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Bin jetzt hier

Guten Tag in die Runde. Vor kurzem hatte ich einen Konflikt mit meiner Chefin. Sie ist so ganz das Gegenteil von mir: schnell, extrovertiert, laut. Weil ich das ziemlich belastend finde, habe ich mal länger drüber nachgedacht und bin dann auf das Buch "Still" von Susan Cain gestoßen. Bin noch beim Lesen. So kam ich dann auch zu dieser Seite. Hier einen Beitrag zu schreiben, macht mich nervös ist aber gleichzeitig auch erleichternd.

So vieles, das ich hier gelesen habe, kenne ich:
Still sein in größeren Runden
Früher in einer WG als unsichtbar wahrgenommen zu werden (es gab damals eine Zeitlang wenig Holz zum heizen, weswegen wir uns in Gemeinschaftsräumen aufhalten mussten...Horror!)
Auseinandersetzungen fühl ich mich oft nicht gewachsen. ..
Ich habe zwei Kinder mit 17 und 18, mein Sohn ist auch so ein zurückgezogener, ich hab mir jahrelang Sorgen gemacht und tu es immer noch
Feste und Feiern nicht länger als 2 Stunden oder so
Menschen sind anstrengend, ich konnte mir das nie eingestehen
Druck von außen: "geh doch mal aus dir raus"
usw.

Ich arbeite in der häuslichen Pflege, das ist wunderbar, ich bin alleine unterwegs und bin höchstens 45 min. in einem Haushalt, danach weiter im Auto. Kein Team um mich herum, keine Kollegen, die ständig quasseln.
Ich mache Yoga und meditiere. Ohne könnte ich diese schnelllebige verrückte Welt (f. mich) wohl nicht überleben.

Ich habe mich schon immer minderwertig gefühlt. Das ist so traurig wie überflüssig. So schade und jetzt gehe ich schon auf die 60 zu und es ist manchmal immer noch schlimm. Habe jetzt aber Hoffnung, dass ich durch die Auseinandersetzung mit diesem grundlegenden Charakterzug oder wie man es nennen mag auf einen neuen Nenner komme. Es ist ja nie zu spät!

Ich bin jetzt hier.

Kommentare

  • Ich freue mich, dass du jetzt hier bist, Minion!

    Schau dich in Ruhe bei uns im Forum um.
    Du konntest ja bereits feststellen, dass unsere Themen deinen eigenen relativ ähnlich sind.

    Allein schon die Erkenntnis, nicht allein zu sein, fand ich damals bei meiner ersten Berührung mit dem Forum äußerst wertvoll.

    Vielleicht geht es dir ähnlich.

    Dein Thema mit der schnellen, extrovertierten und lauten Chefin finde ich interessant und könnte zu meinen Erfahrungen im Berufsleben durchaus Parallelen aufweisen..

    Vielleicht sollten wir dazu einen gesonderten Thread aufmachen :)

    Fühl dich wohl und verstanden hier bei uns.

    Es grüßt freundlich
    Enjoythesilence
  • Hei Enjoythesilence. Danke fürs willkommen.
    Ja. Was ich bisher gelesen habe ist sehr vertraut.
    Das Thema extrovertierter Chef/in u damit verbundenen Schwierigkeiten gibt es sicher oft. Manchmal denke ich allerdings auch, ich bin meiner Chefin unheimlich weil ich so anders bin als sie. Das erfüllt mich dann zwar mit ein wenig Schadenfreude aber es macht ja nix besser...
    Sie ist sehr schnell in ihren Urteilen und sagt oft Dinge, die einfach Unsinn sind. Reflektion leider Fehlanzeige. Wie kann ich ihr entgegentreten? Ich wäre gerne schneller, reaktionsstärker,... Stattdessen fällt mir ein guter Kommentar ein wenn ich wieder zuhause bin.
    So ist das leider
  • Hallo @Minion,

    schön, dass Du hier bist!
    Ich denke, Du wirst viel Wohltuendes darin erkennen, dass es viele in unserer Art gibt. Und es sind ja bei weitem noch nicht alle auf dieses Thema gestoßen, obwohl sie es leben, aber diesem Sein noch keinen Begriff zuordnen können. Es lenken wohl manchmal der Zufall und das eine oder andere Mal auch die gezielte Suche nach unserem Sein die Wege auf dieses so wichtige Forum und auf spannende Literatur.

    Das Thema der Lautstärke am Arbeitsplatz kann ich total nachempfinden - und so wie Du erleben es wohl auch andere in einem Arbeitsbereich, der doch das Wohl der Menschen im Auge behalten sollte, weil es um Pflege und Betreuung geht.
    Doch auch hier, in einem besonders sensiblen Bereich, gibt es genug Menschen, die ihre Aufgaben eigentlich gar nicht wirklich verstehen. Ihre Lautstärke verschreckt Menschen, junge wie alte, und auch durchaus MitarbeiterInnen.
    Ich habe für mich auch schon herausfinden dürfen, dass ich kein Team in meiner Arbeit brauche. Mir ist hier oft zuviel Exzentrik, Chaos und Gezeter am Plan. Und auch die Gefahr, von Mobbing und Bossing betroffen zu sein, ist durchaus gegeben. Auf Menschen, die anders als die üblichen sind, wird gerne gezielt ...

    In ganz vielem ist die Welt für mich auch eine verrückte! Und viele Menschen in ihr sind maßlos, ohne Anstand, grenzüberschreitend und fordernd. Diesen versuche ich auszuweichen. Es gelingt aber leider nicht allerorts.

    Definitiv - es ist nie zu spät ... Viel Glück auf Deinen Wegen und dabei, zu erkennen, dass Du genau in Deiner Art ein wertvoller Mensch bist!

    Seelenbilder
  • @Minion, habe gerade gesehen, Du hast noch Weiterführendes gepostet.

    Laute Menschen sprechen unheimlich schnell, oft verlässt ein Wort den Mund, obwohl es noch gar nicht richtig gedacht wurde - also, laute Menschen kennzeichnen viele unbedachte Worte. Dass sie damit verletzen, spielt keine Rolle. Sie sind üblicherweise auch wenig reflektiert. Etwas, das auch mir sehr deutlich auffällt.
    Diesen Menschen ist man vermutlich durchaus unheimlich, diesen Verdacht habe ich auch.

    Es ist nicht einfach, solchen Personen erfolgreich entgegenzutreten. Und leider habe ich auch sehr schmerzliche Erfahrung gemacht, dass diese Leute auch ein Stoppschild kaum erkennen. Sie überschreiten gnadenlos Grenzen und haben dabei auch noch große Freude.
    Ich habe ebenso die Entdeckung gemacht, dass Gegenwind oft durchaus noch mehr anstachelt.
  • Hallo seelenbilder. Ich musste grade lachen. Denn Lautstärke ist in meinem Beruf absolut notwendig, weil die alten Leutchen einfach schlecht hören. Aber natürlich weiss ich was du meinst. Ich mache meine Arbeit sehr gern u habe zum Glück wenig Kontakt zu meiner Chefin. Nur zu Beginn u am Ende der Schicht. Und wenn es um Organisatorisches geht. Leider hört sie nicht zu und es geht eigentlich nur um ihre eigene Sichtweise. Das find ich manchmal unerträglich. Ich hab auch aufgehört ihr irgendwas zu erzählen denn sie "übertrumpft" alles. Egal.
    Ich möchte nur meine Interessen vertreten u das gelingt manchmal nicht. Wie kann an das Lernen?
  • @Minion
    Auch bei mir gehört es dazu, gehört zu werden. Aber wir kennen wohl den Unterschied zwischen *nervenstrapazierendem Selbstmarketing* und der Notwendigkeit, sein DU zu erreichen :-))

    Ich denke, Voraussetzung für unser Lernen ist, anzuerkennen, dass wir nicht die einzigen unserer "Sorte" sind. Und daraus Kraft zu schöpfen,
    Selbstliebe ist auch damit verbunden.
    Des weiteren ist es hilfreich, zu unterscheiden, wann es Sinn macht, den Mund aufzumachen und wann offene Meinungen tatsächlich am Felsen der Selbstbezogenheit der Lautstarken ungehört zerschellen.
    Mir ist auch schon des öfteren in meinem nicht mehr ganz jungen Leben aufgefallen, dass Lautstarke oft ganz große Selbstzweifel haben. Darum müssen sie sich geradezu zwanghaft immer wieder selbst so in den Mittelpunkt stellen. Sie wollen Bewunderung und Ruhm - die Showbranche ist auch voll von solchen Persönlichkeiten. Ebenso die Politik und andere Bereiche des öffentlichen Lebens.
    Wenn ich mir vorstelle, wie viele Personen diese oft um sich brauchen, nur, um ihr oft insgeheim jämmerliches Leben aufzupolieren ...
    All das ist uns fremd, wir wollen einfach nur wir selbst sein. Ohne Maske, Tand und Firlefanz.

    Die Punkte, die wichtig für Dich sind, kannst Du sicher ganz klar filtern. Ich arbeite hier auch gerne schriftlich etwas aus. Und in diesem Zusammenhang auch Strategien entwickeln, wie Du unmissverständlich Gehör und Zustimmung findest. Auch passende Gelegenheiten abwarten und bereits im vorhinein Sätze vorbereiten, die Du in solchen Fällen dann auch hörbar und selbstsicher anbringst. Es gibt in vielen Bereichen auch die Möglichkeit, in einer regelmäßig stattfindenden Überprüfung der beruflichen Ziele schriftlich das Wichtigste festzuhalten - hat den Vorteil, die Formulierungen auch besser zu durchdenken.

    Unter "Beruf und Studium" findest Du sicher viele weitere interessante Gedanken zu einem Lebensbereich, der viele von uns sehr beschäftigt ...
  • Hallo Minion,
    es ist schön, dass Du zu uns gefunden hast.

    Und Du sprichst ein Thema an, was mich auch immer wieder umtreibt. Die Lautstärke und Selbstdarstellung der anderen. Ich habe eine Arbeitskollegin, die redet schnell, viel und laut. Wenn ich mich mal dagegen wehren will, habe ich immer wenig entgegenzusetzen, weil sie einfach wortgewandter ist als ich. Und hinterher habe ich dann wieder das schlechte Gewissen.

    Das nächste ist wie auch angesprochen wurde, diese Teamfähigkeit. Ich kann mit anderen Menschen gut zusammen arbeiten, aber mittlerweile stinkt mich das alles so an. Ich arbeite im Büro, wir sind schon ein Haufen Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen. Aber es geht einfach nicht um das gemeinsame Tun. Nein, es geht darum, wer sich am besten darstellt, jeder wird bequatscht (damit meine ich das hinterm Rücken reden). Jeder muss dann auch noch lautstark darstellen, was er alles leistet und was nicht seine Aufgabe ist usw. Das hat seelenbilder schon beschrieben.

    Ich immer wieder merke ich, wie befreit ich bin, wenn ich alleine auf Arbeit bin, wie wunderbar es läuft für mich. Da beneide ich Dich schon, Du hast nur kurz Deine Chefin zu Gesicht, ich muss das 8 Stunden aushalten. Aber ich verstehe Dich schon.

    Leider ist es bei mir so, dass ich beim Kennenlernen neuer Leute erst mal sehr zurückhaltend bin. Ich muss erst mal die „Lage checken“, was das so für Menschen sind. Bei den sogenannten Selbstdarstellern mache ich sofort dicht. Ich merke sofort, dass die sich kein Stück für mich interessieren, sondern nur ihr Leben hervorkramen. Tja, und dann kommt von mir nix mehr. Ich fühle mich dann sehr unwohl, und will nur weg. Das blöde ist allerdings, dass ich mich dafür verurteile, hat ja auch was mit Minderwertigkeitskomplexen zu tun.

    Ach, ich weiß auch nicht, manchmal macht mir das alles nichts aus, dass ich so bin wie ich, und manchmal liegt es mir so schwer auf der Seele.

    Ich hoffe, Du findest noch viele interessante Dinge hier bei uns.
  • Hallo Nethi, ich kann mir vorstellen wie es dir geht, habe selbst jahrelang bei einem Mobilfunkanbieter im Grossraumbüro gearbeitet und habe jede Menge Selbstdarsteller ertragen müssen. Damals habe ich mich so falsch gefühlt, es gab so viele extrovertierte Menschen. Als ich meine Kinder bekommen habe, war dort Pause und ich weiss nicht, was mich geritten hat, nach 4 Jahren wieder hinzugehen und wieder von Null anzufangen. Diese Branche entwickelt sich ja so schnell und ich bin da nicht mehr mitgekommen. Habe mich ein wenig durchgeschummelt...Das war aber auch der absolut falscheste Job für mich, ich war dann froh als ich weg war.
    Auch was du schreibst wenn du jemanden kennenlernst und der/die nur von sich selbst redet. Ich denke dann immer, wie kann mein Gg.über NICHT merken, daß das doch gar kein Gespräch ist....
    So ist auch meine Chefin. Man erzählt ihr was... und sie erzählt was von sich, das viel schlimmer oder besser oder grösser oder oder ist.
    wie kann man das nicht realisieren??
    LG Minion
  • Die Frage, wieso es gewisse Leute einfach nicht erkennen, welche Botschaften sie von sich geben, die stelle ich mir tagein, tagaus. Kaum zu glauben - es gibt etliche Momente, wo ich mir denke, ist man so blöd oder stellt man sich einfach so? ... Kann man was dafür oder nicht? Was ich noch schlimmer finde, ist, dass diese Personen in Hierarchien oft so eine wichtige Position einnehme.

    Ich bin dieser Gesellschaft absolut überdrüssig ... Doch sie lauert an allen Ecken und Enden.
  • Hallo minion,
    Ich habe das Gefühl, so, wie Du das Verhalten Deiner Chefin bei Gesprächen beschreibst, entwickelt sich die Gesprächskultur allgemein immer mehr. Dieses nicht mehr auf den anderen Eingehen finde ich fürchterlich.

    Hallo seelenbilder,
    Deine Äußerung, dass Du der Gesellschaft absolut überdrüssig bist, kann ich nachvollziehen, habe ich oft doch ähnliche Gedanken. Aber was ist hier die Alternative?
    Ins Kloster gehen? Auf die einsame Alm ziehen? Oder sich von allem befreien?
    Um ehrlich zu sein, befürchte ich, dass ich mich auf der Alm oder im Kloster ziemlich langweilen würde. Aber nachgedacht habe ich darüber wirklich oft …

    Ich sehne mich nach einem Ort, wo mein Ich sich frei und ohne Vorurteile entfalten kann.
  • Gute Nachrichten an alle, die der Gesellschaft überdrüssig sind.
    Diesen Ort gibt es und er befindet sich in uns selbst :)

    Steht für eure Bedürfnisse ein.
  • Manchmal würde es schon reichen, wenn man jemanden im nahen Umfeld hat, der ähnlich gestrickt ist.
    Wir dürfen aber auch nicht anfangen, uns selbst als Freaks zu sehen. Wenn man stattdessen sich selbst innerlich den gleichen Wert zuschreibt wie dem Gegenüber, entspannt sich alles, frei nach dem Motto: "Du bist ok, ich bin ok."
    Das fällt mir aber auch nicht immer leicht. Vor allem kenne ich den Groll, der sich anstaut, wenn man Personen, die man im Privaten niemals um sich scharen würde, im Berufsleben nicht entkommen kann.
  • @enjoythesilence
    So wahr! In Phasen, in denen man mit sich im Reinen ist, weil man das Leben führt, das zu einem passt, prallt das Geschwätz doch einfach an einem ab.
  • Naja, ich finde schon, dass es sehr leicht gesagt ist.

    Bei mir wechseln sich diese Phasen - im Reinen mit sich sein und es ist schon schwer, sich selbst toll zu finden - permanent ab. Das macht es mir nicht einfach.

    Als Freak würde ich mich nicht sehen, mir wurde schon öfters gesagt, dass ich anders bin - allerdings war das immer als Kompliment gemeint :-)




  • Ich erinnere mich an eine Phase in meinem Leben wo ich in Therapie war. Damals hatte ich einen Freund, der das schrecklich fand. Er meinte, dass es doch gut sei, wie ich bin - eben anders- und dass ich genau das durch die Therapie verlieren könnte.
    Das fällt mir jetzt wieder ein, es ist ewig her. Ich habe das damals nicht realisieren können, mir ging es wirklich schlecht und ich habe Hilfe gesucht.
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