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Selbstbild - Fremdbild

Um den Strang über die Missverständnisse nicht zu weit vom Thema abzubringen schreibe ich meine Gedanken mal in einem neuen Strang nieder.

Mit bestimmten Eigenschaften identifiziere ich mich, mit anderen nicht. Ich bin jenes, aber doch sicher nicht dieses da! Rücksichtsvoll ist eine der Eigenschaften die in meinem Selbstbild-Korb landet. Das bin ich! Oder etwa nicht?

Es ist mir wichtig in manchen Bereichen rücksichtsvoll zu sein, z.B. besonders am Abend im Treppenhaus mich nicht zu unterhalten und die Nachbarn dadurch zu stören. Das fällt mir besonders dann auf, wenn andere Menschen dies nicht machen. Andererseits bin ich in anderer Hinsicht gar nicht rücksichtsvoll. Oftmals weil ich gar nicht daran denke es könne ein Problem darstellen und so merke ich es erst dann wenn mich jemand darauf hinweist. So stehe ich unterwegs anscheinend anderen Leuten öfter mal im Weg (Menschenmassen überfordern mich), während mein Freund versucht mich auf die Seite zu ziehen. Wobei das umgekehrt auch schon vorgekommen ist.

Wenn ich aktiv rücksichtsvoll bin, dann ist mir das bewusster als wenn ich passiv rücksichtslos bin, weil ich verpeilt, überfordert oder gestresst bin. Auch macht es einen Unterschied ob ich selbst in dem Bereich Wert auf Rücksicht lege oder nicht.

Schaut jemand von außen auf mich und sieht überwiegend wenn ich passiv rücksichtslos bin, dann kann diese Person mich durchaus als entweder nicht rücksichtsvoll sehen oder sogar als ausgesprochen rücksichtslos. Dabei dachte ich doch ich wäre sehr rücksichtsvoll! Verdammt!

Und vielleicht bin ich sogar manchmal aktiv rücksichtslos und gestehe mir das wohlmöglich gar nicht ein.

Kommentare

  • edited Oktober 7
    Sehr gut, danke für die Eröffnung einer neuen Diskussion.

    Genau gestern habe ich zu diesem Thema ein sehr passendes Zitat gefunden:
    "So sehr wir uns auch davon distanzieren mögen – alles steckt in jedem! Der Weg zur Humanität wird nicht in weißen Westen zurückgelegt, sondern verlangt die Selbsterkenntnis ungeliebter Anteile, deren Annahme und Integration. Andernfalls droht die Abspaltung dieser fiesen Teile aus dem eigenen Selbst und ihre mit großer moralischer Entrüstung vollzogene Wiedererkennung im anderen!"
    (Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden 2)
  • Könnte man sagen, dass man bemüht ist, vor allem in den Bereichen rücksichtsvoll zu sein, die einem selbst wichtig sind?

    Und klar, immer gelingt Rücksichtnahme nicht - allein situationsbedingt oder an einem nicht so tollen Tag. Vermutlich menschlich. Da würde es sicherlich helfen, zu vertrauen, dass das Gegenüber es nicht so gemeint hat und Milde walten lassen :)

    Aber es geht hier ja vor allem um Selbstbild und Fremdbild. Und das kann doch manchmal deutlich voneinander abweichen.

    wie hast du es so treffend ausgedrückt? @wanderingstar

    "Dabei dachte ich doch ich wäre sehr rücksichtsvoll! Verdammt!

    Und vielleicht bin ich sogar manchmal aktiv rücksichtslos und gestehe mir das wohlmöglich gar nicht ein."
  • Ich bin überzeugt davon, dass Selbst- und Fremdbild oft sehr weit auseinanderklaffen. Sowohl in der Hinsicht, als Menschen sich selbst "schlechter" machen oder sich selbst geradezu überhöhen.

    Was das Bild betrifft, das ich von einem DU geliefert bekomme, da bin ich vorsichtiger und wesentlich bewusster geworden: Ich glaube, dass wir häufig auch Regisseure darin sind, uns Bilder von einem anderen Menschen zu erschaffen. Wer glaubt, einen anderen tatsächlich zu "kennen", den empfinde ich als ganz schön vorlaut! Es sind Eindrücke, die wir uns gestatten oder die uns gestattet werden, wir können nie wissen, wie pur und authentisch sich das Gegenüber gibt. Auch, wenn es viele Erkenntnisse gibt, die uns Körpersprache, Gestik, Mimik oder auch Stimmlagen einordnen lassen - in allerletzter Konsequenz bleibt dennoch vieles Interpretation!

    Und besonders dann gibt es ein Erwachen, wenn wir Menschen begegnen, von denen wir uns so gerne täuschen haben lassen! Auch da habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass wir uns vielfach hinters Licht führen lassen!
  • Wer das regelmäßig reflektiert, der ist aus meiner Sicht nicht ernsthaft aktiv rücksichtslos. Wir lernen doch unser ganzes Leben lang. Und wenn du nun mal im Weg stehst, dich jemand darauf hinweist, wirst du doch zumindest versuchen, beim nächsten Mal nicht wieder im Weg zu stehen, oder?

    Die Menschen, die mich in dieser Welt fertig machen, sind die, die Wein saufen und Wasser predigen. Also von anderen Rücksicht und Regeltreue fordern, selbst dann aber beides relativieren. Du gehörst also schon mal zu den wenigen, die ich mag, weil du dich mit der Frage danach, wann du rücksichtsvoll bist und wann nicht, beschäftigst.

    Sehe ich dich nur im Weg stehen, ja, dann ist mein Bild von dir, dass du ruhig etwas aufpassen könntest. Lerne ich dich aber persönlich kennen und merke, dass du darauf reagierst, wenn ich dir sage, dass du gerade keine Rücksicht nimmst, dann weiß ich, dass du grundsätzlich rücksichtsvoll bist.

    Es nervt mich auch, wenn ich merke, dass andere nur ein beschränktes Bild von mir haben, weil sie nur eine Seite von mir sehen können. Aber daran darf man sich nicht zu sehr aufhängen - wichtig ist, für mich zumindest, dass die Menschen, die einem nahestehen, wissen, wie man tickt. Keiner meiner Freunde oder Familienmitglieder würde mich boshaft nennen, ganz im Gegenteil. Wer aber mal ohne Kontext meine knallharte Ehrlichkeit abbekommen hat, der könnte das durchaus glauben. Wer meinen Sarkasmus nicht versteht, der wird mich glatt zum Antichristen erklären.

    Ich setze Prioritäten. Flüchtige Bekanntschaften oder gar Fremde von mir zu überzeugen, kostet meist zu viel Energie. Manchmal lasse ich mich noch verleiten - vor allem online - wenn jemand scheinbar aktiv versucht, mich in eine Rolle zu drängen, die ich definitiv nicht bekleiden möchte. Ansonsten kann mich gerne jemand auf meine Schwächen ansprechen, dann entsteht hoffentlich ein interessantes Gespräch und ich kann etwas lernen. Wer nur seine Meinung über mich haben möchte - sich also ein Bild von mir schafft - ohne mich näher kennenzulernen, wird halt mit einer falschen Kopie von mir in seinem Kopf leben. Schade, aber nicht zu ändern.

  • "Es nervt mich auch, wenn ich merke, dass andere nur ein beschränktes Bild von mir haben, weil sie nur eine Seite von mir sehen können."

    Da stellt sich mir gerade die Frage:
    könnte man daran etwas ändern, indem man sich uneingeschränkt authentisch zeigt, oder wollen selbst dann manche Menschen ihr Gegenüber nicht komplett erfassen?
  • @enjoythesilence
    Könnte man sagen, dass man bemüht ist, vor allem in den Bereichen rücksichtsvoll zu sein, die einem selbst wichtig sind?
    Ja, bei den anderen Bereichen denkt man glaub ich einfach gar nicht daran und so entsteht ein verzerrtes Selbstbild, weil man bei der Frage, ob man rücksichtsvoll ist, nur die Bereiche anschaut, wo man aktiv rücksichtsvoll ist, während der Rest nicht bedacht wird. Wenn man von anderen die Rückmeldung bekommt, in manchen Bereichen keine Rücksicht zu nehmen, dann kann man darauf reagieren — vergessen, abstreiten oder ins eigene Selbstbild integrieren wären ein paar Möglichkeiten. ;)

    @seelenbilder
    Wer glaubt, einen anderen tatsächlich zu "kennen", den empfinde ich als ganz schön vorlaut! Es sind Eindrücke, die wir uns gestatten oder die uns gestattet werden, wir können nie wissen, wie pur und authentisch sich das Gegenüber gibt.
    Ich weiß nicht was daran vorlaut sein soll. Zwar wird man niemals die letzten Winkel einer Person erfassen können und es kann immer mal Überraschungen geben, aber über eine gewisse Zeit, besonders bei häufigem Kontakt, lernt man andere Menschen kennen. Zudem kommunizieren Menschen nach außen mehr als ihnen manchmal lieb ist.

    Man selbst kann ebenso nicht wissen wie pur und authentisch man sich gibt, da jedes Selbstbild Verzerrungen aufweist. In manchen Bereichen kann ein Fremdbild deswegen auch objektiver als ein Selbstbild sein.

    Schönes Zitat!


    @Wanderlust_Introvert
    Und wenn du nun mal im Weg stehst, dich jemand darauf hinweist, wirst du doch zumindest versuchen, beim nächsten Mal nicht wieder im Weg zu stehen, oder?
    Tendenziell weisen mich fremde Menschen nicht darauf hin, und selbst wenn zumindest ein genervtes Kopfschütteln kommen würde, bin ich meist so mit anderem beschäftigt, dass ich das nicht mitbekommen würde.

    Es ist auch nicht so einfach es beim nächsten Mal nicht zu machen. Versuchen kann man es, aber bei allem was gegen die eigene Natur geht oder wobei man Schwierigkeiten hat, kann nicht von einer schnellen Veränderung ausgegangen werden.
    Flüchtige Bekanntschaften oder gar Fremde von mir zu überzeugen, kostet meist zu viel Energie.
    Was verstehst du unter von dir zu überzeugen? Im moralischen Sinn (z.B. ich bin nicht boshaft/meine es nicht böse) oder von einem konkreteren Selbstbild ausgehend?
    Wer nur seine Meinung über mich haben möchte - sich also ein Bild von mir schafft - ohne mich näher kennenzulernen, wird halt mit einer falschen Kopie von mir in seinem Kopf leben.
    Je weniger dich andere kennen, desto verzerrter ist ihr Bild von dir. Das liegt in der Natur der Sache. Auf der einen Seite ist das Fremdbild manchmal objektiver als das eigene Selbstbild, auf der anderen Seite gibt es auch die Neigung auf Grundlage von wenigen Daten ein großes Fantasiegebilde von einer anderen Person zu entwerfen.
  • "Versuchen kann man es, aber bei allem was gegen die eigene Natur geht oder wobei man Schwierigkeiten hat, kann nicht von einer schnellen Veränderung ausgegangen werden."

    Meine Aussage sollte zeigen, dass mir persönlich das Versuchen reicht, um jemanden positiv zu bewerten. Wenn zumindest der Anspruch da ist, Rücksicht zu nehmen, ist das schon viel besser als das, was man von den meisten Menschen bekommt: Trotzreaktion oder Ignoranz.

    Ich glaube, wir haben blinde Flecken bezüglich unserer eigenen Persönlichkeit/bezüglich unseres Verhaltens, aber ich persönlich würde nicht pauschalisieren wollen, dass die bei allen Menschen so groß sind, dass das Fremdbild genauer ist als das Selbstbild. Denn du sprichst ja davon, dass eine Fremdbeschreibung objektiver ist/sein kann. Menschen sind aber nicht objektiv, sondern durch Erfahrungen und Einstellungen ebenfalls subjektiv wertend. Es gibt also von Zeit zu Zeit sicherlich mal jemanden, der dich von "weiter weg" betrachtet und dann klarer sieht, welche Verhaltensweisen du so an den Tag legst, aber deshalb hat der (aus meiner Sicht) kein adäquateres Gesamtbild von dir.

    Wie reflektiert wir mit uns umgehen, ist aber auch höchst individuell. Ich passe meine Verhaltensweisen regelmäßig an, wenn ich neue Erkenntnisse habe, die mein Weltbild verändern (in jüngerer Vergangenheit bei den Themen Alkohol und ADHS). Daher wäre ich bei Fremdbestimmung vorsichtig, da viele Menschen eine nicht-aktuelle Version von mir kennen oder sich selbst nicht mit meinen Interessengebieten auseinandersetzen und so gar nicht wissen können, warum ich denke und handle, wie ich denke und handle.

    Fazit: Wir haben so wenig Informationen und kennen so wenig Zusammenhänge bei anderen Menschen, dass wir selten eine schnelle und passende Bestimmung ihrer Persönlichkeit vornehmen können. Gleichzeitig täuschen wir uns auch selbst, haben aber zumindest mehr Informationen zur Verfügung und theoretisch - mit sehr viel Anstrengung - die Möglichkeit, uns selbst zu "erkennen".

  • @wanderingstar
    Zweifelsohne spielt das Wort "tatsächlich" im Kontext eine Rolle, jetzt zitiere ich mich selbst ... "Wer glaubt, einen anderen tatsächlich zu "kennen", den empfinde ich als ganz schön vorlaut!"

    Ich meine hier, man muss vorsichtig sein, jemanden z.B. in Schubladen einzuordnen.
    Und ich meine jene, die sich so gerne damit brüsten, Menschenkenner zu sein, obwohl sie schon z.B. bei Geschenken völlig daneben liegen, um ein total banales Beispiel zu geben. Und erst recht beim Einschätzen vom Gefühlsleben anderer Menschen oder auch hinsichtlich ihrer Stärken, Stw. Berufsfindung. Was mir da schon alles geraten wurde, ist haarsträubend.

    Ich denke schon, dass man selbst bei ganz ehrlicher Selbstreflexion weiß, ob man sich authentisch zeigt oder ob man sich vor anderen schützt und eben nicht alles nach außen trägt. Sich selbst ganz zu "erkennen", kann letztendlich wohl auch ein ganzes Leben dauern.

    >>Ich glaube, wir haben blinde Flecken bezüglich unserer eigenen Persönlichkeit/bezüglich unseres Verhaltens, aber ich persönlich würde nicht pauschalisieren wollen, dass die bei allen Menschen so groß sind, dass das Fremdbild genauer ist als das Selbstbild. Denn du sprichst ja davon, dass eine Fremdbeschreibung objektiver ist/sein kann. Menschen sind aber nicht objektiv, sondern durch Erfahrungen und Einstellungen ebenfalls subjektiv wertend. Es gibt also von Zeit zu Zeit sicherlich mal jemanden, der dich von "weiter weg" betrachtet und dann klarer sieht, welche Verhaltensweisen du so an den Tag legst, aber deshalb hat der (aus meiner Sicht) kein adäquateres Gesamtbild von dir.<< Sehr schön auf den Punkt gebracht, wie ich's auch empfinde - danke! :-)
    Ich stimme @Wanderlust_Introvert zu, auch, was das Fazit betrifft!
  • @seelenbilder
    Ich meine hier, man muss vorsichtig sein, jemanden z.B. in Schubladen einzuordnen.
    Und ich meine jene, die sich so gerne damit brüsten, Menschenkenner zu sein, obwohl sie schon z.B. bei Geschenken völlig daneben liegen, um ein total banales Beispiel zu geben. Und erst recht beim Einschätzen vom Gefühlsleben anderer Menschen oder auch hinsichtlich ihrer Stärken, Stw. Berufsfindung. Was mir da schon alles geraten wurde, ist haarsträubend.
    Okay, dann versteh ich jetzt besser um was es dir geht.

    Es ist auch solch ein Beispiel von dem ich meine, dass die Fremdeinschätzung in manchen Bereichen objektiver sein kann als das Selbstbild. Denn je mehr Diskrepanz besteht zwischen dem, was eine Person über sich behauptet, und dem, was sie an entsprechendem Verhalten an den Tag legt, desto mehr fällt es auf.


    @Wanderlust_Introvert

    Mir ging es nie um das Gesamtbild, in meiner Antwort an Seelenbilder habe ich von Bereichen geschrieben.
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