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Findet ihr zu Anfang einer Freundschaft/Beziehung Diagnosen wichtig ?

Ich hab jetzt schon mehrere Videos gesehen zu einem bestimmten psychischen Problem. Einer Persönlichkeitsstörung.

Die Person meinte, die selbst nicht betroffen ist aber Rat an Angehörige und Betroffene gibt, durch fachliche Quellen und da er selbst mit Personen mit einer Persönlichkeitsstörung in Beziehungen war und noch Freundschaften pflegt .. dass es erstmal Niemanden Etwas angeht.

Ich gehe bald in eine Klinik, wenn ich dann einen Platz bekomme . Entweder Stationär oder Tagesklinik. Bin mir noch nicht sicher. Jedenfalls möchte ich an mir arbeiten und meinen Problemen.

Würdet ihr es als wichtig empfinden so eine Diagnose oder bestimmte Diagnosen zu wissen, wenn ihr wen neues kennenlernt ? Ich selbst bin da skeptisch, dass man dann evtl schnell ausgegrenzt wird auch wenn man durch ne Therapie dann bspw schon positive Erfolge erzielt hat und an sich arbeitet .. dass ne Diagnose dann für ein Stigma sorgt und Andere dann immer Gründe finden, was mit Einem falsch ist und selbst evtl nicht an sich arbeiten wollen bzw Einem dann evtl immer die Schuld für Dies und Das geben wollen und quasi schon mit erhobenem Zeigefinger in die Beziehung / Freundschaft gehen.

Kommentare

  • Interessante Frage!

    Ich würde sagen, es kommt auf die betroffene Person drauf an und wie offen diese generell mit Informationen, sich selbst betreffend, umgeht.

    Im Grunde geht eine Diagnose nur einen selbst etwas an und man kann mit Ärzten offen sprechen, da diese der Schweigepflicht unterliegen.

    Eine Freundschaft oder gar Beziehung hätte für mich persönlich jedoch wenig Wert, wenn ich nicht das Gefühl hätte, mich öffnen zu können und Verständnis zu bekommen.

    Aber man brauch sicher auch nicht mit der Tür ins Haus fallen, wenn man sich gerade kennenlernt.

    Für mich bliebe es vermutlich eine Bauchentscheidung.

  • Hallo Glühwürmchen! Also ich sage dazu nein. Mir würde es sehr befremdlich vorkommen, wenn mir jemand am Anfang einer Freundschaft seine Diagnosen mitteilen würde.

    Ich bin aber auch jemand, der generell wenig über sich selber preisgibt. Und bei Krankheiten - besonders psychischen - bin ich vorsichtig. Auch aus dem Grund, dass ich Menschen nicht vertraue. Man muss immer damit rechnen, dass solche Dinge weitergetragen werden. Das ist ganz alleine meine eigene Sache und geht niemanden etwas an.

    In Deiner Frage ging es ja um den Beginn einer Freundschaft. Was sich daraus entwickelt, ist ja was anderes. Das kann dann von Fall zu Fall entschieden werden. Aber auch da muss man immer damit rechnen, dass es nicht bei der Person bleibt.

  • @Gluehwuermchen
    Nein, auf solche Details sollte nicht schon am Anfang einer Freundschaft eingegangen werden. Jedoch ist für aufmerksame Menschen Deiner Umgebung sicher erkennbar dass Dir bestimmte Situationen Schwierigkeiten bereiten. Wer wirklich mit Dir mitfühlt wird vorsichtig nachfragen. Auch dann kannst Du Dir mit benennbaren Diagnosen Zeit lassen. Eher wäre für für Dich und den Anderen wichtig zu sagen was Dir im Umgang mit demjenigen und Dritten hilft und wie man Dir entgegenkommen kann.

    Ich denke dass Menschen denen Du bereit bist Dich zu öffnen sehr persönliche nichtoffensichtliche Dinge für sich behalten werden.

    Auch jemand der Zaghaftigkeit und Vorsicht spürt und an Deiner Freundschaft interessiert ist wird sich trotzdem auf Dich einstellen. Ab einer Reife und vergleichbaren Berührungspunkten wird der Andere Dir keine nennenswerten Vorwürfe machen. Wichtig wäre nur dass Du bei eventuellen unerwarteten Reaktionen die Dich stören die Bemühungen des Anderen versuchst zu erkennen und mitteilst was genau Dich gestört hat und wie Du es Dir passender vorstellen kannst.

    Ich wünsche Dir dass Dir Freundschaften gelingen die dich aufbauen !
  • @Gluehwuermchen
    Die Gefahr des Stigmas ist natürlich immer gegeben. Deswegen würde ich damit auch warten und es nicht sofort thematisieren. Es hängt vielleicht auch davon ab, wie sehr das Gegenüber die Auswirkungen der Diagnose zwangsläufig spürt. Jemand, dem du wichtig bist oder wirst, wird dann aber vielleicht auch einfach nachfragen und wenn du Vertrauen gefunden hast, kannst du es doch ruhig ansprechen. Oder du machst es eigeninitiativ. Eine grundlegende Beziehung kann man aber ja zunächst mal aufbauen, bevor man solch intime Details preis gibt. Ich finde, in der heutzutage sind solche Dinge doch kein Tabu mehr.

    Ich selbst habe keine "Diagnose" aber durchaus Eigenarten, die mein Gegenüber früher oder später wissen sollte, weil sie mein Verhalten besser erklären. Aus meinem engsten Freundeskreis kann ich dir aber zwei Beispiele nennen:
    Einer meiner besten Freunde ist Alkoholiker und seit zwei Jahren trocken. Er sagt ganz klar, dass es ihm überhaupt nichts bringt, diese Tatsache wie ein Schild vor sich her zu tragen. Mit ihm gibt es eben kein Glas Wein oder ein Bierchen beim Kennenlernen. Sobald er Vertrauen gefasst hat, sich abzeichnet, dass man sich näher kommt und kommen will, und er merkt, dass seine strikte Ablehnung gegenüber Alkohol zu vermehrtem Stirnrunzeln beim Gegenüber führt, spricht er es aber ganz offen aus.

    Eine Freundin von mir ist Hypochonderin. Sie hat Angst, sich in großen Menschenmengen an einer Krankheit anzustecken. Sie hat auch Angst, in offene Gewässer zu gehen, wegen der Bakterien im Wasser. Sie handelt da ganz ähnlich. Wenn sie merkt, dass sie in Erklärungsnöte kommt, bzw. ihr die Ausreden langsam zu doof werden, spricht sie es an. Aber auch sie legt wert auf eine gefestigte Vertrauensbasis, also keinesfalls direkt am Anfang.



  • edited August 12
    Hallo @Gluehwuermchen,

    ich gehe mal von aus, dass du neue Bekanntschaften im privaten Bereich meinst....

    Je nach Wellenlänge und Situation ergibt es sich dann, ob und wann du es erzählst oder nicht und wenn du damit selbstbewusst und selbstverständlich umgehst, erhältst du auch kein Stigma. Wenn ihr euch super versteht, spielt es auch keine Rolle und wenn jemand ein Problem damit hat, soll das nicht deins sein. Oh je, so viele "und wenn"s.... Sorry! ;-)

    Hab ich das richtig verstanden? Da gibt es eine YouTuberin, die zwar selber besagte Diagnose nicht hat, aber (Ex)Freunde und Bekannte mit diversen Persönlichkeitsstörungen, weswegen sie jetzt glaubt, irgendwelche Tipps geben zu können!? Und überhaupt... Warum kennt sie (angeblich) so viele Menschen mit Persönlichkeitsstörungen!? Oder versteht sie unter "kennen" nur den Nachbarn, dem sie ab und an "Hallo" sagt!? Oder ist sie Hobbypsychologin und stellt sie deren "Diagnose" selbst nach ihrem Halbwissen aus der Literatur!? Warum nimmst du dir die Meinungen von einer Person, die weder selbst mit dieser oder irgendeiner Diagnose lebt und die du nicht kennst, so an? Ich höre, wenn, dann nur auf Psychologen und die geben dir keine "Tipps", sondern erarbeiten mit dir gemeinsam Lösungsansätze, die zu dir passen, und geben maximal "Anstupser".
    Steh zu dir und gehe mit deinen Informationen so weit, wie du dich wohl fühlst. Niemand hat ein "Recht", deine Diagnosen zu erfahren und sie macht dich auch nicht zu einem schlechteren Menschen. "Hallo, ich bin XXX und habe die Persönlichkeitsstörung YYY!" Das klingt, wenn man nicht gerade in einer Therapie- oder Selbsthilfegruppe sitzt, echt komisch, oder? ;-)

    Aus eigener Erfahrung (keine Persönlichkeitsstörung, aber zweimal wegen Depression in der Psychiatrie) kommt eine "Beichte" bei den richtigen Menschen in der richtigen Situation gut an. Niemand hat mich ausgelacht und ich stelle fest, dass auch das Leben anderer psychisch nicht immer geradlinig läuft. Es ist eine Stärke, sich das einzugestehen und Hilfe anzunehmen.

    Ich kenne natürlich deine Diagnose und auch den Schweregrad nicht. Und überhaupt: Ab wann hat man eine Persönlichkeitsstörung!? Wenn jemand nicht der breiten Norm entspricht? Mir wollte man auch eine "anhängen", aber die hätte erst erfunden werden müssen. Ich habe leider in keine der Schubladen bzw. der Diagnosen gepasst. :-P Einerseits fande ich es beruhigend, mein "Problem" benennen zu können; andererseits löst ein Name auch nicht das Problem. Ich habe / hatte halt einfach ein paar von woher und warum auch immer erlernte Verhaltensweisen, mit denen ich immer wieder angeeckt bin. Da helfen keine "Diagnosen", sondern das Problem zu erkennen und daran zu arbeiten bzw. zu lernen, situationsbedingt damit umzugehen. Und das machst du ja bereits. Von daher.... alles gut. ;-)

    Wenn ich dir noch einen Tipp geben darf: Gehe stationär, wenn es möglich ist.

    So, nun ist meine Antwort (mal wieder) viel zu ausführlich und ausschweifend ausgefallen. Ich hoffe, du konntest trotzdem etwas daraus mitnehmen.
  • Ich denke schon dass Diagnosen helfen zu wissen, woran man sich orientieren kann .. was da so typische Problemfelder sind. Zumindest hilft mir Das.

    Und die Person auf YouTube hat die Infos aus Fachbüchern und möchte keinen therapieren, weil sie kein Therapeut ist.. sie will einfach das Thema näher bringen. Was mir gut geholfen hat und hilft .
  • edited August 15
    Guten Morgen, @Gluehwuermchen.
    Wir kennen uns noch nicht, aber ich dachte mir, dass ich durch meine Erfahrung mit einer bestimmten Persönlichkeitsstörung vielleicht etwas beitragen kann, wenn auch nicht viel, da ich nicht selbst direkt betroffen bin.

    In meiner Familie gibt es jemanden, der an einer dependenten (abhängigen) Persönlichkeitsstörung leidet, schon ziemlich lange, und zwar leider auch lange unerkannt. Ich wusste, da stimmt etwas nicht, aber als Nicht-Fachfrau würde mir eine Vermutung nicht ausreichen, einen Verdacht zu äußern. Zumal ich ja auch wirklich null Ahnung hatte, was genau das Problem ist. (Und die Reaktion der Person mit Sicherheit nicht positiv ausgefallen wäre, so meine Einschätzung, was ja auch verständlich ist.)

    Jedenfalls können Diagnosen tatsächlich helfen, sich selbst ein wenig besser zu verstehen - warum treffe ich bestimmte Entscheidungen, wieso tauchen manchmal diese Gedanken wie aus dem Nichts auf und wieso überhaupt bin ich, wie ich bin? Man kann selbstverständlich nicht alles der Störung anlasten, klar. Die Person in meiner Familie hat mal gesagt, dass sie oft nicht weiß, ob die Störung immer wieder falsch entscheidet oder sie selbst. Sie - und ich darf für sie sprechen in dem Fall - würde niemandem ihre Diagnose eben mal mitteilen, nur der engste Kreis weiß das. Also gute Freunde und ein paar Familienmitglieder, auch nicht alle.
    Leider werden psychische Erkrankungen und generell alles, was die große Mehrheit nicht als normal oder gesellschaftsfähig erachtet, stigmatisiert, in eine Schublade geschoben. Betroffene dürfen sich dumme Kommentare, unhöfliche Fragen anhören und fortan wird einem anders begegnet - die Liste ist unvollständig. Will hier aber auch nicht mit Schwarzmalerei ankommen, eine Freundin hat zuerst eher ablehnend reagiert, nachdem sie sich informiert hat, zeigt sie jetzt Verständnis.

    Hoffe, du konntest etwas für dich mitnehmen, zumal ich bestimmt nicht so viel Neues wie die Kommentatoren vor mir zu sagen hatte, und wünsche dir einen schönen (und vor allem nicht zu heißen) Samstag. :)

    Grüße, Ico
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