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Mündliche Noten und Selbstzweifel

Hallo zusammen,
(ich hoffe ich habe die richtige Kategorie ausgewählt, bin nämlich noch nicht so lange dabei.)
Ich wollte heute einfach mal die Gelegenheit nutzen, um mich mit Gleichgesinnten auszutauschen :)
Die Situation ist folgende. Ich bin zum Glück mittlerweile in der 12. Klasse und freue mich deshalb umso mehr, wenn ich es bald schaff meiner Schule zu entfliehen und damit auch meinen schlechten mündlichen Noten.
Meine mündlichen Noten ziehen mich immer in allem runter... dass ist so frustrierend für mich, ich weiß gar nicht wie ich das richtig beschreiben soll. Ich gebe mir immer so viel Mühe mich mündlich zu verbessern, aber ich kann einfach nicht mehr, ich kann einfach nicht mehr geben, als ich das jetzt schon tue.
Daher ist es für mich immer wieder ein Tritt ins Gesicht, wenn ich meine mündlichen Noten bekomme. Wie auch diesmal leider wieder zum Halbjahr. Ich habe sehr oft das Gefühl, dass mein Charakter nicht akzeptiert wird von der schule aus bzw. Dass es schlecht ist so zu sein wie ich es bin, das kratzt sehr an mir.
Dazu kommt dann noch dass man sehr sensibele Mitschüler hat, die sich immer an mir messen wollen (ungefähr warum hat sie so eine gute note und ich nur diese) oder Lehrer, die einen vor der ganzen Klasse kurzerhand vorführen müssen, das man sich so wenig melden würde, das ist für mich einfach nur noch die Spitze von allem.
Ich habe es auch einfach nur noch satt mich ständig rechtfertigen zu müssen und mich jedesmal zu überwinden meine Noten mit Lehrern auszudiskutieren.
Ich kann einfach nichts daran ändern wie ich bin.
Ich habe selbst erst vor ein paar Jahren herausgefunden, dass es eigentlich nicht schlimm ist introvertiert zu sein, aber das erstmal herauszufinden war schon schwer genug, wenn man nur gesagt bekommt man müsse sich ändern.

Komm wir zum Schluss und zu meinem eigentlichen Anliegen. Ich wollte euch fragen, ob ihr Tipps für mich habt, wie ich dieses ganze Thema nicht immer so nah an mich ranlassen kann. Weil es verletzt mich jedesmal sehr. So sehr, dass ich manchmal schon an mir Selbstzweifle, manchmal wünschte ich mir mein Leben hätte es mir in der Hinsicht nur halb so schwer gemacht. Ich finde es kann auch irgendwie nicht sein, dass obwohl eigentlich nichts an mir so gesehen falsch ist, ich eigentlich jedes Jahr wenn es um Notenbesprechungen geht, ich sowas wie eine depressive Episode erlebe und mir die Augen aus dem Kopf weine. Ich versuche zwar neuerdings mir selber einzureden, dass ich mein Bestes gegeben habe und mein Bestes genug ist, aber das klappt nur so semi gut.

Danke für eure Antworten schon mal im voraus und tut mir leid wenn ich euch die Ohren voll geheult hab :)

Kommentare

  • Hallo Lisa2002

    auch wenn meine Schulzeit glücklicherweise schon eine Weile hinter mir liegt, kann ich dir immer noch nachfühlen, wie es ist, dass in der Schule so viel Wert auf die Beteiligung im Unterricht gelegt wird. Als stiller Mensch fühlt man da mitunter sehr viel Druck.

    "..ob ihr Tipps für mich habt, wie ich dieses ganze Thema nicht immer so nah an mich ranlassen kann."

    Akzeptanz. Wäre meine Antwort.
    Es gibt die stillen Schüler und die eher Lauten. Beide haben ihre Vorzüge.
    Leider ist es ein immer wieder kehrendes wie leidiges Thema, wie unser Schulsystem aufgebaut ist. Das werden wir auch erst einmal nicht ändern.

    Wir können uns, so fürchte ich, nur selbst der Situation anpassen.

    Bei mir war es zu Schulzeiten so, dass ich durchaus die Antworten auf Fragen gewusst habe, mir jedoch unsicher war und mich deshalb seltenst aus eigenem Antrieb zu Wort gemeldet habe.

    So kam es, dass die Lehrer Stichproben machten und mich unvorhergesehen dran nahmen und dann wusste ich die Antwort mitunter nicht. Allein schon dank des Überraschungseffektes.
    Deshalb: wenn ich es noch einmal zu tun hätte, so würde ich mich jedes Mal melden, wenn ich die Antwort auf eine Frage habe. Und mir selbst vertrauen, dass sie richtig sein wird. Und falls sie doch einmal nicht die Antwort sein sollte, welche die Lehrkraft hören möchte, nun, dann ist das kein Beinbruch.
  • Vielen Dank enjoythesilence für deine Antwort und deine lieben Worte! :)

    Ich denke du hast Recht damit das Akzeptanz wahrscheinlich die Lösung ist. Ist halt etwas leichter gesagt, als getan...
    Das sich das Schulsystem vorerst wohl leider nicht ändern wird, ist leider klar.

    Ja ich habe das ähnliche Problem wie du es beschreibst, dass mir manchmal einfach das Selbstvertrauen fehlt, dass es vielleicht doch gar nicht so verkehrt ist was ich denke.
  • Hallo Lisa2002,
    ich kann Dich sehr gut nachvollziehen!

    Meine Schullaufbahn liegt schon lange zurück - in diesem Zusammenhang möchte ich "Gott sei Dank" sagen, wenn ich an so manche Lehrer und ihre Methoden denke. Das Lernen finde ich bis heute faszinierend und es ist ja glücklicherweise ein lebenslanger Prozess.
    Besonders in einem Fach spielte es eine große Rolle, welchen familiären Background jemand hatte. Akademikerkinder wurden eindeutig bevorzugt und dies war auch Gegenstand mehrerer Auseinandersetzungen seitens mehrerer Eltern mit diesem einen Lehrer. Sogar die Eltern der Schülerinnen, die beste Noten hatten, unterstützten damals jene Eltern, deren Kinder auch verbal niedergemacht wurden. Dies allerdings nie in groben Worten, sondern immer sehr gewählt und "auf Niveau", das Ergebnis war das gleiche - es waren trotzdem "Watschen", die jeder verstanden hat und die manche sehr geprägt haben. Das tut mir heute, so viele Jahre danach, für diese Schüler, die daraus Nachteile erfahren haben - auch für ihre persönliche Entwicklung - sehr leid.

    Ich weiß, dass sich viele Kinder und Jugendliche mündliche Noten wünschen. Weil sie sich bezüglich dieser Ziffern besser einordnen können. Ich denke, hier ist allerdings auch eine Art früher "Konkurrenzkampf" erwacht. Und deshalb gibt es auch jene Kinder und Jugendlichen, die genau damit keine Freude haben und sogar darunter leiden. Das ist für mich sehr gut vorstellbar.
    Ich persönlich stehe den mündlichen Noten differenzierend gegenüber. Ich glaube, sofern eine Benotung "fair" und auf sachlichen Fundamenten beruhend stattfindet, machen sie durchaus Sinn. Allerdings finde ich es auch wichtig, eine Stellungnahme, also einen ausführlicheren schriftlichen Teil anzufügen. Und dort auch zu vermerken, wenn es Nuancen in einer Beurteilung gibt, die sich in Noten leider nicht zeigen können. Schriftlich sollte eben unbedingt auch bemerkt werden, wenn sich Schüler bemühen und das auch auffällt. Es kann sehr erhellend sein, wenn man weiß, dass der Trend aufwärts zeigt.

    Ich weiß nicht, ob ich Dir einen Tipp geben kann, aber mir hilft es immer sehr, hinter all jenen, die verletzen, auch zu sehen, dass diese Menschen selbst einstecken mussten / müssen, um so zu werden, wie sie sind. Auch möchte ich dazu erwähnen, dass viele Lehrer selbst sehr unter Druck stehen und manche gar nicht so agieren möchten, wie sie glauben, zu müssen. Hinter Lehrern stehen Direktoren, die ihren Mitarbeitern das Leben oft nicht einfach machen. Dazu der politische Druck, der im Bildungssystem eine große Rolle spielt. Man kann es bestens beobachten, welche Partei die Zuständigen entsendet. Leider wird hier ganz viel ideologisiert, anstatt auf die wahren Themen einzugehen.

    Ich wurde in wenigen Fächern schlichtweg unterschätzt. Das zeigte sich in vielerlei Aspekten - aber wie so viele andere auch hat mich das nicht an meinem Vorwärtskommen im Leben "danach" gehindert. Schule ist ein sehr prägendes Thema, wenn man jung ist, aber eines Tages hast auch Du die Chance, diesen Teil Deines Lebens als Erfahrung abzuheften und Deinen eigenen Weg einzuschlagen - auch in der Art und Weise, wie Du Dich weiterbildest. Und damit meine ich nicht nur fachliche Weiterbildung, sondern genauso Deinen menschlichen Weg, Deine Ent_wicklung in menschlicher Hinsicht. Gib Deinen Lehrern nicht die Macht, so einen Einfluss auf Dich zu haben, dass sie Dir Deine Selbstwertschätzung nehmen können. Für diese bist Du durchaus selbst zuständig - deshalb: Du weißt es genau, es gibt sie, die Dinge, die Du mit Liebe und Hingabe machst, wo Du selbst weißt, darin kannst Du Dich verwirklichen und darin bist Du stark und auf Deine Weise auch einzigartig. Diese Punkte dürfen für Dich sehr viel stärker zählen, als Bewertungen, die von außen auf Dich einströmen und nichts mit Deinem wahren Wesen zu tun haben.

    Universalgenies sind selten und mit ihnen sollten wir uns auch erst gar nicht messen - und es ist im Übrigen für diese auch oft überhaupt nicht einfach, im Leben zu bestehen: Solche Wunderkinder haben ebenso ihre Selbstzweifel, oft einhergehend mit sozialen Defiziten. Sie spüren mitunter auch Neid und fühlen sich unter Druck und Beobachtung. Ebenso kein einfaches Los ...

    Alles Liebe Dir!
  • Hey Lisa2002,

    Du hast doch bestimmt ein Lieblingsfach, in dem du schon vieles weißt und wo du dir sicher bist, dass deine Antworten richtig sind? Vielleicht kannst du bei diesem Fach deine Selbstzweifel verringern, indem du dich dort öfter meldest. Wenn das gut klappt, kannst du das mehr und mehr bei den anderen Fächern versuchen. Den Selbstzweifel muss man leider unterdrücken, auch wenn das echt nicht leicht ist. Das ist bei der Fahrprüfung ganz ähnlich. Du weißt, dass wenn du es versaust, wieder eine Menge Geld für einen neuen Termin ausgeben musst. Hier muss man das "Ich schaff das nicht" auch unterdrücken. Da ist es aber glücklicherweise nur für 1-2 Stunden der Fall, und nicht für ganze 12 Jahre Schule.

    Vielleicht macht es dir weniger Druck, wenn du daran denkst, dass es viele Menschen, wahrscheinlich auch in deiner Klasse, gibt, die in einigen Fächern nicht so gut sind. Das hast du vermutlich auch. Aber das liegt dann nicht daran, dass du dich zu wenig mündlich beteiligst, sondern eher daran, dass es manchen Leuten schwer fällt gewisse Dinge zu verstehen. Ich hatte damals immer schlechte Noten in Deutsch, nicht weil ich es nicht sprechen oder schreiben kann, sondern weil mich das ganze mit den Gedichten und rhetorischen Stilmitteln einfach nie so ganz interessiert hat. Da habe ich dann gesehen, das die anderen immer besser abgeschnitten haben als ich. Dafür konnte ich aber andere Sachen wie zum Beispiel Mathe oder Geschichte. Und da habe ich wiederum gesehen, dass ein Großteil meiner Klasse Schwierigkeiten damit hatte.

    Was das Thema Rechtfertigung angeht.
    Niemand muss sich für irgendetwas rechtfertigen. Vielleicht kennst du es ja, wenn dir jemand die ganze Zeit irgendwelche unnötigen Fragen stellt. Wie zum Beispiel: "geht es dir gut?" nur weil du einmal nicht lächelst oder "was hast du?". Das kenne ich leider zu gut von meiner Mutter und meiner Schwester, die beide extrovertiert sind. Das ist genau das gleiche bei den Lehrern. "Warum bist du so ruhig?", "Warum beteiligst du dich so wenig am Unterricht?", Darum. Punkt. Weil du nun mal so bist, wie du bist und damit bist du nicht alleine. Es ist auch nicht schlimm, dass du so bist. Ändere dich niemals für andere, wenn du dich dabei unwohl fühlst.

    Und zu deinen Mitschülern.
    Ich kenne es von damals, zwar unter anderen umständen, aber meine Mutter wollte immer, dass ich die besten Markenklamotten trage und immer besser aussehe und da stehe, als die anderen. Meinem Vater war es egal, und mir auch. Er hat immer wieder zu mir und meiner Mutter gesagt: "Lass die anderen doch reden. Denen, die dich auslachen, geht es noch schlechter." Das, was Seelenbilder oben erwähnt hat, dass sich manche Menschen so verhalten weil sie selbst bereits eingesteckt haben, ist wahr. Ich spreche da aus Erfahrung. Also mach dir da nicht so viel draus.
    Bei solchen Leuten gibt es zwei Sachen, die möglicherweise helfen können (keine Garantie). Entweder du ignorierst sie, dann verlieren die ihren Spaß daran, oder du "machst" mit, denn es ist umso lustiger für die Gruppe, wenn die ruhige Person einen richtig guten Konter raushaut. Dann necken die sich nämlich gegenseitig und lassen dich in Ruhe. Leider ist das etwas, was nicht jedem leicht fällt.

    Ich hoffe, dass dir der Text nicht zu lang ist und dass er dir weiterhilft.
    Außerdem kannst du dich immer hier melden, wenn es dir schlecht geht. Alle hier sind dir ähnlich und werden dich verstehen.

    Und vergiss nicht, bleib so wie du bist, denn nur so bist du einzigartig!
    (Von wem das Zitat ist weiß ich leider nicht, ist aber ein schönes.)
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