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Warum Introvertierte aufmerksame Beobachter sind

In einem anderen Artikel habe ich bereits beschrieben, dass Introvertierte – nach der ursprünglichen Definition – auch als hoch sensible Menschen bezeichnet werden können.

Sensible Menschen reagieren empfindlich auf ihre Umwelt. Dadurch werden sie schnell spöttisch als „Sensibelchen“ bezeichnet – dabei heißt es nichts anderes, als dass sie ihre Umwelt stärker wahrnehmen.

Besonders deutlich wird dies bei hoch sensiblen Babys. Sie verstecken ihre Gefühle noch nicht, sondern lassen ihrer Unruhe freien Lauf, wenn sie an Reizüberflutung leiden. (vgl. Susan Cain in „Quiet“)

Die intensive Wahrnehmung der Umgebung können wir allerdings auch zu einem Vorteil umdeuten. Introvertierte sind nämlich aufmerksame Beobachter.

Introvertierte beobachten Menschen aufmerksamer

Wir bemerken subtile Dinge und Nuancen, die bei anderen Menschen unbewusst ablaufen. Wir registrieren eher, wenn jemand leidet. Auch für Zweideutigkeiten sind wir empfänglich. Ich bin sehr damit beschäftigt, das Verhalten anderer Menschen zu interpretieren, anstatt es einfach hinzunehmen. Ich frage mich oft: „Was soll das bedeuten?“ oder „Was meint er/sie damit?“.

Diese Eigenschaft kann leicht ins andere Extrem kippen, wenn wir zu viel denken und interpretieren.

Introvertierte erleben Diskussionen anders

Zu großen Gesprächsrunden trage ich zumeist wenig bei. Jedenfalls gemessen an den gesprochenen Worten. Den meisten Introvertierten geht es ähnlich.

Wir sind im Verlauf von Diskussionen zwar recht passiv, allerdings gute Beobachter. Während andere mit Reden beschäftigt sind, haben Introvertierte Zeit zu beobachten und zu analysieren.

Wir erkennen eher Widersprüche und Wiederholungen. So merken wir schnell, wenn sich die Runde im Kreis dreht. Ich bekomme oft mehr von einem Gespräch mit als andere Teilnehmer. Auch wenn ich eher unbeteiligt dabei sitze, weiß ich mehr über eine Diskussion als die eigentlichen Teilnehmer der Diskussion. Da ich quantitativ nicht viel beitrage, kann ich mich auf das Gesagte konzentrieren, anstatt zu überlegen, was ich als nächstes sagen will.

Aus Beobachtungen folgen Schlüsse

Laut Elaine Aron sind sensible Menschen oft die ersten, die erkennen was zu tun ist. (vgl. Elaine Aron in „The Highly Sensitive Person“)

Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Jedenfalls habe ich oft das Feedback erhalten, aus vielen widersprüchlichen Informationen das Wesentliche herauszufiltern und daraus Schlüsse zu ziehen. Gerade als Führungskraft in meinem Unternehmen war das sehr nützlich.

Das ist nicht überraschend, denn so funktionieren Introvertierte. Wir leben in unseren Köpfen, wir interpretieren und analysieren, wir filtern Informationen, um einer erschöpfenden Reizüberflutung zu entgehen.

Was wir daraus lernen können

Ich behaupte nicht, dass Introvertierte pauschal die besseren Beobachter sind und die besseren Schlüsse ziehen. Doch zum einen liegen uns diese Dinge tendenziell eher als Extrovertierten. Die gleichen Eigenschaften, die uns das Leben manchmal sehr schwer machen, gereichen hier zu unserem Vorteil.

Zum anderen ist die Meinung von Introvertierten oft unterrepräsentiert, da wir zahlenmäßig unterlegen sind und zudem weniger reden. Doch ich denke in vielen Situationen des Lebens ist es sinnvoll, gezielt die Meinung von Introvertierten einzuholen. Wer das nicht tut, wird sie sehr wahrscheinlich überhören und sich selbst einer zusätzlichen Perspektive berauben.

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Über den Autor

Mein Name ist Patrick und ich bin introvertiert. Oft habe ich mir gewünscht, extrovertiert zu sein, bis ich meine Veranlagung besser verstanden habe. Mehr über mich, mein Buch Kopfsache, mein Projekt Healthy Habits.

Comments

  1. Hallo, ich freue mich über die neu entdeckte Seite. Ich bin seit über 20 Jahren Berater in einer Verbraucherzentrale und liebe es Problemlösungen zu finden, liebe den direkten Austausch mit einzelnen Menschen. Diese Arbeit hat meine Beobachtungsgabe geschult und entspricht meiner Berufung. Oft sind die Verbraucher völlig verunsichert, weil sie zum Beispiel eine Heizkostenabrechnung nicht durchschauen, da macht das Erklären der Zusammenhänge Freude. Flunkereien um den eigenen Vorteil zu erreichen, haben keinen Bestand vor meinem wachsamen Auge. Ich stehe auch Vorträge mit größeren Menschenansammlungen durch, danach bin ich aber reif für die Insel. Da ich bald 55 Jahre alt werde, habe ich mich lieben gelernt und mir einen extrovertierten Partner gesucht. Er ist zuständig für die Unterhaltung unserer Freunde und das Aufrechterhalten von Netzwerken. Ich finde Problemlösungen und ziehe im Hintergrund die Fäden. Wir ergänzen uns prima!
    Ich werde sicher öfter mal etwas schreiben, es ist so schön in dieser oberflächlichen, lauten Welt leise Verbündete zu finden!

    • Patrick says:

      Hallo Karin,

      es klingt, als hättest Du genau den richtigen Job (und Mann) für Dich gefunden 🙂
      Ich freue mich, hier mehr von Dir zu lesen.

      Viele Grüße
      Patrick

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