Introvertierte Gedanken.Zum Forum

Meine Erfahrungen mit Online Dating (Teil 2)

In diesem Text erzähle ich von meinen Erfahrungen beim Online Dating. Allerdings gehörte zur Partnersuche mehr dazu, als mich bei ein paar Plattformen anzumelden. Ich arbeitete an mir selbst, bezog mein Umfeld mit ein und schuf Gelegenheiten, bei denen ich Menschen offline kennenlernte. Darüber schrieb ich im ersten Teil meiner kleinen Dating-Serie. Ich empfehle, mit diesem zu beginnen und anschließend hierher zurückzukehren.


Während ich versuchte, in der realen Welt neue Menschen – vorzugsweise Frauen – kennenzulernen, probierte ich mich nebenher am Online Dating. Ich glaubte damals, dass dieser Weg vermutlich schneller zum Ziel führen oder den klassischen Weg zumindest ergänzen würde. Mehr als anderthalb Jahre nutzte ich verschiedene Portale, wenn auch nicht regelmäßig. Mal loggte ich mich täglich ein, dann wieder wochenlang gar nicht. Häufig haderte ich mit diesem Weg, denn auch wenn er mir als Introvertiertem besser lag, so war er dennoch alles andere als ein Selbstläufer.

Was ich am Online Dating nicht mochte

Ich musste ein Profil erstellen, das Frauen von mir überzeugen sollte. Allerdings fällt es mir schwer, über mich zu schreiben, vor allem über meine guten Seiten. Ein Profil ist wie eine Werbeanzeige. Beworben werde ich selbst. Gleichzeitig stehe ich im Wettbewerb mit unzähligen anderen Männern, die sich auch alle „bewerben“. Das gefiel mir nicht, aber es ging nicht anders.

Am meisten störte mich, dass es als Mann meine Aufgabe war, Frauen anzuschreiben. Auf Zuschriften brauchte ich nicht zu warten, denn daraus wäre in hundert Jahren nichts geworden. Allerdings werden Frauen in diesen Portalen derart mit Nachrichten überschüttet, dass sie nur selten antworten. Deshalb liefen die meisten meiner Mails ins Leere. Das war frustrierend.

Kommt es dennoch zum Schriftwechsel, so ist es schwierig Nähe herzustellen. Häufig spulten die Frauen und ich nur Small Talk ab, ohne dass ein richtiges Gespräch zustande kam. Manches Mal chatteten wir stundenlang, doch am Ende kam nichts dabei heraus. Egal, wie viel wir miteinander schrieben, ich konnte selten einschätzen, ob jemand zu mir passen würde. Bei einem Treffen wusste ich das oft nach Sekunden, beim Schreiben auch nach Tagen noch nicht. Folglich vergeudete ich viel Zeit mit Geplänkel, das bei einem persönlichen Treffen sofort nichtig werden konnte.

Aber natürlich war nicht alles schlecht, sonst hätte ich nicht so lange durchgehalten. Online Dating hat auch Vorteile. Gerade für mich als Introvertierten.

Was ich am Online Dating mochte

Jedes Mal, wenn ich mit einem Menschen in Kontakt trete, ist das eine Gelegenheit, jemanden näher kennenzulernen. Ich suchte diese Gelegenheiten in der realen Welt, indem ich gemeinsam mit anderen Sport trieb, an einem Tanzkurs teilnahm oder mich für Gruppenreisen anmeldete. Doch das geht alles nicht von heute auf morgen. Teilweise dauerte es Monate, bis es überhaupt mal losging. Beim Online Dating war das anders. Da konnte ich sofort mit der Suche beginnen. Vermutlich war es ein einsamer Samstagabend an dem ich mein erstes Profil erstellte und mich mit der Materie vertraut machte. Kurz darauf konnte ich erstmals Kontakt zu Frauen aufnehmen. Auch wenn ich mein Engagement später häufig schleifen ließ, so konnte ich es jederzeit wieder aufleben lassen.

Die Kontaktaufnahme ging online nicht nur schneller, sondern war für mich als Introvertierten auch bequemer. Es ist leichter, einer fremden Person zu schreiben, als sie im Alltag anzusprechen. Diese Art der Kommunikation stößt zwar schnell an ihre Grenzen, aber sie ebnet den Einstieg.

Außerdem gefiel mir, dass alle Beteiligten mehr oder weniger das gleiche Ziel haben: Sie wollen einen Partner finden. Zwar können wir unterschiedliche Vorstellungen von einer Beziehung haben, aber zunächst einmal suchen wir jemanden. Im Büro oder im Sportverein ist die Sache nicht so eindeutig. Wenn mir dort eine Frau gefällt, weiß ich nicht, ob sie auf der Suche ist, an mir interessiert ist oder wie ich das herausfinde. Schreibt mir hingegen eine Frau beim Online Dating mehrmals zurück, ist sie zumindest nicht abgeneigt. Das macht’s leichter.

Ich empfand Online Dating als Fluch und Segen zugleich. Einerseits frustrierte es mich, auf der anderen Seite bot es mir Chancen, die ich außerhalb des Internets nur schwer wahrnehmen konnte. Deshalb gab ich mehrmals genervt auf, um ein paar Wochen später wieder loszulegen.

Online Dating ist eine Frage des Geschlechts

Online Dating ist nicht für jeden gleich. Männer erleben es anders als Frauen. In einem Dating-Ratgeber las ich eine Aussage, die sich schnell bestätigen sollte: „Emanzipation gibt’s beim Dating nicht.“ Das gilt sowohl für Dates als auch für die Kontaktanbahnung beim Online Dating. Das heißt: Emanzipation hin oder her – der Mann muss den ersten Schritt machen.

Ich konnte nicht darauf warten, von Frauen angeschrieben zu werden. In anderthalb Jahren taten das höchstens zehn Frauen. Fast jede dieser Zuschriften war völlig unpassend. Deshalb musste ich die Sache selbst in die Hand nehmen. Ich investierte viel Zeit, um Profile von Frauen zu durchstöbern und ihnen Nachrichten zu schreiben, von denen 80 oder 90 Prozent unbeantwortet blieben. Leider wusste ich nie, welche Frauen antworten würden und welche nicht, deshalb ließ sich die Zahl der Nachrichten nicht reduzieren. Wenn ich ein oder zwei Antworten erhalten wollte, musste ich mindestens zehn Nachrichten schreiben.

Auch wenn ich keine Antwort bekam, konnte ich bei einigen Plattformen sehen, ob sich jemand nach meiner Nachricht immerhin mein Profil anschaute. Selbst dazu kam es selten. Das empfand ich als frustrierend. Deshalb verlor ich schon nach wenigen Tagen die Lust und legte das Projekt vorübergehend auf Eis, bevor ich mich erneut motivieren konnte. So ging es anderthalb Jahre hin und her.

Frauen hingegen erleben Online Dating ganz anders. Das macht es für sie nicht besser, nur eben anders. Schließlich landeten meine Nachrichten ja in den Postfächern der Frauen – und mit ihnen noch die Mails unzähliger anderer Männer. Als ich später die ersten Frauen traf, sprach ich sie darauf an. Sie erzählten mir, dass sie täglich 20 bis 30 Nachrichten erhielten. Auch meine Freundin sagt, dass sie sich nur einzuloggen brauchte und schon öffneten sich die ersten Chat-Fenster.

Frauen müssen folglich nicht stundenlang Profile durchstöbern und sich kreative Nachrichten ausdenken. Allerdings müssen sie etliche Mails lesen und versuchen, die Spreu vom Weizen zu trennen. Die größten Spinner können sie innerhalb von Sekunden aussortieren, doch danach wird es schwieriger. Es ist unmöglich, anhand einer einzigen Nachricht zu entscheiden, ob man jemanden näher kennenlernen möchte. Deshalb antworten viele Frauen mehreren Männern und chatten mit ihnen gleichzeitig. Einigen Frauen merkte ich an, wie gehetzt sie beim Schreiben wirkten. Anstatt etwas Sinnvolles von sich selbst zu schreiben, antworteten sie nur einsilbig auf das, was ich schrieb. Ein ordentlicher Austausch kam so nicht zustande.

Für Frauen kommt beim Online Dating noch eine andere Dimension hinzu, die für Männer kaum relevant ist: die Sicherheit. Während ich mir keinerlei Gedanken darüber machte, ob es gefährlich sein könnte, sich mit wildfremden Menschen zu treffen, müssen Frauen diese Frage natürlich berücksichtigen. Auch das müssen sie versuchen einzuschätzen, wenn sie mit mehreren Männern kommunizieren und sich mit ihnen verabreden.

Folglich ist Online Dating für Männer und Frauen eine völlig unterschiedliche Erfahrung. Zwar haben beide das gleiche Ziel, aber sie müssen unterschiedliche Herausforderungen bewältigen. Es hilft, sich dessen bewusst zu sein. Ich hielt mir vor Augen, dass viele Frauen überfordert waren und mich nicht böswillig ignorierten. Ich brauchte einfach das Glück, zur richtigen Zeit die richtige Nachricht an die richtige Frau zu schreiben.

Dating-Plattformen, die ich genutzt habe

In den anderthalb Jahren habe ich sechs Dating-Plattformen ausprobiert. Vier davon sind kostenlos, für zwei habe ich bezahlt. Keine dieser Websites ist wie die andere. Sie alle sprechen unterschiedliche Zielgruppen an. Es gibt Plattformen, wo ich nahezu keine Frauen fand, die mich interessierten und es gibt Plattformen, wo ich häufiger fündig wurde. Da mir das anfangs nicht bewusst war, bin ich im Nachhinein froh, mich nicht nur auf eine Website versteift und frustriert aufgegeben zu haben.

Dennoch empfehle ich nicht, sich gleich am ersten Tag bei mehreren Plattformen anzumelden. Für gewöhnlich ist der Anmeldeprozess ziemlich langwierig – wenn man es richtig macht. Viele Anbieter starten mit einem ausführlichen Fragebogen. Je mehr dieser Fragen man beantwortet, desto aussagekräftiger wird das eigene Profil. Anschließend gibt es die Möglichkeit, Freitextfelder mit kreativen Texten zu füllen. Ein Profil lässt sich nicht ohne Weiteres von einer Plattform auf die nächste übertragen, da die Fragen oft sehr unterschiedlich sind. Für jedes Profil muss man sich erneut Zeit nehmen. Vor allem als Mann muss man diese Zeit investieren. Frauen werden auch ohne aussagekräftiges Profil angeschrieben, erhöhen aus meiner Sicht aber die Chance ernstzunehmende Nachrichten zu bekommen, wenn sie ihr Profil gewissenhaft ausfüllen.

1. OKCupid

Meine erste Plattform empfahl mir ein Freund, der damit gute Erfahrungen gemacht hatte. In den USA ist OKCupid sehr bekannt, hierzulande weniger. Ich vermute, dass man im deutschsprachigen Raum nur in den Großstädten genügend aktive Profile finden wird.

Meine Erfahrungen mit OKCupid sind überwiegend positiv. Auch wenn die Zahl der Profile überschaubar war, fand ich hier die meisten Frauen, die ich zumindest interessant fand. Nach meinem Gefühl sind bei OKCupid eher junge Menschen zwischen Mitte 20 und Mitte 30 vertreten. Viele befinden sich noch im Studium, haben es gerade beendet oder üben ihren ersten Job aus. Ich empfand viele Mitglieder als multikulturell interessiert.

Bei der Anmeldung wurde ich mit mehreren hundert Fragen bombardiert, die dabei helfen sollten, mich mit anderen Menschen zusammenzubringen, die ähnlich ticken wie ich. Allerdings kann man bei diesen Fragen jederzeit aussteigen und sie später wieder aufnehmen. Im Verlauf der Zeit hatte ich bis zu 300 Fragen beantwortet. Da es sich um eine amerikanische Plattform handelt, sind einige Fragen für deutsche Nutzer unpassend. Dennoch kann der Algorithmus nicht ganz schlecht sein. Frauen, die einen sehr geringen „Match“ zu mir aufwiesen, fand ich tatsächlich überwiegend uninteressant. Allerdings sprachen mich auch manche Profile nicht an, die einen 90-prozentigen Match hatten. Deshalb gab ich darauf nicht allzu viel und schrieb Frauen mit mittlerem und hohem Match an. Meine Freundin und ich hatten einen Match von über 90 Prozent.

Neben dem Fragebogen finde ich die Freitextfelder bei OKCupid vergleichsweise ansprechend. Sie laden zu interessanten Antworten ein, mit denen man etwas anfangen kann. Wenn ein Mitglied diese Felder halbwegs sinnvoll ausfüllt, kann man etwas über die Person erfahren. Leider machen das nur wenige Frauen.

OKCupid ist in der Basisversion kostenlos. Für ein paar Euro kann man zusätzliche Features erwerben, doch das schien mir nicht notwendig zu sein. Darüber hinaus finanziert sich die Plattform über Werbung.

2. Singles-Leipzig.de

Später meldete ich mich bei Singles-Leipzig.de an, nachdem jemand in meinem Umfeld diese Plattform erwähnt hatte. Für die meisten Leser dieses Blogs wird sie irrelevant sein, da sie sich nur an Leipziger richtet. Aber auch ich wurde dort nicht fündig. Die Plattform wirkt „trashig“ und die überwiegende Zahl der Mitglieder passt zu diesem Image. Ich schrieb nur wenige Frauen an. Ein Treffen ergab sich daraus nicht. Die Website ist immerhin kostenlos und finanziert sich über Werbung.

3. Tinder

Wenn man auf Partnersuche ist, taucht früher oder später die App Tinder auf dem Radar auf. Ich konnte allerdings keinen Gefallen an der Plattform finden. Tinder basiert lediglich auf Fotos. Es gibt nahezu keine Informationen zu den Nutzern. Entsprechend hatte ich nie Anhaltspunkte, was ich jemandem hätte schreiben können. Doch soweit kam es ohnehin nicht. Denn man kann andere Mitglieder nur anschreiben, wenn ein „Match“ entsteht. Das heißt, ich muss einer Frau ein „Like“ geben und wenn sie mich (meine Fotos) auch mag, können wir miteinander schreiben.

Die Entscheidung für ein „Like“ fällt innerhalb von Sekunden, wenn nicht Millisekunden. Mehr Zeit bleibt nicht, wenn man ungeduldig auf seinem Smartphone hin und her wischt. Bei meinen ersten Tinder-Versuchen entstanden so gut wie keine Matches, da ich nur wenige Profile favorisierte. Nach ein paar Tagen gab ich frustriert auf und löschte die App.

Dennoch hörte ich anschließend hin und wieder Positives über Tinder und installierte die App erneut. Insgesamt viermal installierte und löschte ich Tinder im Verlauf von anderthalb Jahren. Gebracht hat’s nichts. Bis auf wenige ganz kurze Chats kam es nie auch nur zu Gesprächen. Tinder ist einfach nicht meine Plattform. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dort zu finden, was ich suche.

Von Männern weiß ich, dass sie praktisch jedes Profil „liken“, um ihre Chance auf ein Match zu erhöhen. Von Frauen weiß ich, dass sie ausgewählt „liken“, aber fast immer sofort ein Match entsteht, da die Männer sie längst favorisiert haben. Wer schnell irgendeinen Mann oder irgendeine Frau kennenlernen will, wird bei Tinder fündig werden. Wer mehr erwartet, dürfte nicht weit kommen.

Tinder ist grundsätzlich kostenlos. Nur für zusätzliche Funktionen muss man bezahlen.

4. Parship

Nachdem ich im ersten halben Jahr nur wenig Erfolg mit den kostenlosen Plattformen hatte, wollte ich eine bezahlte probieren. Zunächst fand ich im Internet ein Angebot, mit dem ich eine vollwertige Parship-Mitgliedschaft für drei Tage testen konnte. Noch bevor diese Probemitgliedschaft abgelaufen war, erhielt ich eine E-Mail von Parship mit dem Angebot, 50 Prozent Rabatt für das erste Jahr zu erhalten. Somit musste ich „nur“ 19,95 Euro im Monat bezahlen. Ab dem zweiten Jahr hätte ich allerdings mehr als 50 Euro monatlich bezahlen müssen. Deshalb schickte ich gleich am ersten Tag eine schriftliche Kündigung an Parship, damit sich meine Mitgliedschaft nicht verlängern würde. Ich dachte, wenn ich innerhalb eines Jahres keine Partnerin finde, kann die Plattform nicht so toll sein.

Und das ist sie auch nicht. Selbst die 20 Euro im Monat finde ich im Nachhinein nicht lohnenswert. Ich war überrascht, wie wenige Frauen ich bei Parship aus meiner Stadt fand. Ich musste den Umkreis der Suche deutlich vergrößern, um überhaupt eine Auswahl zu haben. Dabei suchte ich keine Fernbeziehung!

Bei Parship fand ich überwiegend Frauen, die zwar Geld, aber keine Zeit haben. Die am häufigsten vertretene Berufsgruppe scheinen Ärztinnen zu sein. Nur zu wenigen Frauen gelang mir eine Kontaktaufnahme. Es stellte sich heraus, dass viele Profile schon nach wenigen Tagen „tot“ waren, da die Frauen sich nur für ein paar kostenlose Probetage anmeldeten und in dieser Zeit genug Nachrichten erhielten. Danach sah ich noch ihr Profil, aber meine Botschaften kamen nicht mehr an. Zwar kam es über Parship zu zwei Dates, doch unter allen meinen Dates haben diese beiden Frauen am wenigsten zu mir gepasst.

Außerdem empfand ich als störend, dass man von den Mitgliedern nur verpixelte Fotos sieht, bis sie diese für mich freischalten. Das ist vielleicht gut gemeint, aber in erster Linie nervig.

Für mich hat sich Parship nicht gelohnt. Mit den kostenlosen Plattformen bin ich besser gefahren. Für ältere Menschen sind Parship und andere kostenpflichte Plattformen möglicherweise besser geeignet.

5. Finya

Auf Empfehlung eines Freundes hin meldete ich mich bei der kostenlosen Plattform Finya an. Obwohl ich dort häufiger die Profile durchstöberte, habe ich mir keine konkrete Meinung bilden können. Finya scheint ziemlich viele Mitglieder zu haben. Anders als bei den anderen Plattformen fällt mir zu ihnen aber keine Schublade ein. Bei Finya ist alles und jeder (vielleicht war auch genau das mein Problem).

Zu jedem Profil gibt es einen Fragebogen mit 100 Fragen, deren Antworten öffentlich einsehbar sind. Kaum jemand beantwortet alle Fragen, doch selbst wenn es nur 20 sind, bieten die Antworten oft Ansatzpunkte für eine persönliche Nachricht.

Dennoch kam für mich lediglich ein Treffen über Finya zustande. An nennenswerte Chats kann ich mich nicht erinnern. Auch wenn ich keine konkrete Kritik habe, lief es für mich nicht so richtig bei Finya.

6. Gleichklang

Als ich mal wieder den Glauben ans Online Dating verloren hatte und frustriert war, stieß ich auf Gleichklang. Die Plattform wirbt damit, eine Alternative zum Mainstream zu sein. Gleichklang zieht Mitglieder an, die irgendwie anders sind. Sie werben um Menschen mit verschiedensten sexuellen Neigungen, Vegetarierer und Veganer, Hochsensible, behinderte Menschen, Alleinerziehende etc. Im Prinzip alle Menschen, die sich auf einer Mainstream-Plattform nicht repräsentiert fühlen.

Zunächst fand ich das Marketing von Gleichklang etwas abstoßend, da ich mich nicht als schwer vermittelbarer Außenseiter fühlen wollte. Allerdings ist der Fokus auf Hochsensibilität schon interessant, da das Thema eng mit Introversion verwandt ist. Außerdem sprach mich an, dass ich hier keine lange Liste an Profilen durchstöbern musste, sondern die Plattform das „Matching“ für mich übernimmt. Bei Gleichklang erhalte ich Profilvorschläge. In den ersten Tagen bekam ich etwa zehn dieser Matches. Später waren es nur noch ein bis zwei im Monat. Ziemlich wenig also, dafür waren die Profile einigermaßen relevant für mich.

Da ich zwei Monate später meine Freundin kennenlernte, konnte ich nicht allzu viele Erfahrungen mit Gleichklang sammeln. Ein Treffen kam darüber aber zustande. Die Plattform kostet 84 Euro im Jahr. Im Vergleich zu Parship ein Schnäppchen. Aber andere sind kostenlos. Der Vorteil kostenpflichtiger Websites ist jedoch, dass die Mitglieder das alles etwas ernster nehmen und der Wettbewerb mit anderen Männern wahrscheinlich geringer ist.

Ein gutes Profil erstellen

Eine der wichtigsten Aufgaben, bevor es überhaupt richtig losgeht, ist ein ansprechendes Profil zu erstellen. Dazu gehört, möglichst viele Fragen zu beantworten und Freitextfelder auszufüllen. Zwar durchstöbern Frauen nicht so viele Profile, doch nachdem sie eine interessante Nachricht erhalten, schauen sie sich zunächst das Profil des Mannes an.

Da viele Frauen kein aussagekräftiges Profil haben, konnte ich mich nicht darauf verlassen, die richtigen Frauen anzuschreiben. Meine Nachrichten waren vielmehr Schüsse ins Blaue. Mit meinem eigenen Profil konnte ich allerdings beeinflussen, ob sich jemand angesprochen fühlt, der eine Nachricht von mir erhielt.

Das Profil soll nicht auf möglichst viele Frauen attraktiv wirken, sondern auf die richtigen. Wer allen gefallen will, überzeugt am Ende niemanden. Die Realität sieht so aus, dass 99 von 100 Frauen nicht zu mir passen. Aber sie sind trotzdem da. Sie treiben sich auf den Plattformen herum, sie sind Single, und oft kann ich nicht erkennen, ob sie zu mir passen. Die meisten Kontakte werden nicht zum Erfolg führen. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, die eine unter hundert Frauen zu finden, die zu mir passen könnte. Ein Mittel ist das eigene Profil.

Die meisten Menschen sind es nicht gewohnt, ein paar Absätze über sich selbst zu schreiben. Es ist eine Überwindung, sich in einem positiven Licht darzustellen. Aber wenn sie einmal loslegen, wollen viele Menschen mehr Eindruck schinden, als nötig wäre. Deshalb erwähnen sie bei „Meine Lieblingsbücher“ oft sehr anspruchsvolle Literatur, die sie garantiert nicht regelmäßig lesen, und bei „Meine Lieblingsmusik“ nennen sie Bands und Interpreten, die sehr intellektuell klingen, von denen ich aber noch nie was gehört habe. Das schüchtert mich einerseits ein. Andererseits halte ich das Profil für unglaubwürdig.

Auch ich schrieb am Anfang Dinge, die eigentlich irrelevant waren, mich aber besser dastehen ließen (so glaubte ich zumindest). Ich erwähnte, dass ich jahrelang auf Reisen war, nannte meine (anspruchsvollsten) Lieblingsautoren, meine Selbständigkeit etc. Teilweise versuchte ich es mit entwaffnender Ehrlichkeit (dass ich schon viele Jahre Single war). Ich probierte mehrere Ansätze aus. Aber es war unmöglich zu sagen, welche Themen eine Frau ansprachen.

Nachdem ich lange Zeit im Trüben gefischt hatte, bot mir eine Freundin ihre Hilfe an. Sie las sich mein Profil durch. Manche Dinge fand sie okay, andere mochte sie nicht besonders. Sie machte Vorschläge, was ich verbessern könnte. Gemeinsam arbeiteten wir daran, dass ich natürlicher, freundlicher und normaler wirkte. Entwaffnende – aber überflüssige – Ehrlichkeit ließen wir weg. Ich weiß nicht, ob das Profil dadurch besser wurde, aber ich hatte ein besseres Gefühl dabei. Schließlich basierte es nun nicht mehr allein auf meiner Sicht. Ich konzentrierte mich fortan darauf, einfach ganz normal zu wirken, keine vermeintlichen Fähigkeiten oder Errungenschaften herauszustellen, sondern von meinem Alltag zu erzählen.

Ich bemühte mich, nicht nur allgemein zu schreiben („Ich lese gern.“), sondern was das genau für mich bedeutet: „Ich lese jeden Tag. Manchmal Literatur von den Autoren X und Y, aber auch gerne Sachbücher zu Themen wie Ernährung, persönliche Weiterentwicklung, Lernen etc. Ich mache es mir dabei gern auf dem Sofa oder dem Balkon gemütlich.“

Vielleicht wirken solche Erzählungen aus dem Alltag auf manche Menschen langweilig, aber wahrscheinlich sind diese Leute nicht die richtigen für mich. Vermutlich würde jemand zu mir passen, der auch einen ganz normalen Alltag hat. Jemand, der ständig auf Achse ist, sich auf Partys herumtreibt oder besonders intellektuell wirkt, passt eher nicht zu mir. Indem ich mich als normal präsentierte, würde ich hoffentlich auch Frauen anziehen, die eine ähnliche Vorstellung von „normal“ haben. Mein Ziel war, ein realistisches Bild von mir zu vermitteln. Das Profil ist schließlich nicht dafür da, um fremde Menschen zu beeindrucken, sondern um eine Partnerin zu finden, die sich in meinen Ausführungen wiederfindet.

Natürlich sollten auch ein paar Fotos ins Profil, auf denen man möglichst sympathisch und normal wirkt. Auch hier half mir eine Freundin, passende Fotos auszuwählen.

Nachrichten schreiben, die gelesen werden

Mich bei ein paar Plattformen angemeldet und die Profile ausgefüllt zu haben, fühlte sich danach an, als hätte ich bereits etwas getan. Dabei hatte ich praktisch noch nichts gemacht, das mich einer Partnerschaft näherbrachte. Als Mann war es meine Aufgabe, aktiv zu werden und Frauen anzuschreiben.

Anfangs schrieb ich nur sehr wenige Nachrichten. Ich klickte stundenlang in Profilen herum, sah mir Fotos an, las Texte und die Antworten der Fragebögen. Ich war zunächst sehr wählerisch, weil ich mir einbildete, dass die Frauen nicht zu mir passen würden. In 99 von 100 Fällen stimmte das ja auch. An jeder Nachricht hielt ich mich ewig auf. An manchem Sonntag saß ich vier bis fünf Stunden am Schreibtisch und hatte am Ende nur eine Handvoll Nachrichten geschrieben. Bis ich überhaupt mal 20 Nachrichten geschrieben hatte, vergingen ein paar Wochen. Allerdings lag die Antwortquote nur bei 10 bis 20 Prozent. Dabei spielte es keine nennenswerte Rolle, ob ich lange oder knappe Nachrichten schrieb. Ich erhielt immer nur wenige Antworten.

Ich musste also auf Masse kommen. Selbst wenn ich jede Woche fünf Nachrichten schrieb (und oft schaffte ich nicht einmal das), würde ich nicht weit kommen. Zeitweise verglich ich Online Dating mit einem Trichter. Wenn ich 50 Frauen anschreibe, bekomme ich bestenfalls zehn Antworten. Aus fünf davon ergibt sich immerhin ein Chat. Mit einer oder zwei Frauen treffe ich mich vielleicht. Das ist schon optimistisch gerechnet. Ich kippte also oben viel in den Trichter hinein und unten kam nur sehr wenig dabei heraus. Aber so ist das eben.

Ich musste 50 Nachrichten schreiben, um eine oder zwei Frauen zu treffen. Diese Frauen musste ich dann noch interessant finden und sie mich auch. Wie viele Treffen würde ich brauchen, um eine passende Frau kennenzulernen? Nach den ersten Dates – die mir nicht viel Mut machten – rechnete ich mit 100 Dates. Diese Zahl wirkte deprimierend. Die Kunst war, sie immer wieder auszublenden und nicht zu pessimistisch zu denken.

Meine heutige Freundin schrieb ich an, als ich mal wieder genervt war und mir einen Ruck gab. Ich wollte an jenem Tag ganz OKCupid durchforsten und alle Frauen anschreiben, die ich noch nicht kannte oder noch nicht angeschrieben hatte und die einigermaßen relevant für mich waren. Ich glaube, ich schrieb an diesem Tag 27 Nachrichten. Das dauerte ein paar Stunden, aber dann war es geschafft. So viele Nachrichten hatte ich sonst über viele Wochen verteilt geschrieben. Ich erhielt drei Antworten. Wenige Tage später traf ich eine dieser Frauen und bin nun mit ihr zusammen.

Rückblickend finde ich entscheidend, nicht zu lange darüber nachzudenken, dass die Statistik so schlecht aussieht und auch nicht zu lange darüber zu grübeln, wen ich anschreibe und was ich schreibe. An diesem Tag gelang es mir, das alles auszublenden und viele Nachrichten zu verfassen. Frauen ohne aussagekräftiges Profil schrieb ich nur kurze Nachrichten, anderen etwas längere. Ich verabschiedete mich von dem Ziel, die perfekte Nachricht zu schreiben. Denn die gibt es nicht. Letztendlich geht es hier – wie auch realen Leben – darum, Gelegenheiten zu schaffen. Eine Gelegenheit entsteht erst, wenn ich mit jemandem in Kontakt trete. Lediglich auf ein Profil zu starren, ist noch keine Gelegenheit.

Einen Vorteil haben wir Introvertierte immerhin. Wir können beim Schreiben unsere Stärken ausspielen. Uns fällt mehr ein als „Hi“ oder „Ficken?“. Frauen erhalten beim Online Dating unzählige Nachrichten. Die Mehrheit davon ist Schrott. Da ist es vergleichsweise leicht, mit etwas Kreativität und Aufmerksamkeit herauszustechen, indem man sich auf das Profil der Frau bezieht und dabei charmant rüberkommt. Ich versuchte nach Möglichkeit immer Gemeinsamkeiten zu finden und diese zu erwähnen. Aber auch Unterschiede, wo die Frau mich ergänzen würde, stellte ich manchmal heraus. Man muss ihr in der Nachricht schließlich irgendwas geben, an das sie selbst anknüpfen kann. Wenn das Profil nicht viel hergibt, kann man immerhin Bezug zur aktuellen Situation (Wetter, Wochenende etc.) nehmen. Das mag wie belangloser Small Talk wirken, doch so beginnen Konversationen.

Wenn die Frau antwortet

Wenn eine Frau antwortete, war ich im Trichter schon einen Schritt weiter. Immerhin hatte ich nun die Aufmerksamkeit der anderen Person und konnte im nächsten Schritt herausfinden, ob die Chemie zumindest in der digitalen Kommunikation stimmte. Entweder wir schrieben uns zeitversetzt Nachrichten hin und her oder wir chatteten „live“ miteinander. Ich habe drei verschiedene Stile ausmachen können:

  1. Manche Frauen schrieben nur sehr kurze Nachrichten. Zwar antworteten sie auf meine Fragen, aber bemühten sich nicht, das Gespräch am Laufen zu halten. Vermutlich schrieben sie parallel zu mir noch mit 20 anderen Männern. Aus meiner Sicht hat es keinen Sinn, diese Kontakte weiter zu pflegen. Wenn jemand schon beim ersten Austausch keinerlei Interesse zeigt, ändert sich das später nicht mehr. Einmal traf ich dennoch eine solche Frau. Das Date war genauso wie der Chat. Es dauerte anderthalb Stunden, bis die Frau mir mal eine Frage stellte. Ich habe mich danach nie wieder bei ihr gemeldet.
  2. Andere Frauen konnten vom Chatten nicht genug bekommen. Sie waren allerdings die Ausnahme. Ich war nicht allzu sehr daran interessiert, stundenlang hin und her zu schreiben. Mir den ganzen Abend mit Textnachrichten um die Ohren zu schlagen, fand ich nicht verlockend. Dennoch ließ ich mich zweimal darauf ein. Mit zwei Frauen chattete ich mehrere Abende in Folge. Sie waren gut darin, die Gespräche am Laufen zu halten und löcherten mich mit Fragen. Da ich nicht ewig weiter chatten wollte, fragte ich mehrmals nach einem Treffen. Die eine konnte nicht, weil sie gerade nicht in der Stadt war. Die andere hielt mich hin. Beide meldeten sich von einem auf den anderen Tag nicht mehr.
  3. Zum Glück gab es auch interessierte Frauen, die konkret auf meine Fragen antworteten, sich mein Profil ansahen und darauf eingingen und auch selbst Fragen stellten. Es kam nicht oft vor, doch in diesen Fällen war das gemeinsame Date so gut wie sicher.

Je mehr Erfahrungen ich beim Online Dating gesammelt hatte, desto zeitiger schlug ich ein Date vor. Mir wurde zunehmend bewusst, dass ich aus schriftlichen Nachrichten kaum feststellen konnte, ob jemand zu mir passen würde oder nicht. Selbst wenn ich jemanden mochte, konnte es genauso gut sein, dass sich bei einem Treffen nach wenigen Sekunden herausstellte, dass das nichts wird. Genauso gut hätte es sein können, dass mich eine Frau beim Schreiben nicht überzeugte, es beim Treffen aber ganz anders aussah. Daher entschied ich mich später auch für ein Date, wenn mein Gefühl anfangs nicht sehr gut war. Ich versuchte mich davon zu überzeugen, dass ein Date nie schaden konnte. Ich konnte nur dabei lernen und lockerer werden.

Sobald ich vom grundsätzlichen Interesse der Frau an einem Date wusste, schlug ich konkrete Termine und Locations vor. Bei der klassischen Rollenverteilung wird das nicht nur erwartet, man kommt damit auch schneller zum Ziel. Schließlich will niemand unzählige Mails schreiben, nur um sich zu verabreden.

Insgesamt traf ich mich mit neun Frauen, die ich beim Online Dating kennengelernt hatte. Es hätten deutlich mehr sein können, wenn ich meine Bemühungen nicht immer wieder wochenlang unterbrochen hätte. Aber immerhin: neun Frauen. Weit weniger, als ich anfangs befürchtet hatte. Mit einigen davon traf ich mich mehrmals.

Das erste (und zweite) Date

Vor den ersten Dates war ich leicht aufgeregt, aber nie so sehr, wie ich es erwartet hatte. Ich war überraschend entspannt. Das mag daran gelegen haben, dass ich nie allzu hoffnungsfroh war. Mit allen Frauen hatte ich nur wenige Male geschrieben, sodass ich noch nicht viel wusste und keine besondere Nähe zwischen uns entstanden war. Zumeist hatte ich vor den Dates geglaubt, dass es vermutlich nicht zwischen uns passen würde, mir die Erfahrung aber gut tun würde.

Als Introvertierter könnte man Angst haben, sich mit dem Small Talk schwer zu tun. Doch das war nie ein Problem. Den gröbsten Small Talk hatten wir ohnehin schon digital absolviert. Durchs Chatten und die Profile wussten wir ein wenig übereinander und hatten Anknüpfungspunkte. Irgendwas findet man an einander interessant, sonst hätte man sich nicht getroffen. Vor jedem Date las ich mir das Online-Profil sowie unsere Nachrichten noch einmal genau durch, um möglichst viele Gesprächsthemen im Kopf zu haben.

Da ich mich in der Verantwortung sah, eine Location vorzuschlagen, konnte ich Zeit und Ort so wählen, dass sie in meinem Sinne waren. Ich verabredete mich ungern abends, auch wenn sich das nicht ganz vermeiden ließ. Denn Abende können lang werden. Das ist unangenehm, wenn das Date nicht so spannend ist und man sich lieber entziehen möchte. Außerdem steht abends eher die Erwartungshaltung im Raum, anschließend mit jemandem nach Hause zu gehen. Das kam für mich nicht in Frage. Dafür war ich zu sehr „aus der Übung“ und ich ging davon aus, beim ersten Date noch nicht wissen zu können, ob ich mehr von jemandem will.

Allerdings erzählten mir manche Frauen (teils schon beim Chatten), dass es ungewöhnlich wäre, nicht beim ersten Date mit einer Frau nach Hause gehen zu wollen. Dadurch fühlte ich mich zusätzlich unter Druck gesetzt. Deshalb mied ich weitgehend Dates am Abend. Ich glaubte allerdings auch, dass eine Frau, die für mich infrage kommt, nicht so scharf darauf sein würde, es gleich am ersten Abend „wissen zu wollen“. Deshalb dachte ich nicht, dadurch etwas zu verpassen.

Bei meinem ersten Date kam die Frau aus der Nachbarstadt und wollte ein bisschen was von Leipzig sehen. Also machten wir Sightseeing. Bei zwei Dates gingen wir abends etwas trinken (ohne Essen), dreimal trafen wir uns nachmittags im Café und dreimal gingen wir am Wochenende frühstücken. Eine Frau schlug vor, wir könnten (im Sommer) mit dem Fahrrad zum See fahren, doch das lehnte ich ab. Der See ist weit weg, deshalb wären wir ewig unterwegs gewesen und ich hätte mich dem Date nicht entziehen können, wenn es nicht gut gelaufen wäre. Außerdem wollte ich beim ersten Date noch nicht auf einer Wiese herumliegen (schon gar nicht halb entblößt).

Prinzipiell finde ich es aber vorteilhaft, in der Natur zu sein, um sich näher zu kommen. Fürs zweite Date mit meiner heutigen Freundin traf ich mich an einem Freitagabend im Park. Wir saßen auf einer Decke. In der Nähe lief (zufällig) ein Open-Air-Konzert. Mit anderen Frauen traf ich mich für zweite Dates auf dem Weihnachtsmarkt, zum Paddeln oder ging mit ihnen zu einer interessanten Veranstaltung. Während die ersten Dates mit Café & Co. sehr klassisch waren, versuchte ich die zweiten Dates etwas zu variieren. Idealerweise so, dass mehr Nähe möglich war.

Wenn’s nicht funkt

Ich traf neun Frauen, die ich online kennengelernt hatte. Mit den meisten verstand ich mich gut und glaube, grundsätzlich einen guten Eindruck hinterlassen zu haben. Fast immer meldete sich die Frau noch am gleichen oder am nächsten Tag bei mir. Das war gut fürs Selbstwertgefühl. Allerdings wartete ich nicht bewusst darauf, dass sie sich bei mir zuerst meldete. Mein Problem war eher, dass ich selbst nicht interessiert war. Der Funke war einfach nicht übergesprungen.

Vielleicht ist das ein zu hoher Anspruch fürs erste Date, aber ich hatte dazu eine klare Einstellung: Zwar konnte ich nach ein paar Stunden noch nicht wissen, ob jemand zu mir passt. Ich konnte allerdings wissen, ob jemand nicht zu mir passt. Dieses Gefühl hatte ich meistens. Einige Male vereinbarte ich trotzdem noch zweite und dritte Dates, doch dann ließ ich den Kontakt einschlafen. Wenn die Frau es darauf anlegte oder ich kein zweites Date wollte, schrieb ich ihr, dass ich nicht interessiert bin.

Nach einigen Dates war meine Sorge nicht mehr, dass sich niemand für mich interessieren würde, sondern dass ich mich für keine Frau interessieren würde (die sich gleichzeitig für mich interessiert). Ich dachte, es sei ja schön, dass sich alle 11 Minuten ein Single über Parship verliebt. Aber wie lange dauert es, bis sich zwei ineinander verlieben?

Freunde gaben mir vereinzelt den Tipp, mich einfach mal auf jemanden einzulassen, auch wenn ich nichts empfinde. Die Erfahrung könne wertvoll sein, wenn es doch mal bei jemandem funkt. Das kam für mich jedoch nicht infrage. Ich mochte auf keinen Fall in eine Beziehung geraten, in der ich nicht sein wollte. Lieber würde ich weitere Dates abwarten und darauf hoffen, dass eine Frau dabei ist, die ich nicht sofort ausschloss. Und so kam es ja auch. Bei meiner jetzigen Freundin wusste ich nach dem ersten Date noch nicht, ob daraus etwas werden würde, aber immerhin schloss ich sie nicht sofort aus. Im Gegenteil, ich schrieb ihr noch am gleichen Abend und schlug kurz darauf ein zweites Date vor.

Wenn’s beim Online Dating einfach nicht läuft

Bis kurz vor Schluss hatte ich das Gefühl, dass es für mich einfach nicht läuft. Ich war alles andere als überzeugt, dass es mit dem Online Dating klappen würde. Es war ein langwieriger Prozess mit wenigen interessanten Menschen, vielen unbeantworteten Nachrichten, schleppenden Chats und Dates, die zu nichts führten.

Heute weiß ich, dass das alles dazugehört. Aber warum sollte es das auch nicht? Wenn man – wie ich – jahrelang allein war, ändert sich nicht plötzlich alles von einen Tag auf den anderen, nur weil man sich auf einer Plattform anmeldet. Nach der Registrierung geht die Arbeit erst los. Die Euphorie bei der Anmeldung ist das eine, aber sich anschließend monatelang jeden Tag hinzusetzen, Frauen anzuschreiben und Dates zu vereinbaren – das ist eine ganz andere Sache. Es nervt. Es wirkt nicht zielführend. Man will es hinter sich haben. In diesem Moment zählt es. Dann ist es wichtig, dran zu bleiben und trotzdem weiterzumachen.

Rückblickend hätte ich mehr Zeit und Aufwand investieren und die unbeantworteten Nachrichten und ziellosen Dates als unvermeidlichen Teil des Prozesses sehen sollen. Damals sah ich das noch nicht so. Denn bevor ich die Frau kennenlernte, schien alles sinnlos. Erst als der Erfolg eintrat, drehte sich meine Sicht aufs Online Dating. So ist das eben. Man weiß nie, wie schnell es geht. Letztendlich musste ich nicht 100 Frauen treffen, sondern nur neun. Meine Freundin hatte sogar nur drei Dates. Das hätte sie auch nicht gedacht.

Über den Autor

Mein Name ist Patrick und ich bin introvertiert. Oft habe ich mir gewünscht, extrovertiert zu sein, bis ich meine Veranlagung besser verstanden habe. Mehr über mich, mein Buch Kopfsache, mein Projekt Healthy Habits.

Comments

  1. Fanny says:

    Lieber Patrick,
    statt einer Meinung hinterlässt dein interessanter, schön geschriebener Bericht über das Suchen und Finden den Eindruck von Ehrichkeit zu sich selbst und den Mitmenschen und – ein gewisses Lächeln – ist immer noch da.
    Es wird viel geschrieben über Alleinsein in deinem Blog, dabei geht es nicht nur um Partnerschaftswünsche. So ist es hilfreich von dir zu hören, dass Schritte gemacht werden müssen, manchmal, um überhaupt ersteinmal etwas zu bewegen im eigenen Denken. Das kommt hier gut rüber für mich. Tolle Unterstützung (auch wenn es mich im Moment nicht unmittelbat betrifft) DANKE

  2. Hallo Patrick, die Welt der Online – Dating Plattformen ist ein hart umkämpftes Feld, und oft stecken dahinter Agenturen die Eigenschaften wie Introvertiertheit oder andere als zu nischig empfinden und das Gros der potentiellen Kunden (ich nenns mal so) nicht abschrecken wollen.

    das soll jetzt keine Schleichwerbung sein, ich finde das passt ganz gut zu deinem Post wenn ich meine Seite http://www.Skilldate erwähne, eine Online Dating Plattformen speziell für Menschen mit Blockaden, Depressionen, Angstzuständen oder „gesunden“ Menschen ohne Vorbehalte. die Seite ist selbstverständlich kostenlos und eher ein Herzens-Projekt. man kann unter anderem einstellen wie wichtig einem körperliche Nähe ist, auch da gibts ja unterschiedliche Ausprägungen des „sich wohl dabei fühlens“.

    vielleicht hab ich ja dein Interesse geweckt, jedermann/frau ist aufjedenfall willkommen.

    Liebe Grüße
    Thomas

Hinterlasse Deine Meinung

*