Introvertierte Gedanken.Zum Forum

Wie ich als introvertierter Mann eine Partnerin fand (Teil 1)

Vor ein paar Wochen erreichte mich die E-Mail eines Lesers – nennen wir ihn Lukas. Im Internet war er auf diesen Blog gestoßen und hatte sich in den Texten selbst wieder erkannt. Lukas vertiefte sich in einige Artikel und las mein Buch Kopfsache. Anschließend schrieb er mir, dass er sich und sein Verhalten seitdem besser verstehe und alles in allem zufriedener mit sich selbst sei. Soweit so gut.

Am Ende der E-Mail verließ ihn allerdings seine Zuversicht. Der folgende Satz ließ mich aufhorchen:

„Allerdings ist mir auch bewusst geworden, dass ich wohl leider nie eine Freundin finden werde und keine Familie gründen kann, da Frauen nunmal auf extrovertierte Männer stehen.“

Diese Einstellung sei auf seine eigene Erfahrung zurückzuführen, nach der er im Alter von 28 Jahren noch keine Frau von sich überzeugen konnte. Stattdessen sehen Frauen in ihm den „guten Freund“. Häufig sagen sie ihm, er sei zu ruhig und solle mal aus sich herauskommen. Ein Spruch, den jeder Introvertierte leid ist.

Ich kenne Lukas’ Gefühl, dass es mit den Frauen einfach nichts wird, auch wenn ich mir nicht eingeredet hatte, sie würden nur auf extrovertierte Männer stehen. Ich glaube, dass es für introvertierte Männer schwerer ist, eine Partnerin zu finden. Doch das Problem ist nicht, dass Frauen nur auf Extrovertierte stünden, sondern dass Introvertierte sich mit der Kontaktanbahnung so schwer tun.

Dieses Problem ist mir nur zu gut bekannt. Ich habe es hier im Blog und im Buch bislang ausgespart, da ich selbst keine nennenswerten Erfolge vorzuweisen hatte. Eine Partnerin zu finden, war für mich ein dauerhaftes Problem. In den Kommentaren, in E-Mails und im Forum las ich häufig, dass es auch für andere introvertierte Männer eine Herausforderung ist, der sie sich nicht gewachsen sehen.

Ich schrieb Lukas eine aufmunternde Antwort, doch anschließend ließ mich das Thema nicht mehr los. Ich wollte ihm noch mehr Mut machen und auch allen anderen, denen es so geht, wie es mir lange Zeit ging. Es ist Zeit für einen Text, in dem ich meine Erfahrungen mit der Partnersuche teile, denn nach vielen Jahren ist sie mir endlich mir geglückt. Vor acht Monaten lernte ich meine Freundin kennen.

Ich schreibe hier über meinen Weg. Es ist nicht der einzige Weg, sondern nur meiner. Ich weiß nicht, ob er für andere genauso gut funktionieren würde, aber ich möchte zumindest zeigen, dass man etwas tun kann, um seine Chancen auf eine Partnerschaft zu erhöhen. Da ich nichts anderes kenne, schreibe ich aus der Perspektive eines Mannes, der eine Frau sucht(e). Dennoch ist der Text auch für Frauen interessant. Einerseits, weil sich manches auf sie übertragen lässt. Andererseits, weil sie anschließend die Herausforderungen des introvertierten Mannes bei der Partnersuche besser verstehen und ihm das Leben vielleicht ein bisschen leichter machen können.

Mein Leben als Dauersingle

Als ich 20 Jahre alt war, lernte ich meine erste Freundin in einem Online-Forum kennen. Es war ein Musikforum, in dessen Kategorie „Allgemeines“ über Gott und die Welt diskutiert wurde. Nach einigen Monaten entstand daraus eine Fernbeziehung, die etwa anderthalb Jahre andauerte. Verglichen mit anderen Männern, war ich spät dran. Für einen introvertierten Menschen ist es hingegen nicht ungewöhnlich, erst mit 20 Jahren die erste Partnerin zu finden.

Das eigentliche Problem entstand erst im Anschluss. Denn nach dieser ersten Beziehung lief fast 13 Jahre nichts mehr. Ich war ein Dauersingle. Ich lebte allein, verreiste allein, ging oft allein essen, manchmal auch allein ins Kino. Allein zu sein, war für mich ein völlig normaler Zustand. Überwiegend empfand ich ihn als angenehm – oder zumindest nicht unangenehm. Doch ich hatte auch schlechte Phasen, in denen ich nicht nur allein war, sondern mich einsam fühlte. Alle paar Monate kamen diese Phasen immer wieder.

Beinahe 13 Jahre war ich allein. Allerdings muss ich einräumen, 11 Jahre nichts dafür getan zu haben, eine Partnerin zu finden. Meine erste Beziehung war problematisch gewesen, sodass ich im Anschluss zunächst die Lust verloren hatte, mich um eine weitere Beziehung zu bemühen. Doch aus diesem anfänglichen Frust wurde bald eine Lethargie. Zwar wäre ich bereit gewesen, mich wieder auf eine Frau einzulassen, doch ich blieb passiv. Teils redeten mir Freunde gut zu, dass sich alles von selbst ergeben würde. Ich müsse der Sache nur Zeit geben. Doch mit eben dieser Zeit verstand ich, dass es dazu nie kommen würde.

Für mich als Introvertierten ergab sich einfach nichts von selbst. Ein etwas kritischerer Freund sagte mir: „Für niemanden ergibt es sich von selbst. Jeder tut etwas dafür.“ Hören wollte ich das damals nicht, denn dann hätte die Verantwortung bei mir gelegen, aber er hatte Recht. Jeder tut etwas. Die einen gehen abends aus und sprechen Frauen an, andere unterhalten einen großen Freundeskreis, aus dem sich neue Bekanntschaften ergeben. Manch einer lädt einfach mal die Kollegin zum Essen ein. Ein anderer lernt jemanden beim Tanzkurs kennen.

Jeder bemüht sich auf irgendeine Weise, um eine Partnerin zu finden. Allerdings fühlt es sich vermutlich nicht für jeden nach Mühe an. Extrovertierten Männern fällt es leichter, eine Frau anzusprechen oder auf sich aufmerksam zu machen. Für Introvertierte hingegen ist es schwer, da uns dieser ganze Anbahnungsprozess nicht im Blut liegt. Flirten und Daten ist das Gegenteil von dem, was wir gut können.

Deshalb tat ich lange nichts. Das war leicht, aber auch keine Lösung. Das habe ich nach ungefähr 11 Jahren gemerkt. Ich hätte wahrscheinlich noch den Rest meines Lebens warten können, ohne dass etwas passiert. Das wollte ich nicht. Zwar war mein Leben ziemlich gut. Ich war beruflich erfolgreich, hatte keine finanziellen Sorgen und reiste jahrelang um die Welt. Doch Dauersingle zu sein, war mir ein Dorn im Auge. Nicht nur das. Es war mein wunder Punkt.

Also musste ich etwas machen. Es lag in meiner Verantwortung, eine Partnerin zu finden. Das heißt nicht, dass ich Freude an diesem Prozess hatte oder durchgängig motiviert war. Nein, oft hatte ich die Lust verloren und mich gehen lassen, bevor ich mich wieder aufrappelte. Es war ein Auf und Ab, das etwas mehr als anderthalb Jahre dauerte. Eine lange Zeit. Aber aus heutiger Sicht frage ich mich, warum ich etwas anderes erwartet hatte. Wieso sollte ich als Dauersingle mal eben schnell eine Freundin kennenlernen? Das konnte nichts werden. Es musste lange dauern und schwer sein, weil ich völlig aus der Übung war. Im Rückblick ist das alles in Ordnung. Es war die Zeit und den Aufwand wert.

So sieht mein Weg aus:

Ich habe mein Umfeld ins Boot geholt

Der Prozess war lang. Er forderte mich immer wieder heraus, weil ich häufig meine Komfortzone verlassen musste. Doch das gehört dazu. Der erste unangenehme Schritt war, andere Menschen darüber zu informieren, dass ich „auf der Suche“ war. Bis dahin war es ein unausgesprochenes Thema gewesen. Die meisten Leute hatten sich ihre Gedanken gemacht, denn das machen sie immer, aber gesprochen haben wir darüber praktisch nie.

Wenn man etwas erreichen möchte und dabei abhängig von der Hilfe anderer Menschen ist, sollte man so vielen Menschen wie möglich von seinem Ziel erzählen. Denn wenn es sich rumspricht, eröffnen sich neue Möglichkeiten. Suche ich einen Job oder eine Wohnung, behalte ich das auch nicht für mich, sondern streue die Information. Für mich bedeutete das, mit meinen Freunden darüber zu sprechen, dass ich gern in einer Beziehung wäre und mit der Suche begonnen habe. Über meinen wunden Punkt zu sprechen, war nicht leicht, aber es war notwendig, um selbst den Hintern hochzubekommen. Denn nun war ich wirklich unter Zugzwang.

Ich erzählte zunächst einer guten Freundin von meinem Wunsch. In den Monaten danach sprach sie mich immer wieder auf das Thema an. Wenn ich mal ein paar Wochen faul war, hatte ich eher ein schlechtes Gewissen, als wenn ich nur mir selbst gegenüber verantwortlich gewesen wäre. Nach und nach erzählte ich noch manch anderem, dass ich auf der Suche war und wie ich gedachte, voranzukommen.

Diese Gespräche haben nicht nur den Druck auf mich erhöht. Sie halfen mir auch dabei, mich in Offenheit zu üben. Nicht gerade eine Stärke von Introvertierten. Solange man vollkommen verschlossen bleibt, kann man niemanden von sich begeistern. Man muss anderen Menschen einen Blick hinter die Kulissen bieten. Die Fassade allein reicht nicht aus. Mit Freunden konnte ich das vorab üben.

Außerdem halten Freunde die Augen offen, wenn sie wissen, dass man bereit für eine Partnerschaft ist. Sie sind nach solchen Gesprächen sensibilisiert für das Thema und laden dich eher mal zu einer Party ein, an der du sonst kein Interesse signalisiert hättest. Viele Beziehungen entstehen schließlich aus dem erweiterten Freundeskreis. Nur muss man dafür erstmal mit den Freunden seiner Freunde in Kontakt treten.

Ich habe mich interessanter gemacht

Mein Leser Lukas glaubt, als Mann müsse man extrovertiert sein, um für Frauen interessant zu sein. Vermutlich hat das jeder verzweifelte Intro-Mann schon einmal gedacht. Auf diesen Irrglauben reagieren sie mit einer der folgenden Verhaltensweisen:

  1. Sie verstellen sich, um extrovertiert zu wirken.
  2. Sie resignieren.

Manchmal machen sie auch beides. Erst verstellen sie sich. Später resignieren sie, wenn es mit dem Verstellen nicht funktioniert.

Sich zu verstellen, ist selten eine gute Idee. Aber auf keinen Fall bei der Suche nach einer Partnerin. Ein Introvertierter, der hin und wieder den Extrovertierten spielt, wird nie so gut darin sein wie jemand, der sein ganzes Leben lang extrovertiert ist. Im Vergleich zu einem wahren Extro wirkt der schauspielernde Intro wie jemand, der sich in seiner Haut nicht wohl fühlt.

Menschen merken, dass irgendetwas nicht stimmt, wenn wir uns verstellen. Es schreckt sie ab, denn wer will sich schon auf jemanden einlassen, bei dem etwas faul ist? Selbst wenn die Schauspielerei zum kurzfristigen Erfolg führen sollte, ist man am Ende mit einer Frau zusammen, die die Rolle mag, aber nicht den Schauspieler. Diese Beziehung hat keine Zukunft.

Verstellen sollst du dich also nicht. Resignieren aber auch nicht. Stattdessen solltest du den Mythos vergessen, Frauen würden nur auf extrovertierte Männer stehen. Okay, falls du noch in der Pubertät bist, mag das sogar stimmen. In diesem Alter zählen leider Werte, die wir als Introvertierte nicht verkörpern. Doch schon wenige Jahre später dreht sich der Wind. Dann zählt nicht mehr das, was jemand darstellt, sondern ob jemand sein Leben im Griff hat. Das ist vielleicht das wichtigste Kriterium.

Das kann alles Mögliche bedeuten. Für mich bedeutet es:

  • Ich ernähre mich gesund. Während ich früher alles wahllos in mich hineinstopfte und bis zu 150 Kilogramm wog, habe ich meine Ernährung heute im Griff.
  • Bis vor ein paar Jahren konnte ich bestenfalls Nudeln mit einer Sauce aus dem Glas zubereiten, doch mittlerweile kann ich ziemlich gut kochen.
  • Ich treibe regelmäßig Sport. Zwei- bis dreimal in der Woche mache ich etwas Kraftsport und spiele Fußball. Das hält mich körperlich fit.
  • Ich bin äußerlich gepflegt. Zwar investiere ich nicht viel Aufwand, aber ich gehe regelmäßig zum Friseur und trage ordentliche Kleidung.
  • Meinen Haushalt habe ich gut im Griff. Meine Wohnung sieht besser aus, als man es von einem männlichen Single erwartet.
  • Ich bin kulturell interessiert. Nicht an Opern oder am Theater, sondern an Dingen, die mich wirklich ansprechen: Poetry Slams, Lesungen, Kino, Konzerte, Fuck up Nights. Auch beim Reisen habe ich fremde Kulturen kennengelernt.
  • Ich bin ziemlich ausgeglichen. Ich achte darauf, genug Zeit für mich selbst zu haben. Das entspannt mich. Ich kümmere mich mehr um mich selbst als um die Angelegenheiten anderer.
  • Ich halte mich gern in der Natur auf, weiß deren Ruhe zu schätzen und bewege mich gern in ihr.
  • Ich habe nur einen kleinen Freundeskreis, aber diesen pflege ich. Deshalb ist mein Umfeld stabil und ich fühle mich in ihm sehr wohl.
  • Ich bin zwar keine Koryphäe in Allgemeinbildung, dennoch würde ich mich als belesen bezeichnen. Ich interessiere mich für verschiedene Themen, vor allem rund um eine gesunde Lebensweise und menschliches Verhalten.
  • In meiner Arbeit kann ich tun und lassen, was ich möchte. Ich bin von niemandem abhängig und habe ein gutes Einkommen.

Das alles mag nichts Besonderes sein, aber ich glaube, es ist mehr, als die meisten Singles vorzuweisen haben. Diese Dinge zeugen davon, dass ich ein selbständiger erwachsener Mann bin, der etwas für sich selbst tut. Das zeigt, dass ich mir etwas wert bin, was mich als Menschen wiederum attraktiver macht.

Sich gehen zu lassen, ist hingegen kein Merkmal von Attraktivität. Deshalb empfehle ich, in deine innere und äußere Schönheit zu investieren. Damit machst du dich für andere interessanter und stärkst gleichzeitig dein Selbstwertgefühl, was dich wiederum attraktiver macht.

Ich habe Gelegenheiten gesucht

Als Introvertierte erleben wir beim Dating einen Zielkonflikt. Am liebsten würden wir einen großen Teil unserer freien Zeit allein verbringen. Zu Hause auf dem Sofa oder am Schreibtisch. Hauptsache nicht unter anderen Menschen. Selbst ich hatte diesen Wunsch, obwohl ich selbständig zu Hause arbeite und deshalb ohnehin viel Zeit allein verbringe. Andere Menschen sind jeden Tag acht Stunden im Büro und froh, am Abend mal Zeit für sich zu finden. Allerdings lernt man zu Hause auf dem Sofa keine Frauen kennen (mit Ausnahme des Online Datings, dem ich mich in meinem nächsten Artikel widme). Das ist ein Problem. Um eine Partnerin zu finden, müssen wir uns zunächst überwinden, regelmäßig unter Leute zu gehen.

Jeder Kontakt zu anderen Menschen ist eine Gelegenheit, jemanden kennenzulernen. Entweder eine potentielle Partnerin oder jemand anderen, der potentielle Partnerinnen kennt. Man kann nie wissen. Deshalb muss man sich auf Menschen einlassen, auch wenn im ersten Moment nicht ersichtlich ist, wie sie einem weiterhelfen könnten. Wichtig ist zunächst nur, mit anderen in Kontakt zu kommen. Je häufiger, desto besser.

Die beste Dating-Zone für Introvertierte ist aus meiner Sicht das Büro, denn im Gegensatz zu vielen anderen Situationen, hat man auf der Arbeit Zeit, mit anderen warm zu werden. Man sieht sich über Wochen und Monate immer wieder und kann sich langsam annähern – egal, ob freundschaftlich oder romantisch. Ein weiterer Vorteil des Jobs ist, dass man für den Anfang ein gemeinsames Thema hat, über das man sich unterhalten kann. Sobald man andere Interessen entdeckt, können diese als Basis für gemeinsame Erlebnisse außerhalb des Büros dienen.

Das Büro als Dating-Zone setzt allerdings voraus, dass man seinen Job und seine Kollegen gut leiden kann. Fühlt man sich hingegen fehl am Platz, sind die Chancen gering, genau dort eine Partnerin kennenzulernen. Es sei denn, man verschwört sich gemeinsam gegen den Job, aber ob das eine gute Basis ist?

Ich konnte das Büro leider kaum nutzen, um Frauen kennenzulernen, denn ich bin seit zehn Jahren in keinem Unternehmen angestellt gewesen. Zwischenzeitlich führte ich meine eigene Firma mit mehreren Mitarbeitern, doch der Chef zu sein, macht die Partnersuche nicht gerade leichter. In den letzten Jahren habe ich überwiegend zu Hause gearbeitet. Kurz bevor ich meine Freundin kennenlernte, setzte ich mich mit meinem Laptop ein paar Mal in die Bibliothek. Doch abgesehen davon musste ich mir Gelegenheiten suchen, die mit meiner Arbeit nichts zu tun hatten. Diese möchte ich dir nun vorstellen:

1. Ich zapfte meinen Freundeskreis an

Wie du weißt, empfehle ich, ein paar Freunde einzuweihen, dass du eine Partnerin suchst und deshalb offen bist, neue Menschen kennenzulernen. Möglicherweise werden sich deine Freunde mehr bemühen, dich mit anderen Freunden zusammenzubringen. Das ist besonders nützlich, wenn du nicht bereits Teil einer Gruppe bist.

Ich war seit meiner Schulzeit in keiner Clique mehr. Zwar habe ich einen Freundeskreis, doch der ist zersplittert. Das heißt, die meisten Freunde kennen sich untereinander kaum. Deshalb treffe ich meistens jeden einzeln bzw. Paare. Das ist angenehm, wenn man eine schöne gemeinsame Zeit verbringen möchte, aber nicht ideal, um neue Menschen kennenzulernen.

Du könntest deinen Freunden signalisieren, dass du entgegen deiner Gewohnheiten auch mal bereit für eine Gruppensituation bist. Vielleicht laden sie dich zum nächsten Spieleabend ein oder ihr geht gemeinsam Billardspielen oder zu einer Veranstaltung. Manche Leute unternehmen ständig etwas. Dein Ziel sollte sein, hin und wieder dabei zu sein.

2. Ich machte Sport im Team

Sport halte ich für wichtig, um körperlich fit zu bleiben. Gesund und attraktiv zu sein, schadet beim Dating sicherlich nicht. Viele Sportarten eignen sich zudem, um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten.

Vor ein paar Jahren begann ich, (unregelmäßig) Squash zu spielen. Zunächst mit Freunden, später auch mit Fremden, die ich über die Website des Sportcenters kennengelernt habe. Dort hatte ich eine kleine Annonce aufgegeben. Daraufhin meldeten sich mehrere Leute bei mir (überwiegend Männer), die ebenfalls einen Spielpartner gebrauchen konnten. Mit einigen davon habe ich zusammen gespielt, allerdings sind daraus keine Freundschaften entstanden. Squash ist für diesen Zweck nicht der günstigste Sport, da man nur einen regelmäßigen Spielpartner benötigt. Folglich schaffe ich damit nur eine Gelegenheit.

Zusätzlich spiele ich seit Jahren einmal in der Woche Fußball. Ich kann es nicht besonders gut, aber irgendwann bin ich mal in eine Hobbygruppe reingerutscht und spiele seitdem regelmäßig mit. Naturgemäß lerne ich hier mehr Männer als Frauen kennen (um genau zu sein, gar keine Frauen). Allerdings können daraus Freundschaften entstehen und wer weiß was sich aus diesen ergibt. Ich habe sehr lange gebraucht, um mich dem einen oder anderen etwas anzunähern, doch wenn ich mich mal bemühte, war es meistens ganz nett. Mindestens eine Freundschaft entstand daraus. Mit diesem Freund habe ich mich auch öfter über die Suche nach einer Partnerin unterhalten.

Außerdem bin ich seit zwei Jahren in einer Art Fitnessstudio angemeldet. Dort nehme ich an Kraft-Ausdauer-Kursen teil. Diese finden mehrmals in der Woche statt. An einem Training nehmen zwischen fünf und zwanzig Leuten teil – darunter ca. 70 Prozent Frauen. Das war am Anfang eine große Überraschung. Doch es bestätigt sich immer wieder: An Kraft-Ausdauer-Kursen nehmen durchweg mehr Frauen teil. Das Studio richtet zudem mehrmals im Jahr Sportevents aus. An einigen davon habe ich mich beteiligt.

Der Sport bietet eine Reihe von Möglichkeiten, unter Leute zu kommen. In Leipzig gibt es z. B. unzählige Laufgruppen. Außerdem gibt es in jeder Sportart Vereine, in die man eintreten kann. Allerdings habe ich beim Sport auch gelernt: Gelegenheiten zu schaffen und Gelegenheiten zu nutzen, sind zwei Paar Schuhe. Zwar bin ich jede Woche mehrmals unter gleichgesinnten Menschen, aber ich habe nicht viel draus gemacht.

Allerdings sind die meisten Menschen beim Sport gesprächsbereit, sobald man sie anspricht. Man darf nur nicht darauf warten, dass jemand anderes den ersten Schritt macht. Das habe ich zu häufig getan. Ich hatte mir jedoch die Erlaubnis erteilt, einfach dabei zu sein und nicht ständig Druck auf mich selbst auszuüben. Gelegenheiten zu schaffen, war zumindest besser, als zu Hause zu sitzen. Und fit geblieben bin ich dabei auch noch.

3. Ich nahm an einem Tanzkurs teil

Frauen sind nicht nur in Sportkursen in der Mehrheit. Auch in Tanzkursen gibt es mehr Frauen als Männer. Den Ratschlag, an einem solchen Kurs teilzunehmen, hatte ich über die Jahre häufig erhalten. Allerdings war es für mich lange Zeit unvorstellbar. Die Überwindung war für mich zu groß, denn Tanzen war nun wirklich nicht mein Ding. Das hatte ich mir jedenfalls eingeredet. Vor meinem inneren Auge sah ich klassische Tänze mit langweiliger Musik und Salsa mit zu schnellen Bewegungen und viel zu viel Körperkontakt. Das alles würde mir nicht nur keinen Spaß machen, sondern auch meine Komfortzone überdehnen.

Im vergangenen Jahr erfuhr ich zufällig, dass die Freundin einer Freundin sehr gern tanzen geht und einen speziellen Stil gelernt hat, den ich bis dahin nicht kannte: Lindy Hop. Bei Youtube sah ich mir ein paar Videos an und fand den Stil zumindest interessant. Mit der Musik konnte ich etwas anfangen, die Bewegungen waren locker-schwungvoll und der Körperkontakt nicht zu eng. Die Freundin bot an, mir mal die ersten Schritte zu zeigen. Also trafen wir uns im Park und übten weitgehend unbeobachtet. Dabei stellte ich fest, dass ich nicht völlig unbegabt bin. Das gab mir letztendlich den Mut, mich tatsächlich für einen Kurs anzumelden.

In meiner Heimatstadt Leipzig gibt es drei Tanzschulen, die diesen Stil anbieten. Ich bewarb mich bei einer Schule, die in Kürze den nächsten Durchlauf starten würde. Allerdings nahm diese Schule grundsätzlich nur Paare an, da sie sonst einen Überhang an Frauen hätte. Ich konnte mich allerdings auf die Warteliste setzen lassen, für den Fall, dass sich eine Solo-Frau anmelden würde. Dazu kam es auch. Wir telefonierten kurz, um herauszufinden, ob wir einigermaßen zusammen passen und entschieden uns, es zu probieren.

Vor meiner ersten Tanzstunde war ich ziemlich nervös, denn ich war noch nie Tanzen gewesen und nun würde ich es gleich in einer Gruppe tun. Doch ich gab mir einen Ruck. Da der Anfängerkurs nur sechs Wochen dauerte, hatte ich mich nicht zu viel verpflichtet.

Ich tanzte überwiegend mit der mir zugewiesenen Partnerin, aber hin und wieder tauschten wir die Tanzpartner auch durch. So lernten wir, uns auch auf andere Menschen einzulassen und ich verlor zunehmend meine Berührungsängste.

Dass der Tanzkurs anfangs so weit außerhalb meiner Komfortzone lag, empfinde ich heute als Vorteil. Denn ich musste mich erst dazu überwinden. Auch während des Kurses stellt man sich hin und wieder etwas dämlich an, weil man nicht sofort alles versteht und nachahmen kann. Doch so geht’s jedem. Jeder Teilnehmer macht sich dadurch etwas verwundbar und das ist aus meiner Sicht eine wichtige Fähigkeit, wenn man anderen Menschen nahe kommen will.

Als der Kurs nach sechs Wochen endete, hatte ich gerade meine Freundin kennengelernt (nicht beim Tanzen). Deshalb war mein erster Tanzkurs bisher auch mein letzter. Meine größte Motivation war damit entfallen und ich hatte nun zu wenig Zeit, um Fußball und Squash zu spielen, an den Sportkursen teilzunehmen und auch noch zu tanzen. Wäre es anders gekommen, hätte ich vermutlich die Motivation genutzt und mich gleich für den nächsten Kurs angemeldet. Ich hatte allerdings mit dem Gedanken gespielt, an eine andere Tanzschule zu gehen, wo nicht nur Pärchen tanzten.

4. Ich lernte meine Nachbarn kennen

Wer wie ich in einer Großstadt lebt, kennt seine Nachbarn häufig nicht. Früher habe ich fünf Jahre in einer Wohnung gelebt, aber mit meinen Nachbarn nie mehr als zwei Sätze am Stück gesprochen. Dabei war das Pärchen, das neben mir wohnte, sogar in meinem Alter. Wahrscheinlich wird man unter seinen Nachbarn nicht gleich eine Partnerin finden, aber Nachbarn im gleichen Alter haben vielleicht einen interessanten Freundeskreis, den man mit der Zeit kennenlernen kann. Folglich könnte es eine gute Idee sein, sich mit seinen Nachbarn bekannt zu machen.

Als ich vor zwei Jahren eine neue Wohnung bezog, hatte ich gehofft, dass es mir dieses Mal leichter fallen würde, zumal das komplette Haus neu bezogen wurde. Ich hatte Glück, denn am Tag des Einzugs stellte ich fest, dass ich meinen direkten Nachbarn schon flüchtig kannte. Das machte es etwas leichter, ins Gespräch zu kommen. Ein paar Wochen später habe ich das Pärchen mal zum Abendessen eingeladen, damit wir uns besser kennenlernen konnten. Es war ein netter Abend, dem allerdings kein weiterer mehr folgte. Meine Nachbarn erwarteten damals schon ein Baby und spätestens als das Kind geboren war, hatten die beiden stets andere Dinge im Kopf.

Ein anderes Pärchen im Haus nahm häufig meine Pakete an. Da die beiden in etwa genauso introvertiert sein dürften, wie ich es bin, kam es bei der Abholung jedoch nie zu Gesprächen. Bis ich mir ein Herz fasste und fragte, ob wir uns eines Abends mal auf ein Glas Wein treffen wollen. Wir tauschten Telefonnummern aus und nur wenige Tage später kam die Einladung von den beiden. Wir verbrachten ein paar schöne Abendstunden auf ihrem Balkon und hatten eigentlich auch vor, es zu wiederholen. Anschließend haben wir hier und da etwas Small Talk gemacht, wenn wir uns im Treppenhaus begegneten oder wir gegenseitig unsere Pakete abholten. Doch mehr ist nicht daraus geworden. Ich hätte mich mehr kümmern müssen, allerdings sank meine Motivation, nachdem ich meine Freundin kennengelernt hatte.

Das ist nicht optimal gelaufen und richtig guten Kontakt halte ich zu meinen Nachbarn immer noch nicht, doch meine vielleicht größte Erkenntnis dabei war: Die meisten Menschen freuen sich, wenn man sie wahrnimmt und ein Kennenlernen vorschlägt. Auch jemand, der nicht gerade auf Partnersuche ist, freut sich, nette Nachbarn zu haben, die im Urlaub mal die Blumen gießen oder mit denen man auf ein Glas Wein auf dem Balkon sitzen kann.

5. Ich besuchte Veranstaltungen (auch allein)

Bis vor einigen Jahren habe ich die meisten Abende allein zu Hause verbracht, doch zuletzt habe ich mir angewöhnt, manche Abende in der Woche mit Sport und Veranstaltungen zu füllen.

In einer Großstadt wie Leipzig gibt es ausreichend Gelegenheiten. Mehrmals im Monat finden hier Lesungen statt, bei denen lustige oder nachdenkliche Texte vorgetragen werden, ganz ähnlich wie bei Poetry Slams, zu denen ich auch gehe. Manchmal ist das sehr unterhaltsam, manchmal auch nur mau. Nach einer Weile kannte ich einige Künstler aus der Szene und kann nun schon vorher besser einschätzen, ob es ein gutes Event werden wird.

Außerdem mag ich die sogenannten Fuck up Nights, bei denen Menschen über Situationen erzählen, in denen sie mal gescheitert sind. Das ist oft unterhaltsam und interessant. Da diese Veranstaltung in Leipzig meist Hunderte Zuschauer anzieht, treffe ich dabei manchmal Freunde und Bekannte, die ich sonst selten sehe. Außerdem war ich mal bei einem Science Slam, einer Nerd Nite, bei Konzerten, Sommerfesten von der IHK, Messen und Ausstellungen, Fußball-Live-Übertragungen und einem Hipster-Food-Markt, der im Sommer mehrmals aufgebaut wird.

Nach Möglichkeit versuche ich, mit Freunden zu diesen Veranstaltungen zu gehen, doch das klappt nicht immer. Als ich noch Single war, ging ich deshalb auch mal allein. Mir war klar, dass ich allein auf einem Event wahrscheinlich niemanden kennenlernen würde – aber zu Hause erst Recht nicht. Ich setzte mich nicht unter Druck, Leute anzusprechen, denn ich wollte das Event an sich genießen. Manchmal habe ich mit niemandem gesprochen, manchmal ist etwas Small Talk daraus entstanden.

Von den Events erfuhr ich häufig bei Facebook, weil Freunde von mir ihr Interesse signalisierten oder, weil ich die Veranstaltungslisten durchforstete. Auch auf lokalen Websites stößt man häufig auf interessante Events.

Was es sonst noch gibt: Darüber hinaus hatte ich noch andere „Gelegenheiten“ auf dem Radar, denen ich aber nicht nachging, weil sie nicht zu mir passten oder, weil ich mich nicht traute. Eine dieser Gelegenheiten sind Stammtische. Die gibt es in jeder größeren Stadt für verschiedenste Interessen. Vor vielen Jahren ging ich manchmal zu Online-Marketing-Stammtischen, doch seit ich nicht mehr im Online Marketing tätig bin, lasse ich das bleiben. Solche und andere Stammtische findest du auf Meetup.com und bei Facebook.

Ebenfalls bei Facebook findest du Gruppen mit Menschen, die neu in einer Stadt sind oder einfach nur Anschluss suchen. Die Gruppe „Neu in Leipzig“ hat beispielsweise mehr als 4.000 Mitglieder. Hier treffen sich immer wieder Menschen – oft spontan. Ich habe mal angefragt, ob jemand mit mir Schach spielen möchte. Wollte aber niemand.

Eine weitere Möglichkeit sind Facebook-Gruppen, in denen sich Menschen zum Kochen oder zu einem gemeinsamen Abendessen verabreden. Vorübergehend war ich in einer Gruppe angemeldet, wo sich jemand bereit erklärt, ein (ganz einfaches) Abendessen bei sich zu Hause zuzubereiten. Dazu konnte derjenige drei bis sechs Gäste einladen. Das Event würde nicht länger als etwa eine Stunde dauern. Die Idee wurde von vielen Mitgliedern gut angenommen. Ich habe mich allerdings nicht getraut. Suchbegriffe bei Facebook sind „Kochen in Leipzig“, „Gemeinsam kochen in Leipzig“, „Gemeinsam Essen in Leipzig“ etc.

Im Übrigen kann auch ein richtiger Kochkurs eine gute Gelegenheit sein, um unter Menschen zu kommen. Allerdings würde ich vorher fragen, ob auch andere Teilnehmer allein kommen, denn häufig nehmen Pärchen an diesen Kursen teil.

6. Ich übte Small Talk

Introvertierte können sich wirklich Besseres vorstellen, als mit anderen Menschen Small Talk zu betreiben. Es passt nicht so recht zu unseren Vorlieben und da wir ihm oft aus dem Weg gehen, sind wir umso weniger gut darin. Doch auch wenn man Small Talk nicht mag, so kann man ihn üben. Wir werden wahrscheinlich nie Small-Talk-Profis, aber besser werden können wir allemal. Ich denke, ich habe mich in den letzten Jahren deutlich verbessert.

Zeitweilig versuchte ich im Alltag gezielt, ein bisschen mehr Small Talk zu betreiben. Zwar habe ich z. B. beim Einkaufen keinen besonderen Drang, mich mit jemandem zu unterhalten, aber probiert habe ich es trotzdem. So habe ich ein paar Worte mehr an der Kasse verloren, als nötig gewesen wären oder im Geschäft ein paar Sätze mit einer Verkäuferin gewechselt. Auch beim Sport habe ich es hin und wieder versucht.

Eine unterstützende Maßnahme wäre, es sich zur täglichen Challenge zu machen, mindestens ein Gespräch anzuzetteln. Zugegeben, es war für mich kein riesiger Erfolg, aber es war ein weiterer kleiner Baustein. Schließlich ist es fürs Dating immer wichtig mit Menschen ins Gespräch zu kommen – egal, wie man seine Partnerin kennenlernt. Unterhalten muss man sich sowieso.

7. Ich nahm an einer Gruppenreise teil

In den letzten fünf Jahren bin ich viel gereist. Zeitweise war ich monatelang am Stück unterwegs und das fast immer allein. Grundsätzlich sind Solo-Reisen nicht weiter schlimm, da man unterwegs viel leichter mit Menschen ins Gespräch kommt als zu Hause. Vor allem beim Backpacking in Südostasien, Australien oder Lateinamerika kommt man immer mit Menschen zusammen und nahezu jeder ist gesprächsbereit. Allerdings sind diese Begegnungen überwiegend flüchtig. Mir blieb zu wenig Zeit, um mit anderen Menschen wirklich warm zu werden.

Außerdem verlor ich nach all den Jahren die Lust, alleine zu verreisen. Ich konnte mich nicht mehr aufraffen. Da ich aber trotzdem noch in den Urlaub fahren wollte, sagte ich für 2016 zwei Gruppenreisen zu. Zunächst erhielt ich eine Einladung für eine Bloggerreise nach Jordanien. Gemeinsam mit anderen Bloggern würde ich eine Woche durch das Land reisen. Außerdem richtete mein Fitnessstudio eine Sportreise nach Mallorca aus. Auch hier würde ich mit einer Gruppe junger Menschen eine Woche gemeinsam in einer Finca verbringen. Es war nicht ganz leicht, mich durchzuringen, aber ich habe beides zugesagt.

Zwischen meinen Zusagen und dem Reiseantritt lernte ich meine Freundin kennen. Somit war der ursprüngliche Zweck der Reisen hinfällig geworden, aber ich wollte sie trotzdem antreten. Ich flog gemeinsam mit anderen Bloggern nach Jordanien. Zufällig war ich der einzige Mann in der Gruppe, aber das war nicht mehr relevant. Es war nicht meine erste Gruppenreise, aber die erste seit Längerem. Dabei habe ich wieder festgestellt, wie anstrengend es sein kann, mit anderen zu reisen, denn in einer Gruppe von Menschen sind immer welche dabei, die mich unglaublich nerven. Aber damit hatte ich gerechnet. Auf der anderen Seite sind auch immer nette Leute dabei und eine einwöchige Reise gibt mir genug Zeit, mit ihnen mehr als nur Small Talk zu betreiben. Die positiven und die negativen Seiten wiegen einander in etwa auf – zumindest, wenn die Zielgruppe der Reise einigermaßen passt. Die Teilnehmer sollten ungefähr im gleichen Alter sein und ähnliche Vorstellungen von einer Reise haben wie ich.

Die Fitnessreise nach Mallorca musste ich absagen, da ich mich ein paar Wochen vorher am Handgelenk verletzt hatte. Täglich Sport zu treiben, wäre unangemessen gewesen. Ich bin aber trotzdem mit meiner Freundin nach Mallorca geflogen.

Bloggerreisen sind Bloggern vorbehalten und Fitnessreisen sind nicht jedermanns Sache, aber auch für normale Urlauber gibt es viele Angebote. Alternativ kann man sich online einen Reisepartner suchen (z. B. bei joinmytrip.de)

Zwischenfazit: Gelegenheiten sind wichtig

Viele der Gelegenheiten, bei denen ich neue Menschen kennenlernen wollte, waren mir nicht leicht gefallen. Ich musste mich oft überwinden, meine Komfortzone zu verlassen. Das war notwendig, denn in der Bequemlichkeit lernt man keine Frauen kennen. Allerdings gab ich mir die Zeit, nicht alles auf einmal machen zu müssen. Die Gruppenreisen und der Tanzkurs – die für mich größte Überwindung – kamen erst sehr spät. Ich setzte mich auch nicht unter Druck, ständig jemanden anzusprechen. Es war mir wichtig, mich zu fordern, aber nicht zu überfordern.

Eine Gelegenheit, die ich nie ernsthaft in Betracht gezogen habe, ist die typische Dating-Situation in einer Bar oder einem Nachtclub. Denn das hätte mich überfordert. Ich weiß, dass ich dort nie jemanden angesprochen hätte und anschließend niedergeschlagen nach Hause gegangen wäre. Selbst wenn ich mich hätte überwinden können, erwartete ich nicht, dort eine Frau zu finden, die mich interessiert. Aber wer weiß. Vielleicht wäre es eine weitere Gelegenheit gewesen, eine Frau kennenzulernen.

Letztendlich lernte ich meine Freundin übers Online Dating kennen. Darüber schreibe ich in meinem nächsten Artikel. Allerdings glaube ich nicht, dass deshalb alle hier beschriebenen Maßnahmen umsonst gewesen sind und man sich nur auf Dating-Plattformen konzentrieren sollte. Im Gegenteil. Ich glaube, man muss das im Ganzen betrachten.

Mein Leben im Griff zu haben und dadurch grundsätzlich interessant zu sein, kommt mir hier wie dort zu gute. Durch die oben beschriebenen Gelegenheiten lernte ich, mich häufiger selbst zu überwinden. Schließlich fiel es mir schwer, meine Nachbarn anzusprechen, mich für einen Tanzkurs anzumelden, mit Leuten beim Sport zu reden und an einer Gruppenreise teilzunehmen. Doch früher oder später kommt man beim Dating ohnehin in Situationen, in denen man sich überwinden muss. Selbstüberwindung ist eine wichtige Fähigkeit, die man nicht lernt, indem man Nachrichten am Computer schreibt.

Auch Sport zu treiben, hat mir nicht geschadet. Mich gegenüber meinen Freunden zu öffnen ebenfalls nicht. Die Gespräche mit ihnen motivierten mich, mich mehr zu bemühen. Eine Freundin half mir später dabei, mein Online-Dating-Profil zu verbessern und sie gab mir auch Feedback zu den Nachrichten, die ich an Frauen schrieb. Deshalb hatten all die Maßnahmen ihren Sinn, auch wenn der direkte Erfolg zunächst ausblieb.

Außerdem ist auch Online-Dating kein Selbstläufer, wie du im nächsten Artikel erfahren wirst. Wie im realen Leben, muss man ständig Gelegenheiten schaffen, indem man immer wieder jemanden anschreibt. Dazu braucht man das Glück, der richtigen Frau die richtigen Zeilen zu schreiben, die auch noch gelesen werden. Genauso, wie man bei einer realen Gelegenheit das Glück braucht, im richtigen Moment die richtige Person kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen.

In beiden Fällen musst du auch erste, zweite und dritte Dates meistern, ohne dich hinter einem Bildschirm zu verstecken. Deshalb kannst du dich nicht nur auf die Online-Suche verlassen. Beides sollte Hand in Hand gehen.


Lies hier weiter: Meine Erfahrungen mit Online Dating

Über den Autor

Mein Name ist Patrick und ich bin introvertiert. Oft habe ich mir gewünscht, extrovertiert zu sein, bis ich meine Veranlagung besser verstanden habe. Mehr über mich, mein Buch Kopfsache, mein Projekt Healthy Habits.

Comments

  1. Alexander says:

    Hallo Patrick,

    ein sehr schöner Artikel, den du da zum Thema geschrieben hast. Teilweise erkenne ich da meine eigene Entwicklung wieder.

    Mal eine Frage:
    Ich suche nach Möglichkeiten Wander-/Natur/Aktiv-Gruppenreisen mit Leuten um die 30 zu machen. Hast du abseits von joinmytrip noch andere Empfehlungen?

    Ich selber mache gerne solche Reisen und Städte sind nicht so mein Ding (musste ich bereits erfahren). Da gibt es nun wunderbare Angebote von mehr oder weniger bekannten Aktivreiseanbietern. Die sind meist auch nicht ganz günstig aber die Programme treffen genau mein Geschmack. Allerdings ist der Preis vermutlich u.A. auch ein Grund, warum dort eher Leute um die 40/50 aufwärts unterwegs sind. Warum ich das bisher so gemacht habe, hatte auch seine Gründe aber das würde jetzt den Rahmen sprengen.

    Diese Situation habe ich auch grundsätzlich bei vielen anderen Aktivitäten/Neigungen, dass ich da eher mit Leuten deutlich über meinem Alter in Kontakt komme. Das stört mich eben nur insofern, dass ich dadurch niemanden in meinem Alter kennenlerne, was mir wohl eher bei der Partnerfindung helfen würde.

    Grüße
    Alexander

    • Patrick says:

      Hallo Alexander,

      konkrete Erfahrungen mit Anbietern habe ich keine. Neulich schrieb mich allerdings jemand an, der Gruppenreisen für Backpacker anbietet. Mit ihm stand ich schon einmal in Kontakt und die Gruppenreisen sind nun neu. Hier findest du sie: http://trips.backpackerpack.de

      Die Preise wirken ziemlich human. Ich nehme an, die Zielgruppe liegt eher bei 20- bis 30-Jährigen. Vielleicht ist das was für dich?

      Ansonsten ist mir bisher nur https://www.erlebe-fernreisen.de mehrfach aufgefallen. Die sind schon teurer, aber preislich auch noch akzeptabel.

      Ich hoffe, das hilft weiter!

      Viele Grüße
      Patrick

  2. Alexander says:

    Danke für die Tipps! Ich schaue es mir mal an!

  3. Und wie macht man das als Frau, wenn man hochsensibel und schüchtern ist? Ich bin nicht rein intro, ich bin recht unternehmungslustig und in richtiger Gesellschaft (also Freunde oder freundliche, offene Leute) blühe ich auf und rede viel. Ich bin sehr kreativ und zeige auch gerne die Sachen, die ich kann.
    Mein Problem ist, daß ich überhaupt nicht flirten kann. Ich gehe regelmäßig aus, kleide mich recht individuell und auffällig (Gothic/Hippie, selbstgenähte Outfits) und tanze gerne. Zwischendurch stehe ich halt da und beobachte die Menschen. Wenn mir ein Mann gefällt, trau ich mich nicht, ihn anzulächeln. Flirtratgeber sagen immer, frau soll Augenkontakt aufbauen, ihn anlächeln, den Kopf schief legen…ich gucke und sobald er es bemerken könnte, schau ich weg, tue cool, fühle mich innerlich aber wie ein schüchternes, kleines Mädchen, das sich dafür schämt, daß sie es gewagt hat, den hübschen Mann anzugucken, der sie eh nicht haben will (weil ich leider mollig bin).
    Mich spricht nie ein Mann an, dadurch werde ich noch unsicherer (bin ich so häßlich?). Außerdem bekommt frau ja heutzutage immernoch eingetrichtert, daß sie selbst nicht die Männer ansprechen sollte, weil Männer erobern wollen. Schreiben fällt mir leichter, also habe ich in Singlebörsen schon oft Männer angeschrieben, die mir gefielen. Leider hatte das nie Erfolg, keiner hatte Interesse.
    ich kann mich aber nicht verstellen, ich laufe ja auch nicht grundlos dümmlich grinsend durch die Gegend, sondern lache nur, wenn es was zu lachen gibt und lächel Freunde und Familie an, wenn ich sie treffe, weil ich mich freue, sie zu sehen. Ich kann also keinen fremden Mann anlächeln, wenn ich mich doch innerlich unsicher fühle, das wäre doch nur gequält und aufgesetzt. Ich bin auch eh ein Mensch, der Smalltalk nicht mag und der immer sagt, was er denkt. Was sollte ich also zu einem fremden Mann sagen, wenn es keinen Vorwand oder Anlaß gibt, über etwas zu sprechen? Die Wahrheit (Du gefällst mir, ich möchte Dich kennen lernen) erscheint mir zu direkt und hatte bis jetzt im Internet keinen Erfolg. Im echten Leben würde ich mich nie trauen, das zu einem Mann zu sagen, aber diese Flirtspielchen kann ich auch nicht.

  4. Hi!

    Interessanter Artikel, und für Intro-Frauen genau so lesenswert 😉
    Ich stelle fest, was ich eigentlich weiß: Mehr raus, mehr soziale Interaktion… :/

    Habe vor kurzem einen tollen Mann näher kennen gelernt, und dann auf einmal das Aus.. Für mich völlig überraschend, meine Welt völlig aus den Fugen…Es ist einfach schwer, sich jemanden zu öffnen, und dann so enttäuscht zu werden…Und dann noch einmal versuchen, sich auf jemanden einzulassen?!?
    Momentan würde ich sagen: Never ever again, weil es so weh getan hat…

    Bin gespannt auf deinen nächsten Artikel

    Liebe Grüße H.

  5. Sehr lesenswerter Artikel. Freue mich bereits auf die Fortsetzung.

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