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Kollegen = Freunde?

Scheint ja laut der aktuellen Top-Diskussionen ein Thema zu sein, was einige von uns betrifft oder zumindest beschäftigt.
Ich möchte heute einmal diese Sache herausgreifen, die in einem der Vorstellungsthreads Anklang fand und bereits zum Austausch anregt.

Es geht um das Thema, wie viel Privates im Job angemessen und gut ist.
Daraus ergibt sich für mich auch die Frage, ob man mit Kollegen befreundet sein sollte und was man Kollegen über sich preisgibt.

Ich für meinen Teil mache seit einiger Zeit die Erfahrung, dass es durchaus helfen kann, nahbar zu sein. Seine menschliche Seite zu zeigen und auch mal einen Blödsinn von den Kollegen angefacht, mitzumachen.

Doch ich habe die letzten Tage leider auch wieder gemerkt, es ist ein schmaler Grad, wem man was erzählen kann und ob es auf irgendeine Weise wieder zu einem zurückkommt.

Entscheidend kann wohl auch sein, wie lange man bereits in der selben Firma arbeitet.
Das ist bei mir zum Beispiel schon eine relativ lange Zeit. Und so habe ich vielleicht in früher Jugend einmal etwas über mich erzählt, was jetzt, nach eifrigem Wechsel der Mitarbeiter, von ebenfalls schon längere Zeit in der Firma Arbeitenden ungefragt wieder ins Tischgespräch eingebracht wird.

Diesen Umstand kann ich im Grunde nur so für mich verwandeln, indem ich bei der betreffenden Person vorsichtig bin, was ich ihr oder in ihrem Beisein von mir gebe.

Eine Freundschaft zu ArbeitskollegInnen halte ich persönlich nur für möglich, wenn man sich zwar auf der Arbeit kennengelernt hat, aber bestenfalls beide irgendwann in anderen Firmen tätig sind.

Gute Bekanntschaften auf der Arbeit zu knüpfen halte ich dagegen für machbar. Doch es bleibt dünnes Eis.

Kommentare

  • edited September 2
    Liebe enjoythesilence!
    Ein SUPER Thema - und auch zu einem guten Zeitpunkt!

    Ich habe es immer so gehalten, dass ich mich anfangs, wenn ich auf neue Menschen traf, in den Beobachtungswinkel begab und ich werde dies weiterhin genau so tun. Hier höre ich viel, oft viel zu viel, es gibt unzählige Momente, wo ich mir denke: "Wie alt muss man eigentlich werden, um der Gefahr so einer Naivität zu entkommen?" Offensichtlich gibt es kein Alter, das schützt. Auch ältere Menschen, also 50+ (im Berufsleben gilt man da als älter und es betrifft mich ja auch), geben, obwohl sie viel Lebenserfahrung haben müssten, Dinge über sich preis (teilweise schon an Schnuppertagen), worüber ich nur den Kopf schütteln kann. Oftmals schon mitten aus dem eigenen, tragödienreichen Leben ... will man so Verbindlichkeiten schaffen?
    Kaum entschwunden, geht's los mit den boshaften Kommentaren ... Spätestens da muss ich mich verdrücken, sonst platzt mir der Kragen.

    Ich persönlich halte es dennoch für möglich, freundschaftlich miteinander umzugehen. Wo dies möglich war, habe ich mich äußerst unterstützend und zuvorkommend verhalten und da bekommt man durchaus in einigem mit, wie diese Personen ticken.
    Hier kristallisieren sich dann tatsächlich Menschen heraus, mit denen (nachdem sich die beruflichen Wege getrennt haben) im Nachhinein sehr tragfähige Beziehungen möglich waren und sind. Definitiv wurden mehrere Freundschaften genau so begründet. Interessanterweise immer mit Menschen, die ihr Herz eben nicht auf der Zunge tragen, bzw. die nach kurzer Zeit wussten, dass sie bei mir sehr gut aufgehoben sind - eben, weil auch diese Menschen es verstanden haben, zu beobachten. Und vor allem auch zu hören, was und wie gesprochen wird, wenn jemand den Raum verlässt beispielsweise.
    Das ist immer recht aufschlussreich. Zwei ganz junge eh. Kolleginnen fallen mir dazu ein, die sich da sehr klug verhalten habe - mit einer habe ich seit vielen Jahren eine sehr enge Beziehung (auch, wenn wir uns nicht sehen, sind wir uns immer verbunden), mit der anderen weiß ich, dass es auch eine vertraute Beziehungsbasis geben wird.

    Tischgespräche über Dinge, die jemandem irgendwann einmal passiert sind und nach Jahren wieder aus der Erinnerungskiste hervorgeholt werden, das habe ich unzählige Male erlebt. Ich hielt das für sehr unpassend, weil ich finde, dass jeder Mensch selbst entscheiden muss, was er an Privatem einbringen will. Solcherart Verhalten verbuche ich unter "distanzlos".
    Ebenso, wie ich es als äußerst respektlos empfinde, wenn z.B. andere Menschen geoutet werden, Stw. sex. Orientierung. Das packe ich dann überhaupt nicht. Einfach mal so, im Vorbeigehen: "Du übrigens, der / die ist ..." Selbst, wenn "der" / "die" damit nicht hausieren ging, aber zufällig irgendwo mit irgendwem gesehen wurde ...

    Es IST dünnes Eis - und es ist ein Geschenk, auf MENSCHEN zu treffen. Leute können mir gestohlen bleiben ...

    Ganz liebe Grüße!
  • Hm wir haben einen neuen Mitarbeiter, mit dem habe ich direkt nach 20 Minuten persönliche Gespräche geführt, auch interessiert an Nietzsche, über sein Studium, wie er zur Welt steht, etc. Meine Mit-kollegen haben komisch geschaut weil sie 1. diese persönliche Ebene mit mir nach 2 Monaten nicht haben und 2. weil sie vielleicht dachten, ich sei verschlossen (?)... ironischerweise hat mir derjenige heute erzählt er braucht nach einem sozialen Treffen (mit zb. Freunden) 3 Tage Erholung (scheinbar auch sehr intro), was aus unserem heiteren Gesprächen für mich so nicht ersichtlich war.

    Also ich weiß schon explizit wer/wo Kollege ist und da ich grundsätzlich mit jedem gut klarkomme(n kann), bedeutet das nicht, dass ich will, oder das es etwas bedeutet;

    Also lange rede kurzer Sinn, ich wusste und weiß schon recht intuitiv wem ich was erzähle; mit meinem Chef habe ich nach 2 Wochen auch über meine letzte Beziehung, seine Erfahrungen, Thesen und Lehre aus den ganzen Erfahrungen, usw., neben der Arbeit so offen besprochen; der hat mir direkt Dinge erzählt, die erzählst du deinem besten Freund; aber mit der (unausgesprochenen) Prämisse, dass die Arbeit Arbeit bleibt, man nicht direkt befreundet ist, man sich aber respektiert - dieses Gefühl ist ja irgendwie Prämisse dafür, dass solche Gespräche (fast schon freundschaftlich oder über das kollegiale hinausgehende) überhaupt entstehen, weil es ja intim ist und man sich verletzlich zeigt

    Wer diesen Respekt nicht hat, einhalten kann oder bricht, ist von vornhinein ausgeschieden oder scheidet dann aus; ich mache auch vor versammelter Gruppe jemanden nieder, natürlich mit gezielt wahren Worten, falls Grenzen überschritten werden (meistens erst mehrmals und dann mit bedacht) und erwarte von mir den selben Respekt; das ist in den letzten 10 Jahren schon gut drei mal passiert, wo dann auch der Chef dazu kam um zu fragen ob meine Wortwahl auch diese und jene war, ich habe bejaht, den Kontext, das Geschehen, das Verhalten usw. erklärt, und meistens haben die dann (weil sie ja im Unrecht waren, entweder Arbeitstechnisch oder moralisch), Ärger bekommen, meistens danach mich gemieden und/oder, falls Kontakt nötig war, sich wie dreckige Hunde und Arschkriecher benommen; einer hat mal gekündigt, mit der Hoffnung, der Chef kommt an und bettelt das er wiederkommt; ist nicht passiert, dann kam er angebettelt, wurde wieder aufgenommen und hat für mich sogar Aufgaben übernommen um die ich ihn niemals gebeten hatte (und die auch nicht nötig waren).

    Einmal bekam ich um Punkt 8 Uhr (auf die Sekunde) von meinem Oberchef einen Anruf und der ging ungefähr so: "Dominic. Dominic. So. Also, bevor ich jetzt zu brüllen anfange und hysterisch rumschreie, und du immer nur gutes Feedback bekommst und ich das gar nicht erwartet hätte, möchte ich mir erst mal deine Geschichte anhören. Hast du echt während der Arbeit (den damaligen Chef von mir) ein dummes Arschloch genannt und.. erzähle.." (Da hatte ich den Typ ein beschissenes Arschloch genannt, was er auch war und ich habe jedwaige (Zusammen)Arbeit ab dem morgigen Tag verneint). Dann kam der Oberober-chef dazu und hat den Chef (das Arschloch) richtig niedergemacht. Ich wurde angebettelt, noch so lange dort bei ihm zu machen bis Ersatz eintrifft und ich hatte volles Verständnis

    Sprengt jetzt vl. das Topic aber ich habe mal Freunde = Kollegen; Kollege = Feind mit eingeschlossen. :D Ich mache da wiederum keinen Unterschied zwischen "Putzfrau, Kollege und Chef".. die Menschen spüren das denke ich dass ich diese Ebene zwar anerkenne als soziales (und praktisches Konstrukt), im Sinne der Aufgaben und Verantwortungen, ich mich menschlich aber sicher nicht nach solchen hierarchischen Ebenen verhalte oder anpassen werde, oder das sich Leute (mit schlechtem Benehmen) dahinter verstecken können. Sogesehen kann Freundschaft auch überall entstehen (hatte sogar zwei Chefs mit denen ich gut befreundet war, auch wenn ich einen davon aus den Augen verloren habe; aber so ein gutherziger Mensch, der wurde dann selbstständig und hat mir angeboten bei ihm zu arbeiten, gut bezahlt, easy job).

    "Doch es bleibt dünnes Eis."

    Ich denke dafür habe ich schon ein gutes Gespür und auf dünnem Eis bewegt man sich tatsächlich nur, wenn man selbst etwas Vorheuchelt, was nicht existent ist - etwa Sympathie oder gemeinsame Interessen, oder Charakterzüge; natürlich immer mit einer zuvorkommenden Freundlichkeit, dort wo sie nicht besteht, und klare Grenzen zu setzen und dahinter zu stehen (was irgendwie equivalent ist mit sich selbst nicht etwas vorheucheln - oder den anderen), dort wo es ersichtlich ist oder ersichtlich wird, das einfach das Kollegiale schon mehr ist als man zu Erwarten hat, und alles darüber-hinaus erzwungene, nicht-natürlich entstehende (oder bestehende) heiße Luft ist, die man nicht unbedingt mit dem Fächer auch noch verteilen sollte wie so einen Furz
  • @domsi,
    einer meiner liebsten Menschen war eine eh. Chefin, die Vertrauensbasis war zu jedem Zeitpunkt gegeben und ich kann behaupten, es war Freundschaft und Vertrautheit. Im Gedenken an diesen Menschen ist noch soviel Verbundenheit da ...

    Freundlich bin ich, wenn Freundlichkeit angebracht ist und auch ehrlich gelebt werden kann - das kann auch mal gegenüber einem Menschen sein, dem gegenüber ich ansonst nicht durchgehend positiv gesonnen bin. Wenn er handelt oder spricht, wie es meine Unterstützung findet, neige ich in diesem Moment dazu, dies in dieser Situation zu respektieren.
    Es wäre heuchelnd, würde ich alles abnicken, vielleicht auch aus Respekt vor Hierarchien - genau der gleiche Mensch wird von mir hören, wenn ich etwas nicht richtig finde. Ich bevorzuge eher das 4-Augen-Prinzip, doch manchmal lässt sich eben Publikum auch nicht vermeiden.

    So wie Du akzeptiere ich (wenn sie es sind: sinnvolle!) Hierarchien im Sinne von Aufgaben und Verantwortungen, in menschlicher Hinsicht gibt es für mich keine Hierarchien: Wer Mensch ist, wird sich mit mir wohlfühlen, wer sich anders verhält, der wird mein Missfallen spüren.
  • Ein super Thema indeed! Und offensichtlich sehr facettenreich.
    Interessantes und Wichtiges konnte ich bereits aus euren Zeilen mitnehmen @seelebilder und @domsi

    Respekt, Menschlichkeit, authentisch sein, eine gewisse Trennung von Arbeit und Freizeit, Hierarchien (und dass sie menschlich tatsächlich für den Arsch sind ;)

    Spüren, wem man was sagen kann und wem nicht.

    Im Vier-Augen Gespräch gelingt mir das glaube relativ gut.
    Und es ist mir tatsächlich mehr als einmal passiert, dass ein offenbar Intro-Kollege neu ins Team kam, mit dem sofort eine Verbundenheit bestand, die jedoch nach relativ kurzer Zeit die Arbeitsstelle wieder verlassen haben (warum nur? ;) und der Kontakt hat leider nicht gehalten.

    Das ist halt das Blöde an Intro Freundschaften: diese Menschen brauchen viel Zeit für sich, es reichen ihnen ein paar wenige, wirkliche Freunde und manchmal sind sie auch nicht so gut im Kontakt halten ;)

    Ob ich selbst neu in einem Team bin oder jemand neu ins Team dazukommt: ich tendiere schon immer dazu, zunächst freundlich die Beobachterrolle einzunehmen.

    Manchmal werde ich jedoch herausgefordert. Und interessanterweise bestätigt und verfestigt sich dieses allererste Gefühl für den Kollegen in letzter Zeit zusehens.

    Ich halte mich selbst für einen neugierigen Menschen. Doch bin ich dabei seltenst (hoffentlich!) distanzlos. Ausfragend.

    Und ich habe gelernt, bei persönlichen Themen hauptsächlich bei mir zu bleiben.
    Tischgespräche über allgemeine Themen wie Musik und Filme können sehr erfrischend sein und man gibt da ja mit unter bereits auch schon einen Großteil von sich preis. Doch es ist wohl ein Unterschied, wenn in einer etwas hitzigen Diskussion beim Mittagessen über den Tisch geplärrt wird: du findest Film XY ja so toll, das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen ..

    Als dass vor versammeltem Team private Details zur Familien- und Wohnsituation auf den Tisch kommen. Das hat mich ehrlich geschockt. Und ich wußte mir in dem Moment nicht anders zu helfen als meine Stimme zu erheben, die betreffende PERSON anzuschauen und sie Lügen zu strafen. Denn was sie da von sich gab, entsprach noch nicht einmal den Tatsachen.
    So entstehen Gerüchte.

    Das Vertrauen in diese Person war schon eine Weile futsch. Von daher kam dieser verbale Angriff für mich nicht wirklich überraschend.
    Doch mir einen Tag später dann etwas von Datenschutz erzählen zu wollen. Da habe ich nicht schlecht gestaunt und fand es einfach nur noch lächerlich.

    Das ist eine Seite zum Thema. Da bin ich klar, mit so einer Person werde ich mich nicht befreunden. Und letztendlich auch nicht mit Menschen, die mit dieser Person zu tun haben. Also meinen übrigen Kollegen.

    Aber ja, ich merke es grade selbst. Es ist wohl personenabhängig und hat vielleicht weniger mit dem Umfeld der Arbeit zu tun.

    Kann man einem anderen Menschen vertrauen/etwas anvertrauen oder macht es öffentlich die Runde?
    Und was genau wäre so schlimm daran, Informationen (über die eigene Person) verbreitet zu wissen?
  • Ach ja, liebe enjoythesilence,
    ich weiß mich in unzähligen, von Dir beschriebenen, Gelegenheiten,
    wo Gesagtes verdreht und somit völlig verfremdet wurde.
    Genau von der Person, die auch dafür zuständig gewesen wäre, den Datenschutz immer wieder präsentzumachen, nämlich genau dann, wenn in solch geselligen Runden über Spezielles gewitzelt wurde. Interessanterweise waren da oft jene Herrschaften involviert, die es gar nicht haben können, wenn sie selbst "Ziele" solcher Aktionen werden. Die betreffende Person übrigens auch, die konnte da ganz sauer werden, wenn über sie gesprochen wurde ...
    Warum tun sich Menschen dann bei solchen Gesprächen so hervor? Ich vermute, dass sie glauben, so nicht selbst zur Zielscheibe zu werden! Welch krasser Irrtum! Sie sollten es ahnen, wenn sie hören, wie über jemanden geredet wird, der gerade nicht anwesend ist ... Das gilt selbstverständlich auch für sie selbst, wenn sie der Meute den Rücken zukehren.

    Man kann Menschen etwas anvertrauen, auch im beruflichen Kontext, diese Erfahrung zu machen, ist mir noch an jeder Arbeitsstelle gelungen. Bei jeweils gleichtickenden Menschen - und zu diesen habe ich heute noch einen Draht!
    Obwohl es mir immer schwerer fällt, Kontakt zu halten. Das war vor 25, 30 Jahren noch ganz anders! Da galt ich als Garant dafür, dass kleine Runden, wo sich alle gegenseitig mochten, nicht zerfallen sind ...

    Was daran schlimm ist, Informationen über die eigene Person verbreitet zu wissen?
    Eben genau das, dass meist unglaublich viel dazugemacht wird (ob unabsichtlich oder absichtlich, ich kenne beide Varianten) oder eben auch das, dass wir selbst entscheiden wollen, wer was zu hören bekommt! Das funktioniert bei mir so und nicht anders.

    Eine Ent-täuschung dieser Art ist zwar schmerzhaft, aber Dein Gefühl hat sich also bestätigt: Du kannst Deinen Beobachtungen und Deiner Intuition trauen und siehst ganz klar. Das sollte Trost sein, ein wenig zumindest!

    Datenschutz heißt übrigens auch in vielen offiziellen Firmenkulturen, dass Gespräche über Privatleben anderer eindeutig zu unterbleiben haben! Soweit mal am Papier oder im entsprechenden Video-Material dazu ...

    Liebe Grüße!
  • @enjoythesilence
    Auch anders herum betrachtet: Es kann einen nicht kalt lassen wie jemand zurechtkommt, empfindet, mit welchen Sorgen zu kämpfen hat den man nachempfinden kann, täglich trifft und mit dem man sich zumindest zeitweilig gut versteht.
    Ich stimme Dir zu dass man abwägen sollte was man wem und in welchem Umfang preisgibt. Ein gegenseitiges Vertrauen ist auch ein Wachstumsprozess.
    Wem an einer dauerhaften Freundschaft liegt der wird in sich bewahren was er vom Anderen erfährt und dennoch sein Verständnis und stärkendes Miteinander darauf ausrichten.

    "Eine Freundschaft zu ArbeitskollegInnen halte ich persönlich nur für möglich, wenn man sich zwar auf der Arbeit kennengelernt hat, aber bestenfalls beide irgendwann in anderen Firmen tätig sind."
    Eine erst nach einem Jobwechsel auflodernde Freundschaft muss sich nicht irgendwelchen Zweifeln unterwerfen, jedoch vergibt man auch einen großen Teil der aufbauenden Wirkung wenn man sich noch häufig sieht, alltäglich die Stimmungen erfahren kann und jemanden stärken kann durch ein Lächeln, einen auf den Anderen abgestimmten Umgang oder auch nur durch die Gewissheit dass ganz in der Nähe jemand ist der einen besser versteht.

    @Seelenbilder
    "Kaum entschwunden, geht's los mit den boshaften Kommentaren ... Spätestens da muss ich mich verdrücken, sonst platzt mir der Kragen."
    Wie Du schon schreibst kann man mit der Zeit erkennen wer nachteilig über Andere redet und wer in Schutz nimmt.
    Ich glaube auch dass die mit den hässlichen Kommentaren sehr schnell unter sich bleiben. Umso mehr halten die wirklich Verbundenen zusammen.

    Ich bin sicher dass es auch sensible Menschen gibt die sich im beständigen Reflektieren ihres Verhaltens zu anderen sensiblen Menschen selbst zermartern würden wenn sie sich zum Nachteil dieses Anderen Menschen äußern würden. Es ist wohl diese Art Zuverlässigkeit die man im Anderen sucht.
  • @Nightworker
    "Auch anders herum betrachtet: Es kann einen nicht kalt lassen wie jemand zurechtkommt, empfindet, mit welchen Sorgen zu kämpfen hat den man nachempfinden kann, täglich trifft und mit dem man sich zumindest zeitweilig gut versteht."

    Ich verstehe glaube gut, was du damit sagen möchtest.
    Vielleicht ist es auch eine Frage, wie man eine Freundschaft definiert.
    Was du beschreibst - im Grunde mitfühlenden Umgang bei der Arbeit - gehört bei mir persönlich zum Alltäglichen dazu.

    Eine Freundschaft würde für mich beinhalten, durchaus auch mal etwas gemeinsam fern der Arbeitstelle zu unternehmen.
    Den betreffenden Menschen in meinen heiligsten Rückzugsort zu lassen.

    Offenbar unterscheide ich da zusätzlich zwischen dem Teilen von Befindlichkeiten, Erlebnissen und äußeren Umständen.

    Am einfachsten, wenn ich mir (noch) nicht sicher bin, was ich mit meinen Mitmenschen teilen kann (ohne, dass es in negativer Form zu mir zurückkommt) ist glaube, das mitzuteilen, was ich ohne nachzudenken erzählen möchte. Es ist also mehr ein Gefühl, ob ich mich zurückhalte oder sehr frei sprechen kann.

    Bei denen ich mich bewußt mit Informationen zurückhalte, das sind die Kollegen.
    Diejenigen, die einen Großteil meines ichs gezeigt bekommen, obwohl sie beim selben Arbeitgeber beschäftigt sind, würde ich mal als gute Bekannte bezeichnen.

    "Ich stimme Dir zu dass man abwägen sollte was man wem und in welchem Umfang preisgibt.
    Ein gegenseitiges Vertrauen ist auch ein Wachstumsprozess."

    Das finde ich eine wichtige Erkenntnis!
    Es gibt auch KollegInnen, da hatte ich anfangs ein gutes Gefühl, welches mit der Zeit Risse bekommen hat.

    Je mehr man sich unterhält, umso mehr merkt man ja auch, wie ein anderer Mensch so tickt.

    "Wem an einer dauerhaften Freundschaft liegt der wird in sich bewahren was er vom Anderen erfährt und dennoch sein Verständnis und stärkendes Miteinander darauf ausrichten."

    Könnte das im Umkehrschluß heißen: wer über andere spricht, dem wäre nichts an einer Freundschaft gelegen?

    Über Kollegen lästern wurde hier im Forum ja schon das ein oder andere Mal thematisiert.
    Ich bemühe mich sehr, mich daran nicht zu beteiligen. Gehe entweder aus dem Raum, bevor ich mir eine Hetzerei anhöre, oder versuche das Gespräch in ruhigere Gewässer zu bringen.

    Wie sagte einmal ein Mediator vor unserem Team: miteinander reden, anstatt übereinander.

    Ja, da ist etwas Wahres dran :)

    ".. jedoch vergibt man auch einen großen Teil der aufbauenden Wirkung wenn man sich noch häufig sieht, alltäglich die Stimmungen erfahren kann und jemanden stärken kann durch ein Lächeln, einen auf den Anderen abgestimmten Umgang oder auch nur durch die Gewissheit dass ganz in der Nähe jemand ist der einen besser versteht."

    Könnte man das, was du hier wirklich schön beschreibst, vielleicht auch als Standard im Umgang unter Kollegen ansehen?
  • edited September 9
    ich hatte schon ne gute Kollegin, die ich aber nie als Freundin bezeichnete, nur eine nette Kollegin, dachte ich die Jahre zumindest. Ich trenne Arbeit und Freizeit miteinander. Auch sie lästert über andere und wer weiß was sie über immer mich erzählte, oder welchen Hass sie nun hat. Mittlerweile gehen wir "getrennte" Wege. Dieses ständige schlecht machen von anderen und Hassgefühle, weil sie sich verletzt fühlte, stiegen mir zu Kopf. Ich empfinde es nicht gut überhaupt Kollegen als Freunde zu haben, denn man gibt ja dann auch viel privates von sich preis und bei Menschen die sowieso schon gern über andere lästern, die erzählen dann vielleicht Dinge die niemanden etwas angehen.

    Und dann ist es auch eine Frage der Treue und aber auch ob man sich für den anderen freut. Wenn dieser Mensch in einer Gruppe steht und anfängt blöde Kommentare über einen zu reißen, wo man denkt, das dieser Mensch zu einem stehen müsste und sich aber sich so verhält als gehöre er nicht zu mir, der kann mir gestohlen bleiben. Oder immer neidisch ist und einem etwas nicht gönnt, das ist keine gesunde "Beziehung" sondern es geht dann immer nur um einen Wettkampf, worauf ich keine Lust habe. Es machte müde. Leider fiel mir wie hier schon geschrieben, der wahre Charakter erst später auf.

    Ich fand es nur schade, das es so enden musste.
  • @enjoythesilence
    "Könnte man das, was du hier wirklich schön beschreibst, vielleicht auch als Standard im Umgang unter Kollegen ansehen?"
    Ja, es sollte Standard sein.

    Möglicherweise hänge ich mit meinen Vorstellungen von Freundschaft auch einer Illusion nach. Ich selbst bin sehr zurückhaltend bei starken Persönlichkeiten denen Verständnis für Introversion, Zaghaftigkeit und Selbstzweifeln fehlt.

    Ich denke manch skeptische Bemerkungen über Andere resultiert vielleicht auch aus einer Ohnmacht nicht zu wissen wie derjenigen mit demjenigen umgehen soll. Die sehr wenigen ausführlicheren Gespräche sind wohlwollend und stellen die Schwierigkeiten und Widersprüchlichkeiten von Arbeitsanforderungen in den Vordergrund. Vielleicht bin ich aber auch aus Negativgesprächen ausgeschlossen.

    Ich finde es einfach traurig wenn eine anfänglich bestehende Freundschaft sich nicht entwickeln und verbessern darf.
    Verständlich dass sie hohe Anforderungen an das Miteinander und die Verlässlichkeit stellt, das ist wesentliche Grundlage. Vielleicht sollte man den fortbestehenden Wunsch für ein aufrichtiges Miteinander in einer verständnisbereiten Freundschaft weiter wahrnehmen können.
  • @Nightworker

    Vor allem der letzte Absatz ist derzeit genau mein Thema!
    Allerdings weniger auf ArbeitskollegInnen bezogen.

    Ich bin mir nicht sicher, ob das typisch Intro oder nur typisch ich ist:
    selten, dass ich in Bekanntschaften, die zu Freundschaften werden können so Hals über Kopf reinrausche. Ich beobachte und wäge ab. Vielleicht, weil ich nicht die sein möchte, die sich geirrt hat und deshalb wieder einen Rückzieher machen muß.
    Soll heißen: wenn ich mich für einen Menschen entschieden habe, halte ich mich auch in dieser Beziehung für verlässlich.

    Zumindest gilt für mich der Spruch, wie es hier im Forum einmal so schön beschrieben wurde: ich lasse keine Hand los, die meine hält.

    Das ist nicht immer leicht.
    Doch ich gehöre nicht zu den Menschen, die schnell aufgeben. Ist das dumm?

    Sicher gibt es Zeiten, in denen ich für mich bin/sein muß und manchmal verliert man Bekanntschaften (dadurch) aus den Augen. Eine Freundschaft benötigt Pflege.

    Doch sollte man eine Freundschaft beenden, wenn man diese Pflege nicht aufbringen möchte oder darf es möglich sein, sich eine Weile nicht zu melden, doch aus grundsätzlicher Verbundenheit durchaus wieder anzuknüpfen?

    Das frage ich mich tatsächlich seit letzter Woche.
  • @enjoythesilence

    Du fragst: Doch sollte man eine Freundschaft beenden, wenn man diese Pflege nicht aufbringen möchte oder darf es möglich sein, sich eine Weile nicht zu melden, doch aus grundsätzlicher Verbundenheit durchaus wieder anzuknüpfen?

    Hmmm, besteht denn die Möglichkeit, innerhalb dieser Freundschaft darüber zu sprechen, dass es gerade schwer ist, diese zu pflegen? Also sich vorübergehend sich mehr um sich zu kümmern?

    Liebe Grüße von wuw
  • edited September 12
    @wind_und_wellen
    Ja, diese Möglichkeit würde bestehen.

    Und was mich angeht, so würde ich mir Austausch wünschen und hätte vollstes Verständnis für einen Rückzug auf Zeit. Doch wenn das Gegenüber für sich im Alleingang entscheidet, die Verbindung zu lösen, da braucht man sich im Grunde auch nicht mehr "erklären".

    So empfinde ich es zumindest. Denn auch meine Energie ist kostbar!
  • @enjoythesilence

    Habe dir erstmal privat etwas geschrieben :))
  • @enjoythesilence

    Hmmm, ja das stimmt. Wenn die andere Seite sich entschieden hat, die Verbindung zu lösen, wird es kniffelig.
    War es denn eine Auflösung mit "Ansage" - also dass Dir mitgeteilt wurde, dass die Freundschaft aufgelöst wird?

    Ja, Energie ist kostbar! Und zu viel würde ich da auch nicht "investieren", wenn es "aussichtslos" erscheint. Zumindest eine kleine Rückmeldung?
  • @wind_und_wellen

    Auflösung mit „Ansage“ würde ich das nicht nennen, wenn ich in einer Nachricht vor vollendete Tatsachen gestellt werde. Ich respektiere diese Entscheidung. Versuche, nicht zu enttäuscht zu sein und hadere derzeit mit mir, ob es nicht sogar der bessere Weg künftig auch für mich wäre, einen glatten Schnitt anzusetzen und für klare Verhältnisse zu sorgen.

    Warten auf Antwort hat sicher niemand verdient.
    Aber ab wann wartet man und was wäre eine angemessene Zeit, in der man antworten sollte?

    Es ist doch klar, dass jeder von uns ein Leben hat und nicht immer und sofort parat steht, so lange es nicht um Leben und Tod geht.

    Ich empfinde solch eine Freundschaftsauflösung als etwas sehr Endgültiges. Bisher war ich es gewohnt, auch nach längerer Zeit des Schweigens wieder dort anknüpfen zu können, wo man war. Ohne Groll. Mit jedem Menschen verbindet einen doch auch eine Geschichte. Eine gemeinsam erlebte Zeit. Das werfe ich persönlich ungern weg, gehöre aber nachweislich auch zu den Bewahrern :)
  • Wieder zurück zum eigentlichen Thema :)

    Ich mache in letzter Zeit die Erfahrung, dass es einerseits Vorteile haben kann, wenn man freundschaftlichen Umgang mit seinen Kollegen pflegt - verbringt man mit den Kollegen ja teilweise sogar mehr Zeit als mit der eigenen Familie.
    Dann wiederum gibt es Situationen, da muß man aufpassen, nicht gegeneinander ausgespielt zu werden. So nach dem Motto: hey, wir sind aber doch befreundet und verstehen uns so gut, jetzt sei bitte auch bezüglich Angelegenheit XY auf meiner Seite (sonst bist du nicht mehr mein/e FreundIn.)

    Da sehe ich Konfliktpotential.

  • Liebe @enjoythesilence,
    auf den Punkt gebracht möchte ich meinen, dass es, wie in anderen Lebensbereichen auch, kein Problem wäre, wenn man freundschaftlichen Umgang in einer eigentlich von Konkurrenz nur so wimmelnden Gesellschaft pflegen würde, wenn - ja, wenn - die an so einer Beziehung Beteiligten wie reife Erwachsene handeln würden!
    So, wie Du das Miteinander bzw. Gegeneinander beschreibst, ist das nur sehr schwer möglich. Ich bleibe dabei, Kollegen sind Menschen, die k.o.l.l.e.g.i.a.l. schon recht viel Wert sein können, es muss nicht unbedingt freundschaftlich sein!
    Liebe Grüße, C Stern
  • @enjoythesilence

    "Dann wiederum gibt es Situationen, da muß man aufpassen, nicht gegeneinander ausgespielt zu werden."
    Ich denke mir wäre die Freundschaft wichtiger. Sie darf kein Zweckbündnis sein.
    Ich würde wohl sagen wie ich mir eine Situation wünschen würde, aber ich würde dem Anderen dafür keine Last aufbürden wollen, es wäre mir total unwohl dabei.
    Ich denke in Freundschaften geht es eher darum Halt zu geben oder auch nach Wegen zu suchen es etwas leichter zu machen.

    Doch vielleicht habt Ihr recht und man sollte im Beruf doch keine Freundschaften erwarten. Da bin ich wohl zu blauäugig.
  • Ich möchte Freundschaften im Beruf nicht vollkommen ausschließen, wollte nur eine Diskussion anregen, wie eine Freundschaft unter KollegInnen möglich sein kann und ob überhaupt.

    Ich kenne Beispiele, da wurde aus einer Bekanntschaft im Job sogar Liebe inklusive Hochzeit. Doch das halte ich eher für selten.

    Ich bin etwas hin und hergerissen, ob ich es erstrebenswert finden soll, mich mit meinen direkten Kollegen und Kolleginnen zu befreunden. Ich persönlich halte aus den genannten Gründen lieber etwas Abstand. Das bedeutet ja nicht, dass der Kontakt kühl und die Themen nur um die Arbeit kreisen. Doch ich würde mit meinen KollegInnen eher nicht verreisen. Mit meinen FreundInnen schon.

    Vielleicht könnte es eher klappen, wenn man in einer großen Firma arbeitet, mit unterschiedlichen Abteilungen? Also, dass man sich ohnehin nicht unbedingt täglich über den Weg laufen würde. Dann hätte solch eine Freundschaft den Vorteil, dass der jeweils andere eine Vorstellung vom Arbeitsumfeld hat, wenn die Sprache darauf kommt. Kann ja auch Vorteile haben.

    Doch ich bin ein vorsichtiger Mensch und prüfe umso genauer, wem ich mich anvertraue, je näher die betreffende Person meiner Arbeitsstelle ist.
  • "Doch ich bin ein vorsichtiger Mensch und prüfe umso genauer, wem ich mich anvertraue, je näher die betreffende Person meiner Arbeitsstelle ist."

    Liebe enjoythesilence,
    so habe ich es auch immer gehalten, umso schöner die Erfahrung, wenn aus Kollegialität Kontakte wurden, die heute noch, nach drei Jahrzehnten, unter "Freundschaft" fallen: Ich denke da konkret an zwei Menschen :-)
    Bei der Arbeitsstelle habe ich immer wieder einzelne Menschen erlebt, mit denen ein Wort unter 4 Ohren möglich war und der Inhalt auch bei diesem einen Menschen blieb, was ich schon als Vertrauen einordnen kann.
    Im Grunde ist nur wichtig, zu spüren, ob ein Mensch dieses Vertrauen verdient, und wenn ja, dann ist es ziemlich gleichgültig, welchen Titel diese Verbindung bekommt. Für mich jedenfalls!
    Ich unterscheide ja gerne zwischen "Menschen" und "Leuten" - das trifft es für mich reichlich.
  • Zwischen Menschen und Leuten zu unterscheiden - ja, das ist sicher eine gute Sache :)

    „Im Grunde ist nur wichtig, zu spüren, ob ein Mensch dieses Vertrauen verdient, und wenn ja, dann ist es ziemlich gleichgültig, welchen Titel diese Verbindung bekommt.“

    Finde ich schön ausgedrückt und nehme deine Erkenntnis einmal für mich mit @seelenbilder
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