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11 Vorurteile über Introvertierte

Vorurteile basieren auf Unwissen und Missverständnissen. Ganz klar, dass sich rund um introvertierte Menschen zahlreiche Vorurteile und Mythen ranken. Denn bislang ist wenig bekannt über Introversion und Extroversion. Und viele Eigenschaften von Introvertierten fördern Missverständnisse anstatt sie aufzulösen.

Daher wird es Zeit, mit einigen Vorurteilen aufzuräumen.

1. Introvertierte sind schüchtern

Schüchternheit und Introversion werden oft in einen Topf geworfen oder auch synonym verwendet. Dabei haben sie wenig miteinander zu tun. Ich zum Beispiel bin sehr introvertiert, aber nur wenig schüchtern. Die Unterschiede habe ich bereits hier erklärt.

2. Introvertierte reden nicht gerne

Das ist eine Verallgemeinerung, die ich mit einem „kommt ganz darauf an“ widerlegen kann. Wir tun uns tatsächlich schwer mit Small Talk und reden nicht gern über Dinge, mit denen wir uns nicht auskennen. Aus meiner Sicht ist es besser, in solchen Situationen nichts zu sagen.

Ganz anders sieht es aus, wenn wir über Themen reden, die uns interessieren oder wenn wir unter Freunden sind. Ich unterhalte mich gern mit Freunden und bin immer wieder überrascht, wie lang solche Gespräche andauern können.

3. Introvertierte sind passiv

Dieses Vorurteil ist nur vordergründig wahr. In Gruppen halten sich stark introvertierte Menschen meist zurück und überlassen anderen das Wort. Dann sind wir nach außen hin verschlossen, selbst wenn wir aktiv sein möchten. Das wird vor allem in Meetings deutlich. Dafür gibt es verschiedene Gründe, die wir hier sicherlich später einmal besprechen werden.

Aus meiner Erfahrung sind wir jedoch sehr aktiv, wenn die Ausgangssituation eine andere ist. Sobald wir in einer Rolle sind, in der wir über uns selbst bestimmen können, gehen wir zielorientiert voran.

A) Wir sind allein: Wenn wir für uns selbst verantwortlich sind, können wir vorwärtsgerichtete Entscheidungen treffen und unsere Ziele aktiv verfolgen. Ich habe heute ein gutes und selbstbestimmtes Leben, weil ich es aktiv anpacke.

B) Wir sind Führungskraft: Introvertierte sind gute Führungskräfte. Einige unserer Eigenschaften eignen sich sogar besser als die von Extrovertieren (andere wiederum weniger gut). In meiner früheren Rolle als Führungskraft war ich aktiver, als manch einem lieb gewesen ist.

4. Introvertierte halten bewusst Informationen zurück

Da Introvertierte weniger reden und sich in Gruppensituationen passiv zeigen, wird oft angenommen, dass wir Informationen bewusst zurückhalten, anstatt sie einfach auszusprechen.

Dieses „einfach aussprechen“ ist für uns jedoch leichter gesagt als getan. Gruppendiskussionen verlaufen zu dynamisch. Introvertierte denken, bevor sie reden. Extrovertierte denken während sie reden. Beides sind valide Mittel, um zum Ziel zu gelangen, doch in einer extrovertierten Gesprächsrunde gehen Introvertierte unter.

In vielen Fällen wäre es zielführender, Introvertierte unter vier Augen nach ihrer Meinung zu fragen (nachdem sie Zeit zum Nachdenken hatten). Dann wird deutlich, dass Introvertierte ihre Informationen nicht bewusst zurück halten.

5. Introvertierte sind unfreundlich

Durch unsere zurückhaltende Art werden wir häufig als unfreundlich oder unhöflich wahrgenommen. Wir können auf Small Talk und Höflichkeitsfloskeln gern verzichten. Meinetwegen könnten wir nach einem „Hallo“ gleich zum Thema kommen. In einer extrovertierten Gesellschaft wird jedoch das Gegenteil erwartet.

Ein Ritual, das mir immer schwer fällt, ist die Verabschiedung auf einer Party. Naturgemäß will ich nicht allzu lange bleiben und im Idealfall einfach unbemerkt verschwinden. Doch so funktioniert das nicht. So muss ich die Gastgeber aufsuchen, sie aus ihren Gesprächen reißen und die Verabschiedungszeremonie mitmachen. Manchmal spare ich mir das, doch es kommt nicht gut an.

Das alles ist aus meiner Sicht nicht unfreundlich, sondern ich vermeide unangenehme Situationen.

Im Übrigen führt wohl auch eine weitere Eigenschaft von Introvertierten zu dem Missverständnis, dass wir unfreundlich seien: Der eher starre Gesichtsausdruck. Auch der ist typisch für Introvertierte.

6. Introvertierte sind unsozial

Ja, Introvertierte brauchen viel Zeit allein und wir sind oft in unseren Gedanken versunken. Das heißt jedoch nicht, dass wir keine anderen Menschen mögen. Im Gegenteil: Wir verbringen auch gern Zeit mit anderen. Allerdings weniger Zeit und mit weniger Menschen.

Introvertierte haben einen kleineren Freundeskreis, denn sie suchen sich gezielter aus, mit wem sie Zeit verbringen wollen.

7. Introvertierte sind unnahbar

Introvertierte sind von Natur aus eher verschlossen. Es dauert länger, das Vertrauen von introvertierten Menschen zu gewinnen. Wie gesagt: Unser Freundeskreis ist vergleichsweise klein.

Das heißt jedoch nicht, dass niemand an uns heran kommt und wir unnahbar sind. Es bedarf vor allem mehr Geduld und mehr Tiefgang. Mit Gesprächen über das Wetter oder die Party vom letzten Wochenende lockst Du niemanden aus der Reserve.

8. Introvertierte gehen nicht gerne raus

Wir sind auch gerne unterwegs und brauchen neue Reize – nur weniger davon als extrovertierte Menschen. Gerade Veranstaltungen, die unserer Natur widersprechen, sind kräftezehrend und dann ist auf der Party eben früher Schluss.

Bei anderen Gelegenheiten bin ich genauso ausdauernd wie jeder andere auch: Ein netter Abend zu zweit oder zu dritt kann meinetwegen auch viele Stunden andauern.

9. Introvertierte sind unglücklich

Ein häufiges Vorurteil lautet, dass Introvertierte weniger Spaß haben. Ja, ich fühle mich hin und wieder als Spaßbremse und verzichte nach Möglichkeit von selbst auf Aktivitäten, die mich eher belasten als Spaß bereiten. In solchen Situationen kann ich allen anderen keinen Mehrwert bieten, sondern bremse möglicherweise ihren eigenen Spaß.

ABER: Heißt das, dass wir weniger Spaß haben oder unglücklich sind? Introvertierte leben ihre Freude weniger euphorisch aus. Ich glaube, dass uns diese Höhepunkte der extremen Freude tatsächlich fehlen. Wer das von außen beobachtet, kann den Eindruck gewinnen, dass wir auch weniger glücklich sind.

Es wird sich nie nachweisen lassen, doch ich glaube das ist falsch. Euphorische Höhepunkte haben wenig mit Glück zu tun. Und auch wenn es von Nachteil sein kann, zu sehr in den eigenen Gedanken zu leben, so können wir dies ebenso gut zu unserer Stärke machen. Vielleicht sind wir insgesamt zufriedener, weil wir gezielter vorgehen anstatt uns durchs Leben treiben zu lassen? Alles Spekulation, aber denkbar. Glück lässt sich eben nicht wirklich vergleichen.

10. Introvertierte sind sonderbar

Bei all diesen Vorurteilen ist es kein Wunder, dass wir manchmal sonderbar wirken. Jeder Mensch ist auch Individualist – und wir sind es eben auf unsere Weise.
Zwar können wir uns auch nicht ganz davon frei machen, was andere Menschen denken, aber wir lassen uns nicht im gleichen Maße von der Masse treiben. Wir gehen eher unsere eigenen Wege und machen unser Ding.
Wer von der Masse abweicht, wird eben als sonderbar gesehen.

11. Introvertierte müssen sich mal zusammenreißen

Wir müssten uns nur mal zusammenreißen, dann könnten wir auch mehr Spaß auf Parties haben, in Gruppendiskussionen aufblühen und Small Talk führen. Oder?

Dieses Vorurteil basiert auf der Annahme, dass Introversion und Extroversion bewusste Entscheidungen sind. Das ist aber falsch. Beides ist angeboren und wird sich nie ändern. Mit Übung können wir unsere Eigenschaften wie ein Gummiband dehnen – aber nur bis zu einem bestimmten Maß. Dann ist Schluss. Und dieses Dehnen nimmt uns Energie, die wir für andere Dinge gebrauchen können.

Eine angemessene Gegenfrage ist ja: Müssen wir uns überhaupt ändern? Extrovertierte und Introvertierte ergänzen sich gut und haben ihren Zweck in der Gesellschaft. Ein bisschen Verständnis auf beiden Seiten und niemand muss sich zu sehr verbiegen.

 

Bevor nun jemand „Plagiat!!“ schreit: Ja, es gibt bereits ähnliche Listen. Die am häufigsten zitierte Liste 10 Myths About Introverts stammt von Carl King. Alex Rubenbauer hat sie ins Deutsche übersetzt. An diesen Listen habe ich mich für diesen Artikel auch orientiert. Ich habe jedoch auch meine persönlichen Erfahrungen einfließen lassen.

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Über den Autor

Mein Name ist Patrick und ich bin introvertiert. Oft habe ich mir gewünscht, extrovertiert zu sein, bis ich meine Veranlagung besser verstanden habe. Mehr über mich, mein Buch Kopfsache, mein Projekt Healthy Habits.

Comments

  1. Ich sehe vieles genau so wie du,aber ich würde die Punkte 4 und 5 doch eher in die Kategorie Schüchternheit packen.

    Mein Eindruck von introvertierten ist,dass sie vielleicht genauer überlegen,ob das was sie zu sagen haben es wert ist,ihre Energie zu verbrauchen.
    Aber nicht zu Wort zu kommen,weil die Gruppendynamik zu schnell ist,wirkt für mich eher wie etwas was passiert,wenn man Angst hat sich irgendwie zu blamieren oder etwas falsches zu sagen.

    Vielleicht ist meine Definition von Introvertiertheit aber auch einfach weiter gefasst, um mich selbst hineinstecken zu können.Als ich „Quiet“ gelesen habe schien es klar auf mich zuzutreffen,aber nach dem ich diesen Artikel gelesen habe überkommen mich langsam Zweifel ob ich wirklich introvertiert bin: http://karriereblog.svenja-hofert.de/2013/07/vom-schwattlappen-zum-stillen-wasser-oder-was-ist-eigentlich-wirklich-introvertiert/

    Wäre interessant zu hören,wie du zu der engen Definition mit diesen „Big Five“ stehst.

    Gruß
    Anton Jonas

    • Patrick says:

      Hallo Anton,

      danke für Deinen Kommentar.

      Ich sehe Punkt 4 und 5 auch nach Deiner Anregung bei Introversion und nicht bei Schüchternheit. Ich kann zwar nicht ganz verleugnen, dass ein wenig die „Angst“ mitspielt, etwas Falsches zu sagen. Aber bei mir basiert sie eher darauf, dass ich befürchte, noch nicht alles zu Ende gedacht zu haben, also dass mein Gedanke noch nicht fertig ist, aber ich jetzt schon etwas sagen muss, sonst ist der Zug abgefahren.

      Zu dem Blog von Svenja Hofert: Ich denke, dass sie sich mit ihrem Artikel weit aus dem Fenster lehnt. Ich kenne ihre Big Five Definition nicht, zumal Big Five ja eigentlich etwas anderes ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Big_Five_(Psychologie)
      Bei ihr wirkt es, als werden hier verschiedene Begriffe in einen Topf geworfen.

      Ich habe auch nach der Lektüre vieler Bücher und einiger Websites noch nie davon gehört, dass sich starke Introversion in 5 Eigenschaften zusammenfassen lassen sollen. Das halte ich für Blödsinn, aber ich hab das Thema auch nicht studiert 😉

      Aber nicht nur, dass ich bezweifle, dass sich Introversion auf 5 Punkte herunterbrechen lässt, ich finde diese Punkte auch einfach falsch. Scheuen Kontakte, übernehmen keine Führung, behalten ihre Meinung lieber für sich? Das sind drei Punkte, die nicht auf mich zutreffen und ich würde doch mal behaupten, recht stark introvertiert zu sein.

      Und auch sonst kann ich mit dem Artikel nicht viel anfangen: Introversion soll nun also eine hippe Modeerscheinung sein? Naja! Mehrmals „Autismus“ in den Raum zu werfen (auch wenn sie sich dann gleich wieder davon distanziert), ist auch daneben. Und bei Susan Cain will sie erkennen, dass sie nicht wirklich introvertiert sein kann, weil sie einen TEDex Talk hält?

      So oder so sind das aber alles nur Definitionen, in die ich mich selbst gar nicht unnötig vertiefen will. Das gesamte Gebiet ist wenig erforscht, also mit viel Spekulation verbunden (vor allem wenn Extrovertierte über Introvertierte schreiben, oder umgekehrt). Ich finde wichtig, für mich selbst herauszufinden, was mir liegt und was nicht – und dann danach zu handeln.

      • Hochinteressant, wie viele Beiträge gerade in den letzten Wochen rund um dieses Thema zu finden sind. Mir gefällt sehr, wie Sie Ihre persönliche Sicht in die Liste einfließen lassen!

        Den Vortrag von Susan Cain habe ich auch gesehen und bei Svenja Hofert ebenfalls über ihre Interpretation gestolpert.
        Susan Cain sagt in ihrem Vortrag sehr klar, dass sie sich als Introvertierte ein Jahr (!) gezielt auf die Bühne und Vorträge vorbereitet hat (im Film ab Minute 16:00). Ihre „relativ starke Gestik und Zugewandtheit zum Publikum“ sind aus meiner Sicht klar antrainierte Verhaltensweisen; selbst die Pausen sind sorgfältig einstudiert. Ihre Aufregung kann sie trotz dieser umfassenden Vorbereitung nicht verheimlichen. Besonders auffallend ist das, wenn man ausschließlich zuhört und ihre Mimik und Körpersprache nicht sieht. Das verursacht mir beim bloßen Zuhören schon Herzklopfen…
        Aus meiner Sicht kann ein Introvertierter sich sehr wohl auch in solchen Situationen bewegen und beweisen. Es geht ja nicht darum, dass introvertierte Menschen dazu nicht fähig sind, sondern dass ihr ureigener Antrieb sie nicht unbedingt auf die Bühne zieht! Dass sie es dann doch tun, liegt in der Regel an ihren Motiven, die unabhängig von Intro- und Extraversion in jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt sind.

        Über die Motivanalyse, mit der ich schwerpunktmäßig arbeite, komme ich immer mal wieder an Punkte, an denen die Intro-Extra-Unterscheidung schnell an ihre Grenzen stößt. Ich erlebe hier extravertierte Hochsensible, die sich mit ihrem hohen Kontaktbedürfnis schnell überfordern oder auch introvertierte Netzwerker, was aus Sicht der bloßen Intro-Extra-Betrachtung ein Widerspruch in sich selbst darstellt. Da helfen die Begriffe Intro und Extra nicht wirklich weiter!

        Interessant wird es für einen Mensch dann, wenn er auch versteht, WARUM er auf Menschen zugeht – oder genau danach kein Bedürfnis hat. Auf diese Erklärung kommt man aber nicht durch die Einteilung in Intro und Extra 🙂

        Danke für diesen schönen Artikel, den ich gerne bei mir verlinke!

        Herzliche Grüße
        Juli Scheld

  2. vielleicht sollte man die liste noch um einen weiteren punkt ergänzen: „introvertierte wirken oft arrogant“. dies gilt vor allem, wenn man in eine neue gruppe kommt und, wie für uns typisch, nicht gleich das wort an sich reißt, sondern erstmal still bleibt und sich die sache ansieht. die menschen um einen herum deuten dies allzu oft als anzeichen dafür, dass man sich im grunde zu fein ist, sie teilhaben zu lassen oder etwas über sich preis zu geben. sie fühlen sich herabgestuft, weil man sie ihrer meinung nach ausschließt. diese erfahrung habe ich schon von einigen menschen aus meiner umgebung gehört, die ebenfalls introvertiert sind. noch vor zehn jahren habe ich mich ständig gefragt, warum die leute diesen eindruck von mir haben. ich habe mich darüber geärgert, ohne etwas tun zu können. heute weiß ich was es ist, das diesen eindruck erweckt und kann mich bewußt dafür entscheiden, etwas dagegen zu unternehmen. auch wenn das bedeutet, mich ein wenig „künstlich anzupassen“. ich muss mich nur entscheiden, ob die menschen und die situation die energie wert sind.

    übrigen möchte ich zu punkt 9 noch etwas ergänzen. ich denke, dass auch die definition des wortes „spaß“ ganz davon abhängt, ob man introvertiert ist oder extrovertiert. im landäufigen sinne verbindet man dieses wort mit partys, lautem gelächter und bungee-jumping. ich denke aber, dass diese definition auch unserer extrovertierten welt entspringt. für mich bedeutet spaß nicht zwangsläufig aktivität, ausgelassene heiterkeit und extreme emotionen. ich kann auch spaß daran haben, allein mit meinem hund unterwegs zu sein oder auf kopfhörern musik zu hören. ich kann diebischen spaß an einem langen, intensiven gespräch mit einem lieben menschen haben. ich habe gerade jetzt euphorischen spaß daran, diesen blog zu lesen und mich in fast allem darin wiederzufinden 🙂 das wort „spaßbremse“ sehe ich also nicht mehr so eng, wenn es mir an den kopf geworfen wird. ich habe eben nur anders spaß!

    • Patrick says:

      Hallo Elfi,

      ja, mit dem Spaß hast Du recht. Letztendlich ist die Frage: Was ist Spaß?
      Der Begriff wird bei uns eben durch eine extrovertierte Gesellschaft geprägt.

  3. Hallo,
    es gab Kritik von extrovertierter Seite zu dem Satz „Jeder Mensch ist auch Individualist – und wir sind es noch stärker.“
    Damit würde ausgesagt, dass Extrovertierte eben weniger individuell seien, man würde Ihnen absprechen, etwas Besonderes zu sein, weil sie ja nun mal keine Intros sind. Es fände eine Abgrenzung nebst Wertung zum Nachteil der Extrovertierten statt.
    Verbesserungsvorschlag war: „Jeder Mensch ist auch Individualist – und wir sind es eben auf unsere Weise.“

    Ich weiß, wie der ursprüngliche Satz gemeint ist. Für mich geht auch keine Abwertung der Individualität einzelner Extros einher. Aber erklären/verteidigen konnte ich den Satz oben auch nicht. Mir fehlten mal wieder die Worte. Vielleicht finde ich ja noch welche. Aber vielleicht hast Du sie ja schon, Patrick.

  4. Hallo Kathrin,

    danke für Deinen Hinweis!
    Ich lasse mich grundsätzlich nicht gern darauf ein, auf einzelnen Formulierungen herumzureiten. Menschen machen es sich gern zu leicht damit, etwas abzulehnen, weil ihnen eine kleine Formulierung nicht passt.

    Aber es ist mir wichtig, herauszustellen, dass Extrovertierte weder bessere, noch schlechtere Menschen sind. Daher habe ich den Satz angepasst und danke Dir, dass Du gleich einen Verbesserungsvorschlag mitgeliefert hast 🙂

  5. Sebastian says:

    Hallo Patrick,
    Ich muss sagen ich sehe mich zu 100 % in deinem Text wieder, du spricht mir aus der Seele. Damals wusste ich nicht wie ich mit meiner introvertierten Art umgehen soll und dachte ich hätte ein ernstes psychisches Problem. Erst als ich einige andere Intros kennen gelernt hatte, fühlte ich mich verstanden. Heute sehe ich viele Vorteile in meiner Introvertiertheit und weiß auch das meine Freunde (eher Extros) die Persönlichkeit an mir schätzen (wie zB. das ich gut zuhören kann und in Extremsituation die Ruhe bewahre usw.). Aber es gibt dennoch viele Extros die damit nicht umgehen können und mich für arrogant halten, wie Elfi schon sagte. Aber wenn man mit sich im reinen ist, sollte man über solche unwissenden hinwegsehen.

  6. Hallo Patrick!

    Ich bin introvertiert. Wie die meisten Introvertierten habe ich mich früher auch öfters gefragt: „Was stimmt mit mir nicht?“ Ich habe mich extrovertiert gegeben, bin auf Parties gegangen und war immer wieder frustriert, dass ich nicht so richtig ausgelassen Spaß haben konnte wie die anderen. Von meinem Neid auf die Extrovertierten möchte ich gar nicht erst reden… Doch dann habe ich begonnen, mich ziemlich intensiv mit dem Thema Introversion zu beschäftigen.

    Buch habe ich zwar noch keines darüber gelesen, aber in so richtiger Introvertierten-Manier durchstöberte ich über einen längeren Zeitraum hinweg das Internet nach dem Thema und saugte alles verfügbare Wissen auf, das ich finden konnte. Ich wollte endlich einmal Gründe und Antworten finden! Auf diesen Blog hier bin ich erst ziemlich spät gestossen und muss ganz ehrlich sagen:

    Danke Patrick! Danke für Deine großartige Leistung, so informativ wie niemand anderer im Internet die Welt der Introvertierten darzustellen! Ich habe inzwischen alle Artikel gelesen und bezeichne diese als richtige Augenöffner! Einiges wusste ich bereits aus anderen Quellen, aber Dein Blog hat mir alle meine noch offenen Fragen beantwortet! Das verschafft mir ein Gefühl der Erleichterung und hilft mir, mein Leben nach dieser Veranlagung einzurichten.

    Ich habe die Vorurteile über uns Introvertierte selbst schon zahlreich mitbekommen. Jenes mit der Schüchternheit scheint besonders stark vertreten zu sein. Zumindest nehme ich es so wahr. Seit ich mich mit dem Thema beschäftige, unterhalte ich mich immer wieder mal mit Menschen darüber, und es stimmt tatsächlich: Kaum jemand weiß über Introversion Bescheid. Extrovertierte Menschen am allerwenigsten. Die sagen höchstens: „Ach ja, das sind die Schüchternen!“

    Um mit zumindest diesem Vorurteil aufzuräumen, habe ich mir ein Beispiel zurechtgelegt, das Unwissenden den Unterschied zwischen Schüchternheit, Introversion und Extroversion erklären soll. Meine letzte Gesprächspartnerin schien die Unterschiede gut verstanden zu haben, nachdem sie zuvor kaum Ahnung davon gehabt hatte. Meine Erklärung war folgendermaßen:

    Stell dir 3 Männer um die 30 vor. Einer ist schüchtern, der Zweite ist introvertiert und der Dritte extrovertiert. Der Schüchterne betritt ein riesengroßes Kleidergeschäft, um sich eine neue Hose zu kaufen. Er findet aber nicht das, was er sucht. Da erblickt er in einiger Entfernung eine bildhübsche, junge Verkäuferin, die obendrein auch noch aufreizend angezogen ist. Nun möchte der schüchterne Mann ja im Grunde nur wissen, wo er seine gewünschte Hose finden kann. Trotzdem wird er Hemmungen haben, die hübsche Verkäuferin darauf anzusprechen. Er ist sehr schüchtern, also unsicher und ängstlich im Umgang und der Kommunikation mit Menschen, und bei einer so schönen Frau traut er sich erst recht nicht! Wahrscheinlich wird er lange zögern und wenn er dann doch hingeht, wird er wohl wenig selbstsicher wirken und eventuell sogar stottern, wenn er sie auf die Hose anspricht.

    Nun betritt der introvertierte Mann das Geschäft. Gleiche Situation: Er findet die Hose nicht, die er sich kaufen will. Er erblickt die Verkäuferin. Völlig selbstsicher geht er hin, grüßt freundlich und fragt einfach, wo er die gewünschte Hose finden kann. Er hat ja einen Grund für die Kontaktaufnahme, somit hat er, im Gegensatz zum schüchternen Mann, keinerlei Hemmungen, die Verkäuferin nach der Hose zu fragen. Und genau das unterscheidet den schüchternen vom introvertierten Mann. Der Introvertierte hat keine Angst vor Menschen oder vor Kommunikation, er spricht jedoch niemanden „einfach nur so“ an. Aber sobald es einen GRUND gibt, hat er kein Problem mehr damit. Der Introvertierte braucht immer einen konkreten Grund, um jemanden anzusprechen. Allerdings ist das Gespräch für den Introvertierten sofort beendet, nachdem ihm die Verkäuferin die Hose gezeigt hat. Jetzt gibt es ja keinen Grund mehr für die Kommunikation und inhaltsleere Gespräche beginnt der Introvertierte nicht!

    Als letztes betritt der extrovertierte Mann das Geschäft. Alles läuft gleich ab wie beim Introvertierten. Bis zu dem Zeitpunkt, als die Verkäuferin ihm die Hose zeigt. Wenn der extrovertierte Mann sie näher kennenlernen will oder ein sexuelles Abenteuer wittert, wird er die Kommunikation nicht beenden, sondern den Small Talk einleiten mit Fragen wie: „Na, arbeitest du schon lange hier? Hast du heute schon viel verkauft? Und so weiter, das übliche blabla eben, das uns Introvertierten so zuwider ist, weil zu anstrengend!

    Wenn ich meinem Gegenüber das erzähle, glaube ich, meistens einen nicht uninteressierten Gesichtsausdruck zu bemerken. Mitunter kommt so etwas wie: „Aha, das hätte ich jetzt nicht gewusst!“, oder ähnliches. Ich behaupte nicht, dass das jetzt gute Beispiele sein müssen! ICH habe mir das gedanklich so zurechtgelegt! Ich kann mir für mich durchaus vorstellen, dass diese 3 Typen Männer in dieser Situation so oder so ähnlich reagieren könnten. Ich als Introvertierter auf jeden Fall! 🙂 Natürlich muss man bei diesen Beispielen voraussetzen, dass weder der Intro noch der Extrovertierte schüchtern sind, was ja auch vorkommen kann.

    Ich hoffe, ich habe jetzt nicht einen unerwünscht langen Text geschrieben. Aber, wie kann es anders sein, drücke ich mich als Introvertierter am liebsten schriftlich aus und wenn es um ein Thema geht, das mich interessiert, schreibe ich gerne auch etwas dazu!

    Mit besten Grüßen,

    Alex

    • Hallo Alex,

      danke für Deinen Kommentar. Und nein, er ist nicht zu lang. Ich kenne das ja auch: Wenn ich beginne zu schreiben, wird’s meistens länger, als ich es wollte.

      Ich finde Dein Beispiel wirklich gut, um die Unterschiede zwischen extrovertiert, introvertiert und schüchtern zu erklären (auf soziale Interaktion bezogen). Ich erkenne mich darin in in jedem Fall wieder. Ich kann gut kommunizieren, solange es einen Zweck gibt.

      Vom Gefühl her würde ich den Aspekt mit dem sexuellen Abenteuer jedoch weglassen. Ich glaube Extrovertierte haben auch ohne Hintergedanken einfach Lust, sich zu unterhalten. Sie würgen ein Gespräch nicht ab, wenn es keinen Grund dafür gibt.
      Auf der anderen Seite könnte der Introvertierte ja auch an der Verkäuferin interessiert sein. Vielleicht wird er es deswegen auch mit dem Small Talk versuchen, aber es wird ihm nicht mehr so leicht fallen, wie die Unterhaltung über die Hose.
      So nehme ich das jedenfalls wahr.

      Vielen Dank für Deinen Input!
      Patrick

    • Hallo Alex,

      alles was du schreibst…. genauso ist es!
      Zumindest sehe ich das auch so…es ist einfach entscheidend, ob es einen Grund gibt mit jemanden zu sprechen oder nicht. Ich habe schon lange überlegt warum ich bei manchen Menschen bzw. in manchen Situationen ohne Hemmungen ein Gespräch anfangen kann und auch will.

      Deine Beispiele finde ich gut, mit solchen Vergleichen kann man anderen die Unterschiede viel leichter begreiflich machen.

      Es ist echt beeindruckend zu merken wie gleich wir alle ticken, obwohl wir uns nicht kennen und wahrscheinlich auch ganz unterschiedlich sind…toll dass wir uns hier alle treffen können.

  7. Hallo Patrick,
    danke für diesen sehr übersichtlichen Artikel.
    Ich finde auch, dass viele Menschen ein falsches Bild von introvertierten haben.
    Deshalb finde ich es gut, dass du versuchst einige Vorurteile aus dem Weg zu räumen.
    Die einzelnen Punkte hast du kurz aber genau beschrieben, was ich wirklich gut finde.
    So möchte man immer weiter lesen und ist nicht gelangweilt.

    leisesleben

  8. Sehr toller Artikel und das meiste trifft auch auf mich zu.
    Was ich noch ergänzen möchte zu Punkt 5 ist, dass ich z.b Begrüßungen auf Feiern sehr gerne meide. Ich weiß nicht warum aber das sind immer wieder Situationen wo ich dieses Ritual gerne überspringen möchte. Danach ist es eigentlich nie ein Problem Gespräche zu führen.
    Ich ‚übersehe“ auch gerne mal Bekannte auf der Straße um keinen Small Talk mit ihnen führen zu müssen.

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