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Fernbeziehungspartner will aufgrund aktueller Corona-Situation im November keine Treffen

Liebe Alle, vor knapp einem Jahr schrieb ich schon einmal hier. Da hatte ich noch einen anderen Partner und eher gegenteilige Probleme, nämlich dass ich als sehr introvertierte Person das Gefühl hatte, zu wenig Zeit für mich allein zu haben. Diese Situation hat sich grundlegend geändert denn ich habe zwischenzeitlich seit ca. einem halben Jahr einen anderen Partner, ebenfalls sehr introvertiert, deswegen passt es und er geht mir nie auf den Keks. Wir sehen uns entfernungsbedingt, ca. 500 km alle zwei Wochenenden. Bis jetzt. Nun will er aufgrund der aktuellen Corona-Zahlen und den Maßnahmen der Bundesregierung zunächst für den November keine weiteren Treffen mehr. Mich macht das sehr unglücklich, zumal ich das letzte Mal noch für zwei Wochen bei ihm war und damit auch in eine Hauptrisikostadt gereist bin (zu dem Zeitpunkt war es noch nicht deutschlandweit). Ich rechne ehrlich gesagt nicht damit, dass der Teil-Lockdown nur einen Monat anhält sondern eher mit einer Verschärfung der Maßnahmen und würde ihn lieber noch treffen, so lange es überhaupt noch erlaubt ist. Er denkt tatsächlich, das bliebe eine einmonatige Angelegenheit. Wir haben beide einen sehr stressigen Alltag mit Vollzeitstellen und ich bin alleinerziehende Mutter zweier Kinder. Wir haben also nur diese jede 2. Wochenende und stressbedingt reduzierten Kontakt dazwischen. Er hat mir in dem letzten halben Jahr schon so oft gesagt, dass er mich liebe. Aber jetzt fühlt es sich für mich an als seien das nur Worte. Ich weiß, ich habe kein Recht dazu aber ich fühle mich so im Stich gelassen. Er wirft mir Egoismus und Egozentrik vor, sich in der aktuellen Situation treffen zu wollen. Ich kann das nicht mal abstreiten. Ich fühl mich gerade wie ein verzogenes Kleinkind in der Situation und kann trotzdem weder rational noch vernünftig reagieren. Ist ggf. jemand gerade in einer ähnlichen Situation? LG, Kassandra

Kommentare

  • Liebe Kassandra,
    ich glaube, diese Zeit ist derart speziell, dass es tatsächlich unzählige Strategien gibt, wie Menschen damit umgehen.
    Deine Situation kenne ich in meinem Leben so nicht, auch, wenn ich mich selbst beim 1. Lockdown wochenlang selbst in Quarantäne begeben habe, weil ich es für notwendig hielt.
    Jetzt gehe ich gelassener damit um, obwohl die Umstände sicher viel dramatischer sind als im Frühjahr. Ich kann also durchaus nachvollziehen, dass viele Leute Eigenheiten entwickeln, die man sich selbst nicht erklären kann.

    Ich befürchte, Du bist nicht die Einzige, die vor vielen Fragezeichen steht. Es ist auch sehr schwierig, in einen anderen Menschen hineinzuschauen! Ich glaube, im Moment ist es besonders wichtig, bei sich zu bleiben, auf sich zu achten. Die eigene Mitte zu suchen und sie möglichst zu halten, sonst werden die nächsten Monate besonders aufreibend.
    Und dabei gibt es wohl unzählige individuelle Lösungswege, auch, wenn wir manche nicht nachvollziehen können und dadurch wohl auch im Beziehungsleben Spannungen entstehen und Verletzungen passieren.

    Alles Liebe & Gute,
    Seelenbilder
  • PS: Ich glaube, die Menschen, die sich an die vorgegebenen (Abstands-)Regeln halten, tun dies nicht nur, weil es eben wichtig ist, sondern manche tun es sehr wahrscheinlich auch, weil sie darin eine gewisse Struktur und dadurch Sicherheit erleben.
  • @Seelenbilder
    Ich danke Dir sehr für Deine Antwort. Ich sehe die Situation auch inzwischen etwas differenzierter als am Freitag. Da war ich sehr verletzt und bezog es auf mich und empfand eigentlich kaum noch etwas anderes als Wut und Panik. Bei näherem drüber Nachdenken weiß ich ja eigentlich, dass mein Partner Recht hat und man jetzt nicht so egoistisch sein darf. Es gibt so viele Leute, die es jetzt wirklich hart trifft und deren wirtschaftliche Existenz jetzt erneut massiv bedroht wird. Und da jammere ich rum weil ich meinen Partner mal ein paar Wochen nicht sehe ... meine Oma hat meinen Opa kriegsbedingt vier Jahre nicht gesehen und ohne das Wissen, ob man sich überhaupt wiedersieht. Ich weiß, der Vergleich hinkt jetzt vielleicht auch aber es hilft mir doch zusätzlich, mir zu verdeutlichen, dass ich hier auf sehr hohem Niveau gejammert habe. Und doch werde ich meinen Freund in den nächsten Wochen sehr vermissen. Aber das darf ich ja auch. Wie hilfreich es doch manchmal ist, sich die Sachen einfach manchmal von der Seele zu schreiben. Ich stimme Dir zu, es geht jetzt in diesem erneuten Lockdown vorranging darum, wieder in die eigene Mitte zu kommen. Momentan bin ich wohl erstmal hinten runtergekippt. Aber da sitzen wir wohl alle zurzeit wieder mehr oder weniger im gleichen Boot. LG, Kassandra
  • @Kassandra
    Ich mache selbst immer wieder die wohltuende Erfahrung, dass man mindestens eine Nacht über etwas schlafen muss, damit sich Dinge wieder unaufgeregt einordnen lassen. Manches Mal dauert es auch länger, jedenfalls hat es Dir auch gut getan.
    Wenn man sich inmitten eines Gefühlshurrikans befindet, hat man einfach wenig Möglichkeit, um sich in die Schuhe des anderen zu begeben. Und gerade das ist oft sehr wichtig in unseren Beziehungen.

    Wenn man jemanden vermisst - und weiß, dass man ihn wiedersieht! -, dann ist es doch auch ein gutes Zeichen! Völlig anders, wenn man es nicht einschätzen kann, hier tut sich ein riesiges, grauenhaftes Loch vor einem auf!

    Liebe Grüße!
  • @seelenbilder

    "Wenn man jemanden vermisst - und weiß, dass man ihn wiedersieht! -, dann ist es doch auch ein gutes Zeichen! Völlig anders, wenn man es nicht einschätzen kann, hier tut sich ein riesiges, grauenhaftes Loch vor einem auf!"

    Wie wahr!

    Was ich mich frage: wie wurden die 500 km überbrückt?
    Falls mit dem Zug, so darf man es vielleicht auch als fürsorglich sehen, eben dies in der momentanen Situation nicht zumuten zu wollen.

    Eine exakt vergleichbare Situation kenne ich nicht, jedoch habe ich meine Lieben seit dem ersten Lockdown im März nicht mehr gesehen. Kann dir nachfühlen, wie verzweifelt du am Freitag warst und wünsche dir und uns allen Kraft, den Winter gut zu überstehen.

    Enjoythesilence
  • @Seelenbilder
    @Enjoythesilence

    Eure lieben Worte helfen mir sehr. An meiner Impulsivität muss ich auf jeden Fall noch arbeiten. Zwei Nächte drüber zu schlafen hat mir in jedem Falle geholfen, die Dinge besser einordnen zu können. Die 500 km werden mit dem Zug überbrückt. Ja, mein Freund ist ein sehr fürsorglicher Mensch. Er denkt immer zuerst an die anderen und erst zuletzt an sich. Was man von mir nicht gerade behaupten kann. @Enjoythesilence Deine Lieben seit März nicht mehr gesehen zu haben finde ich aber auch echt heftig. Und ein Ende ist ja noch nicht so wirklich abzusehen. Da wünsche ich Dir aber auch viel Kraft, Du! Ich denke wirklich, es ist eine sehr belastende, an den Nerven zehrende Situation für uns alle und da sollte man nicht noch anfangen, anderen Vorwürfe zu machen wie ich es bei meinem Freund getan hatte sondern lieber so gut es eben geht zusammenhalten. LG, Kassandra
  • edited November 2020
    Hallo Kassandra,

    ich sehe es so: Ja, die Pandemie muss man ernst nehmen und ja, die Maßnahmen sind wichtig und richtig, aber ich würde es mir nicht nehmen lassen, meine (aller) allerengsten Freunde bzw. Partner sehen zu können. Aber das ist nur eine Meinung. Dein Freund hat offensichtlich eine andere und das ist auch gut so. Wie du ihn beschreibst, hat er damit ja einen schönen Charakter, den du wahrscheinlich auch sehr an ihm liebst. Und jaaaa, das ist blöd, wenn man einen Charakterzug an jemanden sehr mag und genau dieser Charakterzug sich dann quasi "gegen" einen selber auswirkt. Reden hilft da und versuchen, ihn zu verstehen, aber auch seine eigenen Gefühle und Ängste zum Ausdruck zu bringen. Ich finde nicht, dass du deine Impulsivität zügeln musst. Gut, ich kenne deine Impulsivität nicht, aber Impulsivität ist nicht de facto schlecht. Es kommt nur darauf an, was man daraus macht.

    Übrigens glaube ich, dass dieser Lockdown tatsächlich nur diesen einen Monat dauert, aber wir werden anschließend trotzdem Maßnahmen haben und es ist nicht auszuschließen, dann später auch nochmal (lokale) (Teil-)Lockdowns kommen. Prof. Drosten hat das mit einem LKW verglichen, der den Berg herunter rollt und man nur 8 Sekunden lang bremsen darf. Man bremst am Anfang kurz und dann hin und wieder ein bisschen, damit er nicht aus der Kurve gerät.

    Ach so, und ja, das war damals in Kriegszeiten bestimmt nicht einfach und ja, im Vergleich dazu wirkt es heute wie Jammern auf hohem Niveau. Das sehe ich aber nicht so. Die heutigen Zeiten sind ungemütlich und kräftezehrend und da kann ein Treffen mit einer vertrauten Person viel Kraft spenden, v.a. für eine alleinerziehende in VZ arbeitende Mama mit 2 Kindern. Das ist echt nicht ohne. Man weiß ja noch nicht mal, ob die Schule / Kita überhaupt geöffnet bleibt. Also rede dir bitte nicht ein, dass du jammert, ok? :-)
  • @Bianca
    Ich danke Dir sehr für Deinen lieben Worte. Zurzeit sieht es leider so aus, dass ich die Beziehung zu meinem Freund mit meinem Verhalten am Freitag gegen die Wand gefahren habe weil ich wirklich sehr wütend und unverständlich reagiert habe. Momentan herrscht leider Funkstille zwischen uns weil ich ihn mit dieser brüsken Reaktion darauf doch sehr verletzt habe, was mich jetzt natürlich zusätzlich belastet. Nachvollziehen kann ich es aber. Ob wir uns jetzt überhaupt noch einmal wiedersehen bleibt abzuwarten. Ich wünsche es mir so sehr. LG, Kassandra
  • Darf ich das anmerken?
    Das Verhalten deines Freundes zeugt in meinen Augen nicht gerade von emotionaler Reife. Wie alt ist er?
    In jedem Fall würde ich mir an deiner Stelle gut überlegen, ob du solch ein kindisches Verhalten akzeptieren kannst.
    Grade in einer Krisensituation sollte man doch zusammenhalten, anstatt sich das Leben unnötig schwer zu machen.
  • @enjoythesilence
    Oh, da muss ich wohl was gerade rücken. Die, die sich kindisch verhalten hat, bin einzig und allein ich weil ich am Freitag sagte und das in sehr boshaftem Tonfall "Dann brauchst Du auch gleich überhaupt nicht mehr zu kommen". Alles was er jetzt tut ist, mich lediglich beim Wort zu nehmen. Also diese Grube habe ich mir leider selber geschaufelt.
  • Bitte bitte, @Kassandra, und rede dir auch bitte nicht ein, irgendetwas an die Wand gefahren zu haben. Rede mit deinem Freund, entschuldige dich und sprecht euch aus. Naja, vielleicht lässt auch er sich überreden, dass ihr euch doch mal seht. Ich kenne ihn nicht, würde es mir aber wünschen für dich und euch. Also aufstehen, Krönchen richten und weiter gehen. ;-)
  • @Bianca
    Habe ich zwischenzeitlich getan. Er ist zwar noch ziemlich zerknirscht und auch noch sehr sauer auf mich aber immerhin spricht er wieder mit mir. Überreden werde ich ihn aber nicht sondern seine Entscheidung akzeptieren. Inzwischen denke ich, jeder muss momentan seine eigenen Entscheidungen treffen, wie er mit der aktuellen Corona-Situation umgeht und inwieweit er soziale Kontakte und Wege einschränken will. Ich hätte seine Entscheidung sofort akzeptieren müssen. Aber egal, die Hauptsache ist, dass ich sie jetzt akzeptiere und auch respektiere.
  • @Kassandra,
    ich habe Deine Not auch mitbekommen und freue mich, dass Ihr Euch wieder gesprochen habt.
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