Introvertierte Gedanken.Zum Forum

7 Sprüche, die jeder Introvertierte kennt (und leid ist)

Als Introvertierter kann ich nicht davon ausgehen, dass andere Menschen meine Eigenarten als selbstverständlich hinnehmen. Im Gegenteil: Manche meiner Verhaltensweisen mögen auf sie befremdlich wirken. Das ist nicht verwunderlich, denn um die Welt zu verstehen gehen Menschen grundsätzlich von sich selbst aus.

Daher kommt es häufig zu Äußerungen, die auf Unverständnis beruhen. Sieben an der Zahl sind mir eingefallen. Sie alle habe ich über die Jahre immer wieder gehört. Über manche habe ich mich geärgert, wobei ich heute entspannter damit umgehe. Geärgert hatte ich mich vor allem deshalb, weil ich mich dafür schämte, dass Wahrheit in diesen Sprüchen steckt.

Erst seit ich mich besser selbst akzeptiere, kann ich die folgenden Sprüche mit einem Lächeln quittieren.

  1. Komm doch mal mehr aus dir heraus!
  2. Warum sagst du denn nichts?
  3. Geht’s dir nicht gut?
  4. Guck mal nicht so düster! (Oder: Du schaust so ernst.)
  5. Geh doch mal raus.
  6. Was ist denn mit dem/der?
  7. Viel reden tust du ja nicht.

Ich wette, die kennst du auch?
Fallen dir noch mehr Sprüche ein?

Über den Autor

Mein Name ist Patrick und ich bin introvertiert. Oft habe ich mir gewünscht, extrovertiert zu sein, bis ich meine Veranlagung besser verstanden habe. Mehr über mich, mein Buch Kopfsache, mein Projekt Healthy Habits.

Comments

  1. „Warum machst Du denn nicht mehr aus Dir“

    Ich laufe als Intro sehr gerne unauffällig herum. Ich lege keinen Wert darauf im täglichen Leben Aufmerksamkeit zu erregen. Ich finde es extrem unangenehm angemacht zu werden oder mit fremden leuten Smalltalk zu führen. Ich weiß eh immer schon was sie sagen und dies entzieht mir Energie. Ich trage daher kein Makeup, keine Stöckelschuhe, kein Parfüm und sehe zwar gepflegt aus, aber gehe in der Masse gerne unter bzw. überlasse anderen die Show. Sozialkontakte habe ich dennoch genug, diese sind jedoch tiefgehend und langfristig. Nur fragt besonders meine Mutter etwas sehr oft, ob ich nicht mal was mit meinen Haaren machen möchte oder mich schick machen will. Sie deutet dies, als würde ich mich gehen lassen und Chancen auf ein fröhliches Leben verpassen. Es ist unheimlich schwer zu fassen für nicht-introvertierte, warum man einfach keine Lust auf Aufmerksamkeit hat.

    • Kekskopf says:

      Ooooh ja, das kenne ich nur zu gut. Gerade was Frisur, Kleidung und Parfüm betrifft. Makeup trage ich zwar auch nicht, aber das wird eigentlich auch nicht erwähnt.

  2. „Ist das denn nicht langweilig?“

    Nein, wieso? Ist dein Leben als Extrovertierter nicht anstrengend?

  3. Denkmaschine says:

    „Lach doch!“
    Na, anscheinend hab ich nix zu lachen (genervt)

    „Bist du schlecht gelaunt?“
    nein ich lasse alles mit Interesse auf mich wirken

  4. Einer meiner „Favoriten“, heute vor einer Stunde erst wieder erlebt: „Lach doch mal!“

    Meine trockene Reaktion besteht meistens nur aus einem Wort, so auch vor einer Stunde: „Worüber?“

    Eine aus introvertierter Sicht vernünftige Antwort bekomme ich auf diese kurze Frage in der Regel nicht, somit ist die Angelegenheit für mich erledigt. Wenn ihm mein Gesichtsausdruck nicht gefällt, ist das sein Problem, nicht meines.

  5. Noch einer fällt mir ein: „Alles in Ordnung?“

    Meine häufigste Reaktion: Wortloses Kopfnicken, manchmal in Verbindung mit einem kurzen, neutralen „Ja“.

    Mein häufigster Gedanke: Ja, verdammt nochmal, es ist alles in Ordnung!! 🙂

  6. „Erzähl mal was“. Ja, was denn?
    Als Frau hört man auch oft: „Lächel doch mal“. Nö, warum?

    Und im Nachhinein hört man leider manchmal, dass man arrogant wirkt.

    • Oh ja, als arrogant wird man gerne mal schnell bezeichnet -.- Und ich kann nur bestätigen, dass man als Frau oft zu hören bekommt, mal zu lächeln oder nicht so ernst zu schauen. Sorry, aber nicht sorry. Ist nun mal mein neutraler Gesichtsausdruck. Happy bin ich trotzdem 🙂

    • Jenny Jeans says:

      Oh Ja! Arrogant und kalt haben mich schon viele genannt!
      Ich habe sogar verwunderte Blicke einer Mitschülerin geerntet, als ich mich über Weihnachten gefreut habe. Sie hätte nicht erwartet, dass ich bei „sowas“ aufblühen könnte.
      Gott sei Dank, dass ich darüber hinweg bin…

      „Warum warst du still?“ gehört auch noch zu meinen „Nerv“-Sätzen. Weil ich nix zu sagen hatte vielleicht??!!! 😛

    • Ja, Arroganz steht denke ich, mit auf der Bestsellerliste – gefolgt von „lach doch mal“ und „du bist ja nicht gesellschaftsfähig“. Ich entspannte beim Lesen und Schreiben, was mir auch nicht viel Verständnis einbringt.

    • Yamiko says:

      Arrogant bin ich noch nicht genannt worden. Ich gehe immer lächelnd durch die Welt, schon allein weil es mich freut, wenn jemand zurück lächelt! 🙂
      Damit geht man auch den Fragen wie ,,Alles in Ordnung?“ und so weiter aus dem Weg.
      Ich werde nur immer belächelt, weil ich nichts sage,

  7. Ja, diese Sprüche kenne ich nur zu gut!

    Mir sind noch diese Sprüche eingefallen: Hast du irgendetwas? / Bedrückt dich etwas? / Lach doch auch mal! / Warum bist du so schüchtern gegenüber Lehrern?

    • „Warum bist du so schüchtern gegenüber Lehrern?“ kenne ich auch noch. Oder das „Melde dich im Unterricht mehr“, „Du musst in der Schule mehr mitmachen“. Ich bin anwesend, zusammen mit über 20 anderen – ich mache mehr als genug mit…

      Unterdessen heisst es in Arbeitszeugnissen „Ist Vorgesetzten gegenüber sehr zurückhaltend“, was leider in unserer Gesellschaft als negativ aufgenommen wird…

      • Ja, genau richtig ….. leider

      • Das hat mich an der Schule am meisten genervt. Man bekommt eine schlechtere Note in „Mitarbeit“, weil die Hand nicht ständig oben ist. Bei manchen Lehrern hat mich das extrem unter Druck gesetzt, weil dann so etwas kam, wie „Wenn ich dich rannnehme, weißt du ja immer die Antwort! Warum also meldest du dich nicht?“ Weil ich nun mal so bin! Also gab ich im nächsten Monat mehr Gas. So war mein Gefühl. Für den Lehrer hat es immer noch nicht gereicht. Ja verdammt, dann lass ich es halt sein und bin halt , wie ich bin und rede, wenn mir nun mal danach ist.

        Andere Lehrer waren wiederum echt cool und haben bewusst Qualität vor Quantität gestellt. Eigentlich war es nur einer und da schau her, hatte ich auf ein Mal meine 1+ mit Sternchen in „Mitarbeit“! 😉 Das wiederum hat die anderen Schüler gestört. Cool war allerdings, dass sich mein Lehrer auf ihre Beschwerden (nur 12 anstatt, wie ich 15 Punkte zu bekommen) hin, direkt äußerte, dass ihm die Qualität viel wichtiger wäre, als jemand der andauernd Fragen stellt und deren Kommentare, denn Unterricht einfach nicht so weiterbringen, wie die von anderen. Das war nen toller Ego-Booster 😀 Es muss dieser Lehrer geben!

  8. Nr 5. „Geh doch mal raus“ hast du vermutlich im Sinn von „Geh doch mal unter die Leute“ gemeint, denn rausgehen, allein in den Wald oder auf eine einsame Bergtour ist für einen Introvertierten etwas wunderbares. (Zumindest für mich).

  9. „alles klar?“ „was läuft?“ „was geht?“

    Diese Fragen hasse ich am meisten. Ich fange dann an zu denken, und mein Hirn will die Fragen beantworten, auch wenn diese nur Floskeln sind. Aber es gelingt mir nicht einfach mit Floskeln zu antworten.

  10. Clarisse says:

    „Du willst doch Aufmerksamkeit!“
    Wie ich es hasse. Mittlerweile kann sich anscheinend kein Mensch mehr vorstellen, das man Petticoat-Rock, Spitzenbluse und überdimensionierten Kopfschmuck nur trägt, weil es einem selbst gefällt. Ja, ich fall damit auf. Nein, das macht mir keinen Spaß. Und die blöden Kommentare, die man fürs Anders-Aussehen kriegt, erst recht nicht. Langweilige Klamotten anziehen, nur um nicht aufzufallen, macht aber auch keinen Spaß.
    Eigentlich erstaunlich, dass sich in einer teils so egoistischen Welt niemand vorstellen kann, das ich das für mich ganz alleine mache…

  11. Wenn mich jemand fragt: „Und? Wie war dein Urlaub?“ kommt bei mir als Antwort meistens nur ein „War Super!“ Ich finde die ratlosen Blicke darauf immer wieder köstlich. Manche fragen dann genauer nach, andere nicht.
    Und bei anderen kommt auch noch der Satz: „Dir muss man auch alles aus der Nase ziehen.“ Und das alles, weil ich nicht so viel von mir selbst erzähle. Wenn ich es dann aber mal mache, kommt als Antwort: „Das wollte ich jetzt gar nicht wissen.“
    Egal wie man es macht, man macht es falsch. Also höre ich jetzt viel mehr auf mein Bauchgefühl. Dann mache es vor allem mir Recht. Und das ist für mich am wichtigsten.

  12. Chrissy says:

    Ich will hier gar nicht von der Schule anfangen, weil eigentlich alles bereits hier und auch im Forum schon gesagt wurde, wo man als Introvertierter an seine Grenzen stößt. Ich hab es irgendwann aufgegeben, mich um die Mitarbeit zu bemühen und habe mich zurück gezogen. Leider ist dadurch auch Neid und Ablehnung meinerseits gegenüber Extros entstanden und am Ende steht man meist alleine oder in der Außenseitergruppe da 😉 …
    Ich bin unendlich froh, aus der Schule raus zu sein. Im Studium interessiert es keine Sau, ob du mitarbeitest 😀 und in meinem Beruf blühe ich endlich auf. Noch dazu zählt hier die Qualität. Ich habe viel Zeit zum Nachdenken und wenn mir dann plötzlich abends noch etwas zum Meeting am Morgen einfällt, sind einige sehr dankbar wenn ich eine Mail schreibe 😀

    Zum Thema:
    Mich nerven die „Wie geht’s?“-Fragen, weil sie meist einfach nur als Floskel behandelt werden. Darauf kann ich nie mehr antworten als „gut“, auch wenn ich meinem Gegenüber gerne mehr über mich erzählen würde (falls ich denjenigen denn sehr mag, bzw. er mir sympathisch erscheint).
    Andersrum find ich die Frage ebenso schwierig. Denn wenn ICH „Wie geht’s?“ frage, dann will ich WIRKLICH wissen wie’s geht.

    Interessanterweise habe ich im Lauf der Zeit gelernt, wie ich mit meiner Eigenschaft umzugehen habe. Ich tu mich im Small Talk leichter, weil ich immer und immer wieder das gleiche Muster abrufe und dadurch läufts 🙂
    Hab ich heute morgen gefroren, ist es draußen kalt: „Mann, was für eine Kälte.“ Viele Unsicherheiten verstecke ich auch hinter Humor und Witz.
    Fragt mich die Kollegin, was ich am Wochenende gemacht habe, versuche ich, mich in sie reinzuversetzen und den Teil meines Wochenendes preiszugeben, der sie interessieren könnte. Man wächst da mit Übung irgendwie rein. Und wenn man nachdenken muss, dann hilft Humor: „Boah, das war sooo lange her. Einen ganzen Tag haha!“

  13. Welch ein Segen, diese Worte zu lesen!

    Ich kann vor allem nicht mehr „lach doch mal“ oder „was ist los mit dir, warum bist du so still?“ nicht mehr hören! Mittlerweile stört mich das nicht mehr und ich stehe darüber, weil ich mich selbst kenne. Ich brauche eben länger, bis ich Vertrauen in neue Personen gefunden habe. Erst dann plaudere ich drauf los und kann lange Gespräche führen (tiefgründiger). Manche Menschen verstehen das einfach nicht. Am schlimmsten war es für mich auch zu Schulzeiten. Es tut wirklich gut, zu wissen, dass man damit nicht alleine steht.

  14. Bella says:

    Alles in allem haben mir so Sprüche nie wirklich tangiert. Nur wenn sie von Leuten kamen die mir sehr wichtig waren. Meine beste Freundin hat das früher immer zu mir gesagt, ich bin mit ihr zusammen aufgewachsen und sie ist wie eine Schwester. Durch sie bin ich etwas offener geworden. Aber dennoch brauche ich auch heute noch sehr viel Zeit für mich. Und meine Mutter stört sich sehr daran, bei ihr verletzt es mich immer am meisten, sie tut immer so als hätte ich keinerlei Privatleben. Was definitiv nicht der Fall ist! Aber es gibt mir trotzdem das Gefühl nicht normal zu sein.

  15. Was mich lange Zeit in der Schulzeit genervt hat, war der Spruch: Jaja, stille Wasser sind ja bekanntlich tief.
    Leider ist mir nie was Schlagfertiges darauf eingefallen…..

  16. Christina says:

    Mich hat es immer am Meisten belastet, wenn ich in einer groesseren Menschengruppe war, von der ich die meisten nicht kannte. Wenn dann die Frage „Warum sagst du denn nichts?“ kam, hab ich mich total unwohl gefuehlt und haette mich am liebsten in Luft aufgeloest.

  17. Hi Nina,

    ich glaub den meisten introvertierten fällt darauf hin nichts schlagfertiges ein!?
    Höchstens ein:“ Stille Wasser sind tief …. und dreckig“. Aber wer von uns bekommt das schon raus, wenn es nicht eintrainiert ist!?

    Ich habe den Spruch auch schon ganz häufig gehört und es hat mich meistens richtig runtergezogen! Weil der Spruch immer aus dem Nichts kommt und mich wohl irgendwie entlarvt.
    Denn ich wollte (und will teilweise noch) auf keinen Fall als „Stilles Wasser“ angesehen werden! In stillem Wasser fehlt den meisten Menschen ja was. Zumindest dachte ich immer so. Mittlerweile probiere ich positives aus dem Spruch zu lesen, denn “ Tief“ ist doch positiv oder? Fällt mir aber nicht immer so leicht.

  18. Wenn ich das hier lese, erinnere ich mich an meine Kindheit / Jugend und die Zeit als junge Erwachsene. Die Sprüche habe ich damals auch gehört und mich darüber geärgert – auch, wie oben jemand schrieb, weil ich nicht wahrhaben wollte, dass da was dran war. Heute bin ich froh, dass ich einiges davon überwunden habe, weil es mir den Umgang mit anderen Menschen erleichtert. Ich lächle andere öfter mal freundlich an, weil ich merke, was es bei mir auslöst, wenn ich freundlich angelächelt werde.
    Nun ist meine Tochter genau so drauf, und ich bin froh, daran erinnert worden zu sein, wie ich damals gefühlt habe und was mich genervt hat. Ich weiß jetzt wieder, welche Kommentare ich mir sparen kann.

  19. Ich kenne die Sprüche auch sehr gut. Als ich noch ein kleines Kind war fing es bereits an, dass meine Mutter gefragt wurde, was denn das kleine Mädchen hätte. Sie würde immer so ernst gucken. Später gingen diese Fragen direkt an mich egal von wem. Der eigene Partner, hat oft solange gefragt was ich denn hätte, bis ich wirklich was hatte. Ich habe immer nie verstanden was die Leute für ein Problem mit mir haben. Manchmal habe ich nur Geschirr gespült und bin gefragt worden was los ist. Wenn ich dann gefragt habe, ob ich denn das Spülwasser anlächeln soll, sagten sie dann allerdings nichts mehr. Genauso schwer der gezwungene Körperkontakt. Umarm doch mal die Oma zur Begrüßung !!! Deine Cousine macht das auch immer. Als Kind machst du es, aber du verstehst es nicht. Ich hatte nie den Drang die Oma zu umarmen oder eine aufgezwungene Umarmung zu erwidern. Aber auch dies gehört zu meinen Erfahrungen diesbezüglich dazu.

  20. Danke für diese Seite. Mir hat sie sehr geholfen, mich selbst zu erkennen und dass es gar nicht falsch ist „so“ zu sein. Es gibt auch andere, denen es so geht, puh. 🙂 Ich werde hier noch ein bisschen stöbern und mir dein Buch kaufen. Zumindest habe ich schon einen Anreiz, mich und mein Wesen mehr zu akzeptieren.
    Also ein großes Dankeschön!

  21. „Geht’s dir nicht gut?“ – Das ist echt der Klassiker, den ich jeden Monat mindestens einmal höre. Aber halt auch vorwiegend von Leuten, die einen noch nicht so gut kennen. Das höre ich dann einmal und nie wieder, sofern die Leute einen dann besser kennenlernen. Blöd ist halt, wenn man ständig neue Leute kennenlernt. Kann mir ja schlecht ein Schild um dem Hals hängen: „Ja, mir geht es gut. Ich bin nur introvertiert.“ Naja, mit der Zeit lernt man damit umzugehen 🙂

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