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Als introvertiert erklären

Hallöchen,

Ich habe mich lange gefragt, was mit mir nicht stimmt. Bis ich endlich vor wenigen Tagen herausgefunden habe, dass ich doch etliche Züge einer Introvertierten habe. Ich lebe mit meinem Partner seid 6 Jahren zusammen und er ist sehr extrovertiert. Es kommt gerade in den letzten Tagen immer mehr zum Streit. Wie kann ich ihm erklären, dass ich introvertiert bin? Er denkt immer ich denke mir etwas aus oder suche nach Ausreden, dabei will ich mich doch nur erklären.

Kommentare

  • Hallo Mausi,

    hmm, wirklich schwer da einen Tipp zu geben. Vielleicht gar nicht so sehr erklären sondern ein passendes Buch (in seiner Anwesenheit) lesen und bei Rückfragen oder gar von sich aus "immer wieder" etwas dazu erzählen. Wie eben auch, dass Du da starke Ähnlichkeiten hast bzw. wohl Introvertiertheit auf Dich zutrifft. Vielleicht wird Er es so interessant finden, selbst ein Buch zu lesen.

    Vor einigen Jahren konnte ich meiner Schwester ebenfalls nur erklären, was Introvertiertheit ist das es auf mich zutrifft. Immer wieder sprachen wir darüber, ohne dass ich Sie damit überrannt hatte. Irgendwann habe ich ihr das Buch "Still: Die Bedeutung von Introvertierten in einer lauten Welt" geschenkt. Kurze Zeit später hat Sie es gelesen. Jetzt versteht sich mich nicht nur besser sondern weiß, dass Sie selbst eine introvertierte und hochsensible Person ist. Jetzt ist es immer wieder ein Thema bei uns und gar in ihrer Familie, weil es auf die Kinder wohl ebenfalls zutrifft.

    Einen weiteren Tipp habe ich leider nicht.
    Alles Gute für Dein Vorhaben, egal wie es ausfallen wird.

    Liebe Grüße,
    Eagle
  • Es kann in der Tat ziemlich kraft- und zeitaufwändig sein, jemandem etwas näherzubringen, was er selbst nicht so empfindet.
    Deshalb auch mein Tipp, tatsächlich gemeinsam zu lesen oder auch im Internet zu recherchieren.
  • Hallo Mausi,

    falls du hier noch mitliest, will ich mich auch mal dazu äußern.

    Es kommt da schon sehr drauf an, was dein Partner so für ein Mensch ist um ein bisschen einschätzen zu können, wo seine Bedenken eher herkommen. Wenn ehr z.B. eher ein Skeptiker ist, möchte er nicht, dass du irgendeinem Internet-Hype nachläufst und dir was einredest. Das kann echt anstrengend sein, aber Skeptiker im engeren Sinne wollen im Prinzip einfach nur überzeugt werden. Ich kenne das auch von mir, nach außenhin dieses widerborstige Auftreten, aber tief drinnen ist da das Wesen, das ruft: „Bitte bitte überzeug mich!“ Das ist relativ häufig in den empirischen Wissenschaften, weil man dort nur Annahmen/Ideen akzeptieren kann, die auch durch kritisches Prüfen nicht kaputt gingen. Natürlich gibt es Ausnahmen, aber das ist das vorherrschende Mindset. Das ist also kein Dagegensein zum Selbstzweck, sondern ein sehr vorsichtiger Umgang mit dem, was man in sein Weltverständnis integrieren will. Sorry, falls ihr das alle schon wisst, aber man kann das immer mal erwähnen meiner Erfahrung nach. Jedenfalls ist der Introversionsbegriff im engeren Sinne, also das Konzept des persönlichen Aktivierungslevels im Gehirn, in der Psychologie ein ziemlich etablierter Begriff, sowohl aus der mehr verhaltensbeschreibenden Richtung als auch durch biologische Erklärungsansätze. Ich hatte auch den Eindruck, dass dieser Aspekt immer der Kernpunkt war und dass dieser Drift zu den sozialen beobachtbaren Verhaltensweisen eher durch die beschreibenden Fragebögen passiert ist. Mit irgendwas messbarem muss man ja schließlich arbeiten. Lange Rede, kurzer Sinn, vielleicht hilft es deinem Partner, wenn du nicht zu viel in den Begriff hineinpackst, sondern Alltagsbeispiele möglichst auf das Wohlfühlniveau der eigenen Hirnaktivität beziehst. Dadurch grenzt sich der Begriff besser ab, wird greifbarer/konsistenter und versucht nicht gleich, eine Erklärung für alles zu liefern. Indirekt damit zusammenhängende Eigenschaften wie Schüchternheit kann man nach und nach dazuholen, wenn das Grundprinzip klar ist. Jedenfalls ist es keine Eintagsfliege aus dem Internet, auch wenn es manchmal so wirkt und für meinen Geschmack auch etwas zu viel hineingelesen wird.

    Damit wären wir beim zweiten Ansatzpunkt, der mir in den Sinn kommt. Vielleicht macht sich dein Partner Sorgen, dass du dein Wesen pathologisieren wirst, dich als defizitär betrachten und mit passender Entschuldigung zurückziehen wirst. Das kann man nicht oft genug betonen: In der Psychologie geht es nicht nur um Krankheiten und Störungen, und Introversion/Extraversion sind keine Störungen, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal, wo man sich irgendwo auf einem Kontinuum verorten kann. Wir sind eben nicht alle gleich. Natürlich kann es mit extremen Ausprägungen schwierig werden, im Alltag zurechtzukommen, wo es dann doch in Richtung Persönlichkeitsstörung gehen kann. Aber das Pathologische mal beiseite könntest du mit deinem Partner einfach mal durchspielen, was ihn ausmacht, ob er friedfertig, ängstlich, gewissenhaft, kreativ, einfallsreich etc. ist; Introversion/Extraversion reihen sich da eben ein. Diese Begriffe wurden auch schon weiter auseinanderdividiert und wieder etwas anders zusammengefasst. So bekommt das Thema vielleicht etwas spielerisches und verliert einen Teil seiner Bedrohlichkeit.

    Viele Grüße und Durchhaltevermögen
    Tamaracha
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