Hey Fremder!

Sieht so aus als wenn du neu hier bist. Wenn du mitmachen willst, drücke einen dieser Buttons!

Aufgrund der Datenschutzgrundverordnung ist es wichtig, auf das Impressum sowie die Informationen zum Datenschutz hinzuweisen. Hier sind die entsprechenden Seiten: Impressum – Datenschutzerklärung. Außerdem möchte ich auf die Hausordnung des Forums verweisen.

Wie überlebt ihr im Job?

Um den Vorstellungsthread von its_just_me nicht unnötig zu sprengen und weil das Thema vermutlich noch Weitere von uns betrifft, hier eine neue Diskussionsrunde, um Anregungen zu bekommen, wie man den Arbeitsalltag gut übersteht.

Ich persönlich komme momentan ganz gut klar, indem ich meine Arbeit erledige, mich aus Diskussionen weitestgehend heraushalte, die Pause in den meisten Fällen allein verbringe und die authenthischste Version meiner selbst bin.

Kommentare

  • edited Oktober 2020
    Interessant, ich stimme voll und ganz zu - mit einer Abweichung: Ich zeige längst nicht mehr alles von meinem Wesen. Ich bin äußerst geradlinig, aber zurückhaltend - und ich denke mir sehr viel mehr, als ich sage.
    Alles auf den Tisch zu packen, bringt nichts, in dem Umfeld, in dem ich mich bewege. Man führt kaum Sachgespräche, wenn sie nötig sind, es wird sehr viel interpretiert und kaum hinterfragt. Das Arbeiten wird für meinen Geschmack durch emotionales Getue sehr belastet. Abends schließe ich das Tor und bin Privatperson, bis ich wieder die Tür zur Arbeit aufmache.
  • edited Oktober 2020
    ... und ganz wichtig: Ich weiß, mit wem ich es zu tun habe ... Ich lasse mich nicht mehr von den Versionen mancher Kollegen täuschen, die sie so gerne von sich kreieren und verkaufen. Soviel Eigenwerbung, manchmal muss ich innerlich herzlich lachen.
  • Ich habe gerade eine interessante Erfahrung machen dürfen, die ich gern mit euch teilen möchte:

    war seit längerer Zeit mal wieder mit im Pausenraum. Anstatt am Tischgespräch teilzunehmen, indem ich Informationen von mir einbringe, habe ich versucht, den Anderen die Bühne zu bereiten. Ein wenig wie ein Moderator.

    Das hatte den Vorteil, dass ich nicht nur stumm dabei saß, aber selbst so gut wie keine Angriffsfläche geboten habe. Und wenn sich die Kollegen gut aufgehoben fühlen, fördert das vermutlich ein friedlicheres Miteinander. Mir tat es nicht weh. Seit ein paar Vorfällen im vergangenen Jahr halte ich mich lieber dezent zurück und ja, auch ich glaube zu wissen, mit wem ich es zu tun habe, weshalb ich ebenfalls wie @seelenbilder mehr denke, als ich sage. Fahre da eigentlich ganz gut mit, bin aber auch nicht mehr bestrebt, hier noch irgendwas zu gewinnen. Ich mache meine Arbeit, deren finanzieller Erlös mir mein Leben ermöglicht. Welches zu Zeiten Corona geprägt ist vom Alleinsein. Womit ich als Intro ziemlich gut umgehen kann. Es stünde mir eher die Erwartungshaltung meines Umfeldes im Weg, die ich manchmal vermute. Aber das ist ein anderes Thema :)

    Mein Leben außerhalb des Jobs soll besser werden, weshalb ich mal wieder eine Arbeitszeitverkürzung versuche, die meine Zeit überhaupt auf Arbeit zu anwesend zu sein verkürzt und mir hoffentlich mehr Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens bietet.

    Derzeit bin ich zuversichtlich.
  • @enjoythesilence, diese Art von "Moderation" bietet genau den von Dir aufgezeigten Vorteil, dabei zu sein, ohne dabei zu sein :-)) Also, keine Angriffsfläche zu bieten ... Ich kenne das :-)) Man findet Wege ... https://cml179.wixsite.com/lebenslinien/post/motivation-trifft-inspiration
    Herausforderungen sind dazu da, damit man sich entwickeln kann!
  • Und es bewahrheitet sich: das Gegenüber weiß etwas, was man selbst nicht weiß.

    Gut zuhören zu können (und zu wollen) ist eine Gabe, die wir (und da spreche ich einfach mal für alle von uns Intros) nicht unterschätzen sollten.
  • Hallo, bei mir ist gerade so, dass ich total meine ruhige Seite rauskehre. Also damit meine ich: Alle um mich herum drehen gerade total durch (stressbedingt), ich bewahre meine Ruhe und das gefällt mir richtig gut.

    Und ich betrachte alles um mich herum wie ein Schauspiel. Es ist ein Theaterstück, welches mir präsentiert wird. Und ich lasse mich da nicht reinziehen.

    Gedanklich kann ich nicht gut abschalten, ich nehme viele Dinge mit nach Hause. Und die können mich stundenlang in der Nacht wachhalten.

    Das nächste Problem, welches ich habe: Ich bin nicht gut darin, Dinge direkt anzusprechen, die mich stören. Beispiel: Sitze im Doppelbüro. Mein Gegenüber ist permanent am telefonieren und quatschen. Dazu klingelt dann oft das Handy, manchmal auch parallel, und das Handy wird dann parallel genutzt. Und das macht mich manchmal wahnsinnig. Nicht immer, aber es nimmt zu, merke ich. Aber ich kann es nicht ansprechen, ich verlasse das Zimmer. Ich weiß, dass es ein großes Problem von mir ist und habe auch begonnen, mich nun damit auseinanderzusetzen.

    Das große Glück, was ich habe, dass es einige Personen in meinem Umfeld gibt, mit denen sich der Austausch wirklich lohnt. Und das ist etwas, was ich zu schätzen weiß. Das hilft so ungemein, den Alltag auf Arbeit zu überstehen.

    Aber diese ganzen emotionalen Kriegsschauplätze nebenher sind schon zermürbend. Das hast Du - @seelenbilder - bereits erwähnt. Es geht nicht um die Arbeit, die wir machen, sondern dass jeder sein persönliches Ego bedient haben will. Da halte ich mich komplett raus, ich lasse mich nicht in die dreckigen Geschichten reinziehen. Und ich weiß auch, welche Personen und Gruppen ich strikt meide.
  • Vermutlich überlebe ich im Beruf, weil ich überleben muss. Vor kurzem hatte ich zumindest das Glück, dass die Bürobesetzungen neu zusammengewürfelt wurden und da bin ich in einem Vierer-Büro gelandet. Zwei der Kollegen sind auch wie ich auf der introvertierten Seite und mit denen tausche ich mich auch sehr gerne aus.

    Nur der dritte Kollege im Büro nervt mich öfter mal und ich glaube, das geht den anderen beiden auch so.
  • edited November 2020
    Hallo @Nethi, Lärm in Bezug auf Unterhaltungen, der neben der eigentlich zu erledigenden Arbeit entsteht (oder auch oft künstliche Aufgeregtheit), ist vermutlich für viele Menschen ein schwer zu ertragendes Thema.
    Auch für mich. Ich spreche es dort an, wo es möglich ist; wo nicht, bringt es leider nichts außer Verständnislosigkeit und keine Lösungen.
    Großraumbüros oder Räumlichkeiten mit Leuten teilen zu müssen, die in vielen Fragen völlig andere Ansprüche haben oder Haltungen einnehmen, ist vom Mühsamsten, was ich selbst kenne.
    Ich finde auch, dass viel zu viel palavert wird, während sich die Arbeit nicht von selbst erledigt! Und ja, es geht sehr oft darum, dass jeder sein persönliches Ego bedient haben will.
  • Mal angenommen, ihr könnt absofort beruflich machen was ihr wollt. Was liegt euch am Herzen, für was brennt ihr?
  • @unconventional_Eagle,

    ich denke, ich würde etwas machen, wo ich viel Bewegung habe, und mehr in der Natur draußen sein kann. Den reinen Schreibtischjob würde ich jedenfalls an den Nagel hängen.
  • Ich würde mit Tieren was machen. Ein Hof für benachteiligte und kranke Tiere schwebt mir vor. Ich würde diese Wesen so mit Liebe überschütten.....und ihnen ein schönes weiteres Leben ermöglichen. Jeden Tag denke ich daran, jedes Tier wird von mir auf der Straße angesprochen, was da grad so rumlungert......
  • edited November 2020
    @unconventional_Eagle: Zum Ausdruck "für etwas brennen": Ich weiß, was Du damit meinst, aber in meinem Leben hat sich gezeigt, dass man ganz schnell ausbrennen kann, wenn man für etwas brennt - weshalb ich mich definitiv heute ganz bewusst lieber "für etwas begeistere" ...
    Ich mache immer noch etwas, das mir grundsätzlich viel Sinn gibt, allerdings sind die Rahmenbedingungen ein unmenschlicher Wahnsinn ...
    Ich möchte im sozialen Bereich bleiben, jedoch unter verbesserten Möglichkeiten - im Hinblick auf Zeit, Wertschätzung, realistische Vorgaben und auch in finanzieller Hinsicht ...
    Als Ausgleich dazu werde ich auch noch in selbstständiger Hinsicht arbeiten, wo ich alles, was mir Freude macht, einbringen kann (das ist eine Vision, die ich hege und pflege :-))
  • @Nethi,

    gib mir Bescheid, wenn der Hof fertig ist, vielleicht brauchst du ja Unterstützung. :-)
  • @Igel 82

    Das mache ich auf jeden Fall, da wird es gut zu tun geben :-)
  • @seelenbilder ...da ist was dran was du schreibst mit für etwas brennen vs. für etwas begeistern. Kann dich gut verstehen.
  • Was gibt euch denn Sinn? ich bin schon seit längerem auf Sinnsuche und habe für mich bis jetzt herausgefunden, dass mir Tätigkeiten Sinn geben, wo ich mich selbst weiter entwickeln kann, wo ich etwas lerne (gerne täglich) und wo ich auch gleichzeitig anderen weiter helfen kann. Austausch, Lebensgeschichten und persönliche Weiterentwicklung sind für mich ganz wichtig. Wie schaut es da bei euch aus?
  • zu meiner Frage ... beruflich machen was ihr wollt ... meine Antwort wäre folgendermaßen: Ich würde am liebsten sofort kündigen, ein bedingungsloses Einkommen beziehen und all die Dinge tun, auf die ich immer schon Lust hatte ... Reisen, Mal/Bastelkurse machen, Sprachen lernen, Leute beobachten ... alles ohne Druck und ganz entspannt. Ich denke, dass ich da über so viele spannende Projekte stolpern würde, dass ich mir gar keine Sorgen mache, dass mir langweilig wird. Ich konnte mich immer gut selbst beschäftigen ;-)
  • >ich bin schon seit längerem auf Sinnsuche und habe für mich bis jetzt herausgefunden, dass mir Tätigkeiten Sinn geben, wo ich mich selbst weiter entwickeln kann, wo ich etwas lerne (gerne täglich) und wo ich auch gleichzeitig anderen weiter helfen kann. Austausch, Lebensgeschichten und persönliche Weiterentwicklung sind für mich ganz wichtig. Wie schaut es da bei euch aus?<
    @unconventional_Eagle,
    ich glaube, dass Deine Frage von vielen thematisch genau so beantwortet werden kann.
    Wenn man sich für etwas beGEISTern kann, dann wird unser Horizont erweitert - auf so vielen Ebenen und sicherlich auch auf den von Dir erwähnten!

    Das bedingungslose Einkommen wird ja in vielen Ländern immer wieder diskutiert und manche liberale Parteien haben es bereits zum Thema gemacht. Ich denke, es wird allerdings noch eine Zeit dauern, bis es tatsächlich vielleicht als "Versuch" umgesetzt wird.
  • Danke @enjoythesilence, ich habe zu diesem Thema meine Einstellung gründlich überdacht und stehe der Idee des Grundeinkommes inzwischen offen gegenüber.
  • Ich habe mir irgendwann meinen eigenen Job geschaffen. Doch bis ich mich getraut habe in die Selbstständigkeit, verging so einige Zeit...

    Wir denken stets, wir müssten dies und das tun. Weil es unser Umfeld auch so macht. Weil unsere Familie es sagt. Weil es anerkannt ist. Weil wir es bisher auch immer so getan haben. Weil, weil, weil...

    Hätte ich mir vor 6 Jahren zugetraut, was ich heute alles mache? Seminare, Beratung, alles mögliche. Nie und nimmer! Der Sinn kam bei mir also Schritt für Schritt: Dinge ausprobieren. Mir zugestehen, was ich NICHT kann und was ich NICHT möchte. Und Vieles mehr...
  • Für mich gab es nach einem langjährigen Angestelltenverhältnis nur eine Wahl mit der ich persönlich WIRKLICH gut leben kann: Selbständigkeit.

    Nur so kann ich ein Maß an Unabhängigkeit, Freiraum und Umfeld schaffen wie es gut zu mir passt.

    Es wäre sehr schwer für einen Arbeitgeben mir all das so zu bieten wie es ich optimalerweise für mich benötige.

    Ich bin aktuell mit dem was ich tue sehr sehr zufrieden.
  • Der Gedanke, beruflich freischaffend zu sein, lässt mich auch nicht los!
    Eine gewisse Selbstständigkeit darf sowieso in keinem Beruf fehlen, vor allem auch, wenn es ums Mitdenken geht. Immer nur mechanisch Anweisungen zu folgen, funktioniert schon lange nicht mehr. Die Art und Weise, wie man mitdenkt, sollte allerdings gut gewählt sein! Vor allem auch die Sprachmelodie :-)
  • Auch von mir ein kleiner Beitrag zum „Überleben im Beruf/Job“. Ich halte es überwiegend genauso wie @enjoythesilence. Ich mache meine Arbeit und versuche nicht, die Arbeitskollegen zu meinen Freunden zu machen. Gemeinsame Arbeit und Freundschaft mit denselben Menschen verträgt sich nach meiner Erfahrung nicht gut. Ich erzähle auch kaum etwas von mir und beteilige mich ungern an Gesprächen über andere; es ist einfach viel zu oft so wie die stille Post, dass Sachverhalte irgendwann an irgendeiner anderen Stelle völlig verzerrt wiedergegeben werden und sogar schädlich für denjenigen werden können, der ursprünglich etwas von sich preisgegeben hat. Ich mag das Verfälschen von Informationen zu Ungunsten anderer überhaupt nicht.

    Zu der Frage von Unconventional_Eagle „was würdest du machen wollen, wenn du es könntest, wofür brennst du?“: Ich würde etwas mit Kultur und Bewahrung alten Wissens machen wollen, sei es altes Kräuterwissen, seien es alte Mythen und Märchen unserer Kultur oder so genannter „Volksaberglaube“, von dem kaum noch jemand etwas weiß. Auch ich (noch) nicht, ehrlich gesagt. Aber das macht es auch so spannend. Am liebsten zusammen mit viel Bewegung in der Natur und mit Tieren und gern auch mit Menschen, die gleich schwingen wie ich.
  • edited Dezember 2020
    @Flordelis,
    zum Thema "Stille Post" habe ich an anderer Stelle ebenfalls schon vermerkt, dass ich solche Verhaltensweisen ebenfalls nicht nachvollziehen kann. Ich erhoffe mir einfach immer noch, dass sich Menschen, die im Berufsleben stehen, erwachsen verhalten. Ich bevorzuge eine bewusste Kommunikation und wenn man dieser mächtig ist - der Adressat auch -, dann kann sehr viel angesprochen werden, ohne dass sich der andere angegriffen fühlt.
    Ich habe übrigens schon oft beobachtet, dass jene, die Ehrlichkeit einfordern, damit im Grunde überhaupt nicht umgehen können. Immer wieder seltsam, vor allem, wenn man schon aufgrund der Position in einem Unternehmen Vorbildwirkung haben sollte.
    Leider wird in Schulungen in Führungsebenen wenig bis nichts investiert, wenn es darum geht, wie man einen pfleglichen Umgang mit MitarbeiterInnen bzw. in einem Team zustandebringen kann. Man kann von Glück sprechen, wenn Vorgesetzte eine Ahnung von der fachlichen Materie haben, und wenn sie MitarbeiterInnen auch noch führen können, dann ist das wie ein Lottosechser!
  • @seelenbilder: Ich denke, das mit der "stillen Post" hat auch etwas mit "nicht richtig zuhören können" zu tun. Und ja, es ist erstaunlich, wie viele Menschen nicht richtig zuhören, auch im Beruf! Erwachsenes Verhalten ist übrigens überhaupt nicht vom biologischen Alter abhängig :-)

    Zur Ehrlichkeit, die von manchen Menschen eingefordert wird: Ehrlichkeit ist mit gewissen Risiken verbunden. Ich selber habe erlebt, dass mir meine Ehrlichkeit zum Nachteil wurde und ich dadurch einmal meinen Job verloren und ein anderes Mal gemobbt wurde. Ehrlichkeit leben ist das eine, Ehrlichkeit annehmen zu können, das andere. Es erfordert Reife, Ehrlichkeit bzw. Kritik annehmen zu können, auch wenn sie wohlwollend und keinesfalls wie ein Vorwurf transportiert wird. Ich denke, es hängt zum Teil auch von unserer Gesellschaft ab, und wie sie sich u.a. nach den letzten beiden Kriegen entwickelt hat. Es wird seit Jahrzehnten viel Wert darauf gelegt, "den guten Schein" zu wahren, die "Contenance zu bewahren", auch wenn hinter der Fassade ein regelrechter Krieg tobt. Der "gute Schein" als Schutzwall, um sich vor Verletzungen zu schützen oder um möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Wenn dann jemand "daherkommt", ehrlich ist und Mißstände anspricht, ist das, als würde man diesen Schutzwall niederreißen. Manche Menschen fangen dann regelrecht an, wie gequälte Tiere um sich zu beißen. Ich muss akzeptieren, dass es Menschen gibt, teilweise sogar recht viele Menschen, die mit Ehrlichkeit bzw. Kritik nicht umgehen können. Ich habe es ausprobiert mit der Frage "möchtest du meine Antwort in der Wohlfühl-Version, oder möchtest du die 'harten Fakten'?" Das hat recht gut funktioniert, da mein Gegenüber so die Möglichkeit hat, eine Wahl zu treffen, was er/sie hören möchte.

    Zu den Führungskräften, die kaum bis nicht darin geschult werden, wie sie einen pfleglichen Umgang mit den Mitarbeitern umsetzen können: Für mich sind Menschen, die sich dem Stress aussetzen, als Führungskraft zu arbeiten, bedauernswerte Mitmenschen, gerade in der heutigen Zeit. Sie werden regelrecht verheizt, sitzen immer zwischen mindestens zwei Stühlen (sie müssen der Geschäftsführung Rede und Antwort stehen sowie "Zahlen liefern" und sich die Unzufriedenheiten der Mitarbeiter anhören), und bekommen zwar ein angemessenes Gehalt, haben aber wenig Lebenszeit, dieses Gehalt auch auszugeben wegen der ganzen Überstunden, die sie leisten müssen. Wie sollen sie es da noch schaffen, herzlich und menschlich mit ihren Mitarbeitern umzugehen, wenn sie selbst so etwas von ihren eigenen Vorgesetzten nicht erfahren?

    Ich würde nicht tauschen wollen - es sei denn, ich wäre irgendwann meine eigene Chefin und hätte hierarchisch niemanden mehr über mir.

    Ich kann das, was ich von den Führungskräften - also z.B. Wertschätzung - nicht bekomme, mir sehr gut durch meine Arbeit selber geben. Ich weiß, was ich leiste, und da ich beratend tätig bin, kommt es recht häufig vor, dass ich ein Dankeschön meiner Klienten ausgesprochen bekomme; manchmal ist es auch nur ein erleichterter Blick und ein leichtes Aufseufzen, das ich geschenkt bekomme. Ich spüre, dass ich helfen konnte.

    Das ist für mich tausendmal mehr wert als "warme Worte" der Führungskräfte.
  • @Flordelis,
    ganz klar ist die Rolle der Führungskraft immer mit besonderen Herausforderungen verbunden und ich habe schon solche Führungskräfte erlebt, die einen Lottosechser bedeutet haben.
    Diese Menschen waren mit einer natürlichen Autorität versehen, konnten Privates und Dienstliches gut auseinanderhalten und waren trotzdem immer auch Mensch.

    Was Dein Hinterfragen und die historische Herleitung von Ehrlichkeit und den Umgang damit betrifft, kann ich Dir absolut folgen, eine sehr interessante Aufarbeitung dieses umfangreichen Kapitels.
    Deine Fragestellung ist auch sehr aufschlussreich, Stw. Wohlfühl-Version, harte Fakten.
    Es gibt auch genügend Führungskräfte, die weniger Zahlen liefern müssen, als Vorbild in einem sozialen Kontext zu sein. Hier ist die Ausfallquote jener, die keine soziale Intelligenz besitzen, besonders krass.

    Und auch in einem anderen Punkt stimme ich mit Dir überein, erwachsenes Verhalten hat nicht immer mit biologischem Alter zu tun ...

    Was meine Erfahrungen mit Mobbing betrifft, hier habe ich auch viel dazugelernt. Und vor allem auch die Erkenntnis gewonnen, dass ehemals Gemobbte nicht immer Mitgefühl und Solidarität zeigen, sondern durch ihre so schmerzhafte Erfahrung manchmal durchaus auch selbst zu drastischen Mobbern werden können. In der fatalen Hoffnung, niemals selbst mehr Opfer zu werden - was eine drastische Fehleinschätzung sein kann ...
  • Ich steige auch mal in die Diskussion. Ich habe meine Ausbildung im handwerklichen Bereich gemacht mit Montage. Da herrscht ein rauer Umgangston und wenn du nicht feierst und Alkohol trinkst dann bist du direkt ein Alien. Ich wurde unter anderem deswegen auch sehr gemobbt aber ich habe mich bis zum Ende die Zähne zusammengebissen.
    Jetzt bin ich in einem großen Industriebetrieb wo ich die Pause mal mit Kollegen und mal ohne verbringe. Je nachdem wie wir Pause haben. Mit denen komme ich gut klar aber der Job ist eintönig und füllt mich nicht aus.
  • Hallo Ben_Kylo, wäre denn ein Job, der Dich total ausfüllt, aber Du mit Deinen Kollegen nicht so klarkommst, die bessere Version für Dich?

    Ist für mich auch nicht erstrebenswert.

    Das Rundum-Paket ist die ideale Lösung, aber das gibt es ja eigentlich eher weniger.

    Ich dachte bisher ja immer, ich bin ein total pflegeleichter Fall, aber es scheint ja doch nicht so zu sein....
  • Ich stelle die Frage in den Raum, wie es Euch damit geht, wenn Ihr wiederholt erlebt, dass echter Zusammenhalt unter Kollegen einfach nicht möglich ist - auch, wenn er nach außen hin fälschlicherweise auf die Fahnen geheftet wird:
    Wenn sich der eine freut, weil der andere in Ungnade fällt; wenn Unterstützung vorenthalten wird, weil man einen menschlichen Konflikt mit einer Person nicht anders lösen kann oder möchte als durch ein Schulterzucken - in einem Klima, in dem echte und auf Empathie basierende Verständigung einfach nicht wahrhaftig erwünscht ist.

    Ich habe wirklich den starken Eindruck, dass es Leute gibt, die ohne die gewisse tägliche Dosis "Skandal" nicht sein können und deswegen so wahnsinnig gerne am Tratschen sind - nicht, weil es um einen notwendigen Informationsfluss geht, der aufrecht erhalten werden muss, sondern, weil es Spaß macht, Gerüchte über andere zu verbreiten oder andere bei Ranghöheren anzupatzen - auch, um von sich selbst abzulenken.

    Ich mache auch immer wieder die Erfahrung, dass es nichts bringt, andere Lösungen einzu"fordern".

    Ich bin immer wieder aufs Neue überrascht, wie selten es ist, dass Menschen den Vorteil von einem Betriebsklima, das von echtem Kooperationsgeist geprägt ist, erkennen. Mir fällt auch auf, dass viele Vorgesetzte in Wahrheit keine Ahnung davon haben, wie man mit Vorbildwirkung vorangeht. Das höre ich von rundherum.
  • Um deine Frage zu beantworten liebe @seelenbilder
    "wie es Euch damit geht, wenn Ihr wiederholt erlebt, dass echter Zusammenhalt unter Kollegen einfach nicht möglich ist"

    Es geht mir schlecht damit. Und ich neige da (inzwischen) auch sehr zu starkem Rückzug. Um mich letztendlich zu schützen und nicht noch mehr kaputt zu machen.

    Es ist für mich mühsam, für einen Zusammenhalt zu arbeiten, den andere dann wieder boykottieren und obwohl ich mich für einen geduldigen, wie beharrlichen Menschen halte, irgendwann ist auch meine Geduld am Ende und ich muß sehen, wo ich bleibe.

    Wobei ich zeitweise auch glaube, sie meinen es nicht so, wie es bei mir ankommt, wenn etwas gesagt wird, das mich im Glauben zurücklässt, die Kollegen werden gegenseitig ausgespielt, indem man dem einen dies und dem anderen das erzählt.

    Ich lerne in diesem Team, endlich nach mir zuallererst zu schauen.
    Was ein wenig meiner Persönlichkeit entgegen steht, (auch) für andere zu sorgen mit der Intension, dass es meinem Umfeld gut geht. Denn in einem zufriedenen Umfeld fühle ich mich witzigerweise auch wohler ;)

    "Mir fällt auch auf, dass viele Vorgesetzte in Wahrheit keine Ahnung davon haben, wie man mit Vorbildwirkung vorangeht. "

    Hier liegt meiner Ansicht nach das Hauptproblem.

    Wenn Vorgesetzte überhaupt geschult werden in Mitarbeiterführung, dann habe ich den Eindruck, geschieht dies mehr im Interesse des Unternehmens, als im Interesse der Mitarbeiter.

    Es sollte auch noch besser darauf geachtet werden, wen man einem TEAM (kurz für "toll ein Anderer machts" ;) voranstellt.

    Es gibt so viele ungeeignete Menschen für den Chefposten..

    Aber gut, weder könnte ich von meiner Ausbildung her diesen Posten bekleiden, noch wollte ich ehrlich gesagt die Verantwortung schultern und für all die administrativen Arbeiten zuständig sein.

    Aber vielleicht wäre auch dies eine Frage einer vernünftigen Aufteilung an der Führungsspitze und im Team.

    Hat deine Frage an uns einen aktuellen Bezug und magst du erzählen?
  • Vielen Dank für Deine Antworten, liebe @enjoythesilence,
    ja, definitiv ist der Bezug aktuell - wie auch nicht, weil dieses Klima allgegenwärtig ist. Deshalb sind auch schon Herrschaften ganz bewusst von Bord gegangen, weil sie die Möglichkeit gefunden haben.

    Leider kann ich aus meiner Kenntnis der Tatsachen nicht behaupten, dass bei mir etwas falsch ankommen könnte. Das ganze geht sehr tief und es ist eindeutig, dass hier agiert wird, um anderen zu schaden - und den Spotlight von sich wegzudrehen oder fernzuhalten.

    Es haben schon mehrere definiert, dass sie wissen, wie es läuft und es haben einige perfide Strategien: Die wichtigste dieser Stratgien ist, alles dorthin zu tragen, wo man Schaden anrichten kann - sogar im Wissen, dass sich der Wind schnell wieder drehen kann, und sich auch (wieder) gegen einen selbst richten kann.

    Die Definition von TEAM kenne ich - und unterschreibe ich in vielen Fällen.

    Es ist auch noch nicht angekommen, dass es definitiv einen Mobbingfaktor darstellt, wenn (unwahre) Gerüchte über andere verbreitet werden - dazu gab es auch schon Schulungen, sie fruchten nicht ... Es fehlt auch die Vorbildhaltung!
  • edited März 6
    Das tut mir leid, dass bei deiner Arbeitsstelle so ein vergiftetes Klima herrscht, @seelenbilder. Ich kann immer nicht nachvollziehen, warum es überhaupt so weit kommen muss. Ich finde, man muss sich im Team ja nicht unbedingt lieb haben, aber man kann sich auch bei Antipathie respektvoll und sachlich begegnen.

    Bei meinen bisherigen Arbeitsstellen habe ich da bisher insgesamt Glück gehabt. Auch wenn ich nicht immer in absoluten Dreamteams gearbeitet habe, so war der Umgang untereinander bei den meisten Jobs doch gut und ist es aktuell auch.
    Dennoch habe ich auch schon mal die Erfahrung eines vergifteten Arbeitsklimas gemacht. Das hat mich sehr belastet, weil ich sehr harmoniebedürftig bin und so einen dauerhaften, auf Zickigkeiten beruhenden Konflikt, von dem ich noch nicht mal weiß, warum es ihn überhaupt geben muss, nicht aushalten kann. Ich halte es dann auch so, dass ich mich zurückziehe, eine große imaginäre Mauer um mich herum baue und einfach meinen Job mache. Zweimal war ich schon in Situationen, die so unhaltbar für mich waren, dass ich mir einen anderen Job gesucht habe. Wobei dabei natürlich die Gefahr besteht, dass es beim nächsten Job auch wieder so oder sogar noch schlimmer sein kann, das kann man ja vorher nie wissen. Aber wie erwähnt, habe ich insgesamt meistens Glück gehabt und bin im Moment auch zufrieden.

    @enjoythesilence schrieb:
    "Wenn Vorgesetzte überhaupt geschult werden in Mitarbeiterführung, dann habe ich den Eindruck, geschieht dies mehr im Interesse des Unternehmens, als im Interesse der Mitarbeiter."
    Das empfinde ich genau so. Ich habe schon viele Leitungskräfte erlebt und nur wenige davon als wirklich fähig empfunden, was Mitarbeiterfürsorge angeht. Mal ganz abgesehen von denjenigen, die ein Problem mit ihrem Ego haben und mit Macht und Ängsten von Mitarbeitern spielen.
    Ich selbst war auch schon mal Chef, ohne Schulung oder dergleichen. Das ist nun schon über zehn Jahre her und war auch nur für ein halbes Jahr, da ich kurz vor Ende der Probezeit wieder gekündigt hatte, um da schnell wieder rauszukommen. Ich hatte mich dem von mir geleiteten Team zugehörig gefühlt. Allerdings hatte ich noch eine Abteilungsleitung und die Geschäftsführung über mir, die mir aufgetragen hatten, was ich in meinem Team durchzusetzen hatte, und damit war ich nicht immer einverstanden. Ich sollte dann meinem Team Maßnahmen aufdrücken, hinter denen ich selbst nicht gestanden hatte. Auch wenn das nur eine kurze Zeit war und schon viele Jahre zurückliegt, in denen ich mich persönlich weiterentwickelt habe, bin ich seitdem bis heute lieber nur ein kleines Rädchen und möchte auf keinen Fall eine Leitungsposition.

    Jedenfalls ist ein gutes (= mindestens respektvolles, bestenfalls harmonisches) Arbeitsklima die Grundlage dafür, dass ich gerne zur Arbeit gehe.
  • Vielen Dank für Deinen weitreichenden Kommentar, @Herbstbube.
    Ja, man kann sich auf jeden Fall sachlich begegnen. Mehr Sachlichkeit als Emotionalität wäre sowieso oft weitaus zielführender.

    Führen mit Empatie ist wichtig - ich bin mir nicht sicher, inwieweit so etwas überhaupt erlernbar ist. Empathie ist eine Fähigkeit, die wohl schon grundlegend vorhanden sein muss, um gestärkt werden zu können.

    Ich habe bislang nur ganz wenige Führungskräfte erlebt, die so authentisch, fachlich kompetent und menschlich stabil waren, dass die von Dir erwähnten Machtspielchen nicht notwendig waren.
    Vor allem dann, wenn darüber noch weitere Führungsebenen angesiedelt sind, verhalten sich Teamleiter oftmals infolge ihrer eigenen Ängste so, dass sie Druck nach "unten" machen bzw. weitergeben oder eben Macht demonstrieren wollen, die sie im Grunde so ja gar nicht haben.
    Als am schlimmsten empfinde ich, wenn ein Mitarbeiter angepatzt wird, ohne selbst gehört zu werden. Genauso, wie es nicht geht, dass man nicht hinterfragt, wenn (von allen) Stimmung gegen jemanden gemacht wird. Denn:
    "Wo alle verurteilen, da muss man prüfen.
    Wo alle loben, auch." (Konfuzius)

    Schwierig finde ich auch Supervisionen. Hier habe ich definitiv schon erlebt, dass die Stimmung danach noch schlechter war. Nicht, weil der Supervisor seine Arbeit nicht gut gemacht hätte. Sondern deshalb, weil - sofern überhaupt tiefgreifende Ehrlichkeit ein Thema war - danach nur wenige mit diesen Offenheiten leben konnten.
    Besonders interessant empfinde ich die Frage an einen Chef, ob er denn glaube, dass sich Mitarbeiter ehrlich verhalten würden.

    Zeitgemäß ist ein Führen, das auf Angsterzeugung und Macht aufbaut, sowieso nicht mehr - immer klarer wird Einsichtsfähigen, dass Menschen, die als Team kooperieren, bessere Ergebnisse zustandebringen, als solche, die sich konkurrenzieren, denn hier entweicht wirklich viel Energie, die sich oft nur auf Wahnsinn konzentriert.

    Viele spannende Ansätze habe ich bei Carsten Bach gefunden, zum Beispiel:
    "Liebe Chefs, wenn Ihre Mitarbeiter Sie entlassen könnten, meinen Sie, Sie wären dann noch da?"
    "Eine Masterfrage für alle Chefs: Würden Sie bei sich selbst gerne Mitarbeiter sein wollen?"
  • @seelenbilder:
    Ich finde, dieses Thema ist noch viel weitreichender und auch sehr interessant. Ich habe schon extra versucht, mich kurz zu halten, um nicht zu sehr auszuschweifen.

    Ich bin ganz deiner Meinung.
    Was Sachlichkeit und Emotionalität angeht, reagiert im Job sicher jeder Mensch individuell. Früher war ich auch eher auf der emotionalen Ebene, habe mir Gemecker von Kunden/Klienten zu Herzen genommen, und es war mir vor allem wichtig, ein gutes persönliches Verhältnis zu den Teammitgliedern zu haben. Heute bin ich da schon viel abgeklärter, kann damit leben, wenn mich Kunden doof finden (es ist ja auch nur der Job) und finde es sogar gut, mit den Kollegen eher sachlich zu agieren und auf emotionaler Ebene eine gewisse Distanz zu wahren.

    Es kommt ja auch immer auf die Team- und Unternehmensstruktur an. In einem größeren Team finde ich es nicht so dramatisch, wenn ich mich mit einer Person nicht gut verstehe, weil es dann noch andere gibt, an die ich mich halten kann. In einem kleinen Team dagegen finde ich es umso wichtiger, gut miteinander auszukommen.
    Das lässt sich auch übertragen auf Leitungskräfte. Je mehr Hierarchieebenen es gibt, umso verworrener und schwieriger wird es. Und umso weniger Bedeutung und Macht haben die Leitungskräfte, die in der Hierarchie weiter unten sind, auch wenn sie so tun, als hätten sie was zu sagen, weil sie Chefs sind. Denn letztlich geben sie dann nur den Druck weiter, den sie selbst bekommen. Einfache Entscheidungen scheitern in einem Dschungel von Bürokratie. Und Entscheidungen werden von Leuten getroffen, die irgendwo isoliert in einer Chefetage sitzen und keinerlei praktischen Bezug mehr zur Basisarbeit haben, geschweige denn die Standorte überhaupt von innen kennen. Habe ich alles erlebt.
    Und dann habe ich auch kleine Familienunternehmen kennengelernt, in denen es so gut wie keine Hierarchieebenen gibt (zumindest nicht mehrere, sondern nur Chef und Mitarbeiter) und der Chef auch Teammitglied ist und an der Basis mitarbeitet. Das ist schon etwas ganz anderes, in positiver Hinsicht.
    Natürlich sind das nur meine subjektiven Erfahrungen. Und natürlich gibt es sicher auch große Unternehmen, in denen es effektiv und harmonisch zugeht und kleine Unternehmen, in denen das Gegenteil der Fall ist. Das lässt sich meiner Meinung nach nicht so pauschal sagen, und deshalb ist es ein sehr komplexes Thema.

    Ich habe einige der Bücher von Martin Wehrle gelesen. Ich bin nicht unbedingt ein Fan von ihm, finde einige seiner Ansätze aber interessant. Er betont auch immer wieder, dass Führungskräfte oft den Fehler machen, hinter verschlossenen Türen Entscheidungen zu treffen, ohne die „einfachen“ Mitarbeiter von der Basis einzubeziehen, wobei sie gerade von denen viel bessere Tipps bekommen können als von teuer eingekauften Unternehmensberatern. Stattdessen werden aber lieber welt- und praxisfremde Maßnahmen übergestülpt, was dann wieder zu Frust und einem schlechten Betriebsklima beitragen kann.

    Von Carsten Bach habe ich bisher noch nie etwas gehört und weiß auch gar nicht, wer das ist. Ich werde mich damit aber mal beschäftigen, denn die von dir zitierten Denkansätze finde ich sehr gut und machen mich neugierig darauf, wer Carsten Bach ist.
  • @Herbstbube,
    vielen Dank! Ich habe mit Genuss in Deinen Zeilen gelesen, weil sich unsere Erfahrungen sehr ähneln und es doch keine für alle Fälle geltenden Ansichten oder Patentrezepte gibt und auch nicht geben kann.
    In erster Linie sind Chefs Menschen - mit vielleicht oft weitaus größeren Unsicherheiten, als wir uns diese überhaupt vorstellen.

    Ich habe einmal ein kleines Unternehmen mit wenigen Hierarchien erlebt, wo es nicht gut lief, weil der Chef ein verkannter Misanthrop mit scheinheiligem Gesicht war. Wir hatten nur dann was zu lachen, wenn er uns mit seiner Abwesenheit beglückt hat. Ansonst lief es vordergründig freundlich, doch jeder wusste ganz genau, dass er ständig auf der Abschussliste landen könnte. Ein menschlich verkommener Typ. Das hat er in unzähligen Situationen bewiesen.

    Ich habe in großen Unternehmen gearbeitet, mit mehreren tausend Mitarbeitern, auch dort miese Gesellen in den Vorstandsetagen. Von daher konnte man auch hinsichtlich einiger Gewerkschafter einen schlechten Eindruck gewinnen. Auch nicht wenige Machtmenschen getroffen in diesem Zusammenhang.

    Man wird ja nicht als Chef geboren. Man wird als Mensch geboren und ist ein Produkt von Erziehung, geistigen Horizonten oder Offenheiten, Erfahrungen, Ausbildungen, Charakter usw.

    Die wenigen positiven Personen, die ich in höheren oder hohen Positionen erlebt habe, waren Menschen mit Bodenhaftung, mit philosophischem Gedankengut, mit Selbstreflektiertheit, mit dem Willen, Mitarbeiter nach ihren Kenntnissen und Ressourcen einzusetzen und diese auch wachsen zu lassen. (Das Wachsenlassen ist etwas, mit dem auch viele Chefitäten ihre Schwierigkeiten haben. Tüchtige Mitarbeiter werden durchaus auch als Konkurrenz empfunden.)
    Es waren Persönlichkeiten, die keine Angst davor hatten, auch einmal etwas zu sagen, was unangenehm war, aber es wurde auf den Tisch gelegt. Es waren aber auch Herrschaften, wo gefeiert wurde, wenn es etwas zu feiern gab: Ein Erfolg wurde mit allen geteilt, auch mit der Reinigungsfrau.

    Ich habe Carsten Bach zufällig gegoogelt. Ich habe einfach nach Zitaten gesucht und bin dann auch auf seiner Seite gelandet. Kommt von der praktischen Seite, das gefällt mir schon mal gut.
  • @seelenbilder

    Genau das denke ich auch, dass es kein allgemeingültiges Rezept gibt, weil eben so viele verschiedene Faktoren mit reinspielen können und die eine Firma sich extrem von der anderen unterscheiden kann.

    Du hast natürlich völlig recht damit, dass Chefs auch nur Menschen sind. Ich wollte mit meinen Äußerungen auch gar nicht Führungskräfte an sich kritisieren, sondern in erster Linie die beschriebenen Strukturen. Chefs sind ja oft auch nur Angestellte und können es sich dann nicht aussuchen, dass sie – wie ich es formuliert habe – möglicherweise isoliert irgendwo in der Chefetage sitzen und von der Arbeit an der Basis nichts mitkriegen, aber darüber entscheiden sollen. Denn das sind ja oft einfach die Gegebenheiten der Unternehmensstruktur. Vielleicht findet die eine oder andere Leitungskraft das auch gar nicht so toll, arrangiert sich aber damit, weil das eben so ist.
    Das ist in meinem Job auch so, dass ich nicht alles toll finde. Mit den Gegebenheiten, die vorgegeben sind und die ich nicht ändern kann, muss ich mich eben arrangieren oder mir einen anderen Job suchen, bei dem dann aber sicher auch nicht alles perfekt ist … irgendwas ist ja immer. Aber es muss ja auch nicht alles perfekt sein, entscheidend ist das Gesamtpaket.

    Machtmenschen habe ich auch schon so einige kennenlernen „dürfen“, aber auch die von dir beschriebenen positiven Charaktere. Letztere allerdings auch nur selten, aber es gibt sie tatsächlich.

    Ich habe gesehen, dass Carsten Bach eine Homepage hat und werde mir die mal in den nächsten Tagen genauer ansehen. Jetzt ruft erst mal mein Bettchen.

    Wie wirst du nun mit der Situation in deinem Arbeitsteam weiter verfahren? Du hast geschrieben, dass es bisher nichts gebracht hat, die Situation anzusprechen. Also kannst du ja letztlich nur dein eigenes Verhalten oder deine Einstellung ändern. Hast du schon eine Idee, wie du besser damit umgehen kannst, dass es dich nicht so sehr belastet?
  • Um Deine Fragen zu beantworten, @Herbstbube:
    Meinen Weg beibehalten, denn ich habe bereits vieles verändert, und darauf achten, mich möglichst wenig mit Persönlichem, das eben auch einfließt, zu konfrontieren. Der Arbeit nachgehen, im Wissen um die "Gezeiten": Ich kann nicht behaupten, dass auf diverse Täler luftige Höhen folgen, aber doch Passagen, wo ich mir denke: Okay, es geht, wenn ich dies und jenes beachte.
Sign In or Register to comment.