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Umgang mit Dominanz/bestimmendem Verhalten

Guten Abend zusammen,

ich bin auf der Suche nach Austausch über Introversion auf dieses Forum gestoßen und freue mich über reges Feedback

Kommentare

  • Leider habe ich meinen vorherigen Entwurf nicht abgespeichert, daher ganz kurz nochmal mein Anliegen in die Runde :)

    Wie gelingt das berufliche Miteinander bei euch allen, wenn die unmittelbaren Kollegen, mit denen man zusammenarbeitet, eher extrovertierte Eigenschaften haben und diese bei manchen mit einem bestimmendem/dominanten Verhalten verbunden sind (keine Weisungsbefugnis/keine Führungskraft).

    Es kostet mich einiges an Kraft und Energie im Berufsalltag, mich täglich immer wieder mental davon abzugrenzen & mich nicht "gegen die Wand spielen zu lassen".

    Kennt jemand eine solche Situation und wie geht ihr damit um?

    Liebe Grüße, Danke für's Lesen und einen schönen Abend von

    Enjoy_Silence
  • Hallo NamensvetterIn!

    Tatsächlich kenne ich das, was du uns da beschreibst, sehr gut.

    Und leider gibt es viel zu viele Menschen auf dieser Welt, die meinen, Anderen sagen zu müssen, wie sie eine Aufgabenstellung anzugehen haben, ohne Rücksicht darauf, dass doch Jeder eine unterschiedliche Auffassungsgabe, Methode und Geschwindigkeit an den Tag legt.

    Mir hat tatsächlich schon ein wenig geholfen, in solchen Situationen Grenzen zu setzen.
    Mich notfalls hinzustellen und zu sagen: aber ich mache es auf meine Weise.

    Solange die eigene Vorgehensweise zum selben guten Ergebnis führt, sollte das kein Problem sein.

    Enjoythesilence
  • Hallo enjoythesilence!

    Danke für Dein Feedback und ja, mein Nutzername ist Deinem nicht unähnlich. Wenn auch unbeabsichtigt :)

    Ja, gerade dieses ständige Grenzen setzen ist für mich eine Herausforderung. Da ziehe ich mich noch zu stark in die Komfortzone zurück, besonders in stressigen Phasen, wo ich meinen Energiehaushalt beisammen halten muss. Ich bin leider auch von den Eigenschaften eher hochsensibel. Zumindest den üblichen Tests nach.

    Aktuell arbeite ich mit einer Kollegin an einem Projekt zusammen. Der Umgang mit ihr ist eine Herausforderung. Dazu suche ich hier den Austausch.

    Noch scheue ich das Gespräch mit ihr, weil ich die Befürchtung habe, der Schuss geht nach hinten los, weil es mir schwer fällt, die richtigen Worte zu finden und dass es von ihr falsch aufgenommen wird. Ich kommuniziere anders und nicht so offensiv/konfrontativ wie sie.

    Einige Extro-Eigenschaften (stark in Kommunikation, Selbstmarketing) finde ich an ihr, wenn auch in abgeschwächter Form, gut und da ist sie auch ein wenig Vorbild für mich, weil ich da aus meiner eigenen Komfortzone mehr raus muss, um beruflich voran zu kommen und souveräner zu werden.

    Das Verhältnis ist kollegial aber auch nicht mehr. Ich muss sehr viel Energie investieren, mich von ihr nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und Grenzen zu ziehen. Ich habe leider auch selbst Seiten an mir, die mir gar nicht gut gefallen (harmoniebedürftig, gehe Konflikten aus dem Weg -> schlafe da ne Nacht drüber/überlege zu viel, nicht offensiv genug).Wir sind vom Temperament einfach grundverschieden, wir sitzen uns am Arbeitsplatz gegenüber und teilen uns das Büro mit einem Kollegen und einer Kollegin, die auch eher ruhig sind.

    Die sprichwörtlich geballte tägliche Ladung ihrer unterschiedlichen Eigenschaften (gute wie für mich nervige) ist mir häufig too much. Ich weiß nicht, wie es anderen Kollegen damit geht, will es auch nicht im Team zum Thema machen.

    Ich will das mal kurz beschreiben: Ihr Ego hat meiner Meinung nach eine eigene Postleitzahl verdient.
  • En Detail nehme ich es so wahr:

    - sehr kommunikativ, impulsiv, offen, aber auch Gespräche dominierend und gerne unliebsame Aufgaben delegierend, immer auf den eigenen Vorteil bedacht -> es hat was berechnendes.
    So dass man Grenzen und Einhalt gebieten muss, um nicht von ihr übervorteilt zu werden. Das begegnet mir in diesem Job zum ersten Mal im Arbeitsleben, daher muss ich noch am eigenen Verhaltensrepertoire arbeiten :)

    Sie steht sehr gerne im Mittelpunkt, ist auch beliebt und fordert die Bühne aktiv für sich ein. Reißt Gespräche gerne an sich durch Unterbrechen/Übertönen. Es ist daher ermüdend, mit ihr eine Besprechung zu führen.
    Braucht sehr viel Bestätigung/Aufmerksamkeit und kokettiert gerne mit falscher/ironischer Bescheidenheit.
    Sehr viel Aktivität, die eigene Leistung zu betonen und interessante Aufgaben an sich zu reißen. Diese werden dann im Schnellverfahren abgearbeitet und um die lästigen Details können sich die anderen kümmern. Sie benötigt stetig neue Impulse, langwierige Aufgaben sind ihre Sache nicht. Mehr so der schnelle Kick, dann der nächste.

    Was mir auffällt: Je aktiver sie in ihrem ganzen Tun ist (den ganzen Tag ohne sichtbare Ermüdung), desto müder und genervter bin ich gegen Feierabend. Ich sitze ihr gegenüber. Ich versuche es zu ignorieren, setze Grenzen wo nötig und versuche, mich auf meine Aufgaben zu konzentrieren. Es gibt gute und weniger gute Tage.
    Ich flüchte emotional in die innere Emigration und bin froh, wenn sie mal ein paar Tage Urlaub hat. Schwierig zu beschreiben, aber ihr Verhalten saugt mir meine Energie weg.

    Vielleicht ist eine Spur Neid, dass sie Fähigkeiten hat, die mir fehlen (kommunikationsstark) aber generell habe ich weder beruflich noch privat jemanden getroffen, den ich als so anstrengend empfinde wie sie.

    Ist das nachvollziebar? Oder ist vielleicht jemand Extrovertierter hier im Forum, der mir von der Gegenseite berichten kann? Das wäre vielleicht auch erleuchtend :)

    Danke für's Lesen, ist jetzt doch länger geworden als gedacht :)

    Viele Grüße und habt einen schönen Abend!
    Enjoy_Silence
  • Hi @Enjoy_Silence! Das erinnert mich mega an meine eigene "Extrobombe" im Büro. Das Thema liegt schon ein wenig zurück, aber letztendlich fühlte ich mich in ihrer Gegenwart auch irgendwie ungenügend. Nicht spritzig genug, nicht fröhlich, sonnig genug. Sie war kürzer in der Firma als ich, stellte dementsprechend auch Fragen, um die ich mich dann für sie kümmerte, aber sozial kam sie besser an als ich. Wenn ein Telefon klingelte, dann ihres. Wenn jemand in der Tür stehen blieb um zu schwatzen, dann mit ihr. Ich muss leider zugeben, dass ich extra ihretwegen zum zweiten Mal in Therapie gehen musste. Zugrunde lagen da deutliche Selbstbewusstseinsprobleme und Probleme mit dem Annehmen meines Wesens... aber sie kehrte all diese Probleme perfekt für mich heraus, ohne das je zu beabsichtigen.
    Sie war einfach nur... sonnig und perfekt.
    Und ich der maulige Intro, mit dem man nichts zu tun haben will und der sich im Schatten versteckt.

    Ich kann dir nicht sagen, ob ich einfach so weit gereift bin, dass ich sie und ihre Art heute besser vertragen würde, ohne mich selber zu entfremden und runterziehen zu lassen. Sie ist nur noch ganz selten im Büro anwesend, weil sie nebenbei studiert und wegen Corona hab ich sie seit Monaten nicht mehr gesehen.
    Ich will gern glauben, dass ich inzwischen fester in mir selber ruhe, aber ich weiß es halt nicht. Dir kann ich also nur den Rat geben, irgendwie einen Weg zu finden (für mich war es wie gesagt Therapie), deine Eigenheiten anzunehmen und nicht vom extro Blickwinkel bestimmten und entvalidieren zu lassen.

    "Ich habe leider auch selbst Seiten an mir, die mir gar nicht gut gefallen (harmoniebedürftig, gehe Konflikten aus dem Weg -> schlafe da ne Nacht drüber/überlege zu viel, nicht offensiv genug)"

    Beispielsweise dieser Absatz klingt haargenau wie ich damals geklungen habe, als ich noch versucht habe, den Ansprüchen der Menschen an "mich als funktionierenden Menschen" gerecht zu werden. Stichwort "Du musst anders sein, weil ich ein Problem damit habe, wie du bist".
    Ich denke spontan an meine Mutter, die mich immer lieber gerne als Extro gesehen und nur vor ein oder zwei Jahren mal hat durchblicken lassen, dass sie an der erwachsenen San beeindruckend findet, was sie an der Kinder-San immer wegbrennen wollte.

    Harmoniebedürftigkeit ist etwas ganz Tolles. Stell dir vor, niemand wäre harmoniebedürftg sondern alle aufs Streiten aus. Was für eine Welt wäre das? Du magst so nur nicht sein, weil das bedeutet, dass du gegen Streitsüchtige oft den Kürzeren ziehst. Harmonie hat immer etwas mit 50:50 zu tun. Wenn man selber zurücksteckt, um die Harmonie zu wahren und sich ärgert, ist das schon keine Harmonie mehr. Das Problem ist hierbei nicht das Bedürfnis nach Harmonie sondern die Unfähigkeit, im schlimmsten Fall eben die Harmonie über Bord werfen zu können. Bei mir war das exakt so wie bei dir. Und bei mir kam es langsam mit der Selbstakzeptanz. Dass mir Sachen (ich) so wichtig wurde, dass ich manchmal dafür einstehen kann. Manchmal kann ich das immer noch nicht. Dann versuche ich, mich nicht dafür fertig zu machen.

    Und ja, ich kann mir vorstellen, dass es eine Spur Neid ist, die dich da bewegt. Ich denke aber der Neid betrifft eher ihr Selbstbewusstsein. Ihre Fähigkeit, so rüpelhaft und ego-istisch sein zu können, ohne sich jemals Sorgen oder Gedanken darüber zu machen, ob sie jemandem damit zu nahe tritt oder unterbuttert. Ich denke nicht, dass du auf ihre scheinbaren Stärken neidisch bist. Nur darauf, dass sie damit weniger Probleme hat in einer Welt, die diese Stärken (meiner Meinung nach zu Unrecht) glorifiziert.

    Vielleicht nach dem ganzen Geschwafel ein Tipp, den ich von meiner Therapeutin bekommen habe. Ich habe damals eine rote Karte gebastelt und meiner Kollegin gleich am Anfang des nächsten Tages, bevor ich ausgelaugt und angegriffen war, gesagt, dass mir manchmal alles zu viel wird und ich dann ne Pause brauche und Schwierigkeiten habe, das dann so zu verbalisieren und durchzusetzen und dass ich dafür die rote Karte verwenden würde. Wenn ich sie also mal hochhielte, wüsste sie, dass sie mich bitte für eine Weile in Ruhe lassen müsse.
    Ich weiß nicht, ob das bei deiner Ego-Kollegin auch funktioniert aber vielleicht ist es den Versuch wert?
  • Hallo San, ich glaube, Du triffst es auf den Punkt.

    Der Neid auf die Menschen, die sich eher weniger Gedanken machen, wie andere Personen empfinden.
    Ja, mir geht es so, ich wünsche mir, mein Ding durchziehen zu können, ohne mir darüber den Kopf zu zerbrechen, ob der andere sich vielleicht schlecht fühlt. Eigentlich totale Absurdität.
    Harmoniesucht wird ganz groß bei mir geschrieben, Konflikten gehe ich möglichst aus dem Weg.
    Das ist in mir so drin, das macht mich wahnsinnig.
    Ich lese derzeit ein total interessantes psychologisches Buch, da ist dieses Thematik dargestellt. Es geht auch um das „Nein-Sagen-Können“. Die Leute mit diesen Problemen haben wenig Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Das geht mit den Gedanken einher, dass sie von den anderen nicht mehr so gemocht und anerkannt werden, wenn sie nicht mehr parieren.

    Hhhmmmm, ja, ich glaube, bei mir trifft es zu. Das ist so tief verankert, dass es echt ein Kampf ist, dagegen anzugehen.

    Was ich allerdings auch feststelle, ist, dass es nicht gut ankommt, wenn ich mich mal wehre. Und das ist erstaunlich.... die Leute können damit gar nicht umgehen. Und dann kommt die Kritik an meiner Person. Und schon geht der Kreislauf bei mir von vorne los. Gedanken darüber, was ich falsch gemacht habe, was ich hätte besser machen können in der Situation.

    Und jetzt noch kurze Anmerkung zur eigentlichen Frage: Das, was Ihr beide beschreibt mit Euren Kolleginnen, kenne ich auch so. Allerdings nicht in dieser verschärften Form der Extrovertiertheit. Aber laut, vielreden und dominant sein. Wie gehe ich damit um? Eigentlich gar nicht, ich ziehe mich immer mehr zurück und irgendwann verlässt mich die Lust. Und ich bin gerade an einem Punkt angekommen, wo ich damit sehr unzufrieden bin.

    Mir fehlt einfach diese Redegewandtheit, die andere Leute an den Tag legen. Die reden und reden und alles wird noch schön bunt ausgeschmückt. Gerne auch doppelt und dreifach, manche Dinge höre ich in permanenter Schleife.

    Tja, irgendwie will ich das auch ändern, aber wie schwer das ist, wissen wir ja.
  • @Nethi

    "Was ich allerdings auch feststelle, ist, dass es nicht gut ankommt, wenn ich mich mal wehre."

    Genau in dieses Dilemma kam ich auch, als ich anfing, endlich für meine Belange einzustehen. Und komme da auch immer wieder hin. Trotzdem sehe ich es nicht mehr ein, mir alles gefallen zu lassen.

    Es existiert hier auch noch irgendwo mein Thread von damals, aber die wichtige Erkenntnis für mich war im Grunde, als mir in der Diskussion vor Augen geführt wurde, dass mein Umfeld natürlich nicht damit einverstanden ist, wenn ich auch einmal nein sage, oder meine Meinung vertrete, denn dadurch bin ich durchaus unbequem, verglichen zu meinem "alten ich".

    Zu funktionieren ist auch bei mir tief verankert. Zum Glück gelingt es mir inzwischen immer öfter, mich ein Stück davon frei zu machen.

    Am Ende habe ich nur mich. Der einzige Mensch, dem ich es also recht machen sollte, bin ich selbst.

    Das heißt ja nicht, ab sofort eine Egotour zu fahren.

    Aber durchaus auf seine Bedürfnisse zu hören und diese zu kommunizieren.
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