Hey Fremder!

Sieht so aus als wenn du neu hier bist. Wenn du mitmachen willst, drücke einen dieser Buttons!

Aufgrund der Datenschutzgrundverordnung ist es wichtig, auf das Impressum sowie die Informationen zum Datenschutz hinzuweisen. Hier sind die entsprechenden Seiten: Impressum – Datenschutzerklärung. Außerdem möchte ich auf die Hausordnung des Forums verweisen.

wie unterstütze ich meine Tochter?

Hallo,
ich habe eine Tochter, 17. Sie ist eine freundliche, aber häufig sehr in sich gekehrte Person. Kontaktaufnahme zu anderen fällt ihr schwer. Wenn sie Bindungen zu Freunden eingeht, dann sind diese sehr eng, häufig fühlt sie sich dann aber von (in meinen Augen ) kleinen Dingen hintergangen und ist sehr enttäuscht.

Sie hat im Sommer ihren mittleren Schulabschluss absolviert und geht jetzt auf ein Gymnasium. Das heißt, neue Lehrer, neue Klassenkameraden, keine von ihren Freunden ist in der Klasse. In der Schule wird viel wert auf mündliche Mitarbeit und Ergebnispräsentation gelegt.
Sie äußert sich seit Beginn der Schule sehr oft negativ. Sie möchte nicht zur Schule, ist aber verantwortungsbewusst und geht trotzdem hin. Sie möchte aber das Abitur abbrechen, hat aber keine Idee für eine Alternative. In der Klasse fühlt sie sich nicht wohl, fühlt sich von Mitschülern schräg angeguckt und hat Angst vor Mobbing. Sie ist nicht schlank und daher auch im Sport den anderen unterlegen.
Mein Angebot, z .B. ein Gespräch mit der Jugendberufsagentur zu führen um Alternativen zu suchen, lehnt sie ab. Sie sagt mir, sie sei introvertiert. Das Gespräch mit einer fremden Person möchte sie nicht.

ich versuche das alles zu verstehen, aber fühl mich auch etwas hilflos.
könnt ihr mir aus dem Forum heraus, Tipps geben, wie ich sie motivieren kann, anleiten und begleiten kann. Gibt es typische Job-Richtungen, die ich ihr vorschlagen kann.

Vielen Dank

Kommentare

  • Deine Sorge als Mutter kann ich sehr gut nachvollziehen, @kugelblitz.
    Dass sich Deine Tochter in Relation zu Deinen Sichtweisen gesehen, von kleinen Dingen hintergangen fühlt und sehr enttäuscht ist, ist Deine Sichtweise. Für Deine Tochter haben diese Enttäuschungen andere Dimensionen und da bringt es auch nichts, hier ein anderes Level einziehen zu wollen.
    Da ich mit Kindern über viele Jahre gearbeitet habe, kenne ich unterschiedliche Herangehensweisen von Kindern, die sich enttäuscht fühlen. Das war eine riesige Bandbreite und aus meiner Sicht ist da alles geboten, was den Selbstwert erhöht. DER ist nämlich in der Tat oft ein riesiges Thema.
    Also herausfinden und beobachten, was Deiner Tochter Freude bereitet, und sie darin bestärken und dieses in den Alltag ganz natürlich und unaufgeregt einbinden.

    Dass sie sich in einer Klasse, in der großer Wert auf mündliche Mitarbeit gelegt wird, nicht wohl fühlt, ist keine Überraschung für mich. Introvertierte Menschen, speziell auch Kinder, neigen ganz stark dazu, erstmal eine ganze Weile nur zu beoabachten und sich sehr zurückzuhalten. Das wird leider von Lehrer*innen oft noch nicht im richtigen Ausmaß eingeschätzt. Es gibt allerdings solche, die sich sehr gut in introvertierte Jugendliche einfühlen können und so diese Kinder und Jugendlichen aus der Reserve locken und ihr Vertrauen gewinnen können. Solltest Du das Gefühl haben, dass sie einen solchen Lehrer hat, dann kann ich nur dazu raten, das Gespräch zu suchen.

    Typische Job-Richtungen sind für mich alle, wo man nicht unbedingt zwingend mit einem Team zusammenarbeiten muss, das kann aus den unterschiedlichsten Gründen viele Herausforderungen mit sich bringen, denen man oft auch lange im Erwachsenenleben gar nicht so schnell gewachsen ist. Man kann berufliche Testungen machen, vieles geht über Computer-Tests. Ich habe allerdings sehr häufig erlebt, dass introvertierte junge Menschen an Technik sehr interessiert sind. Meist beschäftigen sie sich ja auch oft mit Technik, weil sie sich da gut zurückziehen können.
    Ich denke, Jobs vorzuschlagen ist schwierig, aber hinterfragen, was ihr Freude macht, das würde ich versuchen bzw. beobachten. Und eine Testung anbieten.

    Ich hoffe, Dir ein bisschen geholfen zu haben,
    lasse liebe Grüße hier!
    Seelenbilder
  • Willkommen im Forum der Introvertierten, kugelblitz!
    Ich finde es bemerkenswert, dass du die Initiative ergreifst, deine Tochter besser zu verstehen. Solche Eltern hätte ich mir selbst gewünscht.

    Einen konkreten Rat zu geben, wie du einem 17 jährigen Mädchen am besten helfen kannst, fällt mir dennoch schwer. Ist doch jeder Mensch individuell. So, wie es auch nicht DEN Introvertierten gibt.

    Interessanterweise habe ich vorhin eine Podcastfolge gehört, in der es um Berufe für Introvertierte ging - diese brachte für mich gute Erkenntnisse:

    https://vanilla-mind.de/68-introvertierte-berufe/

    Soviel vielleicht einmal von mir.

    Hast du dir bereits in Patricks Blog, der zu diesem Forum gehört, die 92 Eigenschaften von Introvertierten durchgelesen und erkennst deine Tochter darin wieder?

    https://www.introvertiert.org/92-eigenschaften-von-introvertierten
  • Vielleicht macht es Sinn generell zu überdenken (oder zusammen zu erörten) was sie vom Leben / den nächsten Jahren erwartet, und welche Jobrichtung oder Arbeit(sfeld) da dazu passen könnte, zumindest für die nächsten Jahre (sprich: existieren Wünsche/Vorstellungen für die 20er, oder darüber hinaus?)

    Wenn da ungefähr erörtert wird oder werden kann, was man sich da so wünscht (und was auch zur Persönlichkeit passt), "fallen die Karten an ihren Platz" wie man so schön sagt; beziehungsweise gibt es dann vielleicht eine übergeordnete Motivation, z.B. die restliche Zeit durchzuhalten/sitzen.

    Auch würde ich persönlich unterscheiden zwischen (vergänglichen/veränderbaren) Persönlichkeitsmerkmalen (wie schüchternheit, ängstlich, durchsetzungsvermögen, selbstvertrauen) die man (noch) entwickeln kann, und unter denen man v.a. auch in sozial-bedingten (in der Schule würde ich fast sagen: zwangs-)Situationen potentiell leiden kann oder man sicher auch gefordert ist - das ändert sich im Berufsleben nicht zwangsläufig, allerdings ist da natürlich mehr Handlungsspielraum als im Schulsystem. Da kann man studieren, im Hintergrund arbeiten, in der Technik, Management, Wissenschaft usw.. hat vermehrt vermutlich auch mit Menschen zu tun, die breitere Lebenserfahrung haben, gemeinsame Interessen, und kann man sich da natürlich anders positionieren als in einem 20 Leute Raum mit gewissen Strukturen und einem "Allgemeinbildungssystem" wo Gruppendynamiken noch jung, frisch und unreflektiert sind.

    Eben diesen Dingen und der Introvertiertheit, die ja eigentlich bestimmte Dinge meint und leicht mal vermischt oder verwechselt werden kann mit zB. schüchternheit oder so. Ich kenne viele intros die schon recht derb sind, auch viel reisen, Chef sind, und so; also da nicht zu sehr in ein Klischee im Sinne von Handlungs(un)möglichkeiten zu fallen, und auch zu schauen was individuell Sinn macht, stimmig ist und Bedürfnissen entspricht - soziale und persönliche Erfahrungen, die Art und Weise wie man wahrgenommen wird, das Körpergefühl und so weiter - spielen da natürlich eine Menge mit rein. Negatives soziales Feedback, weil man vl. nicht der/die schlankeste ist, kann da natürlich Tendenzen über das Maß verstärken und man könnte schnell in etwas resignieren was an sich eine neutrale Persönlichkeitsfacette ist (intro/extro) die ja für sich alleine - ich würde sagen - fast nichts aussagt. Ich würde das Introviertsein dahingehend natürlich ernst nehmen, eventuell damit auch Strategien entwickeln (und die eigenen Bedürfnisse kennen lernen und darauf hören; Kapazitäten einteilen, und so weiter), es aber auch nicht als Versteck nutzen um anderen Dingen aus dem Weg zu gehen. Vielleicht auch hier klar machen, dass das eine das eine ist, und dass das andere das andere ist.

    "In der Schule wird viel wert auf mündliche Mitarbeit und Ergebnispräsentation gelegt."

    Das tun sie ja sowieso immer; in der Politik wird ja auch mehr auf das äußere Wirken gelegt, als auf den echten Wert ;-) das überzubetonen ist bestimmt nicht förderlich für Persönlichkeiten, deren Stärke nicht von diesen Dingen ist; das gesellschaftlich zu reflektieren um dem eigenen Kind da einen Selbstwert mitzugeben der nicht an diesen gesellschaftlichen Normen gebunden ist, ist sicher gut, vor allem für introvertiertere Menschen; da ein externes Wertesystem zu übernehmen und aufzudrängen - das die Schule ja irgendwie automatisch macht - vielleicht noch mit Leistungs,- und Zukunftsängsten - ist sicher der falsche Weg. Ich kenne unzählige "Versager" aus der Schule, die Intro sind, die dann Selbstständig wurden und aufblühten, und Einserschüler die dann nur Fabrikarbeiter sind und gehorchen konnten, ohne große Selbstständigkeit in ihrer Persönlichkeit. Dazwischen gibt es natürlich alles von schwarz bis weiß, und das beste ist da wirklich, mit dem Herz beim eigenen Kind zu sein; ich denke alles andere erzeugt nur Gegendruck oder einen niedrigen Selbstwert, und irgendwie geht es ja darum die eigenen Kräfte zu moblisieren und das Vertrauen in sich selbst zu stärken um Eigenständigkeit zu schaffen

Sign In or Register to comment.