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Bachelorarbeit über die Wahrnehmung Introvertierter

edited Juli 27 in Beruf & Studium
Hallo liebe Community,

ich freue mich sehr drauf, mich hier ein wenig austauschen zu können. Wie im Titel erwähnt, schreibe ich gerade meine Bachelorarbeit über die Wahrnehmung introvertierter Personen und werde dazu einen kleinen Film drehen. In diesem Film werde ich ein Arbeitsleben aus introvertierter Perspektive für eher extravertierte verständlich machen wollen.

Und jetzt bin ich ein wenig auf eure Hilfe angewiesen: Ich möchte ganz detailliert Situationen verfilmen, in denen sich ein Introvertierter unwohl fühlt und/oder sich vielleicht von eher extravertierten unterscheidet. Dazu gehören für mich auf jeden Fall Smalltalkgespräche, ungeplante Telefonate oder auch nur das Quatschen meiner Kolleg*innen. Ich würde aber gerne noch ein wenig tiefer gehen, welche abstrusen oder kleinen Situationen fallen euch auf, die vielleicht typisch für Introvertierte Personen am Arbeitsplatz sind? An welchen Orten im Büro finden diese statt? Im Endeffekt möchte ich diese Reize, die es einem Introvertierten schwer machen, in unseren heutzutage angepriesenen Großraumbüros produktiv zu bleiben, in eine visuelle Gestaltung bringen.

Ich würde mich unglaublich über eure Antworten freuen, hoffe es war verständlich erklärt. :)

Ach, und noch kurz zu mir: Bin 22, beende wie gesagt gerade mein Studium und habe erst in den letzten zwei Jahren herausgefunden, wie introvertiert ich doch bin, und wie wenig Verständnis für dieses Thema aufgebracht wird. Deshalb mein Thema.

Kommentare

  • Hallo Nikahut,
    das Arbeitsleben Introvertierter findet meiner Erfahrung nach nicht nur in div. Büros statt, sondern in vielen Berufen, die man sich nur vorstellen kann. Ich weiß nicht, ob in allen, aber definitiv in vielen. Vor allem in Berufen, wo es auf Soziales ankommt, sind auch Intros zu finden.

    Das wollte ich nur zurückmelden ;-)
  • Da sprichst du mit deinem Thread ein gerade aktuelles Thema hier im Forum an @Nikahut

    Was ich für mich zum Thema Introversion und Arbeitswelt noch einmal nachgespürt habe und dir gern für deine Arbeit mitgeben würde: es gibt nicht DEN Introvertierten. Wir sind alle so individuell!

    Was sich aber immer wieder bei allen Menschen auf dem introvertierten/sensiblen Spektrum zeigt: wir gewinnen Energie vor allem durch Alleinzeit. Ohne allzuviele Reize.

    Weshalb uns die Arbeit im Großraumbüro schnell erschöpfen kann.

    Telefonate nehme ich auf der Arbeit inzwischen sogar ganz gern entgegen - kann ich dadurch so Manches in etwas geregeltere Bahnen lenken.

    Und das ist mir in den letzten Tagen und Wochen tatsächlich am bittersten aufgefallen:

    Die Kommunikation untereinander im Team. Und da bin ich mir bis heute nicht sicher, ob das eine Intro-/Extro Problematik ist, oder die Unfähigkeit, klar zu kommunizieren.

    Wenn ich @seelenbilder richtig verstanden habe, so können Introvertierte sich trotz ihrer Präferenzen eines eher zurückgezogenen Lebens durchaus bei der Arbeit wohlfühlen.

    Ich wurde vor nicht allzulanger Zeit von meinem Chef gefragt, was ich für die Arbeit im Großraumbüro noch bräuchte. Und meine Antwort war ehrlich gesagt etwas gemein, aber leider wahr. Denn das was ich bräuchte ist (meine) Ruhe und die werde ich in diesem „Laden“ nie erhalten können.

    Ich muß mir selbst geben, was ich brauche. Ausgerüstet mit InEar Kopfhörern, Arbeitszeit reduziert auf zu neuen Ufern.
  • Liebe @enjoythesilence,
    klar, richtig interpretiert :-)

    Ich wollte eben auch rückmelden, dass es Intros nicht nur in (Großraum)Büros gibt (wo sie oft ziemlich zu leiden haben).
    Ich selbst merke immer deutlicher, dass ich mich von Lärmquellen entfernen muss, sie sind mir inzwischen unerträglich geworden, weshalb ich ja auf zu neuen beruflichen Ufern unterwegs bin ...
    Und ja, Kommunikation untereinander, auch so ein ewiges Thema: Ich halte eine nicht glückende Kommunikation für die Unfähigkeit Einzelner, sich einordnen zu können; abzuwarten, wann man dran ist und auch richtig einzuschätzen, wie man sich einbringt.
    Diese Unfähigkeit Einzelner, verständlich und sachlich zu kommunizieren, irritiert allerdings dann die gesamte Runde. Habe ich alles bis zur totalen Genervtheit so erlebt, ich will das nicht mehr! Immer mehr überkommt mich der Gedanke, mich selbstständig zu machen ... zumindest in Teilbereichen.
  • Ich habe fast 10 Jahre meines Lebens in einem Großraumbüro zugebracht und ich könnte es mir heute nicht mehr vorstellen.

    Am schlimmsten war der ständige Lärm um mich herum. Es raubt einem jegliche Energie.
    Dann die permanenten privaten Gespräche (gerade unter Frauen sehr beliebt), die mich Null Komma Null interessiert haben und mich doch ständig von meiner Arbeit ablenkten.

    Als stille Mitarbeiterin wird man gerne von Chefs übersehen, obwohl man gute Arbeit leistet. Laute Mitarbeiter werden definitiv bevorzugt, gerade wenn es um Führungspositionen geht.

    Ich bin ein friedliebender Mensch und vermeide so gut es geht Auseinandersetzungen - gerade mit Kollegen. Nun ist es aber schwierig neutral zu bleiben, wenn es um Auseinandersetzungen unter den Kollegen geht und man um Position gebeten wird. Wenn man nämlich für keine der Parteien ist, ist man am Ende noch der Dumme, weil die Parteien sich irgendwann wieder versöhnen und einen "aus Rache" dann ausgrenzen.

    Das reicht aber noch nicht, denn da gibt es ja noch die After-Work-Parties :-)
    Wenn man als introvertierter Mensch in seinen wohl verdienten Feierabend gehen möchte, um sich zu erholen, wird man noch blöd angeguckt, wenn man nicht nach der Arbeit noch was zusammen Trinken gehen will - oder zur Betriebsfeier oder zur Weihnachtsfeier etc. Ich verbringe die meiste Zeit meines Lebens mit Kollegen und soll dann noch meine wertvolle Freizeit für sie hergeben !!

    Ich habe mich vor 12 Jahren selbständig gemacht und mir konnte nichts Besseres passieren. Wer auch immer diese Möglichkeit hat, sollte sie nutzen.
  • edited Juli 30
    Hm ich setze mal bei bluna7170 an:

    Ich mache mich gerade selbstständig und arbeite Nebenbei in einer Küche, da sind wir 2-4 Leute. "Schlimm" nicht per se aber Energieaufwendig war am Anfang alles kennenlernen, weil ich da ständig wegen jeder Kleinigkeit fragen muss und auf Kontakt angewiesen bin. Das hat mich sehr ausgelaugt, weil das sozial auch sehr viel ist, aber habe deshalb in den 2 Wochen auch privat mich geschont und war sehr fokusiert. Jetzt arbeite ich selbstständig (in der Küche) und muss niemandem Rede und Antwort stehen; ein mal im Monat gibts ein Bierfest und jetzt im August ein Sommerfest ganztägig, da werde ich nicht hingehen.

    Meine Wahrnehmung; also ich konnte jeden gleich einschätzen und verstehe mich mit jedem jetzt einzeln gut (bin 2-3 Wochen dort, also frisch). Gruppendynamiken muss ich nicht so, ich merke das eigentlich gleich und weiß ob ich mich raushalte oder halt grad die Lust da bei ist. Ich bin zwar introvertiert aber habe mir die soziale Ader zugelegt / antrainiert, weil es einer meiner größten Schwächen waren; ich knüpfe jetzt mühelos und schnell mit jedem Kontakt, das heißt, für Gruppendynamiken - die ja sozial geprägt sind, mitreißen und oft auch die Schwächen der Einzelnen zu kompensieren versuchen (Minderwertigkeit, Scheu, Angst, Dazugehören-wollen, Angst vor ausgegrenzt sein etc.), da kommen nie dumme Sprüche, weil sie meine Unsicherheiten entweder nicht sehen, oder sie nicht kennen, beziehungsweise weil ich keine soziale Unsicherheit ausstrahle und sogesehen in diesen Gruppendynamiken dadurch nicht angreifbar bin; falls es mal so kommt kommt eine zynische Bemerkung die das Gegenüber entlarvt in seiner eigenen .. Sache.. deshalb, denke ich, wenn ich es reflektiere dann spüren das die Menschen auch; oder im Endeffekt, weil ich mich respektiere, und diese Grenze auch respektiere, respektieren sie die andere - sie ist fühlbar. Ich bin weit darüber hinaus, mich für das zu rechtfertigen was ich bin, und akzeptiere jeden so wie er ist, obwohl ich auch meines Empfindens nach oft genug Gründe dafür hätte, es nicht zu tun. Und mir wurde dies nicht immer gegenüber-gebracht, von daher. Aber ich bin auch nicht mehr der, der jedem Verständnis gegenüberbringt, weil er viel beobachtet und sieht und versteht.. ich habe die Erfahrung gemacht das es Energievampire gibt und dann die (vermutlich sogar die selben), die bei Schwächen direkt raufhacken. Also nehmen und geben; unabhängig von der Introvertiertheit (die dafür bestimmt auch Faktor und anfällig war, abhängig von anderen Charakterzügen zusätzlich), habe ich mir (trotzdem) eine Dicke Haut anwachsen lassen. Und bei Bedarf eine scharfe Zunge.

    Privat außerhalb der Arbeit ist das wieder etwas anderes weil Beziehungen intimer sind, ich keine fixe Tätigkeit ausübe bei der das Ganze halt Sinn, Zweck, Richtung, Anfang, Ende hat; das ist pragmatische soziale Ausübung meinerseits, wobei die Prinzipien für Grenzen und so weiter sicher die selben bleiben. Aber ich versuche kaum bis nie da etwas zu vertiefen, bei Freundschaften und Liebeleien, bin ich natürlich anders; Private Gruppensituationen finde ich immer schwierig, aber auch möglich und abhängig vom Energielevel. Ich picke mir trotzdem meist 2-3 Leute maximal raus, da funktioniere ich noch sehr gut und es ist an mein Energielevel relativ angepasst; bei 1-2 Leuten brauche ich kaum Energie, weil es einfach persönlich wird (Humor ist zugeschnitten, Themen können vertieft werden; das erzeugt beides Energie weil es interessant und/oder lustig ist). Gruppensachen sind selten interessant oder lustig, da beobachte ich einfach zu viel was unterschwellig abgeht und vieles was wahrgenommen wird ist einfach zu oberflächlich und schnelllebig (meiner Meinung nach)

    Früher war das nicht so, das war der Horror und ich habe die Schatten der Menschen stark an mir erfahren (wobei es sicher schlimmer geht, aber für mich damals war das alles halt total Neuland und überfordernd). Ich bin jetzt auch nicht abgeneigt zB. auf das Sommerfest zu gehen, habe aber besseres zu tun für meinen freien Tag und erwarte jetzt nicht unbedingt, das es mich positiv überrascht oder anders wird als ich es erwartet habe - ich weiß auch ganz genau, das es trotzdem irgendwie Spaß machen kann, oder man dadurch sogar einfach Menschen trifft, die man sonst nie trifft, wenn das Schicksal einen zusammen führt, und dadurch Kontakte entstehen, einfach weil Masse und Aussonderungsverfahren. Aber da ist das Bedürfnis gerade nicht da. Aber so kann ich mir durchaus Gründe und Intitiativen schaffen für solche Angelegenheiten und die Sache sehr genießen oder zumindest als positiv, wertvoll und zweckvoll betrachten. Es würde mich auch freuen wenn meine Kollegen Spaß haben, man sich besser kennenlernt und das Vertrauen geknüpft wird, weil die Kollegen sich dann bei der Arbeit mehr entspannen können und alles angenehmer wird; aber die Notwendigkeit sehe ich jetzt nicht, die ist entspannt. Vertiefen muss man es nicht.

    Ich komme mir ziemlich Autistisch vor jetzt wo ich das alles so schreibe und lese. ^^
  • Hallo an alle, und besonders an die, die hier einen Beitrag geschrieben haben. Ich bin total froh, eure Meinungen zusammenzufassen und diese in meine Arbeit zu integrieren, da ich diese authentische Art und Weise, wie dieses Forum hier funktioniert, so sehr schätze. Ich habe auf euren Kommentaren aufbauend ein Konzept für meine Gestaltungsarbeit entwickelt, welches ich in einer Umfrage nochmal hinterfrage und dachte, wenn ich eine introvertierte Zielgruppe ansprechen will, dann hier.
    https://forms.gle/3HGRdDmhiaNMT5MU6
    Ich würde mich über eine Teilnahme freuen, aber wenn nicht, auch vollkommen okay. :)

    Habt einen schönen Tag!
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