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Der Mythos vom Multitasking

Als Introvertierte bevorzugen wir tiefe Konzentration auf eine Aufgabe. Ständige Unterbrechungen oder parallel zu erledigende Aufgaben können wir überhaupt nicht gebrauchen. Extrovertierte hingegen versuchen sich lieber an mehreren Aufgaben gleichzeitig und sonnen sich in ihrer Fähigkeit zum Multitasking. Doch während das ihre innere Präferenz sein mag, so ist sie dennoch nicht produktiv.

Mit Multitasking verbindet sich die Hoffnung, gleichzeitig mehrere Medien nutzen oder verschiedene Handlungen durchzuführen, um die hohen Anforderungen des modernen Alltags bewältigen zu können. Doch Multitasking ist ein Mythos. Er funktioniert in Computern, aber nicht beim Menschen. Unser Gehirn ist gar nicht in der Lage, sich auf zwei Dinge gleichzeitig zu konzentrieren – egal, ob introvertiert oder extrovertiert. Was wie gleichzeitiges Abarbeiten aussieht, ist nichts anderes als ein ständiger Wechsel zwischen zwei Aufgaben. Schon beim Versuch, sich auf zwei Dinge gleichzeitig zu konzentrieren, sinken die Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit. Die Produktivität sinkt gleich mit, aber die Fehlerquote steigt. Je öfter das Gehirn hin und her schalten muss, desto ineffizienter wird dieser Prozess. Letztendlich kostet Multitasking mehr Zeit und liefert die schlechteren Ergebnisse.

Vermutlich weißt du aus deinem eigenen Alltag, wie sehr Ablenkungen deine Produktivität und die deiner Kollegen verringern. Durch die Erfindung von Computern und des Internets hat es in unserer Gesellschaft sicherlich eine positive Entwicklung der Produktivität gegeben. Diese brauchen wir auch, um unseren Lebensstandard halten oder weiter steigern zu können. Dennoch war der Sprung nicht so gewaltig, wie man es bei diesen Fortschritten hätte vermuten können. Denn in der Realität bringen Computer und Internet nicht nur Effizienzgewinne sondern eine Menge Ablenkungen mit sich. Auf dem Bildschirm sind mehrere Browser-Fenser geöffnet, beinahe minütlich treffen E-Mails ein, das Telefon klingelt und dabei sitzt du noch im Großraumbüro mit 20 Kollegen. Das alles unter einen Hut zu bringen, könnte man als Multitasking beschreiben. Doch tatsächlich ist es nichts anderes als viele Prozesse, die sich abwechseln und uns immer wieder aus den wichtigen herausreißen.

Ich bin gegen diese Ablenkungen selbst nicht immun. Als Selbständiger, der von zuhause arbeitet, muss ich sogar noch mehr Disziplin aufbringen, um mich von ihnen nicht vollständig einnehmen zu lassen. Doch gut zurecht komme ich mit diesen parallelen Anforderungen an meine Aufmerksamkeit nicht. Meine innere Präferenz möchte etwas anderes. Sie möchte konzentrierte Arbeit an einer Aufgabe. Deshalb fällt es mir momentan schon schwer, hier überhaupt neue Artikel zu schreiben, denn meine Hauptaufgabe liegt derzeit darin, ein Buch zu verfassen. Und genau in diesem Fokus liegt unsere Stärke. Wir bevorzugen auf natürliche Weise den wesentlich produktiveren Weg.

Sich dieser Präferenz bewusst zu sein ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, das passende Arbeitsumfeld zu finden. Um deiner Präferenz gerecht zu werden, eignen sich vor allem Berufe, die tiefe Konzentration erfordern und honorieren. Auch Selbstbestimmung ist aus meiner Sicht ein wesentliches Kriterium. Einige Beispiele für typisch introvertierte Jobs sind:

• Autor
• Wissenschaftlicher
• Künstler
• Theologe
• Therapeut
• Berater
• Ingenieur
• Lektor
• Online Marketer
• Vermesser
• IT
• Archivarbeit
• Steuerberater
• Rechnungswesen
• Schreiner

Diese Liste ist nicht erschöpfend. Doch wenn du die Gemeinsamkeiten dieser Berufe verstehst, wirst du weitere Arbeitsumfelder finden, die ebenso passend sind. Es muss übrigens nicht gleich ein neuer Beruf sein. Häufig kann schon ein Wechsel innerhalb eines Unternehmens genügen, um seinen Präferenzen gerechter zu werden. Falls du mit den Anforderungen in deinem aktuellen Job nicht zufrieden bist, empfehle ich dir wärmstens, dich umzuorientieren. Du wirst vermutlich noch Jahrzehnte deines Lebens arbeiten. Da ist es nur sinnvoll, deine Zeit mit etwas zu verbringen, das deiner inneren Präferenz entspricht.

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Über den Autor

Mein Name ist Patrick und ich bin introvertiert. Oft habe ich mir gewünscht, extrovertiert zu sein, bis ich meine Veranlagung besser verstanden habe. Mehr über mich, mein Buch Kopfsache, mein Projekt Healthy Habits.

Comments

  1. Also wieso Berater und Online-Marketer introvertierte Jobs sind, das erkläre mir mal. Als Berater musst Du auf Kunden zugehen und beraten. Und als Online Marketer ebenso. Und dazu die Werbetrommel rühren. Introvertiert wären für mich jobs, in denen Kundenkontakt nicht im Vordergrund steht.

    • Hi Micha,

      ich habe schon gemerkt, dass jeder Job von jedem unterschiedlich verstanden wird.
      Meine Ansicht zu den beiden Jobs:

      – Online Marketing: Kommt drauf an, welche Rolle du hast. Als Online Marketer innerhalb eines Unternehmens hast du nie Kontakt mit irgendeinem Kunden. Wenn du eine Agentur betreibst oder in einer Agentur arbeitest, hast du Kundenkontakt, aber auch das ist nur wenig. Da telefonierst du im Schnitt 5 bis 10 Mal die Woche (meiner Erfahrung nach).

      – Berater: Unterschiedlich auslegbar. Ich denke bei Beratern nicht an McKinsey & Co. sondern an Solo-Berater oder kleine Firmen, die ins Unternehmen gehen und dort beraten. Je nach Art der Beratung geht das ein paar Tage oder verteilt sich über einige Monate. Als Intro kann man gut beobachten, was in den Unternehmen vor sich geht und strukturierte Lösungen erarbeiten.

      Introvertierte Jobs heißen für mich nicht, dass man nie mit Menschen zu tun hat.

  2. Vielen Dank für diesen tollen Blog!

    Aber die Kategorie „typisch introvertierter Job“ finde ich auch etwas problematisch.

    „Theologen“ beispielsweise stehen oft im Dienst einer (Kirchen-)Gemeinde, wo ihre Aufmerksamkeit ständig von unterschiedlichen Seiten gefordert wird. Der Umgang mit anderen Menschen steht hier im Zentrum. Einen Tag ruhig und ungestört arbeiten zu können, muss sich da schon hart erkämpft werden. Etwas besser ist es wohl im Dienst an einer theologischen Ausbildungsstätte oder Hochschule. Aber ob das ständige Dozieren und Vorträgehalten unbedingt was für (alle) introvertierte Menschen ist, wage ich mal zu bezweifeln …

    Auch bei den anderen Jobs kommt es wohl sehr darauf an, wie stark introvertiert eine Person ist. Ein Wissenschaftler mag zwar auch viel Zeit zum konzentrierte Arbeiten und Forschen haben, aber er ist doch auch immer wieder gefordert, Vorträge zu halten, an Sitzungen und Diskussionsrunden teilzunehmen …

    Selbst als Programmierer sitzt man nicht den ganzen Tag vor dem Bildschirm, um konzentriert seiner Arbeit nachzugehen. Vielmehr wird die Arbeit immer wieder unterbrochen durch Meetings, Anfragen von Kollegen und Kunden, Telefongesprächen, Änderungswünschen usw.

    Kurzum, von einem „typisch introvertierten Job“ in unserer heutigen Gesellschaft zu sprechen finde ich schwierig. Vielmehr würde ich sagen, es gibt jobs, die sich eher für introvertierte Menschen angenehm gestalten lassen als andere.

    Viele Grüße!

    • Hallo aeo,

      ich denke, dass die Aufzählung auch so gemeint ist. Dazu kommt, dass in den genannten Berufen oft Qualitäten und Eigenschaften gefordert werden, die sehr vielen Introvertierten eigen sind. Beobachten, analysieren und dann sein Wissen weitergeben, um etwas zu optimieren oder jemandem zu helfen – das zeichnet viele der aufgezählten Berufe aus. Und darin sind viele Introvertierte gut. Im passenden Umfeld kann man dann auch seine Scheu vor direktem Kontakt zu anderen Menschen überwinden, bzw. kommt das sogar ganz automatisch. War zumindest bei mir in meinem jetzigen Job so – ich war selbst von mir überrascht!

      Wenn es nur darum ginge, dass Introvertierte einen Job brauchen, bei denen sie nur ja mit keinen Menschen in Kontakt kommen, würden die Arbeitslosenzahlen drastisch steigen 😉

  3. Thomas says:

    Das stimmt, die Multitasking ist ein Mythos. Es entstand sicher aus diesem Grund, denn wir streben immer danach, alles möglichst schnell zu machen.
    Die von Ihnen genannten Berufe passen ganz gut zu Introvertierten, aber auch kier könnte man sicher Ausnahmen finden.
    Danke für den Beitrag!

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