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Das Bedürfnis, sich mitzuteilen

In letzter Zeit verspüre ich tatsächlich wenig den Drang, mich meinem Umfeld großartig mitzuteilen.
Teils, weil ich den Eindruck gewinne, eher nicht gehört zu werden oder dass meine Belange Anlass für mein Gegenüber sind, eigene Anekdoten zu erzählen, was oft dazu führt, kaum ein Ende zu finden. Sicher gibt es wie immer Ausnahmen, in denen ich Gespräche auch genießen kann. Meist die eher tiefgründigen und mit der nötigen Zeit.

Ich lerne wieder, wie entspannt es doch sein kann, seinen eigenen Gedanken nachzuhängen und Ruhe zu genießen.
Das ist schön.

Vor allem das Reden ist gemeint. Beim schriftlichen Austausch sieht es anders aus. Da kann man sich aber auch einfacher auf das Wesentliche konzentrieren und antworten, wenn es Zeit und Verfassung erlauben.

Findet ihr, es wird zu viel geredet auf der Welt?

Kommentare

  • Hallo!

    Ich als Intro sage Dir: Es wird eindeutig zu viel geredet. Es wird gelabert und gesülzt, da, wo ich denke, Handlungen wären mal angebracht.

    Ich bin eher der Wenigredner. Denke viel, rede wenig. Ich bin der Mensch, der handelt und werkelt, anstatt zu reden. Mich braucht kein Mensch in eine Telefonkonferenz schicken. Da gehe ich echt lieber Laub harken. Und das den ganzen Tag.

    Was ich allerdings auch anmerken möchte: Der Mensch braucht den Austausch, und dieses auch täglich. Um auszuloten, wie die Lage ist und wo man steht. Das tue ich auch gerne. Aber bitte in Kurzform. Und mit Menschen, die mir nahe sind. Dazu gehören auch gute Kollegen, wenn auch wenige. Und tiefgründige Gespräche liebe ich auch.

    Aber ansonsten wünschte ich mir, die Leute wären allgemein etwas ruhiger!
  • Du sprichst genau meine Sprache @Nethi :)
  • Prima.... Das freut mich :-) Viele Grüße nochmal
  • Meiner Beobachtung nach wird zuviel Unwesentliches mitgeteilt, ob via gesprochener Sprache, aber auch in der gedruckten. In der Printversion geht's für mich oft ebenso um gar nichts Wissenswertes, wenn ich mir die Boulevardpresse vornehme. Twitter und FB so wie andere Plattformen sind auch randvoll gefüllt mit seltsamen Nachrichten. Hinsichtlich Zeitschriften bin ich durchaus auch ambivalent, weil ich im Café gerne Zeitschriften lese, aber ich bin mir dessen bewusst, dass es hauptsächlich nicht um Wesentliches geht! Kommt auch auf die Zeitschrift, auf die aufbereiteten Themen an.

    Ich kann es deutlich an mir selbst festmachen, das Schreiben wird mir ebenso immer lieber - auch aus den Gründen, die Du anführst, liebe enjoythesilence. Und, weil ich mich besser sortieren kann. Die Vorteile liegen klar auf der Hand, Nachteile gibt es aber auch. Keine Gestik, keine Mimik, Emojis sind da nicht immer ausreichend. Sie ersetzen kein menschliches Gebaren.
    Somit liegen auch im Geschriebenen Möglichkeiten, etwas falsch zu verstehen und daraus können Missverständnisse erwachsen.

    Ein Vier-Augen-Gespräch kann mit dem richtigen Gegenüber zu einem hohen Genuss führen, wenn die wesentlichen Themen Inhalt sind und das Menschliche passt! Große Runden sind überhaupt nicht mehr mein Ding - da habe ich mich sehr gewandelt. Mir fällt halt auf, dass es in großen Runden eher zu Belanglosigkeiten kommt und dafür ist mir einfach meine Lebenszeit zu kostbar!
  • Auch ich bin eher jemand der wenig redet. Meist suche ich lange nach den passenden Worten. Das fällt schriftlich viel leichter eben weil man weniger unter Zeitdruck gerät.

    Reaktionen mit eigen Schilderungen könnten mir auch leicht passieren, sorry. Ich denke es ist immer Ausdruck des Bemühens dem Gesprächspartner zu zeigen dass man die Situation nachfühlen kann, keineswegs Selbstdarstellung. Manchmal dienen eigene Schilderungen auch dazu missdeutbares Verhalten aufzuklären weil der Andere einem wichtig ist.

    Wenn sich Gesprächspartner längere Zeit kennen und die Eigenheiten des Anderen kennen werden viele erklärende Worte überflüssig.
  • Auf eine Problematik mit der Schilderung eigener Erlebnisse zu reagieren - ich glaube, das machen Viele @Nightworker. Ich selbst nehme mich da nicht aus. Mir geht es in dem Moment dann darum, zu zeigen, dass ich die Problematik aus eigener Erfahrung kenne und bestenfalls kann ich erzählen, wie ich damit umgegangen bin. Damit kann man prima umgehen, gut gemeinte Tipps zu geben ;)

    Entscheidend finde ich, wie lange der "Ausflug" in das zweite Leben ist und ob man wieder bei der eigentlichen Problematik ankommt, oder die Schilderung eines Beispiels dafür nutzt, das Gespräch an sich zu nehmen.

    Ich vermisse inzwischen leider sehr oft, gehört und gesehen zu werden.
    Reden um des redens Willen. Hauptsache viel und laut. Das finde ich ehrlich bedauerlich.

    Sicherlich gibt es wie immer Ausnahmen und niemand ist perfekt.

    Ich habe nur leider den Eindruck, kaum jenand nimmt sich noch die Zeit für ein tiefgründiges Gespräch. Und tief in mir drin würde ich da gern etwas dran ändern, bin nur manchmal selbst hilflos, wie es gehen könnte.
  • Ich weiß, was du meinst (denke ich).

    Meine Mutter - eine wundervolle Person - geht immer einen riesigen Umweg bei ihren Erzählungen. Da mir aber wichtig ist, was sie erzählt, muss ich mich lange konzentrieren, bis sie zu der relevanten Information gelangt. Das ist sehr, sehr anstrengend.

    Mein Mitbewohner - und bester Kumpel - erzählt Dinge, die Null mit mir zu tun haben/die er für wichtig hält, die mich aber nicht annähernd interessieren (Computerspiele beispielsweise). Er hat aber schon mal ganz offen zugegeben, dass ihm einfach die Fähigkeit fehlt, das zu filtern. Dann redet er lieber weiter, um sicher zu gehen, dass jemand weiß, warum das so wichtig ist.

    Meiner Mutter sage ich manchmal, dass sie mir bitte erst sagen soll, WAS sie mir erzählt und dann den Kontext gibt. Mein Mitbewohner sagt ganz klar, wenn er mich nervt, soll ich ihm das sagen - und er ist dann wirklich nicht sauer. Ein reflektierter Extrovertierter halt :)

    Selbstkritik muss aber auch sein: Mir passiert das auch. Weil ich früher als zu ruhig galt, habe ich mir vor vielen Jahren angewöhnt, auch zu sprechen, wenn ich nichts zu erzählen habe. Das ist mir noch gar nicht so lange bewusst, aber damit kann ich andere natürlich auch nerven.

    Richtige Diskussionen/interessante Gespräche werden definitiv seltener. Das hat unendlich viele Gründe: keine Zeit mehr, Informationsüberfluss, viele "neue" Regeln (hinsichtlich Sexismus, Politik etc.), starker Fokus auf das Individuum und nicht auf die Gemeinschaft, die Art und Weise wie wir in der Schule lernen, ...

    Letztlich fördert unsere heutige Welt, dass wir mehr leere Worte nutzen. Ich habe meine Leute, mit denen ich "echte" Gespräche führen kann. Alles andere versuche ich so weit es geht zu reduzieren. Für mich fühlt es sich also weniger an, als würde zu viel geredet werden, sondern eher, dass zu wenig über die interessanten/wichtigen Dinge geredet wird.

    Alles kann aus meiner Sicht interessant werden. "Was passiert nach dem Tod" und "Wieso ist diese Serie so gut" kann ich stundenlang diskutieren, wenn denn jemand dazu bereit ist. Leider, leider sind diejenigen schwer zu finden, die sich darauf einlassen. Denn sie merken schnell, dass ich mir schon etliche Gedanken gemacht habe, vielleicht sogar recherchiert habe, dann merken sie, dass es kein einfaches Gespräch ist und klinken sich aus.

    Man muss viele gescheiterte Versuche haben, um ein, zwei erfolgreiche zu bekommen. Harte Lektion, echt nervig. Aber es lohnt sich. Tolle Gesprächspartner gibt es, man muss sich aber meist AKTIV suchen.

    Das ist jetzt viel länger geworden, als ich erwartet habe. Aber vielleicht hilft es ein bisschen. Du bist damit nicht alleine und es lohnt sich. Ach ja und: Kaum einer meint es böse, wenn er nur Anekdoten erzählt und das Gespräch damit fast abblockt. Die meisten Menschen wissen es nicht besser und manchmal kann es helfen, sie darauf hinzuweisen.

    Liebe Grüße
  • Vielen Dank für deine Sichtweise @Wanderlust_Introvert
    da waren noch weitere interessante Punkte für mich dabei.

    Zum Beispiel kenne ich das hier auch sehr gut:

    "Weil ich früher als zu ruhig galt, habe ich mir vor vielen Jahren angewöhnt, auch zu sprechen, wenn ich nichts zu erzählen habe."

    Ich persönlich verhalte mich teilweise so, weil ich bewußt oder unbewußt eine gute Stimmung erzeugen möchte. Freundlich und aufgeschlossen sein will. Oftmals rede ich besonders viel in für mich aufregenden Situationen. Wenn ich mein Gegenüber noch nicht so gut kenne zum Beispiel. Dass dieses Verhalten kontraproduktiv sein kann, fällt mir gerade beim Schreiben auf.


    "Für mich fühlt es sich also weniger an, als würde zu viel geredet werden, sondern eher, dass zu wenig über die interessanten/wichtigen Dinge geredet wird."

    Eine Sichtweise, über die ich defintiv einmal nachdenken werde.

    Im Moment ziehe ich mich einfach ein wenig zurück, um endlosen Diskussionen, Konversation über belanglose Themen und Streß aus dem Weg zu gehen.
  • Hallo, ich würde gerne noch mal was zu folgendem Satz sagen:
    „Für mich fühlt es sich weniger an, als würde zu viel geredet, sondern eher, dass zu wenig über die interessanten/wichtigen Dinge geredet wird.“

    @ wanderlust_introvert: Ich verstehe das doch so richtig, dass Du die für Dich wichtigen Dinge meintest, oder?

    Interessant fand ich die Aussage, dass Du zu vielen Dingen recherchierst. Genau das tue ich auch! Ich bin einfach an soviel Hintergrundwissen interessiert, was für andere einfach unwichtig ist.

    Ich denke, dass wir uns in vielen Gesprächen einfach immer nur im Kreise drehen. Immer wieder die gleichen Themen, viel Jammern über Dinge, die man eh nicht ändern kann. Und solche Gespräche ermüden mich. Ich möchte auch in Gesprächen vorwärts kommen, neues dazulernen und in die Tiefe gehen.
    Und ich sehe es auch so, Gespräche können so belebend sein, lustig, anregend.....

    Ich brauche immer wieder meine Auszeit. Das in sich zurückziehen, mit den Gedanken alleine sein. Viele können damit nicht so umgehen.
  • spannend... Ich beobachte das so ähnlich bei mir auch seit einigen Wochen oder Monaten.
    Abgesehen davon, dass mich schon oft gar nicht mehr interessiert, was Leute um mich rum erzählen, hab ich auch kaum mehr Lust, von mir zu erzählen. Ich bin wohl tatsächlich zu faul zum Reden geworden.
    Und mich stört auch zunehmend das Geplapper über nicht wirklich relevante Dinge und ich mach da auch gleich die Ohren dicht.
    Dabei bin ich im Grunde jemand, der sich schon gern austauscht, auch gut zuhört und auch wohl gut bzw. interessant erzählen kann.
    Grad aber empfind ich das als anstrengend. Drum lass ich's ;-)
  • edited Oktober 2020
    Ich fühle mein Innenleben, meine Art, wie und vor allem wem gegenüber ich meine Gedanken, Ideen, meine Sicht auf Dinge mitteilen möchte, hier bestens vertreten - @Nethi, @zwischen_den_Stühlen! Auch ich brauche viel Auszeit von ermüdenden Gesprächen (denen man eben nicht immer ausweichen kann) und trotzdem glaube ich nicht, dass wir zu faul zum Reden geworden sind. Es kommt eben weniger darauf an, was auf dem Tisch steht, sondern vor allem, wer die Gäste sind ... Auch für mich macht das Hintergrundwissen zu mich faszinierenden Themen großen Sinn, ich kann mit Recherchen viele, viele Stunden verbringen.
  • In Gesprächen kommt es bei mir auch sehr darauf an, ob mein Gegenüber Interesse an meiner Meinung hat oder nur seine Gedanken loswerden möchte. Ich bin auch ein guter Zuhörer, bin aber nicht mehr bereit, nur als Zuhörer hinzuhalten. Das hat sich bei mir wirklich verändert.

    Bei mir kommt es auch immer sehr drauf an, ob ich gerade redselig bin oder nicht.

    Es gibt Momente, da rede ich total gerne, das ist wie so ein Motor, der sich gerade warmgelaufen hat und gut funktioniert. Aber ich liebe auch meine Momente, in denen ich mit mir alleine bin und mit irgendwas beschäftigt, da kann ich Gespräche überhaupt nicht haben. Ich bin dann eins mit mir und möchte keine Unterbrechungen (meiner Gedanken).
  • Nachdem ich einige gute Romane gelesen habe, lese ich nun das zweite Mal "10 Rules" von Jordan B. Peterson.
    Ich habe mittendrin angefangen, mit dem Kapitel über das miteinander reden. Es heisst: "Die Person mit der du sprichst weiss etwas, was du nicht weisst". Es ist ganz wunderbar wie er die verschiedenen Arten von Gesprächen beschreibt. Alle von euch genannten Arten kommen darin vor, und noch ein paar weitere. Es gefällt mir auch, dass dieser Autor nicht wertet. Um etwas richtig zu lernen brauchen wir auch Menschen von denen oder mit denen zusammen wir lernen können.

    Peterson sagt auch: denken ist, mit sich selber zu sprechen. Verschiedene Standpunkte einnehmen und diese miteinander diskutieren lassen. Dies tue ich oft.

    Liebe @enjoythesilence, auch ich vermisse es momentan sehr, gehört zu werden. Es dünkt mich meine Gleichgesinnten sind ebenso auf Rückzug gegangen wie ich selber. Die leisen philosophischen Dialoge waren eh schon selten, nun sind sie fast versiegt. Aber auch im sachlichen, z.B. beruflichen Bereich ist Potential.

    Ein Tag mit einem angenehmen, ruhigen Gespräch, das auf gegenseitigem Respekt beruht, gibt mir schon wieder ein gutes warmes Gefühl. Ein Mit-Gefühl? Ja, es verbindet mich gleichzeitig mit mir selber und mit der anderen Person.

    Ein Geblödel und Gelächter und sich gegenseitiges Übertreffen in Originalität und Lautstärke macht mich körperlich leiden, obwohl ich es irgendwie auch geniesse. Ich mache mit und bin ausser mir. Ich habe eine mir nahestehende Person sehr lieb, mit welcher dies oft passiert.

    Wir Menschen brauchen Gespräche.

    Ich bin sehr froh hier zu sein, danke!




  • Hallo Eva, ich finde, dass Rumblödeln und Rumalbern auch dazu gehört. Das ist das, was unseren Geist und unsere Seele frei macht. Lachen und fröhlich sein.
    Was ich dann aber überhaupt nicht mag, ist, wenn es überhand nimmt und total abdriftet. Dann geht es mir auf die Nerven und ich kann von jetzt auf gleich „zumachen“. Das versteht mein Gegenüber nicht, dass die Grenze bei mir erreicht ist.

    Ja, ich bin völlig bei Dir, wenn Du sagst, wir Menschen brauchen Gespräche.

    Auch ich kann nicht ohne den Austausch mit anderen leben. Auch, wenn es sich bei mir arg beschränkt, möchte ich nicht ganz ohne sein.
  • Ja, @Nethi, das sehe ich genau so! Das Fröhlichsein ist so wichtig, wenn Herz und Seele einmal hüpfen vor Vergnügen - und da darf es gerne auch mal um leichtere Kost gehen! Ich genieße jede Sekunde, in der ich mich zum Lachen provoziert fühle, denn ansonst denke ich ohnehin sehr tief und sehr weit. Es ist ein gesunder Ausgleich und gehört unbedingt auch in mein Leben!
  • @nethi und @Seelenbilder
    ich möchte keinesfalls als langweilig und übertrieben ernsthaft rüberkommen. Ich wollte ich könnte den Moment schildern, in dem das Lustvolle kippt in etwas Zwanghaftes. Statt die Lustigkeit dankbar zu verabschieden und glücklich durchzuatmen wird wie in einem Getriebensein noch mehr, noch lauter gefordert, dass es doch noch eine Steigerung geben könne, nein müsse! und dann stockt mir der Atem. Leider bin ich noch nicht soweit, dass ich mich dann verabschieden kann...
  • edited Oktober 2020
    Danke @Eva, mit diesem Zusatz kann ich Deine Stimmungslage sehr gut *greifen* und jetzt verstehe ich, was Du meinst. Ich kenne das, was Du schilderst, bestens und habe mich vor einigen Jahren aus gutem Grunde aus einer Runde dieser Art verabschiedet.

    In meinem Fall gilt, dass einfach kein Punkt gefunden werden konnte, nämlich an der Stelle, wo das Lustvolle zur Peinlichkeit wurde. Dazu dann auch noch Alkohollastigkeit, die erfahrungsgemäß noch am nächsten Tag zu einer Vernebelung des Geistes führt und wo derbe Dinge ausgesprochen werden, die besser nicht einmal gedacht werden sollten.
    Der Anstoß zu meinem Rückzug war so intensiv und schmerzhaft, dass ich niemals den Wunsch nach einer Rückkehr verspürt habe und mich immerzu wundern kann, wie solche Runden - und noch dazu kritiklos - Bestand haben können ... Was tut man nicht alles, um (scheinbar) akzeptiert zu sein ...
  • Hallo @Eva, ich verstehe auch, was Du meinst. Sowas ist dann auch nicht mehr meins, und so manches mal denke ich dann, ob ich zu ernst bin.
    Ich habe z. B. eine Kollegin, die tanzt immer vor sich hin und singt auch so manches Mal, um mir mitzuteilen, wie gut sie sich fühlt. Ich empfinde dieses als sehr unangenehm und mittlerweile auch abstoßend, weil es überdreht auf mich wirkt.

    Also Fazit, liebe @Eva und @seelenbilder: es gibt eine Grenze bei der Lustigkeit, die man nicht überschreiten sollte. Da sind wir uns einig.
  • stimmt... oder wie es @wanderlust_introvert in ihrem Blog irgendwo ausdrückt: man kann Extros unterhaltsam, lustig, seltsam etc. finden, ohne so sein zu wollen zu müssen wie sie.
  • edited November 2020
    @Nethi: Wo sind die Zeiten, in denen ich auch manchmal voll Freude in der Arbeit getanzt habe, weil mir einfach danach war. Meine KollegInnen haben das geschätzt, sie fühlten sich inspiriert und haben manchmal auch mitgemacht. Wenn uns etwas gestört hat, haben wir das auch angesprochen.
    Was ich nicht mag, ist, wenn Lustigkeit damit verbunden ist, wenn z.B. jemand ausgelacht wird. Da hört sich der Spaß sofort auf!
  • @ seelenbilder: Und wo ist diese Fröhlichkeit und Ausgelassenheit hin? Liegt’s am Umfeld oder hast Du Dich verändert? Vielleicht magst Du darauf antworten.

  • edited November 2020
    @Nethi, gute Frage! Ein Mix aus vielem ... ein anderes Umfeld, aber auch eine persönliche Entwicklung und prägende Erfahrungen. Ich will diese Veränderungen oder Erlebnisse nicht als "negativ" bewerten, jedenfalls aber als bewusstseinsfördernd - dadurch ist mein Leben heute ein anderes als vor 20 Jahren. In einigem besser, weil selbstbestimmter und wissend, was ich mag und was nicht mehr - in einigem aber auch nicht mehr so "leicht", weil ich sehr große Verpflichtungen spüre. Doch ich bin auf einem guten Weg, mich wieder mehr auf mich selbst zu besinnen. Für Menschen oder für einen Arbeitsbereich "zu brennen", kann sehr unangenehme Auswirkungen haben. Heute bin ich lieber von etwas inspiriert oder begeistert ... und damit können Flügel auch wieder wachsen ...
  • @seelenbilder Danke für Deine Antwort. Ja, ich denke, wir sind alle nicht mehr diejenigen, die wir vor 20 Jahren waren. Wobei ich mich heute eigentlich als ausgelassener als damals bezeichnen würde.
  • Mögt ihr weitere Erfahrungen zum Thema teilen? :)
  • Oha, ein tiefgreifendes Thema :-)

    Ich bin so frei und erwähne, dass ich die anderen Beiträge nicht gelesen habe ;-)
    Also, auf die Eingangsfrage von @enjoythesilence bezogen: Findet ihr, es wird zu viel geredet auf der Welt?

    Ja, manchmal schon...!

    Aber es geht ja nicht nur ums Reden - auch das mit dem Zuhören ist so eine Sache ;-)

    Manche reden, damit irgendwie Schwingung im Raum ist... auch wenn es dann vielleicht viel zu viel ist... und andere sich "erschlagen" fühlen...

    Und manchen fällt das Zuhören schwer... richtig hinhören... warum auch immer...

    Das mit der Kommunikation ist so ne Sache :-D

    Viel hilft nicht immer - aber manchmal ist weniger auch nicht mehr... ;-)




  • @wind und wellen
    „Viel hilft nicht immer - aber manchmal ist weniger auch nicht mehr... ;-)“

    Da stimme ich Dir ausnahmslos zu. Ich glaube, ich rede manchmal eher zu wenig.
    Ich kann mich ganz gut in mein Gegenüber versetzen. Ich glaube, Wenigreder sind schwer zu greifen. Vielleicht auch schwer zu durchschauen, damit haben viele ein Problem.



  • Ich habe jetzt mal alle Kommentare hierzu gelesen und es ist definitiv so, dass viel zu viel ungerichtete und unsortierte Informationen herumfliegen. Das können die sozialen Medien sein, aber auch z.B. das Projektmanagement-Tool auf der Arbeit. Jeder bekommt alles mit, und das auch noch wild durcheinander. Dadurch kann man sich kaum noch auf etwas gezielt einstellen und ist nur noch ein herumhüpfender Spielball. Leute wie mich bringt es dazu, sich immer mehr herauszuziehen. Andere kommen damit zunächst besser klar von der Reizschwelle her, sie können irgendwann aber auch nur noch das Durcheinander wiedergeben, das hinein geht. Das klingt jetzt vielleicht belehrend, aber ich finde, dass viele Extros zu wenig darauf achten, welche Infos sie den ganzen Tag über konsumieren und was das mit einem macht. Persönlich hätte ich ganz gern ein paar mehr Menschen, mit denen ich lange interessante Gespräche führen könnte, wo man sich auch ein bisschen weiterentwickeln kann und auch mal geblödelt wird, und wo eben auch die Geduld vorhanden ist. Das hilft auch dabei, sich gegenseitig manchmal den Kopf geradezurücken, wenn man auf Abwegen ist. Ehrlich gesagt kann schreiben das für mich nicht ersetzen. Ich möchte dann immer alles genau ausformulieren und es kommt nicht der Flow auf wie bei einem Gespräch. Die Asynchronizität erleichtert zwar den sachlichen Austausch, aber das Wohltuende fehlt mir dabei. Zu mir würde vielleicht eine Chatgruppe mit Telefoniermöglichkeit besser passen, wo man sich auch z.B. in einen privaten Chat ausklinken oder direkt reden kann. Von der Umsetzung her könnte das z.B. eine Matrix-community bei element.io für Introvertierte sein (kein FB oder Whatsapp). Vor 10—15 Jahren habe ich das mit Skype auch teilweise noch so gemacht, aber früher war die Kommunikation irgendwie auch persönlicher.
  • Der Drang, mich mitzuteilen, ist bei mir gerade stark, wobei ich gleichzeitig im Alltag sehr wenig spreche, dafür aber gern im Telefonat mit meinem Partner, da ich weiß, dass er mir gern zuhört. Das kann auch ganz Belangloses sein, so ich erzähle ich bspw. gern, was ich während einer Busfahrt auf dem Weg zur Arbeit so beobachten und welchen Gesprächen ich währenddessen lauschen durfte, weil ich mich an diesen Momenten irgendwie erfreuen kann und hoffe, diese Erlebnisse weiterreichen zu können. Genauso gern kann ich diesen (für andere) belanglosen Erzählungen von einer anderen Person, altuell v.a. meinem Partner zuhören, ich werde nicht müde. Es schafft für mich sogar ein Gefühl der Verbundenheit, weil ich so lerne durch die Augen der Person zu sehen und durch die Art und Weise der Schilderungen die Umgebung mit den Sinnen meines Gesprächpartners erleben zu können, damit auch meine eigene Wahrnehmung erweitere.
    Selten habe ich allerdings das Gefühl, dass die Kapazität in Gänze vorhanden ist, meine Erzählungen und Gedanken so tiefgründig erleben zu wollen wie ich das bei meinem Partner gern tue und ich fühle mich gerade sehr einsam damit, dass meine Gedanken zu tief zu sein scheinen, damit (in meiner Wahrnehmung) auch zu viel oder zu anstrengend. Ich bemerke seit einigen Monaten bereits, dass sich mein Bedarf nach Austausch immer wieder anstaut. Dieses Forum ist bereits eine ganz große Hilfe.

    Glaubt ihr, dass das, was ihr bei manchen als zu oberflächliches Geplänkel wahrnehmt, evtl. auch die (unbeholfene) Suche nach Verbundenheit sein könnte?
  • @byen_221
    „Glaubt ihr, dass das, was ihr bei manchen als zu oberflächliches Geplänkel wahrnehmt, evtl. auch die (unbeholfene) Suche nach Verbundenheit sein könnte?“

    Ganz bestimmt sogar!
    Und da gilt es manchmal, gründlich zwischen den Zeilen zu lesen, sich selbst dabei aber nicht zu verlieren.

    Denn es macht doch einen himmelweiten Unterschied, ob jemand mehr oder weniger Belanglosigkeiten (zwischen Tür und Angel) von sich gibt, oder sich ein Mensch die Zeit nimmt und den Mut aufbringt, einmal über „Eingemachtes“ zu sprechen. Erst dann kann für meinen Geschmack echte Verbindung entstehen.
    Doch ich mache auch die Erfahrung, dass mehr oder weniger Belangloses im Vorfeld ausgetauscht wird, um sich heranzutasten.

    Also: aufmerksam mit beiden Ohren hinhören :)

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