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Vorsichtiges Hallo

Wo fängt man an? Was könnte andere interessieren?
Ich bin Mitte 50, weiblich, berufstätig und stehe mir immer wieder selbst im Weg. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, wie ein privater Telefonanruf, manchmal auch größere Dinge (Job, neue Ziele ..).
Ich war ein schüchternes, ernstes Kind - der Fotograf bei der Einschulung sagte: "Lächelt alle mal", - und ich dachte: "Warum? Das ist eine ernste Sache hier!". Entsprechend sieht das Foto aus.
Ich kam aufs Gymnasium. Es funktionierte ganz gut, mündlich meist schlecht, schriftlich OK. Alle zwei Wochen 4 - 5 Bücher ausleihen, je dicker, desto besser. Lesen wurde auch von meinen Eltern akzeptiert, das Kind macht was sinnvolles. Ich sammelte Mineralien, katalogisierte die kleinen "Schätze" auf Karteikarten, lernte viel über die Bestimmung, Eigenschaften, Kristallsysteme. Meine Eltern fanden auch das schön, schenkten mit das ein oder andere Stück. Ansonsten betrieb ich das Hobby alleine.
In der Oberstufe erkannte ich dann, dass ich lernen muss, vor Menschen zu sprechen. Ich übernahm jedes Referat, das ich kriegen konnte, bereitete mich top vor und konnte so meine meine mündlichen Noten verbessern. In der Klasse 12 überraschte ich schüchterne, schweigsame Menschin dann den Lehrer im Fach Literatur! Wir wollten ein Theaterstück aufführen, ich meldete mich zum "Vorsprechen" und er sagte am Ende nur: "Du musst spielen!" Und ich spielte - die weibliche Hauptrolle. Und begriff immer mehr: in dieser seltsamen, lauten Welt kann man mit verschiedenen "Rollen" ganz gut zurecht kommen.
Es folgten eine Ausbildung im technischen Bereich, eine Weiterbildung zur Technikerin und Ausbilderin. Dann schloss das Unternehmen, ich wurde Dozentin, vor allem für technische Weiterbildungen. Diese Rolle liebe ich! Sie ist anstrengend, laugt mich aus, aber sie erfüllt mich. Allerdings trat hier zum ersten Mal ein "Problem" auf. Im Unterricht bin ich kommunikativ, mache Scherze, kann mich selbst auf den Arm nehmen (gutes Schauspiel eben), doch leider gibt es Pausen mit Smalltalk, zu viel Nähe. Da gehe ich flüchten, muss dringend kopieren, etwas korrigieren, verschwinde einfach.
Studiert habe ich auch noch, Geologie, nebenbei, aus Interesse.
Heute bin ich seit 6 Jahren wieder in Festanstellung. Sicherheit hat ihren Wert (als Freiberufler ist man für alles verantwortlich, krank werden, Urlaub = Verdienstausfall), aber auch einen hohen Preis. Ich bin im verwaltenden, beratenden Bereich tätig, organisiere Ausbildungsmessen, bin anerkannt "springe" von Projekt zu Projekt - und leide. DAS ist definiv keine Rolle für mich!
Ich bin anders, ich brauche Zeit zum Überlegen, Analysieren. Sitze ich in einem Gremium und wird "wild" diskutiert, dann ziehe ich mich zurück. Andere bringen 10 Beiträge (für mich viel heiße Luft), ich einen. Und schon wieder Smalltalk in den Pausen ...
Ich genieße Urlaube in der Einsamkeit Nordskandinaviens mit meinem Mann. Wir können stundenlang die Landschaft bestaunen, ohne viele Worte. Ich genieße gerade auch ein bisschen "Corona", man "durfte" ja keine Menschen besuchen. Ich spiele leidenschaftlich (PC - Rollenspiele und "Brettspiele" wie "Ein Fest für Odin" oder "Marco Polo") und schreibe.
Fazit: als introvertierter Mensch hat man so seine Probleme - für vieles habe ich "Rollen" entwickelt, die solange funktionieren, bis ein persönlicherer Kontakt folgt. Extrovertierte Menschen sind von ihrem Auftreten her in der Öffentlichkeit und privat ähnlich. Bei mir ist das anders und das irritiert, bis hin zu der Einschätzung, man sei arrogant und wolle nichts mit ihnen zu tun haben.

Kommentare

  • Hallo @Feykir,

    danke für Deinen Einblick.
    Wir sind alle individuell - und doch kennen hier vermutlich einige so einiges, was Du beschreibst, danke dafür!

    Ich sehne mich einerseits nach mehr Leichtigkeit im Leben - und weiß doch, dass zu Vieles auf die leichte Schulter genommen wird.

    Bücher, sie eröffnen mir eine große, bunte, verrückte, reiche, schöne, einzigartige Welt - die der freien Gedanken. In der Fantasie gibt es keine Grenzen! Grenzgenial!

    Rollen, die uns als Kokon dienen - auch ich spiele die eine oder andere Rolle und doch bin ich in diesen auch authentisch. Alles andere liegt mir nämlich nicht.

    Auch ich brauche viel Zeit - weil ich weit und tief blicke. Eine weitere Gemeinsamkeit, die hier viele teilen.

    Ich liebe so manche Herausforderungen - Probleme lassen graue Haare wachsen!

    Ich finde häufig Unüberlegtes, Vorlautes, Boshaftes, Dummes, Ausgrenzendes, Liebloses sehr irritierend - viele wissen oft nicht, wann etwas genug oder zu wenig ist. Kann ebenfalls arrogant wirken ...

    Schön, dass Du hier bist! Ich freue mich, von Dir zu lesen!
    Liebe Grüße,
    Seelenbilder
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