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Small Talk Tipps für Introvertierte

Small Talk: Für einen Großteil der Menschen erfüllt er seinen Zweck und hat somit eine Daseinsberechtigung. Für Introvertierte hingegen ist er zumeist eine Qual. Bereits vor einiger Zeit schrieb ich darüber, weshalb Introvertierte sich mit Small Talk so schwer tun. Unser Gedächtnis unterstützt uns nicht gerade darin, Informationen schnell abzurufen und die ganze Prozedur ist für uns ermüdend.

Das heißt jedoch nicht, dass wir hoffnungslose Fälle wären und jedem Small Talk aus dem Weg gehen sollten. Wir können besser werden, wenn wir den Ablauf von Small Talk verstehen und einige Tipps beherzigen.

 

Die Logik des Small Talks in vier Phasen

In Marti Olsen Laneys Buch „Die Macht der Introvertierten“ las ich von der Logik des Small Talks in vier Phasen. Vielleicht hilft uns Introvertierten dieses analytische Sezieren des ungeliebten Vorgangs, da wir uns auf jede Phase gezielt vorbereiten können.
Ich habe das Buch im Englischen gelesen. Daher übersetze ich die vier Begriffe einfach so, wie es mir sinnvoll erscheint.

1. Gesprächseröffnung

Die ersten Worte sind oft die schwersten. Sie werden noch schwerer, je länger Du wartest. Daher solltest Du den Gesprächsbeginn sofort wagen und gar nicht erst ein unangenehmes Schweigen aufkommen lassen. Stelle Dich zunächst namentlich vor und eröffne das Gespräch mit einer offenen Frage zur aktuellen Situation: „Wie gefällt Dir die Veranstaltung? Kennst Du den oder den? Ist es hier nicht schön?“
Auch wenn Du zu einer Gruppe stößt, ist eine Frage der beste Einstieg. In diesem Fall sollte sie zum Thema des laufenden Gesprächs passen.

Auf die Gesprächseröffnung kannst Du Dich gut vorbereiten. Je nach Situation kannst Du Dir vorab mögliche Einstiegsfragen überlegen. Es kann auch sinnvoll sein, Dich vorab über das Tagesgeschehen zu informieren.

2. Aufrechterhaltung

Wenn die ersten Sätze gesprochen sind, geht es im zweiten Schritt darum, das Gespräch am Laufen zu halten. Auch in dieser Phase sind Fragen ein gutes Mittel der Wahl. Sie sollten idealerweise ein bisschen tiefer gehen. Frage nach Erfahrungen oder Meinungen. Das gibt Deinem Gegenüber genug Anlass, etwas über sich zu erzählen und genau diese Informationen brauchst Du ja, um im Anschluss weitere Fragen zu stellen.

Du merkst schon: Es läuft immer wieder auf Fragen hinaus. Dieses Mittel der Gesprächsführung kommt uns Introvertierten einfach am nächsten, denn wir hören ja meist lieber zu, als selbst über belanglose Dinge zu plaudern.

3. Übergang

In den meisten Fällen wird das Gespräch nach einer Weile langsam einschlafen. Das ist nicht tragisch, sondern liegt in der Natur des Small Talks. Du musst lediglich entscheiden, was Du damit anfangen willst: Möchtest Du das Gespräch wiederbeleben oder zum Abschluss bringen?
Du kannst ein Gespräch reanimieren, indem Du erneut in ein zuvor besprochenes Thema einsteigst. Du könntest eine Frage stellen, die Du vorher noch nicht losgeworden bist.
Falls Dich das Gespräch aber ermüdet oder langweilt, ist es nun an der Zeit, das Ende zu finden.

4. Abschluss

Sollte Dir Dein Gesprächspartner nicht zuvor kommen, kannst Du Dich unter einem bestimmten Vorwand verabschieden. Du kannst Dich für das angenehme Gespräch bedanken und darauf verweisen, noch mit Deinem Bekannten XY sprechen oder das Buffet aufsuchen zu wollen. Wenn Du mit Deinem Gesprächspartner in Kontakt bleiben möchtest, beende das Gespräch einfach, indem Du nach den Kontaktdaten oder einer Visitenkarte fragst.

 

Tipps für eine bessere Small Talk Erfahrung

Ein paar dieser Tipps stecken schon in den vier Phasen des Small Talks. Doch sie sind wichtig und der Übersicht halber erwähne ich sie hier erneut.

  • Gehe nicht mit hohen Erwartungen in einen Small Talk. Es ist nicht mehr als der Austausch von Belanglosigkeiten, um sich zu beschnuppern. Erwarte also nicht, dass Du ein tief schürfendes Gespräch führen wirst (vielleicht später).
  • Nähere Dich anderen Menschen immer mit einem Lächeln. Damit signalisierst Du, dass Du in Freundschaft kommst und lädst Deinen Gegenüber zum Gespräch ein.
  • Vermeide unangenehmes Schweigen: Je länger Du wartest, desto schwieriger wird die Gesprächseröffnung. Wenn Du reden möchtest, beginne am besten sofort damit.
  • Stelle Dich zu Beginn eines Gesprächs immer namentlich vor und füge – je nach Situation – noch ein oder zwei Informationen hinzu (z.B. Firma beim Networking).
  • Du musst nicht viel reden. Es genügt schon, viel zu fragen. Interessierte Zuhörer kommen immer gut an.
  • Finde Gemeinsamkeiten. Wenn Du vorab weißt, auf welche Leute Du stoßen wirst, informiere Dich ein wenig über sie. Welchem Beruf gehen sie nach, welche Hobbies haben sie, wohin fahren sie in den Urlaub? Nimm alle Informationen, die Du bekommen kannst und finde Gemeinsamkeiten.
  • Du darfst keine Angst vor Belanglosigkeiten haben. Vor allem Introvertierte tun sich schwer mit belanglosen Gesprächen über das Wetter und scheuen sich davor, offensichtliche Dinge anzusprechen. Ich weiß, es ist ein großer Mist! Aber das ist nun einmal die Natur des Small Talks. Lerne damit zu leben und mache einfach mit.
  • Gerate nicht ins Grübeln! Wir sind nachdenkliche Menschen, aber das tut dem Small Talk nicht gut. Er lebt von der Leichtigkeit einfach irgendetwas sagen zu können, das nicht schon stundenlang durchdacht worden ist.
  • Auch andere Menschen sind unsicher. Sei Dir dessen bewusst, wenn Du auf Leute zugehst. Nach außen mag jemand wahnsinnig selbstsicher wirken, doch jeder schleppt ein bisschen Unsicherheit mit sich herum.
  • Gib hin und wieder etwas Persönliches preis. Ja, das mögen wir Introvertierten gar nicht, vor allem nicht gegenüber Fremden. Doch es führt dazu, dass sich auch unser Gegenüber mehr öffnet, da wir vertrauenswürdig wirken. Lass es eine Schwäche sein oder auch nur eine Meinung: Etwas Persönliches kann das Gespräch letztendlich dorthin lenken, wo wir es haben wollen.

Vielleicht helfen Dir die Logik des Small Talks und die Tipps bei Deinem nächsten Gespräch über Belanglosigkeiten. Small Talk muss nichts Schlechtes sein. Du kommst in Deinem Leben ohnehin nicht drum herum, also sieh es positiv. Führe Dir vor Augen, dass Du ihn beherrschen kannst, wenn Du nur willst.

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Über den Autor

Mein Name ist Patrick und ich bin introvertiert. Oft habe ich mir gewünscht, extrovertiert zu sein, bis ich meine Veranlagung besser verstanden habe. Mehr über mich, mein Buch Kopfsache, mein Projekt Healthy Habits.

Comments

  1. Der klassische Small Talk, den du hier beschreibst hat für mich durchaus seine Berechtigung, nämlich mit Leuten ins Gespräch zu kommen die man gerade neu kennenlernt. Was ich persönlich viel anstrengender finde, ist der Small Talk mit Bekannten, mit denen man eigentlich kein Thema hat,
    und mit denen man eigentlich nicht sprechen würde, es sei denn es gäbe etwas zu besprechen.

    Zum Beispiel die Leute die im gleichen Dorf wohnen und die man überall trifft (beim Einkaufen im Supermarkt, im Wartezimmer beim Arzt, bei Geburtstagsfeiern im Verwandten- und Bekanntenkreis).
    Da kann ich gar nicht einfach vorbei gehen und nur „Hallo“ sagen, da muss ich stehenbleiben und eine Art von Small Talk mitmachen, die ich super anstrengend finde. Manchmal würde ich mich mit der ein oder anderen Person gerne mal „richtig“ unterhalten, aber auf einer Geburtstagsfeier wo noch weitere 10 Leute am Tisch sitzen und alle zuhören geht das ja auch nicht.

    So etwas kommt natürlich kaum vor, wenn man (so wie du – Patrick) nicht in einem festen sozialen Umfeld wohnt, ich wohne in einem Dorf und habe durch meinen extrovertierten Partner einen sehr großen Bekannten- und Verwandtenkreis.

    Was meinen die anderen Leser hierzu?

    • Hallo Sophie,

      es passiert mir zum Glück nicht so oft, aber ich kenne die Situation natürlich auch. Zuletzt habe ich in Leipzig gewohnt. Die Innenstadt ist sehr kompakt, da läuft man sich immer wieder über den Weg.

      Im Prinzip gilt hier aber teilweise das gleiche wie bei Small Talk mit Fremden: Lächeln, keine Angst vor Belanglosigkeiten haben und Fragen stellen. Da Du denjenigen kennst, gibt es ja auch gewisse Gemeinsamkeiten oder Ansatzpunkte zum Fragen (Wie läuft’s im Büro / zuhause, wie geht’s XY..).

      Wenn Du Dich mit jemandem richtig unterhalten willst, dann nutze doch die Gelegenheit des zufälligen Treffens, um Dich mit der Person auf einen Kaffee zu verabreden.
      Wenn Du aus dem Gespräch schnell wieder heraus willst, kannst Du Dir für solche Fälle ja Ausreden zurecht legen, wobei ich immer mit einer freundlichen Floskel enden würde.

    • Ohne Small Talk kommt man gar nicht zu den ernsten „richtigen“ Themen. Dazu braucht man erst eine Brücke, auch um Vertrauen aufzubauen.
      Meine Devise: Üben, üben und nochmals üben. Small Talk kann man nicht lernen, sondern nur trainieren. Ich würde mir ein paar Themen oder lustige „nutzlose“ Fakten schnappen und damit aktiv Gespräche und Gesprächspartner suchen. Nur so wird es zunehmend angenehmer.

  2. Ich kann Sophies Problem gut nachvollziehen – ich persönlich finde es auch schrecklich, von Nachbarn o. ä. in einen Small Talk gezwungen zu werden, den ich gerade nicht führen will. Mir geht es dabei meist so, daß mich das, was mir der andere gerade erzählen möchte, eigentlich nicht interessiert und ich dadurch in einem Gespräch festhänge, das ich gar nicht wünsche. Leider bin ich auch zu höflich, um mich in einer solchen Situation mit einer Notlüge aus der Affäre zu ziehen.

    Ich sehe das Problem also weniger darin, wie man das Gespräch führt, als darin, es nach Möglichkeit zu vermeiden.

    • Hi Jens,

      ok, das verstehe ich. Manches mal wechsle ich auch die Straßenseite bevor mich jemand sieht, mit dem ich nicht Small Talken möchte 😉
      Mehr kann man dagegen wohl kaum machen und grundsätzlich denke ich, dass wir dem nicht so häufig aus dem Weg gehen sollte. Diese kleinen Gespräche erfüllen ja auch eine gewisse soziale Funktion.

      Viele Grüße und schön, dass Du hierher gefunden hast,
      Patrick

  3. Manchmal denke ich, dass ich auf soziale Kontakte gut verzichten könnte. Der Abend nach einem Tag mit der Familie ist eine Qual, obwohl sich alle „normal“ und nett verhalten.

    Ich denke mir fortwährend „sei doch still“ und/oder empfinde die Situation als belastend. Viel lieber bin ich komplett allein zu Hause. Macht das Sinn? Deckt sich das mit deinen Erfahrungen oder liegen hier viel tiefgreiferende „Probleme“ vor?

    • Patrick says:

      Hi Jan,

      in etwa deckt sich das mit meinen Erfahrungen, wobei es von Dir ein bisschen extremer klingt.
      Das muss allerdings nicht heißen, dass es Probleme gibt. Es ist schon okay, seine Ruhe haben zu wollen.

      Viele Grüße
      Patrick

      • Hmhm…könnte wahrscheinlich auch daran liegen, dass man sich bei uns zu Hause nicht aus dem Weg gehen / sich zurückziehen kann. Das ist recht plausibel, wenn ich so drüber nachdenke.

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