hab die Grundregel "kauf es nicht, wenn du es nicht auf der Arbeit anziehen kannst" aber meine Toleranzgrenze von Dingen, die ich auf der Arbeit anziehen würde ist auch meilenweit entfernt von der Grenze, die die meisten anderen Menschen ziehen würden.
    Eine Kollegin sagte mal unironisch zu mir "du bist die einzige Person, bei der es mich nicht wundern würde und wo ich es stimmig fänd, wenn du morgen mit einem Obsthut hier rein kämst" und das seh ich als großes Kompliment und große Freiheit an.
    Von männlichen Kollegen kommen weniger schmeichelhafte Dinge wie "du sieht mit den Strumpfhosen aus wie ein Ooompa Loompa". Ich würd gern sagen, dass ich über solchen Kommenatren stehe, weil ich mich ja bewusst dazu entschieden habe, die Strumpfhosen anzuziehen, aber das tu ich nicht. Für mich fühlt es sich an, als wenn jemand meine Sandburg kaputt tritt und ich höre den blöden Spruch jedes Mal wieder im Kopf, wenn ich die Strumpfhosen mit einem Outfit kombiniere. Manche Kleidungsstücke konnte ich nach einem solchen Spruch nie wieder anziehen.
    Ich schätze, das ist der Nachteil daran, wenn man sein Wesen auf der Zunge oder mit dem Herzen vor sich her, oder eben aus Stoff am Leib trägt. Man setzt es ungefragter und ungewollter, negativer Kritik aus.

  • edited Juli 13
    Zu Evas Thema(-Ueberschrift), wenngleich ich (in) eine andere Richtung ansprechen moechte:
    Ich wunderte mich immer wieder, in welch (Kasperle-)Klamotten z. B. (geistig) "behinderte" Erwachsene gesteckt werden. Clownslook, Kinderlook, orangefarbene (Pumuckl-) Bommelmuetze, so werden erwachsene, 40-, 50-jaehrige Leute, zB im Rollstuhl gelaehmt sitzend, fuer die Oeffentlichkeit angekleidet.
    Was denken sich diejenig(inn)en, die fuer die Kleidungauswahl und -anziehen zustaendig sind?!?
  • Lieber @Spaziergänger
    das finde ich auch ganz schlimm und respektlos. Woher das kommt? Orientieren sich diese Menschen vielleicht an Fernsehsendungen für Kinder, oder gibt es eine Art "Szene", wo man sich "lustig" anzieht? Spontan fällt mir ein, Freunde dazu zu befragen, die in Wohnheim resp. "Behinderten"-Werkstätte arbeiten. Ich finde dies ein interessantes Thema.
    Ich werde mich wieder melden wenn ich etwas in Erfahrung gebracht habe! Danke für deinen Input.
  • Ich finde es schrecklich, mich groß mit Kleidung beschäftigten zu müssen, früher in der Schule und auch schon auf dem Spielplatz um meine Kindergartenzeit herum war ich oft das Opfer von vorlauten Kindern, welche einerseits ihrer Natur entsprechend zwar bitter ehrlich sind, andererseits dafür allerdings auch gut auf einen mental eintreten, wenn man anders erscheint, als die Masse.

    Meine Ex hat damals auch gern über meinen Kleidungsstil gespottet und selbst noch bei meiner Pflegefamilie wurde ich teils damit konfrontiert, warum ich nicht mal was richtig cooles trage.

    Persönlich bin ich daher riesiger Fan von schlichter Kleidung, ohne viele Farben, Muster oder gar Aufschrift auf der Brust, von großen Labels kaufe ich ohnehin nichts und dem Trend folge ich erst recht nicht.

    Gebt mir ein paar einfache Stoffhosen oder Jeans, zwei, drei schlichte Hemden und unauffällige T-Shirts und Pullover und einfache Schuhe, wo ich rein schlüpfen kann, so dass ich insgesamt in der Masse nicht auffalle und auch an ruhigen Orten schnell untertauchen kann, dann bin ich zufrieden.
  • Das ist mir noch nicht aufgefallen, @Eva und @Spaziergaenger. Vielleicht ist das eine regionale Erscheinung. Nichtsdestotrotz finde ich das auch fürchterlich. Die armen Menschen.... :-(
    Oder wenn man mit Senioren wie mit Kleinkindern spricht. Hat zwar nix mit Kleidung zu tun, ist aber genauso respektlos.
  • Nanu, das ist mir auch noch nicht aufgefallen.
    Haben diese Leute das dann vielleicht selber entschieden, dass sie so bunt und seltsam angezogen sein wollen? Quasi wie ein Kind, das gerne im kältesten Wintermonat den Balettrock und die rosa Sandalen anziehen will. Nur dass es sich um Leute handelt, die einen kindlichen Entwicklungsstand in einem Erwachsenenkörper haben. In dem Fall fänd ich das jetzt nicht schlimm, wir alle geben eh viel zu viel darauf, was andere Menschen über uns denken. Da "darf" auch ein erwachsener Körper bunte oder verrückte Kleidung tragen, egal ob der darin wohnende Geist erkennen kann, dass man das "in einem bestimmten Alter nicht mehr tun sollte" ("sollte" und "müsste" halte ich eh für scheiße, aber das ist ein anderes Thema).
    Werden solche Klamotten allerdings von den Vormunden oder Pflegepersonen ausgesucht, sollten die Gründe dafür tatsächlich mal sehr genau in Augenschein genommen werden.
  • Liebe @san
    wie immer schön und mutig was du schreibst, danke!
    Ja, ich habe auch schon beobachtet, dass es bei den "Menschen mit einer Behinderung" ganz ulkige Auswüchse gibt, kleidungsmässig und auch requisitenmässig. Was da alles an den Rollstühlen hängt, oder an den Rucksäcken! Ich glaube die wollen das auch zeigen und sind stolz darauf. Vielleicht bestärken die Reaktionen von BetreuerInnen diese Leute darin, dass das ganz, ganz super ist, sich so zu schmücken. Uns ist es vielleicht eher peinlich. Manchmal finde ich es auch richtig cool. Jedenfalls eine Abwechslung.
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